Umgänge, oder: Ich bin dann mal weg…

Die Umgänge sind bei uns fester Bestandteil.

In der Regel alle 14 Tage werden die Taschen gepackt und das Nötigste zum Anziehen rausgesucht.

Die Kinder freuen sich drauf und meistens sagt der Grosse:

„Mann, irgendwie kam mir das diesmal voll lang vor“.

Ja, es ist auch lang.

Eine kleine Pause von den Kindern tut hin und wieder gut, aber sie regelmäßig 12 Tage nicht sehen-

undenkbar!

Wenn es klingelt, springen beide auf und streiten, wer die Tür zuerst öffnet.

Sie springen ihm in die Arme und oft fragt er:

“ Sag mal, bist du gewachsen? Du kommst mir grad so gross vor!“

Was hier die Woche über los war, weswegen Türen geknallt wurden und Tränen geflossen sind, bekommt er nicht mit.

Welche Bücher wir lesen, mit welchen Freunden sie sich treffen, über was wir vor dem Einschlafen so reden und was die Kinder bewegt-

er hat keine Ahnung!

Was in der Schule los war, für was für Arbeiten gelernt wurde, um was es im letzten Alptraum ging, der uns danach lange wachhielt-

er kann es nicht erahnen.

Manchmal wirkt er angespannt und gestresst, wenn er sie abholt, so wie heute, nachdem es eine Vollsperrung auf der Autobahn gab.

Dann denk ich:

Geniess es doch mal und mach nicht so einen Stress! Sie konnten dich nicht erwarten!

Er war lange zuverlässig, da hatten wir schon ganz andere Zeiten.

Ich war gerade in der Frühschicht, schaute kurz auf mein Handy. Eine Nachricht von ihm und eigentlich wusste ich, dass ich mich gleich ärgern werde.

Ich wusste, ich sollte es jetzt besser nicht lesen, weil mein Puls steigt.

“ Das eine Wochenende kann ich nicht.“

Immerhin bat er mir zwei Alternativen als Ersatz an und das allein ist schon ungewöhnlich. Das ist neu.

Immerhin. Nett eigentlich. Kann ja mal vorkommen“, ging mir durch den Kopf.

“ Und vom 1. bis 20. 8 bin ich nicht da!“

Aha. Er ist also nicht da.

Die Kinder aber sind da.

So einfach ist das also? Er ist nicht da.

Ja, und jetzt?

Was wäre, wenn ich ihm schreiben würde:

nächste Woche bin ich von Montag bis Freitag nicht da.

Sicher würde sein Puls auch steigen und sein Verantwortungsgefühl wäre alarmiert.

Sicher würde er NICHT schreiben:

Ich regel das. Bring mir die Jungs vorbei, ich finde eine Lösung. Ich nehme mir frei, oder Urlaub, damit ich die beiden betreuen kann. Ich bringe sie zuverlässig in Kindergarten, Schule, zum Sport und schmiere ihre Pausenbrote.

Sicher wäre er etwas irritiert nach so einer Nachricht von mir und würde schreiben:

Ja und jetzt? Was hat das mit mir zu tun? Wenn DU nicht da bist, musst DU ja auch eine Lösung finden!

Er ist nicht da. Einfach nicht da. Nicht da sein ist wohl so einfach wie es zu schreiben:

ICH BIN NICHT DA!

Natürlich bin ich jetzt am Zug. Ich stelle ihm sicher nicht die Kinder vor der Tür ab und denke:

Dein Problem!

Vielleicht mache ich das mal, wenn die Kinder älter sind. Dann traue ich mich das vielleicht.

Diskutieren? Zwecklos!

Auf den Putz hauen? Energieverschwendung.

Traurig und wütend sein, dass es so einfach ist? Oh ja.

Wer die Kinder betreut an meinem Arbeitswochenende, wenn die Kinder eigentlich bei ihm sind, ihm egal.

Denn:

er ist nicht da.

Für mich bedeutet das 6 Wochen am Stück Mama sein.

24/7 -twenty-four-seven

Puh! Ich hab Respekt davor.

Wenigstens sind Ferien und es gibt keine Hausaufgaben. Vielleicht wird es gut. Vielleicht machen wir uns einfach eine gute Zeit!

Schade für die Kinder. Es wird ihnen lang vorkommen.

Ich werde es auffangen ( müssen).

Schade für ihn, denn wenn er sie wiedersieht, werden sie ihm wieder ein ganzes Stück grösser vorkommen.

Netzwerk aufbauen- so wichtig, aber nicht ganz einfach

Nach der Trennung waren meine Jungs gerade mal 5 Jahre und 10 Monate alt.

Da ich aufgrund der Situation meinen Job verlor, war ich erstmal zu Hause.

Nach einigen Monaten hatte ich Vorstellungsgespräche und am Vormittag war ich ja flexibel.

Inzwischen war der Zwerg nämlich in der Krippe eingewöhnt und der Grosse sowieso im Kindergarten.

Eine Bekannte sagte mir damals mal, ihr Sohn habe sie gefragt, warum der Zwerg in der Krippe sei, denn ich würde doch nicht arbeiten.

Ich habe sehr wohl gearbeitet, nur eben nicht für Geld.

Vor allem mein Kopf hat viel gearbeitet, gerne auch nachts, wenn es kurz 2 h ruhig war, bevor ich wieder stillte.

Harz 4 war nicht meine Welt und ich war es nicht gewöhnt mit so wenig Geld haushalten zu müssen.

Ich hatte Existenzängste, sie fraßen mich fast auf.

Dass er ein paar Stunden am Tag in der Krippe betreut wird, von Erziehern, die ich vom 1. Sohn gut kannte, machte es um so viel leichter.

Ich konnte in Ruhe Unterlagen raussuchen, beim Jobcenter sitzen, mit Anwälten Termine ausmachen, weinen und auch eben zu Bewerbungsgesprächen gehen.

Recht schnell hatte ich verschiedene Probearbeiten ausgemacht und meinen ersten Arbeitsvertrag als alleinerziehende Krankenschwester.

In der Probezeit von 6 Monaten fehlte ich 4 Tage, weil mein Sohn eine Mittelohrentzündung hatte.

Ein andes Mal hatte er eine Bronchitis und ich bat den Vater, meinen Ex-mann, das Kind zu betreuen. Hinsichtlich meiner Probezeit war er einverstanden.

Die nächsten Jahre wurden und wurden nicht einfacher.

Er sagte einfach Mitte der Woche das Wochenende ab.

Das Wochenende, an dem die Jungs bei ihm waren, war schon damals immer mein Arbeitswochenende.

Oder er teilte mit, dass er 4 Wochen Urlaub in Thailand macht.

Oder er versprach, die Jungs in den Ferien zu betreuen und machte einen Rückzieher.

Es war eine Katastrophe, für mich ein Weltuntergang und ein Fass ohne Boden.

1, 2 Wochenenden sprang meine Mama ein, um das abzufangen und damit ich arbeiten konnte.

Bei der Arbeit war ich immer ehrlich und habe es kommuniziert.

