Ich wollte nicht, dass meine Kinder Liebe im Aussen suchen müssen

Neulich bin ich über einen Satz gestolpert:
„Giving my son my all because loved men love well.“
Ich musste sofort an meine Jungs denken, ich glaub der Plan geht auf.
Mein Ziel als Mutter war nie, perfekt zu sein. Ich wollte auch nie jede Träne verhindern oder jeden Fehler vermeiden.

Ich wollte sie so sehr lieben, ihnen so viel Sicherheit, Respekt und Wertschätzung schenken, dass sie später nicht ihr ganzes Leben auf der Suche nach Liebe verbringen müssen.
Denn ich glaube:
Wer nur mit 50 % Liebe aufwächst, hält 52 % irgendwann für das große Los.
Ein bisschen Aufmerksamkeit, ein bisschen Respekt, ein bisschen Zuneigung und plötzlich fühlt es sich nach „perfekt“ an, obwohl es das nicht ist.


Ich wünsche mir, dass irgendwann jemand kommt und ihnen vielleicht 60 % gibt.
Und dass sie dann innerlich lächeln und denken:
„Danke. Aber das kenne ich anders.“
Ich wünsche mir, dass sie wissen, wie sich echtes Interesse anfühlt. Wie Respekt aussieht und wie Verlässlichkeit klingt. Wie Liebe sich anfühlt, wenn sie nicht an Bedingungen geknüpft ist.

Denn Kinder, die sich wirklich geliebt fühlen, müssen später nicht jeden Krümel einsammeln, oder voller Dankbarkeit für Selbstverständliches auf die Knie gehen.
Sie wissen, dass sie mehr wert sind.
Und genau das wünsche ich meinen Söhnen: dass sie den Mut haben, weiterzugehen, wenn jemand ihnen weniger gibt, als sie verdient haben.
Dass sie sagen können:
„Das fühlt sich nicht nach Liebe an. Ich weiß, dass Liebe anders aussehen kann.“
Das ist vielleicht das größte Geschenk, das wir unseren Kindern machen können.

Nur Ja heißt Ja – und warum das in jede Aufklärung gehört

Fast jeden Tag wird in Deutschland eine Frau oder ein Mädchen getötet. Tausende weitere erleben sexuelle Gewalt, Übergriffe, Nötigung oder häusliche Gewalt. Allein die offiziell erfassten Zahlen sind erschreckend hoch. Gleichzeitig hat inzwischen wohl jeder verstanden, dass es ein erhebliches Dunkelfeld gibt, weil viele Betroffene aus Angst, Scham oder mangelndem Vertrauen gar keine Anzeige erstatten.
Die geringen Strafen, oder Einstellungen des Verfahrens, wenn eine Frau das alles anzeigt, lassen erahnen, warum die Dunkelziffer so hoch ist.

Ich habe zwei Jungs. Und hier beginnt meine Verantwortung finde ich. Alles zu seiner Zeit, aber ja, dieses Gespräch gab es hier zu Hause.

Meine Jungs werden irgendwann der Freund, vielleicht der Ehemann, oder Vater sein und ich wünsche mir, dass die Mädchen und Frauen in ihrem Umfeld sich nie vor ihnen fürchten müssen. Nicht nur das, sondern auch, dass sie mit offenen Augen durch die Welt gehen, bei Unrecht nicht wegsehen und Schutz bieten, dazwischen gehen und verteidigen, sollte es nötig sein.

Mir ist wichtig, dass sie die Grundlagen von Konsens kennen.

Nur Ja heißt Ja. Ein „Ich weiss nicht“, ist kein Ja. Schweigen ist kein Ja. „Wenn du willst“, ist kein Ja. „Von mir aus“, ist kein Ja.

Auch soll ihnen klar sein, dass Meinungen sich jederzeit ändern können und dürfen und man das dann akzeptieren und respektieren muss.

Sie sollen über den Zyklus der Frau Bescheid wissen, den Eisprung, die Periode. Dazu gehört, dass ich selber informiert bin und Bescheid weiß, was aber auch heutzutage gar nicht so selbstverständlich ist.

