Vom Bauchgefühl und als ich nicht darauf hörte

Mein Bauchgefühl ist in der Regel ein guter Berater. Es meldet sich recht schnell bei Unbehagen und wenn ich öfter darauf gehört hätte, wäre mir Vieles erspart geblieben.

Es war Anfang des Jahres, als mein Ex- Mann mir mitteilte, dass seine Freundin und er sich getrennt haben und sie jetzt mit dem Halbbruder meiner Kinder ausgezogen ist.

Er wollte wie geplant, dass die Jungs in den Pfingstferien zu ihm kommen. Auch wenn die Situation jetzt anders ist.

Ich lief im Wald spazieren und nahm ihm eine längere Sprachnachricht auf. Ich teilte ihm meine Bedenken mit so kurz nach einer Trennung. Ich war besorgt, ob er sich kümmern kann. Ob er nicht erstmal Dinge zu erledigen hat. Verdauen muss. Zur Ruhe kommen. Keine Ahnung.

Mein Bauchgefühl war laut und ich bot alle möglichen Varianten an, da mir 2 Wochen sehr lang vorkamen.

Ich erinnerte mich an schwierige Umgänge in der Vergangenheit. Mit der Freundin wurde es so viel besser, schöner, entspannter. Ich konnte mich verlassen.

Ich war der festen Überzeugung, dass er sich geändert hat. Dass die beiden es besser machen als wir damals und nur wir beide so eine explosive Mischung waren.

Ich schlug vor, dass wir alles verkürzen. Oder dazwischen eine Woche Pause machen, damit der Zwuckel in die Ferienbetreuung gehen kann.

Nein. Er war sich sicher. Alles soll so bleiben. Die Ferien seien ihm wichtig. Er vermisse die Kinder und brauche sie. Das werde ihn ablenken und ihm gut tun meinte er.

Ich wollte es ihnen nicht nehmen, fand wichtig, dass sie das unter sich verarbeiten, denn die Trennung war auch für die Kinder ein großer Schock.

Ich konnte keine Fragen beantworten nach dem Wieso und Warum. Die Kinder wollten auch unbedingt zu ihm, ihn trösten und unterstützen, schauen, was da überhaupt los war.

Dem grossen Sohn ( 11) sagte ich, dass er mich jederzeit anschreiben könne, wenn es Probleme gäbe. Ich werde sie dann sofort abholen.

Als ich sie zu ihm fuhr, holte er sie unten ab und es dauerte nur eine Umarmung, bis der Ex anfing zu weinen.

Ich erinnere mich daran, dass ich den kompletten Weg bis nach Hause dieses ekelig Gefühl hatte.

Mir ging nicht aus dem Kopf, wie ich ihn drückte und ihm etwas Aufmunterndes sagte. Gleichzeitig war ich kalt ihm gegenüber. Es war gespielt und ich hatte keinerlei Empfindung ihm gegenüber.

Wenn es um Gefühle ihm gegenüber geht, ist in mir alles tot merkte ich. Keine Vertrautheit aufgrund der gemeinsamen Jahre. Nichts. Ich sorgte mich nur um die Kinder.

Die ersten Tage vergingen. Mein Sohn schrieb mir mehrfach zurück, dass es Papa besser gehe, es sei alles in Ordnung.

Das ekelige Gefühl blieb.

Ich teilte mit einer Freundin die Idee, dass ich die Kinder schon nach einer Woche abhole. Sie fand das doof und meinte, ich solle es ihnen gönnen. Es sei doch alles gut soweit.

Ich wurde unruhiger, versuchte mich mit der Arbeit abzulenken.

Ich fand den Gedanken egoistisch von mir. Nur weil ich nicht gut klarkam diesmal sollten die Kinder doch nicht zu kurz kommen beim Papa.

Sie haben ihn so lang immer teilen müssen, jetzt hatten sie endlich Zeit zusammen.

Seit Tagen zwickte der Rücken, ich hatte mich bei der Arbeit verhoben. Es fühlte sich nach Hexenschuss an.

Ich versuchte es mit Dehnen und Wärme, wartete drauf, dass es besser wurde. Ich ging weiter arbeiten, es war kein Schmerz da. Nur ein unangenehmes Gefühl.

In einer Nacht wachte ich 3 Uhr auf und musste mich krank melden für den Frühdienst.

Ich konnte mich nicht rühren. Bei jeder minimalen Bewegung verpassten mir 1000e Stromschläge einen Schmerz, den ich noch nie vorher hatte.

Ich geriet in Panik. Ich war alleine. Keiner, der mir helfen konnte.

Mein einziger Gedanke war:

„Ich will sofort meine Kinder zurück!“

Es war ein bestätigter Bandscheibenvorfall stellte sich beim MRT raus. Ich, die nie Rückenprobleme hatte. Unter Schmerzen und mit einigen starken Medikamenten intus, setzte ich mich ein paar Tage später ins Auto.

Ich hatte meinem Ex- Mann geschrieben, dass ich sie gern ein paar Tage früher abholen will, da sonst alles so stressig wird, wenn am nächsten Tag gleich Schule ist. So hätten sie noch ein paar Tage Zeit, daheim anzukommen.

Ich holte zwei fiebernde Kinder ab. Einen mit Bindehautentzündung, den anderen mit schlimmem Husten. Beide völlig verwahrlost. Körperlich und emotional.

Als er sich zum Abschied zum Grossen runterbeugte, hörte ich, wie er ihn fragte:

„Habt ihr heute eigentlich Zähne geputzt?“

Da wusste ich, dass da Einiges wohl sehr schief gelaufen ist und mein Bauchgefühl sich so stark gezeigt hat wie noch nie, wenn auch an anderer Stelle.

Ich habe mir geschworen jetzt immer darauf zu hören und es nicht mehr so zu übergehen.

Klar war ich mit meinem Kind immer in Kontakt. Aber ich musste lernen, dass Kinder eben keine kleinen Erwachsenen sind und Situationen falsch einschätzen. Kein Kind findet es komisch und wird skeptisch, wenn es in 11 Tagen kein einziges Mal duschen muss bei über 30 Grad.

Kein Kind beschwert sich über zu viel Medienzeit, auch wenn diese nicht kind- und altersgerecht ist. Das Ausmaß wurde erst im Laufe von Wochen klarer.

Was damals schief lief arbeiten wir bis heute noch auf.

Es hat Spuren hinterlassen und alles verändert.

Seither habe ich nie wieder auch nur ein Ziehen im Rücken gehabt, nichts. Als ob es diese Nacht und die Tage danach nie gab. Ich hatte meine Kinder wieder und es ging mir recht schnell wieder sehr gut.

Danke Bauchgefühl. Du guter, treuer Freund. Ich werde dich nie mehr ignorieren.

Ich versuche mir zu verzeihen, dass ich nicht auf dich gehört habe und du so laut werden musstest.

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Die armen unterhaltspflichtigen Väter- TRIGGERWARNUNG!

