Alleinerziehenden-Treff Niedernhall – ein Ort zum Durchatmen

Alleinerziehend zu sein bedeutet oft, unglaublich viel alleine zu tragen.
Organisation, Verantwortung, Sorgen, Entscheidungen — und gleichzeitig für die Kinder da sein. Genau deshalb gibt es unseren Alleinerziehenden-Treff in Niederhall.


Einmal im Monat sonntags kommen wir zusammen. Erwachsene und Kinder. Ohne Druck. Ohne Erwartungen. Einfach als Menschen, die verstehen, wie sich dieser Alltag anfühlt.
Seit Anfang 2026 beginnt jedes Treffen mit einem gemeinsamen Ritual zum Ankommen.


Wir sitzen alle im Kreis, auch die Kinder. In der Mitte steht eine Kerze. Ein Kind darf sie mit einem Streichholz anzünden. Danach starten wir mit zwei kurzen Blitzlichtrunden.
Die erste Frage lautet:


„Wie bist du heute hier angekommen?“


Jeder darf ein Wort auswählen. Müde. Froh. Gestresst. Hoffnungsvoll. Leer. Zufrieden.


Danach folgt unsere Wetterrunde:

„Wenn die Zeit seit dem letzten Treffen ein Wetter wäre — wie wäre das Wetter gewesen?“


Stürmisch. Neblig. Freundlich. Chaotisch. Regnerisch.
Diese Runde ist oft besonders wertvoll. Denn zwischen den Zeilen wird vieles sichtbar, ohne dass vor den Kindern alles ausgesprochen werden muss.
Nach den Blitzlichtrunden wird die Kerze von einem Kind wieder ausgepustet. Die Kinder spielen dann zusammen, während wir Erwachsenen weiterreden.

Wenn jemand ein Thema mitgebracht hat — Streit, Umgang, Bürokratie, finanzielle Sorgen oder einfach Überforderung — fragen wir zuerst:
„Möchtest du dich einfach nur auskotzen oder wünschst du dir Tipps?“
Denn manchmal braucht man Lösungen.
Und manchmal braucht man einfach Menschen, die zuhören.
Manchmal lachen wir einfach nur über den ganz normalen Alltagswahnsinn.
Und manchmal trägt die Gruppe jemanden durch einen schweren Nachmittag.
Beim letzten Treffen habe ich ein Gedicht aus dem Buch „Wehe, du gibst auf“ von Clara Lösel vorgelesen.

Eine Mutter aus unserer Runde hatte eine besonders schwere Zeit und musste weinen. Das Gedicht handelte von den „unsichtbaren Schlachten“, die Menschen kämpfen, ohne dass es jemand sieht.
Besonders die Zeile:
„das hier ist der Applaus,
den dir sonst keiner schenkt.“
hat etwas ausgelöst.
Und am Ende haben wir tatsächlich alle applaudiert.
Fürs Durchhalten.
Für die unsichtbaren Kämpfe.
Für all das, was im Alltag oft niemand sieht.
Genau das macht diesen Treff so besonders:
Niemand muss perfekt sein. Niemand muss stark tun. Wir kennen uns oft bereits seit Jahren und erinnern uns dann an die Fortschritte.


💛 Die aktuellen Termine und Kontaktmöglichkeiten zum Alleinerziehenden-Treff findest du auf der Homepage der ev. Kirchengemeinde Niedernhall.

https://share.google/JN6TFhQrtEngap3Zy

Wenn loslassen nicht so einfach ist

Einmal im Monat ist es so weit.
Die Kinder fahren mit ihrem Vater mit. Es ist Umgangstag.
Was für viele nach einer kleinen Pause klingt, nach „endlich mal Zeit für sich“, fühlt sich für mich ganz anders an.
Denn wenn du 24/7 alleinerziehend bist, gibt es kein echtes Teilen von Verantwortung. Kein „Kannst du das heute übernehmen?“, kein Auffangen, kein Mitdenken. Du bist der sichere Ort, die Struktur, die Konstante. Immer.
Und dann kommt dieser eine Tag im Monat, an dem du genau das abgeben sollst.
Verantwortung.
Kontrolle.
Dein Wichtigstes.
Ich stehe dann da und lasse sie gehen.
Und während andere vielleicht durchatmen, beginnt in mir etwas ganz anderes: ein innerer Kampf.
Ich möchte vertrauen. Wirklich.
Ich möchte loslassen. Für meine Kinder.
Ich möchte, dass sie eine gute Zeit haben.
Aber gleichzeitig sind da diese Gedanken, die sich nicht einfach abschalten lassen:
Ist er fit zu fahren?
Ist er ausgeschlafen?
Hat er Alkohol getrunken?
Hat er vielleicht sogar Drogen genommen?
Fährt er verantwortungsvoll?
Passt er wirklich auf sie auf?
Gedanken, die man nicht haben möchte – aber die da sind.
Und die Wahrheit ist:
Wenn es nicht ihr Vater wäre, würde ich meine Kinder keinem Menschen anvertrauen, bei dem ich solche Fragen im Kopf habe.
Das ist der Punkt, den viele nicht sehen.
Dieses Spannungsfeld zwischen dem, was richtig ist – und dem, was sich richtig anfühlt.
Denn meine Kinder gehen gerne mit.
Und das ist gut so.
Sie lachen, sie freuen sich, sie haben ihren Papa.
Und das ist wichtig. Für sie.
Also schlucke ich meine Angst runter.
Ich funktioniere.
Ich lasse los – zumindest äußerlich.
Innerlich halte ich sie trotzdem fest.
Es ist kein leichtes Loslassen.
Es ist ein Loslassen mit angezogener Handbremse.
Mit einem Blick aufs Handy.
Mit diesem leisen Hoffen im Hintergrund:
„Bitte kommt einfach wieder gesund nach Hause.“
Und vielleicht ist genau das die Realität, über die viel zu wenig gesprochen wird:
Dass Loslassen nicht immer Freiheit bedeutet.
Sondern manchmal einfach nur Mut.
Mut, die eigenen Ängste auszuhalten.
Mut, den Kindern ihren Raum zu lassen.
Mut, trotz allem Vertrauen zu versuchen.
Und ja – es ist schwer.
Aber es ist auch Liebe.
In ihrer vielleicht unbequemsten Form.

