Die Macht der Väter nach Trennung

Hu, das Thema triggert mich so sehr, weil selbst erlebt und auch im Umfeld.

Und ja, natürlich gibt es das auch anders rum, es sind nicht immer die „bösen“ Männer. Aber come on! Es ist eben der Großteil, deshalb rede ich ganz klar über sie!

Es fängt bei kleinen Dingen an.

Nehmen wir an, eine Frau erlebt häusliche Gewalt und hat kleine Kinder, ist schwanger, oder in Elternzeit. Wie auch immer hat sie Verdienstausfall und finanzielle Einbußen.

Erst ist sie „abhängig“ davon, dass ihr Mann den Vollzeitjob hat und Geld heimbringt, während sie sich um die Kinder kümmert, evtl halbtags arbeitet.

Nach der Trennung wird sie abhängig von Ämtern und sozialer Unterstützung sein, zumindest ist der Zeitpunkt nach der Trennung ein brenzliger Punkt, an dem man in diese Situation rutscht.

Im Normalfall hat man dann natürlich das gemeinsame Sorgerecht.

Der Vater darf der Mutter einem Umzug weiter Weg verbieten, obwohl dort die nötige Unterstützung in Form der Familie wartet, ein Job und Unterstützung mit der Kinderbetreuung.

Er selber kann aber problemlos in ganz Deutschland umziehen, sogar auswandern.

Dabei wird er nicht an seine väterlichen Pflichten erinnert und von keinerlei Einrichtung gestoppt.

„Er muss ja auch schauen, wo ein gutes Jobangebot wartet und sein Einkommen sichern. Heutzutage ist es halt so, dass man da flexibel sein muss!“

Umgänge- Er kann alles fordern. Stößt da in der Regel auf offene Türen, denn schließlich sind es ja auch seine Kinder und es ist doch so toll, wenn ein Vater sich so einbringt und teilhaben will.

Wenn er aber keinen Umgang haben will, die Kinder darunter leiden und die Mutter bettelt und fleht…

„Man kann ja keinen Vater zu etwas zwingen, das er nicht will!“

Ein Vater darf sooooo viel Umgang einfordern, hälftig in den Ferien zB.

Kommt die Frau ihm nicht entgegen, wird sie noch ermahnt, kooperativer zu sein.

Er kann aber 1 h vorher alles platzen lassen, evtl auch nur, weil ihm an der Kommunikation mit der Frau etwas nicht gepasst und gefallen hat. Eventuell fühlte er sich dadurch gekränkt und wollte dadurch demonstrieren:

„Dann schau doch mal, wie es ohne mich ist, bye!“

Ob die Frau da fest zum Arbeiten eingeplant war, das interessiert hier in dem Kontext keinen.

Er kann das. Einfach so.

In meinem Fall kostete mich das viel Ärger und den Unmut der Kollegen, die für mich aus dem Urlaub geholt werden mussten, um mich zu ersetzen.

Er kann ein Wochenende einfach so absagen und die Frau muss einen Plan B haben. Nicht er!

Wenn er dann am Dienstag die Kinder sehen will und es der Frau nicht passt, dann kann er mit Kindesentfremdung drohen und dem Jugendamt schreiben.

„Wie kann das sein?“

Mehrfach fragte ich mich das und meine Anwältin brachte es auf den Punkt:

“ Es spielt keine Rolle, ob sie in einen Club tanzen, oder arbeiten wären, oder auf der Couch liegen würden.“

Und nochmal: WIE kann das sein!

Ein Vater kann die Mutter bei jeder Übergabe bedrohen, klein machen, manipulieren, beschimpfen.

Und trotzdem wird seine Rolle als Vater nicht in Frage gestellt? Ernsthaft?

Kann ein Vater ein guter Vater sein, der sich SO der Mutter gegenüber verhält?

Er kann sich komplett zurück ziehen, kein Umgang, kein Unterhalt.

Wenn das Kind aber einen neuen Paß braucht, dann brauch ICH seine Unterschrift. Wie ich das schaffe, er 500 km entfernt wohnt, oder mir den Gefallen einfach nicht tun will, das interessiert keinen.

Fakt ist: ich brauch seine Unterschrift. Oder ich habe ne mords Rennerei mit Unterschrift vom Gericht ersetzen lassen. Ich! Natürlich ich! Nicht er!

Als ich mit meinen Kindern im Sommer außerhalb der EU im Urlaub war, nach was wurde ich direkt nach dem Pass vorzeigen gefragt?

Richtig! Nach seiner schriftlichen Erlaubnis, dass ich alleine mit den gemeinsamen Kindern reisen darf.

Wenn man sich diesen Satz langsam durchliest, kann man nur schreien oder hysterisch lachen.

SEINE ERLAUBNIS- DARF!

Aaaaaatmen!

Wenn die Kinder in den Ferien bei ihm sind, kann er eine Liste anfordern, mit allem, was er an Kleidung und Schuhen braucht für diese Zeit.

Wissen, wo es hingeht, das muss die Mutter aber nicht. Das Kind sagt, es gehe ans Meer. Hm.

Auf Nachfrage heisst es dann vielleicht:

„Wir bleiben innerhalb Deutschlands!“

Ob mein Kind im Schwarzwald, an der Ostsee, oder Berlin ist, das muss mir also egal sein.

Der Vater muss sich seinen Urlaub nicht in der Kitaschliessungszeit nehmen. Wie die Mutter die 3 Wochen überbrückt, wenn sie in der Probezeit ist, nicht zu der Zeit Urlaub nehmen kann, oder nicht so lange…interessiert niemanden. Im schlimmsten Fall muss sie krank „machen“, weil ihr nichts anderes übrig bleibt.

Er jedoch hat Anspruch darauf seinen Urlaub direkt bei Wiederöffnung mit dem Kind zu nehmen.

Weil es dann billiger ist außerhalb der Ferien, oder auch, weil es ihm egal ist, dass sie ja den Monatsbeitrag zahlt.

Man muss ihm diese Zeit mit dem Kind ja gönnen und sich freuen, dass er so gern Zeit mit dem Kind verbringt.

Ich hab von Vätern gehört, die jeden Abend per Videotelefonie ihren Kindern Gute Nacht sagen wollen, wow!

Geht’s dabei wirklich um die Kinder und das Interesse an ihnen?

Oder eventuell doch auch um Kontrolle, auch im Bezug auf die Frau natürlich.

Natürlich schreibe ich teilweise auch sehr überspitzt. Es ist ein Prozess.

Irgendwann weiss man was er „muss“ und „nicht muss“.

