Immer wieder sonntags!

„Hey! Heute ist wieder einer der verdammten Tage, die ich kaum ertrage…“ sangen die Fantas in den 90ern und ich heute im Kopf auch einige Male.

Damals ging es um eine nicht erwiderte Liebe, jedoch haben wir gemeinsam, dass uns der Tag fast um den Verstand brachte.

Es ist Sonntag.

Wieder ein Sonntag, auf den ich mich freute und ihn mir am Abend davor so toll vorgestellt hatte. Pustekuchen!

Als ich mit meinem Kaffee auf dem Balkon saß, war die Welt bereits nicht mehr in Ordnung und der Haussegen hing schief.

Es war grad mal halb 8 und die Jungs hatten sich schon weh getan. Mit Worten, aber auch mit Fäusten.

Ich atmete die kühle Luft und schloss die Augen.

Dabei hoffte ich, dass das Geschrei von alleine aufhört und sie es ohne mein Zutun hinbekommen.

Halb 9 waren wir bereits im Garten, weil es drinnen ausartete.

Frische Luft hilft oft Wunder und zumindest für mich ist draußen alles etwas erträglicher.

Auch im Trampolin gab es nur Streit und Kampf. Tränen, Erpressen, Beleidigen, Beschimpfen.

Ich sah dem Grossen an, wie wütend er war und wie er durch die Zähne redete. So gern würde er dem kleinen Bruder eins mitgeben. So, dass es richtig weh tut und ohne schlechtes Gewissen danach.

Der Zwerg schrie wegen Allem und Nichts.

Einfach nichts passte ihm und er wollte seinen Kopf durchsetzen.

Letztendlich fingen sie an an mir zu kleben und genau das konnte ich gerade so gar nicht leiden.

Ich wollte weg! Weit, weit weg!

Schon wieder war ich enttäuscht von meiner eigenen Wunschvorstellung, was diesen heutigen Tag betrifft.

Also gut, vielleicht kann ein Lieblingsessen noch alles retten dachte ich optimistisch.

Beide wollten helfen und ich wollte genau heute so gar nicht ihre Gesellschaft in der Küche, aber das sagt man ja dann nicht.

Das Messer war nicht das richtige, der Hocker nicht hoch genug, eigentlich wollte jeder genau die Aufgabe des anderen, aber einfach tauschen ging auch nicht, weil „…jetzt hat er schon damit angefangen, dann will ich das jetzt auch nicht mehr!“

„Mann Mama“ hier und Mecker da.

Geschrei, Kampf und nicht hören. Vorm Herd rumhüpfen, auf dem das Öl gerade in der Pfanne heiss wird.

Beim Essen ging es weiter mit: „Ich mag das nicht“ und „Irgendwie schmeckt das heut anders!“

Am Nachmittag hatten sie mich soweit.

Als es nicht besser wurde und immer ein neuer Grund zum Streiten gefunden wurde, platzte ich.

Nachdem ich meine Anweisungen rausgebrüllt hatte, dass ich die Wohnung in dem ordentlichen Zustand vom Morgen vorfinden möchte, wenn ich wiederkomme, schlug ICH dann mal ausnahmsweise die Tür hinter mir zu.

Wenn ich dran gedacht hätte, ich hätte auch noch gestampft vor Wut. So!

Ich setzte mich ins Auto, hatte mein Sportzeug schon auf dem Beifahrersitz, da ich dachte, ich gehe zum Sportplatz.

Als ich aber so kurz dasaß und es so schön still war, entschied ich mich gegen Sport und für eine Runde Heulen. Ich heulte und heulte und versank in Selbstmitleid.

Jetzt wäre ein Moment, da hätte ich gern jemanden, der das für mich klärt. Jemand, der der Buhmann ist.

Es ist Sonntag. Sonntags will sich nie jemand treffen und ich frage auch niemanden mehr. Ich habe kapiert: Sonntags muss ich alleine da durch.

„Wir können uns ja vielleicht morgen treffen.“

Sonntag. Nicht gerade mein Lieblingstag. Obwohl ich es mir immer wieder fest vornehme.

Ich konnte nicht lange so dasitzen, auch wenn ich wollte.

Das Telefon klingelte und auch das schlechte Gewissen, dass ich meine Kinder nicht in so einer Situation zurücklassen kann.

Lächeln konnte ich noch nicht. Und wütend war ich auch noch, das merkte ich daran, dass ich eben nicht lächeln konnte.

Ich bat meine Jungs mir eine Stunde Zeit zu geben und sie gingen alleine in den Garten.

Nach nicht mal 20 min klingelte es das erste Mal an der Tür.

Nur kurz Entschuldigung sagen und Blumen in die Hand drücken.

Mit Wurzel und Dackelblick.

Das zweite mal Klingeln war, um mir von der Eidechse draußen zu erzählen.

Das dritte Mal, um zu fragen:

„Wie lang noch?“

Das vierte Mal um zu sagen:

„Ich hab dich NICHT NICHT lieb!“

Doppelte Verneinung heisst nämlich, dass ich geliebt werde.

Trotz allem. Ich schäme mich und frage mich ernsthaft, wer sich kindischer verhalten hat, die Kinder oder ich.

Ich brauchte Bewegung, schnappte mir meine Schlüssel und ging zu ihnen runter.

Es war bereits Abend und ich wollte sie so richtig müde machen, damit sie früh ins Bett können.

Ich lief los und als der Zwerg feststellte, dass ich nicht nur in den Garten will, sondern laufen, fing er an zu schreien. Ich lief langsam, aber bestimmt weiter. Beide hinter mir her, beide mürrisch und einer schreiend.

Der Zwerg war richtig sauer und beschimpfte mich, stellte sich mir in den Weg, schrie mich an. Als mich das nicht beeindruckte, schrie er nur noch hysterisch, dass ihm seine Beine weh tun und er eine Pause braucht.

Da waren wir gerade 70 m von Zuhause weg.

Der Berg war geschafft, jetzt waren wir mitten in den Weinbergen und an den Häusern vorbei.

Der Grosse versuchte ihn abzulenken und einzulenken, womit er alles noch viel schlimmer machte.

Ich weiss, er tat es für mich, weil er gemerkt hat, dass es mir nicht gut geht. Jedoch erklärte ich ihm, dass sein Bruder wütend sein darf. Die Wut muss raus, irgendwo hin, damit es besser werden kann.

Als eine Pfütze kam, kündigte ich an, dass ich da reinspringen werde und man besser Abstand von mir hält.

PATSCH!

Bis zum Po spritzte das Pfützenwasser und ich wunderte mich, WIE gut das tat.

Der Grosse wollte auch unbedingt und der Zwerg schrie, weil er nass wurde.

Ab Kilometer 3 konnte er dann wohl selber sein Geschrei nicht mehr hören und gab mir zwar wütend, aber immerhin versöhnlich die Hand.

Wir warfen Steine den Berg runter. Ich forderte sie auf, ihre ganze Wut mitzuschleudern und ja, sie waren wütend.

Dann haben wir alle drei geschrien. So richtig alles gegeben. Weit und breit war kein Mensch zu sehen.

Ich brachte sie zu dem Plätzchen, das mir zuletzt gute Laune machte, weil es dort einfach zu schön ist, um miese Laune zu empfinden.

Jeder hatte einen Stock und sie haben Baseball mit faulen Äpfeln vom Boden gespielt. Ui, da hat sich ganz schön was entladen.

Wir haben Grillen beobachtet und gelacht. Als es anfing zu dämmern, wollte keiner zurück.

Auf dem Rückweg war es bereits viel später als ich wollte und wir haben noch auf fiese Schimpfwörter Reime gesucht.

Sie haben gesungen, gepfiffen, Abkürzungen genommen, geklettert, erforscht und einige Äpfel gegessen, die akkurat vorher mit dem Taschenmesser geteilt wurden.

Die Laune war fantastisch und von Ärger keine Spur mehr.

„Sooo schlecht war der Tag ja gar nicht“, denke ich und weiss, dass heute Mittag niemand diesen Satz zu mir hätte sagen sollen.

Ich bin froh, dass der Zwerg morgen wieder in den Kindergarten kann.

Und noch mehr darüber, dass dieser Tag doch noch so ausgegangen ist.

Ende gut, alles gut und morgen fangen wir wieder neu an.

Dankbarkeit

Der Donnerstag steht ganz im Sinne der Dankbarkeit.

Ich bin dankbar für die Zeit mit meinen Kindern. So sehr wie noch nie!

Vor Corona war ich oft genervt davon, so fremdgesteuer zu sein. Zählte die Tage, bis wieder Papa-Wochenende war und ich durchatmen kann.

Ich sehnte mich so sehr nach Zeit alleine, ohne die Kinder, dass der Beginn von Corona mein wahrgewordener Alptraum war. Notbetreuung, wenn ich arbeite, ja. Ansonsten non stop Kinderprogramm, rund um die Uhr. Ohne kurze Verschnaufpause, ohne meinen geliebten Outdoorsport, ohne Schule und ohne Kindergarten.

Heute, schau an, was das mit mir gemacht hat! Oft erkenne ich mich selber nicht wieder und muss über mich selber lachen.

Ich vermisse meine Jungs- so oft!

Ist das nicht irre und total verrückt? Wie konnte das nur geschehen?

Als sie das erste Mal beide wieder in die Einrichtung durften, war ich 8 km walken. Es tat soooo gut, diese Freiheit!