Damals dachte ich, dass ich damit besser fahre, als mich krank zu melden und zu lügen. Das kann ich nämlich gar nicht gut.

Immer wieder führte es zu Problemen am Arbeitsplatz und diese Tatsache, daß Hin und Her machte mich zu dem perfekten Opfer.

Es machte mich klein, schwach und abhängig, denn das war ich.

Ich litt wie ein Hund. Aber ich zog es durch und irgendwie ging es vorbei.

Die Kinder sind jetzt älter und die Zeit spielt mir zu. Wir sind ein paar Level weiter.

Mein jetzt 10 jähriger Sohn liebt es ganz alleine daheim zu sein in den Ferien. Einfach nur den halben Tag Fern zu schauen und sich selbst Instant-Asia-Suppen zu machen.

Ich nehme seit 2 Jahren nicht mehr Urlaub, wenn er Ferien hat, sondern nur in der Zeit, wenn beide Ferien haben.

Mein Kindergartenkind hat zum Glück nicht so viele Ferien, die es zum Kompensieren gilt.

Beide lasse ich erst seit Corona alleine zu Hause, wenn ich mal einkaufen gehe, oder zur Physio.

Das klappt gut und telefonisch bin ich immer erreichbar.

Da bin ich sehr stolz auf meinem grossen Sohn, er ist eine große Stütze und so ein verantwortungsvoller Kerl.

Bei Erste Hilfe Kursen, die als Krankenschwester nun mal Pflicht sind und meist am Nachmittag stattfinden, habe ich sie einfach mitgenommen.

Ebenso bei Brandschutzfortbildungen und sie haben so viel Wichtiges gelernt. Es war unangenehm und auch etwas stressig, aber ich hatte keine Wahl.

Wir haben immer ein Abenteuer daraus gemacht, sind dann zum Beispiel im Dunkeln mit Taschenlampen zum Auto gelaufen und haben uns gegruselt.

Ihnen wurden Süßigkeiten zugesteckt, sie durften an mir Kopfverbände üben, oder waren fasziniert vom Defibrillator.

In den Ferien waren sie oft mit im Seniorenheim. So hatten alle was davon.

Mein Arbeitgeber meine Arbeitskraft, weil ich nicht Urlaub nehmen musste. Und ich fand es schön die Kinder um mich zu haben beim Arbeiten und dass sie mich in Aktion erleben konnten.

Sie haben fürs Leben gelernt und alle kannten meine Situation. Dass ich eben Alleinerziehend bin und keinen habe, der die Kinder betreut.

Seit einem Jahr etwa ( Danke Corona) fliegen mir Engel zu.

Jemand da oben meint es gut mit mir, meine Stossgebete wurden erhört.

Als mein Exmann dieses Jahr im Kreißsaal war und seinen 3. Sohn bekam, konnten meine Jungs bei meiner Cousine übernachten. Für den Zwerg war es eine Premiere.

Er hatte noch nie bei jemanden übernachtet, ausser Papa, Oma, oder eben wo anders, aber mit mir.

Ich traute es beiden zu, sie waren ganz aufgeregt und es klappte super.

Dann hatte ich wieder 1. Hilfe Fortbildung, diesmal mit Corona und die Kinder konnten nicht mit.

Da war diese tolle Mama eines Schulfreundes, bei dem er ein und aus geht und sich heimisch fühlt.

Sie hat selber 2 Jungs und war früher Tagesmutter.

Sie wanderten mit Walkie Talkies, fütterten ihre Ziegen und aßen am Abend Waffeln.

Abends bekam ich sie heimgebracht und hatte sogar noch Zeit für mich.

Als es mit dem Testen im Kindergarten losging, konnte ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden und ich habe hin und her überlegt, wie ich dem entgehen kann.

Ich fragte genau diese Mama, ob sie meine Jungs an dem Tag betreuen kann. Es war nur dieser eine Arbeitstag, der abgedeckt werden musste.

Danach waren sie bei Papa, dann waren 2 Wochen Ferien. Und wer weiss, was dann wieder war!

Sie hatte an dem Tag frei und sagte sofort zu. „Gar kein Problem!“

Geregelt haben wir es folgendermaßen: ich verließ morgens das Haus wie immer. Die Kinder waren bereits wach. Sie hatten die Aufgabe sich anzuziehen, zu waschen und Zähne zu putzen, durften dann TV schauen.

Punkt 9 Uhr holte die andere Mama sie von uns zu Hause ab und erzählte mir später, dass beide bereits gestriegelt und fröhlich vor der Tür draußen warteten.

Es klappte super und ich kann mich auf sie verlassen!

Der Vorteil ist, daß sie sich gegenseitig haben.

Der Nachteil ist, dass es schwieriger ist, zwei wilde Kerle unterzubringen, als einen, wenn der Notfall eintritt.

Dann kam eins zum anderen.

Meine gute Freundin bot mir an, jederzeit alles stehen und liegen zu lassen, sollte er mich hängen lassen. Die Jungs seien bei ihr immer willkommen.

Mit Jungs kennt sie sich gut aus, denn sie hat selber zwei und ist ne tolle Mama.

Ich vertraue ihr zu 100% und es ist ein schönes Gefühl zu wissen, sie würde mich nicht hängen lassen.

Im Kindergarten meines Sohnes war plötzlich dieses neue Kind, von dem er mir erzählte.

Zufällig trafen wir ihn inklusive Mama auf dem Spielplatz und nachdem mein Kind schrie:

„Schau mal Mama, das ist der neue Junge im Kindi“, kamen beide rüber und stellten sich vor.

Ich war begeistert von der offenen Art, dem freundlichen Lächeln und diese Mama waren mir sofort sympathisch.

Es blieb beim small talk und sie ging mir nicht aus dem Kopf. Ich wollte so gern mehr über sie wissen, erinnerte mich aber nur an den Vornamen.

Zwei Tage später trafen wir uns wieder dort, zufällig. Dann viele Tage am Stück, nicht mehr zufällig.

Wir hatten so viele Gemeinsamkeiten und uns so viel zu erzählen!

Sie war auch alleine mit ihrem Sohn, hatte auch Haus und Ehemann hinter sich gelassen und kämpfte.

Wir haben gepicknickt, gegrillt, waren baden, machen Ausflüge zusammen. Es ist schön!

Wir können uns austauschen und gegenseitig unterstützen.

Von meinen Freundinnen ist keine alleinerziehend und es ist ein grosser Unterschied!

Ich möchte sie nicht missen! Wir wohnen ganz nah beieinander, klingeln spontan und fragen, ob sie mit uns einen Regenspaziergang machen.

Sie kocht Marmelade und denkt dabei auch an uns.

Beim grossen Sohn kam mit einigen Schwierigkeiten auch dieser neue Junge in die 4. Klasse dazu.

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=2748540662104175&id=100008448046269

Seine Mama ist so lieb, wir haben regen Kontakt und tauschen uns aus. Auch sie hat zwei Jungs und war bis vor kurzem Tagesmutter.

Jetzt gerade nimmt sie sich eine Auszeit. Im Notfall würde auch sie mir immer helfen und die Kinder betreuen.

