Bucket list

Die letzten zwei Jahre waren hart.

Sie haben mir, wie wohl jedem, sehr viel abverlangt.

Es war ein Auf und Ab der Gefühle.

Wenn mich das Leben seither eins gelehrt hat, dann, dass es keine Sicherheit gibt!

Nicht mal da, wo ich sie immer vermutet hatte und da, wo ich sie so sehr gebraucht habe, z.Bsp. bei der Kinderbetreuung, dem Schulbesuch, oder meinem Job als Krankenschwester.

Ich musste flexibler in meinem Denken werden, kurzfristig umplanen und Lösungen suchen, wo ich keine vermutete.

Seither gibt es für mich kein:

„Das geht nicht!“

Sondern nur, nach der passenden Möglichkeit zu suchen, das Problem aus allen Richtungen zu beleuchten.

Denke in Möglichkeiten!

WAS kann ich tun?

WAS habe ich für Möglichkeiten?

WO könnte ich mir Unterstützung suchen?

Und ja, ich bin viel kreativer geworden in meinem Denken, dabei hat mir diese Krise sehr geholfen.

Es gibt nicht mehr so viel vor dem ich mich fürchte im Leben, ausser einem.

Meine größte Angst ist, dass ich von dieser Erde gehen muss, ohne alles von meiner Liste gestrichen zu haben.

Nach all den Krebsdiagnosen der letzten Jahre in meinem Umfeld, will ich nur noch fürs Streichen dieser Liste leben.

Nichts sparen, aufheben, warten bis, davon träumen und doch nicht machen.

Ich will leben! Ich will schöne Erinnerungen schaffen. Ich will die Zeit mit meinen Kindern und auch ohne sie geniessen.

Keiner weiss, was in einem Jahr ist, oder auch nicht in einem Monat.

Eine schlimme Diagnose zu bekommen und daran zu denken, was man doch noch alles erleben wollte, das stelle ich mir quälend vor.

Meine bucket list ist gar nicht so lang, weil ich mir schon Vieles selber erfüllt habe.

Oft sind es gar nicht die großen Dinge, sondern die Qualität in vermeintlichen Kleinigkeiten.

Wenn es schon später ist wie gewollt, der Plan war, dass die Kinder schon längst im Bett sind. Wenn man dann aber doch noch auf dem Sportplatz ist, Tore schießt, gute Gespräche mit Menschen hat, lacht und glücklich ist.

Dann und genau dann denke ich daran, um was es im Leben wirklich geht.

Nämlich eine gute Zeit zu haben. Wie das aussieht, muss jeder für sich definieren.

Meine Bucket list:

– In der Wüste übernachten mit den Kindern

– Wale und/ oder Delphine auf dem Meer beobachten

– Heißluftballon fliegen

– verschiedene Urlaubsziele wie zum Beispiel Cornwall

– Urlaub (mit den Kindern) im Wohnwagen , wenn auch nur gemietet

– einmal im Leben den Jakobsweg gehen

– ein Buch veröffentlichen

– Die Palliativweiterbildung machen, wenn die Kinder größer sind und im Hospiz arbeiten

– einen Profilerkurs bei meiner Lieblingsprofilerin Suzanne mitmachen ( kostet ein Vermögen)

3 weitere meiner Wünsche von der Liste kann ich bald streichen.

Die Wüste mit den Kindern erkunden. Sie waren noch nie in der Wüste und ich freue mich so sehr drauf:

Kamelreiten, mit dem Jeep die Dünen hoch und runterrasen und runterrutschen. Ich bin gespannt und voller Vorfreude.

Funfact nebenbei:

Unser Urlaub auf Kreta 2019 und 2020 war in Lerapetra im Hotel Petra Mare. Ich heisse Petra. Das fand ich doch sehr schicksalhaft. Es hat mich so angezogen.

Jetzt für den Sommer gebucht und nach 1 Woche zufällig gesehen, dass es eine thailändische Hotelkette ist. Was die wunderschönen, bunt bemalten Elefanten am Eingang und der Lobby erklärt.

Thailand- wieder eine besondere Verbindung, da die Wurzeln meines Ex- Mannes thailändisch sind. Beide Kinder waren mit uns schon dort.

Jetzt verstehe ich, dass es genau dieses Hotel für mich sein musste und alle anderen Möglichkeiten für mich nicht in Frage kamen.

Was ich meine?

Lassen wir uns doch einfach treiben, das Leben zeigt uns doch den Weg. Wir müssen uns nur von alten Denkweisen und Strukturen frei machen.

Ich liebe dich, weil…

Es gibt Tage wie heute.

Nichts läuft wie es soll.

Auf dem Weg zur Arbeit: Vollsperrung der Hauptstraße.

Als ich über die Feldwege getuckert bin und nicht recht wusste, wo ich mich befinde und wo ich hin muss.

Als ich schon genervt und gestresst dort ankam und erfuhr, dass wir noch mehr Coronafälle haben, als noch am Sonntag in meinem Frühdienst.

Als die Kollegin, die heute Spätschicht gehabt hätte anrief und sich krank meldete. 

Heut ist so ein Tag, an dem ich bis Mittags diesen Kloß im Hals hatte, nicht wusste, ob ich jeden Moment anfange zu weinen, oder einfach weiter innerlich die Augen verdrehe und atme.

Ich hab mich auf meine Kinder gefreut.

Ich wollte nur noch nach Hause zu ihnen und sie drücken.

An Tagen wie diesen versammeln wir uns am Küchentisch. Wir machen Musik an, singen, malen, kleben, basteln…Hauptsache zusammen. Ich erzähle ihnen was bei der Arbeit so los war und warum ich so kaputt bin, während ich den Knopf der Kaffeemaschine drücke.

Mein Großer sagte plötzlich:

„Los, wir machen ich liebe dich, weil…“

Das habe ich mir mal ausgedacht, weil ich wahrscheinlich in der gleichen Stimmung war wie heute.

Ich mag Spiele, bei denen ich nur meine Lippen bewegen muss und dabei sitzen, oder liegen kann.

Beschäftigung mit den Kindern muss sein. Jedoch hasse ich Gesellschaftsspiele und ich hasse auch „ich packe meinen Koffer“.

Also gut.

„Ich liebe dich, weil…“ ist toll an Tagen wie heute.

Es ist Balsam für die Seele, erwärmt das Herz, beruhigt, besänftigt, lenkt ab.

Es ist spannend, was dabei von den Kindern aufgezählt wird. Oft denke ich, dass alles so selbstverständlich für sie ist.