Oder wie meine Anwältin mal so schön sagte:

„Das gemeinsame Sorgerecht ist eigentlich nur ein Stück Papier. Doch nicht wirklich was wert. SIE entscheiden doch alles mehr oder weniger alleine für ihr Kind. Elternabende usw, er bekommt doch vieles gar nicht mit! Machen Sie sich nicht so abhängig. „

Und ja, hat man es mit einem Vater zu tun, der eher passiv ist und sich gerne aus allem raushält, dann könnte man es echt locker sehen.

Mein Ex hat noch nie ein Zeugnis der Kinder unterschrieben, zur Anmeldung für die weiterführende Schule hat kein Hahn nach seiner Zustimmung gekräht. Ich entscheide im Alltag alleine!

Jedoch gibt es auch Väter, die genau anders ticken. Die, die sich ständig in alles einmischen, ständig Mitspracherecht haben wollen, kontrollieren, oder sogar um das Wechselmodell, oder alleinige Sorgerecht kämpfen. Wenn auch nur, um keinen Unterhalt mehr zahlen zu müssen!

Patchwork ohne den Papa

Vor wenigen Monaten hatte ich die furchtbare Aufgabe den Kindern beizubringen, dass Papa und seine Freundin sich getrennt haben.

Und noch schlimmer, dass sie mit dem Halbbruder Henri und ihrem eigenen 8 jährigen Sohn nach Köln gezogen ist.

Alles ging schnell, es gab für uns keine Vorwarnung und keinen Abschied von meinen Kindern.

Ich wusste das wird hart und ich habe sie zu einem Ausflug überredet. In der Natur verdaut sich so eine Nachricht vielleicht besser dachte ich.

Wir hatten ein schönes Plätzchen gefunden, saßen im Gras und aßen unseren Proviant.

Als es raus war, sah ich in geschockte Gesichter.

Keiner von beiden hatte wohl irgendwelche Anzeichen bemerkt und der Schock saß tief. Es brach mir das Herz.

Der Große hatte sofort Tränen in den Augen und sprach seine größte Angst aus:

„Wir werden Henri nie wieder sehen?!“

Der Zwerg hatte wohl den Gleichen Gedanken gehabt und sagte:

„Oh nein, Henri war doch so süß. „

Er lief sofort los, wollte da vorne nochmal in die Kapelle rein, aus der wir erst kamen und dafür beten, dass sie ihren Babybruder wieder sehen.

Ich betete mit. An dem Tag war mit den Jungs nichts anzufangen und wir redeten viel, bevor es still wurde.

All die Fragen nach dem wie und warum konnte ich nicht beantworten. Nur trösten.

Ich hatte nie Kontakt mit der Freundin vom Papa. Mehr als Hallo und einem Winken vom Balkon gab es nicht. Ich wollte mich zurückhalten als Ex-Frau.

Mir reichte es, dass meine Kinder sie lieb hatten und von ihr schwärmten.

Ich habe lange mit mir gerungen, bevor ich ihre Nummer aus dem Handy meines Sohnes raussuchte.

Ich schrieb ihr, wie es den Kindern mit der Nachricht der Trennung ging, dass sie Henri vermissen, verwirrt und ängstlich sind. Dass ich akzeptiere, wenn sie keinen Kontakt will, dann wäre das meine erste und letzte Nachricht.

Ihre Antwort kam etwas später:

“ Ich bin so froh, dass du dich meldest, ich habe mich nicht getraut!“

Vor ein paar Wochen waren wir in Köln.

Es war Vorfreude pur! Von allen Beteiligten.

Von der Seite des Papas gab es keine Möglichkeit des Kontaktes zwischen den Parteien, also hatte ich kein schlechtes Gewissen. Denn auch ich vermisste Henri und das alles.

Wir hatten uns inzwischen gut kennengelernt, es gab Telefonate mit den Kindern, Fotos wurden ausgetauscht, news und Anektoden.

Das Wiedersehen war dementsprechend herzlich, gar nicht fremd.

Und die Kinder hatten Recht:

„Sie ist wie du!“ „Ihr seid euch voll ähnlich!“

Ihr 8 jähriger Sohn hatte an dem Freitag eigentlich Schule in Köln, denn dort waren die Sommerferien längst vorbei. Er war aber so aufgeregt, dass er nicht zur Schule „konnte“. Bis wir da waren, hatte er Kopfweh, Bauchweh und all das.

Er wartete schon am Straßenrand, sprang hoch vor Freude, winkte wie verrückt und meine Kinder sprangen fast noch aus dem fahrenden Auto.

Sie und ich- wir drückten uns fest und nein, es war nicht komisch. Wir hatten vom gleichen Mann Kinder, ich zwei, sie eins.

Und wir beide hatten eine Trennung mit ihm hinter uns, nur war ich ihr um Jahre voraus.

Henri schlief noch und als sie schließlich mit ihm auf dem Arm reinkam, kuschelte er sich an ihre Brust, Blick gesenkt.

Mein Kleiner ging zuerst hin, streichelte ihm über Kopf und Rücken, begrüßte ihn mit sanfter Stimme. Nichts. Wir gaben ihm etwas Zeit wach zu werden. Und zu verstehen.

Wir redeten einfach weiter und als mein Großer zu reden begann, schaute Henri plötzlich auf und ließ seine Augen nicht mehr von ihm. Jetzt erkannte er ihn. Das war der Moment, ich war sicher.

Wir hatten ein wunderschönes Wochenende dort. Die Kinder schliefen alle in einem Zimmer und Henri begrüßte morgens mit „Hi“, seinem einzigen richtigen Wort bisher, krabbelte auf sie drauf, um sie zu wecken.

Wir waren auf Spielplätzen unterwegs und sie hoben ihn an eine Reckstange hoch, lachten über sein angestrengtes Gesicht.

Sie buddelten ihn im Sand ein, wippten mit ihm und spielten Ball.

Mein Großer setzte sich zu Henri und uns auf die Bank, auf Knien sitzend zeigte er ihm etwas im Sand.

Und aus dem Nichts legte Henri sich in seinen Arm und kuschelte seinen Kopf in seine Arme. Er erinnerte sich.

Er wollte immer abklatschen, so wie die beiden es früher immer gemeinsam machten.

Dem Zwerg wollte Henri immer Bussi geben, so wie sie es früher immer gemacht haben. Er erinnerte sich!

Wir hatten reine Erwachsenengespräche, als alle Kinder längst schliefen. Das war wichtig.

Wir redeten auch viel mit den Kindern. Das war wichtig.

Und an einem Abend gab es ein Erwachsenengespräch mit nur dem großen Sohn, die Kleinen mussten früher ins Bett. Auch das war so wichtig. Er hatte sehr viele Fragen. Und bekam seine Antworten.

Wir haben beschlossen Weihnachten dieses Jahr zusammenzufeiern. Das war eine spontane Idee und wir fanden sie alle toll. Wir haben schon Geschenkideen und fiebern dem Wiedersehen entgegen.