Jedoch erkenne ich deutlich: das Tabuthema ist es schon lange nicht mehr. Die Scham sinkt, das Bewusstsein steigt. Ich liebe es, wie selbstverständlich die Teenagermädchen darüber reden, nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand. Man reicht sich nicht mehr versteckt in der geschlossenen Faust die Tampons weiter. ( Vielleicht auch, weil immer mehr zu Alternativen greifen, zB. Periodentassen).

Ich finde, Jungs sollen über Erwartungshaltungen aufgeklärt sein. Und das bitte nicht aus irgendwelchen Pornos. Es geht mal was schief, es klappt nicht immer. Das ist o.k und menschlich. Im besten Fall kann man zusammen darüber lachen.

Teenager sollten Verhütungsmittel kennen, wie sicher sie sind und wie sie angewandt werden.

Auch Jungs müssen wissen, dass man die Pille regelmäßig einnehmen muss. Dass Erbrechen, Antibiotika, Durchfall und Johanniskraut den kompletten Zyklus unsicher machen. Dass sie nicht vor Krankheiten schützt.

Dass Kondome platzen und abrutschen können und wie man damit umgeht.

Dass „knapp bei Kasse sein“ kein Grund ist, auf sie zu verzichten und ich dann gerne aushelfe, sollte es nötig sein.

Konsequenzen müssen auch Jungs bekannt sein. Dass Vater werden sicher ne tolle Erfahrung sein kann und Kinder zu haben schön ist, aber sicher nicht ohne Schulabschluss und ein festes Standbein. Es ist eine lebenslange Aufgabe und große Verantwortung. Auch verbunden mit jahrelangen Unterhaltszahlungen.

Sie sollten von der „Pille danach“ gehört haben, dass sie kein Verhütungsmittel ist, was sie bezweckt und dass es besser ist, keine Zeit zu verlieren. Dass es Notapotheken gibt, auch nachts, an Feiertagen und Wochenenden.

Über Beratungsstellen, Schwangerschaftsabbrüche und emotionale Folgen für beide.

Ich weiß nicht, ob meine Gespräche später einmal den entscheidenden Unterschied machen werden.
Aber ich weiß, dass ich es versucht haben werde.
Aufklärung ist für mich nicht die Frage, ob Jugendliche irgendwann Sex haben. Das werden sie. Die Frage ist, welche Menschen sie dabei sind.
Sind sie die Männer, die ein Nein akzeptieren?
Die Verantwortung übernehmen?
Die wissen, dass Verhütung nicht Frauensache ist?
Die verstehen, dass hinter jedem Körper ein Mensch mit Gefühlen und Grenzen steckt?

Vielleicht geht es nicht um die reine Biologie.

Sondern um die Grundlage für Respekt und Verantwortung.

Vielleicht beginnt genau dort die Veränderung!

Madeira – Warum mir die Tränen kamen

Manche Urlaube sind wunderschön.

Und manche bedeuten noch ein bisschen mehr.

Unser Urlaub auf Madeira vor zwei Wochen war so einer.

Schon lange stand ein großer Wunsch auf meiner Bucket List: Wale und Delfine in freier Wildbahn sehen. Madeira gilt als einer der besten Orte Europas dafür. Außerdem kommt Cristiano Ronaldo von dort, und als kleine Ronaldo-Fans fanden wir das natürlich ebenfalls ziemlich spannend.

Doch die Reise bedeutete für mich noch etwas ganz anderes.

Als alleinerziehende Mutter trage ich die Verantwortung für vieles allein. Die letzten zwei Jahre liefen finanziell nicht gut für uns und manche Wünsche mussten einfach warten. Umso mehr wurde dieser Urlaub zu einem Ziel, auf das ich lange hingearbeitet habe.

Ich habe geplant, gespart, zusätzliche Stunden gearbeitet und mich immer wieder daran erinnert, warum ich das alles mache.

Für diesen Moment.

Für gemeinsame Erinnerungen.

Für das Meer.

Für meine Jungs.

Und für den Traum, den ich mir endlich erfüllen wollte.

Als wir schließlich auf Madeira ankamen, fühlte sich vieles noch gar nicht richtig real an. Erst ein paar Tage später kam dieser Moment, den ich wahrscheinlich nie vergessen werde.