Dann kommt:

„Ich liebe dich, weil du mich jeden Abend ins Bett bringst und wir noch reden!“

„Ich liebe dich, weil du mir jeden Morgen Vesper machst, obwohl du noch müde bist!“

„Ich liebe dich, weil du mir bei den Hausaufgaben hilfst!“

Es kam schon vor, dass einer von uns etwas aufzählte und der andere ungläubig fragte: „Echt jetzt“, weil ihm gar nicht bewusst war, wie liebenswert das an ihm ist.

Es ist schön zu hören, dass es nicht als selbstverständlich hingenommen wir. Wertschätzung tut gut. Für beide Seiten.

Auch mir tut es gut auszusprechen, warum ich sie liebe. Es kommen immer andere Sachen dazu, bei jedem Mal Spielen sind es andere Dinge. Je nachdem, was gerade so los ist.

Oft endet sowas in einer „Familienumarmung“, wie der Zwuckel es nennt und wir drücken uns alle drei.

Nichts tut besser als das, wenn der Tag doof war.

„Was stärkt dich gerade?“

https://mutter-und-sohn.blog/2022/03/08/blogparade-was-staerkt-dich-gerade

Sarah Zöllner hat wieder zur Blogparade aufgerufen und diesmal wieder mit einem Thema, das mich die letzten Tage beschäftigt hat.

Was mich gerade stärkt?

Hm…

Ich stelle fest, dass ich seit kurzem viele Bilder von Sonnenaufgängen mache. Ich liebe es, wenn sich früh morgens der Himmel rötlich verfärbt.

Sonne- wie sehr habe ich dich vermisst und wo warst du nur all die Zeit?

Die Natur erwacht und auch in mir spüre ich es wieder sprießen.

Frühling ist meine Lieblingsjahreszeit und bei jedem faszinierten Starren in den Himmel denke ich:

„Ja, jeden Morgen geht die Sonne wieder auf!“

Sie legt tröstend die Arme um mich, gibt mir Hoffnung und neuen Lebensmut.

Zukunftspläne machen macht mich stark, ich plane wieder.

Urlaube und Treffen mit Freunden. Ich suche Ferienhäuser aus, blättere in Katalogen, bestelle Reiseführer.

Diesen Sommer werden wir endlich wieder am Meer sein, das weiß ich.

Die Spritkosten und dass alles teurer wird, ändert nichts daran, dass ich so sehr leben will, wie nie zuvor.

Ich will nicht sparen für später, für die Rente, für schlechte Zeiten…

Nur für den nächsten Urlaub, oder die nächste schöne Unternehmung.

Ich weiss, ich werde sterben. Aber bis dahin will ich sowas von leben und eine gute Zeit haben.

Wenn ich was gelernt habe, dann, dass sich auch im schlimmsten tiefen Loch ein Türchen aufmacht und alles gut wird.

Ich visualisiere- und es klappt erstaunlich gut! Ich überrasche mich immer öfter und staune, wie einfach es doch ist und immer wieder klappt.

Ich sehe mich mit meinen Kindern Sandburgen bauen, Hand in Hand ins Meer laufen und jubeln vor Freude. Es wird der erste Urlaub ohne Schwimmflügel und der erste mit zwei Schwimmerkindern. Wie ich mich freue!

Ich sehe uns Achterbahn fahren und die Augen zusammenkneifen. Ich schreie wie verrückt und hinterher rufen meine Kinder:

“ Boah, das war so cool!“

Neune gerade sein zu lassen macht mich stark. Ich stelle fest, dass ich in vielen Dingen lockerer werde und nicht alles mehr so ernst und verbissen sehe.

Entwicklung ist schön! An sich zu arbeiten ist schön! Festzustellen, was hinter einem liegt und man geschafft hat ist schön!

Mir geben die besonderen, abendlichen Gespräche mit meinem fast 11-jährigen Sohn Kraft, nach denen ich mit großem Herz aus seinem Zimmer gehe und denke:

Wow! Er ist echt groß geworden! Und was für ein feiner Kerl er ist!

Ich liebe es, dem 6 jährigen Sohn auf Wunsch zum 100. Mal das gleiche Räuber Hotzenplotz Buch vorzulesen. Wie er auch dann noch über meine vorstellte Stimme lacht und nicht genug bekommt.

Meine Arbeit gibt mir Kraft, mehr als sie mir nimmt. Ich liebe es eine Krankenschwester zu sein und mit psychisch kranken Patienten zu arbeiten. Kein Tag ist wie der andere und die Gespräche eine Bereicherung. Auch ich profitiere davon und lerne dabei so viel über mich selbst.

Wenn mein Ex-Mann nach unserer ewigen Quarantäne wieder die Kinder abholt und seinen Babysohn dabei hat, weil unsere Kinder ihren Halbbruder so sehr vermisst haben- das gibt mir Superkraft!

Dass wir uns wieder in die Augen schauen können, zusammen Kaffee trinken und alle gemeinsam auf dem Boden sitzen und mit den Kindern spielen. Mit unseren und mit nur seinem.

Zu sehen und erleben zu dürfen, wie verrückt sie nach dem kleinen Schatz sind und wie sie ihn zum Lachen bringen.

Dass es so entspannt zwischen uns ist und harmonisch- was für ein Kraftschub!

Frauen- sie geben mir Kraft!

Ich habe so tolle starke Frauen um mich herum! Es ist unglaublich zu beobachten, wie wir uns alle verwirklichen, jede auf ihre Art und Weise. Wir sind nicht nur Mamas, sondern haben Projekte, Visionen, setzen uns für andere ein und geben uns gegenseitig Kraft.

Zeit mit ihnen zu verbringen ist wie ein schöner Sonnenaufgang. So stärkend und so tröstend! Wir stehen füreinander ein, richten uns gegenseitig auf und wir alle wollen die Welt ein bisschen schöner hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben.

Wir sind auf dem Weg! Das Leben ist schön! Und wenn es mal nicht so ist, weiss ich doch:

Jeden Morgen geht die Sonne wieder auf!

Quarantäne mit Kindern als Alleinerziehende

Hätte man mich in den letzten 2 Jahren nach meinen schlimmsten Horrorszenarien gefragt, Quarantäne wäre in meiner Aufzählung mit dabei gewesen.

Jetzt haben wir es hinter uns. Mein grosser  Sohn hat es mit nach Hause gebracht und mein Alptraum wurde somit Wirklichkeit.

Ich war 8 Tage mit meinen 2 fitten Kindern in Quarantäne und hätte es keinen weiteren Tag ausgehalten.

Nach all dem Homeschooling, der Ausgabgsbeschränkung, den gesperrten Spielplätzen und all dem, war das jetzt der größte Kraftakt.