Gestern hatte ich ein interessantes Telefonat mit der Beistandschaft.

Ich kenne die Dame seit Jahren, unsere Beziehung ist ein Auf und Ab.

Ich hatte bereits in der Vergangenheit lautstarke Diskussionen mit ihr auf den Fluren des Jugendamtes. Damals zahlte mein Ex- Mann von heut auf morgen keinen Unterhalt und ich stellte es nur zufällig fest, als ich ganz nebenbei meinen Kontostand checkte.

Natürlich musste ich dann Unterhaltsvorschuss beantragen und sie sagte mir, dass es aufgrund von Urlauben zu Verzögerungen kommen werde.

Ich fragte, wie ich 2 Monate klar kommen solle mit hunderten von Euro weniger und wie ich das meinem Vermieter erklären soll. „Ja, haben Sie keine Reserven“, fragte sie damals mit einer Selbstverständlichkeit, dass ich kaum ruhig bleiben konnte.

Zum Glück hatte ich damals tatsächlich Reserven aufgrund unseres Hausverkaufes. Was wäre aber wenn nicht? Und sind meine Reserven dafür da, seine fehlende Einsicht finanziell zu kompensieren? Ich war ausser mir!

„Bis jetzt war er ja recht zuverlässig und zeigt guten Willen, wir müssen behutsam rangehen, sonst macht er ganz dicht!“

Aha! Verständnis für ihn aufbringen- beim besten Willen schaffte ich das nicht so wie sie.

Gestern fing das Telefonat ganz harmlos an. Ich hatte vor Monaten eine Neuberechnung der Unterhaltssummen beantragt und es läuft schleppend, da Unterlagen nicht eingereicht werden. Aber ok, kenne ich nicht anders.

Wir unterhielten uns über die neue Düsseldorfer Tabelle für ’23 und sie erzählte mitleidig, dass kein Tag vergehe, an dem nicht ein verzweifelter Vater sich melde.

„Die wollen sich jetzt reihenweise umbringen, weil sie nicht wissen, wie sie das zahlen sollen“.

Mir gingen die Zahlen von Unterhaltsprellern durch den Kopf und wieviele Mütter deswegen jeden Tag um ihre Existenz kämpfen.

Ich erinnerte sie an dem neuen Selbstbehalt von 1370 Euro. Ganze 210 Euro mehr als zuvor.

„Das ist ja viel zu wenig!“

Ach, echt? Wer achtet bei den Müttern darauf, dass ein Selbstbehalt von 1370 Euro bleibt? Viele haben so viel nämlich nicht übrig. Und müssen von dem auch die Kinder durchbringen.

Der Selbstbehalt steigt ab ’23 sogar auf 1650 Euro, sollte die Wohnung teurer als 520 warm kosten. Wow!

„Was bringt das den Vätern, wenn die über 800 Euro Miete zahlen müssen? Das ist ein Witz!“

Ich versuchte es vorsichtig und inzwischen wirklich eingeschüchtert :

„Najaaaa, vielleicht kann man dann eben nicht alleine in einer 3 Zimmer- Wohnung leben und muss in eine 1 oder 2 Zimmerwohnung ziehen?!“

( So wie in unserem Fall! Er: 3 Zimmer für sich alleine. Ich: 3 Zimmer für mich und die 2 Kinder. Ich ohne Schlafzimmer)

Sie fand, dass man das nicht erwarten könne. Wenn die Kinder zu den Umgängen kämen, müssten die ja auch irgendwo schlafen und bräuchten ein Zimmer.

Oder, wenn der Papa im homeoffice arbeite, dann brauche er ja auch ein Büro. Wenn einer in einer 4 Zimmer Wohnung leben würde, dann sage sie auch:

„Muss das denn sein? Vielleicht tut es auch eine kleinere Wohnung!“

Ich dachte an die Alleinerziehenden in meiner Gruppe. Teilweise mit homeoffice. Das Büro ist dann gleichzeitig auch das Wohnzimmer. Danach kräht kein Hahn!

Ich kenne Alleinerziehende, die mit 2 Kindern in einer Zwei-Zimmer- Wohnung leben. Sie selber schlafen im Wohnzimmer, die Kinder teilen sich das andere Zimmer. Da kommt keiner auf sie zu und sagt:

„Das geht doch so nicht. Bitte! Sie brauchen echt mehr Platz!“

Ich legte auf und war irritiert. Nachdenklich. Fühlte mich klein. Undankbar. Geldgeil. Materiell. Als Schmarotzer. Falsch.

Ich fühlte mich wie damals in und nach einer toxischen Beziehung.

Einschlafbegleitung

Ungelogen!

Einer meiner ersten Gedanken unmittelbar nach der ausgesprochenen Trennung waren:

Wie soll ich diese Kinder jeeeeeden verdammten Tag ins Bett bringen? Sie sind zwei und ich bin nur einer? Wie soll das gehen?! Und wie überlebe ich das nur?

Nach all den Jahren im Rückblick, war das oft die schönste Zeit des Tages für mich.

Wenn der Tag doof war und es Streit gab, dann hab ich besonders lange vorgelesen, das hat mein schlechtes Gewissen ein bisschen kleiner werden lassen.

Dann blieb ich besonders lange, weil das eine magische Zeit ist. Alles wird ruhiger, die Augen fallen zu.

Kennt ihr dieses Phänomen, wenn das Kind wach daliegt, man dann ganz langsam das Köpfchen streichelt und die Augen plötzlich zufallen?

Klappt genauso mit „Ich hab dich lieb!“

In solchen Momenten dachte ich immer, dass jedes Kind jede Nacht mit diesem Gefühl einschlafen sollte. So behütet und geliebt.

Natürlich war es nicht immer so bei uns! Ich war in den letzten Jahren so oft so am Ende und konnte es nicht erwarten, dass endlich Ruhe ist.

Tage, an denen ich mich morgens schon auf den Abend gefreut habe und nicht wusste, wie ich es bis dahin schaffen soll.

Es gab Abende, an denen sie mir sofort gefolgt sind, sobald ich aus dem Zimmer schlich.

Abende, mit „Ich hab Angst vor Monstern“ und „Ich kann irgendwie nicht schlafen“.

Gerade abends liegt schon so viel hinter mir, dass ich genau da dann keine Energie und keine Nerven mehr hatte.

Heute stelle ich fest, dass ich es schon jahrelang geschafft habe, zwei Kinder jeden verdammten Tag ins Bett zu bringen. Ganz alleine.

Und ich denke heute:

Ach, eigentlich war es doch gar nicht so schlimm!

Ich hatte in den Jahren so viele verschiedene Techniken, Traditionen und Methoden, wie es am besten klappt.

Was heute geklappt hat, klappte am nächsten Tag schon überhaupt nicht mehr.

Abends, wenn wir uns zusammen einkuscheln, beginnen Gespräche oft mit:

„Und weisst du Mama heute in der Schule…“

Abends kommt all das auf den Tisch, von dem ich tagsüber nur die Energien spüre.

