Introvertiert/extrovertiert

C.G Jung und seine Persönlichkeitstheorie ist mir bekannt und war auch Teil meiner Ausbildung als Krankenschwester.

Erst vor ein paar Wochen stolperte ich zufällig wieder darüber und plötzlich macht alles Sinn!

Meine Jungs sind 8 und 4 Jahre alt und könnten nicht unterschiedlicher sein.

Mit meinem Grossen fühle ich mich sehr verbunden, weil ich verstehe, wie er tickt. Seinen Code kann ich schnell knacken, weil ich so bin wie er.

Wenn er wütend ist, weiss ich meist, was dahinter steckt und worum es WIRKLICH geht.

Er ist extrovertiert.

Er ist laut, trägt sein Herz auf der Zunge. Seine Mimik und Gestik ist sehr ausgeprägt und wenn er lügt, durchschaue ich das sofort.

Er ist voller Energie und Tatendrang.

Immer gibt es was zu tun, er arbeitet immer an irgendwas, kann nicht still sitzen.

Wenn ich ihn an den Schreibtisch „zwinge“, um etwas für die Schule zu lernen, ist das Ergebnis sehr ernüchternd. Es funktioniert definitiv nicht, denn wenn ich nach ihm schaue, ist er 100 %ig mit etwas ganz anderem beschäftigt.

Das 1×1 lernte er im Handstand, speziell die 8er Reihe den Berg runter rollend.

Gedichte werden am besten gelernt, wenn er sie beatboxt und sich dazu bewegt. Oder er bekommt die Aufgabe, es ja ohne Betonung oder in Jammerstimme aufzusagen. Hauptsache nicht ernsthaft an die Sache gehen und nicht im Sitzen.

Für ihn muss ich kreativ werden und meine Prinzipien verabschieden, denn damit komme ich nicht weit.

Wenn er mir etwas erzählen will, dann muss es jetzt sofort sein. Hole ich ihn vom Training ab und warte im Auto, steht er aufgeregt an der Beifahrertür und zwingt mich dazu, das Fenster runterzulassen.

Direkt sprudelt es aus ihm heraus. Dann erst steigt er ein. Es muss so sein, man gewöhnt sich daran.

Wenn wir essen, ist es vergebene Liebesmühe, ihn zum Sitzen bleiben zu motivieren. Das kann er nicht.

Er muss kurz aufstehen und mir etwas zeigen. Oder kurz etwas holen. Nur ein paar Klimmzüge an seiner Stange. Nur kurz was nachschauen und nur einmal soll ich ihm ne Note für sein Kunststück auf der Sitzbank geben.

Es macht mich verrückt, ja. Ich habe akzeptiert, dass ich ein Kind habe, das nicht mit mir am Tisch sitzt und sich mit mir in Ruhe austauscht. Bei uns gibt es die Regel nicht, dass alle sitzen bleiben, bis der letzte fertig mit Essen ist.

Ich bestrafe mich nicht mehr selber und esse dann lieber alleine und in Ruhe weiter. Ohne Diskussionen. Ohne Kampf.

Schon früher im Kindergarten fragte er bereits beim Abholen, mit wem wir uns heute treffen. Er war enttäuscht, wenn ich nichts ausgemacht hatte und sagte: „Oh Mann, immer nur Familie ist doch langweilig!“

Heute noch ist es so, dass er eher „durchdreht“, wenn nichts ansteht und mal keine action ist. Dann quält es ihn und er fängt an, den Bruder zu ärgern, oder auch mal mich.

Er weiss dann nicht wohin mit sich und seiner Energie. Er will höher, schneller, weiter.

Wenn er nach der Schule noch 2 h Kunstturnen hat und danach bis 19 Uhr zu seinem Freund darf, bekomme ich abends ein zutiefst glückliches Kind zurück.

Ausgeglichen, ruhig. Dann geht das Einschlafen auch mal unter 30 Minuten und ohne Kopfstände auf dem Kopfkissen.

Das sind die wenigen Momente, wo er mal sagt:“ Kannst du jetzt bitte aufhören zu reden? Ich bin müde!“

Das ist ungewohnt für mich und wir lachen. Normalerweise ist das ins Bett bringen der anstrengendste Teil. Da ist meine Energie schon weg, ich freu mich, dass der kleine Bruder wenigstens schläft. Aus dem Dunkel kommt dann: “ Und über was reden wir heute?“

Wenn ich auf dem Klo sitze, dauert es nicht lange, dann höre ich es schon wieder:“Moooooooom, wo bist?“

Ich verdrehe die Augen wenn ich antworte. Ihn stört es nicht, wenn ich auf dem Klo sitze, während er mir alles erzählt, was nicht warten kann.

Manchmal reicht es mir und ich gebe der Tür einen Schlag, weil ich es nicht mehr hören kann und endlich mal alleine sein will.

Empört und lachend macht er sie wieder auf, denn er war ja noch nicht fertig. Manchmal lässt er sie auch zu und setzt sich davor auf den Boden, um weiter zu erzählen.

Er ist eine Herausforderung. Nach einem Tag mit ihm bin ich leer. Er hat alles genommen, was ich zu geben habe: Zeit, Geduld, mein Gehör, meinen Zuspruch, meine Meinung. Alles!

Diese temperamentvollen Kinder haben Eigenschaften, die wir an anderen sehr schätzen. Beharrlichkeit Durchsetzungsvermögen und Zielstrebigkeit zum Beispiel.