Wir saßen im Außenbereich des Restaurants direkt am Meer. Im Hintergrund rauschten die Wellen. Die Stimmung war wunderschön. Musik spielte, eine Kellnerin begann zu tanzen, und kurz darauf tanzte eine Urlauberin, die naß vom Strand kam, einfach mit. Beide lachten, umarmten sich und genossen den Augenblick.

Es war eigentlich nichts Großes.

Und gleichzeitig war es alles.

Plötzlich spürte ich einen Kloß im Hals.

Die Freudentränen waren nicht mehr zu stoppen.

Mein Sohn schaute mich an und fragte ganz besorgt:

„Mama, was ist los? Warum weinst du?“

Und ich antwortete lachend und weinend gleichzeitig:

„Weil wir hier sind.“

Mehr konnte ich in diesem Moment gar nicht sagen.

Weil mich plötzlich all die Gefühle eingeholt haben.

Die Vorfreude.

Das lange Warten.

Die vielen Gedanken.

Die Anstrengungen auf dem Weg dorthin.

Und vor allem die Dankbarkeit.

Dankbarkeit dafür, dass wir gemeinsam dort sitzen konnten. Am Meer. Auf Madeira. Gesund. Zusammen. Mit all den Abenteuern noch vor uns.

Manchmal sind es nicht die großen Sehenswürdigkeiten, die einen berühren. Nicht die perfekten Fotos oder die besonderen Ausflüge.

Manchmal ist es einfach dieser eine Augenblick, in dem man innehält und erkennt:

Genau hier möchte ich gerade sein.

Madeira hat uns spektakuläre Landschaften, unvergessliche Erlebnisse und auch die Begegnung mit Walen und Delfinen geschenkt.

Aber das Wertvollste war etwas anderes:

Das Gefühl, einen Traum nicht nur geträumt, sondern gemeinsam gelebt zu haben.

Vatertag – und warum ich keine Mama und Papa zugleich bin

Jedes Jahr zum Vatertag sehe ich dieselben Beiträge: „Alles Gute an alle alleinerziehenden Mütter – ihr seid Mama und Papa zugleich.“
Und jedes Jahr denke ich: Nein. Bin ich nicht.
Ich verstehe, wie es gemeint ist. Wirklich.
Es soll Anerkennung sein. Wertschätzung. Ein Zeichen dafür, dass viele Mütter Aufgaben übernehmen, die eigentlich auf zwei Menschen verteilt gehören würden.
Aber ich bin trotzdem nicht der Vater meiner Kinder.
Ich bin ihre Mutter.
Eine Mutter, die oft überfordert ist, weil sie den Alltag für mehrere Menschen trägt.
Ich kümmere mich um Schule, Termine, Wäsche, Organisation, Sorgen, Gespräche, Arztbesuche, Mental Load und darum, dass das Leben irgendwie läuft.
Das macht mich aber nicht zum Vater.
Neulich hatten meine Jungs im Auto ein Gespräch, das eigentlich alles perfekt zusammenfasst.

B. meinte: „Papa ist viel chilliger als du.“
Und R. antwortete sofort: „Wenn Mama uns einmal im Monat abholen würde, wäre sie auch chillig.“
Wir mussten lachen.
Und dann sagte ich: „Papa hat halt auch noch nie mit euch Hausaufgaben gemacht.“
Kurze Pause.
Dann von beiden: „Stiiiiiimmt.“
Meine Kinder sind in der 9. und 5. Klasse.
Ihr Vater hat noch nie mit ihnen für ein Diktat geübt.
Noch nie Vokabeln gelernt.
Noch nie ein Gedicht auswendig gelernt.
Nie Elternbriefe organisiert oder den Schulalltag getragen.
Das war immer ich.
Und wisst ihr was?
Das darf man auch einfach mal so stehen lassen.
Natürlich wirkt der Elternteil entspannter, der nicht den kompletten Alltag tragen muss.
Der nicht ständig an alles denken muss.
Der für Spaß, Ausflüge und lockere Momente zuständig ist, während jemand anderes das Fundament hält.
Meine Kinder haben einen Vater.
Auch wenn er selten da ist.
Auch wenn seine Rolle eine andere ist.
Aber genau das dürfen Kinder auch sehen.
Sie dürfen sehen, wer Verantwortung übernimmt.
Wer da ist, wenn es anstrengend wird.
Wer den Alltag trägt.
Und sie dürfen genauso sehen, welche Rolle ihr Vater einnimmt.
Ich muss diese Lücke nicht füllen, indem ich mich zur „Mama und Papa in einem“ erkläre.
Denn das bin ich nicht.
Ich bin einfach eine Mutter, die seit Jahren die Arbeit macht, die eigentlich für zwei gedacht war.