Beim ins Bett bringen erfahre ich mehr über meine Kinder, als am ganzen Tag. Das ist spannend.

„Erzähl mir 3 Dinge von deinem Tag. Eins davon muss eine Lüge sein und ich rate, welches die Lüge ist“, das spiele ich gern mit dem Zwerg.

So wie er es erzählt und wie er nachdenkt, erkenne ich die Lüge sofort. Aber die zwei Wahrheiten hauen mich meistens um und sind Dinge, die ich so nie von ihm erfahren hätte.

Der Grosse ist 11 und abends ist er oft noch viel fitter als ich, wenn ich eigentlich möchte, dass er schläft. Dann wird erzählt, philosophiert und gekichert.

Unser letztes ernstes Thema waren mal wieder der Tod und Beerdigungen. Welche Möglichkeiten es da gibt und wer darüber entscheidet, wie man beerdigt wird.

Er versprach mir, meine Asche auf einem meiner Pfade der Stille ( meditative/ spirituelle Wanderwege) zu vergraben. Das war für ihn sonnenklar. Was sonst?

Ich sagte ihm, er könne mich dann auch auf seinen Kamin stellen und wir lachten bei seiner Vorstellung, wenn die Urne dann runterfällt und er sich bei der Asche entschuldigt.

Oft haben wir aber richtige alberne Themen wie heute, als er mich mit meinen eigenen Waffen schlug.

Diese Woche hatte ich zu seiner kurzen Hose auch noch eine lange in den Sportbeutel gepackt. Er merkte es sofort und beschwerte sich über das Gewicht.

„Du nervst“, sagte er nur müde und zog die Tür hinter sich zu. Ich flüsterte ihm noch laut hinterher:

“ Also wenn ich jetzt sterbe, waren das also deine letzten Worte an mich?“

Es dauerte ein paar Minuten, so 10 ca., dann pipste mein Handy. „Hab dich lieb!“

Heute ging es wieder hin und her, noch mal drücken, nochmal was sagen. Als er aus dem Bett rief:

„Kannst du mich nochmal richtig zudecken“, war ich echt genervt und stöhnte laut.

Er sagte amüsiert: „Denk dran, ich könnte sterben!“

Es dauerte 1 min und ich war bei ihm. Wir mussten beide so lachen, dass ich fast keine Luft bekam. Es war schön.

Zwei Kinder jeden verdammten Tag ins Bett bringen ist überhaupt nicht schlimm!

Irgendwann wird es das nicht mehr geben und ich geniesse es bis dahin so sehr!

Mit allem alleine

Ich bin so müde. So erschöpft. Ich fühl mich so kaputt und ausgelaugt.

Immer wieder kranke Kinder, es zehrt an mir. Die Diskussionen um Hausaufgaben, Vokabeln lernen und Medienzeit, ich ertrage es nicht mehr.

Das unangenehme Gefühl, wenn man zum Hörer greift und sich schon wieder krank melden muss.

Wenn man sich für den kurzen Gedanken schämt, ob man das Kind nicht einfach auch mit Halsschmerzen in die Schule schickt.

Nein, es bringt nichts.

Ich bin Alleinerziehend, keiner kann mir das abnehmen und kranke Kinder gehen IMMER vor.

Jeden Tag klingelt der Wecker 6.10 Uhr ( auch wenn ich frei habe!), weil ich den großen Sohn wecke und sein Vesper mache. Dann warte ich mit ihm auf der Couch, bis er sich exakt halb 7 laut stöhnend anzieht und ins Bad geht.

Ich helfe ihm in die Jacke, bringe ihn zum Abschied zur Tür. Vor ein paar Tagen sagte ich dann versehentlich: „Gute Nacht!“

Er schaute mich verwirrt an und lachte. Ich hätte es nicht mal gemerkt.

Tagein, tagaus. 6.15 Uhr. Ich schwanke manchmal in sein Zimmer, stoße mich an Möbeln, weil ich wieder aus einem Traum geholt wurde und wieder so müde bin.

Haushalt, Arbeit, krankes Kind, Essen kochen, Einkauf, Organisation, Schule.

Ich bin erschöpft. Vom Denken. Vom Machen. Von den Sorgen, die ich habe. Ich bin emotional.

Ich muss entscheiden, ich muss es verantworten. Es ist keiner da, mit dem ich es besprechen kann. Einer, der mein Kind genauso gut kennt wie ich und weiss, was richtig ist.

Einer, der mir ein bisschen Last und Verantwortung abnimmt. Gerne auch ein bisschen Traurigkeit. Denn das bin ich gerade sehr.

Es ist so viel los. Zwischenmenschlich. Alles ist im Wandel. Ich muss alles abfangen, auffangen und lenken. Ich muss stark sein, obwohl ich mich so schwach fühle. Ich muss Entscheidungen treffen und weiß nicht, was richtig ist.

Ich muss funktionieren, obwohl ich so müde bin.

Als ich heute wieder neben dem großen Sohn im Bett lag und ihm davon erzählte, sagte er fürsorglich: “ Hä? Dann geh doch jetzt schlafen!“

Ich erklärte ihm, dass Schlaf nicht immer bei Müdigkeit hilft.

Dass es mich glücklich macht, abends von seinem Tag zu hören und mit ihm zu philosophieren. Dass mir das hilft.

Ausserdem war ich zu müde aufzustehen.

Ich dachte an 6.15 Uhr. Und dass ich morgen wieder so mit ihm daliege.

A never ending story.

Manchmal kommt die Wut auf meinen Ex-Mann hoch, weil ihn das alles nicht interessiert.

Weil er dabei keine Hilfe ist und uns nicht unterstützt.

Und auch, weil ich wegen seinem Unsichtbarmachen eine gestresste, überforderte, laute, genervte, meckernde Mama bin. Gar nicht so, wie ich es sein will.

Ich bin 24/7 Ansprechpartner und manchmal frage ich mich, wie lang man sowas schaffen kann.

Eine Bekannte erzählte vor ein paar Wochen, wie „fertig“ sie sei. Ihr Partner hatte C. und lag flach. Sie musste in der einen Woche alles alleine machen und stellte fest, wie stressig das ist.

Ich hatte nur ein müdes Lächeln übrig.

Blogparade zum Thema Schule

Sarah Zöllner lädt wieder ein zur Blogparade und hier bin ich.

https://wp.me/p9O5D6-4r3

Ich habe zwei Schulkinder, ein Sohn in Klasse 2 und der Große in der 6. Klasse Gymnasium, G8.

Damals habe ich ihn wochenlang bekniet, dass er in die Realschule geht, egal wie die Empfehlung aussieht.

Er macht so Viel anderes gern und trifft sich gern mit Freunden. Ich wollte, dass er noch Zeit hat. Zum vor sich hinträumen und sich langweilen.

Aber er wollte unbedingt genau da hin. Er soll seine Erfahrung machen dürfen.