Sie ist sehr liebevoll, herzlich und ihre Schwägerin, die mit im Haus gewohnt hat, war auch lange alleinerziehend. Damit kennt sie sich gut aus!

Plötzlich gibt es so viele Möglichkeiten und trotzdem halte ich immer noch die Luft an, wenn mein Ex-Mann ein Wochenende absagt.

Dann atme ich tief durch, lächle und weiss, ich werde eine GUTE Lösung finden.

Ich bin frei, ich bin unabhängig. Er kann mir nichts mehr! Ich bin in Sicherheit. Umgeben von Wohlgesonnenheit und Liebe!

Danke Universum!

* Karma, ich glaub an dich!

HSP- Hochsensibilität in meinem Leben

Ja, ja, inzwischen denkt ja fast jeder, dass er ein HSP- ler (Highly Sensitive Person) ist und es ist totaaaaal „in“, sich als solcher zu bezeichnen.

So selten ist es allerdings gar nicht und es wird ja auch unterschieden zwischen:

30% niedrig sensibel

40% mittel sensibel

30% hoch sensibel

Wo genau ich reinpasse, es ist mir egal.

Schon sehr früh zeichnete sich bei mir ab, dass ich „anders“ bin.

Oft fühlte ich mich nicht dazugehörig und je mehr Menschen um mich waren, desto mehr sehnte ich mich nach Ruhe.

Je lauter sie waren, desto leiser wurde ich und versank in meinen eigenen Gedanken.

Das Gefühl sich alleine zu fühlen, obwohl viele um einen herum sind, das hatte ich sehr oft.

Heute weiss ich, dass es oft daran lag, dass es nicht MEINE Leute waren und ich mich deshalb so fühlte.

Schon ganz früh wusste ich, dass ich Krankenschwester werden will. Nichts anderes kam in Frage.

Ich erinnere mich noch gut an meine erste Station nach der Ausbildung.

Ich hatte vor meinem Spätdienst so ein GEFÜHL.

Ich kam zur Übergabe und fragte direkt: „Ist heute vielleicht jemand verstorben?“

Es gab keinerlei Hinweise dafür, wir hatten zu der Zeit niemanden unter den Patienten, der im Sterben lag.

Meine Kollegin schaute mich erschrocken an und sagte:

„Ja, tatsächlich. Vor einer halben Stunde ist Fr. X gestorben.“

Woher ich das wusste? Ich wusste es nicht, ich konnte es nicht wissen.

Ich habe nur so ein Gefühl gehabt und dass ich in dem Moment diese Frage stellte, überraschte mich selber am meisten. Es war nicht so, dass ich mit dem Gedanken bereits zur Schicht kam an diesem Tag.

Hochsensibilität nervt manchmal ganz schön!

Zum Beispiel, wenn man immer weinen muss. Weil man gerührt ist von einem Film, einem Buch, einem kleinen Ausschnitt, Trailer, einem Lied mit treffendem Text…Gänsehaut.

Gestern zum Beispiel habe ich ein Video von einer Zwillingsgeburt gesehen. Die Eltern waren im Kreißsaal und bekamen ihre viel zu früh geborenen toten Zwillinge in den Arm gelegt.

Sie wurden tagelang in ihrer Trauer begleitet, die Schwester durfte sie kennenlernen, küssen und halten.

Die Omas kamen zum Halten, Kennenlernen und gleichzeitigen Verabschieden.

Ich habe so sehr geweint. Sowas macht mich so derart fertig, weil ich es FÜHLE, obwohl es mit mir und meinem Leben rein gar nichts zu tun hat.

Mich beschäftigen oft Situationen, die eigentlich total belanglos sind noch ewig lang.

Ich denke darüber nach, wer was gesagt hat, in welchem Ton, wie mein Gegenüber mich dabei angeschaut hat.

Ich weiss genau, ob jemand es gut mit mir meint, oder nur so tut.

Spüre ich im Gespräch, dass wir gar nicht einer Meinung sind, nicht die gleiche Empfindung haben, er mich belächelt, nicht ernst nimmt usw, auch ohne es zu sagen, ziehe ich mich sofort innerlich in mein Schneckenhaus zurück.

Ich fühle mich unwohl und Unsicherheit macht sich breit. Es liegt auch nicht daran, dass wir vielleicht verschiedene Ansichten haben, das halte ich gut aus. Es ist einfach ein Gefühl.

Ewig dachte ich, dass ich extrovertiert bin. Heute weiss ich, das ist nicht wahr. Ich bin gern mit mir allein. Ich habe gern Ruhe. Ich habe nicht das Bedürftnis mich ständig mit jemanden zu treffen, nur um nicht alleine zu sein.

Inzwischen weiss ich, dass das schlimmste Gefühl für mich ist, wenn viele Menschen um mich sind und es aber nicht MEINE Leute sind. Einsamer habe ich mich noch nie gefühlt.

Mein Bauchgefühl ist sehr stark, meldet sich sehr schnell und zuverlässig. Das hat nichts damit zu tun, dass ich immer darauf gehört habe. Hätte ich bloss! Dann wäre mir einiges erspart geblieben.

Ich verbringe meine Zeit am liebsten mit nur einer Person! Dann aber dafür mit tiefen Gesprächen. Kein smalltalk, darin bin ich schlecht und habe auch kein Interesse daran.

Ich wähle sehr weise aus, wen ich in mein Leben lasse. Qualität vor Quantität. Es sind immer Menschen auf einer Mission, mit denen ich meine Freizeit verbringe.

Die Missionen können sich unterscheiden und müssen nicht direkt mit meinen identisch sein, jedoch kreuzen sich unsere Wege irgendwo.

Die Spuren, die wir hinterlassen wollen, die Welt, wie wir sie verändern wollen, ist die gleiche.

Wenn ich jemanden neu kennenlerne, weiss ich innerhalb von Minuten, ob wir auf der gleichen „Sequenz“ senden und finde es dann spannend herauszufinden, warum und wieso diese Person in mein Leben trat.

„Ach, sieh an! Interessant!“

Dass meine Jungs auch jeder eine Handvoll davon abbekommen haben, ist für mich selbsterklärend.

Schon in der Vorschule erzählte mir die damalige Erzieherin meines grossen Sohnes, jetzt 10, dass er sofort spüre, wie sie so drauf sei und ob es ihr gut oder schlecht geht.

Wenn sie selber nicht ganz bei der Sache sei, klappe es bei ihm mit dem Falten zum Beispiel auch nicht so gut wie sonst immer.

Er ist sehr schmerzempfindlich und ein Denker. Er will abends noch viel reden beim ins Bett bringen und ich erkenne meine komplizierten Gedankengänge in ihm. Er achtet auch auf alles Drumherum, was er wahrgenommen hat, was für andere gar nicht ersichtlich war.

Schon als Kleinkind im Alter von etwa 5 sagte er einmal:

„Weisst du Mama, manchmal denke ich, ich bin verwandelt oder so. Vielleicht so wie der Weihnachtsmann. Der kann ja auch durch Wände sehen und Gedanken lesen!“

Mein Sohn, ich verstehe dich!