Er ist der Flummi in einem Zimmer voller Gummibällen. („Wie anstrengende Kinder zu großartigen Erwachsenen werden“, das Podcast, das mir die Augen öffnete)

Meinen 2. Sohn habe ich mir so sehr gewünscht. Ich wusste er ist wichtig.

Warum er so wichtig ist, wurde mir erst vor kurzem klar.

Er ist so anders. In ihm schlummert ein Schatz, den man nicht auf Anhieb sieht. Man muss sich schon die Mühe machen genauer hinzuschauen.

Er ist anders als der Grosse und ich und es geht darum, dass wir ihn so sein lassen. Denn wenn er sich uns anpassen würde, ginge sein Potential verloren.

In ihm steckt viel mehr als man denkt, aber er zeigt es nicht jedem.

Er ist ruhig. Er beobachtet viel. Redet weniger.

Er ist der, der in Ruhe sitzen bleibt und isst, während alle anderen schon im Kinderzimmer spielen.

Er ist der, der es auch genießt Spielfreunde da zu haben, dem es dann aber schnell zu viel wird.

Der, der dann in sein Zimmer geht und kurz die Tür schließt, bevor er wiederkommt. Er braucht Pausen.

Ihm wird es schnell zu laut und zu wild.

Er braucht Auszeiten. Er ist am glücklichsten, wenn mal nichts geplant ist nach dem Kindergarten.

Wenn er krank ist und mit mir alleine zu Hause ist, dann bin ich tiefenentspannt. Er braucht nicht viel, ein bisschen Kuscheln, lesen und viel, viel Ruhe. Nichts machen. Nur so daliegen und lächeln.

Er kann sich gut alleine beschäftigen und findet in seinem Zimmer immer etwas, was er gerne macht.

Ich habe eingesehen, dass wir ihn oft überfordern in unserem Sein. Mit unserem Temperament. Bei uns geht es immer laut zu, auch wenn wir uns normal unterhalten.

Verwundert schauen der Grosse und ich uns an, wenn der Zwerg ruft: „Das ist mir jetzt zu laut hier!“

Sein Herz ist gross und oft sagt er Dinge, die tiefsinnig sind und mich dahinschmelzen lassen.

Abends ist ihm Ruhe besonders wichtig, er legt sich hin, kuschelt sich ein, BLEIBT liegen und macht einfach so die Augen zu. Verrückt.

Wenn er zum Doppelkindergeburtstag eingeladen ist und dort schon 10 Kinder toben als er dazukommt, dann schüchtert ihn das ein und er will nicht bleiben.

Er war besonders wichtig in unserem Leben, denn er lehrt uns, ihn anzunehmen in seinem Anders sein. Und die Kunst ist es, ihn trotzdem zu SEHEN, auch wenn er nicht an mir hochspringt und danach schreit.

Seit mir das alles bewusst ist, ist unser Alltag harmonischer.

Ich halte den grossen Bruder davon ab ins Zimmer hinterherzustapfen, wenn dort die Tür gerade geschlossen wurde. „Gib ihm ein paar Minuten, danach spielt er sicher wieder weiter mit dir!“

Gestern Abend haben sie sich aus Pappe Schwerter gebastelt und gekämpft. Ich bemerkte, dass es dem Zwerg wieder zu viel wurde und er seinen Bruder aber nicht enttäuschen wollte.

Ich bat den Grossen, ihm etwas Ruhe zu gönnen. Er verstand.

Sie zogen sich ins Zimmer zurück und spielten Friseur. Alle Bürsten und Kämme, die wir besitzen, lagen um sie herum.

Irgendwann kam der Grosse lachend raus und sagte, der Zwerg wäre eingeschlafen. Ich konnte es nicht fassen. Als ich ins Zimmer schlich, lag er auf dem Boden. Auf einem Kissen, eingewickelt in Decken. Es sah kuschelig aus.

Das Licht war gedimmt und ein warmes, feuchtes Tuch war auf seiner Stirn.

Das sei die Gesichtsmaske klärte der Grosse mich auf. Auch, dass er ihm über den Kopf gestreichelt hätte. Es sei zwar total nervig gewesen und anstrengend, aber er habe einfach weiter gemacht, weil der Zwerg es so genossen hätte.

Der Grosse durfte mir dann 20 Uhr beim Möbel rücken helfen und war voll in seinem Element.

Ich schätze, ich habe gestern viel gelernt. Über das Annehmen und Anderssein.

Jeder Tag ist ein neuer Anfang

Papawochenende.

Ich gebe zu, seit langer Zeit lief es nicht optimal. Am Freitag Abend gab es Meinungsverschiedenheiten über die späte Abholzeit.

Als ich anfing zu argumentieren, war mir noch nicht bewusst, wo das endet und dass es sich so hochschaukelt. Ich ahnte nichts von seinem Tag und habe nicht gefragt WARUM er so spät kommt.

Wie schlimm das speziell für meinen grossen Sohn ist, weiss ich. Vieles verkneife ich mir und entscheide mich oft dagegen, ihn zu kritisieren. An diesem Tag musste es eben gesagt werden, weil ich ein Mensch bin, Gefühle habe und sonst geplatzt wäre.

Das Ende vom Lied war, dass der Abschied mehr als doof war, ist mir doch besonders da Harmonie so wichtig.

Ich versuche ihm zu erklären, dass man Dinge, die nicht gut laufen ansprechen muss und denke er versteht es.

Trotzdem seh ich seine glänzenden Augen, als er sich aus meiner Umarmung löst. Er läuft rückwärts, ohne Spannkraft im Körper und mit hängenden Schultern. Er schaut mich dabei an und sein Blick sagt mir:

Ich bin traurig.

Ich bin wütend.