Beide könnten nicht unterschiedlicher sein!

Der Große hat mich verwöhnt, weil er schnell seine Sachen abarbeitete und selten mit Hausaufgaben nach Hause kam.

Er war immer der, dem die Lehrerin Zusatzaufgaben geben musste, weil er viel schneller fertig war als viele andere.

Wenn er mal was nicht gleich verstand, brauchte er nur einen kleinen Schubser und dann kam das große „Ahhhhh!“

Er hat schnell begriffen, konnte sich sehr viel merken und war viel besser, als ich es je war.

Dafür war er eher faul, machte nur das Nötigste daheim. Was „freiwillig“ zu machen war, hat er nie gemacht. Mit seiner Unordentlichkeit, Vergesslichkeit und seinem Gekritzel hat er mich oft in den Wahnsinn getrieben.

Wenn es kein Diktat war, interessierte ihn Rechtschreibung null und er schrieb wie er lustig war.

Er wäre nie ohne Hausaufgaben in die Schule gegangen.

Wenige Male hat er vor Wut geweint, weil er nicht wollte/ konnte.

Weglassen? Niemals! Das muss gemacht werden. Er nahm das sehr genau.

Mein Zwuckel ist ein gaaaaaanz anderer Typ.

Ihm fällt alles viel schwerer, er ist schnell überfordert und braucht extrem lange für alles.

Hausaufgaben mit ihm sind wirklich Psychoterror, auf den ich mich den Vormittag über gut vorbereiten muss, um nicht durchzudrehen.

BIS er anfängt ist es schon ein schwerer Weg! Muss er einen Text abschreiben in Schreibschrift hab ich eigentlich schon verloren.

Mathe ist ein Arsch für mich, ich check die Zahlen nicht, das Lied könnte von ihm sein.

Manchmal geht es besser, aber ist Minus dran setzt alles bei ihm aus und dann weiss er die einfachsten Rechnungen nicht mehr.

Bei ihm brauch ich viel Fingerspitzengefühl, um ihn zu motivieren. Nicht nur einmal schmiss er den Stift über den Tisch und ließ mich sitzen. „Ich mach jetzt gar nichts mehr!“

Er ist schnell demotiviert, wenn er etwas nicht versteht. Lässt es sich dann aber auch nicht erklären, hält sich die Ohren zu und schreit.

Sein Bruder und ich haben schon Felder mit ihm ausgemalt und geschnitten. Er hat gerechnet, ich hab geschrieben.

Ihn hab ich montags und donnerstags in der Hausaufgabenbetreuung angemeldet. Das sind meine Lieblingstage, ich gebe es zu.

Einmal hab ich ihn abgeholt, alle Kinder haben schon längst im Schulhof gespielt. Nur er saß immer noch am Abschreiben und war auch noch nicht fertig. Immer noch waren 4 Sätze übrig.

Aber wisst ihr, wann er definitiv fertig wird? Wenn Hr. O. die Hausaufgaben betreut und 2 mal zwischendrin Stopptanz macht.

Ausserdem lässt dieser Lehrer das Lied „Hausaufgaben“ von Deine Freunde laufen, in dem es darum geht, wie gern man die vor sich herschiebt und wie sehr sie nerven.

Auf Facebook habe ich eine andere verzweifelte Mama gefunden, deren Sohn genauso tickt wie meiner. Sie ist verzweifelt wie ich, weil das alles so viel Raum und Zeit einnimmt, die Diskussion darüber noch länger dauert als die Sache an sich.

Ihren Tipp werde ich versuchen.

Sie macht eine Hausaufgabenralley.

Jedes Blatt wird an einen anderen Ort geklebt und muss eben an diesen bearbeitet werden.

Auf dem Boden sitzend, weil im Küchenschrank Station 1 ist.

Station 2 klebt z.B. unter dem Tisch, so dass man sich unter diesen legen muss, um das Blatt zu bearbeiten.

Oder mit Inlinern an den Füssen am Küchentisch vor und zurückrollend. Nichts bleibt unversucht.

In all den Jahren gab es einige Lichtblicke unter den Lehrern, die, die so anders waren als alle anderen.

Die, die mit Kindern hinter sich her und Ukulele spielend über den Schulhof tanzen und „We will rock you“ singen. Bitte mehr davon!

Der Musiklehrer hier an der Grundschule ist ein Lichtblick. Er ist Mentalzauberer und war schon bei „Das Supertalent“.

Er hat die Kinder immer an seiner Seite, denn es vergeht keine Stunde ohne Magic. Ich erinnere mich an Lieder wie „Kein schöner Land in dieser Zeit“, “ Hejo, Spann den Wagen an“.

Beim Superlehrer gibt’s das nicht. Da singt man mit rockiger Stimme “ Hey hier kommt der Werner, mit dem Fleckentferner!“ Bitte mehr davon!

Eines abends erzählte mein damals Erstklässler mir, dass sie mit diesem einen Lehrer öfter mal ne „Brunnenkonferenz“ machen. Mitten im Schulhof ist dieser Brunnen, an dem sie sich dann treffen und dort habe der Lehrer gesagt:

„Ich bin immer für euch da!“ Passend zum Thema „Das kleine WIR“.

Diese Lichtblicklehrer, die in jedem Quartal ein 4 Augen Gespräch mit dem Schüler haben. Gibt es Probleme? Fühlst du dich wohl in der Klassengemeinschaft? Was hast du für Ziele?

Mein Sohn ärgerte sich über die 3 in Englisch und er hätte sagen können, dass er sich nur anstrengen muss, viel lernen und dann klappen es sicher mit der 2.

Er aber sagte: „Du bist in der 5. Klasse Gymnasium. Hier ist 3 eine gute Note. Und selbst wenn in deinem ganzen Zeugnis nur Dreien wären, wäre es ein gutes Zeugnis!“

Bitte mehr davon!

Trotzdem stelle ich erschreckend fest, dass immer noch sehr viel schwarze Pädagogik überall herrscht. Und dass manche Lehrer sich nie weiterentwickeln. Und junge Lehrer nicht immer motivierter sind, sondern manchmal auch die Schlimmsten.

Mein Fazit: Schule nervt mich oft. Sie kostet uns so viel Zeit, Nerven und belastet die Beziehung zwischen Mama und Kind.

Ich vermisse es nach dem Kindergarten direkt auf den Spielplatz zu können, weil es noch kein Vokabeln lernen gab und keine Hausaufgaben.

Und ich hab mich soooo locker gemacht. Gute Noten zeigen nicht, dass du klug bist, oder alles verstanden hast. Sondern einfach nur, dass du fleißig warst und viel gelernt hast.

Schlechte Noten sagen nicht, dass du dumm bist, sondern nur, dass du faul warst und zu wenig gelernt hast.

Die Macht der Väter nach Trennung

Hu, das Thema triggert mich so sehr, weil selbst erlebt und auch im Umfeld.