Wenn er vom Papa-Wochende zurückkommt, bemerkt er die kleinste Veränderung sofort. Ob ich neue Deko gekauft habe, eine Kleinigkeit umgestellt, oder was auch immer.

Der Kleine, jetzt 6, ist sehr mit Tieren verbunden, wir nennen ihn deshalb Yakari. Es ist Wahnsinn, wie Tiere auf ihn reagieren und was er so mit ihnen schafft.

Er ist empfindlich mit der Kleidung. Alles ist „zu eeeeeng“, kratzt, fühlt sich komisch an. Es ist eine Herausforderung bis er angezogen ist und kann dauern.

Er zieht keine Hosen mit Knöpfen an, keine Rollkragenpullis und aus allem muss das Etikett rausgeschnitten werden, weil es kratzt.

Er ist der, der sich an seinem Kindergeburtstag die Ohren zuhält und weint, weil es ihm viel zu laut ist, wie die Kinder gerade herumschreien vor Freude.

An die NEXT

Es ist mal wieder Papa-Wochenende und ich atme durch.

Ab und zu fällt es mir schwer meine Jungs herzugeben.

Manchmal, weil genau dann Badewetter ist und ich so viele Ideen für Unternehmungen in der Natur hätte.

Manchmal, weil die Kinder so zuckersüß sind und ich nicht auf sie verzichten will.

Manchmal aber auch, weil das schlechte Gewissen sich meldet, wenn die Tage zu lang waren, ich zu laut und ungeduldig. Der Stress mit den Schulaufgaben, dem Auswendiglernen, Vorbereiten.

Dann- endlich Wochenende und wir könnten es uns gemütlich machen.

Aber es ist Papa-Wochenende und ich habe nächste Woche wieder neue Chancen auf tolle Momente und viel Kuscheln.

Mein kleiner Sohn ist 6 geworden und so klein ist er jetzt gar nicht mehr stelle ich fest.

Alle 14 Tage teile ich meine, unsere Jungs auch mit dir.

Dann machst du ihnen Essen, erinnerst du sie ans Zähne putzen und daran, dass es Zeit fürs Bett wird.

Ich kann von Glück reden, denn sie mögen dich sehr.

Mein Sohn sagte von Anfang an, dass wir uns sehr ähnlich seien und ich bin mir sogar sicher, dass wir Vieles gemeinsam haben.

Ich habe dich noch nie gesehen, noch nie ein Wort mit dir gewechselt. Es gibt auch nichts zu besprechen. Du hältst dich im Hintergrund und manchmal wüsste ich gerne, was du über mich so denkst?!

Immer, wenn die Jungs abgeholt werden, warte ich auf die erlösende Nachricht, dass sie gut angekommen sind, damit ich mein Wochenende starten kann.

Diesmal kommt keine Nachricht, nur ein Foto.

Die Kinder sitzen mit deinem Kind am gedeckten Tisch. Mein kleines, grosses Geburtstagskind lächelt stolz in die Kamera. Auf dem Kopf hat er eine bunte Krone mit einer dicken, schwarzen 6 darauf.

Es gibt Torte und passende Servietten. Auf dem Tisch ist ein grosses Geschenk, liebevoll verpackt. Das warst ganz bestimmt auch du.

Du musst das alles nicht machen denke ich mir.

Ich habe dich noch nie gesehen, aber ich sehe so viel von dir. Du hinterlässt deine Spuren und für mich bist du nicht unsichtbar.

Danke!

Ps: Bitte bleib!

Ps: …und wenn nicht, vielleicht können wir dann Freundinnen sein und was Grosses starten?!?

Mein Herz weint

Gestern wurde mein Sohn 6 Jahre alt und heute wollten wir diese wilde Gartenparty feiern.

Er hatte 4 seiner Kindergartenkinder eingeladen und als ich ihn mittags abholte, war die Laune gut.

Sein Fach war voller Bilder von verschiedenen Kindern für ihn gemalt. Und Papierfliegern, von den Jungs.

Einer der späteren Gäste lächelte mich an und flüsterte: „Ich freu mich schon!“

Als es klingelte und endlich alle da waren, wurde Musik angemacht und wir haben alle im Wohnzimmer getanzt.

Fliegerlied, Macarena, Spongeboblieder, Jenny Depp (depp, depp)…für jeden was dabei. Alle waren ausgelassen, tanzten auf der Couch, auf dem Tisch oder auf dem Boden, das war super.

Es ist soooo herrlich leicht mit 6 jährigen Kindern zu tanzen, weil es ihnen einfach nur Freude bereitet und keiner darauf achtet, wie der andere tanzt.

Jeder ist mit sich selber beschäftigt und findet nichts „komisch“.

Da es widererwartend nicht regnete, verbrachten wir die meiste Zeit im Garten.

Trampolin, Hühner einfangen, rutschen, Wasserschlacht, Kirschen vom Baum pflücken uns essen, mit dem Hund der Nachbarin Tricks üben und Leckerlis geben.

Es gab Streit, es war laut, es gab Tränen und auch ein bisschen Blut.

Der Erste wollte lieber drinnen spielen, der 2. wollte die Musik viiiiiel lauter stellen, obwohl zwei andere sich schon die Ohren zuhielten.

Das 3. Kind setzte sich zu mir auf den Boden und bat mich, dass wir spazieren gehen.

Ich war etwas überrascht, denn meine Kinder sagen immer nur: „Nicht schon wiiiiieder spazieren gehen!“

Ich hakte nach, nachdem er es noch einmal wiederholte.

„Bitte, bitte, können wir ein bisschen in den Weinbergen spazieren gehen?“

Er senkte seinen Kopf und sagte, dass er noch nie spazieren gewesen sei.

“ Ich will spazieren gehen, weil ich mach das mit meiner Mama und meinem Papa nie.“

Heute haben wir es nicht geschafft. Aber ich habe mir fest vorgenommen, dass wir ihn zu unserem nächsten Spaziergang einladen werden.

Montag ist mein Lieblingstag

Heute ist Montag und somit mein Lieblingstag!

Da ich oft auch am Wochenende arbeite, habe ich montags oft frei. So wie heute.

Eine Woche voller Normalität liegt hinter uns.

Mein Kindergartenkind ist endlich wieder mit allen anderen Kindern dort, darf wieder weben, seine Schultüte planen und gestalten.

Mein Schulkind darf wieder in der Mensa essen, hat wieder Sport und Mittagsschule.

Ein weiteres Lernpaket hätte unsere Mutter- Kind- Beziehung nicht gut verkraftet.

Ohne dieses „homeschooling“ hatten wir eigentlich eine ziemlich gute Zeit, also in den Ferien.

Zu der Zeit war der Montag nicht unser Lieblingstag, denn montags wurden die Lernpakete abgeholt.

Er war von der Menge erschlagen, unmotiviert und hatte keine Motivation überhaupt zu beginnen.

Es war eine sehr anstrengende Zeit und wir beide haben viele Nerven verloren.

Immer dieser Zwiespalt:

Lass ich es ihm durchgehen und Neune gerade sein?

