Gebrochenes Herz

Ich bin ein Mensch mit vielen Emotionen und wie ein lieber Mensch mal treffend sagte:

“ Dich kann man lesen wie ein Buch. Aber mit sooooo grossen Buchstaben!“

Ich kann niemanden was vormachen. Bin ich wütend, wirst du mir das ansehen.

Bin ich enttäuscht, wirst du es in meinem Blick deuten können.

Ich bin kein guter Schauspieler und deshalb auch oft viel zu ehrlich.

Ich kann schlichtweg ganz schlecht lügen, deshalb lasse ich es, gerate lieber in Erklärungsnot und unangenehme Situationen.

Es gibt eine Sache, mit der ich nicht gut umgehen kann.

Ich komme klar mit Wut und Frust, dem Alleinsein und alldem.

Wenn aber mein Kind traurig ist, so richtig, richtig traurig, dann quält es mich.

Heute war so ein Tag.

Ich habe heute frei. Soweit so gut.

Einen Tag in der Woche habe ich meinem Kind den Kindergarten erkämpft, obwohl ich eben nicht arbeite.

Damals dachte ich noch, dass ich uns Allen damit einen Gefallen tuhe.

Mein Sohn geht sehr gerne in den Kindergarten. Ich kann mich nicht an Tränen beim Abschied erinnern.

Er mag seine Erzieherinnen und Erzieher, die Spielsachen und das Toben im Gartenbereich.

Noch mehr mag er aber die Kinder.

Zwei davon bedeuten ihm alles und deren Namen fallen bei uns daheim fast täglich.

Als die Email mit der neuen Gruppeneinteilung kam, gab es grosse Freude, weil der besagte beste Freund mit auf der Liste stand. Juhu.

Auf der anderen Seite grosse Trauer, denn die liebste Freundin, mit der er sonst immer zusammen ist, war in einer anderen Gruppe eingeteilt.

Heute, an meinem freien Tag also, als wir glücklich aufwachten und er durch das Kindergartentor hüpfte, war die Welt noch in Ordnung.

Der Grosse und ich machten unsere Fahrräder klar. Die Strecke war besprochen und er braucht mich auch so sehr mal für sich alleine.

Er erzählte mir dabei mehrmals, wie gut ihm das tut und …

„Weisst du Mama? Das hab ich mir schon lang mal gewünscht.“

Nur er und ich. Ohne kleinen Bruder.

Wir traten in die Pedale, um noch schneller den Berg runter zu düsen und jubelten dabei erleichtert.

Mittags parkte ich vor dem Kindergartentor. Mein Sohn fiel mir von Weitem schon auf. Lustlos und mit gesenktem Kopf fuhr er mit einem Fahrzeug im Garten auf und ab. Im Schneckentempo.

Üblicherweise werde ich überschwänglich begrüßt und mit einem strahlenden Lachen in Empfang genommen. Mindestens aber pfeiffend und vergnügt zum Auto begleitet.

Heute war etwas anders als sonst.

Die Erzieherin sagte mir, wo die Laune herkam. Die beste Freundin war auch mit im Garten. Da sie aber in der anderen Gruppe ist und sie untereinander keinen Kontakt haben sollen, saß die Besagte ebenso traurig im Sandkasten.

Sie saß dort allein, ebenso mit gesenktem Kopf und schaufelte lustlos Sand, den sie langsam runterrieseln ließ.

Zwischen ihr und meinem Sohn:

Rotes Absperrband.

Das ist dein Tanzbereich, das ist mein Tanzbereich.

Zig Male gehört bei „Dirty dancing“ und jetzt traurige Realität.

Der andere gute Freund ist übrigens gar nicht wie erwartet in der gleichen Gruppe, sondern darf aus bestimmten Gründen gar nicht in den Kindergarten.

Zwei Tiefschläge an einem Tag.

Ich verstehe mein Kind und leide still mit. Alleine muss er sich gefühlt haben.

Heute war kein guter Tag. Im Auto kam die Wut. Er schrie und tobte. Jede Kleinigkeit und jedes falsche Wort ließen ihn erneut hochkochen. Ich hatte ihn bereits gedrückt und er erwiderte meine Umarmung nicht.

Er wolle nicht reden und wir, also sein Bruder und ich, sollten auch nicht reden befahl er uns.

Auf dem Spielplatz später wollte er im heißen Auto sitzen bleiben und nicht aussteigen.

Denn schon wieder waren von ihm keine Freunde da, sondern mal wieder nur die seines Bruders.

Er hing an mir, nachdem ich ihn schreiend und gegen seinen Willen zu mir auf die Decke setzte. Er wollte nicht spielen. Nur kuscheln. Ohne reden.

Nach ca.1 h wurde alles besser. Er lachte das erste Mal wieder und war fröhlich.

Nichts hat mich heute glücklicher gemacht, als ihn beim Fange spielen zu beobachten und dabei sein lautes, ausgelassenes Lachen und die Freudenschreie zu hören.

Ich bin hin und hergerissen.

Wertvolle Zeit mit dem Grossen alleine…wunderbar.

An meinem nächsten freien Tag werden wir aber lieber wieder zu Hause im Garten toben. Zusammen.

Ohne Absperrband. Vielleicht sogar MIT Freunden. Und auf jeden Fall glücklicher.

💙

Die Elternschule- der Film

Es wurde viel über diesen Film diskutiert, der 2018 erstmals ausgestrahlt wurde.

Ich habe die Meinungen dazu ein ganze Weile verfolgt, konnte mich aber nicht dazu motivieren, ihn mir anzuschauen.

Ich habe den Trailer dazu gesehen und allein der löste seltsame Gefühle in mir aus.

Am Freitag habe ich es getan, ich habe ihn mir angeschaut. Von Anfang bis zum Ende, obwohl ich bereits die ersten 20 Minuten schwer zu kämpfen hatte.