Warum Small Talk für viele Alleinerziehende anstrengend ist

„Na, alles gut?“
„Ganz schön kalt heute, oder?“
„Und, was machst du so am Wochenende?“
Sätze, die nett gemeint sind – und trotzdem manchmal genau im falschen Moment kommen.
Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ich meine Kinder von der Schule abgeholt habe.
Ich habe mich ganz bewusst ein Stück abseits gestellt. Nicht, weil ich unfreundlich sein wollte, sondern weil ich diese paar Minuten gebraucht habe.


Durchatmen.
Runterkommen.
Kurz bei mir ankommen.


Oft war ich direkt von meiner Arbeit gekommen, gehetzt, gedanklich noch mitten im Organisieren. Der Schulalltag meiner Kinder wartete schon und ich wusste: Gleich bin ich wieder voll gefragt.


Und genau in diesen Momenten war das Letzte, was ich gebraucht habe: Small Talk.
Für viele sieht es vielleicht so aus, als würde man sich bewusst abgrenzen. In Wirklichkeit ist es oft Selbstschutz.
Diese Minuten vor dem Abholen sind ein Übergang: von der Arbeit zur Mutterrolle, von To-do-Listen zu emotionaler Präsenz.
Wenn dann jemand ein Gespräch anfängt – so nett es gemeint ist – fühlt es sich an, als würde genau dieser kleine, wichtige Raum plötzlich verschwinden.


Es gibt noch eine andere Seite, über die kaum jemand spricht.
Wenn andere darüber reden, wo der nächste Urlaub hingeht, welches Hotel sie buchen oder wie stressig das Packen wird, sitze ich manchmal daneben und denke:
„Das Problem hätte ich auch gern.“
Denn während dort über Urlaubsplanung gesprochen wird, sieht meine Realität oft ganz anders aus:
Das Konto ist auf null. Wieder ein Jahr ohne Meer.
Unterhalt ist nicht gekommen. Oder hohe Rechnungen mussten bezahlt werden.
Und ich überlege, wie ich das Essen bezahle.
Da wirken solche Gespräche nicht verbindend, sondern wie aus einer ganz anderen Welt.
Nicht, weil die anderen etwas falsch machen.
Sondern weil die Lebensrealitäten so weit auseinanderliegen.

Eine aus unserem Alleinerziehenden-Treff, hat mir mal erzählt, dass sie bei der Arbeit oft als Eigenbrötlerin wahrgenommen wird.
Nicht, weil sie die Menschen nicht mag.
Sondern weil die Themen für sie einfach nicht passen.
Wenn Kolleginnen über Kosmetik oder die neueste Mode sprechen, fühlt sich das für sie völlig absurd an.
Nicht abwertend gemeint, aber einfach so weit weg von ihrer Realität.
Sie kämpft mit ganz anderen Dingen.
Und dann fehlt einfach die Kapazität, sich gedanklich noch in diese Welt reinzubegeben.
Ihre soziale Batterie ist dafür schlicht leer.


Ich merke das auch bei mir selbst.
Bei der Arbeit als Krankenschwester rede ich den ganzen Tag.
Zu Hause mit meinen Kindern rede ich den ganzen Tag.
Ich erkläre, organisiere, tröste, diskutiere.
Und irgendwann ist da einfach ein Punkt erreicht, an dem ich nichts mehr sagen möchte. Kein weiteres Gespräch, kein Austausch, kein Reagieren.


Sondern einfach Stille.
Allein sein.
Zur Ruhe kommen.
Nicht funktionieren müssen.


Einfach mal durch die Weinberge laufen, niemandem begegnen, nichts erklären müssen.
Gedanken sortieren.
Revue passieren lassen.
Kräfte sammeln.
Das ist kein Rückzug von Menschen.
Das ist der Ort, an dem ich meine Energie wiederfinde.
Vielleicht ist es also gar kein „Ich mag keinen Small Talk“.
Vielleicht ist es einfach ein Leben, das oft so voll ist,
dass für Oberflächliches kein Raum mehr bleibt.
Und ein leiser Wunsch nach Momenten, in denen man einfach nur sein darf.

Die Wahrheit über Co-Parenting, wenn der andere Elternteil nicht mitzieht

Co-Parenting klingt nach Teamwork.
Nach zwei Eltern, die trotz Trennung gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Doch die Realität sieht oft anders aus.
Co-Parenting funktioniert nur, wenn beide Eltern auch wirklich mitziehen.
Wenn einer organisiert, auffängt, den Alltag trägt, Termine im Blick hat, emotionale Sicherheit gibt – und der andere nur punktuell präsent ist, dann ist das keine gleichwertig geteilte Elternschaft.
Und trotzdem möchte ich eines klar sagen:
Ich weiß, dass es auch anders geht.
Ich kenne viele Kinder, deren Vater sich gar nicht meldet.


Kein Umgang.
Keine Geburtstagsgrüße.
Keine Weihnachtskarte.
Keine Nachfrage.
Keine Verlässlichkeit.


Deshalb bin ich trotz aller Schwierigkeiten dankbar, dass es Kontakt gibt.
Auch wenn er selten ist.
Auch wenn er kompliziert ist.
Auch wenn er Kraft kostet.
Aber Kontakt allein bedeutet noch keine echte Teilhabe.
Wer seine Kinder einmal im Monat sieht, kennt oft viele Facetten ihres Lebens gar nicht.
Dann bleiben Gespräche oberflächlich, weil Tiefe nicht entsteht, wenn Alltag nicht gemeinsam erlebt wird.
Man weiß dann vielleicht nicht, welche Kleidergröße sie inzwischen tragen,
wer ihre engsten Freunde sind,
welche Hobbys sie gerade begeistern,
was sie beschäftigt, worüber sie lachen oder was ihnen Sorgen macht.