Oder kann ich erwarten, dass er „dieses Bisschen“ abarbeitet, wo er doch den ganzen Tag Zeit hat und nichts anderes ansteht?

Gerne hätte ich zwei Kleinkinder gehabt, mit denen ich einfach gleich morgens raus kann, einen Ausflug machen, Picknick im Freien, ohne diesen Druck im Hinterkopf.

Die letzte Woche hat mir gezeigt, wie sehr mein Schulkind darunter „gelitten“ hat, auch wenn es ihm auf den ersten Blick an nichts fehlte.

Die Freunde waren ihm das Wichtigste und die, die er sehen wollte, traf er häufig.

Was ich jedoch jetzt bemerke?

Mein Kind ist wieder so, wie ich ihn vor dieser Zeit in Erinnerung habe.

Er kommt gut gelaunt und ausgeglichen nach Hause. Er hat so viel zu erzählen und wir sind wieder mehr im Kontakt, reden viel mehr miteinander als die letzten Wochen.

Wir streiten nicht mehr, es gibt nur noch wenig Gründe.

Es ist Schule, bis abends sind wir draußen, oder im Freibad.

Es gibt Tage ohne Tablet oder Fernsehen und keinen stört es. Die ewigen Diskussionen ab morgens haben aufgehört.

Die Prioritäten sind wieder andere und es gibt wieder so viel zu tun! Die Tage sind gefüllt und die Sonne scheint.

Er setzt sich nach der Schule ganz selbstverständlich an seinen Schreibtisch, erledigt selbstständig und singend seine Hausaufgaben.

Er gibt Gas, weil er fertig werden will. Ich muss nicht motivieren und er braucht mich nicht. Ich höre dann irgendwann nur: „Fertig!“

So kenne ich ihn! So war unser Alltag vor Corona.

Heute habe ich frei.

Ich liege auf meinem Balkon in der Sonne, habe bereits eingekauft uns geniesse jetzt.

Ich habe frei und bin alleine!

Alleine beim Autofahren, beim Einkaufen, beim Ausräumen und beim Hausarbeit erledigen.

Meine freien Tage und unser Alltag haben mir so sehr gefehlt.

Endlich wieder Durchatmen.

Dinge von A-Z erledigen, ohne für eine Mahlzeit sorgen zu müssen, Duschen ohne Publikum und ohne reden zu müssen. 

Ruhe. Stille. Auch in meinem Kopf.

Ich kehre auch immer mehr zurück zu mir.

Ich will nicht alles zurück.

Gewisse Dinge werde ich anders handhaben.

Ich bin glücklich.

Psychische Gesundheit der Kinder

Ich arbeite mit psychisch beeinträchtigten Menschen ab 18 Jahren und was ich in ihren Akten manchmal lese, lässt mich erstarren.

Mein Hauptaugenmerk liegt demnach immer auf der Komponente, nichts ist wichtiger als psychische Gesundheit finde ich.

Besonders in dieser Zeit höre und lese ich immer mehr von Kindern, die die Coronazeit nicht gut packen.

Freundinnen und Bekannte erzählen mir von weinenden Kindern, Verzweiflung, Angst.

Davon, dass Kinder viele Alpträume haben, oft zu den Eltern ins Bett kommen und auch davon, dass sie wieder beginnen einzunässen.

Mein Kollege hat einen 1 jährigen Sohn. Dieser kennt nur Familienangehörige und kommt eigentlich nie mit Gleichaltrigen in Kontakt: in der Familie ist er das einzige Kleinkind, auf dem Spielplatz kommt man in dem Alter noch nicht wirklich miteinander in Kontakt und Kita, Treffen, Gruppen finden nicht statt.

Er zeigte mir ein Foto von seinem strahlenden Sohn beim Shopping im Baumarkt. Er sitzt in einem dieser Einkaufswägen in Form eines Autos mit Sitz, Lenkrad und Hupe.

„Das ist unser Highlight der Woche, es ist wie im Freizeitpark für ihn!“

Ich bin Mama und was könnte mir wichtiger sein, als dass es meinen Jungs gut geht.

Jeder unterstützt dies auf seine Art. Individuell.

Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich hier keine Auffälligkeiten wahrnehme.

Ich habe keine Angst vor dem Leben.

Ich habe auch keine Angst vor dem Tod.

Aber bevor ich sterbe, lasst mich leben!

Unsere Lebenslust hat nie pausiert. Sie war mal grösser und mal kleiner, mal war sie präsenter und mal eher im Hintergrund. Aber sie war immer da! Das kann uns keiner nehmen.

Wir sind immer in der Natur, das hilft!

Tief durchatmen- das hilft mir.

Stöcke, Steine, Sand und Wasser hilft meinen Jungs.

Manchmal bevorzugen wir die Ruhe,  machen unser eigenes Ding und wollen unter uns sein.

Oft aber zieht es uns zu anderen Menschen, unseren Freunden.

Dann treffen wir uns auf dem Spielplatz, im Wald oder wo auch immer. Wir machen Picknicks, laden Gäste ein, machen Spontanbesuche, grillen zusammen und uns tut das gut.

Mein Grosser ist 10 Jahre alt.

Ja, er vermisst das Schwimmbad, den Indoorspielplatz und das Legoland.

Aber er ist glücklich behaupte ich.

Er kann nicht zur Schule, hat also keine Mittagsschule und nicht mehr 3× wöchentlich Training. Er hat Zeit sich mit seinen Freunden zu verabreden. Und die haben endlich  auch alle Zeit. Sie fahren Fahrrad, quatschen, ziehen alleine los, oder hüpfen im Trampolin.

Ihm fehlt nichts würde er sagen. Man kann ihm alles nehmen. Solange er seine Freunde hat, ist er glücklich.

Die neue Selbstständigkeit tut ihm gut merke ich. Wenn wir uns abends treffen, er seinen Helm abnimmt und sich durch sein verschwitztes Haar fährt, hat er so viel zu erzählen und strahlt.

Mein anderer Sohn ist 5, fast 6.

Er zieht noch nicht alleine los. Also verbringen wir viel Zeit zusammen.  Und viele Stunden auf Spielplätzen.

Kinder brauchen Kinder und Kinder müssen spielen finde ich.

Er ist auch durch die Pandemie nicht müde geworden, hat noch jede Menge Flausen im Kopf und verrückte Ideen.

Er ist extrem selbstbewusst geworden und steht so gut für sich ein, das fällt mir positiv auf. Er braucht mehr Ruhe als sein Bruder, dann aber braucht er wieder dieses Wilde: Matschberge erklimmen, Löcher graben, sich von einem Berg runterkullern zu lassen.

Auch er ist glücklich behaupte ich.

Wir alle finden Corona und diese Zeit trotzdem mehr als doof und das dürfen wir auch! Wir hören nur nicht auf zu leben!

Ich habe keine Angst, weil ich schon so oft im Leben Glück hatte. So oft hatte ich schon Angst und es ist gar nichts passiert.

Ich glaube fest daran, dass es bestimmt ist, wann es mich erwischt und dass ich rein gar nichts dagegen tun kann.

