Wenn der Ex-Mann nochmal Vater wird…

In gut einem Monat ist es soweit, dann dürfen meine Kinder ihren Halbbruder Henry begrüßen.

Ihre Schwangerschaft zog grad so an mir vorbei. Es kommt mir vor wie gestern, als ich dachte, ich hör nicht recht.

Meine Kinder erzählten es mir nach dem Papa- Wochenende ganz aufgeregt und beide lächelten dabei glücklich.

Ich war kurz in Schockstarre, damit hatte ich nicht gerechnet. Hatte er doch immer betont, dass er keine weiteren Kinder möchte. 

Ich schickte meiner Freundin die news rüber (…ich gebe zu, es waren mehrere Freundinnen und nicht nur eine…)😬

Hallo?!? Ich brauche Meinungen! Bitte alles her zu mir, ich will hören, dass er doof ist und alles blöd.

Eine meiner liebsten Freundinnen schrieb nur kurz zurück: „Und was hat das mit  DIR zu tun?“

Ich muss dazu sagen, sie kennt mich gut und hat voll getroffen. Sie weiss, ich steigere mich gern in Dinge rein und bin eine dramaqueen.

An dem Tag war ich genervt von ihr und verdrehte die Augen. Sie hatte ja keine Ahnung! Das hier verstand sie wohl nicht, sie ist glücklich verheiratet und somit in ner ganz anderen Welt.

Wie sollte das hier NICHT mit mir zu tun haben?!? Hier geht es quasi NUR um mich fand ich, bzw. wohl eher mein Ego.

Ich hatte Zeit mich damit zu arrangieren. Er ist ausgeglichen und zuverlässig, seit er mit ihr zusammen ist. Davon profitiere ich auch. Ich bin also mehr als zufrieden mit ihr und bin mit seiner Wahl sehr einverstanden.

Die Kinder mögen sie, erzählen viel Positives und den 7 jährigen Sohn mögen sie auch. Es ist wohl sehr harmonisch, wenn sie alle zusammen sind. Das kenne ich auch anders und ich kenne auch andere seiner Freundinnen, meinen Nachfolgerinnen quasi.

So richtig kennen jetzt nicht wirklich, aber eben von den Erzählungen meiner Kinder und von der Verfassung, in der sie nach manch einem Wochenende zu mir zurückkamen.

„Sie waren gerade mal 2 Tage bei ihm, was bitte hat er nur mit diesen Kindern gemacht? SO habe ich sie ihm am Freitag Abend aber nicht anvertraut!“

Oft war ich traurig, dass sie in so eine Situation geraten sind. Unschuldig. Weil er und ich es verbockt haben. Das hört nach der Trennung nicht immer direkt auf.

Um es auf den Punkt zu bringen: es läuft gut!

Ich habe mich damit abgefunden. Alle 14 Tage bekomme ich neue Infos über die Größe Ihres Bauches, die aktuelle Länge des Babys, das Gewicht, Beschreibungen von Ultraschallbildern.

Meist ist das erste, was mein Grosser sagt, wenn ich Sonntag Abend die Tür öffne: „Mama, das Wochenende war so cool!“

Das macht mich auch glücklich und zufrieden. Gespannt höre ich zu und frage wenig nach.

Henry…hmmmm. Als ich mit dem 2. Sohn schwanger war, war Henry auch in der engeren Wahl.

Ach egal, nicht nachdenken. Henry ist ein schöner Name. Punkt.

Inzwischen freue ich mich sogar mit und fieber diesem Baby auch etwas entgegen. Ich freue mich für meine Jungs, dass sie diese Erfahrung machen dürfen. Ein Baby! Das kann gar nicht verkehrt sein.

Es wird anders. Ich bin gespannt WIE anders es wird. Und vor allem bin ich froh, dass es nicht mein Baby ist.

Denn ich bin mit dem Thema durch. Dem Schlafentzug, dem Herumtragen, Stillen, wiegen, Schlaflieder singen, pucken, Fliegergriff, dem ständigen Umziehen, Bäuerchen machen und dem Windeln wechseln.

Ich möchte das alles nicht noch mal, auch wenn ich jeden Moment genossen und alles in mich eingesaugt habe. Ich kann es noch abrufen. Schön war es. Sehr anstrengend war es auch.

Ich denke nicht an den Kindesunterhalt, der jetzt neu berechnet wird.

Ich denke ebenso nicht daran, dass er mit ihr glücklich (er) ist. Unsere Zeit war und sie ist vorbei. Ich bin weder neidisch, noch tut es weh. Darüber bin ich hinweg.