Denn echte Nähe entsteht nicht durch biologische Elternschaft oder gelegentlichen Umgang.
Sie entsteht durch Zeit.
Durch Verlässlichkeit.
Durch gemeinsames Erleben.
Und ja – manchmal kommt der Papa einmal im Monat,
holt die Kinder mit dem schnellen Auto ab,
unternimmt tolle Dinge,
macht aus wenigen Stunden ein Highlight
und ist in diesem Moment natürlich der Held des Tages.


Aber das nimmt mir nichts weg.
Es macht mich nicht kleiner.
Es schmälert nicht, was ich jeden Tag leiste.
Ich muss nicht mithalten.
Ich will nicht mithalten.
Und ich könnte es im Alltag ohnehin nicht.
Ich freue mich einfach mit meinen Kindern,
dass sie schöne Stunden mit ihrem Vater hatten.
Nicht mehr.
Nicht weniger.
Denn meine Rolle misst sich nicht an Ausflügen, Autos oder Action.
Meine Rolle zeigt sich in den tausend unsichtbaren Dingen des Alltags.
Und trotzdem lieben meine Kinder ihren Papa.
Und das dürfen sie auch.
Sie dürfen lieben, selbst wenn etwas fehlt.
Selbst wenn sie enttäuscht werden.
Selbst wenn sie merken, dass nicht alles so ist, wie sie es bräuchten.


Und genau deshalb werde ich ihnen nicht sagen, wer ihr Vater ist.
Selbst wenn ich ihn manchmal für ein Arschloch halte: Ich will, dass meine Kinder sich ihr eigenes Bild machen.
Denn Kinder merken mehr, als wir glauben.
Mit fünfzehn und zehn Jahren wissen sie längst sehr genau, wer wirklich da ist.
Wer sie kennt.
Wer zuhört.
Und wem sie welche Seite von sich zeigen und zumuten können. Viele Themen werden dort nicht angesprochen, die werden mit mir ausgehandelt und bei mir wird der Rat eingeholt, wie man was wie angehen könnte.
Sie erleben selbst, wer Anteil nimmt – und wer eher Zuschauer bleibt.
Und manchmal ist Elternsein nach einer Trennung genau das:
Den eigenen Schmerz hintenanzustellen,
damit Kinder ihre eigenen Wahrheiten erkennen dürfen.

Warum mich ein Haus nicht glücklich gemacht hat


Über Erwartungen, die nicht meine waren – und das, was wirklich zählt.
Ein Haus.
Eine Familie.
Ein Ehemann.
Ein Leben, das nach außen „rund“ aussieht.
Ich dachte lange, dass man das alles braucht, um glücklich zu sein.
So, wie viele es zwischen 20 und 30 denken.
Dass man sich etwas aufbaut.
Dass man dann angekommen ist.
Ich habe das alles gehabt.
Und ich war trotzdem nicht glücklich.
Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich nicht nur das Haus.
Ich sehe die Baustelle. Den Druck. Die Verantwortung und die Schulden.
Die Erwartungen – von außen und an mich selbst.
Ich sehe mich, wie ich versuche, allem gerecht zu werden.
Kind, Job, Haushalt, Beziehung.
Und mich irgendwo dazwischen verliere.
Ich erinnere mich noch genau, wie ich auf der Baustelle stand und Menschen beneidet habe, die einfach spazieren gehen konnten.
Die Leichtigkeit hatten.
Während ich das Gefühl hatte, alles gleichzeitig tragen zu müssen.
Ein Haus macht nicht glücklich.
Es verstärkt nur das, was ohnehin schon da ist.
Ich habe dieses Leben hinter mir gelassen.
Nicht freiwillig, nicht leicht.
Aber notwendig.
Und erst danach habe ich verstanden, worum es mir wirklich geht.
Zeit.
Ruhe.
Verbindung.

Und um genau diese ersehnte Leichtigkeit.

Um Menschen, die bleiben, wenn es schwierig wird.
Nicht das, was man besitzt zählt, sondern das, was man fühlt.
Letzte Woche wurde ich genau zu diesem Thema interviewt – für einen Artikel in DIE ZEIT.
Es geht darum, was ein gemeinsames Haus mit einer Beziehung machen kann.
Und warum es manchmal nicht verbindet, sondern auseinanderbringt.
Ich habe sofort gemerkt:
Das ist meine Geschichte.
Und gleichzeitig weiß ich, dass ich damit nicht allein bin.
So viele Frauen denken noch immer,
dass sie erst „angekommen“ sind, wenn sie ein Haus, eine Familie, ein bestimmtes Leben haben.
Deshalb schreibe ich.
Deshalb erzähle ich.
Und deshalb entsteht gerade mein Buch.
Ein Buch über Trennung.
Über Verantwortung.
Über das, was man trägt, wenn niemand mitträgt.
Und über die Menschen, die zu Leuchttürmen werden, wenn man selbst nicht mehr weiterweiß.
Wenn dich das anspricht und du informiert werden möchtest, sobald mein Buch erscheint, dann schreib mir gern eine Nachricht.

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Mein Baby wird groß

„Große Kinder sind ein Segen“, höre ich mich in letzter Zeit oft sagen.

Ich hab wieder viel mehr Zeit für mich allein, kann einfach so die Wohnung verlassen und wenn ich morgens wach werde, ist es oft noch ganz still.

Ich genieße es so sehr und fühle mich frei.

All das hatte ich die letzten Jahre nicht, vor allem nicht mehr, seit vor wenigen Jahren die regelmäßigen Papa-Wochenenden weggebrochen sind.

24/7, arbeiten gehen, Kinder und wieder von vorne. Immer Ansprechpartner, immer in Bereitschaft, immer allein verantwortlich.