Alleinerziehenden-Treff Niedernhall – ein Ort zum Durchatmen

Alleinerziehend zu sein bedeutet oft, unglaublich viel alleine zu tragen.
Organisation, Verantwortung, Sorgen, Entscheidungen — und gleichzeitig für die Kinder da sein. Genau deshalb gibt es unseren Alleinerziehenden-Treff in Niederhall.


Einmal im Monat sonntags kommen wir zusammen. Erwachsene und Kinder. Ohne Druck. Ohne Erwartungen. Einfach als Menschen, die verstehen, wie sich dieser Alltag anfühlt.
Seit Anfang 2026 beginnt jedes Treffen mit einem gemeinsamen Ritual zum Ankommen.


Wir sitzen alle im Kreis, auch die Kinder. In der Mitte steht eine Kerze. Ein Kind darf sie mit einem Streichholz anzünden. Danach starten wir mit zwei kurzen Blitzlichtrunden.
Die erste Frage lautet:


„Wie bist du heute hier angekommen?“


Jeder darf ein Wort auswählen. Müde. Froh. Gestresst. Hoffnungsvoll. Leer. Zufrieden.


Danach folgt unsere Wetterrunde:

„Wenn die Zeit seit dem letzten Treffen ein Wetter wäre — wie wäre das Wetter gewesen?“


Stürmisch. Neblig. Freundlich. Chaotisch. Regnerisch.
Diese Runde ist oft besonders wertvoll. Denn zwischen den Zeilen wird vieles sichtbar, ohne dass vor den Kindern alles ausgesprochen werden muss.
Nach den Blitzlichtrunden wird die Kerze von einem Kind wieder ausgepustet. Die Kinder spielen dann zusammen, während wir Erwachsenen weiterreden.

Wenn jemand ein Thema mitgebracht hat — Streit, Umgang, Bürokratie, finanzielle Sorgen oder einfach Überforderung — fragen wir zuerst:
„Möchtest du dich einfach nur auskotzen oder wünschst du dir Tipps?“
Denn manchmal braucht man Lösungen.
Und manchmal braucht man einfach Menschen, die zuhören.
Manchmal lachen wir einfach nur über den ganz normalen Alltagswahnsinn.
Und manchmal trägt die Gruppe jemanden durch einen schweren Nachmittag.
Beim letzten Treffen habe ich ein Gedicht aus dem Buch „Wehe, du gibst auf“ von Clara Lösel vorgelesen.

Eine Mutter aus unserer Runde hatte eine besonders schwere Zeit und musste weinen. Das Gedicht handelte von den „unsichtbaren Schlachten“, die Menschen kämpfen, ohne dass es jemand sieht.
Besonders die Zeile:
„das hier ist der Applaus,
den dir sonst keiner schenkt.“
hat etwas ausgelöst.
Und am Ende haben wir tatsächlich alle applaudiert.
Fürs Durchhalten.
Für die unsichtbaren Kämpfe.
Für all das, was im Alltag oft niemand sieht.
Genau das macht diesen Treff so besonders:
Niemand muss perfekt sein. Niemand muss stark tun. Wir kennen uns oft bereits seit Jahren und erinnern uns dann an die Fortschritte.


