Die schönen Momente…

… “ Das müsste ich mal…“

Ein Satz, den ich nicht mag. Je öfter ich ihn sage, oder denke, desto dringlicher ist es, ihn endlich umzusetzen.

Ich bin ein Umsetzer, ein Macher, ein Realisierer. Und doch gibt es immer wieder Dinge, vor denen auch ich mich gern drücke.

Vor einigen Wochen waren wir auf einem Spielplatz, mein 4 jähriger Sohn schnappte sich das Rad eines Kindes und hörte nicht mehr auf damit zu fahren.

Es hatte Stützräder und in die Pedale zu treten war noch sichtlich anstrengend für ihn. Er machte immer wieder Pausen, streckte die Zunge raus und keuchte. Ich sah das Feuer in ihm….

Da dachte ich es das erste Mal:

“ Ich müsste mal so langsam das Rad aus dem Schuppen holen, auf dem mein Grosser damals Fahrrad fahren gelernt hat.“

Müsste….da war es! Was hielt mich ab?

Der Schuppen:

Da stehen die Fahrräder übergangsweise, weil unser Fahrradschuppen neu gebaut wird. Er ist alt und etwas gammelig. Ich scheute mich davor ihn zu betreten, weil an der Eingangstür schon grosse Spinnweben hingen.

Ekel und Angst.

Nächstes Problem:

ich hatte Bammel, dass ich schon wieder irgendwelches Werkzeug zum Einstellen der Lenkradhöhe und des Sattels benötige. Noch schlimmer, dass die Reifen defekt sind und ich schon wieder unseren mehr als hilfsbereiten Nachbarn belästigen muss.

Er hat mich nie im Stich gelassen und hilft immer, trotzdem mag ich es nicht, um Hilfe zu bitten.

Jaaaaa, ist doch nichts dabei…bla bla bla.

Ich hab da ein Problem damit und es fühlt sich nicht gut an für mich. Deshalb vermeide ich es so oft es geht und reg mich lieber auf wie Rumpelstielzchen, dass etwas nicht gelingt und ich daran scheitere.

Mit 2 kleinen Jungs passiert das öfter als mir lieb ist: Inliner, Roller, Laufrad, Fahrrad, Trampolin aufstellen, Ballpumpen, Erstellen einer Favoritenliste im TV. Nur wenige der Dinge, die mich schon mal an den Rande des Wahnsinns getrieben haben.

Da war noch was, wovor ich mich drückte: Angst zu Versagen!

Ja, ihr hört richtig. Das Kind soll Fahrrad fahren lernen und ICH hab Angst zu versagen. Verrückt!

Ich konnte mich erinnern, wie viel WIR damals mit dem Grossen geübt haben. Wir- mein damaliger Mann und ich. Es war so anstrengend, immer hinterherzurennen, in gebeugter Körperhaltung und mit Rückenschmerzen. Immer wieder zu ermutigen.

Ich wollte mich nicht mehr drücken, denn ich fühlte, er ist soweit. WIR sind soweit. Ich schloss den ekeligen Schuppen auf und meine Kinder schrien immer wieder, um mich vor den Spinnen zu warnen, die überall um mich herum waren.

Ich fluchte innerlich, als ich durch ein Spinnennetz lief und schüttelte mich lautlos. Ich wollte es heut wissen!

Ich holte erst das neue Fahrrad des Grossen, denn das aktuelle ist ihm zu klein. Dann holte ich das kleine blaue Puky ohne Stützrader hoch. Sie waren staubig und dreckig. Schnell holte ich einen Eimer mit Wasser, 2 Schwämme von oben und los ging’s.

Beide hatten einen riesen Spass! Dann Helm auf. Puh!

Der Zwerg setzte sich drauf, ich hielt ihn etwas am Oberkörper fest, aber das war schon nicht schlecht.

Pause.

Beim 2. Versuch eine Minute später hielt ich ihn nur noch hinten dezent am T-Shirt, um ihm Sicherheit zu geben. Ich liess los und er fuhr. Meterweit! Kerzengerade. Ich hielt den Atem an und lief ihm hinterher.

Bitte, bitte kein Sturz!

Ich hielt ihn an, als er in Schwanken geriet und ich sagte:

“ Schatz, du bist grad ganz alleine gefahren, ich hab gar nichts gemacht! Du kannst jetzt Fahrrad fahren!“

Er war erstaunt und konnte es selbst nicht glauben. Sein Mund formte ein breites Lachen. Wir klatschten ab, wir hüpften vor Freude und drückten uns mehrmals.

Es war ein besonderer Moment.

Ich hatte Tränen in den Augen vor Freude und mein Sohn fragte:

„Mama, bist du stolz auf DICH?“

Hä? Hatte ich mich verhört?!? Dass ich stolz auf IHN war, hat die ganze Sackgasse mitbekommen vermute ich. Und ja, ich war auch stolz auf mich, denn endlich konnte ich dieses belastende „müsste“ von meiner to-do- Liste streichen.

ICH habe es geschafft!

Brauchte kein WIR.

Ich habe die Reifen aufgepumpt, die Sattelhöhe eingestellt und ich habe es ihm beigebracht.

Ok, er hat es mir saueinfach gemacht. Aber vielleicht hab ich das auch verdient.

Mein kleiner Fahrradfahrer, ich bin sehr stolz auf uns. ❤

I can’t master this disaster, oder ein ganz normales Wochenende

Das 1. Mal, das ich mit einem Bild beginne!

Ich habe es vorhin entdeckt und es umfasst so ziemlich all meine Gedanken am heutigen Tag.

Spinn ich eigentlich, oder spinnen die zwei?

Der einzig passende Eintrag kam von einer Bekannten, die bei Instagram schrieb: “ Ich brauche Urlaub von meinem Kind!“

Darf man denn so etwas sagen? Wenn ja, treibe ich es jetzt auf die Spitze.

Achtung, haltet euch fest und schnallt euch an!

Ich wollte meine Jungs heut mehrmals auf den Mond schicken und mich unsichtbar zaubern. Die Zeit anhalten, so dass jeder in seiner momentanen Bewegung verharrt und sich nicht rühren kann.

Ich habe sie in Gedanken an einem Baum gefesselt und bin gegangen.

Ich habe gedroht mich in ein Zimmer zu schliessen, nur, weil ich sie nicht mehr ertragen kann.

Ich wollte die Wohnung verlassen. Heute war ich nah dran, es auszuprobieren mit der Runde um den Block. Sie alleine lassen und einfach gehen. Ans Wiederkommen habe ich nicht gedacht um ehrlich zu sein.

Wenn ich lese, dass Schreien der Kinderseele wehtut wie körperlicher Missbrauch….dann habe ich heute auf ganzer Linie versagt. Mehrmals.

Denn ich habe geschrien, dass es mich im Hals kratzte. Die offenen Fenster haben mich heute nicht gestört.

Ich habe durch die Zähne geredet. Die Endstufe vor’m Nervenzusammenbruch quasi.

Ich bin an meine Belastungsgrenze gekommen und musste danach gefühlt noch nen Marathon laufen. Hinter mir einige Braunbären und Dinos mit flätschenden Zähnen.

So fühlte es sich an.

Meine Gedanken drückten immer auf repeat:

„Ich kann nicht mehr!“

“ Ich schaff das heute nicht, ich steh es nicht durch!“

“ Ich habe heut keine Kraft für sowas!“

Gepaart mit viiiiiiiiiiel Selbstmitleid und mimimi:

„Warum nimmt keiner auf MICH Rücksicht!?“

„Warum hören sie nicht auf mich?“

„Warum sehen sie nicht, dass sie zu weit gehen?“

„Warum werden meine Grenzen überschritten?“

Meine meist wiederholtesten Sätze von heute waren:

„Hört auf die Türen zu batschen!“

„Ihr seid zu laut!“

„Hört auf zu kämpfen!“

„Hör doch jetzt mal auf!“

„Was ist deine Aufgabe?…dann bitte!“

„Hast du gehört was ich dir gesagt habe?“

Gestern las ich erst einen Artikel über besagten letzten Satz und dass man stattdessen besser sagen könnte:

“ Wiederhole, was ich gesagt habe!“

In der Theorie fand ich das ganz brauchbar.