Am 1. Tag hatte ich Fieber. Mein Sohn brachte mir meine 2 Liter Flasche voll gefüllt und ermahnte mich zum Trinken.

Schon Wochen vorher gab es klare Absprachen, was zu tun ist, sollte Corona uns auch aufsuchen und es mir schlecht gehen.

Dass ich jeden Tag meine riesen Flasche einmal leeren muss, daran schien er sich zu erinnern.

Mir wurden die Zinktabletten ans Bett gebracht, Wasser für die Wärmflasche gekocht, meine Temperatur wurde mit dem Stirnthermometer regelmäßig gemessen und beide verhielten sich ganz leise und unauffällig.

Was genau sie gegessen haben weiss ich nicht, nur, dass ich nicht in der Lage war, etwas zu kochen. Ich schätze sie haben sich Toastbrot mit Nutella gemacht und haufenweise Süßigkeiten gegessen.

Der Zwerg kam oft zum Kuscheln, schaute besorgt und sagte:

„Mama, ich will nicht, dass du stirbst!“

Am 2. Tag war das Fieber weg und egal wie mies ich mich fühlte, ich musste ja zum PCR- Test zum Arzt fahren.

Meine Kinder sind zum Glück groß genug, um alleine zu bleiben. Sonst hätte ich sie auch noch mitnehmen müssen.

Ich hab keine Ahnung, wie ich dort angekommen bin, es war ein bisschen in Trance. Ich war 20 Minuten vor dem Termin dort, warum auch immer. Ich bin im Sitzen eingeschlafen.

Meine Kinder stellten also fest, dass es mir wohl besser geht und ich es wohl auch überlebe, also wurde nicht mehr so viel Rücksicht genommen.

Die Schlacht zum Thema Medien begann und endete erst am letzten Tag.

Ich war zu schwach zum Diskutieren und das haben sie voll ausgenutzt. 

Alles wurde liegen gelassen, Teller und Messer nicht weggeräumt, leere Verpackungen blieben auf dem Tisch liegen.

Da ich kaum eine Stimme hatte, konnte ich diese auch nicht erheben und ich wurde nicht so ernst genommen.

Wenn ich eine Ansprache dazu hielt, wurden auch mal genervt die Augen verdreht und wenn ich darum bat die Spülmaschine auszuräumen, stritten sie sich darüber, wer jetzt eine Tasse mehr weggeräumt hat und beide knallten in ihrem Zimmer die Tür hinter sich zu.

Das Papa-Wochenende fiel natürlich aus und ich konnte nicht durchatmen. Ich spürte: Das wird anstrengend!

In meiner Phantasie sah ich meine Kinder stundenlang fröhlich basteln und war ganz fasziniert davon, auf was für kreative Ideen sie kamen, um sich zu beschäftigen.

Meine Phantasie hatte rein gar nichts mit der Realität zu tun!

Bei unserer 1. Familienkonferenz machte ich den Vorschlag, dass jeder sich 1h am Tag ins Zimmer zurückzieht und sich was für sich überlegt. Nach dem Stunde treffen wir uns wieder und jeder muss den anderen zeigen, was er gemacht hat: jonglieren, einen Zaubertrick, was Gebautes aus Lego usw.

„Nö! Kein Bock!“

Sie wollten nicht kreativ sein, ihren Kopf nicht anstrengen.

Sie wollten nur 2 Dinge: Essen und Medien!

Ich ermahnte sie, dass wir uns das Essen einteilen müssen, da wir nicht einkaufen gehen können. Wenn die Süßigkeiten leer sind, sind sie leer. Und ist die Milch leer, gibt es keinen Kaba mehr.

Das sahen sie ein.

Sie waren zufrieden mit der Quarantäne, glaubten nicht, dass sie jemals damit hadern würden.

Wenn es mir sonst zu wild, zu laut, zu chaotisch wird, zwinge ich sie raus in den Garten. Meist wollen sie genau das nicht, versprechen mir dann hoch und heilig, dass sie damit aufhören und tun es genau nach einer Minute wieder. Darauf falle ich schon lange nicht mehr rein und bin rigoros.

Der Große lachte und sagte, das sei das beste an der Quarantäne.

„Du kannst uns nicht mehr rausschmeißen! Wir dürfen nämlich gar nicht raus!“ Sie triumphierten.

Ich kam mir mit jedem weiteren Tag vor wie Aschenputtel: waschen, putzen, essen kochen. Nur auf den Ball durfte ich nicht.

Ich war traurig, überfordert, furchtbar genervt und sauer über unsere Situation.

Und soooooo gelangweilt! Kein Erwachsener weit und breit! Nur die Kinder und ich, Tag und Nacht, über mehrere Tage!

Der Zwerg genoss das Spielen mit seinen Superhelden und Legos. Er baute sich Landschaften im Wohnzimmer auf und schlüpfte in verschiedene Rollen. Er schien es zu genießen, dass er dafür Zeit hat und nicht rausgerissen wird, weil er in die Schule muss, oder zu einem Termin.

Auf Hausaufgaben hatte er keine Lust, so gar nicht. Ich konnte ihn verstehen. Der Bruder malte für ihn „extra hässlich“ an, ich schrieb die Zahl hin, aber er musste dafür rechnen. Ach, was haben wir uns nicht alles einfallen lassen, um diese Blätterflut in den Griff zu bekommen!

Es waren nicht nur die Hausaufgabenblätter, sondern auch die Blätter, die im Unterricht bearbeitet wurden. Mittags lag alles im Briefkasten, seine Motivation war allerdings im Keller.

Wir haben einige Blätter nicht geschafft und ignoriert. Er hat mir viel vorgelesen und wir haben viel gerechnet. Nur auf Schreiben hatte er keine Lust, legte den Stift hin und sagte: „Ich geh jetzt wieder spielen!“

Der Große machte seine Hausaufgaben ganz ohne Aufforderung mit dem auch an Corona erkrankten Klassenkameraden per Videotelefonie. Das klappte erstaunlich gut und da war ich positiv überrascht.

Jedoch ist er derjenige, der frische Luft am Nötigsten gebraucht hätte. Er wurde richtig albern und brachte mich dazu innerlich die Augen zu verdrehen.

Einmal haben wir beide den Ohrwurm vom Hochzeitstanz gehabt, warum auch immer. Wir sind durch die ganze Wohnung getanzt, während wir beide diese Melodie gebrummt haben und sind lachend auf dem Bett liegen geblieben.

So fühlt es sich wohl an, wenn man allmählich den Verstand verliert, dachte ich.