Die andere Seite der Medaille ist, ich vermisse meinen Teenager.

Jetzt ist sein kleiner Bruder endlich alt genug, auch mal alleine daheim zu bleiben, was all die Jahre nicht ging.

So gern hätte ich öfter mal was mit ihm alleine unternommen. Der Bruder musste aber immer mit, nicht so, wie bei anderen, die Mama und Papa haben und sich aufteilen können.

Ich vermisse ihn. Und Zeit mit ihm.

Nicht nur, wenn ich ihn ins Training bringe und wir uns 10 min unterhalten.

Nicht nur, wenn ich an seiner Tür klopfe und frage, ob er Wäsche hat, weil ich waschen will.

Ich sagte ihm das und machte den Vorschlag, dass nur wir Zwei einmal im Monat essen gehen. Er bestimmt, ob Döner,  McDonalds oder Sushi.

Mit Essen krieg ich ihn, da war ich sicher.

Grundsätzlich fand er die Idee gut, aber er wollte nicht essen gehen.

Er sagte, ich soll ihm drei Vorschläge machen und er suche sich dann was davon aus.

Ich zerbrach mir den Kopf. Dachte nach.

Nichts von all meinen Ideen haute mich um.

Wenn essen nicht zieht, wie konnte ihm Minigolf, Billard, schwimmen, oder sonstwas Freude mit mir machen?

Und dann fiel es mir ein…

Wie sportlich er ist.

Wie viel Freude es ihm machte, in den Schulferien mit mir ins Gym zu gehen.

Damals, lang vor Corona, als er 6 und 7 war und Zeit mit mir das Größte für ihn war.

Wie wir damals zusammen burpees und Kniebeugen machten und danach abgeklatscht haben.

Es war schön!

Er hat niemals damit gerechnet und die Freude war groß!

Der kleine Bruder darf nicht mit. Das ist nur unsere Zeit.

Danach reden wir über unsere Erfolge, tauschen uns aus und gönnen uns einen Shake.

Manchmal erfahre ich auf der Fahrt Dinge über ihn, die ich noch nicht wusste.

Jetzt ist alles anders als damals noch, denn heute ist diese gemeinsame Zeit für MICH das Größte.

…(bevor ich wieder an die Tür klopfen muss)

Große Kinder sind ein Segen. Und sie sind auch ganz schön groß.

Sommer, Sonne, Balkonien- wenn Reisen nicht drin ist

Rund 38 % der deutschen Alleinerziehenden konnten sich 2024 keinen 1 wöchigen Urlaub mit ihren Kindern leisten, so die Statistik.

Letzten Sommer konnte ich meinem Kindern die Mutter- Kind -Kur im Schwarzwald noch als Urlaub verkaufen. Baden im Schluchsee, Boot fahren am Titisee, Gondelfahren am Feldberg, das alles fühlte sich auch wirklich nach Urlaub an.

Diesen Sommer habe ich drei Wochen Urlaub, wir verbringen ihn aber in unserem städtischen Freibad und machen Tagesausflüge.

Es ist nicht Italien, nicht Kroatien, nicht zumindest der Gardasee oder Schnorcheln in Ägypten.

Und es ist auch nicht deswegen so, weil wir bereits in den Oster- oder Pfingstferien verreist sind.

Das letzte Mal am Meer waren wir vor 3 Jahren. Damals erfüllten wir uns einen großen Traum und sahen den Burj Khalifa nicht nur im Guinessbuch, sondern in echt.

Für manche ist das undenkbar, andere waren dieses Jahr schon mehrfach im Urlaub, für andere gehört es standardmäßig dazu, in allen Schulferien zu verreisen.

In meinem Alleinerziehendentreff zeigt es sich deutlich: alle Mamas arbeiten, die Kinder sind oft in der Ferienbetreuung, da ein Erwachsener leider nicht so viele Ferientage abdecken kann.

Und doch- reicht es finanziell eher als Ausnahme für ein paar Tage am Meer, maximal zum Campen mit Selbstverpflegung.

Nirgends merkt man als Alleinerziehende so sehr, dass man nicht mithalten kann, wie beim Thema Urlaub.

Wenn in Klasse 8 nicht gefragt wird ob, sondern wohin man in Urlaub geht…

Mein Sohn ist einer der wenigen. Ob es ihm peinlich ist? Vielleicht. Er würde es aber niemals zeigen, oder sagen.

Zu sehr sind ihm Monate in Erinnerung, in denen nicht mal ausreichend für Essen und Benzin gesorgt war.

Ihm sind Sätze präsent wie:

„Der Kühlschrank ist leer, wir müssen aber noch eine Woche Reste essen bis ich mein Gehalt bekomme…bis das Kindergeld überwiesen wird.“

Er kennt es, im Laden zu den roten Angebotsschildern zu gehen und die Summen zu überschlagen, weil an der Kasse ein festes Budget nicht überschritten werden darf. 

Er hat mich weinen gesehen, weil ich nicht wusste, wie ich überraschende, unverschuldete Rechnungen zahlen sollte.

Niemals würde er nach Urlaub am Meer fragen, mir deswegen Vorwürfe machen, dass Wünsche und Träume offen bleiben.

Lieber nimmt er sich vor irgendwann den richtigen Job zu wählen, gut zu verdienen. Er hat hohe Ziele und ich wünsche es ihm von Herzen.

Für uns und viele andere, ist in Urlaub fahren/ fliegen absoluter Luxus.

Ich habe jetzt 3 Wochen Urlaub, aber Urlaub ist nicht drin.

Wir freuen uns über ein leeres Freibad, weil viele andere im Urlaub sind.

Wir freuen uns, in den Tag hinein leben zu können, ausschlafen, machen was man will.

Gestern fragte ich meinen kleinen Sohn, ob er den Wochentag wüsste.

„Mittwoch?“

Ich hab gelacht. Und ihm dann gesagt, dass Ferien sich exakt so anfühlen müssen. Ferien sind dann gut, wenn es keine Rolle spielt, ob es Sonntag oder Mittwoch ist.