Auf dem Weg zurück kam das erste Mal dieser Gedanke auf:

„Ach, jetzt könnten sie eigentlich auch schon wieder heim kommen.“

Wenn jetzt Papa-Wochenende ist, kam schon mal der Gedanke auf:

„Wenn er sie diesmal nicht holt, ist es eigentlich auch nicht schlimm.“

Donnerstags ist mein kleiner Sohn auch am Nachmittag im Kindergarten angemeldet, weil der Grosse da normalerweise Nachmittagsschule hat.

Donnerstag war immer mein Lieblingstag. Nach der Arbeit mal nicht schnell in den Kindergarten hetzen. Zeit für mich. Oder für Termine, Haushalt, Einkaufen. Aber eben nicht mit zwei Kindern im Schlepptau.

Nach Corona: ich hole meinen Sohn grundsätzlich schon mittags ab, weil ich ihn um mich haben will. Weil ich das Gefühl habe, dass nichts wichtiger ist als die Zeit mit ihm.

Heute lag ich auf der Couch. Und glaubt mir, das ist etwas ganz Besonderes.

In den letzten Jahren bin ich nicht oft einfach mal so auf der Couch gelegen. Es gab immer was zu tun, oder jemand wollte was von mir, sobald ich mich kurz gesetzt hatte.

Auf jeden Fall lag ich so rum und schaute meinen Jungs beim Lego bauen zu. Ich schaute sie genau an. Ihre Mimik, ihre Gestik, ihr Blick. Ich wollte all das nie wieder vergessen.

Die Leute hatten recht. Die, die immer gesagt haben:

„Deine Kinder werden größer, es wird leichter!“

Damals schien das alles noch so weit entfernt und ich konnte es nicht erwarten.

Jetzt ist es passiert.  Sie sind schon so gross und brauchen mich bei vielen Dingen immer weniger.

Heute lagen wir zu dritt im Bett, ich in der Mitte und der Grosse zählte mir auf, warum er EIGENTLICH jetzt sogar besser schlafen kann, wenn ich rausgehe.

9 Jahre Schlafbegleitung bis auf wenige Ausnahmen, in denen es mal einfach so in einer guten Phase geklappt hat. Er war ein so schlechter Schläfer und wollte nie alleine sein.

Er wollte meine Hand, gekrault werden, oder später dann Fussmassage. Aber auf keinen Fall, dass ich rausgehe!

Tja, hier stehen wir nun. Jetzt ist es so, dass ich frage:

„DARF ich noch ein bisschen bleiben?“

Ich gebe zu, ich muss mich noch etwas daran gewöhnen.

Die besten Gespräche hatten wir immer vor dem Einschlafen. Dann, wenn der kleine Bruder längst beim Vorlesen eingeschlafen war.

Da erfuhr ich dann alles aus seinem Seelenleben. Was für ihn ein guter und was ein schlechter Freund war zum Beispiel.

Über was er gelacht hat, wen er verteidigt hat, oder wer sich für ihn eingesetzt hat.

Welche Mädchen er gut findet und welche doof.

Was er als ungerecht empfand und warum er heute zu XY besonders nett war.

Warum er sich geärgert hat und welche Eigenschaften er an seinen Freunden so mag.

Ich erfuhr über seine Ziele und wie er sich sein weiteres Leben so vorstellt.

Eine Umarmung, ein „Schlaf schön“ und rausgehen schien da noch so weit entfernt.

Ich freute mich umso mehr, als der Grosse aus der Badewanne rief:

„Mama, weißt du was wir schon ganz lang nicht mehr gemacht haben?

Ich liebe dich, weil…“

Dieses Spiel entstand aus der Not.

Im Wechsel sagen wir: Ich liebe dich, weil… und sagen einem anderen Familienmitglied den Grund dafür.

Wir haben das oft gemacht, wenn ich zu müde war, um mich zu bewegen und nur reden noch ging.

Auch gern gewählt an Tagen, an denen wenig Liebe spürbar war und es drunter und drüber ging.

Also spielten wir: ich liebe dich, weil…

Es ist herrlich, was die Kinder manchmal da so aufzählen. Und es zeigt mir, dass auch für sie nichts selbstverständlich ist, obwohl ich das oft denke.

Das tut gut! Wir alle strahlen. Vor allem der Zwerg. Er ist gut weggekommen und vom grossen Bruder hören, warum er einen so liebt, tut ihm unheimlich gut.

Ich merke, dass sie gross geworden sind, weil sie nicht mehr auf meine Tricks reinfallen.

Wenn ich zum Beispiel ernst alle zusammentrommle, fällt der Grosse nicht mehr drauf rein.

Gelangweilt sagt er:

„Ich weiß was jetzt kommt! Ich hab euch lieb, bla bla bla!“

Ihm kann ich nichts mehr vormachen. Oft fragt er mich, ob ich es wirklich ernst meine, oder das nur wieder so ein „Erwachsenentrick“ sei. Wie das, dass Mamas Kinder ins Bett bringen, dann sagen, dass sie nur kurz Wäsche machen oder sowas und dann wieder kommen. Und wenn sie wiederkommen ist das Kind eingeschlafen. Jahrelang hat es immer mal wieder geklappt.

Wenn der Zwerg mir sein Legoauto und das seines Bruders vor sie Nase hebt und wissen will, welches ich cooler finde…dann sage ich immer leise, dass ich seins cooler finde. Erstens, weil er sich so sehr freut, sich immer große Mühe gibt und zweitens, weil ich weiß, dass der Grosse eh weiß, dass seines klar cooler ist mit 4 Jahren Altersunterschied.

„Fall da nicht drauf rein, das ist wieder so ein Erwachsenentrick. Wenn du sie fragst, welches cooler ist, sagt sie deins. Wenn ich sie frage, sagt sie meins. „

Ich werfe ihm einen giftigen, belustigten Blick zu und der Zwerg grinst zufrieden, als ich das vehement abstreite.

Wenn ich mich mit der 80 jährigen Frau aus der Nachbarschaft unterhalte und sie mal wieder anerkennt, dass alleinerziehend sein alles andere als leicht ist, dann lächle ich.

Oft war genau dieser Satz Anlass dazu mein Herz auszuschütten. Wie ungerecht die Welt ist, WIE schwer es wirklich ist, wie schlimm, nichts gerecht zu werden.

Jetzt bin ich eher stolz auf das, was hinter mir liegt. Wie ich diese schweren Jahre gemeistert habe und dass es jetzt ein bisschen einfacher wird.

Ja. Sie sind gross geworden. Und ich bin dankbar dafür, dass ich Teil des Ganzen bin.

Karma

Ich glaube fest daran, dass das Leben ein Boomerang ist. Was man gibt, kommt auf unerwartete Weise zurück.

Wenn mir etwas Gutes wiederfährt, oder jemand mir etwas Gutes tut, dann liegt es daran, dass ich es schlichtweg verdient habe.

Wenn ich etwas Gutes für jemanden tuhe, erwarte ich also nicht unmittelbar, dass derjenige sich revanchiert.

Es kann über Umwege, von wo ganz anders und viel später zu mir kommen, das Glück.

Ich tuhe nichts Gutes und erwarte unmittelbar, dass derjenige dafür gefälligst auch mir einen Gefallen tut.

Ich habe keine Erwartungen, ich mache es nur, weil ich es machen will.

Ich bin nicht enttäuscht, wenn es ausgenutzt wird, oder nichts zurück  kommt. Denn es ist nie umsonst.

So fuhr ich zum Beispiel gestern nach der Arbeit Richtung Notbetreuung und freute mich so richtig auf die Kinder.

Ich dachte:

Hab ich ein Glück! Ich habe zwei kerngesunde, aufgeweckte Kinder, welch ein Segen.

Nicht alles ist perfekt, sicher.

Meine Ehe ist zerbrochen und doch können wir wieder miteinander lachen und freuen uns nächste Woche aufs Legoland zusammen.

Unser neu gebautes Haus ist verkauft. Doch hier sitzen wir in unserer Mietswohnung, die wir inzwischen lieben gelernt haben.

Dazu gehört ein Garten, der 10 mal so gross ist wie der davor. Wir haben hier dank unseren wundervollen, kinderfreundlichen und grossherzigen Vermietern mehrere Schafe, die sich sogar küssen lassen. Wir haben Hühner und bekommen regelmäßig frische Eier, die einfach besser schmecken, als die aus dem Laden.

Hier steht unser Trampolin, Schaukeln und ne Rutsche.

Die Aussicht ist atemberaubend und wir haben hier abends Fledermäuse und im Winter Igel, die sich im Stroh verstecken. Immer wieder entdecken wir Nattern und Eidechsen.

Jeder Tag im Garten ist ein neues Abenteuer. Oft sitze ich einfach nur am Zaun bei den Schafen und streichle sie. Wenn ich mich umschaue und meine Kinder lachen höre, dann denke ich:

Was haben wir für ein unglaubliches Glück! Wie schön, dass meine Kinder so aufwachsen können.

Seit diesem Jahr haben wir neue Nachbarn und endlich gibt es noch andere Kinder im Haus. Die zwei Mädchen sind im gleichen Alter wie meine Jungs.

Wie oft toben sie zusammen im Trampolin, oder füttern die Tiere. Beobachten, matschen, lernen voneinander.