💛 Die aktuellen Termine und Kontaktmöglichkeiten zum Alleinerziehenden-Treff findest du auf der Homepage der ev. Kirchengemeinde Niedernhall.

https://share.google/JN6TFhQrtEngap3Zy

Wenn loslassen nicht so einfach ist

Einmal im Monat ist es so weit.
Die Kinder fahren mit ihrem Vater mit. Es ist Umgangstag.
Was für viele nach einer kleinen Pause klingt, nach „endlich mal Zeit für sich“, fühlt sich für mich ganz anders an.
Denn wenn du 24/7 alleinerziehend bist, gibt es kein echtes Teilen von Verantwortung. Kein „Kannst du das heute übernehmen?“, kein Auffangen, kein Mitdenken. Du bist der sichere Ort, die Struktur, die Konstante. Immer.
Und dann kommt dieser eine Tag im Monat, an dem du genau das abgeben sollst.
Verantwortung.
Kontrolle.
Dein Wichtigstes.
Ich stehe dann da und lasse sie gehen.
Und während andere vielleicht durchatmen, beginnt in mir etwas ganz anderes: ein innerer Kampf.
Ich möchte vertrauen. Wirklich.
Ich möchte loslassen. Für meine Kinder.
Ich möchte, dass sie eine gute Zeit haben.
Aber gleichzeitig sind da diese Gedanken, die sich nicht einfach abschalten lassen:
Ist er fit zu fahren?
Ist er ausgeschlafen?
Hat er Alkohol getrunken?
Hat er vielleicht sogar Drogen genommen?
Fährt er verantwortungsvoll?
Passt er wirklich auf sie auf?
Gedanken, die man nicht haben möchte – aber die da sind.
Und die Wahrheit ist:
Wenn es nicht ihr Vater wäre, würde ich meine Kinder keinem Menschen anvertrauen, bei dem ich solche Fragen im Kopf habe.
Das ist der Punkt, den viele nicht sehen.
Dieses Spannungsfeld zwischen dem, was richtig ist – und dem, was sich richtig anfühlt.
Denn meine Kinder gehen gerne mit.
Und das ist gut so.
Sie lachen, sie freuen sich, sie haben ihren Papa.
Und das ist wichtig. Für sie.
Also schlucke ich meine Angst runter.
Ich funktioniere.
Ich lasse los – zumindest äußerlich.
Innerlich halte ich sie trotzdem fest.
Es ist kein leichtes Loslassen.
Es ist ein Loslassen mit angezogener Handbremse.
Mit einem Blick aufs Handy.
Mit diesem leisen Hoffen im Hintergrund:
„Bitte kommt einfach wieder gesund nach Hause.“
Und vielleicht ist genau das die Realität, über die viel zu wenig gesprochen wird:
Dass Loslassen nicht immer Freiheit bedeutet.
Sondern manchmal einfach nur Mut.
Mut, die eigenen Ängste auszuhalten.
Mut, den Kindern ihren Raum zu lassen.
Mut, trotz allem Vertrauen zu versuchen.
Und ja – es ist schwer.
Aber es ist auch Liebe.
In ihrer vielleicht unbequemsten Form.

Warum Small Talk für viele Alleinerziehende anstrengend ist

„Na, alles gut?“
„Ganz schön kalt heute, oder?“
„Und, was machst du so am Wochenende?“
Sätze, die nett gemeint sind – und trotzdem manchmal genau im falschen Moment kommen.
Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ich meine Kinder von der Schule abgeholt habe.
Ich habe mich ganz bewusst ein Stück abseits gestellt. Nicht, weil ich unfreundlich sein wollte, sondern weil ich diese paar Minuten gebraucht habe.


Durchatmen.
Runterkommen.
Kurz bei mir ankommen.


Oft war ich direkt von meiner Arbeit gekommen, gehetzt, gedanklich noch mitten im Organisieren. Der Schulalltag meiner Kinder wartete schon und ich wusste: Gleich bin ich wieder voll gefragt.


Und genau in diesen Momenten war das Letzte, was ich gebraucht habe: Small Talk.
Für viele sieht es vielleicht so aus, als würde man sich bewusst abgrenzen. In Wirklichkeit ist es oft Selbstschutz.
Diese Minuten vor dem Abholen sind ein Übergang: von der Arbeit zur Mutterrolle, von To-do-Listen zu emotionaler Präsenz.
Wenn dann jemand ein Gespräch anfängt – so nett es gemeint ist – fühlt es sich an, als würde genau dieser kleine, wichtige Raum plötzlich verschwinden.