2 Tage vor Ablauf der Quarantäne schien draußen die Sonne so verlockend. Ich beschloß, dass wir es wagen und ganz weit hoch in die Weinberge zu gehen. Dort, wo keiner ist.

Nur einmal tief durchatmen, ein bisschen laufen und dann wieder schnell heim.

Der Zwerg hatte schon seine Schuhe an und bestand aber darauf, dass wir nur in den Garten gehen. Genau das wollte ich nicht, denn es ist ja nicht allein unser Garten. Ich ließ mich breitschlagen. Hauptsache frische Luft und ein paar Sonnenstrahlen.

Er hüpfte fröhlich und ausgelassen im Trampolin und mein Herz lachte.

Der Große wollte nicht mit. Er wollte nicht „erwischt“ werden, denn wir durften offiziell doch gar nicht raus. In diesem Fall waren ihm dann Regeln plötzlich doch wichtig.

Am nächsten und letzten Tag unserer Quarantäne wurde er mutiger und ging etwas vorsichtig mit raus. Auf dem Weg zum Trampolin sagte er:

„Du hast Recht, die frische Luft tut echt richtig gut!“

Ich habe mich freigetestet und hätte es keinen weiteren Tag ausgehalten, ohne furchtbar unglücklich zu sein.

Ich wollte auch nicht die Küche putzen, die Fenster nicht und auch sonst nichts. Ich wollte raus! Ich wollte mich bewegen! Ich wollte die Sonne spüren!

Und vor allem wollte ich eins:

Erwachsenengespräche!

Weihnachten als Alleinerziehende

Fünf Weihnachten liegen seit der Trennung hinter mir und ganz schön viele Erfahrungsschätze.

Das 1. Fest war katastrophal und sehr tränenreich. Frisch getrennt, das erste in der neuen Wohnung, ohne Geld und ohne Job. Jedes der Geschenke damals konnte ich mir gar nicht leisten.

Der Tannenbaum von Amazon kostete 25 Euro und auch der war eigentlich nicht drin.

Der Papa holte meine Jungs, damals 5 und 1 Jahr alt, am 25.12 ab und ließ mein gebrochenes Herz zurück.

Ich fühlte mich klein und auch erbärmlich. Ich war leer und nur ein Häufchen Elend. Ich dachte, ich hätte nichts zu geben und fühlte mich unzulänglich.

Die weiteren Weihnachten hatte ich mehrfach Zirkuskarten für Heiligabend, der Papa und ich trafen uns dann dort.

Das war das Maximum an Familie, was wir unseren Kindern für wenige Stunden schenken konnten.  Danach ging man wieder getrennte Wege.

Ich überlegte mir neue Traditionen und was mir wichtig war. Was wollte ich meinen Kindern hinterlassen? An was sollten sie denken, wenn sie Erwachsen sind und zurückdenken?

Das schwerste Unterfangen war immer:

Wie kommen die Geschenke unter den Baum?

Beide Kinder glaubten noch an das „Weihnachtswunder“ und ich tat alles dafür, es für sie zu erhalten.

Zwei Jahre in Folge hatte ich mit einem Nachbarn abgesprochen, dass er den befüllten, vorbereiteten Jutesack vom Dachboden vor unserer Tür abstellt, während wir drei ausser Haus waren.

Im 2. Jahr hatte der „Nikolaus“ die Karten für diesen kleinen Dorfzirkus in den Stiefel gesteckt. Nur ein paar Hunde und jede Menge menschliche Kunststückchen der Artisten, ein Clown.

Als wir eintrafen, sagte man uns, dass die Vorstellung nur bei 20 Teilnehmern stattfinden könne. Es waren gerade mal 9 da, drei davon waren wir. Die Vorstellung fiel tatsächlich aus und auch die traurigen Kindergesichter änderten daran nichts.

Es war mehr als frustrierend, ich hatte Sorge, ob der Nachbar schnell gehandelt hat, denn eigentlich sollten wir gute zwei Stunden ausser Haus sein. Die Kinder waren dort nicht mehr zu halten, gingen auf nichts ein, was ich ihnen anbot. Den Nikolaus fanden sie auch noch doof uns so ein Geschenk zu machen, das er gar nicht halten kann.

Ich kochte, was die Kinder sich wünschten. Nachdem wir auf jeden Fall draussen waren, konnte ich ja nicht zeitgleich Essen vorbereiten. Meistens waren die Kinder von der frischen Luft hungrig und es musste schnell gehen.

Mal gab es Frikadellen und Kartoffelbrei, mal Rotkohl mit Hähnchen und Knödeln, mal nur Fischstäbchen auf Wunsch, weil es eben das Lieblingsessen war in dem Jahr.

Seit zwei Jahren gibt es Raclette.  Das kann man wunderbar vorbereiten und es ist doch nicht Alltäglich.

Einmal planten der Papa der Kinder und ich ins Disneyland zu fahren über die Feiertage. Bevor wir buchten, krachte es ordentlich und ich machte einen Rückzieher. Ich kam mir blöd vor, überhaupt daran gedacht zu haben. Ich bin sicher, dass die Idee nur aufkam, weil ich es mir alleine nicht zutraute.

Ein anderes Mal planten wir Heiligabend zusammen zu verbringen, wegen der Kinder. Jedoch gab es auch damals wieder Streit und ich nahm mein Angebot zurück.

Ich schätze, ich wollte nicht alleine sein. Keine Ahnung.

Auf dieses Weihnachten freue ich mich so richtig! So sehr wie noch nie!

Ich bin mir sowas von genug, fühle mich absolut nicht alleine und mache mir keinen Druck, der mich nur enttäuschen kann.

Ich habe die Kinder gefragt, wie sie sich das perfekte Fest vorstellen und ich habe Ideen gesammelt.

Ich habe alle Erwartungen an mich runtergeschraubt. Kein „ich muss“.

Wir verbringen Weihnachten alleine und es wird eine ganz besondere Zeit.

Von heute an sind es noch 11 Tage, die besten Plätzchen haben wir schon verputzt.

Die Fensterbilder habe ich auf die nicht geputzten Fenster geklebt, da ich zum Fensterputzen weder Zeit, noch Geduld hatte.

Meinen Kindern sind die Sterne am Fenster wichtig, weil wir die große Fensterfront immer schön schmücken.

Daran werden sie sich erinnern, nicht aber, ob die Fenster Fingerabdrücke hatten.

Wir haben immer noch den Amazontannenbaum für 25 Euro von damals. Wir alle lieben ihn und es kommt nicht auf den Preis an.