Und ja, natürlich gibt es das auch anders rum, es sind nicht immer die „bösen“ Männer. Aber come on! Es ist eben der Großteil, deshalb rede ich ganz klar über sie!

Es fängt bei kleinen Dingen an.

Nehmen wir an, eine Frau erlebt häusliche Gewalt und hat kleine Kinder, ist schwanger, oder in Elternzeit. Wie auch immer hat sie Verdienstausfall und finanzielle Einbußen.

Erst ist sie „abhängig“ davon, dass ihr Mann den Vollzeitjob hat und Geld heimbringt, während sie sich um die Kinder kümmert, evtl halbtags arbeitet.

Nach der Trennung wird sie abhängig von Ämtern und sozialer Unterstützung sein, zumindest ist der Zeitpunkt nach der Trennung ein brenzliger Punkt, an dem man in diese Situation rutscht.

Im Normalfall hat man dann natürlich das gemeinsame Sorgerecht.

Der Vater darf der Mutter einem Umzug weiter Weg verbieten, obwohl dort die nötige Unterstützung in Form der Familie wartet, ein Job und Unterstützung mit der Kinderbetreuung.

Er selber kann aber problemlos in ganz Deutschland umziehen, sogar auswandern.

Dabei wird er nicht an seine väterlichen Pflichten erinnert und von keinerlei Einrichtung gestoppt.

„Er muss ja auch schauen, wo ein gutes Jobangebot wartet und sein Einkommen sichern. Heutzutage ist es halt so, dass man da flexibel sein muss!“

Umgänge- Er kann alles fordern. Stößt da in der Regel auf offene Türen, denn schließlich sind es ja auch seine Kinder und es ist doch so toll, wenn ein Vater sich so einbringt und teilhaben will.

Wenn er aber keinen Umgang haben will, die Kinder darunter leiden und die Mutter bettelt und fleht…

„Man kann ja keinen Vater zu etwas zwingen, das er nicht will!“

Ein Vater darf sooooo viel Umgang einfordern, hälftig in den Ferien zB.

Kommt die Frau ihm nicht entgegen, wird sie noch ermahnt, kooperativer zu sein.

Er kann aber 1 h vorher alles platzen lassen, evtl auch nur, weil ihm an der Kommunikation mit der Frau etwas nicht gepasst und gefallen hat. Eventuell fühlte er sich dadurch gekränkt und wollte dadurch demonstrieren:

„Dann schau doch mal, wie es ohne mich ist, bye!“

Ob die Frau da fest zum Arbeiten eingeplant war, das interessiert hier in dem Kontext keinen.

Er kann das. Einfach so.

In meinem Fall kostete mich das viel Ärger und den Unmut der Kollegen, die für mich aus dem Urlaub geholt werden mussten, um mich zu ersetzen.

Er kann ein Wochenende einfach so absagen und die Frau muss einen Plan B haben. Nicht er!

Wenn er dann am Dienstag die Kinder sehen will und es der Frau nicht passt, dann kann er mit Kindesentfremdung drohen und dem Jugendamt schreiben.

„Wie kann das sein?“

Mehrfach fragte ich mich das und meine Anwältin brachte es auf den Punkt:

“ Es spielt keine Rolle, ob sie in einen Club tanzen, oder arbeiten wären, oder auf der Couch liegen würden.“

Und nochmal: WIE kann das sein!

Ein Vater kann die Mutter bei jeder Übergabe bedrohen, klein machen, manipulieren, beschimpfen.

Und trotzdem wird seine Rolle als Vater nicht in Frage gestellt? Ernsthaft?

Kann ein Vater ein guter Vater sein, der sich SO der Mutter gegenüber verhält?

Er kann sich komplett zurück ziehen, kein Umgang, kein Unterhalt.

Wenn das Kind aber einen neuen Paß braucht, dann brauch ICH seine Unterschrift. Wie ich das schaffe, er 500 km entfernt wohnt, oder mir den Gefallen einfach nicht tun will, das interessiert keinen.

Fakt ist: ich brauch seine Unterschrift. Oder ich habe ne mords Rennerei mit Unterschrift vom Gericht ersetzen lassen. Ich! Natürlich ich! Nicht er!

Als ich mit meinen Kindern im Sommer außerhalb der EU im Urlaub war, nach was wurde ich direkt nach dem Pass vorzeigen gefragt?

Richtig! Nach seiner schriftlichen Erlaubnis, dass ich alleine mit den gemeinsamen Kindern reisen darf.

Wenn man sich diesen Satz langsam durchliest, kann man nur schreien oder hysterisch lachen.

SEINE ERLAUBNIS- DARF!

Aaaaaatmen!

Wenn die Kinder in den Ferien bei ihm sind, kann er eine Liste anfordern, mit allem, was er an Kleidung und Schuhen braucht für diese Zeit.

Wissen, wo es hingeht, das muss die Mutter aber nicht. Das Kind sagt, es gehe ans Meer. Hm.

Auf Nachfrage heisst es dann vielleicht:

„Wir bleiben innerhalb Deutschlands!“

Ob mein Kind im Schwarzwald, an der Ostsee, oder Berlin ist, das muss mir also egal sein.

Der Vater muss sich seinen Urlaub nicht in der Kitaschliessungszeit nehmen. Wie die Mutter die 3 Wochen überbrückt, wenn sie in der Probezeit ist, nicht zu der Zeit Urlaub nehmen kann, oder nicht so lange…interessiert niemanden. Im schlimmsten Fall muss sie krank „machen“, weil ihr nichts anderes übrig bleibt.

Er jedoch hat Anspruch darauf seinen Urlaub direkt bei Wiederöffnung mit dem Kind zu nehmen.

Weil es dann billiger ist außerhalb der Ferien, oder auch, weil es ihm egal ist, dass sie ja den Monatsbeitrag zahlt.

Man muss ihm diese Zeit mit dem Kind ja gönnen und sich freuen, dass er so gern Zeit mit dem Kind verbringt.

Ich hab von Vätern gehört, die jeden Abend per Videotelefonie ihren Kindern Gute Nacht sagen wollen, wow!

Geht’s dabei wirklich um die Kinder und das Interesse an ihnen?

Oder eventuell doch auch um Kontrolle, auch im Bezug auf die Frau natürlich.

Natürlich schreibe ich teilweise auch sehr überspitzt. Es ist ein Prozess.

Irgendwann weiss man was er „muss“ und „nicht muss“.

Oder wie meine Anwältin mal so schön sagte:

„Das gemeinsame Sorgerecht ist eigentlich nur ein Stück Papier. Doch nicht wirklich was wert. SIE entscheiden doch alles mehr oder weniger alleine für ihr Kind. Elternabende usw, er bekommt doch vieles gar nicht mit! Machen Sie sich nicht so abhängig. „

Und ja, hat man es mit einem Vater zu tun, der eher passiv ist und sich gerne aus allem raushält, dann könnte man es echt locker sehen.

