Mobbing und in Schubladen stecken

Vor einigen Wochen hatte ich dazu ein Paradebeispiel.

Das Leben hat mir wieder mal so schön gezeigt, wie einfach es ist, Menschen, die man nicht kennt zu verurteilen.

Wie falsch man so Manches deutet und einfach keine Ahnung hat.

Hier die Vorgeschichte:

Bei meinem Sohn in der 4. Klasse sind seit letztem Jahr zwei neue Jungs.

Wir waren noch in Mutter- Kind- Kur und mein Sohn verpasste die erste Woche des Schuljahres.

Ihm wurde gleich von Mitschülern berichtet, dass es Probleme gäbe. Er kam nach dem ersten Tag nach Hause und seine Begeisterung hielt sich in Grenzen.

Ich fragte nach den Namen der neuen Kinder und er sagte sowas wie: „Der eine keine Ahnung, komischer Name, konnt ich mir nicht merken. Der andere heisst Bugs Bunny.“

Ich fragte nach dem Hintergrund dieses Namens und er meinte, er heisst wohl mit Nachnamen „Bugs“ und deshalb eben Bugs Bunny.

Immer wieder erzählte er daheim von Kämpfen, Streit, Schlägereien.

Der Neue nerve total, weil er nur vom Zocken rede und von Ballerspielen.

Er mache irgendeinen Kampfsport und drohe damit auch mit seiner Körperhaltung. Er täusche immer an, gleich einen Kampf zu eröffnen.

Es sei sehr unruhig in der Klasse und man könne kaum was lernen, weil sich die Hälfte der Zeit alles nur um Streitschlichtereien dreht.

In den Pausen wollen sie deshalb nicht, dass er mitspielt. Die Lehrer reagieren verschieden. Ein Lehrer sage, daß sei o.k, dann sollen sie ihn aber in Ruhe lassen.

Ein anderer Lehrer „zwinge“ sie dazu, ihn mitspielen zu lassen. Das sei „voll doof“, weil es mit ihm keinen Spass mache.

Und immer wieder Bugs Bunny. Immer noch wusste er nicht, wie sein richtiger Name war.

Im ersten Elternabend konfrontierte ich die Lehrerin damit, was mir berichtet wurde vom Kind. Fragte nach, ob das alles noch im Rahmen sei, oder man etwas tun müsse.

Sie erklärte, dass die zwei Neuen noch nicht ganz Anschluss finden, aber sie sei da ganz optimistisch. Es sei etwas unruhig, ja.

Dass jemand „gemobbt“ werde, oder sowas in der Art, das könne sie nicht sagen.

Ich dachte laut und sagte:

„Naja, wo fängt es an, wo hört es auf!?!“ Wies darauf hin, dass alle den Neuen wohl nur unter „Bugs Bunny“ kennen und auch so nennen.

Der Vater dieses Kindes saß vor mir und ich konnte nur dessen Rücken sehen. Null Reaktion. Fand ich komisch. Es ging doch um sein Kind!

Eine andere Mama sagte, dass man ja mit den eigenen Kindern nochmal reden könne und das Thema ansprechen. Es läge ja auch an uns selber und was wir daheim kommunizieren. Also gut!

Die Schauergeschichten wurden auch nach Monaten nicht weniger.

Aggressionen. Unruhe.

Beim Infoabend zum Thema weiterführende Schule war da diese eine Mama. Die einzige, die ich nicht kannte, also ordnete ich sie diesem Kind zu.

Sie war sehr ungepflegt, suchte keinen Blickkontakt, wirkte arrogant, oder auch desinteressiert und zündete sich die Zigarette an, sobald sie draußen war. Sie verabschiedete sich nicht und ich dachte nur:

„Na das passt ja!“

Ich holte mir Rat beim Elternbeirat. Wies sie an mal bei den anderen zu horchen, ob die das auch so empfinden.

Die Meinungen waren verschieden.

Manche hatten keine Probleme, manche mussten erst mal das Kind dazu befragen. Andere erzählten das gleiche.

Im Zuge dessen wurde auch wieder die Lehrerin befragt.

Alles sei halb so wild. Begründet wurde es damit, dass alle sich ja schon seit der 1. Klasse kennen und ein neues Kind, das 4 Jahre später dazu kommt, es natürlich schwer hat.

Vor wenigen Wochen passierte folgendes:

Eine Bekannte schrieb mich an, dass sie in einem dieser Gruppen sei ( Thema Testungen und Masken in Schulen).

Da sei auch eine Mama von einem Kind aus der 4. Klasse meines Sohnes. Ob ich das wüsste und ob es mich interessiere.

Sie stellte Kontakt her, weil ich neugierig war. Anhand des Profilbildes sagte sie mir nichts. Hätte jeder sein können.

Diese Mutter schrieb mich dann bei WhatsApp an.

„Hallo. Ich bin die Mama von X. Er ist ja neu in der Klasse und hatte einen schweren Start. Sicher hast du schon von ihm gehört.“

Sie sei auf der Suche nach anderen Kindern, die bereit seien eine Lerngruppe zu bilden.

Ich dachte:

„Oh mein Gott! Bitte nicht genau DIESES Kind! Und nicht DIESE Mutter.

Niemals würde mein Sohn mit ihm eine Lerngruppe bilden wollen. Er würde mir den Vogel zeigen und sowas von rebellieren.

Und jaaaaahaaaa. Von ihm habe ich wirklich schon viel gehört. Leider eben nichts gutes!

Er hatte einen schweren Start? Ha! Alle anderen hatten es noch schwerer. Wegen ihm! Wie komm ich bloß aus der Sache wieder raus?!“

Ich schrieb, dass ich wirklich schon VIEL von ihm gehört hätte.

Sie deutete es richtig, wie ich es meinte. Sie fragte, zu welchem Kind ich gehöre und sagte dann zunächst, dass sie von meinem Sohn noch nichts gehört habe. Das also bedeute, dass er nicht gerade zu den Favoriten Ihres Sohnes gehöre.

Ich dachte:

„Na zum Glück! Spricht eher für meinen Sohn!“

Später fiel ihr dann ein, dass sie den Namen meines Sohnes immer im Zusammenhang mit Ärgereien gehört habe.

Ich wollte sie gleich löschen, blockieren und mich aus dem Staub machen.

Irgendetwas hielt mich ab. Ich ging in mich und fand, dass ihr keine andere Antwort übrig blieb, nachdem ich schon so begann.

Ich weiss noch, dass wir zu Mittag aßen und meine Jungs dann draußen im Garten spielten.

Da bekam ich von dieser Mutter eine seeeehr lange Sprachnachricht.

Was wir schnell rausgefunden haben war vor allem, dass wir uns sehr sympathisch sind.

Sie wunderte sich, dass ihr ach so lieber, süßer Sohn, wie sie ihn kennt, noch keine Freunde in der Klasse gefunden hat. Da er neu war, gab es also keine Kontakte zu Mitschülern, oder anderen Eltern.

Sie hatte ja keine Ahnung!

Keine Ahnung davon, wie ihr Kind sich in der Schule gibt und verhält.

Sie hörte das von mir zuerst und fiel aus allen Wolken. Das alles wusste sie nicht und dachte, ich könne nicht von ihrem Sohn erzählen.

Sie war eher damit beschäftigt, warum mein Sohn ihren lieben Sohn ärgert. Sie dachte, er komme vielleicht aus schwierigen Familienverhältnissen und sei ein sogenanntes Problemkind.

Da musste ich ganz schön schlucken. Es war kein schönes Gefühl. Denn ich weiss es ja besser und es entspricht gar nicht dem, was sie dachte. Auch nicht wenn wir, seine Eltern, getrennt sind.

Sie erzählte, dass ihr Mann beim Elternabend damals das erste Mal davon hörten, dass man den Sohn „Bugs Bunny“ nenne. Sie dachten, wegen seinen breiten Schneidezähnen.

Als ich meinen Sohn später dazu befragte, gab er zu, dass er keine Ahnung habe, warum er so genannt wurde. Er habe lange gedacht, er heisst wirklich Bugs mit Nachnamen.

Sie erzählte, dass ihr Sohn in der 3. Klasse von einer handvoll Jungs in seiner damaligen Klasse geärgert, gemobbt und am Ende auch körperlich angegangen wären.

Grund dafür war u. a., dass er noch ein bisschen kindlicher sei und eben nicht „zocke“.

Er habe sehr darunter gelitten und deshalb der Schulwechsel zur 4. Klasse. Neuanfang.

Die Lehrerin habe die Vorgeschichte nicht wissen wollen, um unvoreingenommen zu sein.

Letztendlich glaube sie, dass ihr Sohn dies als Grund dafür nutzte, den Kindern nicht sein wahres Ich zu zeigen, damit ihm sowas niemals wieder passiert. Keiner kannte ihn, er konnte alles sein.

Da er zuvor dafür ausgegrenzt wurde, dass er nicht zockt, erzählte er jetzt eben genau davon und von Ballerspielen. Nichts davon entspreche der Realität, sagte die Mutter später.

Dass er genau deshalb hier jetzt wieder nicht gemocht wurde, war Zufall.

In dem Selbstverteidigungskurs sei er nur, weil sie dachten, daß würde sein angekratztes Ego etwas aufpolstern. Nicht, damit er dies bei seinen Mitschülern anwendet.