Aufgrund der Entfernung und unterschiedlicher Ferienzeiten sehen Sie sich nicht mehr so oft wie früher, wenn Papa- Wochenende anstand.

Aber keiner muss Angst haben, sich aus den Augen zu verlieren.

Wenigstens hast du als Alleinerziehende jedes zweite Wochenende frei

Gerade habe ich „Wir sind doch alle längst gleichberechtigt“ von Alexandra Zykunov gelesen, ein SPIEGEL Bestseller im übrigen.

Es wühlt auf und es macht wütend.

Manche Themen darin treffen mich mehr, zum Beispiel, wenn es um die Vereinbarkeit im Beruf geht.

Noch mehr wühlt mich ein Kapitel auf, nämlich DAS meiner heute gewählten Überschrift.

Es geht darum, wie ausgebrannt Mütter in Partnerschaften sein müssen, die eine Alleinerziehende um ihr „freies“ Wochende neiden.

Mein Puls wurde schneller, als sie darüber schrieb, dass es für viele getrennt lebende Mütter gar nicht so toll ist, weil sie sich Sorgen um die Sicherheit ihrer Kinder machen.

Mütter, die sich aus einer gewaltvollen Partnerschaft gelöst haben und jetzt ihr Kind dorthin abgeben müssen.

Dass dann Äusserungen fallen wie:

„Er hat Sie geschlagen, aber doch nicht das Kind!“

Diese Mütter sind mindestens alle 2 Wochen mit diesem Vater konfrontiert, müssen die Tasche fürs Kind packen, sind aufgeregt und verängstigt, wenn es dann an der Tür klingelt.

Kann es einem Kind bei einem Vater wirklich gut gehen, der die Hand gegen diese Mutter erhoben hat?

In diesem Buch werden Jugendamtsmitarbeiter zitiert.

„Er hat doch Sie vergewaltigt, aber doch nicht das Kind!“

Ein Gutachter:

„Der Vater handelte zum Wohl und Schutz des ungeborenen Kindes, als er die Mutter rektal vergewaltigte.“

In SO einer Welt leben wir! Das ist die Realität!

Ja sicher gibt es diese Väter, die sich toll kümmern, das Wohl ihrer Kinder im Auge haben und mit denen man normal kommunizieren kann, Probleme ansprechen und zusammen lösen.

Aber es gibt auch die anderen, die auch nach einer Trennung alles dafür tun, um weiter Macht ausüben zu können.

Und auch weiterhin so viel Kontrolle wie möglich zu haben. Das Wohl des Kindes spielt dabei keine Rolle.

Es wird manipuliert, gezerrt, gedroht, erpresst, alles ist erlaubt.

Die Vorfreude auf ein freies Wochenende ist getrübt, wenn man nicht sicher ist, ob der Vater das Kind zurück bringt wie ausgemacht.

Wenn alles darauf deutet, dass er genau das eben nicht vorhat, oder sich sogar mit Kind aus dem Staub machen will.

Und trotzdem muss man ihm das Kind mitgeben, wenn es einen Beschluss zur Regelung des Umganges gibt. Handeln kann man erst, wenn es dann soweit ist.

Bei gemeinsamem Sorgerecht wird auch das schwierig bis unmöglich.

Was machen, wenn der Ex- Partner die Kinder abholt und 1 Sunde mit ihnen über die Autobahn muss, sie aber nicht richtig anschnallt zum Beispiel?

Wenn du immer wieder darauf hinweist, dass die Gurte des Einjährigen über die Schulter laufen müssen und nicht entlang der Oberarme.

Wenn du bittest, bettelst, flehst, Crashtest- Videos schickst und es ihn einfach nicht interessiert?

Wenn er seine Profilbild ändert und du wieder siehst, dein Kleinkind ist nicht richtig angeschnallt und wieder darauf hinweist.

Was, wenn dann die Antwort ist:

„Stalkst du mich jetzt schon anhand meines Profilbildes? Gott, bist du erbärmlich!“

Wenn deine Kinder nach der Trennung zum ersten Mal bei Papa im Haus sind für ein paar Stunden. Du Kleidung holen willst, die beim Umzug nicht mitkonnte. Du feststellten musst, dass es wohl schon eine neue Frau gibt und sie mit ihnen und deinem Ehemann irgendwo da draussen ist. Du im Aschenbecher Joints findest und nicht weisst, ob der Autofahrer Herr seiner Sinne war, als er mit deinen Kindern einstieg.

Wenn du auf dem Boden Marmeladengläser voll gefüllt mit Marihuana findest und weisst, dein Krabbelkind war hier.

Wenn du dann beim Jugendamt anrufst, die Situation erklärst und auch erwähnst, dass im Keller alle Utensilien zum Grasanbau befinden. Rotlichlampen, Ventilatoren, Gefässe, Spezialerde usw und als Antwort hörst:

„Und wo genau sehen Sie jetzt die Gefährdung Ihrer Kinder?“

Aktuell geht dazu ein Fall durch die Presse.

Die 9jährige Sophie aus Rheinland Pfalz hat eine psychische Belastungsstörung und inzwischen Pflegestufe 2.

Der Vater klagt auf Umgang mit dem Kind, die Mutter versucht gerade alles, dass das nicht passiert. Sophie hat eine Angststörung, sobald sie an Umgang mit dem Vater denkt.

Sie kann detaillierte sexuelle Handlungen wiedergeben, das Gutachten stützt, dass etwas passiert sein kann, weist aber nicht den Missbrauch nach.

Sollte der Vater vor Gericht gewinnen, bleibt der Mutter nichts anderes übrig, als die Tochter gegen ihren Willen dem Vater mitzugeben. Wohl wissend, dass es wohl mehrfache sexuelle Übergriffe gab in der Vergangenheit.

In solchen Fällen wird der Mutter dann oft auch noch vorgeworfen, dass sie das Kind dahingehend beeinflusst und sie wird aufgefordert, doch positiv einzuwirken, weil sie sonst das Sorgerecht verliert.

Das ist Deutschland, mitten unter uns. Tag für Tag.

Wenn Mütter zusammenhalten

Bei uns ist zur Zeit der Wurm drin und allgemein fühlt sich alles soooo schwer an. Und die Ferien lang.

Gestern allerdings war ein Tag…bitte mehr davon!

Meine sehr, sehr gute Freundin, die ich noch nicht sehr, sehr lange kenne, ist auch alleinerziehende Mama.

Wir lernten uns kennen, als sie in unsere Stadt zog ( nach Trennung, Hausverkauf und Tragödien).

Ihr Sohn kam in die Kindergartengruppe meines Sohnes und so lernten wir uns nachmittags auf dem Spielplatz kennen.

Seit Mai wohnt sie schräg unter uns, Zufälle gibt’s!

Unsere Kinder können mehrmals täglich beieinander klingeln und kurz in Socken runter.