Auch wenn es mal Streit gibt, denke ich immer wieder:

Was haben wir für ein unglaubliches Glück! So eine Kindheit kann man sich nur wünschen.

Die andere Nachbarin hat einen furchtbar süßen, lieben Hund. Auch wenn ich Hunde nicht besonders mag und ein Kindheitstrauma nicht überwunden habe, mag ich diesen sehr.

Oft spielen die Kinder mit ihm im Garten und oft sagt mein Sohn, wie gern er einen Hund hätte.

Wir selber haben zwar keinen, aber der von der Nachbarin besucht uns in der Wohnung und wir können mit ihm Gassi gehen.

Meine Kinder strahlen und sind ganz aufgeregt.

Wieder denke ich: was haben wir nur für ein Glück!

Vom Trampolin aus entdeckt mein Sohn oft Schulfreunde, die mit dem Fahrrad am Haus vorbeifahren.

Dann rennt er schnell hoch und freut sich. Oft sind in unserer Sackgasse mehr als 5 Kinder, die Fahrrad fahren, Roller, Inliner, Skateboard oder einfach nur die Strasse mit Malkreide verschönern.

Wir haben nicht alles, aber was wir haben ist großartig und mehr, als ich jemals geglaubt habe besitzen zu dürfen.

Ich bin nicht neidisch auf andere, die mehr haben. Was wir haben ist für mich unbezahlbar.

Danke Karma! Danke, dass der Boomerang immer wieder zurückkommt.

Ich liebe mein und unser Leben!

Papa VS. Mama?

Team oder nicht-Team, das ist hier die Frage?

Wenn ein Part „besser“ ist, ist dann dadurch der andere automatisch „schlechter“?

Ist es gut, so unterschiedlich zu erziehen, oder eher nicht förderlich?

Sollte man es nicht eher so sehen, dass man sich im besten Fall gegenseitig ergänzt?

In unserem Fall wird das jedenfalls immer mehr genauso. Es fällt mir immer leichter, es genau als dieses zu sehen: sich ergänzen. 

Keiner ist besser als der andere, keiner wird mehr geliebt und man muss sich auch nicht zwischen uns entscheiden.

Zu Beginn war der Gedanke für mich ein wahrgewordener Alptraum:

Ich den Alltag, quasi den Tag mit ALL seinem Stress, den er mit sich bringt.

Und er? Natürlich die Lorbeeren. Qualitytime. Das Ausschlafen, kein Zeitdruck, keine Termine, keine Verpflichtungen.

Einfach tun, worauf man Lust hat und in den Tag hineinleben. Herrlich!

Ich habe gekocht vor Wut und war soooo neidisch. Wie ungerecht!

Gepaart mit den Emotionen kurz nach der Trennung und dem Gefühlschaos, eine hoch explosive Mischung.

Ich war ein Wrack. Am Boden. Völlig erschöpft vom irgendwie funktionieren und den schlaflosen Nächten.

Gezeichnet vom vielen Weinen.

Einerseits wollte und musste ich die Kinder um mich haben, weil alles andere mir so grosse Angst machte. Ich wollte sie immer bei mir haben.

Andererseits hatte ich weder Geduld, noch die Nerven mich „gut“ um sie zu kümmern. Ich hatte so viele Sorgen und es gab so viel zu erledigen.

Ich erinnere mich an das Gefühl, als recht bald diese neue Frau an seiner Seite war und der Sohn schwärmte:

„Weisst du, wenn sie kocht, spielt Papa mit uns Fussball!“

Ach wie toll! Ganz toll! So toll, dass ich mich übergeben könnte vor Zorn und Missgunst.

Am Anfang fühle es sich noch gar nicht an wie jetzt. Es war eine zaghafte Entwicklung.

Ich wollte „besser“ sein als er, tollere Dinge unternehmen. Allerdings konnte ich mir das gar nicht leisten und dieses Konkurrenzdenken war mehr als anstrengend und kräftezehrend.

Ach, es war alles so gar nicht so wie ich wollte.

Ich verfluchte die Situation und ihn noch mehr.

Die Kinder gingen freitags alle 14 Tage zu ihm und kamen am Sonntag völlig wesensverändert zurück.

Rotzfrech, provokant, gereizt und zum Teil aggressiv. Fordernd und bestimmend.

Bis Mittwoch war das Zusammenleben mit ihnen die Hölle, dann erkannte ich meine Kinder allmählich wieder.

Ich konnte einfach nicht mit meinem, inzwischen Exmann reden und er nicht mit mir. Alles wurde auf die Goldwaage gelegt und viel zu oft fehlinterpretiert. Dem anderen wurde Boshaftigkeit unterstellt und kein gutes Haar am anderen gelassen.

Heute hat sich alles eingespielt und mein Blut kocht nicht mehr gleich hoch, wo früher kein Halten war.

Heute muss ich nicht mehr alles bemerken und bemängeln, weil Harmonie mir wichtiger ist und mich glücklicher macht als Recht zu haben.

Heute sehe ich uns mehr als Team und so vermittle ich es auch den Kindern.

Papa ist Burger King und ich bin Gemüsesticks mit Kräuterquarkdip.

Papa ist „bleibt halt wach, bis ihr müde seid“ und ich bin „nein, für heute reicht es, ab ins Bett!“

Papa ist Nintendo Switch, Super Mario und Handy.

Ich bin „Finger weg von meinem Handy“. Weder besitzen wir ne Konsole, noch ein Tablet.

Hier gibt es Disney+ und auch mal YouTube, mehr ist nicht zu holen.

Papa ist das totale Chaos und alles liegt rum. Ich bin „räum erst deine Sachen auf, wenn du das nächste anfängst“.

Papa ist „ach ja, dann schlafen wir halt alle auf der Couch ein und mit Fernseher“. Ich bin „nein, kommt nicht in Frage. Jeder schläft in seinem Bett.“

Wo ich früher noch so eifersüchtig war, geniesse ich es heute einfach nur. Ich darf ich sein und er darf er sein.

Die Kinder haben beides. Alle 14 Tage sind sie im Schlaraffenland, dazwischen geht es etwas ernster und geregelter zu. Perfekt!

Inzwischen können die Jungs auch genau einschätzen wo sie was dürfen und halten sich dran.

Die Umstellung macht ihnen keine Mühe mehr. Wenn sie zurückkommen, sind sie exakt die Kinder, die ich Freitags verabschiedet und geknutscht habe.

Meist können wir ganz friedlich miteinander reden und es wird immer entspannter, jetzt wo die Fronten klar sind, die Emotionen weg und jeder sein eigenes Leben lebt.

Wenn Spannungen in der Luft liegen, kenne ich die Vorboten und lenke ein. Nicht, weil es mich nicht ärgert. Sondern weil ich es für die Kinder nicht mehr soweit kommen lassen will.

Weil ich die Kinder so sehr liebe, will ich sie nie wieder in Situationen von früher bringen, die sie so sehr verletzt haben und ihnen Angst eingejagt.

Wenn ich heute meckere, dann wirklich gut dosiert und in angemessenem Ton. Neutral und dann, wenn ich nicht auf dem Zenit meines Ärgers bin.

Und gewiss nicht kurz vorm Papa Wochenende, sondern so, dass er auch genug Zeit hat es zu verdauen.

Selbst wenn er dann noch mürrisch, gekränkt, oder stinksauer ist und ich das sehr wohl sofort bemerke, öffne ich mit einem Lächeln die Tür, begrüße ihn angemessen freundlich und die Kinder bekommen nichts mit.

Am Anfang habe ich nur die schlechten Seiten an ihm gesehen und mich auf diese fokussiert. Immer schön drauf auf die Schwächen, schön draufrumtanzen. Soll ja schließlich weh tun!

Egal wie schlecht ich ihn gemacht habe, ich stand dadurch nie besser da, das habe ich verstanden.

Er muss es nicht machen wie ich und er muss nicht können, was ich kann.

Ich liebe Ordnung und ihn stört Chaos nicht, das werde ich niemals ändern können.

Ich bin ein Planer und mein Tag ist gut strukturiert. Deshalb macht mir der Alltag mit den Kindern weniger Stress, er würde es alleine nicht packen.

Warum ergänzen wir uns also nicht einfach und jeder tut das, was er am besten kann?

Dass der höchste Berg auf dem Mars ist- weiss der Sohn von Papa.

Ebenso alles über Planeten, unser Sonnensystem, Sternbilder und Schwarze Löcher. Ich habe keine Ahnung!

Von mir lernen sie viel über den Körper, Organe, Bakterien, Krankheitsbilder, was gesundes und ungesundes Essen ist. Dass Saft nicht gleich Saft ist und wo versteckter Zucker drin ist, den man dort nicht vermutet.

Im letzten Urlaub hat mein Sohn die Animateurin bei einer Partie Schach zum Staunen gebracht. Von Papa gelernt! Ich hab kein Interesse und keine Ahnung.

Mit ihm hat unser Sohn Schwimmen gelernt. Der Zwerg mit mir Fahrrad.

Wir machen zusammen Sport und sind viel in der Natur.

Bei Papa wird gezockt. In der Schule kann er also mitreden und ist nicht ganz aussen vor.

Papa schläft auch einfach mal ein, wenn ihn der Schlaf packt.

Ich könnte niemals ein Auge zumachen, wenn eins der Kinder noch wach ist.

Als mein Sohn vor ein paar Tagen bei seinem Freund war, spielte dessen Papa mit ihnen Poker. Er kam so glücklich nach Hause und freute sich so sehr, weil er die Regeln ja schon von Papa kannte.