Sie sei schon länger auf der Suche nach der besagten Mutter von damals aus dem Elternabend. Die, die sich für ihr Kind eingesetzt hat und das Ganze auf den Tisch gebracht hat. Sonst hätte sie wohl nie etwas davon erfahren.

Sie war so dankbar, dass sie endlich weiss, was los ist, warum er keine Freunde mit nach Hause bringt.

Ihr Sohn sei hochsensibel und auch leicht hochbegabt erzählte sie mir. Inzwischen sei ihm auch bewusst, was er angerichtet habe und schäme sich dafür. Komme jetzt aber aus der Sache nicht mehr raus.

Ich weinte allein auf der Couch.

Ich war so gerührt von ihrer Geschichte.

Und ich schämte mich so sehr.

Fürs Verurteilen und in Schubladen packen.

Es stellte sich auch schnell raus, dass sie nicht diese Mutter vom Infoabend damals war. Weder raucht sie, noch hat sie schwarze Zähne und war damals verhindert.

Wir schliefen beide ein paar Nächte nicht so gut und mussten immer wieder daran denken, wie so etwas zu Stande kommt. Eigentlich ganz einfach.

Keiner hat geredet. Jeder hat nur gedacht. Übereinander. Nicht miteinander.

Ein paar Tage später verabredeten wir uns auf einem Spielplatz.

Meinem Sohn musste ich natürlich ein bisschen erzählen, sonst wäre er nicht mal ins Auto gestiegen.

„Waaaaaas? Er ist eigentlich Simon, tut aber, als ob er Alvin ist???? Warum????“ ( Chipmunks)

Er war aufgeregt vor dem Treffen. Eigentlich konnte er ihn ja nicht ausstehen. Aber jetzt wusste er, dass er in echt gar nicht so war und alles nur erfunden hat.

Weil er dazu gehören wollte. Nichts anderes. Einfach dazugehören und nicht ausgegrenzt werden.

Nach einer Minute spielten sie Tischtennis zusammen und wir hatten herrlich entspannte Stunden miteinander. Haben geredet, getobt, gelacht und jaaaa „eigentlich ist er voll nett!“

Am Abend lief 20:15 Uhr:

Der kleine Bruder schlief bereits und mir war es so wichtig.

Warum Carsten Stahl sich gegen Mobbing einsetzt erzählte ich ihm davor noch und er war geschockt.

Mit offenem Mund saß er da und konnte nicht fassen, was Mobbing mit den Opfern anrichten kann. Dass Täter oftmals vorher auch Opfer waren und irgendwann einfach beschließen, nie wieder Opfer zu sein.

Dass Wegsehen und nichts dagegen tun genauso schlimm ist, wie mitmachen.

Dass Viele nicht mehr leben wollen, weil sie gemobbt werden. Meistens nur deswegen, weil sie nicht sind, wie andere das gern haben wollen.

Mein Sohn war tief berührt und sagte:

„Weisst du Mama, wenn Filme traurig sind, muss ich nie weinen. Aber DAS?!? Da schon. Das ist echt krass!“

Wir haben in den letzten Wochen beide viel dazugelernt und mein oberstes Ziel ist es, ihn dafür zu sensibilisieren.

Nicht nur, weil er niemals Opfer sein soll. Oder Täter. Sondern auch um stark genug für andere zu sein, die es nicht können. Für andere einstehen.

Dazwischengehen. Es nicht zulassen.

Dass es viel cooler ist nicht dabei mitzumachen und noch viel, viel cooler, sich für Schwächere einzusetzen.

Mitmachen ist so einfach!

Alle machen es doch! Genau! Die Gruppendynamik ist dabei nicht zu unterschätzen.

Danke Leben! Danke für diese Lehre!

Ps: ich fragte meinen Sohn, ob es ihm schon mal so schlecht ging, dass er lieber sterben wollte.

Er fand den Gedanken absurd und schüttelte entschieden den Kopf.

„Nicht mal damals, als Papa und ich uns getrennt haben?“

„Nein! Da dachte ich nur, dass ihr beide Arschlöcher seid. Aber sterben? Niemals.“

Wann mein Leben begann

Ich bin 39 Jahre alt.

Es dauerte jedoch sehr lange, bis ich anfing zu leben.

Mit meiner Freundin philosophierte ich vor einigen Tagen genau darüber:

„Wann begann dein Leben?“

Ich sagte zunächst, dass es begann, als mein erster Sohn zur Welt kam.

Vielleicht, weil seine Geburt so gewaltig war an Emotionen und Liebe, dass sie all die Jahre davor in den Schatten stellte.

Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl nicht zu leben, aber was sehe ich im Rückblick?

Ich war jung, ungebunden, lebte in der Großstadt. Ich schlenderte durch die Kaufhäuser, gab mein Geld für Kleidung, Schuhe und Handtaschen aus.

Ich sehe ein junges Mädchen, oberflächlich und unsicher, vielleicht ein bisschen arrogant.

Mit den Kindern wurde ich auf jeden Fall weicher.  Da war diese grosse Sehnsucht und mit zwei gesunden Kindern war sie gestillt.

Ich war verheiratet, wir bauten ein Haus. Ist das LEBEN? Und wenn ja, wie fühlt es sich an?

Ist es LEBEN, wenn man alles hat und trotzdem unglücklich ist?

Ist es LEBEN, wenn es sich nach Stillstand anfühlt?

Ist es LEBEN, wenn man neidisch zu anderen schaut und sich vergleicht?

Ist es LEBEN, wenn man so gerne reinpassen will und immer wieder an seine Grenzen stößt?

Ist es LEBEN, wenn man sich selbst immer wieder erinnern muss, dass man einen Traum lebt?

Es war einer- allerdings nicht meiner.

Meine Kinder haben viel verändert. Um mich herum, aber auch in mir drin.

Ich war bereit, alles hinter mir zu lassen, alles herzugeben, auf alles zu verzichten. Alles was ich brauchte waren meine Kinder, das war mir schnell klar.

Das ist es, was MEIN Leben ist. Die Liebe zu meinen Jungs. Nicht für das, was sie tun und sagen, sondern einfach wegen ihres Seins. Für sie Zeit haben, sie behüten, für sie stark sein und kämpfen, egal, wie oft ich hinfalle.

Die ersten Jahre nach der Trennung waren die schlimmsten meines gesamten bisherigen Lebens.

Sie lehrten mich jedoch auch, was LEBEN für mich bedeutet und um was es wirklich geht.

Mein Weg ist seit wenigen Jahren so klar wie noch nie zuvor.

Ich habe mir versprochen, dass ich nie wieder irgendwo bleibe, wo ich nicht willkommen bin, oder unglücklich. Egal, ob es eine Beziehung ist, eine Freundschaft oder ein Arbeitgeber.

Ich will LEBEN! Und ich LEBE!

Das heisst, dass ich mit allen Sinnen genieße.

Ich genieße es frei und ungebunden zu sein. Bis es dunkel ist draußen bleiben zu können, weil zu Hause keiner wartet.

Wir müssen nicht heim, weil der Papa von der Arbeit kommt, oder ich kochen muss. Ich muss einfach gar nichts.

Wir können tun und lassen was wir wollen. Bleiben wo wir wollen, mit wem wir wollen und so lange wir wollen.

Das geniesse ich gerade so sehr!

Ich spare nichts auf.

Nicht einen Haufen Geld, damit ich meine Rente geniessen kann, oder eine Weltreise anstrebe. Wer weiss, was bis dahin ist?

Ich will JETZT leben. Und ich beginne nicht damit, wenn ein bestimmter Zeitpunkt in der Zukunft eingetreten ist.

Ich spare an keinen Unternehmungen, Ausflügen, Fahrradtouren oder Sonstigem. Wenn wir Lust drauf haben, wird es gemacht, ob es nun Dienstag, oder Samstag ist.

Ich spare nicht an sozialen Kontakten, weder an meinen, noch an denen meiner Kinder.

Freunde treffen ist wichtig. Es macht glücklich und füllt alle Speicher auf. Die richtigen müssen es nur sein!

Ich liebe es mit meinen Kindern, Freunden und auch mit mir selbst gute Zeit zu verbringen. Nicht irgendwann, bald und wir müssten mal.

Ich bin glücklich. Ich brauche nicht viel dazu. Was ich brauche erfülle ich mir.

Jetzt lebe ich mein Traumleben.

Von Aussen sieht es vielleicht nicht so aus. Im Inneren fühlt es sich aber so an. Früher war es umgekehrt.

Ohne die Trennung wäre ich nie die geworden, die ich heute bin.

Mein Leben begann nach der Trennung! So sehe ich das heute.

Ich bin demütig. Mein Leben hat so viel Tiefgang bekommen, dass ich die oberflächliche Großstadttussi nur noch mitleidig belächle. Sie wusste es nicht besser und sie freut sich mit mir. Viel anfangen mit mir könnte sie womöglich nicht, würde mich „verrückt“ nennen, womöglich „bekloppt“.

Leben ist, sich glücklich zu fühlen.

Sich Träume zu erfüllen und immer wieder neu zu träumen. Das Gegenteil von Stillstand, denn Stillstand ist Resignation.