Entweder wird im Zimmer von dem einen, dem anderen, in der Sackgasse vorm Haus, oder im Garten gespielt.

Entweder ist eine Mama dabei, keine, oder wir beide.

Mal backen wir Kuchen und bringen einen Teller runter, oder sie zaubert schnell ein Essen und kommt damit raus, inklusive 6 Gabeln.

Wenn ich nach dem gemeinsamen Ausflug noch die Kinder baden will, holt sie auf dem Rückweg eben Pizza für uns alle und wir essen diese im Schneidersitz im Garten.

Wenn Sie sich ausschließt, klingelt sie bei mir und holt den Ersatzschlüssel.

Wenn ich kaputt bin, bespasst sie die Kinder, damit ich Me- time habe.

Es ist ein Geben und Nehmen. Es ist Balsam für die Seele und oft sitzen wir noch im Dunkeln draußen, weil es so schön ist und keiner rein will.

Uns verbinden viele Parallelen und tiefe Gespräche. Ich lerne von ihr so viel Leichtigkeit und sie fragt mich gern um Rat, wenn es um den Ex- Mann geht.

Gestern waren wir auf unserer Bank verabredet, auf der wir schon viele Stunden geredet haben.

Auch gestern hatten wir Essen dabei. Der eine was Gesundes, der andere was zum Naschen und jeder darf alles essen, klar.

Die Kinder haben Boccia gespielt, dann wir mit. Wir hatten Fußbälle dabei und lange haben sich unsere Jungs alleine beschäftigt.

Als sie zu uns kamen, hatten sie einen Wunsch:

„Bitte, bitte könnt ihr mit uns ein Match machen? Ihr Mamas gegen uns Kinder, bitte, bitte.“

Ich schaute zu meiner Freundin: Kleidchen und schicke lila Sandalen. Hmmm.

Nach dem 3. Mal betteln der Kinder sagte ich leise vor mich hin:

„Aus dieser Sache kommen wir nicht mehr raus!“

Sie lächelte nur und ging wortlos Richtung Auto.

Ich war da schon mitten im Spiel, als sie dazukam.

Es ging sofort los und ich bekam kaum Luft vor Lachen, denn sie hatte ihre Wanderschuhe aus dem Auto geholt und angezogen.

Sie rannte lachend dem Ball hinterher und hob dabei ihr Kleid hoch, um nicht darauf zu treten und besser rennen zu können.

Die Kinder hatten Spass, das Lachen laut und alle Tricks waren erlaubt. Auch Festhalten, Foulen, Kitzeln. Sonst hätten wir doch nie ne Chance gehabt.

Wir brachen lachend zusammen und unsere Kinder ließen sich auf uns drauffallen. Ein riesen Gelächter.

Es fühlte sich so gut an! Frei und völlig lebendig.

Wieder dachte ich:

Darum geht’s doch im Leben. So sollte es sich immer anfühlen!

Ich hätte nie gedacht, dass der Tag noch so gut werden kann. Ich hatte bis dato wenig gelacht.

Danach waren beide noch bei uns, weil wir uns nicht trennen konnten.

Warum auch immer saßen wir dann auf dem Flurboden zusammen und haben uns Geschichten erzählt.

Ich liebe sie. Für ihre Leichtigkeit, die mir so oft fehlt. Was hab ich für ein Glück!

Ich wünsche jedem eine Nachbarin wie meine.

Unterstützung. Beistand. Sich gegenseitig aufbauen. Füreinander da sein. Das beste aus der Situation zu machen.

Urlaub mit Kindern als Alleinerziehende

Wir kommen gerade aus Dubai, der Stadt der Grenzenlosigkeit und der Superlative.

Dubai, weil es der Traum meines großen Sohnes war. Er liest gerne im Guinness Buch der Rekorde und da war immer der Burj Khalifa drin, als höchster Turm der Welt mit über 800 Metern.

Und Dubai, weil ich dieses Jahr komplett eskalieren wollte. Ich hatte keine Lust auf was Ruhiges, Beschauliches.

Ich sehnte mich nach Lichtern wie an Weihnachten, Menschenmenge, Trubel und Action.

Das war meine trotzige Reaktion auf Corona, ganz nach dem Motto:

“ Ich hole uns das Leben wieder zurück!“

Der Urlaub war toll. Auch toll. Aber auch anstrengend und kräftezehrend.

Wäre ich mit einem Kind dort gewesen, egal mit welchem, es wäre perfekt gewesen. Aber mit beiden, puh!

Es wurde gestritten, gekämpft, beleidigt und gebockt. Klar, wir sind ja keine anderen Menschen, nur weil wir an einem anderen Ort sind.

Kinder sind Energiefresser. Und ich habe sie mir so sehr gewünscht, wie ich mir jetzt manchmal mehr Luft zum Atmen wünschen würde.

Ich liebe sie so sehr, wie ich mich jetzt nach Harmonie sehne.

Zu dritt muss man viele Kompromisse schließen und manchmal Dinge mitmachen, auf die man so überhaupt keine Lust hat.

Es ist keine 2. erwachsene Person da, dass man sich aufteilen könnte, so wie bei Ehepaaren.

Wenn ich zum Strand wollte abends, dann mussten beide mit, weil ich die Jungs nicht alleine am Pool lasse ohne Aufsicht.

Wenn zwei von uns drei auf den höchsten Turm der Welt wollten, ja, dann musste auch der Dritte mit, obwohl er darauf keine Lust hatte.

Dann wurde gebockt. Und das zehrte an den Nerven, denn genau die Unternehmungen kosteten ja viel Energie, da man nicht genug Augen und Hände hatte.

Wir waren immer am Verhandeln und Abwägen.

Manchmal endete es mit „Na guuuut“, manchmal mit Weglaufen und nicht hören.

Urlaub zu dritt- da kann keiner nur seinen eigenen Kopf durchsetzen.

Jeder hat andere Bedürfnisse und Wünsche und jeder darf mal entscheiden.

Wenn mir etwas wichtig war und ich trotzige Kinder hinter mir herschleifen musste, ja, das war sehr anstrengend.

Und ja, es nimmt auch was von der Freude daran. Genau dann wünscht man sich ja, dass die Kinder mitziehen, weil sich ja eh fast alles nur um sie dreht.

Das ist Urlaub zu dritt. Alles wie daheim, nur mit viel Sonne, mit Pool und Meer, ohne Kochen und Putzen, Aufräumen und Waschen.

Ich bin für mehr Realität.

Es gibt kein Perfekt. Kinder sind Egoisten. Sie wollen nehmen und haben nie genug.

Ich bin froh, dass sie gezwungen sind, diese Lektionen zu lernen.

Das „ich biete dir einen Deal an“ und das „Na guuuuut“.

Der Urlaub war schön. Trotz allem. Weil ich meine Kinder und mich kenne und nie perfekt erwartet habe.