Wichtiger ist es, dass die Kinder ihn schmücken, wir laut Weihnachtslieder dabei hören. All die selbergemachten Dekosachen aus dem Kindergarten und der Schule werden als Andenken und Anerkennung an den Baum gehängt.

Und so wie sie es machen, so darf es bleiben. Ich korrigiere es nicht, auch wenn es etwas einseitig behangen ist.

Es ist gut, wie es ist. Und ich bin gut wie ich bin. Und genug. Das habe ich kapiert.

Ich bin die Mama, ich habe die Macht es zu etwas Bezauberndem zu machen. Nicht durch Materielles, sondern durch einen ganz besonderen Zauber. Und mit Liebe. Ich nehme mir Zeit. Mehr ist nicht nötig.

Dieses Jahr bleiben wir bis mittags im Schlafanzug. Wir  lassen es langsam angehen. Keine Hektik, kein Stress.

Ich habe knapp 600 Fotos von allein diesem Jahr nachgemacht. Die schauen wir uns an und lassen Revue passieren.

Hätte ich die Bilder nicht angeschaut und mich erinnert, hätte ich gesagt, dass 2021 ein maximal mittelmäßiges Jahr war.

Allerdings stellte ich mithilfe der Fotos fest: es war ein tolles Jahr. Auf jeden Fall nicht schlechter als alle anderen. Es ist viel passiert, mal wieder.

Vieles hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm und längst vergessen.

Wir werden Bleigießen machen. Die Kinder sind seit Jahren an Silvester bei Papa, weil ich da arbeite.

Vom Bleigießen schwärmen sie und wer sagt, dass man das nur an Silvester machen kann?

Wir werden das ganze Wohnzimmer in eine Höhle verwandeln und dafür werden wir alle Decken verwenden, die im Haus sind.

Sie lieben Höhlen bauen und diesmal habe ich sogar das passende Geschenk dazu. Deshalb wird es super.

Wir werden uns mit Taschenlampen und Stirnlampen dort verkriechen und Bücher lesen.

Und wir räumen es nicht auf, zumindest nicht an dem Tag. Es darf so bleiben und es wird mich nicht ärgern.

Wir werden natürlich rausgehen, ich weiss auch schon wohin.

Ich werde nochmal zurück müssen, weil ich etwas vergessen habe, oder vorgebe vergessen zu haben.

Der grosse Bruder wird den Kleinen ablenken, denn er ist mein Komplize. Er hat das Erwachsenengeheimnis durchschaut.

Auch in seiner größten Wut hat er es nie verraten. Wir gönnen es dem Zwerg, solange es geht. Lange wird es nicht mehr dauern.

Wir machen Raclette, spielen mit den Geschenken, ziehen die Couch aus und schauen Filme. Sicher wieder „Kevin allein zu Haus“ und sicher wieder auch „Der Grinch“.

„Der Polarexpress“, ein Muss in der Weihnachtszeit, haben wir schon vor Wochen gesehen. Er ist mein Filmhiglight.

Wir werden alle drei auf der Couch schlafen, vielleicht sogar mit laufendem Fernseher, einfach jeder, wann er müde ist.

Wir kuscheln uns aneinander und dieses warme Gefühl wird sich einstellen:

„Ahhhh, Weihnachten!“

Weltschmerz

Lange dachte ich, dass ich psychisch stabil bin. Ich hab schon einiges ausgehalten und die Erfahrung gemacht, dass es auch wieder besser wurde.

Ich war deprimiert, frustriert, traurig, enttäuscht, fassungslos, sprachlos, empört und manchmal auch alles zusammen.

Mir zog es den Boden unter den Füßen weg und ich fing wieder von ganz vorne an.

Meine Patienten leiden überwiegend an Schizophrenien.

Ich konnte mich schon immer gut in sie reinfühlen und noch nie habe ich sie so gut verstanden wie jetzt in dieser Zeit.

Das Leben jetzt fühlt sich an, als ob ich in einer schrecklichen Psychose gefangen bin.

Ich höre überall diese Stimmen, die auf mich einreden, mich bevormunden wollen, bestimmen wollen, was für mich am besten ist.

Ich darf mit meinem Sohn nicht schwimmen gehen, wir können an einem Regentag nicht einfach ins Kino.

Wenn er seine Trinkflasche in der Turnhalle vergessen hat und ich ihn begleite, mache ich plötzlich etwas Verbotenes.

Vor kurzem fand dort noch unsere Sportgruppe statt, bei der wir als Team so viel Spass hatten.

Es ist nicht gelöst mit:

„Ist doch nur ein Pieks, stell dich nicht an!“

„Mach es doch einfach, der Impfstoff ist sicher!“

„Gib dir nen Ruck, dann bist du frei!“

Freiheit ist nicht an Bedingungen geknüpft, Freiheit ist mein Grundrecht. Ausser ich bin ein Schwerverbrecher.

Ich bin verzweifelt. Und angstgetrieben. Und ich bin so, so traurig.

Ich habe Alpträume von meinem ertrinkenden Kind, weil ich Sorge habe, dass er sein frisch erlerntes Schwimmen wieder verlernen wird ohne Übung.

Ich google, wo es möglich ist einfach mit ihm schwimmen zu gehen, nur einen Nachmittag. Ich stelle fest: nirgends.

Das Leben macht mir keinen Spass mehr. Ich lebe es, weil ich in der Hoffnung lebe, dass das alles mal wieder zu uns zurück kommt.

Wir sind zu Hause, malen viel, hören Musik, basteln und sind kreativ.

Noch nie war mir Harmonie und Ruhe so wichtig. Im Innen und im Aussen.

Und noch nie hab ich so oft an meine Jungs appelliert, dass Zusammenhalt jetzt wichtiger ist als je zuvor.

Wir sind gesund, wir haben nahezu alles, was man so braucht, um zu leben.

Und doch fühlt es sich so schwer an.

Die Welt drückt mich so fest runter.

Ich habe Weltschmerz.

Schon lange habe ich nicht mehr so viel geweint. Aus dem Nichts. Einfach so, weil es über mich kam.

Von Anfang an war ich stark für die Kinder. All das hat natürlich etwas mit uns gemacht, aber nichts, was wir nicht wieder hinbekommen hätten.

Heute überwiegt nicht mehr die Hoffnung bei mir.

Ich habe Weltschmerz.

Ich habe Angst vor Krieg und frage mich, wie ich meine Kinder beschützen kann.

Ich habe Angst davor, was nach der Ausgrenzung kommt.

Werden wir dann mit Mistgabeln verfolgt?

Verbrannt? In Lager gesteckt? Was kommt als Nächstes?