Er hat viel mehr Geduld, wo ich schon längst ausflippe.

Dafür ertrage ich gewisse Dinge viel einfacher und verstehe nicht, wie er sich darüber nur so aufregen kann.

Manchmal beneide ich ihn um seine Leichtigkeit. Noch nie ist eins der Kinder dadurch verhungert, oder verdurstet, auch wenn er die Trinkflasche nicht dabei hatte.

Wenn ich alles Mögliche einpacke und er das gleiche mit leeren Händen macht und mir beweist, dass es auch so geht.

Meine Kinder gehen gerne zu Papa. Vielleicht WEIL er eben ist, wie er ist.

Sie kommen auch gern wieder zu mir zurück, obwohl es hier klare Regeln gibt und ich strenger bin.

Es war ein weiter Weg. Was am Anfang unvorstellbar war, ist jetzt Realität. Ich habe lange daran gearbeitet, an MIR gearbeitet, dass es so werden kann, wie es jetzt ist.

Ich bin zufrieden so, es ist ein gesundes Maß und genau das wollte ich für unsere Kinder.

Wir essen mal was zusammen und schreiben uns, wenn zum Beispiel was Lustiges passiert ist und auch mal unabhängig von den Kindern.

Wir unternehmen mal was zu viert und dass er bei den Kindergeburtstagen nicht dabei ist und mich unterstützt, nehme ich ihm nicht mehr übel.

Vor allem nicht, seit ich aufgehört habe bockig zu sein und gemerkt habe, dass ich ihn dazu gar nicht brauche. Es ist einfach nicht sein Ding! Meins dafür absolut!

Kinder lieben nicht den mehr, der mehr Geschenke schenkt, oder teurere. Seit ich das verstanden habe, bin ich mir meiner selbst genug.

Wenn mein Sohn vorm Einschlafen mit verstellter Stimme sagt:

„Papa lieb ich mehr als dich, weil da darf ich auch Handy und nicht nur Fernseh“, dann küsse ich ihn belustigt und liebevoll auf die Stirn und kann es so stehen lassen.

Das Leben ist schön! Geschieden sein ist schön, denn ich muss mich über seine Macken und Marotten nicht mehr aufregen.

Dass meine Kinder ihren Papa haben ist mehr als schön! Wie wäre es nur anders?

Alles ist gut so wie es ist. Kein Mensch läuft einem zufällig über den Weg. Ich habe ihn ausgesucht und somit regelrecht gesucht. Mit ihm diese Erfahrung.

Wann sollte man in einer Beziehung gehen?

Meinen Ex-Mann kannte ich seit der 5. Klasse und bereits zu Schulzeiten mochte ich ihn sehr. Er war gebildet, sehr sportlich, ein bisschen erwachsener wie alle anderen Jungs in seinem Alter. Er war gross und ich mochte sein volles, schwarzes Haar.

Ich liebte seinen Humor und noch mehr die tiefsinnigen Gespräche. 

Als wir uns viel später ineinander verliebten, hatten wir (scheinbar) die gleichen Ziele im Leben. Vielleicht liess meine rosarote Brille aber auch nicht zu, genauer hinzuschauen.

Vielleicht war ich zu verliebt, um zu sehen, dass ich das alles doch viel mehr wollte als er.

Vielleicht wünschte er es sich auch nur, weil er „Familie“ so gar nicht kannte. Somit wusste er auch nicht, wie viel man investieren muss und dass er dazu auf Dauer gar nicht bereit war.

Als wir erfuhren, dass es ein Junge wird- er hat geweint vor Freude.

Er wollte alles dafür tun, damit wir glücklich sind. Vielleicht meinte er damals aber auch schon mehr sich selbst.

Die Jahre zogen ins Land, wir heirateten und bauten ein Haus.

Wie man das eben so macht. So wird es einem vorgelebt. Das muss man haben, um glücklich zu sein.

Das Bauchgefühl hatte ich zu dem Zeitpunkt schon einige Male ignoriert und ich wollte ja auch nichts mehr, als glücklich zu sein.

So sehr man sein Kind auch liebt, der Alltag ist ein ganz anderer als zuvor.

Die schlaflosen Nächte, keine familiäre Unterstützung in der Nähe, fehlende Zeit als Paar.

Wenn wir die dann mal hatten, ja, dann wussten wir wieder, warum man sich ineinander verliebt hatte.

Tiefe Gespräche, die nicht durch Kindergeschrei unterbrochen wurden.

Lachen. Sich nah sein.

Doch der Alltag holt einen schnell ein, wenn beide arbeiten, Rechnungen gezahlt werden müssen und diese Zeit nicht da ist.

Wenn man ständig organisieren und planen muss, damit der Spagat zwischen Arbeitswelt und Privatleben gelingt.

Wenn die Schmetterlinge im Bauch etwas ruhiger werden, man einfach nur funktioniert und sich immer wieder dieser Gedanke einschleicht:

„Hatte ich mir das so vorgestellt?“

Klar, die Liebe zum gemeinsamen Kind verbindet auch unheimlich, rettet aber keine Ehe.

Wir als Paar…

Es gab immer öfter Streit. Immer länger wurden die Zeiten, in denen wir nicht miteinander redeten. Immer kürzer die harmonischen Abstände.

Wenn wir redeten, gab es wieder Streit. So drehte sich das Karussel und wir konnten nicht abspringen.

Wann ist das alles denn passiert? Früher war es doch immer möglich eine Lösung zu finden. Kompromisse zu finden. Auf den anderen zuzugehen. Nachzugeben. Zu reden und auch zu verzeihen.

Also, Bauchgefühl wieder übergangen, alle Zweifel ignoriert  und Kind Nr. 2 war unterwegs.

Das hatte ich mir so sehr gewünscht, vielleicht wieder etwas mehr als er.

Schließlich sagten doch alle, dass die ersten 10 Jahre im Haus die schwersten sind, bevor es leichter wird.

Die Kinder werden grösser, tröstete ich mich selbst.

In einer Ehe gibt es nun mal Höhen und Tiefen, sagte ich mir und das geht doch jedem so. Streit gibt es doch überall mal, das ist normal.

Die Ehe ist für immer, ein Leben lang, das hatte ich geschworen und wollte es halten.

Auch wenn er sich immer mehr raushielt, aussen vor war, nicht mehr bereit war zu investieren. Aus gemeinsamen Plänen wurden seine Pläne und ich fühlte mich so allein.

Ich hatte das Gefühl, dass ich mit allem alleine dastand und das alles schaffte ich niemals. Zwei Kinder, arbeiten, das Haus.

Aufräumen, hinterherräumen, einkaufen, kochen und dabei lächeln. Glücklich sein. Und wenn nicht, dann zumindest so tun.

Immer mehr war ich ein Schatten meiner selbst, immer mehr entfernte ich mich von dem, was mich ausmachte.

Immer öfter ging er über meine Grenzen hinweg und ich wunderte mich, dass ich es zuließ. So kannte ich mich nicht.

War ich doch immer taff und machte meinen Mund auf. Mein Gerechtigkeitssinn ist sehr stark ausgeprägt. Aber vielleicht auch nur, wenn es um andere geht und nicht um mich selbst.

Ich war jetzt eine verheiratete Frau, uns verbanden 2 Kinder und ein Schwur. Wir hatten ein Haus gebaut und waren hoch verschuldet.

Früher hatte ich schlaflose Nächte, wenn ich 200 Euro im Minus war.

Wie sollte ich aus dieser „Sache“ nur jemals wieder rauskommen?

Ich war verzweifelt, wurde den Gedanken nicht los, dass das alles ein grosser Fehler war und zum ersten Mal teilte ich es meiner engsten Freundin mit.

Monatelang redeten wir offen darüber, dass in mir alles tot ist.

Dass er zu weit gegangen ist. ZU weit und das ZU oft. Immer, wenn ich ihm verziehen hatte, ging er noch ein Stückchen weiter als zuvor.

Heute, mit Abstand betrachtet und als geschiedene Frau behaupte ich, dass die wenigsten Ehen wirklich glücklich sind.

Es ist viel mehr ein:

Man hat sich arrangiert.

Man macht viel getrennt voneinander, damit man sich nicht auf den Keks geht und nicht eingestehen muss, dass man sich irgendwann verloren hat.

Viele denken, dass sie glücklich sind, weil sie nicht ahnen, oder wahrhaben wollen, was er, oder auch sie hinterm Rücken so treibt.

Wenn Paare gemeinsam am Tisch sitzen, Paradebeispiel im Urlaub. Wenn ich sie beobachte, nachdem ihre Kinder längst den Tisch verlassen haben.

Sie haben sich schlichtweg nichts zu erzählen. Sie stochern in ihrem Teller herum und es ist still geworden.

Wenn ich mich umschaue, dann sind wohl wenige wirklich glücklich. Was daheim hinter verschlossener Tür so abläuft, davon kann man nur maximal ahnen.

Unsere Ehe endete nicht bei diesem Knall, der der ausschlaggebende Punkt war.

Unsere Ehe endete bereits lange zuvor und jeden weiteren Tag zerbrach unsere Welt ein bisschen mehr.

Zu lange habe ich festgehalten an dem, was schon lange nicht mehr war.