Zu lieben! Mein Herz war noch nie so voller Liebe. Und je mehr ich davon verschenke, umso mehr wird es.

Ich ziehe wundervolle Menschen in mein Leben und ich bin so reich.

An Lebenserfahrung und purem Glück.

Ich finde immer mehr raus, was mich ausmacht und wer ich tief im Inneren bin.

Ich kann mich immer besser verstehen und auch leiden. Ich komme gut mit mir aus.

Wenn ich heute von einer tödlichen Krankheit erfahren würde und eine Woche zu leben hätte…DAS ist für mich LEBEN.

Nicht den Haushalt vorziehen, sondern kuscheln mit meinen Jungs.

Zeit verbringen mit den Menschen, die man liebt. So viel wie möglich.

Erinnerungen schaffen.

Nichts unausgesprochen lassen.

Nichts bereuen müssen, vor allem nicht bereuen, etwas nicht getan zu haben.

Nur so viel arbeiten, dass man genug Zeit für die wirklich wichtigen Dinge hat. Arbeit ist wichtig, aber nicht mein Platz 1.

Die Menschen, die ich liebe, denen sage und zeige ich es. Ich warte nicht damit und schiebe es nicht auf.

LEBEN heisst für mich fühlen. Im Reinen sein. In einer Woche tot sein zu können- rein theoretisch. Nichts bereuen, oder ausgelassen haben. Sondern denken:

Zum Glück hab ich jeden Moment GELEBT!

Wir Frauen

Ich habe einige tolle und starke Frauen in meinem Leben.

Toll im Sinne von:

Du tust mir gut. Du inspirierst mich. Du verstehst mich. Wir ticken gleich. Nicht alles was du mir sagst, gefällt mir. Ich respektiere dich jedoch so sehr, dass ich es auf mich wirken lasse und dich nur kurz auch mal ein bisschen doof finde.

Toll im Sinne von:

Ohne dich wäre ich aufgeschmissen. Was wäre mein Leben bloß ohne dich, deine Liebe und Güte mir gegenüber?

Mein Zuhörer, mein Wachrüttler.

Mein „in was für nem Film bist du denn grad wieder?“

Toll im Sinne von:

Von dir kann ich so viel lernen. Wir sind auf dem gleichen Weg und schauen in die gleiche Richtung.

Toll im Sinne von:

Auf dich ist immer Verlass. Du bist immer da. Ich weiss, mit dir an meiner Seite kann mich einfach nichts umhauen.

Zusammen sind wir stark, noch stärker.

Meine Insel. Meine Oase. Meine Stille und innere Ruhe.

Toll im Sinne von:

Absolute Solidarität. Du regst dich mit mir auf. Du kämpfst an meiner Seite und für die gleiche Sache.

Eine starke Frau definiere ich nicht durch Äußerlichkeiten.

Die stärksten Frauen in meinem Leben sind diese sanften Wesen. Die, deren Blick mich trifft und der alles sagt, was Worte nicht ausdrücken können.

Die stärksten Frauen in meinem Leben haben schmerzliche Erfahrungen gemacht, an denen sie fast zerbrochen sind.

Die starken Frauen in meinem Leben sind voller Gefühl und haben keine Probleme damit, auch mal schwach zu sein.

Diese starken Frauen kennen sich sehr gut, vertrauen auf ihre Intuition und kennen ihre Grenzen.

Sie besinnen sich auf ihre Stärken und ziehen sich daran immer wieder hoch. Sie sind sich ihren Schwächen aber durchaus bewusst.

Starke Frauen sind nicht nur stark für sich selbst, sondern richten auch andere wieder auf.

Sie haben Neid und Missgunst nicht nötig. Sie können sich für andere freuen, auch wenn es ihnen selber gerade etwas an Glück fehlt.

Starke Frauen brennen für eine gute Sache und wollen Spuren hinterlassen.

Starke Frauen brauchen weder Muskeln, noch eine bestimmte Körpergrösse und Superkräfte.

Du erkennst sie an ihrer Verwundbarkeit.

An der weichen Mimik, dem Lächeln im Gesicht. Dem Herz voller Liebe. Daran, dass sie empathisch ist.

Daran, dass du nach einem Treffen mit einer starken Frau gute Laune hast und voller Energie bist. Daran, dass dein Akku aufgeladen ist und es dir so gut tut, sie in deiner Nähe zu haben.

Stark, weil du ihr nichts vormachen kannst. Sie nicht nur auf deine Worte achtet, sondern auch auf das, was zwischen den Zeilen steht.

Immer wieder bin ich überrascht, was wir erreichen können, wenn wir andere an der Hand nehmen.

Wenn wir uns zusammentun und füreinander da sind, sind wir nicht mehr aufzuhalten. Dann ist nichts unmöglich.

Der Weltfrauentag ist am 8. März, er ist schon ein paar Tage her.

Dieses Jahr haben mir mehrere meiner starken Frauen gezeigt, was unsere Superpower ist und zu was wir im Stande sind, wenn wir uns nicht gegenseitig bekämpfen, sondern uns gegenseitig die Hand reichen.

Wie viel leichter und schöner ist das Leben, wenn man tolle und starke Frauen in seinem Leben weiss.

Danke dafür.

Wenn der Ex-Mann nochmal Vater wird…

In gut einem Monat ist es soweit, dann dürfen meine Kinder ihren Halbbruder Henry begrüßen.

Ihre Schwangerschaft zog grad so an mir vorbei. Es kommt mir vor wie gestern, als ich dachte, ich hör nicht recht.

Meine Kinder erzählten es mir nach dem Papa- Wochenende ganz aufgeregt und beide lächelten dabei glücklich.

Ich war kurz in Schockstarre, damit hatte ich nicht gerechnet. Hatte er doch immer betont, dass er keine weiteren Kinder möchte. 

Ich schickte meiner Freundin die news rüber (…ich gebe zu, es waren mehrere Freundinnen und nicht nur eine…)😬

Hallo?!? Ich brauche Meinungen! Bitte alles her zu mir, ich will hören, dass er doof ist und alles blöd.

Eine meiner liebsten Freundinnen schrieb nur kurz zurück: „Und was hat das mit  DIR zu tun?“

Ich muss dazu sagen, sie kennt mich gut und hat voll getroffen. Sie weiss, ich steigere mich gern in Dinge rein und bin eine dramaqueen.

An dem Tag war ich genervt von ihr und verdrehte die Augen. Sie hatte ja keine Ahnung! Das hier verstand sie wohl nicht, sie ist glücklich verheiratet und somit in ner ganz anderen Welt.

Wie sollte das hier NICHT mit mir zu tun haben?!? Hier geht es quasi NUR um mich fand ich, bzw. wohl eher mein Ego.

Ich hatte Zeit mich damit zu arrangieren. Er ist ausgeglichen und zuverlässig, seit er mit ihr zusammen ist. Davon profitiere ich auch. Ich bin also mehr als zufrieden mit ihr und bin mit seiner Wahl sehr einverstanden.

Die Kinder mögen sie, erzählen viel Positives und den 7 jährigen Sohn mögen sie auch. Es ist wohl sehr harmonisch, wenn sie alle zusammen sind. Das kenne ich auch anders und ich kenne auch andere seiner Freundinnen, meinen Nachfolgerinnen quasi.

So richtig kennen jetzt nicht wirklich, aber eben von den Erzählungen meiner Kinder und von der Verfassung, in der sie nach manch einem Wochenende zu mir zurückkamen.

„Sie waren gerade mal 2 Tage bei ihm, was bitte hat er nur mit diesen Kindern gemacht? SO habe ich sie ihm am Freitag Abend aber nicht anvertraut!“

Oft war ich traurig, dass sie in so eine Situation geraten sind. Unschuldig. Weil er und ich es verbockt haben. Das hört nach der Trennung nicht immer direkt auf.

Um es auf den Punkt zu bringen: es läuft gut!

Ich habe mich damit abgefunden. Alle 14 Tage bekomme ich neue Infos über die Größe Ihres Bauches, die aktuelle Länge des Babys, das Gewicht, Beschreibungen von Ultraschallbildern.

Meist ist das erste, was mein Grosser sagt, wenn ich Sonntag Abend die Tür öffne: „Mama, das Wochenende war so cool!“

Das macht mich auch glücklich und zufrieden. Gespannt höre ich zu und frage wenig nach.

Henry…hmmmm. Als ich mit dem 2. Sohn schwanger war, war Henry auch in der engeren Wahl.

Ach egal, nicht nachdenken. Henry ist ein schöner Name. Punkt.

Inzwischen freue ich mich sogar mit und fieber diesem Baby auch etwas entgegen. Ich freue mich für meine Jungs, dass sie diese Erfahrung machen dürfen. Ein Baby! Das kann gar nicht verkehrt sein.

Es wird anders. Ich bin gespannt WIE anders es wird. Und vor allem bin ich froh, dass es nicht mein Baby ist.

Denn ich bin mit dem Thema durch. Dem Schlafentzug, dem Herumtragen, Stillen, wiegen, Schlaflieder singen, pucken, Fliegergriff, dem ständigen Umziehen, Bäuerchen machen und dem Windeln wechseln.

Ich möchte das alles nicht noch mal, auch wenn ich jeden Moment genossen und alles in mich eingesaugt habe. Ich kann es noch abrufen. Schön war es. Sehr anstrengend war es auch.