Ich habe Angst.

Als die Tür ins Schloss fiel, habe ich geweint. Sein Blick hat mich lang verfolgt. Mehr als der letzte Satz des Zwuckels:

„Oh Mama, das alles ist AUCH deine Schuld!“

Ich habe hin und her überlegt, warum und wieso es so endete, wie es endete. Wie ich die Dinge in Zukunft beeinflussen kann, damit eben genau das nicht mehr so läuft.

Als es heute Abend an der Tür klingelte, stand der Plan und ich war guter Dinge.

Ich öffnete lächelnd die Tür, bat alle Beteiligten rein und wir setzten uns kurz. Endlich konnte mein Sohn seinem Papa das Zeugnis zeigen und die neusten Tricks an der Reckstange vorführen.

Später in der Wanne erzählte er mir von seiner Erleichterung darüber. Ich erzählte ihm dafür von meinem Plan, wie die Freitage am Papa Wochenende in Zukunft laufen könnten. Er strahlte mich an und zwinkerte.

Ich nehme mir vor, dass es klappt und deshalb WIRD es klappen. Nicht nur für mich, nicht wegen dem Papa, FÜR die Kinder.

Als er später Tomaten schnippelte und ich im Rührei stocherte, schlief der kleine Bruder schon lang. Wieder fingen wir an darüber zu reden.

Er sagte, dass er enttäuscht und sauer auf uns beide war.

„Aber ich hatte auch Angst, dass unser Haus untergeht von deinen vielen Tränen!“

Dann lachte er. Er fragte, ob ich geweint habe und ich war ehrlich.

„Ich wusste es“, triumphierte er.

Er habe es in seinem Herzen gefühlt.

Ich fragte ungläubig:

„Du warst sauer, enttäuscht und traurig. Und hast trotzdem noch darüber nachgedacht, wie es MIR geht???“

Ja klar, antwortete er. Er denke immer viel nach, deshalb könne er abends auch lange nicht einschlafen.

Er ist heute lächelnd in meinem Arm eingeschlafen.

Für Kinder lohnt es sich immer sich zu reflektieren und an sich zu arbeiten.

Es geht um Fortschritt, nicht um Perfektion.

Ich bin kein Roboter und habe Gefühle.

Mache Fehler und treffe unkluge Entscheidungen, auf die ich nicht stolz bin.

Das dürfen meine Kinder ruhig wissen.

Ich bin erleichtert. Und glücklich.

Wie schön, dass man immer neue Entscheidungen treffen kann und dazulernt.

Den Papa darf man lieb haben

Vor ein paar Tagen stieß ich auf dieses Bild und merkte, wie ich unbewusst nickend zustimmte.

Jaaaaa, tatsächlich bringt keiner mich so schnell auf die Palme wie er. Jaaaaa, bis heute leistet er sich Dinge, die mich an den Rande des Wahnsinns treiben.

Vieles von dem was er tut und wie er es tut, sind für mich absolut nicht nachvollziehbar. Immer wieder frage ich mich, wie er sich so weit weg von mir entwickeln konnte, waren wir doch mal bei so vielen Dingen gleicher Meinung.

Ich hätte allen Grund ihn zu hassen, weil er sich schon so viel geleistet hat. Ich kann meine Tränen nicht zählen, die ich wegen seinen Taten vergossen habe.

Ja, erst heute Abend habe ich ihn verflucht, weil er die Kinder fast 1 h im Auto schlafen hat lassen, als sie 18 Uhr hier ankamen. Kniffel und Tiptoi nach 20.30 Uhr standen heute wirklich nicht mehr auf der Agenda.

Morgen werden sie müde sein, wenn ich sie wecke. Genügend Schlaf hätte ihnen mehr als gut getan, sind sie doch beide etwas angeschlagen.

Ja, ich schüttle immer wieder verständnislos den Kopf, wenn ich die mitgegebenen Kleider unbenutzt in den Schrank räumen muss.

Bei Papa läuft alles anders. Denn er ist der Papa und eben nicht ich.

Meine Jungs lieben ihren Papa und das dürfen sie auch. Sollen sie sogar!

Wenn mein Sohn fragt: „Wann ist eigentlich mal wieder Papawochenende?“

Dann weiss ich, dass er ihm fehlt. Diesmal komme es ihm besonders lang vor sagte er. So etwas schreibe ich ihm dann tatsächlich auch mal zwischendurch.

Weil ich weiss, dass er sich darüber freut. Und weil ich einfach ich bin.

Ich kann ihn nicht hassen und habe es wohl noch nie wirklich getan, egal an welchem Punkt ich war.

Er lebt sein Leben, so wie er möchte. Das darf er. Und soll er. Ich bin erleichtert, dass ich mich darüber nicht mehr so aufregen muss wie damals in der Beziehung.

Ich gebe zu, dass es nicht leicht ist, die eigenen Gefühle den Kindern nicht zu zeigen und sie von manchen Dingen fernzuhalten. Ob es um Umgang geht oder Unterhaltsproblemen.

Ganz am Anfang nach der Trennung, als die Nerven blank lagen und mein Sohn mich herausforderte, schrie ich ihn an: „Frag doch deinen scheiss Vater!“

Autsch! Das würde mir heute nicht mehr passieren und ich ärgere mich immer noch sehr darüber, dass es damals passierte.