Wir haben wenige Termine, kaum Verpflichtungen und viel, viel Zeit. Das ist für mich Urlaub und Luxus.

Ja, manchmal bin ich neidisch. Neidisch sein heisst aber nur, dass man gerne auch etwas hätte, was andere haben. Nicht, dass man es denen nicht gönnt.

Und dann spiel ich in der warmen Abendluft mit Sohn im Trampolin. Wir hören Musik, lachen, tanzen, sind albern und ausgelassen.

Wir gehen 21 Uhr die Straßen entlang, begrüßen jede Katze, die uns entgegenkommt und bewundern den Sonnenuntergang.

Wir haben Zeit. Sind nicht gehetzt, nicht gestresst, spielen Baseball mit faulen Äpfeln und einem Ast. Keiner wartet auf uns. Wir müssen nirgends hin. Die Uhr spielt keine Rolle.

In meinem Kopf ist Ruhe. Seelenfrieden. Und er denkt, dass vielleicht Mittwoch sein könnte.

Wir philosophieren über die Textzeile:

„Auch wenn ich nichts mehr hab, dann geb ich dir die Hälfte.“

Ist das vielleicht der wahre Luxus?

Grenzen

Heute beim Alleinerziehendentreff wurde es ehrlich – wir haben über Grenzen gesprochen. Unsere eigenen, die unserer Kinder und die, die wir manchmal erst mühsam wiederfinden müssen.

Wir stellten fest- alle, die wir da saßen:

Wir konnten schlecht oder gar nicht für uns einstehen und teilweise haben wir immer noch damit zu kämpfen.

Das schöne an unseren monatlichen Treffen ist, dass wir uns gegenseitig aufmerksam machen und uns stärken.

Wir befanden uns in Partnerschaften, in denen Missbrauch jeglicher Art stattfand. Nicht von Anfang an.

Wir alle sind an verschiedenen Punkten im Lernen, manche entdecken den Ursprung ganz neu, andere haben bereits aus Fragezeichen Ausrufezeichen gemacht.

Wir wirken auf den ersten Blick taff und stark. Jedoch kommen die meisten aus einer Beziehung, in der sie nicht nur einmal zugelassen haben, dass ihre Grenze überschritten wurde.

Erst als man sich in Sicherheit wähnte und nur hinter verschlossenen Türen. Nicht von Anfang an.

Ich vergleiche es immer mir dem Zubereiten eines Frosches, den man nicht ins kochende Wasser wirft, weil er sonst sofort rausspringen würde.

Man legt ihn ins kalte Wasser und erhöht allmählich die Temperatur. Wenn das arme Tier bemerkt, was gespielt wird, ist es längst zu spät.

Genau so verlieren wir in ungesunden Beziehungen Stück für Stück das Gefühl für unsere eigenen Grenzen.
In einer toxischen Beziehung werden also Manipulation, Schuldumkehr, emotionale Abhängigkeit, Kontrolle so langsam und kleinschrittig eingeführt, dass Betroffene sie nicht sofort als gefährlich erkennen.

Anfangs sind die Ausmaße noch gering. Der Täter gibt einem nur einen kleinen Vorgeschmack auf das, was teilweise Jahre danach folgt.

Die Abstände, in denen seine Augen sich schwarz verändert und er mit Drohgebärden vor dir steht, sind noch lang.

Lang genug, um es als „einmalig“ abzustempeln.

„Er war halt wütend, sonst ist er ja nicht so!“

Grenzen kann man nicht früh genug lernen.

Dazu sind Erwachsene nötig, die das selber gelernt haben und weitergeben können.

Kein: „Ach, so schlimm war das jetzt auch nicht.“

Kein: „Reiß dich doch mal zusammen!“

Kein: „Augen zu und durch.“

Kein Durchhalten um jeden Preis.

Grenzen lernt man, indem die eigenen gewahrt wurden und nicht übergangen.

Grenzen lernt man, indem man seinen eigenen Wert kennt und das Unrecht erkennt.

Grenzen lernt man, indem man dich gut behandelt und du nichts anderes zulässt.

Grenzen lernt man, indem man Grenzen setzen darf, ohne daß einem Liebe, Zuwendung, oder Sicherheit entzogen wird.


Grenzen und Selbstwertgefühl gehören zusammen wie Wurzeln und Standfestigkeit – ohne das eine wankt das andere.


Wie das Lenkrad und die Richtung – ohne Grenzen verliert das Selbstwertgefühl schnell die Orientierung.


Wie Stimme und Gehör – wer seinen Selbstwert spürt, traut sich auch, Nein zu sagen.


Wir alle haben das durch schmerzhafte Erfahrung lernen müssen und lernen immer noch.

Nein sagen, Grenzen setzen, für sich selber einstehen, ohne sich schlecht und egoistisch zu fühlen.

Schuldig, weil uns das immer so eingeredet wurde.

Eine Ehe/ Partnerschaft ist nicht dann gut, wenn sie für immer hält.

Oft haben wir Frauen einfach nur gelernt klein beizugeben, still zu sein, keinen Aufstand zu machen, nicht laut zu sein, nicht aufzustehen, alles unter den Teppich zu kehren, durchzuhalten. Für Harmonie zu sorgen.

Auszuhalten.

Weil unsere Mütter und Großmütter es genau so getan haben. Egal was war!

Tyrann, Schläger, Alkoholiker, Fremdgeher, Choleriker, das alles spielte keine Rolle, denn man hatte zu bleiben.

„Das macht man nicht!“

„Das ist halt so!“

„Manche Dinge kann man nicht ändern.“

Es gibt immer noch viel zu viele Frauen die bleiben. Oder bleiben müssen. Aus Angst, aus finanzieller oder psychischer Abhängigkeit. Aus Angst um die Kinder.

Was einem als Frau drohen kann, wenn man es wagt zu gehen, kann man jeden zweiten Tag in der Zeitung lesen.