Ich kann aufhören, über diese stark befahrene Strasse zu gehen. Dann verunglücke ich eben bei einem Autounfall. Es wird auf anderem Weg zu mir kommen.

Deshalb gehe ich voll ins Vertrauen, dass schon alles gut gehen wird. Oder eben nicht, aber dass ich dann so gar nichts dagegen tun konnte.

Was mache ich, wenn die Kinder groß sind?

Vor ein paar Tagen hatte ich eine Auseinandersetzung mit meinem 10 jährigen Sohn.

Ich wollte ALLEINE sein, um mit meiner Freundin zu telefonieren, der es nicht gut ging.

Immer wieder kam eins der Kinder rein, wollte mithören, etwas fragen, oder genau in DIESEM Zimmer spielen.

Ich war ausser mir und kommunizierte das auch lautstark.

Das Telefonieren ist oft Thema gewesen und auch mit 10 und 5 Jahren habe ich immer noch das Gefühl, dass jede Diskussion umsonst war.

Es nervt mich so sehr in Anwesenheit meiner Kinder zu telefonieren, weil es einfach nicht klappt. Zumindest nicht, wenn es über zehn Minuten hinausgeht.

Was war zuerst da? Die Telefonabneigung an sich, oder die Telefonabneigung, weil ich immer unterbrochen werde?

Mein Sohn war empört, dass ich so deswegen schimpfte. Er fand, ich hab alles und kann doch alles machen, was ich will.

Ich bat ihn sich zu mir in die Küche zu setzen und fing an zu erzählen, was ich alles gern machen will, aber nicht kann.

Wenn meine Kinder gross sind, will ich Kinderbücher schreiben. Vielleicht was mit Superhelden, denn damit kenne ich mich inzwischen gut aus.

Wenn Sie gross sind, will ich alleine ans Meer. Mich langweilen, was für ein schöner Gedanke!

Ich werde in der Sonne brutzeln, mir einen Sonnenbrand einfangen und die Augen stundenlang nicht öffnen.

Ich will Städte erkunden und ganz viel laufen. Ohne jemanden hinter mir herzuziehen und überreden müssen, mit mir zu gehen.

Ich werde in ein Schweigekloster gehen und mir die ganze Stille zurückholen, die ich all die Jahre nicht hatte.

Der Gedanke daran, dass mich niemand etwas fragt und ich keine Fragen beantworten muss, ist Musik in meinen Ohren.

Ich will einmal den Jakobsweg gehen und ganz viel in mich.

Ich will Wandertagebuch schreiben und alle meine Gedanken festhalten.

Ich will Vögel zwitschern hören, grüne Wiesen sehen, Schmetterlinge beobachten. Und Stille. Einfach Stille.

Ich will auf der Couch sitzen, vielleicht sogar liegen. Ohne, dass jemand auf mir rumhüpft, mit unter meine Decke will, oder etwas sucht, bei dem ich helfen muss.

Ich will Seminare besuchen zu allen Themen, die mich interessieren. Mich einfach anmelden können, unabhängig von dem Wochentag oder der Uhrzeit, weil ich nicht auf Betreuung angewiesen sein werde.

Ich spürte, wie meine Augen anfingen zu leuchten, als ich all das meinem Sohn anvertraute.

Er zog die Augenbrauen hoch.

Ich sagte: “ DAS alles will ich mal machen. Das alles ist in mir drin. Danach sehne ich mich.

Aber jetzt seid ihr noch klein und braucht mich. Ich habe mir mein Leben nie ohne Kinder vorstellen können und ich danke Gott dafür, dass ihr mich als eure Mama ausgewählt habt.

Ich WILL jetzt für euch da sein, ich liebe es Mama zu sein und stecke jetzt gern dafür zurück. Meine Zeit wird kommen. Der Tag wird kommen, da seid ihr Erwachsen und braucht mich nicht mehr immer um euch.

Dann freue ich mich auf alles was kommt. Ihr steht mir bei all dem nicht im Weg. JETZT bin ich Mama. „

Ein bisschen Stille dann und wann wäre trotzdem schön.

Und wenn ich sie dann irgendwann habe, wird es mir sicher schnell zu viel, weil ich es gar nicht kenne.

Ich werde an meine wilden kleinen Jungs zurückdenken, die mich oft fast meinen Verstand gekostet haben, aber dass ich die wilde Zeit, das Hüpfen auf mir, das Rennen in der Wohnung, die Stöcke im Auto, den Sand im Flur, die Grasflecken, die blauen Flecken und die Löcher in den Schuhen wirklich genossen habe.

Ich werde still sein, meine Augen schließen und schmunzeln, weil so viele schöner Erinnerungen in Bildern vor meinem geistigen Auge erscheinen werden.

Familienkonferenz

Nach dem Essen war es bei uns wieder der Fall.

Familienkonferenzen sind häufiger geworden in den letzten Monaten und mein Grosser sagt schon „Oh, oh“, sobald ich es ausspreche.

Heute hatte ich einfach nur das Bedürftnis mich bei meinen Jungs zu entschuldigen.

Dass ich dabei so sentimental werde und dass da dieser Kloß in meinem Hals ist, das war nicht geplant.

Ich wollte mich dafür entschuldigen, dass ich in letzter Zeit oft nicht die Mama sein kann, die ich gerne sein will.

Ich sagte ihnen, dass es nicht an ihnen liegt. Dass sie tolle Kinder sind, die besten, die ich mir vorstellen kann und dass ich sie über alles liebe.

Ich erklärte ihnen, dass ich an so Vieles denken muss, mich um so viel kümmern muss und versuche, individuelle Lösungen zum Thema Testpflicht in Schule und Kindergarten zu finden, so, dass es für uns alle gut ist.

Dass ich solange es irgendwie geht nach einem Ausweichplan suche und alles dafür gebe, sie bei ihrem Wunsch, nicht getestet zu werden, unterstütze.

Dass es mir leid tut, dass ich oft ungeduldig bin, schnell laut werde und meine Grenzen schneller erreicht sind wie früher.

Dass mir die Zeit alleine fehlt, zum Nachdenken, Organisieren und Planen. Dass sie früher davon nichts mitbekommen haben, weil ich das alles gemacht hab, bevor sie mittags zu Hause waren.

Ich habe ihnen gesagt, dass Teamarbeit mir noch nie so wichtig war wie in dieser Zeit. Dass es mir im Herzen wehtut, dass sie so viel streiten und sich gegenseitig weh tun.

Dass sie mich unterstützen können, indem sie nicht morgens 7 Uhr schon wütend Türen hinter sich zuschlagen.

Heute war ich sauer auf meinen Grossen.

Mit einer Freundin und deren Kindern trafen wir uns auf dem Spielplatz. Lange ging es gut, bis wir immer wieder unterbrochen wurden: Nachfragen, Dazwischenquatschen, Diskussionen über Tabletzeiten usw.

Es war unpassend. Ich war sauer.

Daheim erklärte ich ihm, dass andere Mamas meistens ja noch den Papa zum Reden haben. Sich mit diesem austauschen können. Sich gegenseitig bestärken und unterstützen können.