In der Praxis hat er heut versagt, so wie ich.

Heute fühle ich mich wie die schlechteste Mutter der Erde.

Ich habe heut kaum gelächelt, hab meist ernst, oder sogar sauer geschaut.

Um 11 Uhr wusst ich heut bereits, der Tag ist hinüber, nicht mehr zu retten. Das wird heut nichts mehr, ich gebe mich geschlagen.

Mein Kleiner haute mir die Realität zwei mal um die Ohren.

„Du bist eh kein guter Mensch!“

Später…

„Du bist eh ne blöde Mama…für mich!“

Ich bin ihm nicht mal böse, denn vielleicht hat er nur meine Gedanken ausgesprochen.

Ich erspare euch Details.

Es war ein Tag, an dem einer allein das nicht packen kann.

Ein Tag, an dem strenge Blicke nicht ausreichten, sondern als Aufforderung gesehen wurden weiterzumachen.

Ein Tag, an dem ich ( mal wieder) glaubte, den Verstand zu verlieren.

Ein Tag, an dem ich nicht einmal auf der Couch sass, ohne dass ein Kind über mich hoppste, oder gleich auf meinen Schoß.

Ein Tag, an dem ich die Nähe meiner Kinder so gar nicht ertragen konnte.

Ein Tag, an dem sie egoistisch allerhand einforderten, ohne bereit zu sein etwas davon zurückzugeben.

Ein Tag, an dem ich mir gottverlassen vorkam.

Ein Tag, an dem ich mehrmals inne halten musste, die Augen schloss und zählte.

Ein Tag, an dem ich mich nicht umdrehen konnte, ohne dass sie hinter meinem Rücken aufeinander losgegangen sind.

Ich war mehrmals drauf und dran, sie ihrem Schicksal zu überlassen und nicht mehr dazwischen zu gehen.

Einfach Scheuklappen anziehen.

🙈🙉🙊

Einer provozierte gekonnt und der andere schrie in allen Oktaven.

Ich konnte es nicht mehr ertragen.

Ich führte schier endlose Machtkämpfe darüber, dass der Fernseher aus bleibt und es nichts Süsses gibt, wenn man sein Mittagessen nicht angerührt hat.

Ich war am Ende! Game over. Ich war der Endgegner und sie hatten mich platt gemacht, überrannt, entwaffnet.

Alle Techniken, Strategien, nichts half heut. Ich lag am Boden.

Also beschloss ich: raus!

Ich packte wortlos den Rucksack und redete nur in kurzen knappen Sätzen, so wie immer, wenn ich am Platzen bin.

Dann reicht die Kraft nur noch für kurze Ansagen wie: „Schuhe anziehen!“

Im Garten mussten wir an den Vermietern vorbei, die dort arbeiteten.

„So, wir hauen jetzt ab, damit Sie mich nicht mehr schreien hören müssen!“

In meinen Bart nuschelte ich: „Schrei ich halt wo anders!“

Ich nahm keinen Blickkontakt auf, ich hörte sie nur lachen. Ich konnte es heute nicht erwidern.

Meine Jungs wollten wissen, wohin wir gehen. Ich redete nicht. Ich schaute nur auf die Strasse.

Als der Zwuckel fragte: „Gehen wir jetzt nach Kreta?“

Ooooook, da musste ich lachen.

Den beiden gefiel das und sie versuchten weiter mich zum Lachen zu bringen. Ich gab dem Nachmittag eine Chance.

4 h waren wir dort am Bach und die Jungs IM Bach. Warfen Steine, bauten Staudämme, wateten, überquerten, halfen sich gegenseitig, lachten, waren so lieb zusammen und ich konnte es nicht fassen:

Waaaaaaaarum funktioniert das zu Hause nicht? Nie?!?

Warum muss ich immer alleine und dumm irgendwo daneben sitzen, Hauptsache es ist Wasser in der Nähe?

Es kann doch nicht sein, dass ich so grossen Aufwand betreiben muss, um ein paar Stunden runterfahren zu können?

Als ich 19 Uhr gehen wollte, wusste ich wieder, was ich NICHT vermisst hatte. Geschrei und Gezicke, Diskussionen.

Ich war NICHT zu Verhandlungen bereit, denn ich wollte sie nicht sooo spät im Bett wissen. Beide waren mehr als dreckig und die Bilder, mit der Nacktschnecke auf der Hand liessen mich nicht los.

Abgesprochen war, dass beide sofort ins Bad sollen und sich ausziehen zum Baden. Nichts anfassen, nirgends hinsetzen mit den nassen, dreckigen Hosen.

Bis ich Wasser anschaltete, waren beide verschwunden. Einer war noch nicht weit und gab schnell nach.

Zwergi war im Wohnzimmer- und hatte in Windeseile aus allen Couchkissen und Decken eine Höhle gebaut! Hilfe!

Aaaaaaaatmen!

Bringt jetzt nichts, ich bereitete Essen vor und schob es in den Backofen. Kind 1 war fertig mit duschen und hatte den Auftrag, alles was in seinem Zimmer auf dem Boden liegt, aufzuräumen.

Ich ging ins Wohnzimmer, der Zwerg ahnte was ihm blüht und hielt sich am Kissen fest. Schreiend, denn er hasst duschen.

Ich hatte Tränen in den Augen. Meine Stimme zitterte. Die Wut war weg.

Bis ich die Teller auf den Tisch stellte, holte er das Besteck und unsere schönsten Servietten.

Ich schenkte Getränke ein und er räumte das komplette Wohnzimmer auf, OBWOHL er es gar nicht wahr.

So schön ordentlich hatte ich die Couch und den Tisch schon länger nicht gesehen. Er ließ sich loben und sagte, das hätte ihm viel Spass gemacht und er wolle nach dem Essen weitermachen. Er ging nach der ersten Aufforderung schon Zähne putzen, beide brachten den Müll runter und wischten den Tisch ab. Es wurde gefegt und die Schuhe sortiert.

Er ermahnte den Zwerg: “ Lass Mama jetzt in Ruhe, die weint schon fast!“

Ich musste lachen und machte mich somit unglaubwürdig.

Weil alles so schlimm war, habe ich noch 2 Bücher vorgelesen. Es war mehr fürs schlechte Gewissen, als des Lesens wegen.

Der Große nahm meinen Fuß, fing an ihn zu massieren und sagte: „Heut bist du mal dran! Und wie sagst du immer so schön Mama? Morgen ist ein neuer Tag!“

Zeugnis und so…

Den ganzen Tag gestern hatte ich dieses Kribbeln im Bauch…Es war angenehm, ich konnte es nicht erwarten.

Das 1. Zeugnis mit Noten! Zumindest mal mit zwei Noten, in Mathe und in Deutsch.

Puh! War das aufregend! Obwohl Sohnemann und ich die Noten erahnen konnten, waren wir uns eben nicht zu 100% sicher.

In Deutsch zählt Manches doppelt, Manches dreifach und Gedichte zum Beispiel nur einfach.

Ich hab nie die Noten vom Jahr aufgeschrieben. Ich habe unterschrieben und es wurde abgegeben. Fertig!

Wir drückten uns, als er mir beim Abholen in die Arme lief und es platzte gleich aus ihm raus. Er strahlte. Und ich mit!

“ Weisst du Mama, der X und der X haben alles nur Einser,“ sagte er anerkennend mit grossen Augen, so als könne er es gar nicht glauben.

Es war ohne Neid und Missgunst, das hat mir gefallen.

Im Auto wurmte es ihn dann schon kurz.