Und das will ich auch niemanden vormachen.

Klar lächelt man immer auf Fotos und die Kulisse sieht toll aus. Manchmal fotografiere ich meine Kinder nur von hinten, weil sie den Todesblick aufgesetzt haben.

Und manchmal habe ich sie auch genötigt, sich irgendwo hinzuplatzieren, damit es toll aussieht. Weil ich das wollte, nur ich.

Alle lieben es alte Bilder anzuschauen und sich zu erinnern.

Meine Kinder sind noch klein und wenn ich nicht so viel festhalten würde, könnten sie sich an so Vieles später nicht erinnern.

Urlaub zu dritt- so viele Chancen zu wachsen. Sich zu positionieren. Zu argumentieren. Sein zu lassen. Grenzen zu setzen.

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub!

Wenn alles zu viel ist…

Die erste Klasse kann ganz schön anstrengend sein!

Nach Corona und maximal 5 mal Vorschule im Kindergarten, wurde mein Sohn ins kalte Wasser geworfen.

Ich wollte ihn am liebsten zurückstellen lassen, wollte, dass er seine Kindergartenzeit noch geniessen darf.

Dass er ohne Tests und Maske unbeschwert in den Tag starten kann.

Für ihn kam das nicht in Frage, denn er wollte mit seinen Freunden eingeschult werden. Daran gab es nichts zu rütteln.

Er war nicht gut vorbereitet auf das was kam. Er ist sehr sensibel und ihn hat das alles komplett überrollt.

Plötzlich regelmässige Tests, Maske tragen, was er davor gar nicht kannte. Er war bei seiner Einschulung noch nicht lange 6.

Im Laden sagte er: „Wir tun so, als wär ich noch 5!“

Natürlich war ich einverstanden, denn ich liebte sein unschuldiges, süsses Lächeln.

In der Schule ging das nicht mehr. Er wurde knallhart auf die Probe gestellt. Und ich mit.

Mittags war er so kaputt, dass er oft einschlief. Für die Hausaufgaben hatte er kaum noch Kraft und war schwer zu motivieren, diese noch zu erledigen.

Er weinte plötzlich aus dem Nichts, ohne einen sichtbaren Anlass. Weil er sich missverstanden fühlte, weil „du verstehst mich einfach nicht“.

Abends konnte er lange nicht einschlafen und fragte mich einmal, ob ich ihn bitte von der Schule abmelden könne, er wolle dort nicht mehr hin.

Beim Tischtennis und Fussball geht das, mit der Schule wird es da schon schwieriger.

Morgens wollte er nicht aus dem Auto aussteigen und weinte.

Die Jungs lachen über ihn, weil er sich gut mit den Mädchen versteht, sagte er.

Der eine Junge habe ihm Schläge angedroht und überhaupt. Alles sei so laut, er könne sich nicht konzentrieren.

Die Sporttage hauten ihn komplett um. Rüber zur Sporthalle laufen, umziehen, Sport machen, wieder umziehen und wieder zurück zur Schule. Puh!

Er erzählte von Geschrei, wilden Kämpfen unter Jungs und Geschubse.

Der Lehrerin war wichtig, dass sie sich wirklich auch umziehen, dass es Sportkleidung gibt und die dann auch erst in der Umkleide angezogen wird.

Als ich merkte, dass die Sporttage wirklich furchtbar anstrengende Tage wurden für uns beide, machten wir einen geheimen Plan.

Unter den Pulli zog er ein Sport- Shirt an. „Dann hast du nicht ganz so viel zum Umziehen. Das merkt doch keiner,“ flüsterte ich ihm ins Ohr und er grinste.

Immer öfter kam Bauchweh dazu. Das Phänomen kannte ich schon vom großen Sohn.

Bauchweh kann alles sein, aber selten ist es Bauchweh.

„Ich bin unsicher!“

„Mir fehlt der Halt!“

„Ich hab Angst!“

„Ich fühl mich nicht wohl!“

„Mir ist alles zu viel!“

„Ich will da nicht hin!“

Wenn wir morgens zur Schule fuhren und er ganz still wurde, da merkte ich es ihm an.

Ich parkte und fragte, ob er noch ein paar Minuten zu mir nach vorne kommen will. Das gefiel ihm. Er setzte sich auf meinen Schoß ich legte meine Arme um ihn, redete ihm gut zu.

Manchmal waren wir auch nur still. Das half ein bisschen. Schwer fiel das Aussteigen immer noch, aber es ging ohne Tränen.

Wenn ich ihn abholte und nichts richtig machen konnte, ihn IMMER falsch verstand, ihm NIE zuhörte und er in Tränen ausbrach, wusste ich:

Es war wieder zu viel.

Ich fragte: „Wie voll ist dein Akku?“

Damit ist der Liebesakku gemeint. Er formte seine Augen zu Schlitzen und zeigte mit Daumen und Zeigefinger gaaaaanz wenig an. Fast leer also. Das dachte ich mir!

Dann breite ich die Arme aus, er kuschelt sich an mich. Es gibt nur eine Möglichkeit den Liebesakku schnell wieder aufzuladen:

Ganz festes Drücken hilft, festes Rückenstreicheln, bis man die Wärme spürt und eine leise Stimme, die liebe Sachen sagt.

Damit wird es schnell wieder besser und nach Regen kommt Sonnenschein.

Wenn das Bauchweh sich lang gehalten hat, oder besonders schlimm war und ich frei hatte, ja, dann hab ich ihn auch schon mal abgemeldet.

Krank ist man nicht nur, wenn man Fieber hat, Halsweh hat, oder Ausschlag.

Manchmal ist es eben auch Bauchweh.

Erst Recht, wenn Bauchweh nicht wirklich Bauchweh ist.

Wenn alles zu viel wird und man Abstand braucht. Danach ging es immer viel besser weiter und ich merkte, dass es die richtige Entscheidung war.

Bucket list

Die letzten zwei Jahre waren hart.

Sie haben mir, wie wohl jedem, sehr viel abverlangt.

Es war ein Auf und Ab der Gefühle.

Wenn mich das Leben seither eins gelehrt hat, dann, dass es keine Sicherheit gibt!

Nicht mal da, wo ich sie immer vermutet hatte und da, wo ich sie so sehr gebraucht habe, z.Bsp. bei der Kinderbetreuung, dem Schulbesuch, oder meinem Job als Krankenschwester.

Ich musste flexibler in meinem Denken werden, kurzfristig umplanen und Lösungen suchen, wo ich keine vermutete.

Seither gibt es für mich kein:

„Das geht nicht!“

Sondern nur, nach der passenden Möglichkeit zu suchen, das Problem aus allen Richtungen zu beleuchten.

Denke in Möglichkeiten!

WAS kann ich tun?