Denkt ihr nie darüber nach, wie all die Kriege wohl irgendwann ganz am Anfang begonnen haben? Ich glaube genau so!

Ich bin alleinerziehende Mama. Ich habe Angst.

Ich habe Angst vor Corona. Ja. Keiner weiss vorher, wie sein Körper reagiert.

Ja, ich habe Angst vor der Impfung.

Vor den Nebenwirkungen. Was ist, wenn es mich trifft? Was wird aus meinen Kindern?

Ich entscheide nach Bauchgefühl. Ich weiss, dass die Impfung sich für mich nicht gut anfühlt.

Ich wünschte die Ungerechtigkeiten, die Pharmaindustrie, das Chaos in der Politik, die Lügen und die Widersprüche würden mich trotzdem vertrauen lassen. Aber ich kann es nicht.

Also schütze ich uns, solange und so gut es geht. Wir sind in unserem Schneckenhaus.

Ich kenne Menschen, die anders denken wie ich und mich sein lassen, wie ich bin. Ich darf selber entscheiden und sie machen mir weder ein schlechtes Gewissen, noch appellieren sie an meine Solidarität für die Gemeinschaft.

Ich habe nicht das Gefühl, dass ich noch mehr geben muss, als ich es bereits tue. Ich denke es reicht.

Ich habe Freunde, die zwar geimpft sind, aber mein Leiden verstehen und teilen. Auch sie sehen und haben den Weltschmerz. Sie hätten alle Freiheiten, nutzen sie aber nicht, weil sie Ausgrenzung nicht unterstützen wollen.

Sie weinen mit mir und haben auch Angst davor was kommt.

Um mich herum sind Geimpfte, die froh sind alle Freiheiten zu haben. Hauptsache sie können in vollen Zügen geniessen, konsumieren und das gute Leben feiern, ohne sich um andere Gedanken zu machen.

Jeder kann doch schließlich frei sein, es ist doch so einfach!

Für mich ist es nur eine Illusion. Ein Weglaufen. Es gibt keine Sicherheit und das Leben ist ein Risiko.

Was interessiert sie die Welt da draussen? Ihnen geht es doch gut, sie sind doch frei.

Ich habe Geimpfte um mich, die ängstlich sind, weil es auch nach der 3. Impfung immer noch keine Sicherheit gibt. Was müssen Sie denn noch tun, um endlich, endlich sicher zu sein?

Heute zog es mich an einen bestimmten Ort. Warum wusste ich zunächst noch nicht. Ich dachte es sei die Stille, die mich ruft.

Und als ich weinend da stand und meine Kerze anzündete, spürte ich, dass ich diese Art Schmerz in mir noch nie zuvor hatte.

Nicht Verlassensängste, Trennungsschmerz, alte Wunden oder Frust über die Arbeitsstelle.

Nicht burnout, das man irgendwie schon wieder in den Griff bekommt.

Weltschmerz.

Ich frage mich, wie wir da jemals wieder rausfinden sollen. Wie wir das noch zu einem guten Ende bringen können.

Wie wir das hinter uns lassen können und wieder zusammenfinden.

Ich bin gesund. Immer noch. Scheinbar mache ich seit einer Weile vieles richtig und noch dazu hatten wir sicher auch viel Glück.

Mein Sohn sagte gestern, er wünschte, ich hätte Corona, aber so, dass es mir gut damit geht. Er würde so gern mal wieder auf den Indoorspielplatz.

Mein Zwuckel fand heute in meiner Handtasche die Kinokarten vom letzten Besuch.

„Oh, Mama, können wir mal wieder ins Kino? Bitte, bitte!“

Ich vertröste. Und hoffe, dass wir das bald wieder mal können.

Wenn das Schulkind mit Maske wegen Schnupfen keine Luft bekommt und der Lehrer das Ermahnen so leid ist.

„Maske ÜBER die Nase!“ Wenn Mitschüler lachen und die Freunde sagen, dass man sehr wohl gut Luft bekommt. Wenn der Lehrer droht, dass er „Alle meine Entchen“

auf der Triangel spielen muss, sollte er nochmal die Maske runtermachen.

Wo sind wir angekommen? Was ist mit den Menschen los?

Wo ist Mitgefühl, Nächstenliebe und Verständnis?

Ich suche den Frieden in der Welt und spüre nur ihren Schmerz.

Nie will ich müde werden gegen Unrecht zu kämpfen und für Freiheit aufzustehen. Für alle!

Geschwisterrivalität

Meine Jungs sind 10 und 6 Jahre alt.

Ich selber bin Einzelkind und bin mir manchmal unsicher, ob ihr Geschwisterstreit noch im Rahmen ist.

Als Mutter tut es mir weh zu sehen, wie sie sich treten und sich Zähne fletschend böse Wörter an den Kopf werfen.

Sie sind durch die Trennung 2016 nahezu immer zusammen. Bis vor einem Jahr war der Zwuckel noch Kindergartenkind. Er hatte weniger Ferien und der Grosse war stundenweise auch alleine zu Hause, was er so genossen hat.

Mein Großer hat jetzt nur „Ruhe“ vor dem Bruder, wenn er in der Schule, im Training, oder mal bei einem Freund ist.

Unter der Woche sind sie bei mir zusammen. Steht das Papawochenende an, sind sie dort zusammen. Wir können uns nicht aufteilen nach dem Motto:

„Wenn du darauf keine Lust hast, dann gehst du heut einfach mit Papa mit.“

Der Zwuckel ist jetzt in der 1. Klasse und braucht natürlich viel Unterstützung beim Lesen üben und den Hausaufgaben. Und auch sonst holt er sich seine Aufmerksamkeit im Alltag. Auch wenn es nur ist, dass er sich morgens nicht anziehen will und auch nicht anziehen lässt, obwohl wir pünktlich das Haus verlassen müssen.

Der Große findet es oft ungerecht, dass ich bei ihm nicht so hart durchgreife. Er findet ihn verwöhnt und übernimmt dann gerne mal die „Bestrafung“, die er für nötig hält, weil er so frustriert darüber ist.

Ich tuhe mein Bestes, damit ich beiden nur annähernd gerecht werde und schaffe es nicht.

Ich versuche zu erklären, dass meine Erwartungen an einen 10 jährigen natürlich andere sind als an einen 6 jährigen. Dass der Zwuckel noch so viele Lektionen lernen muss, wo er schon viel weiter ist.

Dass er nichts draus lernt, wenn man es an ihn „prügeln“ wird. Ja, es ist viel anstrengender das gleiche immer und immer wieder zu erklären und ihm verständlich zu machen, aber nur darin sehe ich eine Chance.