Mein Sohn, damals 5, hatte die perfekte Antwort. Er sagte jede Silbe betonend: „Der ist nicht scheisse. Und wenn du sowas sagst, bist nur DU scheisse!“

Ja, da musste ich ihm recht geben. Es macht mich traurig, was die Kinder manchmal so aushalten müssen. Letzte Woche sagte der Grosse erst wieder: „Ich bin froh, dass ihr nicht mehr so streitet wie am Anfang!“

Ich übrigens auch. Aber es war ein sehr langer, sehr schmerzhafter Weg. Und ich gehe ihn immer noch!

Ich weiss, dass ich ihn niemals ändern kann. Die einzige Möglichkeit, dass es besser wird ist, dass ich mein Verhalten ihm gegenüber ändere.

Meist bin ich froh, dass ich ihn nur alle 2 Wochen sehen muss.

Hin und wieder reicht es für etwas small talk.

Selten mal sitzen wir noch ne halbe Stunde zusammen und reden. Aber das gibt es auch.

Manchmal überrascht er mich auch, so wie heute. Er hatte doch tatsächlich ein kleines Geschenk für meinen morgigen Geburtstag dabei.

Wenn ich ihn frage, ob er die Kinder etwas früher holen kann, weil ich Schüttelfrost habe, dann ist er da.

Wenn ich frage, ob er die Kinder etwas später zurückbringen kann, weil ich mich noch ausruhen will, Sport machen, oder sonst was…dann ist er da.

Wenn ich ihn an Feiertagen spät abends angerufen habe, weil das Kind Juckreiz hatte und kein Fenistil im Haus war, dann ist er los zur Notapotheke.

Von Anfang an habe ich darauf geachtet, dass die Kinder an Weihnachten und zu Geburtstagen etwas zum Schenken für ihn hatten. Sie haben gemalt, oder gebastelt, ne Karte geschrieben, oder es war mal nur ein Bild.

Unabhängig davon, was davor zwischen uns los war und ob dicke Luft herrschte.

Ich wollte nie so sein. Ich wollte nie Rache. Ich wollte es ihm nie zurückzahlen und ihn leiden sehen.

In erster Linie wollte ich Ruhe und Waffenstillstand. Der Alltag war hart genug. Ich brauchte meine ganze Kraft.

Ich verstand nie, dass er nicht versteht, dass er damit auch den Kindern schadet.

Es ist immer noch teilweise holprig. Aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg.

Die Kinder wissen, dass sie uns beide lieb haben dürfen. Wenn sie Papa lieb haben, wird das ja nicht von meiner Liebe abgezogen. Sie müssen sich niemals entscheiden, auf wessen Seite sie sind. Sie sind nämlich auf keiner.

Wenn es um die Kinder geht, stehen wir auf einer Seite. Wir wünschen uns, dass es ihnen gut geht!

Ich freu mich, wenn sie nach 2 Wochen an die Tür rennen und ihm dann in die Arme fallen.

Es ist gut, dass sie ihn haben. So wie er ist. Auch, wenn ich ihn mal blöd finde.

Liebe ist stärker

Ich habe vor ein paar Stunden geweint! Ernsthaft.

Es war vor Glück und Rührung. Dankbarkeit und Liebe.

Meine Jungs hatten Streit. Diesmal ging es um den Legobatman, der nicht auffindbar war. Es wurde laut, der Zwerg haute alle bösen, verbotenen Wörter raus, die er kannte und wiederholte sie in Dauerschleife.

Es wurde brutal. Sie sprangen aufeinander, zogen sich am Haar. Ich sah, wie der Grosse die Zähne fletschte und ich fühlte seine unbändige Wut.

Der kleine Bruder hat ihn zu lange herausgefordert und er hat sich zu lange versucht zurückzuhalten.

Ich hatte Mühe, die 2 Hitzköpfe zu trennen und sah im Augenwinkel, wie der Zwerg einen ganz miesen Tritt abbekam. Autsch.

Er krümmte sich und weinte bitterlich ins Kissen.

Es brach mir das Herz!

Ich litt gleich mit, ging zum trösten und er kuschelte sich an mich. Ich konnte ihn verstehen.

Der Grosse atmete schnell und hatte die Fäuste geballt. Ich konnte ihn verstehen.

Der Zwerg wurde still und hörte auf zu weinen.

Ich hatte ihn noch im Arm liegen und versuchte die Situation sachlich Revue passieren zu lassen.

Der Grosse fand, dass sein Bruder selber Schuld war, weil er ihn so lang provoziert hätte. 4 mal habe er gesagt, dass er damit aufhören soll, aber er hätte immer weiter gemacht.

Also war das die einzige Lösung fand er und stand zu seiner Entscheidung. Er fand sie sogar sehr gut und er bereue nichts. Im Gegenteil!

Puh! Atmen!

18 Uhr war Fernsehzeit ausgemacht.

Ich sagte, dass keiner den Fernseher anmacht, solange hier so eine Stimmung ist.

Das brachte den Grossen noch mehr auf die Palme.

Schließlich sei es für mich ja die größte Strafe fand er, weil er jetzt einfach mal MICH ärgern würde.

Oh, ich kenne dieses Spiel! Nein, ich lasse mich heute nicht provozieren und bleibe gaaaaaanz ruhig.

Wuuuuuuusa.

Zwischendurch war ich nicht sicher, ob ich es kann, denn die Fernbedienung flog vom Tisch. Legos wurden in den Mund genommen und durchs Zimmer gespuckt. Mit Schmackes.

Die Würfel vom Kniffel wurden einfach mal mit einem Grinsen unter die Couch gewürfelt.

Ohhhh, er kennt meine Punkte so gut!

Ich versuchte erneut sachlich zu vermitteln.

Der Zwerg hüpfte vor Freude auf und ab und sang dabei:

LIEBE IST STÄRKER!