Alles in mir schrie: „Nein! Das kann nicht richtig sein!“

Es geht um Eltern, die aus unterschiedlichen Gründen völlig verzweifelt sind und Hilfe in dieser besagten Klinik suchen, mit Sitz in Gelsenkirchen.

Oft geht es um das Thema Schlafen, Essen oder Wutausbrüche.

Der Film ist eindrucksvoll. Das muss man ihm lassen. Bezeichnend. Mir zumindest gehen einige Szenen nicht aus dem Kopf und einige Bilder werde ich nicht mehr los.

Was mich seither verfolgt und sprachlos macht, sind die Schwestern in der Klinik. Ihre kalten Gesichtszüge. Kein Lächeln, kein freundliches Wort. Keine Wärme.

Es geht nur um Gehorsam, Strenge, Regeln und mit aller Macht diesen kleinen Wesen etwas aufzudrängen. Auf welche Art auch immer.

Da ist dieser kahle, kalte Raum. Er ist ganz weiss gestrichen und auf dem Boden sind Matten ausgelegt. Einige Schwestern sitzen mit einigen Kindern dort auf den Matten.

Es wird nicht geredet, nichts erklärt, kein Blickkontakt hergestellt.

Von den Kindern wird scheinbar erwartet, dass sie still und brav dort sitzen. Nicht reden, nicht zappeln und vor allem keine unnötigen Fragen stellen.

Ein Junge fängt an, an die Wand oder Heizung zu klopfen. Sein Arm wird gestoppt und festgehalten. Abgelegt. Immer wieder. Ohne ein Wort.

Ein anderes Mädchen beginnt, mit ihren Fingernägeln auf der Matte zu kratzen. Auch ihr Arm wird so oft und so lange festgehalten, bis auch sie verstanden hat, dass dieses Verhalten nicht erwünscht ist. Kommuniziert wird es nicht.

Irgendwann ist die Zeit abgelaufen, wie die eine Schwester in dem Film sagt. Alle dürfen aufstehen und den Raum verlassen.

Das eine Mädchen hat Fragen. Warum das alles? Sie erhält auch nach mehrmaligem Wiederholen ihrer Frage keine Antwort dazu.

Thema Essen. Die Mutter DARF nicht dabei sein bei den Mahlzeiten. Sie wird erst später in das alles integriert, wenn das Kind „funktioniert“.

Eine Schwester nimmt das Kind auf den Schoss. Nicht unbedingt liebevoll. Ohne Reden. Dem Kind wird ein überdimensional grosses Tuch vorgehängt, das mehr an „liebevolles“ Fesseln erinnert, als an einen Latz.

Das Kind wird ziemlich fest gepackt, nach hinten geneigt und dann soll es essen. Wenn es nicht reibungslos funktioniert, wird der kleine Körper des widerspenstigen Kindes auch schon mal zwischen die Knie der Schwester geklemmt.

Als der Junge anfängt sich zu wehren, setzt die etwa 110 kg schwere Schwester sich mit ihm auf den Boden. Wortlos schlingt sie ihre massiven Oberschenkel um ihn herum, um ihn von seinem Winden abzuhalten.

Dieser Moment hat mir mein Herz gebrochen.

Ich kann mich gut erinnern, dass mein großer Sohn eine Weile nicht mal von der Oma mit dem Löffel gefüttert werden wollte. Es war eine Phase.

Jetzt sitzt da diese völlig fremde Frau, die das Kind vorher noch nie gesehen hat. Mir ist sie auch nicht sympatisch und von ihr erwarte ich echt mehr. Mir würde in dieser Situation auch der Appettit vergehen.

Der Gedanke, das mein Kind anstelle des kleinen Jungen sein könnte, er zerreißt mich.

Später im Film darf die Mutter dann im gleichen Raum sein, wenn die Mahlzeit stattfindet. Sie muss weit entfernt auf einem Stuhl sitzen und ein Buch lesen. Darf nicht einschreiten, nicht reagieren, keinen Kontakt zum Kind herstellen.

Und danach ja nicht loben. Denn Essen ist etwas Normales, für das man nicht gelobt werden muss. Genauso wenig wie für das Atmen, sagt der Arzt.

Es gibt ab dem 1. Tag in der Klinik Schlaftraining. Das Kind wird in einem Gitterbett in einen Raum geschoben, der völlig abgedunkelt ist und wird dann alleine gelassen.

Es muss ab sofort alleine einschlafen können und wenn nicht, das eben lernen. Die Mutter muss sich am Abend verabschieden und darf nachts nicht nach ihrem Kind schauen.

Ja, genau DARF nicht.

Das übernehmen die Schwestern. Teilweise durch Videoüberwachung.

Bei der Übergabe wird über eine Mutter hergezogen, die sich in der einen Nacht zu ihrem Kind ans Bett geschlichen hat, um sich vom Wohlbefinden dessen zu vergewissern. Sie wird belächelt und als schwach und inkonsequent bezeichnet.

Überhaupt sei der Kontakt zu ihrem 7 jährigen Mädchen zu eng, weil sie immer wieder Hand in Hand über den Flur gehen würden.

Es wird besprochen, dass man beim Wiederholen des unerwünschten Verhaltens beide darauf aufmerksam machen wird, dass sie das lassen sollen.

Ich denke an die erste Zeit mit meinem ersten Sohn zurück, den ich mir so sehr gewünscht habe.

Über 3 Monate schlief er nachts nicht nur neben mir, sondern in meinem Arm. Ich wollte ihn nie loslassen und immer bei mir haben. Wenn ich mich umgedreht habe, legte ich ihn auf meine andere Seite und in den anderen Arm.

Wie schön war es und wie gut hat es sich für mich angefühlt. Ich möchte keine Minute davon missen und beim 2. Sohn habe ich es genauso gehandhabt.

Beide wollten nie, oder ungern in ihrem Gitterbett schlafen. Und wenn, dann nicht lang.