„Oh Mann, ich will auch mal ne Eins!“

Ich sah ernst in den Rückspiegel, unsere Blicke trafen sich.

Ich sagte: “ Jetzt hör mir mal genau zu.“

Er wusste wohl was kommt und er fing an:“ Ja, ich weiss. Die haben keinen kleinen Bruder, der oft nervt!“

Genau!

Der kleine Bruder ist erst vier geworden und macht schon lange keinen Mittagsschlaf. Er möchte gern beschäftigt werden und hat immer dann 100 Wünsche, wenn ich dem Grossen bei den Hausaufgaben helfen will.

Manchmal will er auch genau DANN mit mir auf der Couch liegen und Kuscheln, um sein Mittagstief zu zelebrieren.

Hausaufgaben musste er deshalb eigentlich von Anfang an alleine machen, ich konnte sogut wie nie daneben sitzen.

Er durfte jederzeit fragen und ich habe immer kontrolliert. Aber mehr war nicht drin.

Oft gab es riesen Theater während dieser Zeit, die furchtbarsten Streitereien passierten genau in dieser Zeit. Ich kam von der Arbeit, hatte manchmal noch nicht zu Mittag gegessen. Ich konnte mich nicht kurz setzen und durchatmen.

Ich war oft genervt und fühlte mich unter Druck.

Ihm ging es sicher ähnlich.

Wir alle drei hatten völlig verschiedene Bedürfnisse und die liessen sich nicht vereinen.

Ab und an schlief der kleine Hausaufgabenverderben auf der Couch ein und ich konnte mir Zeit nehmen. Bestraft wurde ich dann mit einem saufitten Kind, dass 19.30 Uhr noch keine Anzeichen von Müdigkeit hatte.

Ich dafür, ich war schon seit Stunden in Gedanken bei meinem Bett, voller Sehnsucht.

„Ausserdem hast du 3 mal in der Woche zwei Stunden Turnen. Das hat ausser dir keiner. Und da bist du ja auch noch richtig gut und bekommst ne Menge Medaillen,“ fuhr ich fort.

„Uuuuuuuund….Papa wohnt nicht mehr mit uns zusammen. Kann nicht zusätzlich mit dir üben, oder den Bruder so lange beschäftigen.“

Ich sagte nochmal ausdrücklich, wie stolz ich war, dass er trotz allem so gute Noten hat. Ich weiss, dass er sich Mühe gegeben hat und immer angestrengt.

Ich bin mehr als zufrieden!

Er fragte mich, ob er mit zwei Zweiern auch auf die beste Schule könne. (Gymnasium)

„Ja, klar“, war meine Antwort und er war überrascht.

Ich mache keinen Druck.

Klar will ich, dass er sich auf Arbeiten vorbereitet und helfe ihm dabei.

Alles bis Note 3 ist für mich ok, sagte ich ihm.

Wenn’s schlechter als 3 ist, dann müssen wir kucken, woran es lag: zu wenig gelernt, oder nicht verstanden?

Damit fahre ich bisher sehr gut.

Den Druck macht er sich selber nämlich mehr als genug.

Ich will ein glückliches Kind. Kein Perfektes. Ich wünsche mir, dass er noch genug Zeit hat Kind zu sein und frei spielt.

Mir ist es auch egal, was er für einen Beruf lernen wird.

DASS er einen lernt, das ist mir wichtig.

Ob er Handwerker wird, oder Chef einer Bank…

Glücklich soll er sein. Ich wünsche ihm, dass er morgens gerne aufwacht und sich auf seine Arbeit freut.

Wo auch immer es ihn hintreibt, ich bin gespannt.

Bis dahin bin ich einfach nur mal stolz auf ihn.

Ich habe dazugelernt…

In letzter Zeit gerate ich oft in Situationen, bei denen ich mir eingestehen muss:

man kann nicht alles haben!

20. 7…der Tag, an dem ich mich schon vor Monaten zum “ Muddyangel run“ in Stuttgart angemeldet habe.

Zusammen mit 6 anderen Mädels fieberte ich dem Tag entgegen und hoffte, dass ich das alles mit den Kindern organisiert bekomme.

Denn diesmal bin ich es anders angegangen: ERST anmelden und mich DANN erst um die Kinderbetreuung kümmern.

Ich war nervös und das Verhältnis zum Papa der Kinder zu der Zeit nicht wirklich gut.

Die Umgangswochenenden waren nur zeitnah möglich zu besprechen, wenn überhaupt. Fakt ist, es war zäh und so weit im Voraus konnte er nicht planen.

Ich war erleichtert, als ich einen Plan B hatte, falls er mir einen Strich durch die Rechnung machen sollte.

Der Plan war umständlich und nicht genau das was ich logistisch wollte, aber es war ein Plan.

Nach dem letzten Elternabend stand der Termin für das Sommerfest der 2. Klasse meines Sohnes fest:

Es war der 20. 7

Ich konnte es erst nicht fassen und ärgerte mich unheimlich darüber, dass solche Dinge jetzt schon am We geplant werden.

Noch mehr verfiel ich nach dem 1. Schock in Selbstmitleid und den kreisenden Gedanken um das Thema:

…jetzt hab ich EINMAL was vor….immer kümmere ich mich um die Kinder…EINMAL meld ich mich an…Ich habe dafür Geld gezahlt und ich freu mich darauf…es ist schon so lange geplant…

Ich hatte zwar einen Plan B, ja, aber dieser Plan B liess sich nicht mit dem Sommerfest vereinen.

Ich ging die Möglichkeiten durch:

1. Ich sage das Event ab, weil ich wirklich will, dass mein Sohn bei seinem Sommerfest dabei ist

2. Ich gehe zu dem Event, nehme Plan B und mein Sohn kann eben nicht zu dem Sommerfest

3. Der Papa nimmt die Jungs an dem Tag, ich kann zu meinem run.

Dann weiss ich aber immer noch nicht, ob er mit Sohnemann zu dem Sommerfest gehen will, ich denke aber eher nicht

Der Druck stieg, als mein Sohn mir von dem Theaterstück erzählte und mir den Text in die Hand drückte, den er dafür lernen soll. Ausserdem ist sein legendärer Handstandlauf Teil des Ganzen.

– Schluck-

Es quälte mich.

Das Verhältnis zum Papa der Kinder besserte sich und ich hatte minimale Hoffnung.

Erst viel später waren die Umgänge besprochen und am 20. 7 waren sie bei Papa.

PUH! Soweit so gut!

Ich traute mich noch nicht, ihm von dem Sommerfest zu erzählen.

Wenn er nämlich nicht mit Sohn hingegen wollte, hätte ich meins sicher abgesagt, damit ich mit ihm hingehen hätte können.

Es vergingen mehrere Wochen und eines Tages war die Stimmung gut, alle waren entspannt und ich informierte ihn darüber.

Bevor er etwas sagen konnte, erzählte ich ihm, dass das dem Sohn sehr wichtig ist und dass er sich darauf vorbereitet hat. Also nicht fehlen darf.

Zu meiner Überraschung war er sofort einverstanden und freute sich, dass das erst 15 Uhr losgeht.

Der letzte Wettkampf, zu dem er unseren Sohn begleitete, der fing 9 Uhr an. Das war schon sportlich für ihn allein mit 2 Kindern und in einer anderen Stadt.

Ich konnte mein Glück nicht fassen und ich war so erleichtert. All meine Probleme waren mit einem Schlag gelöst.

Gestern war der 20.7 und wir kamen alle auf unsere Kosten.

Am Vorabend fuhr ich nach Stuttgart und schlief bei einer Bekannten. Das allein war schon Entspannung pur.

ALLEIN im Auto, auf der Autobahn. Wahnsinn.

Ich drehte die Musik laut und fuhr auf der linken Spur.

Ich Rebell.

Wir sassen draussen aud der Terasse zusammen, wie waren zu dritt.