Vor Jahren erzählte mir eine Freundin von ihrer Beziehung. Streit gebe es sicher hin und wieder, aber noch wirklich nie sei einer von beiden an dem Punkt gewesen, sich trennen zu wollen.

Ich bin heute noch neidisch darauf, dass sie den Satz sagen konnte und sicherlich heute noch genauso sagen würde. Ich gönne es ihr und allen anderen, die so empfinden von ganzem Herzen.

Bei uns war es nicht dieses:

„Wir haben uns auseinandergelebt!“

Das wäre mir sicher zu wenig gewesen, um zu gehen.

Es brauchte viel, bis meine Grenze erreicht war. Ich hatte mir und uns viel zugemutet. Es hatte inzwischen Einfluss auf die Kinder. An dem Punkt bin ich wach geworden.

Nie vergesse ich dieses Gefühl von damals, als ich nachts die Koffer packte. Voller Angst und Panik, was jetzt werden soll. Was das mit mir macht und was mit den Kindern.

Ich hörte den Knall der zerplatzen Seifenblase, die für mein Leben stand.

So weit gekommen, so viel erreicht und erarbeitet. Und doch alles vergeblich.

Fast alles. Das Haus ist verkauft, wir können uns inzwischen immer öfter wieder in die Augen schauen und ich habe es überwunden.

Mit jedem weiteren Jahr, das verstreicht, hat das Leben von damals immer weniger mit mir selbst zu tun.

Es gehören immer zwei dazu. Unsere Ehe zerbrach nicht nur daran, wie er war, sondern auch daran, wie ich war.

Menschen entwickeln sich im Laufe der Jahre. Im besten Fall in die gleiche Richtung, im schlimmsten in entgegengesetzte.

Wichtig finde ich dabei, dass man es sich eingesteht. Dass man es nicht als persönlichen Versagen sieht.

Dass man niemanden über die anfangs besprochenen Grenzen lässt, die einem heilig sind und alles an dir ausmachen.

Dass man nicht den Kindern vorlebt, dass DAS Liebe ist. Nein, das wollte ich nicht.

Es ist wichtig sich zu hinterfragen, ob man das alles genauso will, ohne sich selbst anzulügen.

Ohne Rücksicht auf die Nachbarn zu nehmen und darauf, was die Leute sagen.

Scham, Angst und Resignation sind schlechte Wegbegleiter und oft dachte ich bei mir:

„Du bist zu jung, um so unglücklich zu sein!“

Es ist DANN Zeit zu gehen, wenn dich das alles nicht mehr zurückhält. Wenn du nicht mehr daran denkst, dass so doch alles bequemer ist.

Es ist DANN Zeit zu gehen, wenn nur noch einer bereit ist zu kämpfen. Alleine schaffst du das nicht!

Es ist DANN Zeit zu gehen, wenn die Sorge, wie es weitergeht dich nicht mehr kümmert.

Dann, wenn ein …

„Wie soll das nur werden?!?“

…weicht in ein:

„Irgendwie geht es schon weiter!“

Was bleibt sind die gemeinsamen Kinder, für die sich all das gelohnt hat auf sich zu nehmen und die uns immer miteinander verbinden. Zwingen, irgendwie klarzukommen, es immer wieder zu versuchen, zu verzeihen und nicht nur an sich selbst du denken.

Es ist nie genug!

Seit meiner Trennung vor 4 Jahren wird mir immer wieder diese eine Sache gespiegelt:

DU BIST NICHT GENUG!

Ich habe mich oft zerrissen gefühlt und jeder will doch „gut genug“ sein. Dazugehören. Mithalten. Frei sein. Flexibel sein. Geachtet werden und geschätzt.

Also bin ich regelmässig über meine eigenen Grenzen gegangen, habe ertragen und geduldet.

Hingenommen, was nicht zu ändern war:

DU BIST NICHT GENUG!

Dieser Gedanke war lange unerträglich für mich und immer hatte ich das Gefühl doppelt so hart kämpfen zu müssen, NOCH mehr Einsatz zu zeigen, noch schneller zu werden und noch mehr tun zu müssen.

Immer wieder fühlte ich mich erschöpft und war frustriert, denn ich machte doch und machte…und doch:

DU BIST NICHT GENUG!

Eines Tages telefonierte ich mit einer Freundin und was sie sagte war so simpel. Es lag auf der Hand und doch änderte es alles.

Sie fragte, warum ich so dagegen ankämpfe, nicht genug zu sein. Ich solle aufhören damit.

“ Ja, egal was du machst und wieviel du davon machst, du wirst nichts gerecht. Nimm es doch hin! „

ICH BIN NICHT GENUG!

Plötzlich fühlte sich dieser Satz gar nicht mehr so schlimm an, dass ich immer und wieder dagegen ankämpfen wollte.

Ja, ich war frisch getrennt und stand mit allem alleine da.

Ja, meine Kinder waren noch sehr klein und brauchten mich sehr.

Ja, ich ging arbeiten und hatte viel zu oft viel zu wenig Schlaf, weil ich nachts mehrmals geweckt wurde.

Ja, ich bin nicht genug. Nicht genug Mama, nicht genug Krankenschwester und schon gar nicht genug ich selbst.

Nichts werde ich gerecht und das wird die nächsten Jahre so bleiben.

Ich bin nicht genug, aber hey, es ist okay.

Das anzunehmen war ein sehr langer Weg, es hat mich viele schlaflose Nächte gekostet und ebenso viele Tränen.

Heute kann ich es ganz leicht und mit einem Schulterzucken über meine Lippen bringen.

Ich definiere mich nicht mehr darüber und es tut nicht mehr weh.

Deshalb bin ich trotzdem eine tolle Mama, wenn auch nicht perfekt. Die Tatsache, wie meine Kinder sich entwickeln, wie selbständig, empatisch und offen sie sind, gibt mir Recht.

Früh habe ich gelernt, mich nicht über Materielles zu definieren. Nie hatte ich ein teures Auto, selten konnte ich mir Markenkleidung leisten, nicht jedes Jahr war ich im Urlaub, schon gar nicht mehrmals. Nie hatte ich das angesagteste Handy und als Teeny nie einen Computer.

Was mich ausmacht bin ich, nur ich, mein Wesen. Mich gibt es nur einmal, niemand ist wie ich und das macht mich unschlagbar.

Heute habe ich einen Herzensmensch getroffen und wir haben gerätselt, wann unser Freundschaft tiefer wurde, denn Kollegen waren wir schon einige Jahre.

Es war ein Moment, als ich ganz schwach und unten war, der uns näher zusammenrücken liess.

Ich erinnere mich nur noch vage, aber es muss ziemlich genau 4 Jahre her sein, als sie mit dem Fahrrad an mir vorbeifuhr und anhielt.

Mir war das gar nicht recht, ich wollte niemanden sehen und schon gar nicht reden.

Ich schob den Buggy mit dem Zwerg drin, der 10 Monate alt war. Der Grosse war 5 und fuhr Fahrrad, glaube ich. Es dauerte nicht lang und es sprudelte aus mir heraus. Alles!

Dass wir getrennt sind, er nicht mehr bei uns wohnt und ich nicht weiss wie es weiter geht. Dass ich es zu Hause im Haus nicht ertrage und es mich rauszieht. Nur raus, nur laufen, nur frische Luft und nicht denken.

Sie erinnert sich daran, dass ich schrecklich geweint habe, als ich ihr Auszüge erzählte. Und dass ich mich mehrmals entschuldigte, dass ich sie mit meinen Problemen belastet hatte.

Für mich ist diese Zeit sehr verschwommen. Im Nachhinein fragt man sich immer, wie man das alles nur geschafft hat. Was mir geholfen hat war, dass ich diese tollen kleinen Jungs hatte.

Ich musste jeden Tag früh aufstehen und konnte mich nicht unter der Bettdecke verkriechen. Jeden Tag gab es was zu lachen, auch wenn ich dabei geweint habe. Wir haben morgens das Haus verlassen und sind erst abends wieder zurück. Es hat so viel Kraft gekostet und doch tat es so gut.

Ich musste Essen kochen, ich habe Bücher vorgelesen, mit Baby auf dem Arm getanzt, ich habe vorgesungen und in den Schlaf gewiegt. Oft habe ich mich an meine Kinder gekuschelt und sie ganz fest gedrückt. Im Nachhinein bin ich sicher, dass ich die Umarmung viel mehr gebraucht habe als sie.

Wir haben viel miteinander geredet und sind als Team zusammengerückt. Weil alles war wie es war, bin ich auch wie ich bin. Wenn ich auf die letzten 4 Jahre zurückblicke, dann haben die Leute recht gehabt:

„Es wird leichter, deine Kinder werden grösser.“

Die Zeit heilt nicht alle Wunden, aber sie macht Vieles erträglicher.

Irgendwann schliefen die Kinder durch, irgendwann konnte auch das Baby reden und laufen.

Irgendwann wachte er nicht mehr morgens halb 5 auf, bevor überhaupt mein Wecker zur Arbeit klingelte. Irgendwann lief der Grosse von der Schule nach Hause und begann schon mal mit seinen Hausaufgaben, bis ich kam.

Irgendwann konnte ich sie zusammen und alleine in den Garten schicken, damit ich durchatmen konnte, wenn mir alles zu viel war.

Ich liebe mein neues Leben, das absolut nicht mein Plan war. Ich tuhe mein Bestes, jeden Tag. Allein diese Tatsache lässt mich mit einem Schulterzucken leicht und locker sagen:

Ich bin nicht genug. Aber ich bin gut wie ich bin.