Ich denke nicht an den Kindesunterhalt, der jetzt neu berechnet wird.

Ich denke ebenso nicht daran, dass er mit ihr glücklich (er) ist. Unsere Zeit war und sie ist vorbei. Ich bin weder neidisch, noch tut es weh. Darüber bin ich hinweg.

Es ist einfach nur komisch. Nicht mehr und nicht weniger.

Mein Grosser bleibt ein grosser Bruder, er kennt es schon.

Der Ältere und auch oft der Klügere. Er steckt viel zu oft freiwillig zurück, nur weil der Zwerg eskaliert und bockt.

Nach dem letzten Papa- Wochenende bemerkte ich schließlich eine Veränderung am Zwerg. Nicht gleich kam ich darauf, woher der Wind weht.

Er war sehr launisch, bockig, wütend und war irgendwie auf dem Stand eines maximal 2 Jährigen. Erst war ich sehr irritiert. So sehr, dass ich meinen Exmann fragte, ob irgend etwas am Wochenende bei ihm passiert sei. Streit vielleicht?

Er verneinte.

Zwergi packte die verstauten Spieluhren aus und seine Schnullersammlung, die er nie akzeptiert hat. Neben mir lag ein Vorschüler, der am Schnuller saugte und die Spieluhr sang „Lalelu“.

Am nächsten Tag verbannte ich beides wieder ganz nach hinten in den Schrank.

Jetzt benahm er sich nur noch wie ein Baby. Inklusive Babysprache und viiiiiel Körperkontakt. Kuscheln, tragen, sich nicht alleine anziehen können, „…weil, ich bin doch ein Baby“.

Am Abend fragte er mich dann, ob er meinen Bauch küssen dürfe. Sein grosser Bruder fing an zu lachen und sagte, dass der 7 jährige Sohn der schwangeren Freundin eben immer frage, ob er ihren Bauch küssen darf.

Ahhhhhhhh! Jetzt war alles klar, daher wehte der Wind. Jetzt war mir alles klar, ich konnte lachen. Und verstehen.

Mein Zwergi wird ein grosser Bruder! Na wenn das nicht neu ist und nach Irritation schreit!

Der Grosse bleibt der Grosse. Aber der Kleine wird jetzt ein grosser Bruder. Er weiss ja ganz gut, was einem da so abverlangt wird.

Der Grosse rief: „Dann siehst du mal, wie das ist! Ha!“

Ich freu mich auf alles was kommt und vor allem um diese neue Erfahrung für meine Kinder. Sie haben nicht das Gefühl, dass ihnen etwas genommen wird. Im Gegenteil!

Babys riechen so gut. Und schreien so laut. Die Karten werden neu gemischt und die Rollen neu verteilt.

Mit meinem Exmann rede ich nicht viel darüber. Ich warte lieber ab.

Lachen können wir allerdings auch darüber. Wegen der aktuellen Situation darf er nicht bei der Geburt dabei sein. Er witzelte:

„Dann hatte ich alles. Ne Spontangeburt, nen Kaiserschnitt und eine, bei der ich nicht dabei war.“

Ich mag seinen Humor manchmal noch. Alles ist gut wie es ist. Genauso wie es ist!

„Jammern“ ausdrücklich erlaubt!

Ich bin coronamüde. So, so müde.

Ich kann durchaus mein Glück sehen und klar erkennen:

Keine Kurzarbeit, keine Geldeinbußen.

Ich darf arbeiten gehen, weg von zu Hause und weg von den Kindern.

Schlimmer geht immer und mein persönlicher Alptraum wäre homeoffice mit meinen wilden Kerlen, die im Hintergrund kämpfen und die Türen schlagen. Hilfe!

Sie sind 5 und 9 Jahre alt und noch immer kann ich nicht länger als 5 min in Ruhe telefonieren. Genau dann müssen sie etwas sehr Wichtiges fragen, etwas essen, oder

…kämpfen. Davon bin ich übrigens auch müde.

Ich versuche mich auf das Positive zu fokussieren, wie:

Wir alle sind gesund und das alles, blablabla.

Es ist wichtig, DAS Wichtigste, keine Frage. Aber ist das genug? Wir leben im Mangel. Jeder von uns spürt es, jeder hat einen anderen Mangel und es wechselt täglich.

So wie meine Stimmung.

Gestern überschlug sich noch meine Stimme bei der Ansage, die Kinder sollen sich endlich Anziehen zum Rausgehen.

„Mama weinst du?“

Ja. Nur kurz. Und nicht wegen euch, dachte ich.

Es ist die Lautstärke. Das Chaos, die Unordnung, die Wäscheberge, das Kochen. Das keinem gerecht werden.

Inzwischen weiss ich, es ist nichts von Dauer. Ein Anruf, ein Gespräch, eine gute Nachricht, ein netter Besuch und schon ist alles wieder gut.

Heute strahlen wir um die Wette, sind entspannt und alles klappt.

Wer weiss, was morgen kommt?

Ich schätze das nennt sich LEBEN.

Ich renne von Zimmer zu Zimmer. In dem einen bespreche ich die Matheaufgaben und kontrollieren Ergebnisse, verbessere die Rechtschreibung, motiviere, tröste, solidarisiere mich:

„Ja, es ist wirklich viel, das stimmt. Es wird aber nur weniger, wenn du beginnst.“

Wenn 10 Ergebnisse der gleichen Rechenart richtig sind, warum muss man trotzdem noch 20 weitere Aufgaben lösen? Und wenn 10 Ergebnisse falsch sind, motivieren mich dann die 20 weiteren Aufgaben?

In dem anderen Zimmer lobe ich, dass er so schön spielt und den Bruder nicht stört. Kurz knuddeln, dann in die Küche, bevor es aus dem ersten Zimmer schon wieder schreit:

„Hä? Ich check das nicht. Maaaaaama!“

Ich bin keine Lehrerin. Mein Leben geht hier normal weiter und ich habe nicht mehr Stunden geschenkt bekommen. Ich muss immer noch den Haushalt machen, arbeiten, waschen, kochen und all das.

Immer noch denke ich:

„Das ist verdammt nochmal nicht meine Aufgabe!“

Mir fehlen meine freien Tage. Die, wenn der eine Sohn im Kindergarten ist und der andere in der Schule.

Ich denke an die Zeit zurück, als ich ein paar Stunden ICH sein konnte.

Als ich nicht reden musste. Jetzt bin ich entweder Krankenschwester, oder ich bin Mutter. Wann kann ich endlich wieder mal ganz nur ICH sein? Ich fehle mir.

Meine Kinder können nichts dafür und natürlich bemühe ich mich, dass der Kopf weiter arbeitet, auch im Lockdown.

Lesen, Einmaleins nebenbei wiederholen.

Mit dem Vorschüler die Wochentage, die Monate, Jahreszeiten, ein bisschen zählen üben und Buchstaben schreiben.

Manchmal klappt es gut und ich bleibe ruhig.

Manchmal werde ich laut, muss den Raum verlassen. Tränen fließen, das Tagebuch wird aus dem Regal geholt.

Ich hoffe, dass mein Sohn auch an den guten Tagen mal was reinschreibt und nicht nur, wenn er mich auf den Mond wünscht.

Ich denke ich komme trotzdem recht gut klar.

Warum ist das wohl so? Heute habe ich darüber nachgedacht und die Antwort gefunden.

Als Alleinerziehende bin ich es gewöhnt, dass meine Kinder um mich herum sind. Ständig, überwiegend.

Deshalb trifft mich das in diesem Fall vielleicht nicht ganz so hart. Immer verantwortlich sein- das kenne ich zu gut.

Alle Aufgaben mit dem Schulkind zu machen…war nie anders.

Die ganzen Einschränkungen, das ist nicht neu für mich. Ich konnte vorher schon nicht überall hin und mich lustig treffen, mit wem und wann ich will.

Es gab vorher schon viel, bei dem ich sagen musste:

„Geht leider nicht!“

Was mir in letzter Zeit auffällt, dass andere Mütter sich bei mir entschuldigen, wenn sie davon erzählen, dass ihnen alles zu viel wird.

„Ach, wem erzähl ich das denn. Und dabei hab ich noch einen Mann, der mich unterstützt!“

„Ich rede hier von meinem Stress, entschuldige bitte. Wie geht es wohl dir?“

Jeder hat ein Recht darauf traurig zu sein, wütend, entmutigt und ratlos.

Jeder darf mal alles stehen und liegen lassen, keine Lust mehr haben.

Jeder darf fluchen, schreien, weinen, toben.

Jeder darf alles sein und alles fühlen und ich verstehe alles so gut. Nie würde ich all dieses Empfinden anderen absprechen, nur weil ich es in manchen Dingen schwerer habe allein.

Aber in manchen eben auch leichter.

Keiner sollte sich für aufkommende Gefühle in diesen Zeiten entschuldigen. Alles ist erlaubt.

I feel you. ❤

Resilienz und Vertrauen

„Man wächst mit seinen Aufgaben!“

Nicht umsonst gibt es diesen Spruch.

Nicht nur einmal hat das Leben mir voll in die Fresse geschlagen, mich zu Boden gerissen und mich an den Haaren über den Boden gezogen.