Beide habe ich in meinem Arm gewiegt und habe Schlaflieder gesungen, oder gesummt. Dabei beobachtete ich ihre zarten Gesichter und versuchte mir alles einzuprägen.

Eins der schönsten Gefühle am Mamasein ist für mich schon immer gewesen, wenn ich meinem Kind über den Kopf, oder die Wange strich und es dabei entspannt die Augen schloss.

Es muss schön sein, sich so geliebt zu fühlen, dachte ich dabei immer.

Ich bin absolut für klare Regeln, für Konsequenzen und oft auch eine kurze Leine.

Ich erziehe nicht antiautoritär und ich gebe diesem Film recht, wenn es darum geht:

Wenn es der Mama gut geht, geht es auch dem Kind gut.

NICHT

Wenn es dem Kind gutgeht, geht es allen anderen auch gut.

Da war diese eine Mama. Ihr Kind hat Neurodermitis und wenn er wütend war, oder nicht bekam was er wollte, kratzte er sich auf. Teilweise blutig.

Damit das nicht passiert, wurden ihm immer all seine Wünsche erfüllt. Er soll sich ja nicht aufregen und sich blutig kratzen müssen.

Sicher ist das auch nicht gut, das hat selbst diese verzweifelte Mutter verstanden. Sie hat aus Liebe gehandelt. Bis es eben nicht mehr ging. Sie hat nur noch geweint, lag im Bett und kam nicht mehr hoch. Sie hatte keine Freude mehr und alles drehte sich um dieses Kind. Er machte die Regeln.

Manche Ansätze fand ich gut, tatsächlich. Mir gefiel, als der Arzt mit dem Mädchen spazieren ging und sie motivierte mit ihm an der Hand zu joggen. Sie weinte irgendwann und hatte Seitenstechen.

Ja, manchmal muss man sich ganz schön anstrengen im Leben und nicht alles läuft einem zu. Da muss man durch. Und dann kann man stolz auf sich sein.

Vor Wut hatte sie unterwegs ihre Mütze auf dem Weg liegen gelassen und selbstverständlich wollte sie deswegen nicht zurück. Sie kaufe sich einfach eine Neue trotzte sie.

Der Arzt liess das so nicht zu und fand die richtigen Worte. Zusammen gingen sie zurück, um die Mütze zu holen.

Das war eine der sehr wenigen Szenen, die ich befürworte.

Ansonsten erinnerte mich alles sehr an die Erziehungsmethoden im Nationalsozialismus. Bloß nicht zu eng, bloß keine enge Bindung, das Kind muss gehorchen, ansonsten wird es bestraft. Am besten durch körperliche Züchtigung. Es muss nicht verstehen, warum und wieso.

Es muss einzig und allein machen, was von ihm verlangt wird.

In „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ von Johanna Haarer (1900 bis 1988) heisst es sogar:

Ja. Genau an diese Zeit erinnert mich dieser Film.

Seither wurde so viel geforscht und es gab so viele Studien. Ich verstehe diesen Film in der heutigen Zeit nicht. Er hinterlässt seltsame Gefühle in mir, aber sicher keine guten.

Die wahre Tragödie ist, dass es eben kein Film ist, nicht nur. Sondern dass er echt ist.

Es gibt viele verschiedene Erziehungsstile. Jeder handelt letztendlich rein instinktiv und von seinem Bauchgefühl geleitet.

Dazu noch gaaaaaanz viel eigene Erfahrung und wie man selber „erzogen“ wurde.

Niemand auf der Welt ist eine perfekte Mama. Man lernt dazu. Nicht immer trifft man gute Entscheidungen. Nicht immer trifft man den richtigen Ton und findet die richtigen Worte.

Vieles mache ich falsch, oft verfluche ich gewisse Situationen, in denen ich nicht handelte wie mein Verstand mir riet.

Es gibt Tage, an denen ich 7.05 Uhr morgens weinend zur Arbeit fahre, weil nichts funktioniert hat, ich unter Druck war und die Kinder unkooperativ. Diese Verabschiedungen im Kindergarten, wenn das Kind keinen Kuss will und sich beleidigt wegdreht.

Wenn die Wut nachlässt und das schlechte Gewissen kommt. Ich denke jeder kennt das.

Das sind die Tage, an denen ich mittags etwas schneller fahre, um sie abzuholen. Tage, an denen ich es nicht abwarten kann, mich zu entschuldigen, sie zu drücken und zu fragen:

„Vertragen wir uns wieder?“

DAS Gefühl!

Ahhhhhhhhhhhhhhhh😡😡😡😡😡😡

Kennt ihr das, wenn alles prima läuft, ihr gar nicht wisst wohin mit eurem Glück?

Gerade habt ihr noch in der Küche beim Kochen getanzt und dann passiert es!

BÄÄÄHHHHHHM!

Aus dem nichts ist es da. Es kommt über euch, erfüllt euch.

Ihr könnt nicht mehr klar denken, der Körper stellt sich auf „Kampfmodus“ ein. Weg, weg, das muss weg!

Es fühlt sich schlecht an und ich will es weder haben, noch fühlen! Weg! Pfui!

Du fragst dich, warum du gerade so durchdrehst. Warum sich diese Lappalie so überwältigend anfühlt. Ist doch eigentlich nichts dabei.

Aber der Puls steigt und die Atmung wird schneller.

Das darf nicht wahr sein!

Ungerecht! Böse! Gemein! Hinterhältig! Entwürdigend! Respektlos! Abwertend! Übergriffig!

Was auch immer, du verstehst die Welt nicht mehr!

Du verstehst dich selbst nicht mehr!

Das kann doch gar nicht sein!

Das gibt es doch nicht!

Das würde dir doch niemand wirklich antun!?

Wie gemein und hinterhältig!

Die Gedanken überschlagen sich und du kriegst ES nicht in den Griff.