Mein Ex hat noch nie ein Zeugnis der Kinder unterschrieben, zur Anmeldung für die weiterführende Schule hat kein Hahn nach seiner Zustimmung gekräht. Ich entscheide im Alltag alleine!

Jedoch gibt es auch Väter, die genau anders ticken. Die, die sich ständig in alles einmischen, ständig Mitspracherecht haben wollen, kontrollieren, oder sogar um das Wechselmodell, oder alleinige Sorgerecht kämpfen. Wenn auch nur, um keinen Unterhalt mehr zahlen zu müssen!

Patchwork ohne den Papa

Vor wenigen Monaten hatte ich die furchtbare Aufgabe den Kindern beizubringen, dass Papa und seine Freundin sich getrennt haben.

Und noch schlimmer, dass sie mit dem Halbbruder Henri und ihrem eigenen 8 jährigen Sohn nach Köln gezogen ist.

Alles ging schnell, es gab für uns keine Vorwarnung und keinen Abschied von meinen Kindern.

Ich wusste das wird hart und ich habe sie zu einem Ausflug überredet. In der Natur verdaut sich so eine Nachricht vielleicht besser dachte ich.

Wir hatten ein schönes Plätzchen gefunden, saßen im Gras und aßen unseren Proviant.

Als es raus war, sah ich in geschockte Gesichter.

Keiner von beiden hatte wohl irgendwelche Anzeichen bemerkt und der Schock saß tief. Es brach mir das Herz.

Der Große hatte sofort Tränen in den Augen und sprach seine größte Angst aus:

„Wir werden Henri nie wieder sehen?!“

Der Zwerg hatte wohl den Gleichen Gedanken gehabt und sagte:

„Oh nein, Henri war doch so süß. „

Er lief sofort los, wollte da vorne nochmal in die Kapelle rein, aus der wir erst kamen und dafür beten, dass sie ihren Babybruder wieder sehen.

Ich betete mit. An dem Tag war mit den Jungs nichts anzufangen und wir redeten viel, bevor es still wurde.

All die Fragen nach dem wie und warum konnte ich nicht beantworten. Nur trösten.

Ich hatte nie Kontakt mit der Freundin vom Papa. Mehr als Hallo und einem Winken vom Balkon gab es nicht. Ich wollte mich zurückhalten als Ex-Frau.

Mir reichte es, dass meine Kinder sie lieb hatten und von ihr schwärmten.

Ich habe lange mit mir gerungen, bevor ich ihre Nummer aus dem Handy meines Sohnes raussuchte.

Ich schrieb ihr, wie es den Kindern mit der Nachricht der Trennung ging, dass sie Henri vermissen, verwirrt und ängstlich sind. Dass ich akzeptiere, wenn sie keinen Kontakt will, dann wäre das meine erste und letzte Nachricht.

Ihre Antwort kam etwas später:

“ Ich bin so froh, dass du dich meldest, ich habe mich nicht getraut!“

Vor ein paar Wochen waren wir in Köln.

Es war Vorfreude pur! Von allen Beteiligten.

Von der Seite des Papas gab es keine Möglichkeit des Kontaktes zwischen den Parteien, also hatte ich kein schlechtes Gewissen. Denn auch ich vermisste Henri und das alles.

Wir hatten uns inzwischen gut kennengelernt, es gab Telefonate mit den Kindern, Fotos wurden ausgetauscht, news und Anektoden.

Das Wiedersehen war dementsprechend herzlich, gar nicht fremd.

Und die Kinder hatten Recht:

„Sie ist wie du!“ „Ihr seid euch voll ähnlich!“

Ihr 8 jähriger Sohn hatte an dem Freitag eigentlich Schule in Köln, denn dort waren die Sommerferien längst vorbei. Er war aber so aufgeregt, dass er nicht zur Schule „konnte“. Bis wir da waren, hatte er Kopfweh, Bauchweh und all das.

Er wartete schon am Straßenrand, sprang hoch vor Freude, winkte wie verrückt und meine Kinder sprangen fast noch aus dem fahrenden Auto.

Sie und ich- wir drückten uns fest und nein, es war nicht komisch. Wir hatten vom gleichen Mann Kinder, ich zwei, sie eins.

Und wir beide hatten eine Trennung mit ihm hinter uns, nur war ich ihr um Jahre voraus.

Henri schlief noch und als sie schließlich mit ihm auf dem Arm reinkam, kuschelte er sich an ihre Brust, Blick gesenkt.

Mein Kleiner ging zuerst hin, streichelte ihm über Kopf und Rücken, begrüßte ihn mit sanfter Stimme. Nichts. Wir gaben ihm etwas Zeit wach zu werden. Und zu verstehen.

Wir redeten einfach weiter und als mein Großer zu reden begann, schaute Henri plötzlich auf und ließ seine Augen nicht mehr von ihm. Jetzt erkannte er ihn. Das war der Moment, ich war sicher.

Wir hatten ein wunderschönes Wochenende dort. Die Kinder schliefen alle in einem Zimmer und Henri begrüßte morgens mit „Hi“, seinem einzigen richtigen Wort bisher, krabbelte auf sie drauf, um sie zu wecken.

Wir waren auf Spielplätzen unterwegs und sie hoben ihn an eine Reckstange hoch, lachten über sein angestrengtes Gesicht.

Sie buddelten ihn im Sand ein, wippten mit ihm und spielten Ball.

Mein Großer setzte sich zu Henri und uns auf die Bank, auf Knien sitzend zeigte er ihm etwas im Sand.

Und aus dem Nichts legte Henri sich in seinen Arm und kuschelte seinen Kopf in seine Arme. Er erinnerte sich.

Er wollte immer abklatschen, so wie die beiden es früher immer gemeinsam machten.

Dem Zwerg wollte Henri immer Bussi geben, so wie sie es früher immer gemacht haben. Er erinnerte sich!

Wir hatten reine Erwachsenengespräche, als alle Kinder längst schliefen. Das war wichtig.

Wir redeten auch viel mit den Kindern. Das war wichtig.

Und an einem Abend gab es ein Erwachsenengespräch mit nur dem großen Sohn, die Kleinen mussten früher ins Bett. Auch das war so wichtig. Er hatte sehr viele Fragen. Und bekam seine Antworten.

Wir haben beschlossen Weihnachten dieses Jahr zusammenzufeiern. Das war eine spontane Idee und wir fanden sie alle toll. Wir haben schon Geschenkideen und fiebern dem Wiedersehen entgegen.

Aufgrund der Entfernung und unterschiedlicher Ferienzeiten sehen Sie sich nicht mehr so oft wie früher, wenn Papa- Wochenende anstand.

Aber keiner muss Angst haben, sich aus den Augen zu verlieren.

Wenigstens hast du als Alleinerziehende jedes zweite Wochenende frei

Gerade habe ich „Wir sind doch alle längst gleichberechtigt“ von Alexandra Zykunov gelesen, ein SPIEGEL Bestseller im übrigen.

Es wühlt auf und es macht wütend.