Nicht nur einmal war ich verzweifelt, hoffnungslos und fühlte mich einfach nur elend.

Ich war jung, lebte in den Tag hinein, hatte keine Ziele und hinterfragte nicht viel. 

Ich fand es ungerecht und wollte am liebsten toben wie Rumpelstilzchen, inklusive dem Teil, als es sich vor lauter Zorn und Wut selbst entzwei riß.

Ich schob die Schuld gern auf andere, machte Menschen oder Situationen für mein Leid verantwortlich.

Meinen eigen Anteil daran sah ich nicht und war auch nicht bereit hinzusehen.

Ungerecht! Einfach ungerecht- so schrie alles in mir.

Und genau das schätze ich am Älter werden.

Du bekommst die einmalige Gelegenheit zu wachsen! An dir zu arbeiten- wenn du es denn willst.

All das, was dich so oft zurückgeworfen hat und diese ganze Steine, die dir in den Weg gelegt wurden, du kannst was draus machen!

Ich möchte gar nicht die Zeit zurückdrehen, Dinge anders lenken, wieder 20 sein.

Genauso wie ich jetzt bin, bin ich nur wegen dem, was mir widerfahren ist.

Es sind die vielen kleinen Steine, aber auch die Felsen, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin.

Weit weg von Perfektion, versteht mich nicht falsch. Aber schon ein Stückchen weiter. Mit offenen Augen und erhobenem Kopf. Bereit hinzusehen.

Es nicht weghaben zu wollen, weil es unangenehm ist und sich doof anfühlt. Sondern annehmen! Akzeptieren. Auch WENN es sich doof anfühlt.

Resilienz.

Für mich bedeutet das vor allem Stärke von innen.

Dass ich mich nicht an Dingen im Aussen orientiere. Oberflächlichkeiten. Materiellem. Vergänglichem.

Ich besinne mich auf wer ich bin- tief in meinem Inneren.

Ich- nur ich. Nicht das, was mir mal jemand gesagt hat. Nicht, wie jemand anderes es angeht. Nicht geleitet von „man sollte“ und „das macht man nicht“. 

Nur ich! Für was stehe ich? Was und wie will ich sein? Was sind meine Werte? Was ist mir wichtig?

Resilienz heisst für mich, dass nichts NUR schlecht ist. Kein Mensch und keine Situation.

Wenn mein 5 jähriger Sohn sich ungerecht behandelt fühlt, ob von mir, oder vom Leben, sagt er gerne:

„Heute ist mein allerschlimmster Tag!“

Er verschränkt dann trotzig die Arme, schaut zum Boden und setzt den Todesblick auf.

Wir finden auch an so einem Tag immer etwas, das gut lief und schön war.

Resilienz heisst für mich bei mir zu bleiben.

Mich auf meine Stärken zu besinnen. Auf mein Sein. Egal was im Aussen passiert. Egal welcher Sturm bläst. Ich bleibe bei mir.

Ich mache mich frei von negativen Gefühlen wie Rache, Neid und Missgunst!

Wenn jemand zu mir ungerecht ist, lasse ich es bei ihm. Ich muss ihm das nicht zurückgeben, es am besten noch toppen, oder gar darauf reagieren.

Ich weiss, wer ich bin. Ich weiss, was mich ausmacht. Ebenso wie ich nicht sein möchte. Wie ich nicht reagieren will.

Auch wenn ich nichts geschenkt bekomme, macht es mir trotzdem Freude zu schenken und erfüllt mein Herz.

Das bin ich!

Ich brauche keinen Applaus und keinen Zuspruch von Aussen.

Ich weiss, wofür ich stehe und wenn ich danach handle, ist es mehr als gut.

Ich bin dankbar. Ich schätze Kleinigkeiten und Menschen. Ich habe gelernt, dass die kleinen Dinge die ganz Grossen sind.

Ich habe gelernt auszusortieren, was und wer mir nicht gut tut.

Meine Grenzen zu wahren und auch von anderen nicht überschreiten zu lassen.

Ich höre auf mein Bauchgefühl.

Ich habe Vertrauen, dass alles Sinn macht, so wie es ist. Auch wenn ich ihn jetzt noch nicht erkenne.

Ich halte nicht fest und lasse mich treiben…das ist mein Schlüssel zum Glück.

Resilienz für mich bedeutet:

Auch jeder schlechte Tag hat nur 24 Stunden.

Prost Neujahr! 🥳

Lockdown ( light ) als Alleinerziehende 👩‍👦‍👦

Lockdown light- das ist nicht erst seit diesem Jahr für mich bittere Realität.

Uns fehlt es an nichts. Viel verändert hat sich nicht. So, wie es für Viele da draußen neu ist, so ist es für mich schon seit Jahren.

Meine Kinder sind jetzt schon 9 und 5 Jahre alt, ich habe mir mehr Freiheiten erkämpft und Vieles ist um so viel leichter geworden.

Immer öfter fühle ich mich frei und es tut gut zum Beispiel alleine einkaufen gehen zu können.

Diese 10 Minuten alleine im Auto, etwas in Ruhe machen zu können, von Anfang bis zum Ende. Das ist Gold wert!

Das war nicht immer so.

Gut erinnere ich mich noch daran, wie ich die schwere Tüte mit Lebensmitteln in der einen Hand und das Kleinkind auf dem anderen Arm die Treppen hoch schleppte. Später dann konnte das Kleinkind mir wenigstens schreiend hinterherlaufen. Oder sich bockig vor die Tür setzen.

Das lief regelmässig so ab. Immer. Ohne Ausnahme. Denn es gab keinen Papa zu Hause, bei dem ich die Kinder lassen konnte.

Wenn ich zum Blutspenden wollte, saß mein Kleinkind währenddessen auf meinem Bauch und das ältere Kleinkind schaute fasziniert dabei zu.

Hatte ich eine Pflichtfortbildung, die meiner Arbeitszeit abwich und die Betreuungszeit in Kindergarten und Schule sprengte, waren beide mit dabei.

Erste Hilfe und was tun, wenn es brennt…es fühlte sich nie schlecht an sie dahin mitzunehmen. Daraus haben sie viel gelernt und für sich mitgenommen. Sie durften Kopfverbände anlegen, machten Bekanntschaft mit dem Defribilator,  und durften echtes Feuer mit dem Feuerlöscher löschen.

Der Arbeitgeber und die Kollegen mussten es so akzeptieren. Denn daheim wartete kein Papa, der früher Feierabend machte und bei den Kindern blieb.

Wenn ich ein Rezept abholen musste, oder einen Termin beim Arzt hatte, die Kinder mussten mit, keine Frage.

Abends mit einer Freundin essen gehen, oder Cocktails trinken, das gab es nicht wirklich in meinem Leben nach der Trennung.

Ich habe es auch nicht vermisst, das muss ich ehrlich sagen. Das „Können“ jedoch habe ich schon vermisst. Die Illusion: „Wenn ich aber wollte, dann könnte ich…“

Selbst wenn die Kinder am Wochenende bei Papa waren und ich nach der Arbeit als Krankenschwester frei war.

Ich war müde und erledigt. Ich arbeitete auf, was im Haushalt so unter der Woche liegen blieb.

Ich wollte nicht reden, auch wenn es so nötig gewesen wäre.

Ich war zu erschöpft, um mich frisch zu machen, die Haare zu frisieren und aus dem Haus zu gehen.

Ich genoss die Ruhe in der Wohnung, alles nacheinander erledigen zu können. Nach der Frühschicht ein Nickerchen zu machen. Morgens nur mich selber richten zu müssen.

Keinen Streit schlichten, das Wort Mama nicht zu hören. Kein Mittagessen kochen zu müssen und mir vielleicht nur eine Dönerbox unterwegs zu holen, oder einen Joghurt zu essen.

Mich abends ins Bett zu legen, ohne zwei Kindern vorlesen zu müssen und dabei selber fast einzuschlafen.

Sport machen zu können. Vielleicht ein bisschen Yoga. Podcast zu hören ohne Unterbrechungen. Einen Spaziergang. Allein im Freibad meine Bahnen schwimmen. Manchmal hatte ich dafür 2-3 h Zeit zwischen Feierabend und bevor die Kinder von Papa zurückgebracht wurden.

Freiheit pur.

Ich bin die, die ganz aufgeregt ist, wenn ich 18 Uhr zum Elternabend in die Schule darf. Dafür schminke ich mich dann sogar.

Es fühlt sich gut an, nur unter Erwachsenen zu sein.

Ohne Kind auf dem Schoss. Und ohne Kind im Auto. Daheim anzurufen, zu hören, dass meine Jungs klar kommen und es auch geniessen können.

Manchmal stelle ich mich zu den anderes Mamas dazu und rede noch ein paar Minuten. Ihre Kinder sind dann bei Papa oder Oma.

Wenn ich nach Hause fahre, wundere ich mich über die Schönheit des Sternenhimmels und mir fällt auf, wie selten ich ihn sehe.

Habe ich unter der Woche freie Tage, muss ich trotzdem IMMER 6 Uhr aufstehen und die Kinder fertig machen. Da ist keiner, der das auch nur manchmal kompensiert.

Mein persönlicher Alptraum war es jeden Abend zwei kleine Kinder ins Bett bringen zu müssen. Jeden Abend! Immer beide.