WAS habe ich für Möglichkeiten?

WO könnte ich mir Unterstützung suchen?

Und ja, ich bin viel kreativer geworden in meinem Denken, dabei hat mir diese Krise sehr geholfen.

Es gibt nicht mehr so viel vor dem ich mich fürchte im Leben, ausser einem.

Meine größte Angst ist, dass ich von dieser Erde gehen muss, ohne alles von meiner Liste gestrichen zu haben.

Nach all den Krebsdiagnosen der letzten Jahre in meinem Umfeld, will ich nur noch fürs Streichen dieser Liste leben.

Nichts sparen, aufheben, warten bis, davon träumen und doch nicht machen.

Ich will leben! Ich will schöne Erinnerungen schaffen. Ich will die Zeit mit meinen Kindern und auch ohne sie geniessen.

Keiner weiss, was in einem Jahr ist, oder auch nicht in einem Monat.

Eine schlimme Diagnose zu bekommen und daran zu denken, was man doch noch alles erleben wollte, das stelle ich mir quälend vor.

Meine bucket list ist gar nicht so lang, weil ich mir schon Vieles selber erfüllt habe.

Oft sind es gar nicht die großen Dinge, sondern die Qualität in vermeintlichen Kleinigkeiten.

Wenn es schon später ist wie gewollt, der Plan war, dass die Kinder schon längst im Bett sind. Wenn man dann aber doch noch auf dem Sportplatz ist, Tore schießt, gute Gespräche mit Menschen hat, lacht und glücklich ist.

Dann und genau dann denke ich daran, um was es im Leben wirklich geht.

Nämlich eine gute Zeit zu haben. Wie das aussieht, muss jeder für sich definieren.

Meine Bucket list:

– In der Wüste übernachten mit den Kindern

– Wale und/ oder Delphine auf dem Meer beobachten

– Heißluftballon fliegen

– verschiedene Urlaubsziele wie zum Beispiel Cornwall

– Urlaub (mit den Kindern) im Wohnwagen , wenn auch nur gemietet

– einmal im Leben den Jakobsweg gehen

– ein Buch veröffentlichen

– Die Palliativweiterbildung machen, wenn die Kinder größer sind und im Hospiz arbeiten

– einen Profilerkurs bei meiner Lieblingsprofilerin Suzanne mitmachen ( kostet ein Vermögen)

3 weitere meiner Wünsche von der Liste kann ich bald streichen.

Die Wüste mit den Kindern erkunden. Sie waren noch nie in der Wüste und ich freue mich so sehr drauf:

Kamelreiten, mit dem Jeep die Dünen hoch und runterrasen und runterrutschen. Ich bin gespannt und voller Vorfreude.

Funfact nebenbei:

Unser Urlaub auf Kreta 2019 und 2020 war in Lerapetra im Hotel Petra Mare. Ich heisse Petra. Das fand ich doch sehr schicksalhaft. Es hat mich so angezogen.

Jetzt für den Sommer gebucht und nach 1 Woche zufällig gesehen, dass es eine thailändische Hotelkette ist. Was die wunderschönen, bunt bemalten Elefanten am Eingang und der Lobby erklärt.

Thailand- wieder eine besondere Verbindung, da die Wurzeln meines Ex- Mannes thailändisch sind. Beide Kinder waren mit uns schon dort.

Jetzt verstehe ich, dass es genau dieses Hotel für mich sein musste und alle anderen Möglichkeiten für mich nicht in Frage kamen.

Was ich meine?

Lassen wir uns doch einfach treiben, das Leben zeigt uns doch den Weg. Wir müssen uns nur von alten Denkweisen und Strukturen frei machen.

Ich liebe dich, weil…

Es gibt Tage wie heute.

Nichts läuft wie es soll.

Auf dem Weg zur Arbeit: Vollsperrung der Hauptstraße.

Als ich über die Feldwege getuckert bin und nicht recht wusste, wo ich mich befinde und wo ich hin muss.

Als ich schon genervt und gestresst dort ankam und erfuhr, dass wir noch mehr Coronafälle haben, als noch am Sonntag in meinem Frühdienst.

Als die Kollegin, die heute Spätschicht gehabt hätte anrief und sich krank meldete. 

Heut ist so ein Tag, an dem ich bis Mittags diesen Kloß im Hals hatte, nicht wusste, ob ich jeden Moment anfange zu weinen, oder einfach weiter innerlich die Augen verdrehe und atme.

Ich hab mich auf meine Kinder gefreut.

Ich wollte nur noch nach Hause zu ihnen und sie drücken.

An Tagen wie diesen versammeln wir uns am Küchentisch. Wir machen Musik an, singen, malen, kleben, basteln…Hauptsache zusammen. Ich erzähle ihnen was bei der Arbeit so los war und warum ich so kaputt bin, während ich den Knopf der Kaffeemaschine drücke.

Mein Großer sagte plötzlich:

„Los, wir machen ich liebe dich, weil…“

Das habe ich mir mal ausgedacht, weil ich wahrscheinlich in der gleichen Stimmung war wie heute.

Ich mag Spiele, bei denen ich nur meine Lippen bewegen muss und dabei sitzen, oder liegen kann.

Beschäftigung mit den Kindern muss sein. Jedoch hasse ich Gesellschaftsspiele und ich hasse auch „ich packe meinen Koffer“.

Also gut.

„Ich liebe dich, weil…“ ist toll an Tagen wie heute.

Es ist Balsam für die Seele, erwärmt das Herz, beruhigt, besänftigt, lenkt ab.

Es ist spannend, was dabei von den Kindern aufgezählt wird. Oft denke ich, dass alles so selbstverständlich für sie ist.

Dann kommt:

„Ich liebe dich, weil du mich jeden Abend ins Bett bringst und wir noch reden!“

„Ich liebe dich, weil du mir jeden Morgen Vesper machst, obwohl du noch müde bist!“

„Ich liebe dich, weil du mir bei den Hausaufgaben hilfst!“

Es kam schon vor, dass einer von uns etwas aufzählte und der andere ungläubig fragte: „Echt jetzt“, weil ihm gar nicht bewusst war, wie liebenswert das an ihm ist.

Es ist schön zu hören, dass es nicht als selbstverständlich hingenommen wir. Wertschätzung tut gut. Für beide Seiten.

Auch mir tut es gut auszusprechen, warum ich sie liebe. Es kommen immer andere Sachen dazu, bei jedem Mal Spielen sind es andere Dinge. Je nachdem, was gerade so los ist.

Oft endet sowas in einer „Familienumarmung“, wie der Zwuckel es nennt und wir drücken uns alle drei.

Nichts tut besser als das, wenn der Tag doof war.