Du willst es vergessen, beschwichtigen, verdrängen.

Redest dir selber gut und beruhigend zu.

Nichts! Es bleibt, das miese Gefühl!

Was jetzt?

Keiner ist auf die Schnelle greifbar, mit dem du dich austauschen kannst.

Du bist auf dich allein gestellt!

Mach was! Jetzt tu doch was!

Aber was? Ich weiss doch auch nicht!

So, oder so ähnlich erging und ergeht es mir so oft.

Die Situationen sind immer andere, die Menschen wechseln.

Das Gefühl bleibt. Und ist immer das Gleiche.

Es hat mich getroffen! Weil es mich BEtrifft, wie Susanne Ertle so schön sagt.

https://elopage.com/s/susanneertle?pid=16235&prid=3585

(bezahlte Partnerschaft)

Gut zu wissen. Aber wie bringt das allein mich jetzt hier weiter?

Es ist diese Art Gefühl, das man nicht weglächeln kann. Es wurmt.

Man kann an nichts anderes denken.

Dieses „Problem“ wird immer mächtiger und übernimmt die volle Kontrolle über deinen Geist und dein Handeln.

Das Gefühl fremdgesteuert zu sein mag ich gar nicht. Und genau das ist es.

Denn mit MIR, mit meinem Kern hat das hier nichts mehr zu tun. Bzw, es ist wohl ein Teil von mir, den ich gerne von mir haben will. Weg!

Du sollst nicht zu mir gehören! Ich will so nicht sein.

Wenn mir jetzt jemand begegnet, denke ich, dann kann ich nur böse kucken und auf keinen Fall lächeln.

Auf gaaaaaar keinen Fall lächeln. Nie und nimmer!

Und ich kann auf keinen Fall über irgendetwas anderes reden, das Wetter zum Beispiel.

Small talk liegt mir nicht. Ich hab gern Gespräche mit Tiefgang. Ich philosophiere gern. Ich höre gern, wie es anderen so geht. Also so wirklich! Nicht dieses:

„Hi, wie geht’s?“

„Guuuut. Und dir so?“

Natürlich will man nicht jedem erzählen, wie es in einem aussieht.

Man hat Angst vor Ablehnung, belächelt zu werden. Dass die Sorgen kleingeredet werden. Dass das Gegenüber irritiert den Kopf schüttelt. Womöglich lacht. Oder dich einfach damit stehen lässt. Alles möglich!

Also bleibts bei „guuuut“. Ist einfach!

Und gleich die Erklärung, warum ich small talk nicht mag. Ich bin auch nicht gut darin.

Ich verbringe meine Zeit auch nie wahllos mit irgend welchen Menschen, denen ich dann was vormachen muss. Viel zu anstrengend.

Wenn ich MEINE Sorte Mensch treffe, dann weiss ich:

Hier bin ich in guten Händen.

Hier kann ich sein wie ich bin.

Hier kann ich mein Herz ausschütten.

Mir geht es meist mehr gut als schlecht und ich bin keine von denen, die immer nur jammert. Deshalb werde ich von den richtigen Leuten sehr ernst genommen, wenn es mir mies geht. Das kommt vor.

Ich bin ein Mensch!

Dann geht es bei den Gesprächen nicht ums Wetter, die Zimmerpflanzen, oder was es heute zum Essen gibt.

Da kann ich alles rauslassen, ohne jemals falsch verstanden zu werden.

Ohne mir schwach vorkommen zu müssen. Und wenn, wird es eher als Stärke ausgelegt.

Es gibt nicht viele von der Sorte in meinem Leben. Sie laufen oft still und völlig unauffällig neben mir her.

Ich liebe das Alleinsein. Wenn ich allein sein WILL! Nie würde ich die Stille eintauschen gegen ein oberflächliches Gespräch mit irgendwem.

Ab und zu wird mir deshalb Arroganz nachgesagt.

Ist es aber nicht. Ich fühle mich nicht besser als irgendwer anders. Jeder hat seine Daseinsberechtigung.

Und ich möchte mir eben selbst aussuchen, wer zu mir gehört und so in etwa tickt wie ich. Alles andere erscheint mir als Zeitverschwendung.

Jetzt bin ich glatt vom ursprünglichen Thema abgekommen.

Zurück zu DEM GEFÜHL!

Wenn man Feuer spucken möchte! Oder Gift!

An diesem Punkt habe ich jetzt ein kleines Helferlein. Noch nicht lange. Aber ich denke, dass es mir helfen wird, wenn DAS GEFÜHL wieder mal aus dem Nichts vor mir steht.

Selbst-Coaching-Modell von Susanne Ertle

Ich habe es ausgedruckt und aufgehängt.

Es gibt ja diese Art von Menschen, die immer freundlich und gut drauf sind.

Denen man nie was nachsagen kann und sie sich nie etwas zu Schulden kommen lassen.

Denen traue ich übrigens nicht über den Weg! Und ich gehöre nicht zu ihnen.

Ich mag Menschen mit Ecken und Kanten. Mit Tiefgang. Mit Emotionen. Mit Gefühl.

Dieses Modell hat mir gezeigt, wie ich an die Sache gehen kann. Ins Machen komme. Ohne immerzu zu denken: Nee! Nee! Nee!

Es beginnt mit dem Umstand/Sachebene

Was ist geschehen? Was passiert?

Ihr perfektes Beispiel:

Das Kind hat mit nem Stift die Wand angemalt. Punkt! Nicht schön. Nicht toll. Aber passiert.

Jetzt kommt MEIN Gedanke dazu.

MEIN gross geschrieben, weil alles was jetzt in mir passiert absolut individuell und nur auf mich zugeschnitten ist.

Je nach Erfahrung und Biografie ist es ab hier wirklich nur MEINS.

Mein Gedanke könnte sein:

Dieses Kind tanzt mir auf der Nase herum. Er will mich ärgern!