Manche Themen darin treffen mich mehr, zum Beispiel, wenn es um die Vereinbarkeit im Beruf geht.

Noch mehr wühlt mich ein Kapitel auf, nämlich DAS meiner heute gewählten Überschrift.

Es geht darum, wie ausgebrannt Mütter in Partnerschaften sein müssen, die eine Alleinerziehende um ihr „freies“ Wochende neiden.

Mein Puls wurde schneller, als sie darüber schrieb, dass es für viele getrennt lebende Mütter gar nicht so toll ist, weil sie sich Sorgen um die Sicherheit ihrer Kinder machen.

Mütter, die sich aus einer gewaltvollen Partnerschaft gelöst haben und jetzt ihr Kind dorthin abgeben müssen.

Dass dann Äusserungen fallen wie:

„Er hat Sie geschlagen, aber doch nicht das Kind!“

Diese Mütter sind mindestens alle 2 Wochen mit diesem Vater konfrontiert, müssen die Tasche fürs Kind packen, sind aufgeregt und verängstigt, wenn es dann an der Tür klingelt.

Kann es einem Kind bei einem Vater wirklich gut gehen, der die Hand gegen diese Mutter erhoben hat?

In diesem Buch werden Jugendamtsmitarbeiter zitiert.

„Er hat doch Sie vergewaltigt, aber doch nicht das Kind!“

Ein Gutachter:

„Der Vater handelte zum Wohl und Schutz des ungeborenen Kindes, als er die Mutter rektal vergewaltigte.“

In SO einer Welt leben wir! Das ist die Realität!

Ja sicher gibt es diese Väter, die sich toll kümmern, das Wohl ihrer Kinder im Auge haben und mit denen man normal kommunizieren kann, Probleme ansprechen und zusammen lösen.

Aber es gibt auch die anderen, die auch nach einer Trennung alles dafür tun, um weiter Macht ausüben zu können.

Und auch weiterhin so viel Kontrolle wie möglich zu haben. Das Wohl des Kindes spielt dabei keine Rolle.

Es wird manipuliert, gezerrt, gedroht, erpresst, alles ist erlaubt.

Die Vorfreude auf ein freies Wochenende ist getrübt, wenn man nicht sicher ist, ob der Vater das Kind zurück bringt wie ausgemacht.

Wenn alles darauf deutet, dass er genau das eben nicht vorhat, oder sich sogar mit Kind aus dem Staub machen will.

Und trotzdem muss man ihm das Kind mitgeben, wenn es einen Beschluss zur Regelung des Umganges gibt. Handeln kann man erst, wenn es dann soweit ist.

Bei gemeinsamem Sorgerecht wird auch das schwierig bis unmöglich.

Was machen, wenn der Ex- Partner die Kinder abholt und 1 Sunde mit ihnen über die Autobahn muss, sie aber nicht richtig anschnallt zum Beispiel?

Wenn du immer wieder darauf hinweist, dass die Gurte des Einjährigen über die Schulter laufen müssen und nicht entlang der Oberarme.

Wenn du bittest, bettelst, flehst, Crashtest- Videos schickst und es ihn einfach nicht interessiert?

Wenn er seine Profilbild ändert und du wieder siehst, dein Kleinkind ist nicht richtig angeschnallt und wieder darauf hinweist.

Was, wenn dann die Antwort ist:

„Stalkst du mich jetzt schon anhand meines Profilbildes? Gott, bist du erbärmlich!“

Wenn deine Kinder nach der Trennung zum ersten Mal bei Papa im Haus sind für ein paar Stunden. Du Kleidung holen willst, die beim Umzug nicht mitkonnte. Du feststellten musst, dass es wohl schon eine neue Frau gibt und sie mit ihnen und deinem Ehemann irgendwo da draussen ist. Du im Aschenbecher Joints findest und nicht weisst, ob der Autofahrer Herr seiner Sinne war, als er mit deinen Kindern einstieg.

Wenn du auf dem Boden Marmeladengläser voll gefüllt mit Marihuana findest und weisst, dein Krabbelkind war hier.

Wenn du dann beim Jugendamt anrufst, die Situation erklärst und auch erwähnst, dass im Keller alle Utensilien zum Grasanbau befinden. Rotlichlampen, Ventilatoren, Gefässe, Spezialerde usw und als Antwort hörst:

„Und wo genau sehen Sie jetzt die Gefährdung Ihrer Kinder?“

Aktuell geht dazu ein Fall durch die Presse.

Die 9jährige Sophie aus Rheinland Pfalz hat eine psychische Belastungsstörung und inzwischen Pflegestufe 2.

Der Vater klagt auf Umgang mit dem Kind, die Mutter versucht gerade alles, dass das nicht passiert. Sophie hat eine Angststörung, sobald sie an Umgang mit dem Vater denkt.

Sie kann detaillierte sexuelle Handlungen wiedergeben, das Gutachten stützt, dass etwas passiert sein kann, weist aber nicht den Missbrauch nach.

Sollte der Vater vor Gericht gewinnen, bleibt der Mutter nichts anderes übrig, als die Tochter gegen ihren Willen dem Vater mitzugeben. Wohl wissend, dass es wohl mehrfache sexuelle Übergriffe gab in der Vergangenheit.

In solchen Fällen wird der Mutter dann oft auch noch vorgeworfen, dass sie das Kind dahingehend beeinflusst und sie wird aufgefordert, doch positiv einzuwirken, weil sie sonst das Sorgerecht verliert.

Das ist Deutschland, mitten unter uns. Tag für Tag.

Wenn Mütter zusammenhalten

Bei uns ist zur Zeit der Wurm drin und allgemein fühlt sich alles soooo schwer an. Und die Ferien lang.

Gestern allerdings war ein Tag…bitte mehr davon!

Meine sehr, sehr gute Freundin, die ich noch nicht sehr, sehr lange kenne, ist auch alleinerziehende Mama.

Wir lernten uns kennen, als sie in unsere Stadt zog ( nach Trennung, Hausverkauf und Tragödien).

Ihr Sohn kam in die Kindergartengruppe meines Sohnes und so lernten wir uns nachmittags auf dem Spielplatz kennen.

Seit Mai wohnt sie schräg unter uns, Zufälle gibt’s!

Unsere Kinder können mehrmals täglich beieinander klingeln und kurz in Socken runter.

Entweder wird im Zimmer von dem einen, dem anderen, in der Sackgasse vorm Haus, oder im Garten gespielt.

Entweder ist eine Mama dabei, keine, oder wir beide.

Mal backen wir Kuchen und bringen einen Teller runter, oder sie zaubert schnell ein Essen und kommt damit raus, inklusive 6 Gabeln.

Wenn ich nach dem gemeinsamen Ausflug noch die Kinder baden will, holt sie auf dem Rückweg eben Pizza für uns alle und wir essen diese im Schneidersitz im Garten.

Wenn Sie sich ausschließt, klingelt sie bei mir und holt den Ersatzschlüssel.