Gebrochenes Herz

Ich bin ein Mensch mit vielen Emotionen und wie ein lieber Mensch mal treffend sagte:

“ Dich kann man lesen wie ein Buch. Aber mit sooooo grossen Buchstaben!“

Ich kann niemanden was vormachen. Bin ich wütend, wirst du mir das ansehen.

Bin ich enttäuscht, wirst du es in meinem Blick deuten können.

Ich bin kein guter Schauspieler und deshalb auch oft viel zu ehrlich.

Ich kann schlichtweg ganz schlecht lügen, deshalb lasse ich es, gerate lieber in Erklärungsnot und unangenehme Situationen.

Es gibt eine Sache, mit der ich nicht gut umgehen kann.

Ich komme klar mit Wut und Frust, dem Alleinsein und alldem.

Wenn aber mein Kind traurig ist, so richtig, richtig traurig, dann quält es mich.

Heute war so ein Tag.

Ich habe heute frei. Soweit so gut.

Einen Tag in der Woche habe ich meinem Kind den Kindergarten erkämpft, obwohl ich eben nicht arbeite.

Damals dachte ich noch, dass ich uns Allen damit einen Gefallen tuhe.

Mein Sohn geht sehr gerne in den Kindergarten. Ich kann mich nicht an Tränen beim Abschied erinnern.

Er mag seine Erzieherinnen und Erzieher, die Spielsachen und das Toben im Gartenbereich.

Noch mehr mag er aber die Kinder.

Zwei davon bedeuten ihm alles und deren Namen fallen bei uns daheim fast täglich.

Als die Email mit der neuen Gruppeneinteilung kam, gab es grosse Freude, weil der besagte beste Freund mit auf der Liste stand. Juhu.

Auf der anderen Seite grosse Trauer, denn die liebste Freundin, mit der er sonst immer zusammen ist, war in einer anderen Gruppe eingeteilt.

Heute, an meinem freien Tag also, als wir glücklich aufwachten und er durch das Kindergartentor hüpfte, war die Welt noch in Ordnung.

Der Grosse und ich machten unsere Fahrräder klar. Die Strecke war besprochen und er braucht mich auch so sehr mal für sich alleine.

Er erzählte mir dabei mehrmals, wie gut ihm das tut und …

„Weisst du Mama? Das hab ich mir schon lang mal gewünscht.“

Nur er und ich. Ohne kleinen Bruder.

Wir traten in die Pedale, um noch schneller den Berg runter zu düsen und jubelten dabei erleichtert.

Mittags parkte ich vor dem Kindergartentor. Mein Sohn fiel mir von Weitem schon auf. Lustlos und mit gesenktem Kopf fuhr er mit einem Fahrzeug im Garten auf und ab. Im Schneckentempo.

Üblicherweise werde ich überschwänglich begrüßt und mit einem strahlenden Lachen in Empfang genommen. Mindestens aber pfeiffend und vergnügt zum Auto begleitet.

Heute war etwas anders als sonst.

Die Erzieherin sagte mir, wo die Laune herkam. Die beste Freundin war auch mit im Garten. Da sie aber in der anderen Gruppe ist und sie untereinander keinen Kontakt haben sollen, saß die Besagte ebenso traurig im Sandkasten.

Sie saß dort allein, ebenso mit gesenktem Kopf und schaufelte lustlos Sand, den sie langsam runterrieseln ließ.

Zwischen ihr und meinem Sohn:

Rotes Absperrband.

Das ist dein Tanzbereich, das ist mein Tanzbereich.

Zig Male gehört bei „Dirty dancing“ und jetzt traurige Realität.

Der andere gute Freund ist übrigens gar nicht wie erwartet in der gleichen Gruppe, sondern darf aus bestimmten Gründen gar nicht in den Kindergarten.

Zwei Tiefschläge an einem Tag.

Ich verstehe mein Kind und leide still mit. Alleine muss er sich gefühlt haben.

Heute war kein guter Tag. Im Auto kam die Wut. Er schrie und tobte. Jede Kleinigkeit und jedes falsche Wort ließen ihn erneut hochkochen. Ich hatte ihn bereits gedrückt und er erwiderte meine Umarmung nicht.

Er wolle nicht reden und wir, also sein Bruder und ich, sollten auch nicht reden befahl er uns.

Auf dem Spielplatz später wollte er im heißen Auto sitzen bleiben und nicht aussteigen.

Denn schon wieder waren von ihm keine Freunde da, sondern mal wieder nur die seines Bruders.

Er hing an mir, nachdem ich ihn schreiend und gegen seinen Willen zu mir auf die Decke setzte. Er wollte nicht spielen. Nur kuscheln. Ohne reden.

Nach ca.1 h wurde alles besser. Er lachte das erste Mal wieder und war fröhlich.

Nichts hat mich heute glücklicher gemacht, als ihn beim Fange spielen zu beobachten und dabei sein lautes, ausgelassenes Lachen und die Freudenschreie zu hören.

Ich bin hin und hergerissen.

Wertvolle Zeit mit dem Grossen alleine…wunderbar.

An meinem nächsten freien Tag werden wir aber lieber wieder zu Hause im Garten toben. Zusammen.

Ohne Absperrband. Vielleicht sogar MIT Freunden. Und auf jeden Fall glücklicher.

💙

Die Elternschule- der Film

Es wurde viel über diesen Film diskutiert, der 2018 erstmals ausgestrahlt wurde.

Ich habe die Meinungen dazu ein ganze Weile verfolgt, konnte mich aber nicht dazu motivieren, ihn mir anzuschauen.

Ich habe den Trailer dazu gesehen und allein der löste seltsame Gefühle in mir aus.

Am Freitag habe ich es getan, ich habe ihn mir angeschaut. Von Anfang bis zum Ende, obwohl ich bereits die ersten 20 Minuten schwer zu kämpfen hatte.

Alles in mir schrie: „Nein! Das kann nicht richtig sein!“

Es geht um Eltern, die aus unterschiedlichen Gründen völlig verzweifelt sind und Hilfe in dieser besagten Klinik suchen, mit Sitz in Gelsenkirchen.

Oft geht es um das Thema Schlafen, Essen oder Wutausbrüche.

Der Film ist eindrucksvoll. Das muss man ihm lassen. Bezeichnend. Mir zumindest gehen einige Szenen nicht aus dem Kopf und einige Bilder werde ich nicht mehr los.

Was mich seither verfolgt und sprachlos macht, sind die Schwestern in der Klinik. Ihre kalten Gesichtszüge. Kein Lächeln, kein freundliches Wort. Keine Wärme.

Es geht nur um Gehorsam, Strenge, Regeln und mit aller Macht diesen kleinen Wesen etwas aufzudrängen. Auf welche Art auch immer.

Da ist dieser kahle, kalte Raum. Er ist ganz weiss gestrichen und auf dem Boden sind Matten ausgelegt. Einige Schwestern sitzen mit einigen Kindern dort auf den Matten.

Es wird nicht geredet, nichts erklärt, kein Blickkontakt hergestellt.

Von den Kindern wird scheinbar erwartet, dass sie still und brav dort sitzen. Nicht reden, nicht zappeln und vor allem keine unnötigen Fragen stellen.

Ein Junge fängt an, an die Wand oder Heizung zu klopfen. Sein Arm wird gestoppt und festgehalten. Abgelegt. Immer wieder. Ohne ein Wort.

Ein anderes Mädchen beginnt, mit ihren Fingernägeln auf der Matte zu kratzen. Auch ihr Arm wird so oft und so lange festgehalten, bis auch sie verstanden hat, dass dieses Verhalten nicht erwünscht ist. Kommuniziert wird es nicht.

Irgendwann ist die Zeit abgelaufen, wie die eine Schwester in dem Film sagt. Alle dürfen aufstehen und den Raum verlassen.

Das eine Mädchen hat Fragen. Warum das alles? Sie erhält auch nach mehrmaligem Wiederholen ihrer Frage keine Antwort dazu.

Thema Essen. Die Mutter DARF nicht dabei sein bei den Mahlzeiten. Sie wird erst später in das alles integriert, wenn das Kind „funktioniert“.

Eine Schwester nimmt das Kind auf den Schoss. Nicht unbedingt liebevoll. Ohne Reden. Dem Kind wird ein überdimensional grosses Tuch vorgehängt, das mehr an „liebevolles“ Fesseln erinnert, als an einen Latz.

Das Kind wird ziemlich fest gepackt, nach hinten geneigt und dann soll es essen. Wenn es nicht reibungslos funktioniert, wird der kleine Körper des widerspenstigen Kindes auch schon mal zwischen die Knie der Schwester geklemmt.

Als der Junge anfängt sich zu wehren, setzt die etwa 110 kg schwere Schwester sich mit ihm auf den Boden. Wortlos schlingt sie ihre massiven Oberschenkel um ihn herum, um ihn von seinem Winden abzuhalten.

Dieser Moment hat mir mein Herz gebrochen.

Ich kann mich gut erinnern, dass mein großer Sohn eine Weile nicht mal von der Oma mit dem Löffel gefüttert werden wollte. Es war eine Phase.

Jetzt sitzt da diese völlig fremde Frau, die das Kind vorher noch nie gesehen hat. Mir ist sie auch nicht sympatisch und von ihr erwarte ich echt mehr. Mir würde in dieser Situation auch der Appettit vergehen.