Nachts immer aufstehen zu müssen. Egal ob Alptraum, „Ich kann nicht schlafen“, Zahnschmerzen, Nasenbluten, Halsweh oder sonstiges. Immer!

Am Anfang waren sie eher sporadisch bei Papa. Unregelmäßig. Spontan. Oft nur der Grosse über Nacht. Da habe ich dann gearbeitet, bin eingesprungen, um Stunden zu sammeln, damit es unter der Woche mit den Kindern etwas entspannter sein kann.

Jetzt darf man ab 20 Uhr also nicht mehr raus? Das ist nicht neu für mich. 

Seit Jahren ist das mein Leben und macht mir schon lange keine Angst mehr.

Ich war nie der Typ, der sich einen Babysitter bestellte, um abends ausgehen zu können.

Erstens, weil mir diese Art der Aktivität nicht wichtig genug war.

Zweitens, weil so ein Abend Geld kostet und dann noch den Babysitter bezahlen? Puh. Nein.

Drittens, weil ich Freunde habe, mit denen ich mich zum Frühstück verabrede, zum Spaziergang im Wald, zum Sport machen, wenn die Kinder im Kindergarten oder der Schule sind.

Viertens, weil ich meine Kinder ungern in fremde Hände gebe und stattdessen lieber in den sauren Apfel beisse.

Aber sicher nicht, um abends auszugehen. Dieses Verbot lässt mich also bisher total kalt.

Restaurants, Cafés, Clubs, Bars, alles zu. Betrifft mich nicht, war nie Teil meines Lebens in den letzten Jahren. Schon gar nicht in der Kombination mit NACH 20 UHR.

Sicher, ich vermisse die Schwimmbäder schmerzlich.

Dass mein 5 1/2 jähriger bisher noch nicht schwimmen kann, weil er schlichtweg nicht üben kann, das ist schlimm.

Andererseits erinnere ich mich auch daran, dass ich im Winter nicht gern mit den Kindern schwimmen war. Denn danach war einer von beiden meist krank und ich habe es bereut.

Abgesehen davon, dass es meist sauanstrengend ist mit 2 Kindern alleine schwimmen zu gehen. Sie duschen ja nicht allein, trocknen sich nicht alleine ab, oder ziehen sich nicht an.

Dazu kommt noch:

„Ich muss kacka.“

„Ich hab Hunger!“

„Gehen wir dahin?“ Und: „Können wir das?“

Vermisse ich es wirklich? Vielleicht die Illusion davon und das „…wenn ich aber wollte, dann könnte ich.“

Meine Kinder vermissen den Indoorspielplatz. Das haben wir wirklich gerne gemacht bei Dauerregen und im Winter.

Vermisse ich es wirklich?

Oft ärgerte ich mich über die überteuerten Preise und darüber, dass es viel zu kalt dort war. Die Kinder waren ausgetobt, ich langweilte mich zu Tode, wenn nicht gerade jemand uns begleitete.

Am Ende schlief der Zwerg die 40 Minuten Heimweg durch und ich ärgerte mich nochmal.

Vielleicht ist das alles der Grund dafür, dass es sich diesmal nicht so schlimm für mich anfühlt.

Ich arbeite normal weiter, die Kinder gehen dann in die Notbetreuung. Ich spüre keine Einschränkungen. Nichts, das mir wirklich, wirklich fehlt.

Alle sind gesund, wir sind viel zusammen, verbringen Zeit in der Natur, wir können uns mit Freunden treffen, mit der Familie, wenn auch mit minimalen Einschränkungen.

Weihnachten lief bei uns wie geplant ab und on top gab es bei der Oma sogar viel Schnee.

Das Geld, das wir jetzt sparen, kommt in die Urlaubskasse, denn das nächste Abenteuer kommt, da bin ich sicher.

Einsamkeit ist nichts Neues. Da bin ich schon lange durchgegangen.

Zeit alleine habe ich lieben gelernt. Sie macht mir Freude und keine Angst mehr.

Denk in Möglichkeiten!

Mein 2019 war unschlagbar und wird schwer zu toppen sein, das war mir bewusst.

Ich habe viele unglaubliche Erinnerungen, vor allem in Form von Unternehmungen und gemeinsamer Zeit!

2019 war die geballte Ladung Glück, Zufriedenheit, ein gefülltes Herz und ganz viel Lachen.

Dass 2020 so richtig, richtig blöd ist, kann ich nicht sagen.

Es lief gewiss nicht nach Plan. Es ist eine Herausforderung, ja.

Es lehrt mich so viel!

Es gilt Altes abzulegen und nicht krampfhaft festhalten zu wollen.

Es gilt Neues zu erfahren und sich einzulassen.

Es gilt den Weg zu gehen und das Ziel nicht zu kennen.

Es gilt Vertrauen zu haben. Dass alles schon richtig so ist und so für einen bestimmt.

Neues macht mir immer erst Angst. Ich mag Struktur in meinem Leben und wenn alles normal läuft.

Ich schimpfe dann, bin unzufrieden, schlecht gelaunt, meckere und schaue ernst.

Bringt mich das weiter? Nein!

Also mache ich es diesmal anders.

Ich lege die Zügel zur Seite, schließe die Augen und breite die Arme aus.

Ich lächle und denke:

„Hallo Leben! Ich bin so gespannt, was deine Pläne für mich sind und was da noch kommen wird.“

Akzeptanz.

Das bringt mich weiter, davon bin ich überzeugt.

Ich werde nicht mürrisch beim Gedanken, was mir alles fehlt. Was mir versaut wurde. Was nicht nach Plan läuft. Was nicht stattfindet.

Diesmal denke ich in Möglichkeiten!

Nein Angst! Diesmal nicht!

Ich gebe dir keinen Raum in mir und mache dich nicht gross.

Du darfst mich gerne begleiten, aber du bist maximal ein kleines Accessoires.

Ich kann Angst haben, manchmal nur ein bisschen und manchmal eben ein bisschen mehr.

Aber mein Glück ist gross und nichts kann das trüben.

Mein Denken ist mächtig und ja, ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Wenn auch nur meine eigene.

Dieses Jahr wollte ich mit meinen Kindern viele Shows besuchen. Konzerte. Aufführungen.

2020 steht jetzt für Natur pur!

Für Wald, Wiesen, Burgen, Ruinen, Flüsse, Bäche, Seen, Weinberge und Felder.

Für ungeahnte Schönheit, für die wir immer zu wenig Zeit hatten.

Immer weiter auf dem Laufband des Lebens. Immer Vorankommen. Immer zum nächsten Ziel. Immer noch etwas abarbeiten.

Und so fühlte es sich an. Nach schwerer Arbeit, für die das Glück oft in den Hintergrund rutschte.

Jetzt gilt es auch mal stehen zu bleiben. Inne zu halten. Zu geniessen. Zu fühlen. Glücklich zu sein, auch wenn es nicht nach Plan läuft.

Was hätte ich mich über die Zeitverschwendung geärgert, wenn ich nur darauf warten würde, dass alles wieder vorbei ist?

Dass ich DANN endlich wieder glücklich sein kann, weil ich dann endlich all das wieder machen kann, was ich mir vorgenommen hatte für dieses Jahr.

Denke in Möglichkeiten!

2020 hat mir nicht so viel genommen, wie es mir gegeben hat.

Es lag nicht das gewünschte Geschenk unter dem Tannenbaum, ja. Ich kann beleidigt sein, es in die Ecke pfeffern und auf das nächste Weihnachten hoffen.

Ebenso kann ich mir mein Geschenk vielleicht aber auch mal genauer anschauen. Feststellen, dass ich mir das nie gewünscht habe. Aber dann überlegen, was ich damit anfangen kann und ob es nicht doch irgendwie zu mir passt.

Vertrauen haben, dass sich jemand genug Gedanken darum gemacht hat, was gut zu mir passt.

Es annehmen, mich bedanken.

Vielleicht weiss ich im Moment nichts damit anzufangen. Aber irgendwann kommt das grosse „ahhhhh“.

Das Leben gibt dir nicht nur Regen. Irgendwann geht auch wieder die Sonne auf. Dafür lohnt es sich den Kopf zu heben.

Denke in Möglichkeiten!

Das ist mein 2020 und ich liebe es nicht weniger als mein 2019, wenn ich meinem Herz auch einen größeren Schubs geben musste.

Toxische Beziehungen

Heute schreibe ich nicht als Mutter- sondern als Frau.

Die letzten Jahre habe ich mich ausgiebig mit diesem Thema beschäftigt. Ich habe darüber gelesen, podcasts gehört, aber auch in meinem Umfeld beobachtet und gesehen.

Aus der Vogelperspektive und der Rolle im Aussen ist es so offensichtlich und klar.

Man fragt sich, was diesen Partner nur in dieser Beziehung hält!

“ Sieht der das denn nicht?“

„Merkt er denn nicht, wie der andere ihn behandelt?“

Weder habe ich das Bedürfnis jemandem die Augen zu öffnen, noch sehe ich es als meine persönliche Aufgabe.

Ich für mich weiss, dass dieser Mensch noch nicht so weit ist, noch nicht am “ point of no return“.

Er kann und will noch mehr ertragen, noch mehr leiden.

Warum?