Es wurde philosophiert, sich ausgetauscht, auf den neusten Stand gebracht und wir tranken Hugo.

Nur Erwachsene! Wow!

Am nächsten Morgen lernte ich die 2 Jungs der Gastgeberin kennen und sie erinnerten mich sehr an meine. Ich mochte sie auf Anhieb, liess mir die Nerf-Sammlung zeigen und bewunderte die vielen Legos.

„Petra, vermisst du deine Kinder, oder was ist los!?!“

Sie lachte und ich stellte fest, dass ich das Alles mag. Kinder, Jungsspielzeug, mein Leben damit. Absolut!

Am Abend danach war ich mit letzter Kraft bei Edeka und wollte mir noch leckeres Essen kaufen.

Das mach ich immer so für MEIN We!

Ich hoffte keinem zu begegnen, denn ich hatte noch Schlamm in den Ohren und war nicht in Redelaune.

Ich war müde, erschöpft, k.o und alles zusammen. Gepaart mit Glückseligkeit und Erleichterung, dass alles so geklappt hat.

An der Kasse traf ich diese eine Mama .

Sie fragte mich, warum ich heut nicht beim Sommerfest dabei war.

„Musstest du arbeiten?“

War das der einzige Grund, der gezählt hätte, fragte ich mich kurz.

War das ein Apell an mein schlechtes Gewissen?

Ich liess es nicht zu!

Ich antwortete höflich, aber kurz: Nein!

Dann lächelte ich und packte meine Sachen in den Wagen. Sie schaute etwas irritiert.

Ich habe dazu gelernt!

Man kann nicht alles haben.

Ich hatte nicht das Bedürfnis mich zu rechtfertigen.

Der Papa war dabei und der ist nicht unwichtiger als ich.

Diesmal hatte ich etwas anderes vor.

Die Hauptsache ist, dass alle ihren Spass hatten, keiner musste zurückstecken.

Kein schlechtes Gewissen weit und breit.

Ich freue mich mit meinen Kindern, dass sie die Möglichkeit hatten, das mit Papa zu erleben.

Ich freue mich für den Papa, dass er die Möglichkeit wahr gemacht hat und Teil des Ganzen war.

Und ich freue mich für mich, denn ich hatte wirklich Spass und hab die Auszeit gebraucht.

Schuldgefühle

Mein grosser Sohn ist 8 und in der 2. Klasse.

Von allen Seiten höre ich, dass er ein „Schlamper“ ist. Die Lehrerin sagt es mir bei jedem Gespräch. „Die Unordnung unter seinem Tisch ist schlimm!“

Regelmässig vergisst er sein Mathebuch und kann deshalb die Hausaufgabe erst am Folgetag machen. Dafür hat er ab und an die Unterlagen oder Bücher seiner Mitschüler dabei, so dass DIE ihre Hausaufgaben nicht machen können.

Es gibt Anrufe von Eltern, weil ihr Kind meint, dass mein Sohn deren Buch eingesteckt habe und ich soll dafür sorgen, dass er es am nächsten Tag zurückgibt.

Mehrmals wöchentlich ist seine Mensakarte und dazugehöriger Brustbeutel verschollen, darüber ärgere ich mich schon gar nicht mehr.

Er tauchte immer wieder auf, denn jeeeeeder weiß, dass das ihm gehört.

Ich habe von Kindern gehört, dass er kein beliebter Nebensitzer ist, da jeder, der neben ihm sitzt auch schlampig wird.

Ich selber bin sehr ordentlich und gewissenhaft mit meinen Sachen, so dass es mich wirklich in den Wahnsinn treibt, all seinen Kram beisammen zu halten:

Kleidungsstücke, Cappies, Trinkflaschen inklusive.

Seit der 1. Klasse ist es ein Drama.

Ich habe ihm schon Taschengeld für meine Spritkosten abgezogen, weil ich 2 Wochen in Folge zu Hause feststellte, dass er nach dem Training die neuen Turnschuhe in der Halle vergass.

Meine Nerven, die ich dabei liess, sind unbezahlbar.

Sein Trainer geht nach dem Training extra in die Umkleide, um liegengebliebene Gegenstände von meinem Sohn einzusammeln.

So geht nichts verloren, ich weiss, alles landet wieder daheim. Aber es ist unangenehm, wenn er wieder lachend sagt, dass das bald Geld kostet.

So hat er seinen Ruf weg! Ich gebe zu, ich habe auch kein Geheimnis daraus gemacht und es oft genug thematisiert.

Ich habe Augen verdreht, gestöhnt, geschimpft und gemeckert, ohne darauf zu achten, ob es Publikum gibt.

Mein Sohn ist ein feiner Kerl, er hat wunderbare Eigenschaften. Erstaunliches Einfühlungsvermögen und sehr feine Antennen.

Wenn es um seine Ninjago Karten geht, ist ihm Ordnung und Vollständigkeit sehr, sehr wichtig. Jede Karte hat ihren Platz in der Sammelmappe und wehe, da gerät mal was durcheinander!

Heute hatte er Training.

Er geht gerne hin und mag den Trainer sehr. Wenn er schlechte Laune hat, weiss ich, dass ich 2 h später ein glückliches, ausgeglichenes Kind abholen werde.

Beim heutigen Abholen war schon grosse Aufregung. Ich sah im Augenwinkel eine besorgte Mama, die offensichtlich nach etwas suchte. Ihr Sohn hatte nur eins von zwei Riemchen, die wir für die Reckübungen kaufen mussten.

Sie befragte ihren Sohn und hielt ihn an, danach zu suchen.

In der Zwischenzeit und unabhängig davon, bat ich meinen Sohn die Tasche zu öffnen, um jetzt und nicht erst daheim feststellen zu können, was diesmal fehlt.

Zuverlässig wie immer, hatte der Trainer das vergessene T-shirt von letztem Montag zurückgegeben. Gut!

Dafür fehlten andere Dinge. Er rannte los und holte sie. Auch gut!

Als die andere Mutter immer noch suchte, sah ich bei meinem Sohn mal nach. Er wurde bereits gefragt, sagte aber, dass er nur seine Riemchen habe.

Als ich kontrollierte….oh Wunder…Er hatte 3 Riemchen und die Mama war erleichtert.

Der Turnkollege sagte lächelnd: „Letzte Woche hast du meine eingesteckt und diesmal die von X!“

Ich war genervt und sagte:

“ Wenn was fehlt, immer zuerst bei Robin schauen!“

Im Auto war die Stimmung schnell explosiv. Ich bemerkte sofort, dass etwas hier nicht stimmte.

Ich höre es sofort an der Stimmlage. Er diskutierte über eine Sache mit mir, bei der mir klar war:

Hier kann es nicht um die Sache an sich gehen! Hier ist was faul!

Noch bevor ich klar denken konnte und fragen, ob etwas im Training vorgefallen ist…hatte ich meine Antwort.

Ich hatte gehofft, dass es nur eine Übung war, die heut nicht geklappt hat und ihn ärgert.

Aber nein! Heut war es etwas anderes.

Nachdem der Trainer ihm sein liegengebliebenes T-shirt überreichte und er seine Handschuhe für die Reckübung nicht findet konnte, habe der Trainer zu ihm gesagt: „Genau deshalb mag deine Mama dich nicht, weil du alles verschlampst!“

Bäääääm!

Ok, ok….Ich muss mich sammeln!

Inzwischen sind wir schon am Spielplatz angekommen und ich lasse den kleinen Bruder vergnügt zu seinen Freunden.

Ich gehe ums Auto herum, öffne die Tür vom kleinen Häuflein Elend.

Er weint wie verrückt und schluchzt, kann kaum reden. Ich muss ihm alles aus der Nase ziehen und mir aus den Bruchstücken die Geschichte zusammenreimen.

Ich frage ihn nicht, ob er aussteigen will, denn ich weiss, dass er sich für seine Tränen schämt.