„Was stärkt dich gerade?“

https://mutter-und-sohn.blog/2022/03/08/blogparade-was-staerkt-dich-gerade

Sarah Zöllner hat wieder zur Blogparade aufgerufen und diesmal wieder mit einem Thema, das mich die letzten Tage beschäftigt hat.

Was mich gerade stärkt?

Hm…

Ich stelle fest, dass ich seit kurzem viele Bilder von Sonnenaufgängen mache. Ich liebe es, wenn sich früh morgens der Himmel rötlich verfärbt.

Sonne- wie sehr habe ich dich vermisst und wo warst du nur all die Zeit?

Die Natur erwacht und auch in mir spüre ich es wieder sprießen.

Frühling ist meine Lieblingsjahreszeit und bei jedem faszinierten Starren in den Himmel denke ich:

„Ja, jeden Morgen geht die Sonne wieder auf!“

Sie legt tröstend die Arme um mich, gibt mir Hoffnung und neuen Lebensmut.

Zukunftspläne machen macht mich stark, ich plane wieder.

Urlaube und Treffen mit Freunden. Ich suche Ferienhäuser aus, blättere in Katalogen, bestelle Reiseführer.

Diesen Sommer werden wir endlich wieder am Meer sein, das weiß ich.

Die Spritkosten und dass alles teurer wird, ändert nichts daran, dass ich so sehr leben will, wie nie zuvor.

Ich will nicht sparen für später, für die Rente, für schlechte Zeiten…

Nur für den nächsten Urlaub, oder die nächste schöne Unternehmung.

Ich weiss, ich werde sterben. Aber bis dahin will ich sowas von leben und eine gute Zeit haben.

Wenn ich was gelernt habe, dann, dass sich auch im schlimmsten tiefen Loch ein Türchen aufmacht und alles gut wird.

Ich visualisiere- und es klappt erstaunlich gut! Ich überrasche mich immer öfter und staune, wie einfach es doch ist und immer wieder klappt.

Ich sehe mich mit meinen Kindern Sandburgen bauen, Hand in Hand ins Meer laufen und jubeln vor Freude. Es wird der erste Urlaub ohne Schwimmflügel und der erste mit zwei Schwimmerkindern. Wie ich mich freue!

Ich sehe uns Achterbahn fahren und die Augen zusammenkneifen. Ich schreie wie verrückt und hinterher rufen meine Kinder:

“ Boah, das war so cool!“

Neune gerade sein zu lassen macht mich stark. Ich stelle fest, dass ich in vielen Dingen lockerer werde und nicht alles mehr so ernst und verbissen sehe.

Entwicklung ist schön! An sich zu arbeiten ist schön! Festzustellen, was hinter einem liegt und man geschafft hat ist schön!

Mir geben die besonderen, abendlichen Gespräche mit meinem fast 11-jährigen Sohn Kraft, nach denen ich mit großem Herz aus seinem Zimmer gehe und denke:

Wow! Er ist echt groß geworden! Und was für ein feiner Kerl er ist!

Ich liebe es, dem 6 jährigen Sohn auf Wunsch zum 100. Mal das gleiche Räuber Hotzenplotz Buch vorzulesen. Wie er auch dann noch über meine vorstellte Stimme lacht und nicht genug bekommt.

Meine Arbeit gibt mir Kraft, mehr als sie mir nimmt. Ich liebe es eine Krankenschwester zu sein und mit psychisch kranken Patienten zu arbeiten. Kein Tag ist wie der andere und die Gespräche eine Bereicherung. Auch ich profitiere davon und lerne dabei so viel über mich selbst.

Wenn mein Ex-Mann nach unserer ewigen Quarantäne wieder die Kinder abholt und seinen Babysohn dabei hat, weil unsere Kinder ihren Halbbruder so sehr vermisst haben- das gibt mir Superkraft!

Dass wir uns wieder in die Augen schauen können, zusammen Kaffee trinken und alle gemeinsam auf dem Boden sitzen und mit den Kindern spielen. Mit unseren und mit nur seinem.

Zu sehen und erleben zu dürfen, wie verrückt sie nach dem kleinen Schatz sind und wie sie ihn zum Lachen bringen.

Dass es so entspannt zwischen uns ist und harmonisch- was für ein Kraftschub!

Frauen- sie geben mir Kraft!

Ich habe so tolle starke Frauen um mich herum! Es ist unglaublich zu beobachten, wie wir uns alle verwirklichen, jede auf ihre Art und Weise. Wir sind nicht nur Mamas, sondern haben Projekte, Visionen, setzen uns für andere ein und geben uns gegenseitig Kraft.

Zeit mit ihnen zu verbringen ist wie ein schöner Sonnenaufgang. So stärkend und so tröstend! Wir stehen füreinander ein, richten uns gegenseitig auf und wir alle wollen die Welt ein bisschen schöner hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben.

Wir sind auf dem Weg! Das Leben ist schön! Und wenn es mal nicht so ist, weiss ich doch:

Jeden Morgen geht die Sonne wieder auf!

Quarantäne mit Kindern als Alleinerziehende

Hätte man mich in den letzten 2 Jahren nach meinen schlimmsten Horrorszenarien gefragt, Quarantäne wäre in meiner Aufzählung mit dabei gewesen.

Jetzt haben wir es hinter uns. Mein grosser  Sohn hat es mit nach Hause gebracht und mein Alptraum wurde somit Wirklichkeit.

Ich war 8 Tage mit meinen 2 fitten Kindern in Quarantäne und hätte es keinen weiteren Tag ausgehalten.

Nach all dem Homeschooling, der Ausgabgsbeschränkung, den gesperrten Spielplätzen und all dem, war das jetzt der größte Kraftakt.

Am 1. Tag hatte ich Fieber. Mein Sohn brachte mir meine 2 Liter Flasche voll gefüllt und ermahnte mich zum Trinken.

Schon Wochen vorher gab es klare Absprachen, was zu tun ist, sollte Corona uns auch aufsuchen und es mir schlecht gehen.

Dass ich jeden Tag meine riesen Flasche einmal leeren muss, daran schien er sich zu erinnern.

Mir wurden die Zinktabletten ans Bett gebracht, Wasser für die Wärmflasche gekocht, meine Temperatur wurde mit dem Stirnthermometer regelmäßig gemessen und beide verhielten sich ganz leise und unauffällig.

Was genau sie gegessen haben weiss ich nicht, nur, dass ich nicht in der Lage war, etwas zu kochen. Ich schätze sie haben sich Toastbrot mit Nutella gemacht und haufenweise Süßigkeiten gegessen.

Der Zwerg kam oft zum Kuscheln, schaute besorgt und sagte:

„Mama, ich will nicht, dass du stirbst!“

Am 2. Tag war das Fieber weg und egal wie mies ich mich fühlte, ich musste ja zum PCR- Test zum Arzt fahren.

Meine Kinder sind zum Glück groß genug, um alleine zu bleiben. Sonst hätte ich sie auch noch mitnehmen müssen.