Es gibt noch eine andere Seite, über die kaum jemand spricht.
Wenn andere darüber reden, wo der nächste Urlaub hingeht, welches Hotel sie buchen oder wie stressig das Packen wird, sitze ich manchmal daneben und denke:
„Das Problem hätte ich auch gern.“
Denn während dort über Urlaubsplanung gesprochen wird, sieht meine Realität oft ganz anders aus:
Das Konto ist auf null. Wieder ein Jahr ohne Meer.
Unterhalt ist nicht gekommen. Oder hohe Rechnungen mussten bezahlt werden.
Und ich überlege, wie ich das Essen bezahle.
Da wirken solche Gespräche nicht verbindend, sondern wie aus einer ganz anderen Welt.
Nicht, weil die anderen etwas falsch machen.
Sondern weil die Lebensrealitäten so weit auseinanderliegen.

Eine aus unserem Alleinerziehenden-Treff, hat mir mal erzählt, dass sie bei der Arbeit oft als Eigenbrötlerin wahrgenommen wird.
Nicht, weil sie die Menschen nicht mag.
Sondern weil die Themen für sie einfach nicht passen.
Wenn Kolleginnen über Kosmetik oder die neueste Mode sprechen, fühlt sich das für sie völlig absurd an.
Nicht abwertend gemeint, aber einfach so weit weg von ihrer Realität.
Sie kämpft mit ganz anderen Dingen.
Und dann fehlt einfach die Kapazität, sich gedanklich noch in diese Welt reinzubegeben.
Ihre soziale Batterie ist dafür schlicht leer.


Ich merke das auch bei mir selbst.
Bei der Arbeit als Krankenschwester rede ich den ganzen Tag.
Zu Hause mit meinen Kindern rede ich den ganzen Tag.
Ich erkläre, organisiere, tröste, diskutiere.
Und irgendwann ist da einfach ein Punkt erreicht, an dem ich nichts mehr sagen möchte. Kein weiteres Gespräch, kein Austausch, kein Reagieren.


Sondern einfach Stille.
Allein sein.
Zur Ruhe kommen.
Nicht funktionieren müssen.


Einfach mal durch die Weinberge laufen, niemandem begegnen, nichts erklären müssen.
Gedanken sortieren.
Revue passieren lassen.
Kräfte sammeln.
Das ist kein Rückzug von Menschen.
Das ist der Ort, an dem ich meine Energie wiederfinde.
Vielleicht ist es also gar kein „Ich mag keinen Small Talk“.
Vielleicht ist es einfach ein Leben, das oft so voll ist,
dass für Oberflächliches kein Raum mehr bleibt.
Und ein leiser Wunsch nach Momenten, in denen man einfach nur sein darf.

Die Wahrheit über Co-Parenting, wenn der andere Elternteil nicht mitzieht

Co-Parenting klingt nach Teamwork.
Nach zwei Eltern, die trotz Trennung gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Doch die Realität sieht oft anders aus.
Co-Parenting funktioniert nur, wenn beide Eltern auch wirklich mitziehen.
Wenn einer organisiert, auffängt, den Alltag trägt, Termine im Blick hat, emotionale Sicherheit gibt – und der andere nur punktuell präsent ist, dann ist das keine gleichwertig geteilte Elternschaft.
Und trotzdem möchte ich eines klar sagen:
Ich weiß, dass es auch anders geht.
Ich kenne viele Kinder, deren Vater sich gar nicht meldet.


Kein Umgang.
Keine Geburtstagsgrüße.
Keine Weihnachtskarte.
Keine Nachfrage.
Keine Verlässlichkeit.


Deshalb bin ich trotz aller Schwierigkeiten dankbar, dass es Kontakt gibt.
Auch wenn er selten ist.
Auch wenn er kompliziert ist.
Auch wenn er Kraft kostet.
Aber Kontakt allein bedeutet noch keine echte Teilhabe.
Wer seine Kinder einmal im Monat sieht, kennt oft viele Facetten ihres Lebens gar nicht.
Dann bleiben Gespräche oberflächlich, weil Tiefe nicht entsteht, wenn Alltag nicht gemeinsam erlebt wird.
Man weiß dann vielleicht nicht, welche Kleidergröße sie inzwischen tragen,
wer ihre engsten Freunde sind,
welche Hobbys sie gerade begeistern,
was sie beschäftigt, worüber sie lachen oder was ihnen Sorgen macht.