Ich schmunzelte und der Grosse setzte den bösen Blick auf:

„Nein, ist sie gar nicht. Momentan hasse ich dich einfach nur. Jetzt ist der Hass für dich viel stärker. Ich habe null Liebe für dich!“

Ich las in dem kleinen Gesicht. Er hatte verstanden. War kurz traurig, senkte seinen Blick, wurde nachdenklich.

Der Zwerg formte mit seinen Händen ein Herz. Und der andere machte sich darüber lustig. „Was soll das sein? Ein Dreieck“, sagte er abwertend und mit einem hämischen Grinsen.

Der Grosse wollte sich nur entschuldigen, wenn der Zwerg sich ZUERST entschuldigen würde.

Dieser schmiss erst ein Kissen in seine Richtung. Dann hüpfte er zu ihm und streckte die Arme aus.

Der Grosse wollte auf keinen Fall SO!

„NEIN, nicht so, weil ich hasse dich doch! Ich hasse dich doch. Ahhhhh.“

Unsere Blicke trafen sich, ich beobachtete ihn ganz genau, sah, wie seine Gesichtszüge wieder weicher wurden und er hatte keine Chance. Der kleine Bruder drückte ihn so fest. Dann lagen sie sich minutenlang in den Armen und lachten.

Und ich hab geweint, mein Herz ist jetzt ungefähr doppelt so gross wie davor und ich bin so froh, dass es diesmal so endete.

Ich bin ohne Geschwister gross geworden und kenne das so nicht, vielleicht bin ich deshalb so gerührt.

Mindestens so gerührt wie ich auch empört sein kann, wie bitterböse und furchtbar gemein Geschwister zueinander sein können.

Wieder mal bin ich so, so dankbar, dass der Zwerg bei uns ist. Dass meine Kinder nie alleine sind und immer jemanden haben. Zum Kämpfen und Liebhaben.

Wie einsam wären wir ohne ihn. Es hätte immer etwas gefehlt.

Sein Herz ist so groß. Er sagt, dass es so gross ist, weil da so viele Menschen drin sind.

Die schlimmste Wut, die bösesten Absichten…nichts kann der Liebe widerstehen.

Ps: Liebe ist stärker. Immer!

Sei gut zu dir!

„ERST WENN DU VERLOREN BIST, FÄNGST DU AN DICH ZU FINDEN.“

Vor gut 3 Jahren hatte ich mich verloren.

Ich war frisch getrennt, mit den Jungs aus dem Haus ausgezogen, hatte meine Arbeit wegen der neuen „Unflexibilität“ verloren und weinte viel.

Ein Tag ist mir dabei in besonderer Erinnerung geblieben:

Ich hatte ein paar Stunden für mich und stellte fest, dass ich keine Ahnung habe, wer ich bin.

Ich war die letzten Jahre Mutter, Ehefrau, Krankenschwester, aber wer war ICH?

Darauf keine Antwort zu haben erschreckte mich so sehr.

Ich wusste nichts über mich selber.

Wie will ich sein, was habe ich für Ziele, was ist mir wichtig, wie möchte ich mein Leben gestalten, was will ich erreichen, was meinen Kindern vorleben?

Die vielen Fragezeichen ließen mich schier verzweifeln.

Noch immer habe ich mich noch nicht gefunden, arbeite an vielen „Baustellen“, aber ich habe mich zumindest mal auf den Weg gemacht.

Das fühlt sich gut an.

Ich habe Antworten auf all meine Fragen gefunden und komme mir selber wieder etwas näher.

Bald habe ich Geburtstag und seit Jahren beschenke ich mich dazu selbst.

Vor 2 Jahren nahm ich all meinen Mut zusammen und schloss mich dieser Sportgruppe an, von der ich dachte, dass mein Fitnesslevel nicht reinpasst.

Aber es passte. Und dieser Tag änderte alles!

Diese Kraft, die ich an dem Tag in mir wahrnahm, die wollte ich jetzt immer spüren.

Ich war verblüfft, wozu ich fähig war. Ich konnte mit vielen anderen dort nicht mithalten, aber das war auch nicht mein Ziel. Jeder geht im eigenen Tempo und das ist auch o.k so.

Ich brannte. Ja, das war irgendwie ich.

Dabei hatte ich keine Ahnung, dass Sport für mich so wichtig werden konnte, hielt ich mich doch immer für viel zu unsportlich und ohne Kondition.

An dem Tag stellte ich spätestens fest, dass ich voller Überraschungen steckte und alles möglich ist.

Letztes Jahr schenkte ich mir die Kleidergrösse 40 und eine grosse Kleiderbestellung. Ich freute mich darüber, dass es im Schrank noch Kleidung von früher gab, lang vor den Kindern.

Sie passte wieder und es hat mich beflügelt. Wie anders plötzlich alles war.

Und wie anders es sich anfühlte!

Ich lernte mich immer besser kennen, wahrzunehmen, in mich reinzuhören, aufmerksam zu sein im Bezug auf mich selbst.

Warum und wieso alles so ist wie es jetzt ist…wer weiss das schon?!?

Wichtig ist, dass es gut ist wie es jetzt ist und es fühlt sich tatsächlich so an.

In wenigen Tagen werde ich 38 und fühle mich voller Tatendrang.

Es kribbelt und ich freue mich sehr auf mein Geschenk an mich selbst.

Dieses Jahr wird es eine Bio Pol Massage und ein bisschen Meditation im Anschluss.

Ich habe an diesem Montag frei, werde die Kinder in Schule und Kindergarten absetzen und dann gut zu mir sein.