Mein Gefühl könnte Wut sein.

Meine Handlung, dass ich eventuell laut werde. Ihm den Stift aus der Hand reisse.

Das Ergebnis wird wohl sein, dass wir beide enttäuscht, traurig und wütend aufeinander sind und vielleicht weinen wir auch beide.

Ich schätze Susanne Ertle sehr und durch meine Biografiearbeit mit ihr, weiss kein Mensch auf der Welt mehr über mich als diese Frau.

Durch sie fährt mein Auto wieder. Manchmal auch rückwärts, aber es fährt. Davor stand ich auf Gas und Bremse gleichzeitig und hab darüber gewütet, warum sich nichts tut.

Hier mein Fazit dazu! Ich staune immer noch sehr oft. Dann schmunzel in mich hinein.

Der Unterschied zu davor ist, dass ich es jetzt verstehe.

Wieder mal Muttertag

An meinem ersten Muttertag als Mama schob ich den Kinderwagen mit meinem 2 Monate alten Baby.

Ich weiss noch, dass ich ein gelbes Oberteil trug und überglücklich war. Und so müde!

Dieser Tag ist 9 Jahre und einen kleinen Bruder her.

Heute Morgen wachte ich auf, etwas weniger müde als damals.

Ich hatte meine Kinder neben mir und sagte beim Anziehen später:

„Heute ist Muttertag. Sollen wir uns vielleicht mal drücken?“

Der Zwerg drehte sich um und sagte schmollend:

„Ja, es ist Muttertag. Aber ich will jetzt trotzdem nicht, dass wir uns drücken!“

Während der Autofahrt, kurz vor der Autobahn, fiel dem Grossen ein, dass er ja unter seinem Sitz etwas für Muttertag versteckt hatte. Er sagte: „Hier Mama“ und warf es bei 60 km/h auf den Beifahrersitz.

Heute habe ich so viele Bilder gesehen von Blumen, Geschenken, Gemaltem um Gebasteltem. Meist von Mamas, deren Kinder nicht mal über den Kindergarten hinaus sind.

Ich vermisse nichts. Ich muss meine Jungs an Muttertag erinnern und es ist ihnen herzlich egal.

Wahrscheinlich genau wie mir.

Wichtig ist es ihnen sicher, dass ich mich immer sorge, kümmere, verarzte, schlichte, streichle, in den Schlaf begleite und ihnen Lieblingsessen mache.

Wichtig ist mir, dass sie egal an welchem Tag zu mir kommen, wenn sie etwas auf dem Herzen haben.

Sie sollen wissen, dass ich sie bedingungslos liebe, auch wenn ich noch so wütend bin, weil sie einen Quatsch angestellt haben.

Wir waren heute bis 20.30 Uhr auf dem Spielplatz, weil wir Lust hatten und das Wetter so schön war.

Gegenüber auf der Bank saß eine andere Jungenmama. Wir schauten unseren Kindern dabei zu, wie sie immer wieder die Eimer im Bach füllten. Alle waren barfuß und rührten auf Knien sitzend „Beton“ an.

Der anderen Mutter und mir war klar, was noch zu unserem Muttertagsprogramm gehören wird, aber sie schien dabei genauso entspannt zu sein wie ich.

Sie lachte plötzlich auf und rief mir nach dem Verabschieden zu:

„Schönen Muttertag dann noch!“

Mein bestes Geschenk war heute, dass der Zwerg beim Duschen nicht gebrüllt hat, obwohl er mit Kopf duschen so hasst. Ohne Kopf, oder ohne Shampoo geht grad so, aber heute hatte sein Betteln keinen Erfolg.

Der Grosse beschäftigte auf dem Spielplatz den Kleinen und so konnte ich auf der Bank sitzen und meinen Gedanken nachgehen. Sehr lange am Stück. Das war schön.

Muttertag- auch kein Tag, an dem irgendwas anders ist, als an irgend einem anderen Tag. Wertschätzung tut immer gut und mir reicht dafür ein Lächeln am Morgen, ein „hab dich lieb“, oder ein „du bist die beeeeste Mama“. Egal an welchem Tag!

Ohne meine Jungs wäre ich keine Mama, also sind wir quitt. Ein bisschen Fernsehen am Abend, Kaba in der grossen Tasse und die Decke teilen, das reicht ihnen zum Glücklichsein.

Ich habe keine Kinder, die Wochen vorher für mich malen, oder extra früh aufstehen, um mir Kaffee zu machen.

Das ist absolut in Ordnung so.

Es sagt nichts über mich als Mama aus und ich definiere meinen Wert nicht über diese Geschenke am heutigen Muttertag.

Mutter bin ich morgen auch noch und freue mich auf einen neuen Tag voller Gezanke, Machtkämpfen, Beleidigungen, Kräftemessen und „das hat mir im Herz wehgetan“.

…weil wir uns lieben.

Voller Liebe

Der Tag endet damit, dass ein 4 jähriger kleiner Bub vor mir steht und mit leidiger Stimme fragt: „Gehen wir schlafen, Mama?“

Und hier liege ich. Hellwach und mit knurrendem Magen. Aber überglücklich.

Heute war einer dieser tollen Tage, an dem ich alles weglächeln konnte und Zorn in Kinderlachen verwandeln.

An diesen Tagen ist schlechte Laune anderer nicht ansteckend, Gesagtes wird nicht auf die Goldwaage gelegt und selbst das Anstrengende ist so überhaupt nicht kräftezehrend.

Erhobenen Hauptes schreitet man durch den Tag und das Leben ist einfach nur schön.

Fremden schenkt man ein freundliches Lächeln, weil man gar nicht anders kann.

LÄCHLE UND DIE WELT LÄCHELT ZURÜCK!

An Tagen wie heute schaue ich meine Kinder noch genauer an, höre noch besser hin, drücke noch etwas länger und noch fester.