Weil man denkt, es sei so normal. Die berühmten Höhen und Tiefen. Durch Dick und Dünn. In guten und in schlechten Zeiten.

Weil man denkt, man müsse nur NOCH mehr geben und NOCH mehr lieben, damit der andere es merkt und sich ändern kann.

Noch mehr weinen und erklären, wie man sich fühlt, in der Hoffnung, dass es den anderen dann nicht mehr so kalt lässt und er alles einsieht.

Wenn das einer weiss, dann ich.

Nie würde ich auf die Idee kommen, jemanden dafür zu verurteilen, sich immer wieder für diese Beziehung zu entscheiden.

Ich weiss, die Hoffnung stirbt zuletzt.

„Es kommen wieder bessere Zeiten!“

„Er meint es nicht so.“

„Eigentlich meint er es doch gut mit mir.“

„Er ist gar nicht so!“

„Es ist nur eine Ausnahme.“

Um in einer Beziehung verletzt zu werden, braucht es keine Schläge.

Menschen fragen sich, was jemanden hält. Warum ist er/sie mit so jemanden zusammen? Warum geht er/ sie nicht? Warum lässt er/sie sich sowas nur bieten?

Für Außenstehende unmöglich, das zu begreifen.

Ich WAR Teil einer solchen Beziehung. Wie ich jetzt weiss, auch nicht erst einmal.

Mir ist dabei wichtig zu sagen, dass nicht ein Mensch alleine böse und toxisch ist. Es ist die Symbiose. Das Miteinander, das es toxisch werden lässt.

Was ich bis dato von mir dachte:

Ich bin taff, weiss was ich will und hole es mir. Ich mache meinen Mund auf, wenn mir etwas nicht passt und stehe für meine Werte ein. Ich lasse nicht zu, dass man mir Unrecht tut und keiner wird mich schlecht behandeln. Ich bin kein graues Mäuschen, lasse mich nicht einschüchtern und habe vor nichts Angst.

Was mich diese toxische Beziehung lehrte:

Haha! Du hast ja keine Ahnung! Alles, was du glaubst, lasse ich verschwinden. Vor allem den Glauben an dich und den an die Wahrheit.

Nicht sofort. Nach und nach. Stück für Stück.

Gerne höre ich dazu die Geschichte vom Frosch im Kochtopf.

Wirft man ihn in kochendes Wasser, springt er raus. Ist er allerdings bereits im Kochtopf und man erhöht allmählich die Temperatur des Wassers, bemerkt er erst was los ist, wenn es schon viel zu spät ist.

Vielleicht war ich das alles tatsächlich.  Wenn man aber an den „richtigen“ Mann gerät, wird alles ausser Gefecht gesetzt.

Mit meinem Wissen von jetzt und dem Abstand dazu weiss ich, dass die Anzeichen sehr früh auftauchten und ich viele Male mein Bauchgefühl übergangen habe. So oft, bis ich so tief drin war und es kein Zurück mehr gab.

Ich habe mich abhängig gemacht. Im Aussen durch materielle Dinge wie z.B. einem Hausbau. Durch gemeinsame Kinder, aber auch seelisch abhängig.

Ich rauche nicht, ich trinke so gut wie nie Alkohol. Suchtpotential? Ich?

Niemals! Oder doch?

Als wir uns kennenlernten, war alles so magisch. Leidenschaftlich. Die pure Verschmelzung.

Dieses „zu schön, um wahr zu sein“.

Wir waren so verliebt ineinander, hatten nur noch Augen für uns und der Rest der Welt wurde unwichtig. Wir waren uns genug und brauchten niemanden sonst.

Es sind im Nachhinein die Kleinigkeiten, die so wichtig sind. Diese kleinen Vorboten, die dir zeigen, wie es später verlaufen wird, wenn es um die grossen Dinge geht.

Ich erinnere mich daran, als wir mit seinem Bruder verabredet waren. Er lief mit diesem voraus und sie unterhielten sich angeregt. Der Gehweg war schmal und so trottete ich beiden hinterher, bis der Bruder mir die Tür zum Cafe aufhielt, während mein Freund bereits drin war.

Es ist nicht so, dass ich auf diese „Kleinigkeiten“ nicht achte. Bemerkt habe ich es sehr wohl. Bauchgefühl übergangen.

„Sonst ist er ja nicht so.“

„Er hat sich so gefreut seinen Bruder zu sehen, da ist doch jetzt nichts dabei.“

„Mach kein Fass auf wegen so einer Lapalie!“

Später fühlte ich mich ganz oft links liegen gelassen, nicht gesehen. Nicht wertgeschätzt und schlichtweg unwichtig und als Anhängsel.

Er redete gern in der Ich-Form, auch wenn es uns beide betraf. Das war neu für mich und fiel mir auf.

Bauchgefühl übergangen.

Später stellte ich oft an seinem Verhalten fest, dass er wirklich nur sich meinte und ich nicht zählte. Ich war Luft.

Er raucht mal nen Joint, trinkt mal über den Durst. Bauchgefühl übergangen.

„Mein Gott, das machen andere auch!“

„Jetzt übertreib doch nicht gleich, was ist dabei?“

„Andere stört es doch auch nicht, obwohl ihr Partner das tut. Also mach dich locker.“

Er kann nicht mit Geld umgehen und obwohl ich weniger verdiente, zahlte ich die Nachzahlung von Strom, Wasser etc.

Bauchgefühl übergangen.

„Wir sind ein Team. Wer mehr leistet, oder einbringt, ist doch egal“.

Wenn ich für mich einstand und kritisierte, gab es Streit. Meine Meinung war immer die Unwahrheit. Ich war immer im Unrecht. Ich war die mit den komischen Ansichten. Die, die nicht richtig tickt.

Die, die krank im Kopf ist. Zu grosse Erwartungen hat, die keiner erfüllen kann. Ich war falsch. Nie zufrieden. Immer am meckern. Irre. Depressiv. Gestört. Gehöre in die Klapse. Schizophren. Krank. Übertreibe immer maßlos. Weiss nichts zu schätzen. Stehe mit meiner Ansicht alleine da.

Habe ein völlig verschobenes Bild. Bin nicht echt.

„Wenn deine Freunde wüssten, wie du wirklich bist…“

…bis zu…

„Ich hätte dich nie heiraten sollen!“

Jedes normale, harmlose Gespräch, in dem ich anderer Meinung war, oder etwas kritisierte, führte zu einem schlimmen Streit. Und in jedem Streit wurden mir all diese Dinge vorgeworfen.

Bauchgefühl übergangen.

„Er war halt sauer!“

„Das meinte er nicht so!“

„Eigentlich liebt er mich doch.“

„Sonst würde er sowas doch nie sagen und danach tut es ihm ja auch leid. „

Nach jeder Auseinandersetzung war ich mir sicher, dass ich es nicht geschafft habe, die richtigen Worte zu finden. Dass ich mich falsch ausgedrückt habe. Dass ich unsensibel bin. Dass es schwer ist mit mir. Dass ich nicht einfach bin. Dass ich mich zusammenreißen muss. Mir noch mehr Mühe geben muss. Dass es von mir allein abhängt, ob diese Beziehung Bestand hat.

So schlich es sich ein, dass ich mich immer weniger traute zu kritisieren und über meine Gefühle zu reden.

Immer mehr merkte ich, dass mir tiefe Gespräche fehlen. Dass es für mich sogar der Grundpfeiler ist, das Fundament.

Ich ignorierte mein Bauchgefühl. Ich zog die Samthandschuhe an. Ich ging sprichwörtlich auf Zehenspitzen.

Bloss keinen „Lärm“ machen. Denn inzwischen hatte ich gelernt, was es mit sich zog und was daraus entstehen kann. Wie kräftezehrend es ist.

Lieber runterschlucken. Weglächeln.

Gute Mine machen. Die Fassade halten. Meine Meinung für mich behalten.

Üblicherweise folgte jedes Mal, wenn ich über meine Gefühle redete ein schlimmer Streit. Er haute mir alles mögliche um die Ohren, beleidigte mich, beschimpfte mich, bereute mich kennengelernt zu haben und war weg.

Wie lange und wo- das wusste ich nie. Manchmal nur eine Stunde. Am Ende auch schon mal über Nacht. Das Telefon war ausgeschaltet und ich saß da mit einem 4 jährigen und einem frisch geborenen Säugling, der erst wenige Wochen alt war.

Ob er je wiederkommt, das wusste ich auch nie.

Was ich lernte war: er kam immer wieder. Und tat, als wäre nichts gewesen. Manchmal brachte er frische Brötchen mit. Er fing an über Oberflächlichkeit zu reden. Wenn mir das schwer fiel, weil ja etwas ganz anderes in der Luft lag, flog die Bäckertüte und er nannte mich undankbar.

Oft weinte ich mich in den Schlaf. Er schnarchte schon lange neben mir und hatte damit keine Probleme.

Das Ergebnis war, dass wir nie über Probleme redeten, weil wir es nicht konnten. Also gab es auch nie eine Lösung. Nachdem wir unter einem Dach lebten und kein Wort miteinander redeten, wurde es irgendwann besser. Manchmal nach Stunden. Manchmal nach mehreren Tagen. Am Ende war es eine Woche. Je nachdem, wie schnell ich bereit war, es abzuhaken, meine Fehler einzusehen und mich für Dinge entschuldigte, für die es nie eine gebraucht hätte.