Ich gehe in die Hocke, er sitzt zusammengekauert da und weint, kann sich nicht beruhigen.

Ich hake nach, ob er das genau so gesagt hat, so ähnlich, oder, ob er es evtl. falsch verstanden, oder falsch interpretiert hat.

Er ist sich nicht mehr sicher.

So, oder so ähnlich… irgendwie zumindest.

Ihn quält die Frage, WARUM er sowas sagt. WIESO sagt der sowas Gemeines?

Dass es nicht stimmt, dass weiss er ja, aber wieso tut er das?

Das sei in der Mitte vom Training gewesen und er habe dann kein Wort mehr mit dem Trainer geredet. Nur noch, wenn es um Übungen ging.

Der sei halt der Erwachsene und er das Kind, deshalb habe er einfach nichts gesagt.

Er leidet und mir bricht das Herz ihn so leiden zu sehen.

Ich erinnere mich an seine Kindergartenzeit, als er so alt war wie sein Bruder.

Da weinte er mal vor Wut, oder wegen einer Verletzung.

Jetzt geht es um menschliche Enttäuschung von einer seiner engsten Vertrauten.

Das tut richtig weh!

Ich weiss, dass er grossen Respekt vor seinem Trainer hat und dieser auch viel von ihm hält, das sagt er oft genug.

Nach ein paar Minuten kommt mein Sohn aus dem Auto und wir setzen uns beide auf eine Schaukel und reden.

Den kleinen Bruder hab ich im Auge, er ist beschäftigt und beachtet uns nicht.

Ich stelle mich vor meinen Sohn, er hat sich beruhigt.

Leise frage ich ihn, ob wir uns mal drücken sollen, oder ob ihm das jetzt zu peinlich sei.

Er antwortet nur mürrisch:

“ Peinlich!“

Ich erkläre ihm, dass man manche Dinge falsch versteht. Dass andere etwas sagen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie sehr das den anderen verletzen kann.

Egal was für ein Fall das jetzt ist, sei es mir wichtig, dass er eins immer weiss:

Auch wenn 100 Leute so etwas behaupten, er soll immer wissen, dass seine Mama ihn über alles liebt. Er soll sich daran erinnern, dass ich es ihm jeden Abend vor dem Einschlafen sage und egal WIE schlampig und vergesslich er ist, dass das niemals die Liebe zerstört, die ich für ihn habe.

Es ist angekommen, ich kann es in seinem Gesicht lesen.

Die weiteren 2 h verliefen sehr harmonisch und wir hatten viel Spass.

Zu Hause habe ich mich aufrichtig bei ihm entschuldigt. Dafür, dass ich oft betont habe, wie schlampig er ist.

Dass ich mir Situationen in Erinnerung gerufen habe, die für ihn dadurch unangenehm gewesen sein können.

Vielleicht hat er sich geschämt.

Er nickte und gab mir auch die Hand: Entschuldigung angenommen!

Ich sagte ihm, dass ich diese Situation definitiv mit dem Trainer besprechen werde und fragte, ob er dabei sein will, oder, ob ich das alleine klären soll.

Er möchte nicht dabei sein. Akzeptiert!

Ich versprach ihm, dass das in Zukunft anders laufen wird.

Kein Gemecker mehr!Stattdessen sind wir 2 jetzt ein Team und ich helfe ihm dabei, an seine Sachen zu denken.

Nach der Schule werden wir uns ne ruhige Ecke suchen, im Ranzen schauen, ob alles da ist. Oder ob sich etwas rein verirrt hat, das gar nicht ihm gehört.

Dann kann er es gleich begradigen.

Ebenso nach dem Training.

Ohne Publikum.

Nur das Team. Nur er und ich!

Hiobsbotschaften

Ein harter Wochenstart liegt hinter mir. Solange keine Ferien sind, fühle ich mich recht sicher und unterstützt. Gestern, Dienstag, kam die nette Dame von der Betreuung meines Sohnes auf mich zu. In der Hand hielt sie den Infozettel, dass am Freitag, also 3!!!! Tage später pädagogischer Tag sei und deshalb keine Frühbetreuung stattfindet.

Kurzer Anflug von Panik, denn ich arbeite Freitag und wusste nichts davon. Diesmal habe es wohl nicht gut geklappt mit der Weitergabe und es wurde sozusagen verschwitzt.

Kann ja mal passieren, aber schlecht für mich! Uns!

Ich beruhigte die traurig und besorgt schauende Betreuungskraft, sie machte sich Vorwürfe, das sah ich ihr an.

Ich versprach ne Lösung zu finden, wie immer.

Dennoch wirft mich sowas komplett aus der Bahn. Neben mir sass eine andere Mama. Sie versuchte zu helfen. Versuchte!Ihre Ideen: später zur Arbeit?Ähm, nein. Ich fang schon später an wie alle anderen Kollegen. Gerade jetzt ist Land unter durch viele Krankheitsausfalle.

Kind mitnehmen? Ähm nein. Denn ich kann ja dann nicht kurz die Arbeit verlassen, um Sohn zur Schule 2 Orte weiter zu fahren.

Frei machen? Ähm nein. Ausgeschlossen.

Den freien Tag am Donnerstag gegen den Freitag tauschen?Ähm nein. Absolut ausgeschlossen!!!

Nebenbei erzählte sie mir, wie kaputt sie zur Zeit sei. Ihr Mann habe Nachtschicht und deshalb habe sie morgens so Stress. Wenn der Sohn zur Schule muss, sei ihr Mann noch nicht da und die kleine Tochter schon wach.

Sie müsse sich fertig machen, Sohn fertig machen. Dann käme ihr Mutter, um bei der Kleinen zu bleiben, während sie den Jungen zur Schule bringt. Hmmmm.

In dieser Situation, an diesem Tag, in meiner Stimmung und Verzweiflung…es war wie ein Schlag ins Gesicht. Normalerweise lächle ich verständnisvoll und höre nur zu.Diesmal musste ich sie daran erinnern, was für ein Glück sie hat! Ihre Mama kommt und bleibt bei der Kleinen, wenn sie Sohnemann zur Schule bringt. Stress? Das ist absoluter Luxus!

Ich mache morgens mich fertig, 2 Kinder und dann verlasse ich mit beiden das Haus, denn zu mir kommt morgens niemand.

Ich bin sauer auf diese Mama. Sie kennt meine Situation. Dass ich nicht die Richtige bin, um Verständnis zu ernten, muss ihr klar gewesen sein.

Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht war ich nur egoistisch.

Was gibt mir das Recht, ihre „Probleme“ klein zu reden, ihr Befinden, ihr Stresslevel? Ich bin im Zwiespalt. Mitleid kann ich nicht leiden. Es lässt mich so klein erscheinen. Erbärmlich fühl ich mich da. Und das will ich nicht.

Ich weiss noch nicht wie, aber es wird eine Lösung geben!

Ich habe meinem Sohn 3 Möglichkeiten aufgezählt. Er soll wählen, welche ihm für Freitag am liebsten ist.

1. Ich frage im Kindergarten des Bruders nach, ob er die 1.5 h dort verbringen darf bis Schulbeginn.

2. Ich setz ihn 7 Uhr an der Schule ab und er ist dann eben alleine dort, muss sich die Zeit vertreiben.

(Kein gutes Bauchgefühl…das habe ich ihm aber nicht gesagt)

3. Er bleibt alleine zu Hause, ich rufe ihn von der Arbeit aus an und sage ihm, dass er jetzt loslaufen soll.

Mein Sohn entschied sich für eine 4. Version:

7 Uhr bring ich den Bruder zum Kindergarten und stelle seinen Ranzen an der Schule ab. Er schaut daheim Fernseh und ich rufe ihn an, wenn er das Haus verlassen soll.