Denn echte Nähe entsteht nicht durch biologische Elternschaft oder gelegentlichen Umgang.
Sie entsteht durch Zeit.
Durch Verlässlichkeit.
Durch gemeinsames Erleben.
Und ja – manchmal kommt der Papa einmal im Monat,
holt die Kinder mit dem schnellen Auto ab,
unternimmt tolle Dinge,
macht aus wenigen Stunden ein Highlight
und ist in diesem Moment natürlich der Held des Tages.


Aber das nimmt mir nichts weg.
Es macht mich nicht kleiner.
Es schmälert nicht, was ich jeden Tag leiste.
Ich muss nicht mithalten.
Ich will nicht mithalten.
Und ich könnte es im Alltag ohnehin nicht.
Ich freue mich einfach mit meinen Kindern,
dass sie schöne Stunden mit ihrem Vater hatten.
Nicht mehr.
Nicht weniger.
Denn meine Rolle misst sich nicht an Ausflügen, Autos oder Action.
Meine Rolle zeigt sich in den tausend unsichtbaren Dingen des Alltags.
Und trotzdem lieben meine Kinder ihren Papa.
Und das dürfen sie auch.
Sie dürfen lieben, selbst wenn etwas fehlt.
Selbst wenn sie enttäuscht werden.
Selbst wenn sie merken, dass nicht alles so ist, wie sie es bräuchten.


Und genau deshalb werde ich ihnen nicht sagen, wer ihr Vater ist.
Selbst wenn ich ihn manchmal für ein Arschloch halte: Ich will, dass meine Kinder sich ihr eigenes Bild machen.
Denn Kinder merken mehr, als wir glauben.
Mit fünfzehn und zehn Jahren wissen sie längst sehr genau, wer wirklich da ist.
Wer sie kennt.
Wer zuhört.
Und wem sie welche Seite von sich zeigen und zumuten können. Viele Themen werden dort nicht angesprochen, die werden mit mir ausgehandelt und bei mir wird der Rat eingeholt, wie man was wie angehen könnte.
Sie erleben selbst, wer Anteil nimmt – und wer eher Zuschauer bleibt.
Und manchmal ist Elternsein nach einer Trennung genau das:
Den eigenen Schmerz hintenanzustellen,
damit Kinder ihre eigenen Wahrheiten erkennen dürfen.

Warum mich ein Haus nicht glücklich gemacht hat


Über Erwartungen, die nicht meine waren – und das, was wirklich zählt.
Ein Haus.
Eine Familie.
Ein Ehemann.
Ein Leben, das nach außen „rund“ aussieht.
Ich dachte lange, dass man das alles braucht, um glücklich zu sein.
So, wie viele es zwischen 20 und 30 denken.
Dass man sich etwas aufbaut.
Dass man dann angekommen ist.
Ich habe das alles gehabt.
Und ich war trotzdem nicht glücklich.
Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich nicht nur das Haus.
Ich sehe die Baustelle. Den Druck. Die Verantwortung und die Schulden.
Die Erwartungen – von außen und an mich selbst.
Ich sehe mich, wie ich versuche, allem gerecht zu werden.
Kind, Job, Haushalt, Beziehung.
Und mich irgendwo dazwischen verliere.
Ich erinnere mich noch genau, wie ich auf der Baustelle stand und Menschen beneidet habe, die einfach spazieren gehen konnten.
Die Leichtigkeit hatten.
Während ich das Gefühl hatte, alles gleichzeitig tragen zu müssen.
Ein Haus macht nicht glücklich.
Es verstärkt nur das, was ohnehin schon da ist.
Ich habe dieses Leben hinter mir gelassen.
Nicht freiwillig, nicht leicht.
Aber notwendig.
Und erst danach habe ich verstanden, worum es mir wirklich geht.
Zeit.
Ruhe.
Verbindung.

Und um genau diese ersehnte Leichtigkeit.