An dieses Gefühl erinnere ich mich aus meiner Ehe nicht.

Meist wusste ich vorher schon was ich bekomme, weil ich es mir auf Nachfrage gewünscht hatte. Oder er hat es vorher schon versehentlich verraten, obwohl er mir doch nur einen Tipp geben wollte.

Was mich heute beschäftigt, das ist die Frage:

Warum erst jetzt?

Warum war das alles nötig, warum musste ich durch das alles gehen, um an diesen Punkt zu kommen?

Als verheiratet Frau waren die Prioritäten andere. Es ging um das Haus, die Kinder, den Mann, die Arbeit, die Organisation, die Finanzen…aber es ging nie wirklich um mich.

Daran bin ich natürlich selber schuld, denn ich habe mich ja auch nie zur Priorität gemacht.

Ich habe immer nur danach geschrien, als mal wieder Land unter war und das Kind schon längst in den Brunnen gefallen.

Dann nahm ich mir mal wieder vor viel mehr mein Ding durchzuziehen und mehr an mich zu denken.

Nur blöd, dass ich ja gar nicht wusste, was „mein Ding“ war und so war es schnell wieder vergessen.

Allein sein ist auch eine ziemliche Herausforderung, wenn man nichts mit sich anfangen kann, keine Hobbies hat, nichts für sich ganz alleine hat.

Also war es sehr leicht sich hinter dem Modell „heile Familie“ zu verstecken und zu jammern.

Niemals wäre ich die geworden, die ich heute bin, mit allem was mich ausmacht, mit meiner ganzen Essenz.

Es ist wie es ist! Und das ist gut so. Auch wenn ich das vor einigen Jahren noch nicht so sehen konnte.

Ich finde es äußerst wichtig gut zu sich zu sein. Auf sich Acht zu geben, sich gesund zu ernähren, sich zu bewegen…körperlich und geistig.

Rauszufinden wer man wirklich ist und sich regelmäßig mal in den Mittelpunkt rückt.

Das darf man und soll man, ohne schlechtes Gewissen.

Wenn ich achtsam mit mir bin, bin ich es auch mit meinem Umfeld. Wenn ich gut zu mir bin, kann ich auch gut zu anderen sein.

Nur wenn es mir gutgeht, kann es meinen Kindern gut gehen. Jeder profitiert letztendlich davon.

Und ganz unter uns:

Wenn meine Kinder schon nur mit ihrer Mama gross werden müssen, dann doch bitte mit einer, die immer an sich arbeitet, nie damit aufhört und ihnen vorlebt, dass es wichtig ist, gut zu sich zu sein.

Mein 2019

Ich bin glücklich.

Auch darüber, dass ich das so sagen kann.

Aber am meisten, weil ich seit Jahren das erste Mal erkennen kann:

Mein Jahr 2019 war sowas von der Wahnsinn!

Es war aufregend, sorgte für viel Bauchkribbeln, ich war bewusster, habe besser hingehört und gesehen.

Ich habe sehr viel gelacht und schöne Zeiten mit wunderbaren Menschen verbracht, hab viele schöne Erinnerungen im Herzen und kann davon noch ganz lange zehren.

Es war ein Jahr voller Entwicklung, neuen Erkenntnissen und voller Aha-Momenten.

Ich habe neue Orte erkundet, mir einige Herzenswünsche erfüllt und mir ein paar mal selber auf die Schulter klopfen können.

Bald ist es 4 Jahre her seit der Trennung von meinem jetzt Ex-Mann und 2019 ist seither das erste Jahr, dass ich wahnsinnig zufrieden abschließen kann.

Einmal mehr wird mir bewusst:

Ich habe das richtige getan. Eine Trennung muss nicht dein Untergang sein. Sie kann auch eine neue Chance sein.

Wenn man mutig ist wird man belohnt. Mit ein bisschen Seelenfrieden dann und wann.

Und ja, ich halte es immer noch für überaus mutig eine Ehe zu beenden, alle Sicherheit aufzugeben und mit nichts dazustehen.

Es ist viel mutiger zu gehen statt zu bleiben, wenn man feststellt, dass die Werte und Ziele nicht mehr die gleichen sind.

Dass man nicht mehr bedingungslos geliebt wird. Dass man sich jeden Tag fremder wird, weil man sich verbiegt und unglücklich ist.

„Die Angst vor dem Neuen kann nicht größer sein, als der Frust vom Alten!“

Ich schätze an diesem Punkt war ich .

Ich rate niemanden mein Modell, der nicht ganz so verzweifelt ist wie ich damals.

Es lohnt sich immer für und um die Liebe zu kämpfen, keine Frage.

Ne Menge Erleichterung spielt auch noch mit, denn damals dachte ich nie wieder so glücklich sein zu können.

Die Gewissheit, dass diese furchtbare Zeit vorbei ist, ich es jetzt wirklich endgültig da raus geschafft habe. Aus der Hoffnungslosigleit und der puren Verzweiflung.

Dass es sehr wohl immer etwas besser wurde und ich mir mein Leben Stück für Stück zurückerobert habe.

Ein sehr befriedigendes Gefühl ist es, das alte Jahr nicht verfluchen zu müssen und zu hoffen, dass das Nächste bitte besser wird.

Natürlich gab es Rückschläge, traurige Momente und Tränen.

Aber wenn ich an mein 2019 denke, schießen mir Bilder in den Kopf, die mich schmunzeln lassen. Mein Herz gross machen.

Es gab so viele Highlights, dass ich es mit den schwarzen Tagen gut aufnehmen konnte. Sie haben nie die Macht übernommen.

Dank der letzten Jahre weiss ich:

Es gibt nichts, mit dem ich es nicht aufnehmen kann.

Nichts, das es schafft mich je zu brechen.

Denn es gibt da diese eine Sache, die mir niemand nehmen kann: mein Lachen!

Die Kunst ist es an harten Tagen den Mut nicht zu verlieren. Sich immer wieder neu motivieren zu können, immer wieder aufzustehen, niemals liegen zu bleiben.

Dabei darf man verheulte Augen haben und alles scheisse finden. Traurig sein, wütend und auch ein bisschen verzweifelt.

Um so mehr Tage muss man selber erschaffen, für die es sich lohnt das alles durchzustehen.

Das Gefühl den Verstand zu verlieren, das hatte ich schon sehr lange nicht mehr und darüber freue ich mich sehr.

Ich habe nie aufgehört dankbar zu sein für so viele Dinge, die meistens gar keine Dinge sind. Sondern eher Zeit, Erlebnisse und über seine Grenzen zu gehen.

Festzustellen, was man alles so schafft, wenn einem nichts anderes übrig bleibt und man einfach muss.

Wie wundervoll ist es festzustellen:

Es war schon so viel schlimmer! Aber das ist Vergangenheit!

Wow! 2019 ich danke dir für alles was du mir gegeben hast.

Danke für die Reise, fürs Ankommen.

Ich hatte heute Frühschicht und hab gestern Abend lächelnd die Rollos um 23 Uhr runtergelassen. Ich hatte mir mein Lieblingsessen gekocht und mich ausgiebig gepflegt.

Ich bin im Reinen.

Ich brauche kein bestimmtes Datum, von dem ich irgend etwas abhängig mache.

Ich brauche kein bestimmtes Datum, um neue Dinge anzugehen und mir Vorsätze zu überlegen.

Sagt die, die am 31.12 vor 10 Jahren ihre letzte Zigarette geraucht hat und wusste, dass sie ab 1.1. 2010 Nichtraucher sein wird.

Grundsätzlich versuche ich übers ganze Jahr an mir zu arbeiten, mich weiter zu entwickeln und auf meine Ziele hinzuarbeiten.

Ich warte ganz gespannt darauf, was das neue Jahr noch so für mich bereithält.

Was es auch sein mag, ich bin sowas von bereit!

Über die Verantwortung

Wenn man nicht mittendrin sitzt in der Misere, kann man es nicht glauben.

So oft war ich sprachlos und konnte die Ungerechtigkeit nicht fassen!

Wie oft hatte ich die Idee, mich mit einem Mikrofon auf den Marktplatz zu stellen und es rauszuschreien.

Da sitze ich nun mit 2 Kindern allein, die ich über alles auf der Welt liebe und für die ich alles tun würde.

Zum Glück! Denn das ist wohl das einzige, was ungemein dabei hilft, es durchzustehen.

Es sind die Finanzen…

Wenn das Konto leer ist, muss ich trotzdem einkaufen. Ich muss trotzdem neue Schulhefte kaufen und meine Jungs wollen auch keine langen Haare.

Manches kommt sehr wohl ungelegen, zb wenn ein Kindergeburtstag ansteht.

Noch schlimmer, wenn es ein Doppelgeburtstag ist und das Kind an der Tür merkt, dass es sich doch nicht traut dort zu bleiben.

Manche Sachen können warten.

Eine neue Turnhose zum Beispiel, wenn nach 2 Wochen Training bereits ein Loch am Knie ist, weil das Kind Torjubel geübt hat.

Wenn das Konto leer ist, muss ich trotzdem zähneknirschend Geld auf die Mensakarte laden.

Die Selbstbehaltsgrenze wird 2020 erhöht, weil, wie die Dame vom Jugendamt sagte:

“ 1200 Euro ist wirklich zu wenig!“

Wer fragt mich nach meinem Selbstbehalt und Millionen von anderen Elternteilen?

Die Überweisungen pausieren nicht in schlechten Zeiten.

Es ist kein anderes Konto da, so wie früher in der Ehe.

„Überweis das mal bitte für mich!“

Ich schmunzel, weil es so lang her ist, dass ich diesen Satz sagen konnte. Ich erinnere mich kaum.

Mein Sohn versteht oft nicht, warum ich zwanghaft versuche alles zusammenzuhalten und regelmäßig so sauer bin, wenn wieder eine Mütze weg ist, wieder die Jacke irgendwo in der Turnhalle liegen bleibt, wieder kein Spitzer oder Radiergummi mehr da ist.

Andere Mütter verstehen oft nicht, warum ich mich 1000 mal für die gebrauchten Winterstiefel in genau der passenden Größe bedanke.

Sie winken ab, wenn ich frage, warum sie diese denn nicht versucht haben zu verkaufen: “ Ach was!“

Es ist der Spagat zwischen Arbeit und dem Rest zu Hause.

Pünktlich morgens da zu sein, wenn jede Minute zählt. Oft mit nem Puls jenseits von 100, weil bereits zwischen 6 Uhr (Weckzeit der Kinder) und 7 Uhr (Öffnung von Kindergarten und Frühbetreuung) alles schief lief, was nur schief laufen kann.

Mittags pünktlich gehen zu müssen, alles liegen lassen, weil man schon wieder hetzen muss, um die Kinder rechtzeitig abzuholen.

Was oft bleibt ist das Gefühl, die Kollegen im Stich zu lassen. Doch noch etwas vergessen zu haben, was wichtig war. Selber zu kurz zu kommen.

Doch etwas nicht gesagt, was relevant war.