Der Gedanke, das mein Kind anstelle des kleinen Jungen sein könnte, er zerreißt mich.

Später im Film darf die Mutter dann im gleichen Raum sein, wenn die Mahlzeit stattfindet. Sie muss weit entfernt auf einem Stuhl sitzen und ein Buch lesen. Darf nicht einschreiten, nicht reagieren, keinen Kontakt zum Kind herstellen.

Und danach ja nicht loben. Denn Essen ist etwas Normales, für das man nicht gelobt werden muss. Genauso wenig wie für das Atmen, sagt der Arzt.

Es gibt ab dem 1. Tag in der Klinik Schlaftraining. Das Kind wird in einem Gitterbett in einen Raum geschoben, der völlig abgedunkelt ist und wird dann alleine gelassen.

Es muss ab sofort alleine einschlafen können und wenn nicht, das eben lernen. Die Mutter muss sich am Abend verabschieden und darf nachts nicht nach ihrem Kind schauen.

Ja, genau DARF nicht.

Das übernehmen die Schwestern. Teilweise durch Videoüberwachung.

Bei der Übergabe wird über eine Mutter hergezogen, die sich in der einen Nacht zu ihrem Kind ans Bett geschlichen hat, um sich vom Wohlbefinden dessen zu vergewissern. Sie wird belächelt und als schwach und inkonsequent bezeichnet.

Überhaupt sei der Kontakt zu ihrem 7 jährigen Mädchen zu eng, weil sie immer wieder Hand in Hand über den Flur gehen würden.

Es wird besprochen, dass man beim Wiederholen des unerwünschten Verhaltens beide darauf aufmerksam machen wird, dass sie das lassen sollen.

Ich denke an die erste Zeit mit meinem ersten Sohn zurück, den ich mir so sehr gewünscht habe.

Über 3 Monate schlief er nachts nicht nur neben mir, sondern in meinem Arm. Ich wollte ihn nie loslassen und immer bei mir haben. Wenn ich mich umgedreht habe, legte ich ihn auf meine andere Seite und in den anderen Arm.

Wie schön war es und wie gut hat es sich für mich angefühlt. Ich möchte keine Minute davon missen und beim 2. Sohn habe ich es genauso gehandhabt.

Beide wollten nie, oder ungern in ihrem Gitterbett schlafen. Und wenn, dann nicht lang.

Beide habe ich in meinem Arm gewiegt und habe Schlaflieder gesungen, oder gesummt. Dabei beobachtete ich ihre zarten Gesichter und versuchte mir alles einzuprägen.

Eins der schönsten Gefühle am Mamasein ist für mich schon immer gewesen, wenn ich meinem Kind über den Kopf, oder die Wange strich und es dabei entspannt die Augen schloss.

Es muss schön sein, sich so geliebt zu fühlen, dachte ich dabei immer.

Ich bin absolut für klare Regeln, für Konsequenzen und oft auch eine kurze Leine.

Ich erziehe nicht antiautoritär und ich gebe diesem Film recht, wenn es darum geht:

Wenn es der Mama gut geht, geht es auch dem Kind gut.

NICHT

Wenn es dem Kind gutgeht, geht es allen anderen auch gut.

Da war diese eine Mama. Ihr Kind hat Neurodermitis und wenn er wütend war, oder nicht bekam was er wollte, kratzte er sich auf. Teilweise blutig.

Damit das nicht passiert, wurden ihm immer all seine Wünsche erfüllt. Er soll sich ja nicht aufregen und sich blutig kratzen müssen.

Sicher ist das auch nicht gut, das hat selbst diese verzweifelte Mutter verstanden. Sie hat aus Liebe gehandelt. Bis es eben nicht mehr ging. Sie hat nur noch geweint, lag im Bett und kam nicht mehr hoch. Sie hatte keine Freude mehr und alles drehte sich um dieses Kind. Er machte die Regeln.

Manche Ansätze fand ich gut, tatsächlich. Mir gefiel, als der Arzt mit dem Mädchen spazieren ging und sie motivierte mit ihm an der Hand zu joggen. Sie weinte irgendwann und hatte Seitenstechen.

Ja, manchmal muss man sich ganz schön anstrengen im Leben und nicht alles läuft einem zu. Da muss man durch. Und dann kann man stolz auf sich sein.

Vor Wut hatte sie unterwegs ihre Mütze auf dem Weg liegen gelassen und selbstverständlich wollte sie deswegen nicht zurück. Sie kaufe sich einfach eine Neue trotzte sie.

Der Arzt liess das so nicht zu und fand die richtigen Worte. Zusammen gingen sie zurück, um die Mütze zu holen.

Das war eine der sehr wenigen Szenen, die ich befürworte.

Ansonsten erinnerte mich alles sehr an die Erziehungsmethoden im Nationalsozialismus. Bloß nicht zu eng, bloß keine enge Bindung, das Kind muss gehorchen, ansonsten wird es bestraft. Am besten durch körperliche Züchtigung. Es muss nicht verstehen, warum und wieso.

Es muss einzig und allein machen, was von ihm verlangt wird.

In „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ von Johanna Haarer (1900 bis 1988) heisst es sogar:

Ja. Genau an diese Zeit erinnert mich dieser Film.

Seither wurde so viel geforscht und es gab so viele Studien. Ich verstehe diesen Film in der heutigen Zeit nicht. Er hinterlässt seltsame Gefühle in mir, aber sicher keine guten.

Die wahre Tragödie ist, dass es eben kein Film ist, nicht nur. Sondern dass er echt ist.

Es gibt viele verschiedene Erziehungsstile. Jeder handelt letztendlich rein instinktiv und von seinem Bauchgefühl geleitet.

Dazu noch gaaaaaanz viel eigene Erfahrung und wie man selber „erzogen“ wurde.

Niemand auf der Welt ist eine perfekte Mama. Man lernt dazu. Nicht immer trifft man gute Entscheidungen. Nicht immer trifft man den richtigen Ton und findet die richtigen Worte.

Vieles mache ich falsch, oft verfluche ich gewisse Situationen, in denen ich nicht handelte wie mein Verstand mir riet.

Es gibt Tage, an denen ich 7.05 Uhr morgens weinend zur Arbeit fahre, weil nichts funktioniert hat, ich unter Druck war und die Kinder unkooperativ. Diese Verabschiedungen im Kindergarten, wenn das Kind keinen Kuss will und sich beleidigt wegdreht.

Wenn die Wut nachlässt und das schlechte Gewissen kommt. Ich denke jeder kennt das.

Das sind die Tage, an denen ich mittags etwas schneller fahre, um sie abzuholen. Tage, an denen ich es nicht abwarten kann, mich zu entschuldigen, sie zu drücken und zu fragen:

„Vertragen wir uns wieder?“

DAS Gefühl!

Ahhhhhhhhhhhhhhhh😡😡😡😡😡😡

Kennt ihr das, wenn alles prima läuft, ihr gar nicht wisst wohin mit eurem Glück?

Gerade habt ihr noch in der Küche beim Kochen getanzt und dann passiert es!

BÄÄÄHHHHHHM!

Aus dem nichts ist es da. Es kommt über euch, erfüllt euch.

Ihr könnt nicht mehr klar denken, der Körper stellt sich auf „Kampfmodus“ ein. Weg, weg, das muss weg!

Es fühlt sich schlecht an und ich will es weder haben, noch fühlen! Weg! Pfui!

Du fragst dich, warum du gerade so durchdrehst. Warum sich diese Lappalie so überwältigend anfühlt. Ist doch eigentlich nichts dabei.

Aber der Puls steigt und die Atmung wird schneller.

Das darf nicht wahr sein!

Ungerecht! Böse! Gemein! Hinterhältig! Entwürdigend! Respektlos! Abwertend! Übergriffig!

Was auch immer, du verstehst die Welt nicht mehr!

Du verstehst dich selbst nicht mehr!

Das kann doch gar nicht sein!

Das gibt es doch nicht!

Das würde dir doch niemand wirklich antun!?

Wie gemein und hinterhältig!

Die Gedanken überschlagen sich und du kriegst ES nicht in den Griff.

Du willst es vergessen, beschwichtigen, verdrängen.

Redest dir selber gut und beruhigend zu.

Nichts! Es bleibt, das miese Gefühl!

Was jetzt?

Keiner ist auf die Schnelle greifbar, mit dem du dich austauschen kannst.

Du bist auf dich allein gestellt!

Mach was! Jetzt tu doch was!

Aber was? Ich weiss doch auch nicht!

So, oder so ähnlich erging und ergeht es mir so oft.

Die Situationen sind immer andere, die Menschen wechseln.

Das Gefühl bleibt. Und ist immer das Gleiche.

Es hat mich getroffen! Weil es mich BEtrifft, wie Susanne Ertle so schön sagt.

https://elopage.com/s/susanneertle?pid=16235&prid=3585

(bezahlte Partnerschaft)

Gut zu wissen. Aber wie bringt das allein mich jetzt hier weiter?

Es ist diese Art Gefühl, das man nicht weglächeln kann. Es wurmt.

Man kann an nichts anderes denken.

Dieses „Problem“ wird immer mächtiger und übernimmt die volle Kontrolle über deinen Geist und dein Handeln.

Das Gefühl fremdgesteuert zu sein mag ich gar nicht. Und genau das ist es.