Wenn ich kaputt bin, bespasst sie die Kinder, damit ich Me- time habe.

Es ist ein Geben und Nehmen. Es ist Balsam für die Seele und oft sitzen wir noch im Dunkeln draußen, weil es so schön ist und keiner rein will.

Uns verbinden viele Parallelen und tiefe Gespräche. Ich lerne von ihr so viel Leichtigkeit und sie fragt mich gern um Rat, wenn es um den Ex- Mann geht.

Gestern waren wir auf unserer Bank verabredet, auf der wir schon viele Stunden geredet haben.

Auch gestern hatten wir Essen dabei. Der eine was Gesundes, der andere was zum Naschen und jeder darf alles essen, klar.

Die Kinder haben Boccia gespielt, dann wir mit. Wir hatten Fußbälle dabei und lange haben sich unsere Jungs alleine beschäftigt.

Als sie zu uns kamen, hatten sie einen Wunsch:

„Bitte, bitte könnt ihr mit uns ein Match machen? Ihr Mamas gegen uns Kinder, bitte, bitte.“

Ich schaute zu meiner Freundin: Kleidchen und schicke lila Sandalen. Hmmm.

Nach dem 3. Mal betteln der Kinder sagte ich leise vor mich hin:

„Aus dieser Sache kommen wir nicht mehr raus!“

Sie lächelte nur und ging wortlos Richtung Auto.

Ich war da schon mitten im Spiel, als sie dazukam.

Es ging sofort los und ich bekam kaum Luft vor Lachen, denn sie hatte ihre Wanderschuhe aus dem Auto geholt und angezogen.

Sie rannte lachend dem Ball hinterher und hob dabei ihr Kleid hoch, um nicht darauf zu treten und besser rennen zu können.

Die Kinder hatten Spass, das Lachen laut und alle Tricks waren erlaubt. Auch Festhalten, Foulen, Kitzeln. Sonst hätten wir doch nie ne Chance gehabt.

Wir brachen lachend zusammen und unsere Kinder ließen sich auf uns drauffallen. Ein riesen Gelächter.

Es fühlte sich so gut an! Frei und völlig lebendig.

Wieder dachte ich:

Darum geht’s doch im Leben. So sollte es sich immer anfühlen!

Ich hätte nie gedacht, dass der Tag noch so gut werden kann. Ich hatte bis dato wenig gelacht.

Danach waren beide noch bei uns, weil wir uns nicht trennen konnten.

Warum auch immer saßen wir dann auf dem Flurboden zusammen und haben uns Geschichten erzählt.

Ich liebe sie. Für ihre Leichtigkeit, die mir so oft fehlt. Was hab ich für ein Glück!

Ich wünsche jedem eine Nachbarin wie meine.

Unterstützung. Beistand. Sich gegenseitig aufbauen. Füreinander da sein. Das beste aus der Situation zu machen.

Urlaub mit Kindern als Alleinerziehende

Wir kommen gerade aus Dubai, der Stadt der Grenzenlosigkeit und der Superlative.

Dubai, weil es der Traum meines großen Sohnes war. Er liest gerne im Guinness Buch der Rekorde und da war immer der Burj Khalifa drin, als höchster Turm der Welt mit über 800 Metern.

Und Dubai, weil ich dieses Jahr komplett eskalieren wollte. Ich hatte keine Lust auf was Ruhiges, Beschauliches.

Ich sehnte mich nach Lichtern wie an Weihnachten, Menschenmenge, Trubel und Action.

Das war meine trotzige Reaktion auf Corona, ganz nach dem Motto:

“ Ich hole uns das Leben wieder zurück!“

Der Urlaub war toll. Auch toll. Aber auch anstrengend und kräftezehrend.

Wäre ich mit einem Kind dort gewesen, egal mit welchem, es wäre perfekt gewesen. Aber mit beiden, puh!

Es wurde gestritten, gekämpft, beleidigt und gebockt. Klar, wir sind ja keine anderen Menschen, nur weil wir an einem anderen Ort sind.

Kinder sind Energiefresser. Und ich habe sie mir so sehr gewünscht, wie ich mir jetzt manchmal mehr Luft zum Atmen wünschen würde.

Ich liebe sie so sehr, wie ich mich jetzt nach Harmonie sehne.

Zu dritt muss man viele Kompromisse schließen und manchmal Dinge mitmachen, auf die man so überhaupt keine Lust hat.

Es ist keine 2. erwachsene Person da, dass man sich aufteilen könnte, so wie bei Ehepaaren.

Wenn ich zum Strand wollte abends, dann mussten beide mit, weil ich die Jungs nicht alleine am Pool lasse ohne Aufsicht.

Wenn zwei von uns drei auf den höchsten Turm der Welt wollten, ja, dann musste auch der Dritte mit, obwohl er darauf keine Lust hatte.

Dann wurde gebockt. Und das zehrte an den Nerven, denn genau die Unternehmungen kosteten ja viel Energie, da man nicht genug Augen und Hände hatte.

Wir waren immer am Verhandeln und Abwägen.

Manchmal endete es mit „Na guuuut“, manchmal mit Weglaufen und nicht hören.

Urlaub zu dritt- da kann keiner nur seinen eigenen Kopf durchsetzen.

Jeder hat andere Bedürfnisse und Wünsche und jeder darf mal entscheiden.

Wenn mir etwas wichtig war und ich trotzige Kinder hinter mir herschleifen musste, ja, das war sehr anstrengend.

Und ja, es nimmt auch was von der Freude daran. Genau dann wünscht man sich ja, dass die Kinder mitziehen, weil sich ja eh fast alles nur um sie dreht.

Das ist Urlaub zu dritt. Alles wie daheim, nur mit viel Sonne, mit Pool und Meer, ohne Kochen und Putzen, Aufräumen und Waschen.

Ich bin für mehr Realität.

Es gibt kein Perfekt. Kinder sind Egoisten. Sie wollen nehmen und haben nie genug.

Ich bin froh, dass sie gezwungen sind, diese Lektionen zu lernen.

Das „ich biete dir einen Deal an“ und das „Na guuuuut“.

Der Urlaub war schön. Trotz allem. Weil ich meine Kinder und mich kenne und nie perfekt erwartet habe.

Und das will ich auch niemanden vormachen.

Klar lächelt man immer auf Fotos und die Kulisse sieht toll aus. Manchmal fotografiere ich meine Kinder nur von hinten, weil sie den Todesblick aufgesetzt haben.

Und manchmal habe ich sie auch genötigt, sich irgendwo hinzuplatzieren, damit es toll aussieht. Weil ich das wollte, nur ich.

Alle lieben es alte Bilder anzuschauen und sich zu erinnern.

Meine Kinder sind noch klein und wenn ich nicht so viel festhalten würde, könnten sie sich an so Vieles später nicht erinnern.

Urlaub zu dritt- so viele Chancen zu wachsen. Sich zu positionieren. Zu argumentieren. Sein zu lassen. Grenzen zu setzen.

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub!