
Manchmal ist ein Umzug nicht einfach nur ein Umzug.
Man packt nicht nur Spielzeug, Kleidung und viel zu viel angesammelten Kram in Kisten. Man packt irgendwie auch ein ganzes Stück Leben zusammen.
Als ich damals in diese Wohnung einzog, war ich frisch getrennt, alleinerziehende Mama und in Elternzeit. Ich hatte weder ein Einkommen, noch eine Perspektive. Nicht gerade die besten Voraussetzungen bei der Wohnungssuche. Umso dankbarer bin ich meinem damaligen Vermieter, dass er mir trotzdem eine Chance gegeben hat.
Für ihn war es vielleicht einfach eine Wohnung, die er vermietet hat. Für mich war es damals die Chance auf einen Neuanfang.
Ein Ort, an dem wir erst einmal ankommen durften.
Und jetzt, beim Abschied, sehe ich plötzlich überall Erinnerungen.
Ich sage Leb wohl zu unserer Badewanne, in der wilde Schaumpartys gefeiert wurden. So wild, dass anschließend meistens nicht nur die Kinder nass waren, sondern auch der komplette Badezimmerboden.
Ich sage Leb wohl zu den alten Türen, die einiges mitmachen mussten. Sie wurden aus Wut zugeknallt. Sie wurden aber auch hektisch zugeschlagen, wenn man sich vor dem eigenen Bruder in Sicherheit bringen musste. Oder wenn das gefürchtete Kitzelmonster wieder hinter einem her war.
Ich sage Leb wohl zu den Fußböden voller Sand, weil nach dem Spielplatzbesuch die Schuhe selbstverständlich erst im Flur ausgeleert wurden.
Leb wohl zu den Rollos, die mitten am Tag ganz heruntergelassen wurden, weil Verstecken im Dunkeln so viel aufregender war. Plötzlich wurde aus einem ganz normalen Zimmer eine geheime Höhle und aus jeder Ecke das perfekte Versteck.
Leb wohl zu unserer alten Küche. Zu all den Mahlzeiten, die wir dort gemeinsam vorbereitet haben. Zu kleinen Händen, die helfen wollten, zu Gesprächen nebenbei, zu Chaos auf der Arbeitsplatte und zu all den ganz gewöhnlichen gemeinsamen Momenten, von denen man erst später merkt, wie besonders sie eigentlich waren.
Leb wohl zu den Zimmern, durch die wir getanzt sind.
Zu den Böden, auf die wir uns vor Lachen haben fallen lassen.
Zu all diesen Wänden, die unser Leben gesehen haben.
Hier wurde gestritten und sich wieder vertragen. Hier wurde geweint und getröstet. Hier war es laut und chaotisch.
Aber vor allem wurde hier gelebt.
Hier sind meine Kinder ein Stück größer geworden.
Und ich irgendwie auch.
Als wir damals einzogen, wusste ich nicht genau, was vor uns liegt. Ich wusste nur: Wir brauchen ein Zuhause.
Diese Wohnung hat uns eines gegeben.
Jetzt stehen wieder Kisten herum. Wieder beginnt etwas Neues. Nur diesmal fühlt es sich anders an.
Wir gehen nicht mehr als die kleine Familie hinaus, die damals irgendwie neu anfangen musste.
Wir gehen mit einem ganzen Rucksack voller gemeinsamer Geschichten.
Danke, altes Zuhause.
Für das Chaos. Für die Geborgenheit. Für die vielen kleinen und großen Momente.
Und danke an den Menschen, der mir damals die Chance gegeben hat, genau hier mit meinen Kindern neu anzufangen.
Jetzt schließen wir diese Tür ein letztes Mal.
Und öffnen die nächste.