Um Menschen, die bleiben, wenn es schwierig wird.
Nicht das, was man besitzt zählt, sondern das, was man fühlt.
Letzte Woche wurde ich genau zu diesem Thema interviewt – für einen Artikel in DIE ZEIT.
Es geht darum, was ein gemeinsames Haus mit einer Beziehung machen kann.
Und warum es manchmal nicht verbindet, sondern auseinanderbringt.
Ich habe sofort gemerkt:
Das ist meine Geschichte.
Und gleichzeitig weiß ich, dass ich damit nicht allein bin.
So viele Frauen denken noch immer,
dass sie erst „angekommen“ sind, wenn sie ein Haus, eine Familie, ein bestimmtes Leben haben.
Deshalb schreibe ich.
Deshalb erzähle ich.
Und deshalb entsteht gerade mein Buch.
Ein Buch über Trennung.
Über Verantwortung.
Über das, was man trägt, wenn niemand mitträgt.
Und über die Menschen, die zu Leuchttürmen werden, wenn man selbst nicht mehr weiterweiß.
Wenn dich das anspricht und du informiert werden möchtest, sobald mein Buch erscheint, dann schreib mir gern eine Nachricht.

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Mein Baby wird groß

„Große Kinder sind ein Segen“, höre ich mich in letzter Zeit oft sagen.

Ich hab wieder viel mehr Zeit für mich allein, kann einfach so die Wohnung verlassen und wenn ich morgens wach werde, ist es oft noch ganz still.

Ich genieße es so sehr und fühle mich frei.

All das hatte ich die letzten Jahre nicht, vor allem nicht mehr, seit vor wenigen Jahren die regelmäßigen Papa-Wochenenden weggebrochen sind.

24/7, arbeiten gehen, Kinder und wieder von vorne. Immer Ansprechpartner, immer in Bereitschaft, immer allein verantwortlich.

Die andere Seite der Medaille ist, ich vermisse meinen Teenager.

Jetzt ist sein kleiner Bruder endlich alt genug, auch mal alleine daheim zu bleiben, was all die Jahre nicht ging.

So gern hätte ich öfter mal was mit ihm alleine unternommen. Der Bruder musste aber immer mit, nicht so, wie bei anderen, die Mama und Papa haben und sich aufteilen können.

Ich vermisse ihn. Und Zeit mit ihm.

Nicht nur, wenn ich ihn ins Training bringe und wir uns 10 min unterhalten.

Nicht nur, wenn ich an seiner Tür klopfe und frage, ob er Wäsche hat, weil ich waschen will.

Ich sagte ihm das und machte den Vorschlag, dass nur wir Zwei einmal im Monat essen gehen. Er bestimmt, ob Döner,  McDonalds oder Sushi.

Mit Essen krieg ich ihn, da war ich sicher.

Grundsätzlich fand er die Idee gut, aber er wollte nicht essen gehen.

Er sagte, ich soll ihm drei Vorschläge machen und er suche sich dann was davon aus.

Ich zerbrach mir den Kopf. Dachte nach.

Nichts von all meinen Ideen haute mich um.

Wenn essen nicht zieht, wie konnte ihm Minigolf, Billard, schwimmen, oder sonstwas Freude mit mir machen?

Und dann fiel es mir ein…

Wie sportlich er ist.

Wie viel Freude es ihm machte, in den Schulferien mit mir ins Gym zu gehen.

Damals, lang vor Corona, als er 6 und 7 war und Zeit mit mir das Größte für ihn war.

Wie wir damals zusammen burpees und Kniebeugen machten und danach abgeklatscht haben.

Es war schön!

Er hat niemals damit gerechnet und die Freude war groß!

Der kleine Bruder darf nicht mit. Das ist nur unsere Zeit.

Danach reden wir über unsere Erfolge, tauschen uns aus und gönnen uns einen Shake.

Manchmal erfahre ich auf der Fahrt Dinge über ihn, die ich noch nicht wusste.

Jetzt ist alles anders als damals noch, denn heute ist diese gemeinsame Zeit für MICH das Größte.

…(bevor ich wieder an die Tür klopfen muss)

Große Kinder sind ein Segen. Und sie sind auch ganz schön groß.