Ich erkläre, dass er uns als Eltern ganze 4 Jahre für sich alleine hatte. Weit länger, als die meisten anderen Kinder. Dass sein kleiner Bruder uns als Eltern nie ganz für sich hatte, sondern ab Tag 1 teilen musste.

Bei der Trennung war er erst 10 Monate alt und ja, da ging einiges verloren.

Mit ihm war ich die meiste Zeit allein, hatte so grosse Verantwortung, musste nebenbei noch irgendwie Geld verdienen und ja, vielleicht ist es auch ein Stück schlechtes Gewissen.

Ich habe ihn mir genauso sehr gewünscht wie den Grossen, hatte aber nicht so viel Zeit und Ruhe, mich mit ihm in gleichem Maße zu beschäftigen. Die Situation war eine ganz andere.

Ich versuche verständlich zu machen, dass ich sehr wohl sehe, wenn der Zwuckel provoziert und ihn zur Weißglut treibt. Dass mein Ansatz aber ein anderer ist, als ihn zu „züchtigen“. Dass ihn das frustriert verstehe ich sogar ein bisschen.

Meine liebe Freundin beobachtete mit mir den letzten Geschwisterstreit. Sie fand es spannend zu beobachten und sagte, die Augen des Grossen seien die ganze Zeit auf mich gerichtet gewesen, während er den Bruder ärgerte, der schreiend hinter ihm her lief. Er selber habe aber entspannt gelächelt.

„Ich glaub er braucht dich gerade sehr!“

Der Satz traf mich. Ich wollte mich verteidigen, erklären, wie herausfordernd sein Verhalten ist.

Ich dachte nach. Wann bekommt er ungeteilte Aufmerksamkeit? Zu selten!

Nachdem ich den kleinen Bruder ins Bett gebracht hatte, zog ich sein Bett wortlos aus. Er schien irritiert und meinte, dass er doch allein drin schlafe und das nicht nötig sei.

Dann verstand er meinen Blick und deutete mein Lächeln richtig.

Er sprang mir in die Arme und sagte:

„Das hab ich mir schon immer gewünscht. Das war schon lange mein Traum. Ich freu mich so. Danke!“

Wir philosophierten, lachten, redeten stundenlang. Ich hörte zu. Er öffnete sich.

Er wünschte, dass ich seinen Rücken kraule und schlief dabei ein.

Ich habe ihm versprochen ihm mehr Zeit einzuräumen und ihn zu SEHEN.

Er geniesst natürlich auch die Tabletzeit, wenn ich dem Zwuckel seine Gute Nacht Geschichte vorlese. Aber letztendlich ist es nicht genau das was er wirklich braucht.

Wir haben uns drauf geeinigt, dass ein Sprichwort sehr gut zu ihm passt.

Er lächelte und sagte:

„Kann sein!“

Wahre Glücksmomente

Das Alleinerziehend sein fühlt sich manchmal so einsam an.

So oft bin ich überfordert und denke mir:

„Goooott, warum muss ich das nur alles alleine machen?!“

Die letzten Tage waren anstrengend und wie Urlaub fühlten sie sich wirklich nicht an. Aber ja, ich habe Urlaub.

Fast habe ich es vergessen, denn der Wecker klingelt trotzdem 6 Uhr. Da ist keiner, der sagt:

„Bleib liegen Schatz, ich mach das mit den Kindern!“

Heute kuschelten wir uns auf die Couch und wer tiefe Demut empfinden will, schaut „Into the Wild“, so wie wir es heute getan haben.

Es ist lange her, ich hatte so Vieles vergessen!

Der Film ist eine wahre Geschichte. Keine Hollywood-Explosionen, keine Verfolgungsjagden und keine Schießerei.

Es geht nur um einen jungen Mann, der alles hinter sich lässt und die Freiheit sucht. Nicht in einem gutbezahlten Job, nicht in anderen Menschen, nicht in Geld und nicht in Dingen.

Es war schön erinnert zu werden!

Erinnert an das, um was es WIRKLICH geht!

Mein großer Sohn hat Fussballtraining.

Wäre ich nicht allein mit allem, wäre ich beim Zwuckel daheim geblieben, oder wäre eben der Fahrer gewesen.

Der Zwerg war schon im Schlafanzug und ich beschloss, dass ich ihn nicht alleine lassen will.

Es musste schnell gehen, also wickelte ich ihn nur in unsere dicke Kuscheldecke ein und trug ihn auf dem Arm zum Auto.

Auf der Decke steht in großen Buchstaben:

La vie est belle. Das Leben ist schön!

Er hatte nicht mal Schuhe an und hatte keine Hände, um sich an mir festzuhalten.

Er lachte fröhlich und küsste mich freudig. Es war dunkel und auf dem Rückweg beobachteten wir den Mond.

Ich stand mit ihm auf dem Arm da und wir schauten zum Himmel.

Wir waren glücklich über unser Abenteuer. Und über uns.

Was haben wir für ein Glück!

Alleinerziehend sein ist oft hart, ja.

Und dann kommen diese Momente und ich bin nicht bereit sie mit jemandem zu teilen.

Danke für die Erinnerung Leben!

Nimm mir alles Materielle, aber im Herzen kann ich immer noch DIESE Glücksmomente fühlen.

Das sind die Momente, an die wir uns erinnern und die uns glücklich machen.

Die Momente, die das Leben lebenswert machen.

Ich brauche nicht viel!

Das Leid der Trennungskinder

Hoch die Hände, Wochenende!

Wo andere Familien durchatmen und es langsam angehen lassen, wird bei uns nochmal richtig Gas gegeben.

Das Papa- Wochenende steht an. Es beginnt Freitag Nachmittag und geht bis Sonntag Abend.

Fussballtraining am Samstag Morgen geht eben nur alle zwei Wochen.

Tischtennistraining am Freitag Abend ebenso.

Jetzt hab ich auch noch zwei Schulkinder seit September und dadurch wird es nicht besser.

Genau heute gibt es sehr viele Hausaufgaben. Mehr als sonst.

Wahrscheinlich denkt die Lehrerin sich:

„Es ist ja Wochenende und das Kind kann es sich ja aufteilen!“

Bei uns gibt es die klare Regel, dass zu Papa keine Hausaufgaben mitgenommen werden.

Maximal den Text fürs nächste Gedicht, oder Vokabeln zum Durchlesen.

Alleine das Bisschen findet aber dort nicht statt.

Erstens, weil die Kinder ihren Papa und jetzt Halbbruder nur alle 14 Tage sehen und sich dann darauf konzentrieren wollen. Verstehe ich total!