War ich vor wenigen Tagen doch noch so traurig und wütend über unsere Situation. Verfluchte ich alles und war die Ungeduld in Person.

Heute konnte mich nichts aus der Ruhe bringen.

Nicht, als der Zwerg immer wieder Gras über meinen Kopf rieseln ließ.

Nicht, als er auf meinen Rücken sprang, als ich mitten in meiner Sporteinheit war.

Nicht, als er wütend wurde, schrie und fluchte, weil ich nur zwei Dinge vom Garten nach oben getragen habe und er ganze drei.

“ Du hast fast nichts gemacht!“

„Immer muss ich mehr machen! Alles muss ich machen!“

Nicht, als er mich fragte, ob sein Bruder mehr Geld auf dem Konto habe und für Erklärungen, dass der ja auch 4 Jahre länger sparen konnte, nicht zugänglich war. Er forderte von mir die restliche Summe, um gleich viel zu haben. Jetzt sofort!

„Das ist unfair! Warum hat er mehr als ich?!“

Der Grosse drängelte, ich solle eeeendlich mit ins Trampolin kommen. Er erinnerte mich im Minutentakt, dass ich es versprochen habe. Ich kann es heute überhören und meine Sache beenden, bevor ich mithüpfe.

Der Ärgermeister bringt seinen kleinen Bruder auf die Palme, nicht aber mich. Er schafft es mit wenigen Worten und der Zwerg schreit mal wieder in allen Oktaven.

Heute ärgert es mich nicht und ich beiße nicht meine Zähne zusammen, weil ich mich so zusammenreißen muss. Heute sehe ich ihm in die Augen, sage herausfordernd: „Lauf“ und zähle bis 2. Dann liefern wir uns eine wilde Verfolgungsjagd, bei der ich niemals als Gewinner rausgehe.

Ich wirble ihn umher und geniesse sein lautes Lachen.

Heute gibt es keinen Kummer, kein Grübeln und keinen Groll.

Nur uns. Meine unperfekte perfekte Familie. Mich, die Mutter, die ich so immer sein will.

Meine Kinder, die die Zeit mit mir geniessen. Die Aufmerksamkeit, das Gesehenwerden. Meine Umarmungen und meine Küsse.

Ein perfekter Tag geht zu Ende und mein Herz lacht.

Es reicht!

Woche 6.

Können wir das alles jetzt bitte endlich beenden?!?

Ja, es war manchmal richtig toll.

Ja, wir haben festgestellt, dass wir gar nicht sooo viel vermissen.

Ja, es ist toll, dass wir ein bisschen gespart haben, weil wir weder ins Schwimmbad, noch ins Kino konnten.

Ja, wir haben viele neue Orte erkundet, die wir sonst vielleicht nie besucht hätten und ich liebe das.

Ja, dadurch ist zwischen dem Papa der Jungs und mir Waffenstillstand. Wir haben hier 6 Tage am Stück und einige Wochenenden in Harmonie verbracht, wenn ich arbeiten musste und er die Kinder gehütet hat.

Ja, es gab Erfolgserlebnisse und tolle Momente.

Ja, ja, ja…

ICH HABE ES KAPIERT!

Danke für diese Lektion.

Woche 1 und 2 brauchte ich zum Verstehen und Begreifen, was hier grad passiert.

In Woche 3 und 4 hab ich mich recht wohl gefühlt. Alles war geklärt, alle sind in der neuen Situation angekommen. Die Jungs sind in der Notbetreuung gut aufgehoben und sind danach ausgeglichener.

Ich hatte viele freie Tage und Urlaub, das Wetter war fantastisch und wir haben tolle Ausflüge gemacht.

In Woche 5 habe ich den Stapel neue Schulaufgaben abgeholt und mich gefreut, dass diesmal vorgegeben war, was an welchem Tag zu erledigen ist. Das hilft!

Bei der ersten Flut an Schulaufgaben waren wir einfach nur erschlagen und man konnte so gar nicht einschätzen, wie viel man täglich erledigen muss, um einigermaßen hinzukommen.

Wieder habe ich meinem Schulkind ein neues Thema in Mathe beigebracht, obwohl ich es nicht als meine Aufgabe empfinde.

Weder kann ich gut erklären, noch habe ich Geduld dafür. Aber gut, er kann jetzt das Einmaleins mit grossen Zahlen.

In Woche 5 kippte bei uns die Stimmung, ich erhob drohend den Zeigefinger, redete durch die Zähne, meine Halsschlagader bebte im Takt meiner Schreie.

Alles in mir schreit:

Ich. Will. Jetzt. Nicht. Mehr!

Ich kam an den Punkt, an dem ich nicht mehr geschrien habe, sondern geweint habe. Vor Wut, vor Erschöpfung und vor Traurigkeit.

Mein Sohn testet seine Grenzen wie nie zuvor und ich frage mich, ob man mit 9 schon in der Pubertät sein kann, oder das noch nichts im Vergleich dazu ist.

Hätte mir vor dieser Zeit jemand gesagt, dass ich es 6 Wochen und wahrscheinlich noch viele mehr ohne eine kleine Pause und Auszeit schaffe, ich hätte es nicht für möglich gehalten.

Ich überlege, was das kleinere Übel ist:

Meine Arbeitstage? Frühes Aufstehen, Stress, Zeitdruck, dröhnender Kopf und Gehetze. Dafür aber 10 Minuten Autofahrt. ALLEINE! Arbeitskollegen, also erwachsenen Menschen!

Vesper und Rucksäcke für die Kinder vorbereiten und sie in der Notbetreuung zurücklassen.

Meine freien Tage? Ausschlafen…bis ca. 7 Uhr, bevor ich Tippel Tippel höre und es bei mir an der Tür klopft.

Meine Kinder in den Garten schicken können, wenn es mir zu viel wird.