Einige haben keine Vorstellung davon, was hinter verschlossenen Türen in Deutschland so passiert.

Von anderen Ländern ganz zu schweigen.

Was man als Kind nicht gelernt hat, muss man sich selbst im Erwachsenenalter mühsam beibringen:

Ich darf laut sein, wenn es ungerecht wird.

Ich darf aufstehen, wenn es sich nicht gut anfühlt.

Ich darf auf mein Bauchgefühl hören, wenn es mir Zeichen gibt.

Ich darf Grenzen setzen, wenn ich nicht gut behandelt werde.

Und ich darf gehen, wenn es nicht aufhört.

Ich stehe für all diese Frauen,

… die täglich ihre Stimme erheben, auch wenn sie zittert.

… die gelernt haben, dass Nein sagen Selbstfürsorge ist.

… die sich selbst wieder wichtig nehmen.

… die nicht länger schweigen, wenn ihre Grenzen verletzt werden.

Weil jede von uns es verdient, mit Respekt behandelt zu werden.

… weil Veränderung bei uns beginnt.

… damit unsere Töchter und Söhne in einer Welt aufwachsen, in der Grenzen geachtet werden.


Weil ich weiß, wie viel Mut es braucht.

… weil auch ich diesen Weg gehe – Tag für Tag.

… weil ich ihre Geschichten kenne – sie sind auch meine.

Verlustangst

„Mama, ich schnapp mir den Fussball und meine Kopfhörer und geh vor die Tür“, höre ich ihn sagen und staune.

Es ist noch gar nicht so lang her, dass seine Verlustangst Jahre nach der Trennung sowas nicht möglich gemacht hat.

Ich stehe am Fenster, lächle vor mich hin und schau ihm zu. Ich musste mich selbst davon überzeugen, sonst hätte ich es nicht geglaubt.

Vor Jahren war es für ihn die schlimmste Strafe, wenn ich ihn mit seinem Bruder vor die Tür geschickt hab.

Es ging nur mit Streiten, Gegenwehr, Betteln und Flehen.

„Aber nur mit dir“, war der Satz, der auf meine Ankündigung folgte.

Wir fühlten uns beide zerrissen und diese Situationen waren so energieraunend.

Ich verstand warum er sich so verhielt.

Ich wusste, dass er Angst hatte, mir könnte was passieren.

Ich wusste, er vermutet, da ist ein neuer Mann in meinem Leben und ich werde telefonieren.

Ich wusste, er hatte Angst auch mich zu verlieren.

Ich verstand, dass ich alles war, was ihm blieb, nachdem alles um ihn herum zerbrach. Alles stand und fiel mit mir.

Ich verstand, dass ich seine einzige Sicherheit war und der Fels in der Brandung. Die Rettungsboje, an die er sich klammerte, wenn er hilflos auf dem Wasser trieb und keinen Boden spürte.

Ich verstand, dass er nicht bereit war mich zu teilen, einen Mann in mein Leben zu lassen, der nicht sein Papa war.

Ich wusste, er hatte Angst. Ich sah es ganz deutlich in seinen Augen.

Sobald ich es angesprochen hatte, verfinsterte sich seine Mine und er versprach, sich ganz ruhig in seinem Zimmer zu verhalten, aber ich solle ihn bitte, bitte nicht rausschicken.

Mit normalem Menschenverstand kam man nicht dagegen an. Wir führten so viele Gespräche, ich erklärte ihm, dass ich 24 h für sie da bin und mit ihnen zusammen. Ich brauche nur diese halbe Stunde, um durchatmen zu können.

Nur diese halbe Stunde, um klar denken zu können, zu weinen, mit Anwälten telefonieren, atmen, einfach nur daliegen, ne Sprachnachricht an meine Freundin schicken und mein Herz erleichtern.

Ich brauchte diese halbe Stunde am Tag, um Energie zu sammeln für die weiteren Stunden des Tages.

Diese halbe Stunde, ohne Geschrei, ohne Ermahnungen, ohne Fragen zu beantworten, ohne zu diskutieren, ohne den Verstand zu verlieren.

Ich versicherte ihm, dass sein Bruder und er das allerallerwichtigste in meinem Leben sind. Dass sie mir Kraft geben, das alles durchzustehen.

Dass ich das alles jederzeit wieder so entscheiden würde, mir nichts anders wünsche und schon gar nicht im Bezug auf sie beide.

Ich versprach ihm, dass ich sie über alles liebe und immer da sein werde. Niemals werde ich mein Versprechen brechen und mich je gegen sie entscheiden.

Er verstand es.

Aber er konnte nicht anders. Das verstand ich ebenso.

Es war nicht seine Absicht mich zu ärgern, es auf die Spitze zu treiben, mich zu provozieren.

Und dennoch, ich konnte keine Überweisung tätigen, wenn sich über meinem Kopf der Ball zugeworfen wurde.

Ich konnte nicht telefonieren, wenn um mich herum Fange gespielt wurde.

Ich konnte nicht kochen, wenn beide an mir zerrten und mit mir spielen wollten.

Ich war nur einer. Für einen Job, der für zwei ausgelegt ist.

Der Satz damals saß:

„Wenn wir bei Papa sind, kocht er und seine Freundin spielt mit uns Ball.“

Jahrelang suchte er nach Möglichkeiten, diese halbe Stunde vor der Tür zu umgehen.

Er klingelte nach max 10 Minuten und musste aufs Klo. Meist dauerte es nur wenige Minuten, bis es klingelte. Irgendwas war immer. Durst, Klo, etwas vergessen. 

„Können wir nicht einfach wieder hoch?“

Oft saß er die Zeit direkt vor der Eingangstür ab. Im wahrsten Sinne.

Er saß auf dem Fussabtreter und wartete nervös, bis die Zeit abgelaufen war. Dabei starrte er auf den Timer.