Und auch, weil die Priorität meines Exmannes nicht gerade darauf liegt. Er ist raus und weiss gar nicht, was wir unter der Woche stemmen.

Ich schätze es ist ihm gerade recht, dass er damit nichts zu tun hat und will es auch so.

Ich soll mich kümmern. So gesagt hat er es nicht.

Es ärgert mich, heute besonders.

Kleiner Sohn kam nach der Schule nach Hause und das Alles schlaucht ihn noch sehr.

So sehr, dass er oft nach der Schule einschläft, weil er so k.o ist.

Wir essen zusammen Mittag und er fängt mit den Hausaufgaben an. Er atmet tief und legt den Kopf auf dem Tisch ab.

Er ist müde, es strengt ihn an, das sehe ich.

Die Zahlen werden immer unleserlicher, aus der 6 wird eher eine Null und er fragt nach einer Pause, kaum hat er begonnen.

Er will lieber raus gehen. Schnappt sich den Ball und weg ist er. Und kommt nicht wieder. Ich höre ihn mit der Nachbarin vor dem Haus lachen.

Was mach ich denn jetzt nur?

Ich spüre den Druck auch.

Hausaufgaben müssen schließlich gemacht werden. Was er nicht schafft, holt ihn sicher am Montag ein.

Er klingelt, will aber nur kurz trinken.

Rein kommen will er auf keinen Fall.

„Weil ich mach grad was!“

Ich frage ihn, wie er es mit den Hausaufgaben machen will. Zu Papa mitnehmen? Jetzt schnell machen?

„Ich schwöre dir, dass ich es am Sonntag Abend mache!“

Ich habe keinen Einfluss auf die nächsten 2 Tage, weiss nie, wie er drauf ist, wenn er wieder kommt.

Hat er im Auto geschlafen und ist kaputt? Ist er gut gelaunt, oder lief etwas nicht, wie es sein sollte.

Ich muss abwarten. Und vertrauen.

Ich weiss, er gibt sich Mühe und wird es am Sonntag angehen. Ob er alles schafft? Wer weiss…

Ich spüre den Druck. Und es tut mir leid für meine Kinder.

Mit dem großen Sohn kann ich ganz anders verhandeln. Wir haben die ganze Woche bereits auf den Vokabeltest am Dienstag hingearbeitet, so dass er sich ein freies Papawochenende leisten kann.

Bei ihm weiss ich, dass ich Sonntag Abend auch noch was mit ihm anfangen kann, er kennt das Ganze ja und steckt es gut weg.

Er hat zum Glück sehr wenig Hausaufgaben bis jetzt und geniesst die 5. Klasse. Bis zu seinem Hobby 14.45 Uhr war er längst fertig mit Allem.

Ich bin neidisch.

Auf alle Eltern, die zu Hause durchatmen, den Ranzen beiseite stellen können und denken:

„Morgen ist auch noch ein Tag!“

Im Mangel

Tage wie heute passieren nicht sehr oft, aber es gibt sie.

Diese Tage, die sich ziehen wie Kaugummi und nicht enden wollen.

Tage, an denen nichts funktioniert, wie es soll und wie ich geplant hatte.

Da meine Kinder die Hälfte der Wochenenden bei ihrem Papa verbringen, ist die Erwartung immer groß.

Jedes Mal schreit alles in mir: „Qualitytime!“

Endlich in den Tag hinein leben, keine Pläne haben, jeder macht einfach was er will und wozu man unter der Woche nicht kommt.

Ich zum Beispiel sah uns heute im Wald, es zog mich so in die Stille.

In meiner Phantasie sah ich die Kinder vergnügt vor mir laufen, wie sie Spass hatten beim Stöcke sammeln, Moos fühlen und Tiere beobachten.

In der Realität wollten meine Kinder alles andere als in den Wald. Mein Plan B und C wurde auch zerschmettert.

Manchmal träume ich davon, wie ich mit meinem Kaffee und Laptop am Küchentisch sitze und an meinem Buch schreibe.

Die Kinder spielen Lego zusammen, ich höre nur ihr Lachen.

Heute funktionierte gar nichts. Wie oft an unseren Wochenenden.

Ich schätze wir sind nicht gut in diesem:

„Wir leben einfach in den Tag hinein Ding.“

Meine Kinder machten das Gegenteil von dem was sie sollten, hörten nicht, nahmen mich nicht ernst, schalteten auf Durchzug und lachten mir dabei noch ins Gesicht.

DIESE Tage.

Es war kein schönes Miteinander, sie kämpften, sie gingen mit Bleistiften aufeinander los, es wurde gebrüllt und Türen zugeschlagen.

Diese Tage, wenn man dabei zuschauen muss und nicht mehr dazwischen gehen kann und will.

Hatten wir nicht erst vor zwei Wochen eine Familienkonferenz deswegen? Ist denn wirklich nichts hängen geblieben?

Ich bin es so leid und ich kann nicht mehr.

Diese Tage, an denen ich einfach gar nichts im Griff habe, am wenigsten mich selber.

Diese Tage, an denen mir nicht nach Schreien zumute ist, sondern meine Stimme überschlägt und ich merke…

Ich bin im Mangel! Ich bin so im Mangel.

Ich gehe in mich. Lasse die Woche Revue passieren, sie verlangte mir Einiges ab:

Fortbildung, Elternabend, stressige Schichten, Hausaufgaben, Kochen, Grosseinkauf, Teambesprechung, Arzttermine, Telefonate, Vokabeln lernen.

Ich habe nur funktioniert.

Es war nichts dabei, das Spaß macht. Nichts, das nur für mich war!

Ich bin so müde. So erschöpft. So schwach und klein und müde und traurig und wütend und hilflos und so allein.

Es überwältigt mich.

Ich muss alleine sein und da keiner mich begleiten will, gehe ich in meine geliebten Weinberge. Ich will laufen. Und nicht reden. Nicht diskutieren und nicht verhandeln.

Die Luft tut gut und ich spüre, wie nötig es ist.

Ich mache meine Kopfhörer in die Ohren und eine Meditation an.

„Du bist nicht allein“, sagt die Stimme.

„Schau in den Kreis, wir sind Viele. Und wir alle lächeln Dir zu! Erinnere Dich, du machst es so, so gut!“

Ich weiss, dass meine Kinder nicht Schuld sind, das Leben nicht gemein, der Tag nicht umsonst. Und ich nicht alleine.

Ich bin nur im Mangel und darf besser auf mich achten.

Mein Energiehaushalt ist erschöpft und es war zu wenig dabei, das den Akku lädt.