Im Haushalt was schaffen. Wenn auch nichts zu Ende, weil immer irgendwas ist und immer jemand irgendwas will. Oder irgendwas macht. Oder eben nicht macht, was er soll.

Ich bin durch nach Woche 5. Sie hat mir alles abverlangt und ich liege unbewaffnet am Boden.

Ich habe so viele Kohlenhydrate gegessen, dass mir meine Arbeitshosen nicht mehr passen. Ohne hätte ich es nicht geschafft.

Meine Kinder haben gemerkt, dass ich es leid bin zu verhandeln und zu diskutieren. Meine Ansagen werden deutlicher, ich konsequenter und die Grenzen klarer. Mit mir treibt man es jetzt besser nicht zu bunt, denn dafür hab ich keine Energie mehr.

Abends bleib ich nicht wie sonst ewig noch bei ihnen liegen und wir philosophieren über die Ereignisse des Tages. Jetzt verbringen wir notgedrungen so viel Zeit zusammen, dass ich auf dem Laufenden bin und der Austausch über Tag stattfindet.

Auf Sport hatte ich lange weder Lust, noch Energie übrig. Das machte ich sonst an meinen freien Tagen, wenn die Kinder im Kindergarten und in der Schule waren.

Das war meine Zeit! Da habe ich aufgetankt. Da ging es nur um mich.

Da habe ich Haushalt Haushalt sein lassen und habe mich gut um mich selbst gekümmert.

Jetzt wollen die Kinder so viel von mir, das für mich selbst nichts mehr übrig bleibt. Weder Zeit, noch Energie und Kraft.

Ich bildete mir gestern vor dem Spiegel ein, ich hätte ein graues Haar bei mir entdeckt. Es wundert mich nicht. Höchstens, dass es nur eins war.

Jetzt, in Woche 6 rennen wir alle mit Mundschutz rum, in mir rebelliert alles.

Ich fühle mich unwohl damit, stehe absolut nicht dahinter und es ist mehr als befremdlich.

Ich bin wütend. Denn ich werde zu etwas gezwungen, das ich nicht will.

Der erste Einkauf damit ist geschafft und es macht mir bereits vor dem Laden mehr als schlechte Laune.

Nein, für mich ist es kein modisches Accessoire und ich habe mir nicht wunderschönen Stoff dafür ausgesucht.

Lieber möchte ich böse Wörter darauf schreiben.

Mein Blick hat sich in Woche 6 verfinstert. Ich kann es nicht mehr geniessen, so sehr ich mich anstrenge.

Die Luft ist raus.

Ich will wieder völlig selbstbestimmt leben. Vielleicht mit weniger Terminen. Weniger hin-und hergefahre. Mehr Besinnung auf das Wesentliche. Aber jetzt ernsthaft, ich will mein Leben zurück.

Ich ertrage die Kämpfe meiner Kinder nicht mehr, denn auch sie brauchen dringend eine Pause voneinander.

Ich will alleine sein! Ein paar Stunden! Immer wieder! Um Dinge zu tun, die nur mit mir zu tun haben.

Einfach kurz in den Laden springen und ein paar Kleinigkeiten holen. Ohne Wagen, so wie davor. Alles in meinen Armen stapeln und mich darüber ärgern, dass ich es mal wieder falsch eingeschätzt habe.

Ich will nach Hause kommen und keinen vorfinden, weil Nachmittagschule ist. Nicht reden, keine Fragen beantworten. Nicht diskutieren, nicht kochen, nicht hinterherräumen.

Ich will, dass mein Sohn sich nach der Schule an seinen Schreibtisch setzt und zügig seine Hausaufgaben macht, weil er weiss, er hat 15 Uhr Training.

Letztes Jahr 2 Wochen weiter hab ich die ersten Runden im Freibad gedreht. Dazu wird es jetzt nicht kommen.

Ich will auf den Sportplatz morgens um 8 und zehn Uhr guten Gewissens auf der Couch sitzen. Nach Sport, Frühstück und Dusche.

Ich will Termine und Telefonate ohne die Anwesenheit von lauten Kindern wahrnehmen können.

Mir graut es vor den nächsten Tagen, weil es viel regnen soll. Das hilft mir nicht wirklich. Danke für nichts lieber Wettergott.

Kann einer bitte machen, dass das aufhört! Ich mag nicht mehr!

Mein Herz wächst

Es ist sehr faszinierend, was diese „Krise“ mit mir macht und wie die Gefühlswelt schwankt.

Die Meldung, dass ein Schul-und Kindergartenalltag für meine Jungs in weite Ferne gerutscht ist, hat mich gestern voll erwischt.

Obwohl es absehbar war und auch mir klar, dass es nicht gleich weitergehen wird, war ich am Boden zerstört. Es war so ein bisschen hoffen, beten, hoffen, beten.

Und dann…

Ach nö, doch nicht! Ätsch!

Das Rumpelstielzchen in mir wurde geweckt und ich wollte einfach nur immer wieder wütend und vor Zorn stampfen.

Nach einmal drüber schlafen, sieht die Welt schon wieder anders aus. Wie bei allen Dingen, die erstmal so gewaltig wirken.

Diese Woche habe ich Urlaub und wir hätten ihn bei und mit meiner besten Freundin plus Familie verbracht.

Seit vielen Monaten ist es geplant, über mehrere Bundesländer hinweg, mit verschiedenen Ferienzeiten. Es war nicht einfach.

Noch schwerer war die Feststellung, dass auch hoffen hier nicht mehr reicht: es klappt nicht.

Am 1. 5 wären wir bei den Ehrlich Brothers in Stuttgart, das hatte ich meinem Sohn zum 9. Geburtstag geschenkt. Seit November hab ich die Karten schon und habe bis 15.3 das Geheimnis gehütet.

An seinem Geburtstag war für mich schon klar, dass wir da nicht hingehen werden, zumindest nicht im Mai. Es fühlt sich schlecht an.