Wenn er es schaffte draussen zu bleiben, klingelte er 10 min vor Ablauf dieser 30 Minuten und wollte hoch.

Es trieb mich regelmäßig in den Wahnsinn. So oft hatte ich das Gefühl nicht atme zu können. Ich fühlte mich erdrückt und fremdbestimmt.

Er sich völlig verloren und schutzsuchend.

Ich hasste es so sehr, dass alles an mir hing.

Und gleichzeitig versuchte ich ihm zu geben, was er brauchte.

Sicher gelang es mir nicht immer, und wenn, nicht immer gleich gut.

Sein Bruder war nicht so. Er genoß die Zeit mit ihm draußen. Trampolin springen, mit Malkreide malen und Fussball spielen.

Oft habe ich die halbe Stunde durchgesetzt, egal wieviel es mir abverlangte. Die restlichen  23 1/2 Stunden war ich da.

Irgendwann gab ich auf. Irgendwann konnten sie die 30 Minuten am Mittag in ihren Zimmern verbringen.

Alles ändert sich, alles ist im Wandel.

Nur eines nicht: ich war nie weg und bin immer noch da!

Ich hab nie aufgehört mich zu sorgen, zu kümmern und zu lieben.

Und dazusein. 

Ich stehe am Fenster und schaue ihm zu.

Nacheheliche Gewalt

Aus eigener Erfahrung und auch dadurch, dass ich einen Alleinerziehenden- Treff leite, erlebe ich regelmäßig die Formen von Gewalt nach einer Trennung, oder Scheidung.

Diese können psychisch, emotional, finanziell, oder sogar physisch sein und dienen häufig dazu, weiterhin Kontrolle über den Ex- Partner auszuüben.

Finanzielle Gewalt:

Verweigerung von Unterhaltszahlungen werden gern zum Anlass genommen, die Ex- Partnerin in eine Spirale aus Schlaflosigkeit und ständiges Grübeln zu bringen, immer in Sorge, wie alle Rechnungen gezahlt werden können.

Ausserdem können sich Selbstständige ärmer rechnen lassen, die Väter Schwarzarbeit betreiben und diese sind natürlich nicht in den Unterhaltszahlungen berechnet.

Es kommt vor, dass das Kind auf den Vater privat versichert ist, die Mutter gesetzlich. Sollte das Kind krank sein, kann die Mutter  beim kranken Kind bleiben. Sie hat aber nicht nur den finanziellen Ausfall durch ihre eigene Arbeit, sondern bekommt keinen Cent Krankengeld fürs Kind.

Das Kind kann erst nach der Scheidung auf die Mutter versichert werden und damit lässt der Vater sich alle Zeit der Welt.

Es gibt Väter, die überweisen die Unterhaltssumme nicht auf einmal, sondern schön kleckerlesweise, alle paar Tage, Wochen ein bisschen was. Sie wissen genau, dass das die Mutter oft krank vor Sorge macht, da Abzüge meist am Monatsanfang erfolgen.

Verursachen von Schulden ist nicht selten. Und nicht selten erlebe ich, dass die Frauen nach Trennung erstmal Schulden ihres Partners abbezahlt haben.

Wie in meinem aktuellen Fall, 8 Jahre nach Trennung, wenn man nicht mehr mit sowas rechnet:

Gemeinsames Haus. Er konnte mich nicht ausbezahlen, hat danach alleine noch 2 Jahre drin gewohnt (für die Kinder! 😉)

Ich wusste damals nicht was richtig ist, wusste aber genau, wenn ich ihm meine Hälfte überschreibe, geh ich hier komplett leer aus.

Das Haus ist lang verkauft, die Schulden für Wasser, Abwasser und Grundsteuer aus den zwei Jahren sind nicht beglichen. Da er jetzt in Privatinsolvenz ist, kam der Boomerang zu mir. Mitgefangen, mitgehangen.

Also zahle ich einige Raten mit einer Summe,  die mich komplett überrollt. Plus den Anwalt, der mir keinen Weg da raus zeigen konnte.

Mir gehörte immer nur die Hälfte des Hauses, jedoch die Schulden ganz.

Während er mir ins Gesicht lacht, weil…“Ach das schaffst du schon! Du schaffst doch immer alles!“

Und unseren Kindern zu Weihnachten ne nigelnagelneue Playstation kauft, in ner special edition und der große Held ist, während ich auf Urlaub und Unternehmungen mit den Kindern verzichte, um seine Schulden abzuzahlen.

Ich bin noch wütend und fassungslos über soviel Dreistigkeit, aber es wird vergehen und dann bin ich frei.

Man könnte auch einfach seinen Job kündigen, weil Arbeitslosengeld und Einkünfte aus der Schwarzarbeit allemal reichen, so ohne die lästigen Unterhaltszahlungen.

Ich weiss es nicht von ihm, obwohl es mich unmittelbar und zeitnah betrifft.

Von ihm kam nur eine 6 sekündige Sprachnachricht, in der er lachend sagte:

„Ach, kleiner Tipp nebenbei. Besorg dir lieber schon mal Unterhaltsvorschuss!“

Elterliche Gewalt ( über die Kinder):

Jahrelang war ich durch meine regelmäßige Wochenendarbeit als Krankenschwester abhängig von den Umgangswochenenden.

Bevor ich den Arbeitsvertrag damals unterschrieben habe, fragte ich ihn, ob ich mich auf ihn verlassen könne. Dass es den Job nur in Verbindung mit Wochenendarbeit gebe. Ja klar!

Klar, bis zu meinen ersten Widerworten, bis ich ein problematisches Verhalten ansprechen musste, oder kritisiert habe. Dann kam:

„Am Wochenende bin ich übrigens nicht da!“

Dabei interessiert keinen, dass die Kinder klein sind und beaufsichtigt werden müssen und man gleichzeitig bei der Arbeit erwartet wird.