Denn mit MIR, mit meinem Kern hat das hier nichts mehr zu tun. Bzw, es ist wohl ein Teil von mir, den ich gerne von mir haben will. Weg!

Du sollst nicht zu mir gehören! Ich will so nicht sein.

Wenn mir jetzt jemand begegnet, denke ich, dann kann ich nur böse kucken und auf keinen Fall lächeln.

Auf gaaaaaar keinen Fall lächeln. Nie und nimmer!

Und ich kann auf keinen Fall über irgendetwas anderes reden, das Wetter zum Beispiel.

Small talk liegt mir nicht. Ich hab gern Gespräche mit Tiefgang. Ich philosophiere gern. Ich höre gern, wie es anderen so geht. Also so wirklich! Nicht dieses:

„Hi, wie geht’s?“

„Guuuut. Und dir so?“

Natürlich will man nicht jedem erzählen, wie es in einem aussieht.

Man hat Angst vor Ablehnung, belächelt zu werden. Dass die Sorgen kleingeredet werden. Dass das Gegenüber irritiert den Kopf schüttelt. Womöglich lacht. Oder dich einfach damit stehen lässt. Alles möglich!

Also bleibts bei „guuuut“. Ist einfach!

Und gleich die Erklärung, warum ich small talk nicht mag. Ich bin auch nicht gut darin.

Ich verbringe meine Zeit auch nie wahllos mit irgend welchen Menschen, denen ich dann was vormachen muss. Viel zu anstrengend.

Wenn ich MEINE Sorte Mensch treffe, dann weiss ich:

Hier bin ich in guten Händen.

Hier kann ich sein wie ich bin.

Hier kann ich mein Herz ausschütten.

Mir geht es meist mehr gut als schlecht und ich bin keine von denen, die immer nur jammert. Deshalb werde ich von den richtigen Leuten sehr ernst genommen, wenn es mir mies geht. Das kommt vor.

Ich bin ein Mensch!

Dann geht es bei den Gesprächen nicht ums Wetter, die Zimmerpflanzen, oder was es heute zum Essen gibt.

Da kann ich alles rauslassen, ohne jemals falsch verstanden zu werden.

Ohne mir schwach vorkommen zu müssen. Und wenn, wird es eher als Stärke ausgelegt.

Es gibt nicht viele von der Sorte in meinem Leben. Sie laufen oft still und völlig unauffällig neben mir her.

Ich liebe das Alleinsein. Wenn ich allein sein WILL! Nie würde ich die Stille eintauschen gegen ein oberflächliches Gespräch mit irgendwem.

Ab und zu wird mir deshalb Arroganz nachgesagt.

Ist es aber nicht. Ich fühle mich nicht besser als irgendwer anders. Jeder hat seine Daseinsberechtigung.

Und ich möchte mir eben selbst aussuchen, wer zu mir gehört und so in etwa tickt wie ich. Alles andere erscheint mir als Zeitverschwendung.

Jetzt bin ich glatt vom ursprünglichen Thema abgekommen.

Zurück zu DEM GEFÜHL!

Wenn man Feuer spucken möchte! Oder Gift!

An diesem Punkt habe ich jetzt ein kleines Helferlein. Noch nicht lange. Aber ich denke, dass es mir helfen wird, wenn DAS GEFÜHL wieder mal aus dem Nichts vor mir steht.

Selbst-Coaching-Modell von Susanne Ertle

Ich habe es ausgedruckt und aufgehängt.

Es gibt ja diese Art von Menschen, die immer freundlich und gut drauf sind.

Denen man nie was nachsagen kann und sie sich nie etwas zu Schulden kommen lassen.

Denen traue ich übrigens nicht über den Weg! Und ich gehöre nicht zu ihnen.

Ich mag Menschen mit Ecken und Kanten. Mit Tiefgang. Mit Emotionen. Mit Gefühl.

Dieses Modell hat mir gezeigt, wie ich an die Sache gehen kann. Ins Machen komme. Ohne immerzu zu denken: Nee! Nee! Nee!

Es beginnt mit dem Umstand/Sachebene

Was ist geschehen? Was passiert?

Ihr perfektes Beispiel:

Das Kind hat mit nem Stift die Wand angemalt. Punkt! Nicht schön. Nicht toll. Aber passiert.

Jetzt kommt MEIN Gedanke dazu.

MEIN gross geschrieben, weil alles was jetzt in mir passiert absolut individuell und nur auf mich zugeschnitten ist.

Je nach Erfahrung und Biografie ist es ab hier wirklich nur MEINS.

Mein Gedanke könnte sein:

Dieses Kind tanzt mir auf der Nase herum. Er will mich ärgern!

Mein Gefühl könnte Wut sein.

Meine Handlung, dass ich eventuell laut werde. Ihm den Stift aus der Hand reisse.

Das Ergebnis wird wohl sein, dass wir beide enttäuscht, traurig und wütend aufeinander sind und vielleicht weinen wir auch beide.

Ich schätze Susanne Ertle sehr und durch meine Biografiearbeit mit ihr, weiss kein Mensch auf der Welt mehr über mich als diese Frau.

Durch sie fährt mein Auto wieder. Manchmal auch rückwärts, aber es fährt. Davor stand ich auf Gas und Bremse gleichzeitig und hab darüber gewütet, warum sich nichts tut.

Hier mein Fazit dazu! Ich staune immer noch sehr oft. Dann schmunzel in mich hinein.

Der Unterschied zu davor ist, dass ich es jetzt verstehe.

Wieder mal Muttertag

An meinem ersten Muttertag als Mama schob ich den Kinderwagen mit meinem 2 Monate alten Baby.

Ich weiss noch, dass ich ein gelbes Oberteil trug und überglücklich war. Und so müde!

Dieser Tag ist 9 Jahre und einen kleinen Bruder her.

Heute Morgen wachte ich auf, etwas weniger müde als damals.

Ich hatte meine Kinder neben mir und sagte beim Anziehen später:

„Heute ist Muttertag. Sollen wir uns vielleicht mal drücken?“

Der Zwerg drehte sich um und sagte schmollend:

„Ja, es ist Muttertag. Aber ich will jetzt trotzdem nicht, dass wir uns drücken!“

Während der Autofahrt, kurz vor der Autobahn, fiel dem Grossen ein, dass er ja unter seinem Sitz etwas für Muttertag versteckt hatte. Er sagte: „Hier Mama“ und warf es bei 60 km/h auf den Beifahrersitz.

Heute habe ich so viele Bilder gesehen von Blumen, Geschenken, Gemaltem um Gebasteltem. Meist von Mamas, deren Kinder nicht mal über den Kindergarten hinaus sind.

Ich vermisse nichts. Ich muss meine Jungs an Muttertag erinnern und es ist ihnen herzlich egal.

Wahrscheinlich genau wie mir.

Wichtig ist es ihnen sicher, dass ich mich immer sorge, kümmere, verarzte, schlichte, streichle, in den Schlaf begleite und ihnen Lieblingsessen mache.

Wichtig ist mir, dass sie egal an welchem Tag zu mir kommen, wenn sie etwas auf dem Herzen haben.

Sie sollen wissen, dass ich sie bedingungslos liebe, auch wenn ich noch so wütend bin, weil sie einen Quatsch angestellt haben.

Wir waren heute bis 20.30 Uhr auf dem Spielplatz, weil wir Lust hatten und das Wetter so schön war.

Gegenüber auf der Bank saß eine andere Jungenmama. Wir schauten unseren Kindern dabei zu, wie sie immer wieder die Eimer im Bach füllten. Alle waren barfuß und rührten auf Knien sitzend „Beton“ an.

Der anderen Mutter und mir war klar, was noch zu unserem Muttertagsprogramm gehören wird, aber sie schien dabei genauso entspannt zu sein wie ich.

Sie lachte plötzlich auf und rief mir nach dem Verabschieden zu:

„Schönen Muttertag dann noch!“

Mein bestes Geschenk war heute, dass der Zwerg beim Duschen nicht gebrüllt hat, obwohl er mit Kopf duschen so hasst. Ohne Kopf, oder ohne Shampoo geht grad so, aber heute hatte sein Betteln keinen Erfolg.

Der Grosse beschäftigte auf dem Spielplatz den Kleinen und so konnte ich auf der Bank sitzen und meinen Gedanken nachgehen. Sehr lange am Stück. Das war schön.

Muttertag- auch kein Tag, an dem irgendwas anders ist, als an irgend einem anderen Tag. Wertschätzung tut immer gut und mir reicht dafür ein Lächeln am Morgen, ein „hab dich lieb“, oder ein „du bist die beeeeste Mama“. Egal an welchem Tag!

Ohne meine Jungs wäre ich keine Mama, also sind wir quitt. Ein bisschen Fernsehen am Abend, Kaba in der grossen Tasse und die Decke teilen, das reicht ihnen zum Glücklichsein.

Ich habe keine Kinder, die Wochen vorher für mich malen, oder extra früh aufstehen, um mir Kaffee zu machen.

Das ist absolut in Ordnung so.

Es sagt nichts über mich als Mama aus und ich definiere meinen Wert nicht über diese Geschenke am heutigen Muttertag.

Mutter bin ich morgen auch noch und freue mich auf einen neuen Tag voller Gezanke, Machtkämpfen, Beleidigungen, Kräftemessen und „das hat mir im Herz wehgetan“.

…weil wir uns lieben.