Ich hab keine Ahnung, wie ich dort angekommen bin, es war ein bisschen in Trance. Ich war 20 Minuten vor dem Termin dort, warum auch immer. Ich bin im Sitzen eingeschlafen.

Meine Kinder stellten also fest, dass es mir wohl besser geht und ich es wohl auch überlebe, also wurde nicht mehr so viel Rücksicht genommen.

Die Schlacht zum Thema Medien begann und endete erst am letzten Tag.

Ich war zu schwach zum Diskutieren und das haben sie voll ausgenutzt. 

Alles wurde liegen gelassen, Teller und Messer nicht weggeräumt, leere Verpackungen blieben auf dem Tisch liegen.

Da ich kaum eine Stimme hatte, konnte ich diese auch nicht erheben und ich wurde nicht so ernst genommen.

Wenn ich eine Ansprache dazu hielt, wurden auch mal genervt die Augen verdreht und wenn ich darum bat die Spülmaschine auszuräumen, stritten sie sich darüber, wer jetzt eine Tasse mehr weggeräumt hat und beide knallten in ihrem Zimmer die Tür hinter sich zu.

Das Papa-Wochenende fiel natürlich aus und ich konnte nicht durchatmen. Ich spürte: Das wird anstrengend!

In meiner Phantasie sah ich meine Kinder stundenlang fröhlich basteln und war ganz fasziniert davon, auf was für kreative Ideen sie kamen, um sich zu beschäftigen.

Meine Phantasie hatte rein gar nichts mit der Realität zu tun!

Bei unserer 1. Familienkonferenz machte ich den Vorschlag, dass jeder sich 1h am Tag ins Zimmer zurückzieht und sich was für sich überlegt. Nach dem Stunde treffen wir uns wieder und jeder muss den anderen zeigen, was er gemacht hat: jonglieren, einen Zaubertrick, was Gebautes aus Lego usw.

„Nö! Kein Bock!“

Sie wollten nicht kreativ sein, ihren Kopf nicht anstrengen.

Sie wollten nur 2 Dinge: Essen und Medien!

Ich ermahnte sie, dass wir uns das Essen einteilen müssen, da wir nicht einkaufen gehen können. Wenn die Süßigkeiten leer sind, sind sie leer. Und ist die Milch leer, gibt es keinen Kaba mehr.

Das sahen sie ein.

Sie waren zufrieden mit der Quarantäne, glaubten nicht, dass sie jemals damit hadern würden.

Wenn es mir sonst zu wild, zu laut, zu chaotisch wird, zwinge ich sie raus in den Garten. Meist wollen sie genau das nicht, versprechen mir dann hoch und heilig, dass sie damit aufhören und tun es genau nach einer Minute wieder. Darauf falle ich schon lange nicht mehr rein und bin rigoros.

Der Große lachte und sagte, das sei das beste an der Quarantäne.

„Du kannst uns nicht mehr rausschmeißen! Wir dürfen nämlich gar nicht raus!“ Sie triumphierten.

Ich kam mir mit jedem weiteren Tag vor wie Aschenputtel: waschen, putzen, essen kochen. Nur auf den Ball durfte ich nicht.

Ich war traurig, überfordert, furchtbar genervt und sauer über unsere Situation.

Und soooooo gelangweilt! Kein Erwachsener weit und breit! Nur die Kinder und ich, Tag und Nacht, über mehrere Tage!

Der Zwerg genoss das Spielen mit seinen Superhelden und Legos. Er baute sich Landschaften im Wohnzimmer auf und schlüpfte in verschiedene Rollen. Er schien es zu genießen, dass er dafür Zeit hat und nicht rausgerissen wird, weil er in die Schule muss, oder zu einem Termin.

Auf Hausaufgaben hatte er keine Lust, so gar nicht. Ich konnte ihn verstehen. Der Bruder malte für ihn „extra hässlich“ an, ich schrieb die Zahl hin, aber er musste dafür rechnen. Ach, was haben wir uns nicht alles einfallen lassen, um diese Blätterflut in den Griff zu bekommen!

Es waren nicht nur die Hausaufgabenblätter, sondern auch die Blätter, die im Unterricht bearbeitet wurden. Mittags lag alles im Briefkasten, seine Motivation war allerdings im Keller.

Wir haben einige Blätter nicht geschafft und ignoriert. Er hat mir viel vorgelesen und wir haben viel gerechnet. Nur auf Schreiben hatte er keine Lust, legte den Stift hin und sagte: „Ich geh jetzt wieder spielen!“

Der Große machte seine Hausaufgaben ganz ohne Aufforderung mit dem auch an Corona erkrankten Klassenkameraden per Videotelefonie. Das klappte erstaunlich gut und da war ich positiv überrascht.

Jedoch ist er derjenige, der frische Luft am Nötigsten gebraucht hätte. Er wurde richtig albern und brachte mich dazu innerlich die Augen zu verdrehen.

Einmal haben wir beide den Ohrwurm vom Hochzeitstanz gehabt, warum auch immer. Wir sind durch die ganze Wohnung getanzt, während wir beide diese Melodie gebrummt haben und sind lachend auf dem Bett liegen geblieben.

So fühlt es sich wohl an, wenn man allmählich den Verstand verliert, dachte ich.

2 Tage vor Ablauf der Quarantäne schien draußen die Sonne so verlockend. Ich beschloß, dass wir es wagen und ganz weit hoch in die Weinberge zu gehen. Dort, wo keiner ist.

Nur einmal tief durchatmen, ein bisschen laufen und dann wieder schnell heim.

Der Zwerg hatte schon seine Schuhe an und bestand aber darauf, dass wir nur in den Garten gehen. Genau das wollte ich nicht, denn es ist ja nicht allein unser Garten. Ich ließ mich breitschlagen. Hauptsache frische Luft und ein paar Sonnenstrahlen.

Er hüpfte fröhlich und ausgelassen im Trampolin und mein Herz lachte.

Der Große wollte nicht mit. Er wollte nicht „erwischt“ werden, denn wir durften offiziell doch gar nicht raus. In diesem Fall waren ihm dann Regeln plötzlich doch wichtig.

Am nächsten und letzten Tag unserer Quarantäne wurde er mutiger und ging etwas vorsichtig mit raus. Auf dem Weg zum Trampolin sagte er:

„Du hast Recht, die frische Luft tut echt richtig gut!“

Ich habe mich freigetestet und hätte es keinen weiteren Tag ausgehalten, ohne furchtbar unglücklich zu sein.

Ich wollte auch nicht die Küche putzen, die Fenster nicht und auch sonst nichts. Ich wollte raus! Ich wollte mich bewegen! Ich wollte die Sonne spüren!

Und vor allem wollte ich eins:

Erwachsenengespräche!