Betreuungsmöglichkeiten am Wochenende gibt es nicht, ausser du bezahlst teuer dafür. Na klar hab ich Menschen um mich gehabt, die mich hin und wieder unterstützt haben. Aber wem kann man 2 Kinder ein Wochenende lang je ca 10 Stunden anvertrauen. Ab 5 Uhr morgens, damit man 6 Uhr starten kann? Come on!

Ich hab dann gelernt sehr wohl zu dosieren. Kritik erst direkt nach dem Umgangswochenende zu äußern, damit er zwar tobt, aber dann zwei Wochen Zeit hat sich wieder zu beruhigen.

Dazwischen kam die Phase, als ich nie wusste, ob er kommt, oder nicht. Er war nicht erreichbar, Nachrichten und Anrufe wurden nicht beantwortet. Es gab keine Uhrzeit, auf die ich mich freitags vorm Umgangswochenende verlassen konnte. Der Zwerg war noch so klein, schlief oft schon 18 Uhr auf meinem Schoß ein und musste dann 19 Uhr geweckt werden, wenn Papa kam. Meist ging es dann noch zum Großeinkauf mit dem anderen Elternteil, weil „Ich hab nur gearbeitet und bin nicht dazu gekommen. Ich hab nichts zum Essen im Haus.“

Das tat mir so unendlich leid. Auch dass ich dem Großen nie seine Frage  beantworten konnte, wann Papa kommt. Nicht mal ob!

Ich war aufgrund der Ungewissheit mit den Nerven durch, weil ich oft bis 19 Uhr noch nicht wusste, ob er kommt. Nur, dass ich am nächsten Tag Frühschicht habe.

Stress pur!

Es ist wichtig, sich so früh wie möglich von jeglichen Abhängigkeiten frei zu machen!

Es ist so ein gutes Gefühl, wenn man nicht darauf angewiesen ist und es keine Rolle spielt, ob er kommt, oder nicht ( außer für die Kinder natürlich).

Absprachen sind nicht möglich, bewirken eher noch das Gegenteil.

So habe ich meinen Ex damals oft darauf hingewiesen, dass er unseren Sohn nicht gut für die einstündige Autobahnfahrt  anschnallt. Er zog ihm nie die dicke Winterjacke aus und die Gurte hingen locker über beide Oberarme. Ich hab geredet, erklärt, auf Gefahren hingewiesen, Adac- Crash test Videos geschickt.

Er lachte mich aus.

Wäre ich nicht so abhängig gewesen und hätte ich mein Wissen von jetzt, hätte ich ganz anders reagiert. Ich war gefangen in der Opferrolle.

Absprachen werden oft verweigert.

So dass z.B keine richtige Urlaubsplanung möglich ist. Die mütter haben oft das Nachsehen, wissen nicht, wie sie die Ferien abdecken sollen, weil der Vater sich nicht einbringen will.

Allerdings besteht er dann aber, kaum sind die Ferien im Kindergarten um-  Überraschung- auf Ferien mit SEINEM Kind. Es stehe ihm schließlich zu und wenn nicht, bezichtigt er dich der Kindesentziehung.

Das leidige Thema mit der Kleidung kennt nahezu jede Alleinerziehende. Die Mutter packt die Tasche fürs Umgangswochenende und nur die Hälfte kommt wieder zurück.

Gibt man also nur alte, günstige Kleidung von irgend nem Flohmarkt mit, bei der es nicht ganz so schlimm ist, wenn was fehlt…beschwert er sich über die hässlichen Kleider, in denen SEIN Kind rumrennen muss.

„Schliesslich zahl ich ja Unterhalt!“

Die Zeit dieser Väter ist gekommen, wenn du sie um eine Unterschrift bittest. Sei es für eine Schulanmeldung, die Kontoeröffnung fürs Kind, die Konfirmationsunterlagen. Es ist gar nicht so oft der Fall, aber doch immer wieder nötig.

Der Ton, in dem man fragt, der sollte schon passen. Wehe, der Vater liest zwischen den Zeilen Missmut ihm gegenüber. Dann wird so eine Unterschrift einfach verwehrt.

Ich hab dazu gelernt. Es steht nicht auf meiner Stirn geschrieben, dass ich geschieden bin! Kein verheiratetes Paar fragt man i.d.R nach beiden Unterschriften. Also habe ich aufgehört es zu thematisieren. Und komme damit ganz gut durch- ganz ohne Betteln.

Immernoch „darf“ eine Mutter mit ihrem Kind nach der Trennung nicht weiter weg ziehen, ohne, dass der andere Part es „erlaubt“.

Das Umgangsrecht darf nicht wesentlich beeinträchtigt werden.

Es gibt keine konkrete Kilometeranzahl laut Chat-GPT, es muss aber im Bereich der Zumutbarkeit liegen. Diese wird individuell betrachtet.

Will also eine Mama mit dem Kind an ihren alten Wohnort ziehen, wo sie Familie und Freunde als Unterstützung hätte, evtl auch günstigen Wohnraum im Haus der Eltern z.B, kann der Kindsvater das boykottieren.

Zieht er aber wiederum danach in ein anderes Bundesland, ist das ok.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt davon, womit Alleinerziehende sich so herumschlagen.

Das Leben könnte so schön sein. In meinem Umfeld sind ausschließlich alleinerziehende Mamas, die Erwerbsarbeit nachkommen und sich liebevoll um Kind, oder Kinder kümmert. 

Manchmal bin ich voller Wut auf meinen Ex- Mann, weil er mir so oft Steine in den Weg legt und mir das Leben selbst nach Jahren immer noch oft schwer macht.

Unsere Kinder könnten es so viel besser haben mit zwei verantwortungsvollen, getrennten Elternteilen.

Gleichzeitig ist es eine gute Lernaufgabe darüber, wie man sich frei macht. Wie man Grenzen setzt. Was man über sich ergehen lässt und was nicht. Wann es wert hat, sich zu verteidigen und zu erklären- und wann nicht.

Ich investiere nur noch wenig Energie in ihn und seine Geschichten.