Da es bei uns nicht der Fall ist und ich der einzige Erwachsene bei uns bin, muss ich alles alleine mit mir ausmachen.

Wenn ich mit anderen Erwachsenen reden will, muss ich telefonieren, oder mich mit diesen verabreden.

Dass mir das dann sehr wichtig ist und ich kein Verständnis dafür habe, wenn ich ständig unterbrochen werde. Dass ich nicht akzeptiere, wenn er mit dabei sitzt und sich in die Gespräche mit einmischt.

Dass ich es liebe, Zeit mit ihnen zu verbringen.

Aber es mir manchmal einfach viel zu viel ist.

Ich denke, dass meine Message ankam.

Ps:

Mobbing und in Schubladen stecken

Vor einigen Wochen hatte ich dazu ein Paradebeispiel.

Das Leben hat mir wieder mal so schön gezeigt, wie einfach es ist, Menschen, die man nicht kennt zu verurteilen.

Wie falsch man so Manches deutet und einfach keine Ahnung hat.

Hier die Vorgeschichte:

Bei meinem Sohn in der 4. Klasse sind seit letztem Jahr zwei neue Jungs.

Wir waren noch in Mutter- Kind- Kur und mein Sohn verpasste die erste Woche des Schuljahres.

Ihm wurde gleich von Mitschülern berichtet, dass es Probleme gäbe. Er kam nach dem ersten Tag nach Hause und seine Begeisterung hielt sich in Grenzen.

Ich fragte nach den Namen der neuen Kinder und er sagte sowas wie: „Der eine keine Ahnung, komischer Name, konnt ich mir nicht merken. Der andere heisst Bugs Bunny.“

Ich fragte nach dem Hintergrund dieses Namens und er meinte, er heisst wohl mit Nachnamen „Bugs“ und deshalb eben Bugs Bunny.

Immer wieder erzählte er daheim von Kämpfen, Streit, Schlägereien.

Der Neue nerve total, weil er nur vom Zocken rede und von Ballerspielen.

Er mache irgendeinen Kampfsport und drohe damit auch mit seiner Körperhaltung. Er täusche immer an, gleich einen Kampf zu eröffnen.

Es sei sehr unruhig in der Klasse und man könne kaum was lernen, weil sich die Hälfte der Zeit alles nur um Streitschlichtereien dreht.

In den Pausen wollen sie deshalb nicht, dass er mitspielt. Die Lehrer reagieren verschieden. Ein Lehrer sage, daß sei o.k, dann sollen sie ihn aber in Ruhe lassen.

Ein anderer Lehrer „zwinge“ sie dazu, ihn mitspielen zu lassen. Das sei „voll doof“, weil es mit ihm keinen Spass mache.

Und immer wieder Bugs Bunny. Immer noch wusste er nicht, wie sein richtiger Name war.

Im ersten Elternabend konfrontierte ich die Lehrerin damit, was mir berichtet wurde vom Kind. Fragte nach, ob das alles noch im Rahmen sei, oder man etwas tun müsse.

Sie erklärte, dass die zwei Neuen noch nicht ganz Anschluss finden, aber sie sei da ganz optimistisch. Es sei etwas unruhig, ja.

Dass jemand „gemobbt“ werde, oder sowas in der Art, das könne sie nicht sagen.

Ich dachte laut und sagte:

„Naja, wo fängt es an, wo hört es auf!?!“ Wies darauf hin, dass alle den Neuen wohl nur unter „Bugs Bunny“ kennen und auch so nennen.

Der Vater dieses Kindes saß vor mir und ich konnte nur dessen Rücken sehen. Null Reaktion. Fand ich komisch. Es ging doch um sein Kind!

Eine andere Mama sagte, dass man ja mit den eigenen Kindern nochmal reden könne und das Thema ansprechen. Es läge ja auch an uns selber und was wir daheim kommunizieren. Also gut!

Die Schauergeschichten wurden auch nach Monaten nicht weniger.

Aggressionen. Unruhe.

Beim Infoabend zum Thema weiterführende Schule war da diese eine Mama. Die einzige, die ich nicht kannte, also ordnete ich sie diesem Kind zu.

Sie war sehr ungepflegt, suchte keinen Blickkontakt, wirkte arrogant, oder auch desinteressiert und zündete sich die Zigarette an, sobald sie draußen war. Sie verabschiedete sich nicht und ich dachte nur:

„Na das passt ja!“

Ich holte mir Rat beim Elternbeirat. Wies sie an mal bei den anderen zu horchen, ob die das auch so empfinden.

Die Meinungen waren verschieden.

Manche hatten keine Probleme, manche mussten erst mal das Kind dazu befragen. Andere erzählten das gleiche.

Im Zuge dessen wurde auch wieder die Lehrerin befragt.

Alles sei halb so wild. Begründet wurde es damit, dass alle sich ja schon seit der 1. Klasse kennen und ein neues Kind, das 4 Jahre später dazu kommt, es natürlich schwer hat.

Vor wenigen Wochen passierte folgendes:

Eine Bekannte schrieb mich an, dass sie in einem dieser Gruppen sei ( Thema Testungen und Masken in Schulen).

Da sei auch eine Mama von einem Kind aus der 4. Klasse meines Sohnes. Ob ich das wüsste und ob es mich interessiere.

Sie stellte Kontakt her, weil ich neugierig war. Anhand des Profilbildes sagte sie mir nichts. Hätte jeder sein können.

Diese Mutter schrieb mich dann bei WhatsApp an.

„Hallo. Ich bin die Mama von X. Er ist ja neu in der Klasse und hatte einen schweren Start. Sicher hast du schon von ihm gehört.“

Sie sei auf der Suche nach anderen Kindern, die bereit seien eine Lerngruppe zu bilden.

Ich dachte:

„Oh mein Gott! Bitte nicht genau DIESES Kind! Und nicht DIESE Mutter.

Niemals würde mein Sohn mit ihm eine Lerngruppe bilden wollen. Er würde mir den Vogel zeigen und sowas von rebellieren.

Und jaaaaahaaaa. Von ihm habe ich wirklich schon viel gehört. Leider eben nichts gutes!

Er hatte einen schweren Start? Ha! Alle anderen hatten es noch schwerer. Wegen ihm! Wie komm ich bloß aus der Sache wieder raus?!“

Ich schrieb, dass ich wirklich schon VIEL von ihm gehört hätte.

Sie deutete es richtig, wie ich es meinte. Sie fragte, zu welchem Kind ich gehöre und sagte dann zunächst, dass sie von meinem Sohn noch nichts gehört habe. Das also bedeute, dass er nicht gerade zu den Favoriten Ihres Sohnes gehöre.

Ich dachte:

„Na zum Glück! Spricht eher für meinen Sohn!“

Später fiel ihr dann ein, dass sie den Namen meines Sohnes immer im Zusammenhang mit Ärgereien gehört habe.

Ich wollte sie gleich löschen, blockieren und mich aus dem Staub machen.

Irgendetwas hielt mich ab. Ich ging in mich und fand, dass ihr keine andere Antwort übrig blieb, nachdem ich schon so begann.