Dann ist da noch unsere geplante Mutter-Kind-Kur Ende Mai, die bis jetzt auch sehr wackelt.

Wie hatte ich dafür gekämpft und wie hatte ich mich auf die 3 Wochen im Schwarzwald gefreut.

Wald und Natur, gute Luft.

Wir konnten vor 4 Jahren dort so schöne Erinnerungen sammeln.

Damals, nach der Trennung war das dieser kleine Lichtblick und er machte alles etwas erträglicher.

So war es!

Über diese ganzen Änderungen bin ich enttäuscht. Punkt.

Und doch! Wir sind gesund und wir haben uns.

Wir können viel Zeit miteinander verbringen, die uns oft gefehlt hat.

Alle zwei Wochen schloss ich am Freitag Abend die Tür hinter ihnen und meinem Ex-Mann. Immer dankbar, dass ich alleine sein darf, um Energie zu tanken. Und immer traurig über die fehlenden Stunden ohne Termine und Zeitdruck.

Heute hatten wir einige Erledigungen am Vormittag: Rezept abholen, Sanitätshaus, Pfandflaschen abgeben, zum Glascontainer und durch ein Autohaus sind wir geschlendert.

Anschnallen, abschnallen. Einsteigen, aussteigen.

Es tat gut, etwas vorzuhaben. Menschen zu sehen und mit ihnen zu reden. Über meine Arbeitskollegin und den Tratsch mit ihr habe ich mich sehr gefreut.

Wir drei beschlossen gemeinsam, dass wir heute nur im Garten bleiben.

Ausnahmsweise war es meine Idee und ich brachte den Jungs zwei Eimer mit Wasser. Sie waren kräftig am Rühren in ihren Behältern und immer mehr Zutaten in Form von Erde, Sand, Asche, Gras, Löwenzahn, Kies und Ziegelsteinpulver wurden dazugemischt.

Der Kleine sah mich fragend an, wenn er eine neue Idee hatte. Ich lächelte entspannt und dann zack- wurde es dazugemischt.

Immer wieder spritzte die braune Suppe ihm ins Gesicht und er wischte sich mit dem Arm ab.

Ich mag das, wenn meine Kinder dreckig sind. Echt!

Wenn sie so vertieft ins Spiel sind, vor Ideen fast explodieren, wenn sie wie wild arbeiten, machen und tun.

Ich mag die schwarzen Hände, die staubigen Hosen, die Grasflecken auf den Knien.

Die Nachbarskinder kamen mit Decke und Spielzeug bepackt dazu. Die Jungs freuen sich, denn es sind zur Zeit die einzigen Spielkameraden weit und breit. Sie hüpfen wild im Trampolin und spielen Karten.

Plötzlich wird es voll im Garten, drei Autos kommen näher. Die Vermieter und ihre Helfer kommen angedüst und wollen wahr machen, was sie so lang angekündigt haben: Hühner!

Schnell wird geklopft und gehämmert, ein Zaun aufgebaut und Schlafplätze. Die Kinder jubeln und helfen bereitwillig, das Material aus dem Auto zu laden.

Die Vermieterin fährt weg und als sie wiederkommt, steigt sie lachend aus.

30 Hühner hatte sie vor dem Tod gerettet und die Kinder sind ausser Rand und Band.

Ich beobachte sie und wie sie sich freuen. Jetzt haben wir den riesengroßen Garten, der uns zwar nicht gehört, aber den wir jederzeit nutzen dürfen. Wir haben ein Trampolin, eine Schaukel, einige Schafe und jetzt 30 Hühner.

Was haben meine Jungs für ein endloses Glück so aufwachsen zu dürfen!

Entschuldigung Corona, wir hätten gar keine Zeit für Schule und Alltag!

Wir sind viel zu beschäftigt mit das Leben geniessen, in der Sonne liegen, unsere Ohrwürmer wieder und immer wieder zu hören und uns neu zu entdecken.

Mir wird es etwas kühl und ich gehe schon mal rein.

Mein Grosser, der normalerweise an mir klebt wie Kaukummi, ruft nur:

„Ok, Mama.“

Ich drehe mich verwundert um. Nein, sie folgen mir nicht. Immer noch nicht…

Ich bin alleine!

Ich liege auf der Couch. Niemand redet, keiner legt sich dazu. Keiner hüpft auf mich drauf. Ich muss nichts machen. Nur liegen. Und geniessen.

Stille, ich vermisse dich!

Es reicht noch, um ein paar Wintersachen in den Keller zu räumen und nach Sandalen zu suchen. Hier räume ich ein bisschen rum und da.

Dann klingelt es an der Tür.

Die Jungs erzählen ganz aufgeregt, dass alle unten grillen. Ich gebe ihnen eine Packung Würstchen mit, Brot und 2 Teller.

Als es das nächste Mal klingelt ist es bereits nach 20 Uhr. Beide stinken nach Rauch, haben schwarze Gesichter und Hände. Sie überreichen mir einen vollen Teller. Brötchen, Salat und Fleisch.

„Das ist für dich haben sie gesagt!“

Ich bin dankbar und überrascht.

Die Jungs sitzen in der Wanne. Ich sitze am Tisch und esse.

Die Kinder sind ausgelassen und fröhlich. Sie reden durcheinander, singen und reimen. Sie fallen mir in den Arm und der Grosse sagt:

„Ich liebe dich nicht. Nicht.“

Das bedeutet, dass er mich liebt, so macht er das seit Wochen. Es ist nicht ganz so gefühlvoll wie ein „Ich liebe dich“ und dennoch ist alles gesagt.

Mein Fazit:

Jeder braucht Menschen um sich, Gespräche. In der Krise sind es vielleicht auch mal andere Menschen, mit denen man näher zusammen rückt.

Heute ist so ein Tag, an dem wir absolut nichts vermissen!