Clever! Die Version gefällt mir gut, ist aber wieder ein neuer Meilenstein.Wenn er bisher gelaufen ist, habe ich in der Betreuung angerufen, ob er angekommen ist. Dann konnte ich beruhigt in den Tag starten.

Das fällt dann diesmal aus. Ich kann nur hoffen, dass er gut ankommt und ich mittags ein gesundes, fröhliches und stolzes Kind abhole. Puh! Looooooslassen! Ich lese so oft Artikel über Helikoptermütter. Bin ich womöglich auch eine?Ist das schlimm?

Kann sein, dass andere Mütter da cooler wären. Mein Sohn ist 8 und ich traue es ihm voll zu.

Ihm!

Aber ich traue allen anderen nicht! Ich versuche mich nicht reinzusteigern, was alles passieren kann.

Denn es wird NICHTS passieren. Rein gar nichts. Alles wird gut!

Ich bin die Mama! Ich muss Sicherheit ausstrahlen! Wenn nicht ich, wer dann!?! Wir werden es alle gut meistern!

-Ohm-

Ganz besondere Menschen

Wenn ich an die letzten 3 Jahre denke, fallen mir so viele Situationen ein, die mich sprachlos machten. Menschen, die mich sprachlos machten.

Nach der Trennung hab ich meine Arbeit verloren und musste mir was Neues suchen.

Ich war beim Bewerbungsgespräch für einen neuen Job und die Dame war neben meinen Unterlagen sehr interessiert an meiner privaten Situation. Sie schaute mitleidig und liess mich erzählen.

Ich war verwundert, so ein Bewerbungsgespräch hatte ich davor noch nie. Es kam mir wirklich seltsam vor.

Meine/unsere Situation war alles andere als gut.

Als sie so ziemlich alles wusste, bat sie mich darum, das, was sie mich jetzt frage, nicht in Verbindung mit dem Jobangebot zu bringen. Dieser Teil sei privat!

Sie erzählte, dass sie eine grosse Familie habe und sie zu Weihnachten immer zusammensitzen und wichteln. Jeder darf auf einen Zettel schreiben, was er sich wünscht, wenn er gezogen wird. Sie habe den Zettel ihrer Tochter dieses Jahr erwischt. Darauf sei gestanden, dass diese so viel Glück hatte im letzten Jahr. Sie persönlich wünsche sich nichts. Wer sie zieht, soll den ausgemachten Wert von 100 Euro jemandem geben, der nicht so viel Glück hatte und es brauchen kann.

Mitten in diesem Bewerbungsgespräch fragte mich diese Frau, ob ich ihr „Geschenk“ annehme und sie von mir erzählen darf, wenn sie an Heiligabend zusammensitzen?

Ich habe sofort geweint und konnte nicht mehr reden.

Vielleicht blieb es mir deshalb so in Erinnerung.

An meinem 1. Arbeitstag überreichte sie mir einen Umschlag. Darin eine sehr rührende, persönliche Karte und 100 Euro in bar.

Bis heute denke ich sehr, sehr oft an diesen Tag und freue mich bis heute, dass es solche Menschen gibt!

Eine alte Freundin, mit der ich meine ganze Jugend verbrachte, von der ich Jahre nichts gehört hatte, überraschte mich mit einem Paket. Wir fanden irgendwie durch diese Situation wieder zusammen und es war, als hätten wir uns gestern gesehen. Sie brachte mich zum lachen, hörte zu und war da!

In dem Paket war Legospielzeug für meinen Sohn und da sie gerne häkelt, auch etwas selbst gemachtes. Ob es ein Engel ist, oder eine Krankenschwester, darüber sind mein Sohn und ich uns bis heute nicht einig. Wichtig ist nur, dass sie mir Mut und Hoffnung geschenkt hat, jedes Mal, wenn ich an ihr ( ich denke es ist eine Krankenschwester) vorbei laufe. Bis heute!

Diese Freundin war übrigens auch die, die damals zu mir sagte: „Nein, das machst du nicht! Du liegst nicht rum und heulst, bis deine Kinder von Papa zurückkommen! Du stehst jetzt auf, gehst duschen, schminkt dich und ziehst das schönste an, was dein Schrank hergibt! Dann gehst du raus! Zu einer Freundin, Eis essen, oder was auch immer!“

Keine Ahnung woher ich die Kraft nahm, aber ich hörte auf sie und es tat mir gut.

Als die Kinder mit Papa eintrafen, war ich auch gerade zurück und mein Sohn rief von Weitem:

„Wow, Mama, warum bist du so hübsch?!?“ Er hatte mich SO schon länger nicht gesehen. Das tat mir gut und legte die Weiche!

Ebenso gab es da diese Freundin, die für 2 Jahre nach Amerika ging. Von dort aus schickte sie uns 3 Karten für ein Spassbad. Ich weiss, dass mein Sohn sich riesig freute und ich erinnere mich noch genau, was er sagte: “ Gell Mama, das ist wie mit dem Weihnachtsmann. Man kann gar nicht genug danken!“

Wir verbrachten dort sage und schreibe 7 h!!! Es war unsere erste grössere Unternehmung und wir hatten so viel Spass!

Danach war ich kaputt, aber so glücklich.

Es waren diese besonderen Menschen, oft nur flüchtige Bekannte, die mir Schuhe anboten für die Kinder. Gute Schuhe, oder gute Kleidung und sich rechtfertigten, dass sie getragen seien. Ich war so dankbar!

Bis heute begegnen mir diese Menschen!

Erst letzte Woche bekam ich eine Email vom Trainer meines Sohnes vom Turnen. Für die Reckübungen muss er verschiedene Dinge bestellen, um richtig trainieren zu können. Insgesamt 50 Euro.

Ich schluckte kurz, aber nur, weil mein Sohn so oft seine Sachen verschlampt und mir bei dem Preis deshalb etwas schwindelig wurde.

Ich wollte das Geld gleich am nächsten Tag überweisen und scherzhaft fragen, ob ich dafür gleich eine Versicherung abschliessen könne.

Keine 15 min später schrieb er mir erneut, dass es einen Sponsor gegeben habe, ich soll nichts überweisen, es sei erledigt.

Er hat mir geschworen, dass er es nicht ist. Ich habe auch den ein, oder anderen Verdacht. Aber wer es gezahlt hat, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.

Es fällt mir immer noch schwer solche „Geschenke“ anzunehmen. Nicht empört zu sein! Nicht traurig, nicht gekränkt.

Sondern einfach nur DANKE zu sagen.

Danke ihr besonderen Menschen, danke ihr Wegbegleiter, danke Schicksal, danke Karma!

Was brauchen Familien wirklich?

Sunnybee lädt mit der Frage „Was brauchen Familien wirklich“ zur Blogparade ein.

Ich hab lange nachgedacht und kann nur für mich als alleinerziehende Mama von 2 Jungs sprechen. (8 und 4 Jahre alt)

1. Die Väter müssen viel mehr in die Pflicht genommen werden! Ich finde es immer wieder erschreckend, dass sie viele Rechte haben, aber null Pflichten.

Sie dürfen kurzfristig absagen, auch wenn die Mama arbeiten muss.

Sie dürfen keinen Unterhalt zahlen, zumindest kommen sie lange damit durch, ohne dass was passiert.

Sie müssen sich nicht an der Ferienbetreuung beteiligen.

Sie müssen nicht mit dem kranken Kind daheim bleiben.

Eigentlich müssen sie genau gar nichts!

Das ist eine Katastrophe! Denn die Kinder sind ja zu 50% auch ihr Anteil und den Teil kann man nicht abwählen.

Deutschland ist da wirklich lasch!!!! In anderen Ländern läuft das anders und ist gerecht verteilt.

2. Die Kinderbetreuung, vor allem in ländlichen Gegenden ist nicht ausreichend. Randzeiten sind nicht abgedeckt. Für mich als Krankenschwester immer wieder zum Nachteil und beruflich gesehen katastrophal.