Ich weiss noch, dass wir zu Mittag aßen und meine Jungs dann draußen im Garten spielten.

Da bekam ich von dieser Mutter eine seeeehr lange Sprachnachricht.

Was wir schnell rausgefunden haben war vor allem, dass wir uns sehr sympathisch sind.

Sie wunderte sich, dass ihr ach so lieber, süßer Sohn, wie sie ihn kennt, noch keine Freunde in der Klasse gefunden hat. Da er neu war, gab es also keine Kontakte zu Mitschülern, oder anderen Eltern.

Sie hatte ja keine Ahnung!

Keine Ahnung davon, wie ihr Kind sich in der Schule gibt und verhält.

Sie hörte das von mir zuerst und fiel aus allen Wolken. Das alles wusste sie nicht und dachte, ich könne nicht von ihrem Sohn erzählen.

Sie war eher damit beschäftigt, warum mein Sohn ihren lieben Sohn ärgert. Sie dachte, er komme vielleicht aus schwierigen Familienverhältnissen und sei ein sogenanntes Problemkind.

Da musste ich ganz schön schlucken. Es war kein schönes Gefühl. Denn ich weiss es ja besser und es entspricht gar nicht dem, was sie dachte. Auch nicht wenn wir, seine Eltern, getrennt sind.

Sie erzählte, dass ihr Mann beim Elternabend damals das erste Mal davon hörten, dass man den Sohn „Bugs Bunny“ nenne. Sie dachten, wegen seinen breiten Schneidezähnen.

Als ich meinen Sohn später dazu befragte, gab er zu, dass er keine Ahnung habe, warum er so genannt wurde. Er habe lange gedacht, er heisst wirklich Bugs mit Nachnamen.

Sie erzählte, dass ihr Sohn in der 3. Klasse von einer handvoll Jungs in seiner damaligen Klasse geärgert, gemobbt und am Ende auch körperlich angegangen wären.

Grund dafür war u. a., dass er noch ein bisschen kindlicher sei und eben nicht „zocke“.

Er habe sehr darunter gelitten und deshalb der Schulwechsel zur 4. Klasse. Neuanfang.

Die Lehrerin habe die Vorgeschichte nicht wissen wollen, um unvoreingenommen zu sein.

Letztendlich glaube sie, dass ihr Sohn dies als Grund dafür nutzte, den Kindern nicht sein wahres Ich zu zeigen, damit ihm sowas niemals wieder passiert. Keiner kannte ihn, er konnte alles sein.

Da er zuvor dafür ausgegrenzt wurde, dass er nicht zockt, erzählte er jetzt eben genau davon und von Ballerspielen. Nichts davon entspreche der Realität, sagte die Mutter später.

Dass er genau deshalb hier jetzt wieder nicht gemocht wurde, war Zufall.

In dem Selbstverteidigungskurs sei er nur, weil sie dachten, daß würde sein angekratztes Ego etwas aufpolstern. Nicht, damit er dies bei seinen Mitschülern anwendet.

Sie sei schon länger auf der Suche nach der besagten Mutter von damals aus dem Elternabend. Die, die sich für ihr Kind eingesetzt hat und das Ganze auf den Tisch gebracht hat. Sonst hätte sie wohl nie etwas davon erfahren.

Sie war so dankbar, dass sie endlich weiss, was los ist, warum er keine Freunde mit nach Hause bringt.

Ihr Sohn sei hochsensibel und auch leicht hochbegabt erzählte sie mir. Inzwischen sei ihm auch bewusst, was er angerichtet habe und schäme sich dafür. Komme jetzt aber aus der Sache nicht mehr raus.

Ich weinte allein auf der Couch.

Ich war so gerührt von ihrer Geschichte.

Und ich schämte mich so sehr.

Fürs Verurteilen und in Schubladen packen.

Es stellte sich auch schnell raus, dass sie nicht diese Mutter vom Infoabend damals war. Weder raucht sie, noch hat sie schwarze Zähne und war damals verhindert.

Wir schliefen beide ein paar Nächte nicht so gut und mussten immer wieder daran denken, wie so etwas zu Stande kommt. Eigentlich ganz einfach.

Keiner hat geredet. Jeder hat nur gedacht. Übereinander. Nicht miteinander.

Ein paar Tage später verabredeten wir uns auf einem Spielplatz.

Meinem Sohn musste ich natürlich ein bisschen erzählen, sonst wäre er nicht mal ins Auto gestiegen.

„Waaaaaas? Er ist eigentlich Simon, tut aber, als ob er Alvin ist???? Warum????“ ( Chipmunks)

Er war aufgeregt vor dem Treffen. Eigentlich konnte er ihn ja nicht ausstehen. Aber jetzt wusste er, dass er in echt gar nicht so war und alles nur erfunden hat.

Weil er dazu gehören wollte. Nichts anderes. Einfach dazugehören und nicht ausgegrenzt werden.

Nach einer Minute spielten sie Tischtennis zusammen und wir hatten herrlich entspannte Stunden miteinander. Haben geredet, getobt, gelacht und jaaaa „eigentlich ist er voll nett!“

Am Abend lief 20:15 Uhr:

Der kleine Bruder schlief bereits und mir war es so wichtig.

Warum Carsten Stahl sich gegen Mobbing einsetzt erzählte ich ihm davor noch und er war geschockt.

Mit offenem Mund saß er da und konnte nicht fassen, was Mobbing mit den Opfern anrichten kann. Dass Täter oftmals vorher auch Opfer waren und irgendwann einfach beschließen, nie wieder Opfer zu sein.

Dass Wegsehen und nichts dagegen tun genauso schlimm ist, wie mitmachen.

Dass Viele nicht mehr leben wollen, weil sie gemobbt werden. Meistens nur deswegen, weil sie nicht sind, wie andere das gern haben wollen.

Mein Sohn war tief berührt und sagte:

„Weisst du Mama, wenn Filme traurig sind, muss ich nie weinen. Aber DAS?!? Da schon. Das ist echt krass!“

Wir haben in den letzten Wochen beide viel dazugelernt und mein oberstes Ziel ist es, ihn dafür zu sensibilisieren.

Nicht nur, weil er niemals Opfer sein soll. Oder Täter. Sondern auch um stark genug für andere zu sein, die es nicht können. Für andere einstehen.

Dazwischengehen. Es nicht zulassen.

Dass es viel cooler ist nicht dabei mitzumachen und noch viel, viel cooler, sich für Schwächere einzusetzen.

Mitmachen ist so einfach!

Alle machen es doch! Genau! Die Gruppendynamik ist dabei nicht zu unterschätzen.

Danke Leben! Danke für diese Lehre!

Ps: ich fragte meinen Sohn, ob es ihm schon mal so schlecht ging, dass er lieber sterben wollte.

Er fand den Gedanken absurd und schüttelte entschieden den Kopf.

„Nicht mal damals, als Papa und ich uns getrennt haben?“

„Nein! Da dachte ich nur, dass ihr beide Arschlöcher seid. Aber sterben? Niemals.“