Wenn alles zu viel wird, kann ich nicht sagen:

“ Übernimm bitte mal, ich kann nicht mehr!“

Ich MUSS können. Es fragt keiner.

Es gibt keine Alternative. Ich selber bin meine einzige Lösung für solche Momente.

Also heißt es Ruhe bewahren. So gar nicht meine Stärke!

Kreativ sein. Oh und das bin ich!

Es ist nicht diese Art kreativ, wenn man ein Bild malt, etwas strickt oder bastelt.

Es ist die Art kreativ, wie ich einen 4 jährigen stundenlang auf der Tribüne beschäftigen kann und bei Laune halten, wenn der Bruder turnt.

Es ist die Art kreativ, wenn das Kind keine Zähne putzen will und ich so tuhe, als ob ich die Kontrolle über die Zahnbürste verloren habe. Nur damit er lacht und ich an die Backenzähne komme.

Es ist die Art kreativ, wenn der 8 jährige müde ist, einen langen Tag hatte und zig Matheaufgaben gelöst hat.

Das zu lernende Gedicht mich hämisch anlächelt und er es noch nicht kann. Okay, dann rappt er es eben und der kleine Bruder darf dazu beatboxen. Das macht Spass!

Dann ist endlich Wochenende, man könnte es sich gemütlich machen. Endlich runterfahren. Die Hausaufgaben auf mehrere Tage verteilen, jeden Tag ein bisschen.

Aber es ist Papa Wochenende.

Bei ihm ist dann der gemütliche Teil.

Ja, ich bin neidisch. Ab und zu. Es muss schön sein. Einfach in den Tag leben, machen, worauf man Lust hat.

Ohne jegliche Verantwortung. Ohne Schulstress. Ohne Freizeitstress. Ohne Brote schmieren und überlegen, welcher Belag heute besser ankommt als der gestrige, der mittags in den Müll wanderte.

Einfach nur qualitytime.

Wenn der in unserem Fall Ex-Mann sich an den Ferien nicht beteiligen will/kann/ JETZT noch nichts sagen kann…ja dann kann er nicht gezwungen werden.

Dann MUSS ich wohl. Mich fragt keiner. Ob ich will und kann. Wie ich 12 Wochen Schulferien kompensieren soll mit 30 Tagen Urlaub? Ich MUSS. Denn wer soll es denn sonst machen?

Wenn er Umgangswochenenden absagt, dann ist es wohl so.

Dann muss ich das wohl übernehmen. Ob ich krank bin, Pläne hatte, oder arbeiten muss…fragt keiner.

Wie meine Anwältin bereits vor 2 Jahren sagte:

“ Ob sie am Umgangswochenende 10 Männer mit heim nehmen, oder arbeiten gehen, es ist egal. Die Tatsache allein ändert nichts!“

Wenn er von einem Tag auf den anderen keinen Unterhalt zahlt, weil er trotz gutem Job nicht mit Geld umgehen kann…ja, dann muss ich das wohl so hinnehmen.

Ich werde wieder 100 Kopien machen, um alles nachzuweisen. Dann 4 Seiten Antrag pro Kind ausfüllen, um Unterhaltsvorschuss zu beantragen, der genau die Hälfte der Summe ist, die mir monatlich fehlt.

Ich brauche eine aktuelle Wohnbescheinigung dafür.

Diese kostet mich beim Rathaus 5 Euro.

Im Auto bekomme ich einen Lachanfall wegen der Ironie an sich.

Ich renne Geld hinterher, das den Kindern zusteht. Um dem Geld, das mir jeden Monat fehlt hinterherzurennen, habe ich enormen Aufwand durch die Bürokratie UND muss für Unterlagen, die ich brauche, um meinem Geld hinterherzurennen Geld bezahlen.

Wenn’s gut läuft, muss ich nur 2 mal Miete kompensieren, dann ist der Antrag geprüft, noch fehlende Unterlagen nachgereicht und das Geld auf dem Konto.

„Ja haben Sie keine Reserven bis dahin?“

Es gibt alle möglichen Hilfen…wir liegen irgendwie mit dem Einkommen immer zu hoch. Es steht uns nichts zu.

Wir scheinen noch nicht arm zu sein.

Weit weg davon.

Meine „Reserven“ waren nicht dafür gedacht, zu kompensieren, was der Papa jetzt nicht mehr zahlen kann.

Es war harmonisch. Endlich. Wenigstens zahlt er, wenn er sonst schon nicht viel macht, dachte ich immer.

Ich wurde gefragt, wie ich es schaffe, so ruhig zu bleiben was ihn betrifft.

Meine Bekannte redet sich jede Woche deswegen in Rage, obwohl es bei ihr schon Jahre her ist und ihre Töchter erwachsen.

Sie sei sofort wieder mitten drin und wisse genau wie ich mich fühle. Deshalb verstehe sie es nicht. Sie würde es ihn spüren lassen denkt sie. Ihm am liebsten ins Gesicht spucken und ihn fragen, ob er sich nicht schämt?

Ich sehe ihn zum Glück nicht oft und wenn, dann vor den Kindern. Ein paar Minuten.

Ich bin neutral und distanziert. Alles andere wäre furchtbar für die Kinder. Das tu ich ihnen nie mehr an. Die Zeiten sind vorbei.

Als Krankenschwester kann ich sagen, es ist wie heutzutage in der Pflege:

Irgendeiner springt immer ein ( in meinem persönlichen Fall ich selbst) und irgendwie geht’s ja doch immer. ( nicht immer gut, aber es geht. ) Irgendwie.