Wie ich es da raus schaffte?

Es kam dieser Tag, an dem meine Grenze erreicht war. Der point of no return. Der Zeitpunkt, wenn du sicher bist: bis hierher und nicht weiter. STOP!

Wieviele dieser Beziehungen es wohl hinter verschlossenen Türen gibt?

Ich bin die mit der grossen Klappe. Keiner hätte es bei mir vermutet. Nicht mal die beste Freundin wusste alles, denn manche Situationen muss man mit sich selber ausmachen.

Die kann man keinem erzählen, weil man weiss, wie verrückt sich das alles anhört.

Es hat lange gedauert, bis mein Kartenhaus zusammenfiel. Bis das Gerüst brach und selbst ich die Fassade nicht mehr halten konnte.

Mit 4 Jahren Abstand habe ich viel aufgearbeitet. Oft nach dem „Warum“ gefragt und eine Antwort gefunden. Es war nicht so, nur weil er so war. Es kam auch so, weil ich war wie ich war.

Inzwischen habe ich mich wiedergefunden. Den Mensch, so wie ich vor ihm war. Mit meiner Moral. Mit meinen Standards. Ich weiss, dass ich nicht meine Erwartungen runterschrauben muss. Ich muss nur auf mein Bauchgefühl hören, es zeigt mir den Weg.

Ich kenne die sog. „red flags“, die „dealbreaker“ und die „no go’s“. Ich ignoriere sie nicht mehr.

Ich achte auf mich und die Anzeichen. Ich kenne meinen Wert und mache keine faulen Kompromisse.

Wenn du meine Grenzen nicht achtest, hast du keinen Platz an meiner Seite.

Heute behaupte ich, dass mir so etwas nie wieder passieren wird. Dass diese Art Männer mich immer noch magisch anziehen. Dass ich jedoch viel schneller hellhörig werde und mein inneres Alarmsystem zu klingeln beginnt.

Ich bin mit meinem inneren Aufräumen noch lange nicht am Ziel, falls man das je sein kann. Aber ich habe mich auf den Weg gemacht und verharre nicht mehr. Rede es mir nicht mehr schön, wenn es das nicht ist.

Stelle ich heute fest, dass mir der Mann an meiner Seite nicht gut tut, drehe ich mich um und gehe. Vielleicht tut es kurz weh, aber ich gehe trotzdem lächelnd. Weil ich so viel weiter bin als damals.

Aktiviere die Freude in dir

Wer mein Leben etwas verfolgt, weiss, dass die Wochenenden für mich als Alleinerziehende nicht auf den ersten Rängen der Beliebtheitsskala landen.

Wochenende hört sich immer so toll an, jeder ist voller Vorfreude darauf und da kann man ach so schön entspannen. Da sie sowieso nur jedes 2. bei mir verbringen, müsste die Freude so gewaltig gross sein.

Mit dem „müssen“ ist das allerdings so eine Sache.

Ich tausche das Wochenende gegen zwei Montage. Nichts lieber als das.

Ich habe zwei Jungs und die haben gewaltig Pfeffer im Arsch. Sie sind laut, früh wach und haben entweder Hunger, oder kämpfen.

Ein guter Biorhythmus und verlässliche „Ins- Bett- geh- Zeiten“ rächen sich, wenn deine Kinder Punkt 6 Uhr morgens an deine Tür klopfen und fragen, ob sie kuscheln kommen dürfen.

Bis 10 Uhr bin ich meist schon völlig verausgabt, meine Geduld hinüber und es ging schon heiss her.

Mittagessen wird überbewertet. Wir haben gut gefrühstückt und der Rucksack ist gepackt.

Nahziel: Natur und Bewegung, neue Orte erkunden.

Fernziel: müde Kinder. Bitte, bitte, bitte.

Die Schneehosen und Jacken, die ich Samstag Abend erst völlig versaut in die Waschmaschine gesteckt hatte, am Sonntag sahen sie noch schlimmer aus.

Es ist dieser Rattenschwanz, den alles nach sich zieht und der zwingt mich in die Knie.

Wir hatten 4 wunderschöne Stunden draußen, viel gesehen, viel erlebt.

Es sind Bilder wie diese, die mich ahnen lassen, dass daheim noch viel Arbeit auf mich zukommt.

Kinder baden, Bad putzen, wieder waschen und trocknen, Wäsche zusammenlegen, Essen machen und Schuhe putzen.

Ich kann meine Augen 18 Uhr kaum noch offen halten und weiss nicht, wie ich es schaffen soll, die beiden ins Bett zu bringen. Ich bin so kaputt.

Heute hatte ich noch frei und es hat mich gerettet. Als ich die beiden abholte, stand mein Entschluss fest:

Heute wird ein guter Tag für uns als Familie!

Der Grosse bettelte, dass er nur „kurz“ mit zum Freund will, kaum hatte ich ihn begrüßt.

Also war ich mit dem Zwerg alleine.

Ich habe Paw Patrol gespielt, Pj Mask, Superhelden, Autos, Schleichtiere, Memory und schwarzer Peter.

Wir genossen es heute beide. Ich hab mich auf alles eingelassen und zugehört. Wenn ich der böse Romeo bin, was mach ich dann? Was sag ich dann immer? Hab ich Superkräfte? Waffen? Warum bin ich böse und was will ich?

…die Weltherrschaft…ok. Da geh ich mit, da kann ich mich gerade gut reinversetzen.

Es war herrlich entspannt und ich nahm mir vor, jede seiner Fragen mit ja zu beantworten. 

„Liest du mir ein Buch?“ Klar!

„Können wir uns ins Bett kuscheln und eine Höhle machen?“ Aber sicher!

Als es am Abend an der Tür klingelte, war das Essen auf dem Tisch, das der Zwerg und ich vorbereitet hatten.

Es dauerte 2 Minuten, dann gab es Geschrei und Streit. Ich beschloss, dass es heute nicht so läuft.

Kurz dachte ich, es gelingt mir nicht. Jedoch blieb ich beharrlich und in der Liebe. Dann gelingt sowieso alles.

Oft schaffe ich diesen Zustand nicht, weil ich so wütend bin und sie es maßlos übertrieben haben. Dann läuft alles aus dem Ruder und nichts funktioniert.

Heute also nicht!

Wir lagen alle drei im Kinderbett, um uns bei Youtube über die Waldtiere zu informieren. Sachunterricht, 4. Klasse.

Ich wusste intuitiv, was danach gebraucht wird. Also rein in die Schlafanzughose, nur noch schwaches Licht und gemütlich machen.

Auf spotify eine Traumreise für Kinder gesucht und dann fing ich an erst ein Kind, dann das andere zu massieren.

Auch Jungs mögen das und lieben Körperkontakt. Dass es die atemstimulierende Einreibung ist, die ich in der Ausbildung zur Krankenschwester gelernt habe, spielt keine Rolle.

Dass ich die Handmassage in einer Hospizfortbildung gelernt habe, auch egal.

Beide lagen auf dem Bauch und ich versuchte es gerecht zu verteilen. Bei Geschwistern muss es gerecht zugehen. Im schlimmsten Fall wird daran gemessen, ob man den einen mehr liebt, als den anderen.

Sie kichern und lachen. Sie reimen und erfinden Quatschwörter. Sie lachen bei der Vorstellung ein Elefant zu sein und tief ein- und auszuatmen.

Dann liegen sie wieder ruhig da, geniessen, machen ahhh und halten sich an der Hand. Sie schauen sich mal lächelnd und stillschweigend an, dann schließen sie wieder die Augen.

Füsse, Hände, Kopf, Rücken, Arme, Gesicht. Ich rede nicht viel und geniesse das Lachen und die Ruhe.

Mal lache ich mit, weil ich gar nicht anders kann. Mal bleibe ich ganz bei mir und ernst.

Sie massieren sich gegenseitig, probieren aus, geben sich Tipps. Was fühlt sich gut an, was kitzelt, was ist unangenehm.

Ich schneide schnell eine Gurke und 2 Karotten und bringe den Teller mit ins Bett. Erst die Gurken auf die Augen legen und während eines Lachanfalls einfach essen.

Wir kuscheln uns ein und lauschen der entspannenden Stimme weiter. Ruhe kehrt ein. Die Bewegungen werden weniger. Wir drei, eng aneinandergekuschelt in einem Kinderbett.

Wenig später schläft der Zwerg. Heute ohne Zähne zu putzen. Aber wie wohl muss er sich in der Mitte gefühlt haben, um so schnell einzuschlafen?

Der Grosse und ich schleichen raus, spielen noch ne Runde skipbo und dann bringe ich ihn ins Bett. Ich bekomme viele Küsse und ich bedanke mich für den schönen Tag.

Mir tat er unheimlich gut und ich bin wieder voller Energie.

Den Massagesalon eröffnen wir meist nach Tagen wie dem gestern. An dem es nervig war, Streit gab, ich laut und ungeduldig.

Dann ist es perfekt, um den Kindern zu zeigen, dass ich sie liebe. Und ihnen tut das so gut. Es sind diese Tage, an denen alles läuft. An denen es reicht, wenn ich es einmal sage.

Balsam für unser aller Seelen.

Aktiviere die Freude! Man kann das beeinflussen.