Ich arbeite 50%, 5 h Arbeitszeit statt 7 h. Heisst, ich hätte mehr freie Tage, wenn ich 7 h arbeiten könnte, so wie die Kollegen.

In den Sommerferien ist der Kindi 3 Wochen zu, kein Plan B, keine Alternative!

Von der Arbeit aus dürfen wir aber nur 2 Wochen am Stück Urlaub nehmen. Vor allem in den Sommermonaten, wenn alle Urlaub haben ist da nichts zu machen.

3. Nach der Trennung kam diese Lawine. Ich hatte gefühlt 100 Baustellen, die ich angehen musste und es waren alles elementare Dinge, die geregelt werden mussten. Im Schlepptau 2 kleine Kinder.

Ich musste 3 mal beim Jugendamt anrufen und sagen:“ Hilfe, hilfe, grosse Not“, bevor ich endlich die Info bekam, dass es Leihomas gäbe.

Ich war entweder bei der Arbeit, oder mit 2 Kindern zusammen. Ich konnte nicht atmen, nichts in Ruhe vorbereiten, Ämtergange erledigen. Beide hingen an mir und ich dachte ich verliere den Verstand.

Es war eine grosse Überwindung dort anzurufen und nach Hilfe zu betteln. Das war in meinem Kopf nämlich ein Zeichen von Schwäche. Nicht zu funktionieren wie man soll, macht einen klein.

Im Hinterkopf immer der grausame Gedanke: wenn ich sage, dass mich das Ganze momentan sehr überfordert, dann nehmen Sie mir die Kinder weg.

Die Dame sagte mir klipp und klar, dass das Jugendamt nicht für meine Freizeitgestaltung zuständig sei. Das war hart! Ich wollte nicht feiern gehen. Oder Männer daten.

Sondern einfach mal die 100 Kopien fürs Jobcenter in Ruhe erledigen, damit wir endlich das Geld bekommen, um zu überleben.

4. Es braucht flexible Arbeitszeiten!

So, so sehr! So dringend!

Die Zeiten haben sich geändert, es gibt immer mehr Alleinerziehende.

Arbeitgeber passt euch an! Wir wollen arbeiten!!!!

Aber wir können nicht so, wie es immer gefordert wird.

Das ist ein Dilemma!

5. Die Bürokratie….Sie ist einfach so kompliziert und es ist so viel! Dass man am Boden ist und sowieso mit seinem Schicksal hadert, ist doch schlimm genug.

Aber diese ganzen Termine mit Jugendamt, Anwalt, Jobcenter, Bewerbungsgespräche usw….mit Kindern im Schlepptau….die Unterlagen raussuchen, die gefordert wurden, alles kopieren und schicken. Nach 3 Wochen nen Antwortbrief bekommen, hoffen, dass es der ersehnte Bescheid ist. Dann festzustellen, dass weitere Unterlagen gefordert werden. Hilfe! Es war so verrückt!

6. Dass die Kindergelderhöhung angerechnet wird find ich sowas von scheisse und absurd.

Es gibt 10 Euro mehr und die werden dem Papa an den Unterhalt angerechnet. Es kommt defacto nicht an wo es soll! Traurig und ein Armutszeugnis.

Ich denke das sind meine wichtigsten Punkte! Jetzt hab ich mich ganz schön in Rage geschrieben.🙄

Ein Tag ohne Auto

Ich hab keine Ahnung, was hier los ist, aber es ist der tollste Urlaub, den ich je hatte.

Wir sind sozusagen im Flow und es läuft einfach mal gut. Schon länger als eine Woche….ich habe Angst!😉

Heute mussten wir 9 Uhr unser Auto zur Innenreinigung abgeben und es dauerte bis zum Abend, bis wir es abholen konnten.

Ich hatte mich guuuuut vorbereitet.

Der Rucksack war gepackt: essen, viel Trinken, Umziehsachen für den Zwerg, falls unerwartet ein Pipiunfall passieren würde, Schnitzmesser, Schleifpapier, Feilen.

Ausserdem das Outdoor Set, bestehend aus: Lupe, Lupenglas, Kompass, Fernglas, Pinzette und anderen Utensilien, die man zum Insekten beobachten so braucht.

Es war EIGENTLICH als Geburtstagsgeschenk für den Zwerg gedacht.

Er machte „Siesta“, wie wir es nennen. Denn er denkt, Siesta bedeutet nur Ausruhen und das hat nichts mit Schlafen zu tun, also findet er es toll. ( Und schläft nach 1 min sofort ein).

Er schlief mit seinen neuen Ninja Schwertern aus dem Legoland ein und daran wird es liegen, dass er sich so gut anschleichen kann. Sein Bruder und ich hatten grad alles auf dem Tisch ausgebreitet und da stand er plötzlich und hat uns und sich die Überraschung versaut.

Das Auto war abgegeben und der Zwerg kroch bereitwillig in den Buggy.

Buggy, weil wir sonst in 100 Jahren nie angekommen wären. Ich hätte wählen müssen zwischen schreiend hinterherlaufendem Giftzwerg, oder ihn tragen. Beide Versionen gefielen mir nicht. Also Buggy!

Wir waren zunächst 6 h unterwegs….landeten überall und nirgends, entdeckten neue tolle Plätze, oder solche, die wir schon so lange nicht mehr gesehen hatten. Wir hielten, wo es uns gefiel. Wir hatten kein Ziel und die Zeit spielte keine Rolle!

Die Jungs schnitzten und fingen Käfer ein. Ich las ihnen einen Artikel über die Bienen vor und wie es aktuell um sie aussieht. Sofort wurde die Biene anerkennend aus dem Lupenglas befreit.

Sie lachten, sangen, klopften mit 2 Stöcken auf Holz und ich musste das Lied erraten.

Es war herrlich entspannt.

Ich für mich weiss, warum ich diese Ferien so sehr geniesse!

Keine Termine! Nichts geplant!

Keine Schule, die macht echt viel kaputt im Alltag.

Dieses freie Spielen, Kind sein, ungezwungen sein, tun, wonach einem ist…wie oft gibt es das unter der Woche, wenn nicht grad Ferien sind?

Über 3 Stunden am Stück baute der Grosse gestern sein neues Legoauto zusammen und war nicht zu bremsen. Es gefällt mir ihn so zu sehen: vertieft, konzentriert und voller Eifer.

Ich beobachtete beide lange und sie sahen wirklich glücklich aus. Viel zu selten schau ich mir sie so ganz genau an. So richtig, ohne abgelenkt zu sein, so mit Ruhe.

Sie sind so verschieden und dennoch harmonieren sie. Zusammen langweilen sie sich nie, im schlimmsten Fall wird eben gekämpft.

Wir waren auf dem Sportplatz, dem Spielplatz, bei Netto, beim Bäcker, am Fluss, auf dem Friedhof, im Park….überall gab es so viel zu tun und sie vergassen mich völlig.

Als wir Lust auf Eis hatten, sind wir die gut 4 km nach Hause gelaufen. Es war so heiss und der Weg schien nie zu enden. Der Grosse fing an zu motzen.

Meine letzten 50 Cent hab ich in die Waschanlage (zum selber waschen) geworfen und als der Zwerg den Schlauch betätigte, drehte es ihn durch die Wucht 1 mal im Kreis. Wir lachten, er weinte. Wir machten uns nass….und es war herrlich erfrischend.

2 Männer und der Dönermann schauten uns zu, sicher haben sie das noch nicht oft gesehen.

Zu Hause setzten wir uns auf die Couch und schauten Pipi Langstrumpf, dann assen wir ein Eis.

Kaum war 1 h rum, rief der Mann an, um zu sagen, dass das Auto fertig sei und wir es bis 17.30 Uhr holen konnten.

1 h hatte ich für den Weg zur Bank und Bis zum Auto einkalkuliert, es waren etwa 4.5 km. Der Grosse war k.o und fuhr deshalb mit dem Rad, Hauptsache nicht mehr laufen.

Nach 1 h und 3 min kamen wir dort an, völlig nassgeschwitzt und platt.

Wie schön war es, mit dem Auto nach Hause zu fahren, wir machten erleichtert „aaaahhhh“.

Wir stiegen aus dem Auto und sofort brach ein Streit zwischen den Brüdern aus. „Du bist dumm“, ein Satz, auf den ich allergisch reagiere. Ich ermahnte sie und sie hatten 10 Sekunden Zeit aufzuhören, dann gab es definitiv heute kein Fernsehen mehr. Sie machten grosse Augen, der kleine lief dem Grossen nach, um ihn wild zu drücken. Sie küssten sich, mit Blick zu mir. Sie kicherten. „Du bist der beste Bruder!“

„Kuck Mama, wir lieben uns!“ Pause. „Können wir jetzt fern???“

Ich befahl, dass alle auf die Couch müssen und Fernseh schauen. Und auf keinen Fall dürfe man sich bewegen. Der Grosse lachte und versprach zu gehorchen.

Ich kochte und nach dem Essen ging es weiter. Der Zwerg wälzte sich auf der Couch rum und wollte offensichtlich gerne schlafen. Wir kuschelten. Er drückte mich. Und ich ihn. Er kam nicht zur Ruhe und ich ging ins Bett, wusste, er würde mir folgen und hoffte, er schlief schnell ein.

Er folgte mir, ja. Aber schreiend! Er zerrte an mir und wollte zurück auf die Couch. Aber nicht alleine, mit mir. Er schwitzte schon vor Anstrengung und ich gab nicht nach. Er zog an mir, nahm mir die Decke weg und wollte mit aller Macht mit mir auf die Couch. Er schrie hysterisch:“Schnell, hol mir Wasser, sonst sterbe ich!“ Ich musste lachen. Er schrie noch lauter.

Er machte ne riesen show und ich sagte, dass er mir vieeeel zu laut sei. Ich würde gern mit ihm kuscheln, aber dafür müsse er aufhören. Oder rausgehen. Wie auf Kommando verstummte er, atmete 3 mal tief und weg war er, unsere Drama Queen.

Natürlich schlich ich zum Grossen auf die Couch, ich wollte auch den Film weiterschauen. Er legte sich zu mir, ganz nah. „Du bist die beeeeeste Mama. Ich liebe dich. Weisst du wieso? Weil ich dich einfach liebe!“

Ohoooo. So oft wie wir streiten und miteinander kämpfen, ist das wirklich schön zu hören.

Oft genug bin ich auch eine dumme Mama. Heute war ich die Gute. Es macht mich glücklich.

Und ja, heute war ich es wirklich und klopfe mir auf die Schulter.

Legoland

Am Wochenende waren wir im Legoland. Wir heisst, meine Söhne und ich.

Nur 2 Hände und 2 Augen für 4 schnelle Füsse!

Seit fast 3 Jahren träumt mein Grosser davon und ich habe ihn immer vertröstet.

Eine Weile war es finanziell undenkbar und ich habe es mir schlichtweg nicht zugetraut!

Ich fand den Kleinen noch zu klein und war sicher, dass es nicht schön und entspannt wird.

Aber jetzt! Jetzt wird der Zwerg in 5 Tagen schon 4 Jahre alt und jetzt habe ich es mir zugetraut!

Weil es so ein lang gehegter Traum war und er so lange auf Erfüllung gewartet hat, beschloss ich, es gleich richtig zu machen: Übernachtung und 2 Tage Legoland.

19 Uhr am Vorabend waren beide schon im Traumland und ich freute mich über den Erfolg, denn ich wollte früh am nächsten Tag losfahren.

20.30 Uhr waren bereits beide hellwach und meinten, sie seien zu nervös, um weiterzuschlafen. Es ging dann aber doch.

Die Fahrt war laut wie immer, daran hab ich mich gewöhnt.

Die Stimmung war fantastisch und es wurden Lieder gedichtet und gesungen.

Mein Herz pumperte erst richtig, als ich es auf dem Schild sah und zum Parkplatz abbog. Da fielen uns 3 große, bunte Legosteine auf einem Hügel auf.

Ich hatte Onlinetickets und war etwas nervös, wie das alles laufen wird und ob alles so hinhaut.

In den Parkplatz wurde man eingewiesen, Denken nicht nötig.

Allein der Eingangsbereich war schon spektakulär und ich war verwundert, wie schnell, modern und unkompliziert alles war. Man wurde nett begrüsst, Ticket mit Strichcode kurz eingescannt und zack, waren wir drin.

Es war überwältigend! Auch für mich!

Wir haben am 1. Tag etwas Gas gegeben, weil wir so viel wie möglich sehen wollten. Ich war etwas angespannt, weil ich Angst hatte einen zu verlieren.

Wenn der Grosse zum 10. Mal wieder vorlief und sich wie ein Schlafwandler zum nächsten Ziel begab, nicht rechts, nicht links schaute, nichts hörte…dann war ich angespannt.

Am 2. Tag wusste ich dann schon wie es läuft, wir wussten wo was ist, was gut und was nur so lala war. Wir hatten besprochen, was wir weglassen, was dafür aber auf jeden Fall nochmal gemacht wird.

Wir waren im Kino. Natürlich Ninjago. In 4D. Ich gebe zu, ich hatte keine Ahnung was 4D ist. Bis gestern.

Wir sassen da also mit unseren 3D Brillen und das war ja schon aufregend genug. Es regnete Sprühregen von der Decke, bei Wind wehte dieser einem tatsächlich um die Ohren und Explosionen konnte man riechen. Gigantisch.

Mein Highlight war, als der Zwerg nach einer Papierrolle greifen wollte, die so nah schien und dabei seinen Vordermann an der Glatze kraulte, ohne dies zu bemerken.

Ich dachte ich sterbe an Atemnot. Ich lache viel und oft, aber SO schon lange nicht mehr.

Wir waren ein super Team und ich so entspannt wie gefühlt seit Jahren nicht. Wir haben so viel gelacht, getobt, ich hab alles mitgemacht, hab die Kinder bestimmen lassen, hab mich einfach treiben lassen und zu allem ja gesagt.

Auch wenn mir schlecht wurde, wir danach pitschnass waren, oder ich mit Laser auf die Gegner der Ninjas schiessen musste.

Ich sass 2 h rum, nur um den Jungs fasziniert beim Bauen zuzuschauen. Autos, die sie dann auf der Rennbahn gegeneinander starten konnten, um zu schauen, welches weiter kommt.

Einiges hat so sehr Spass gemacht, dass wir es 5 mal in Folge gemacht haben. Raus und gleich wieder angestellt. Oder auch nicht angestellt, denn es war teilweise gar nichts los.

Mein Fazit:

Ich bin glücklich, wenn meine Kinder glücklich sind.

Ich sollte mir definitiv mehr zutrauen und mutiger sein.

Noch MEHR zutrauen und noch MEHR mutig sein, denn das Ergebnis ist dieses Gefühl, das einem niemand nehmen kann.

Ich sollte und werde wieder öfter loslassen und Kind sein, auch wenn ich mich dafür zum Affen machen muss. Es macht so viel Spass und tut so gut, wenn man sich nicht fragt:

„Was denken die Leute?“

Ich liebe es, Zeit mit meinen Kindern zu verbringen!

Ich hab mal wieder den Beweis, dass wir ein Dreamteam sind, jeder kennt seine „Rolle“ und alles harmoniert.

Ich weiss wieder, was mich WIRKLICH glücklich macht und mir Kraft gibt.

Der Kleine ist jetzt gar nicht mehr soooo klein, ich will noch so viel mit ihnen unternehmen, erkunden, entdecken, erforschen, bereisen und sehen.

Der Weg ist das Ziel und das Leben ist schön. Ich packe es an!