Es ist einfach nur komisch. Nicht mehr und nicht weniger.

Mein Grosser bleibt ein grosser Bruder, er kennt es schon.

Der Ältere und auch oft der Klügere. Er steckt viel zu oft freiwillig zurück, nur weil der Zwerg eskaliert und bockt.

Nach dem letzten Papa- Wochenende bemerkte ich schließlich eine Veränderung am Zwerg. Nicht gleich kam ich darauf, woher der Wind weht.

Er war sehr launisch, bockig, wütend und war irgendwie auf dem Stand eines maximal 2 Jährigen. Erst war ich sehr irritiert. So sehr, dass ich meinen Exmann fragte, ob irgend etwas am Wochenende bei ihm passiert sei. Streit vielleicht?

Er verneinte.

Zwergi packte die verstauten Spieluhren aus und seine Schnullersammlung, die er nie akzeptiert hat. Neben mir lag ein Vorschüler, der am Schnuller saugte und die Spieluhr sang „Lalelu“.

Am nächsten Tag verbannte ich beides wieder ganz nach hinten in den Schrank.

Jetzt benahm er sich nur noch wie ein Baby. Inklusive Babysprache und viiiiiel Körperkontakt. Kuscheln, tragen, sich nicht alleine anziehen können, „…weil, ich bin doch ein Baby“.

Am Abend fragte er mich dann, ob er meinen Bauch küssen dürfe. Sein grosser Bruder fing an zu lachen und sagte, dass der 7 jährige Sohn der schwangeren Freundin eben immer frage, ob er ihren Bauch küssen darf.

Ahhhhhhhh! Jetzt war alles klar, daher wehte der Wind. Jetzt war mir alles klar, ich konnte lachen. Und verstehen.

Mein Zwergi wird ein grosser Bruder! Na wenn das nicht neu ist und nach Irritation schreit!

Der Grosse bleibt der Grosse. Aber der Kleine wird jetzt ein grosser Bruder. Er weiss ja ganz gut, was einem da so abverlangt wird.

Der Grosse rief: „Dann siehst du mal, wie das ist! Ha!“

Ich freu mich auf alles was kommt und vor allem um diese neue Erfahrung für meine Kinder. Sie haben nicht das Gefühl, dass ihnen etwas genommen wird. Im Gegenteil!

Babys riechen so gut. Und schreien so laut. Die Karten werden neu gemischt und die Rollen neu verteilt.

Mit meinem Exmann rede ich nicht viel darüber. Ich warte lieber ab.

Lachen können wir allerdings auch darüber. Wegen der aktuellen Situation darf er nicht bei der Geburt dabei sein. Er witzelte:

„Dann hatte ich alles. Ne Spontangeburt, nen Kaiserschnitt und eine, bei der ich nicht dabei war.“

Ich mag seinen Humor manchmal noch. Alles ist gut wie es ist. Genauso wie es ist!

„Jammern“ ausdrücklich erlaubt!

Ich bin coronamüde. So, so müde.

Ich kann durchaus mein Glück sehen und klar erkennen:

Keine Kurzarbeit, keine Geldeinbußen.

Ich darf arbeiten gehen, weg von zu Hause und weg von den Kindern.

Schlimmer geht immer und mein persönlicher Alptraum wäre homeoffice mit meinen wilden Kerlen, die im Hintergrund kämpfen und die Türen schlagen. Hilfe!

Sie sind 5 und 9 Jahre alt und noch immer kann ich nicht länger als 5 min in Ruhe telefonieren. Genau dann müssen sie etwas sehr Wichtiges fragen, etwas essen, oder

…kämpfen. Davon bin ich übrigens auch müde.

Ich versuche mich auf das Positive zu fokussieren, wie:

Wir alle sind gesund und das alles, blablabla.

Es ist wichtig, DAS Wichtigste, keine Frage. Aber ist das genug? Wir leben im Mangel. Jeder von uns spürt es, jeder hat einen anderen Mangel und es wechselt täglich.

So wie meine Stimmung.

Gestern überschlug sich noch meine Stimme bei der Ansage, die Kinder sollen sich endlich Anziehen zum Rausgehen.

„Mama weinst du?“

Ja. Nur kurz. Und nicht wegen euch, dachte ich.

Es ist die Lautstärke. Das Chaos, die Unordnung, die Wäscheberge, das Kochen. Das keinem gerecht werden.

Inzwischen weiss ich, es ist nichts von Dauer. Ein Anruf, ein Gespräch, eine gute Nachricht, ein netter Besuch und schon ist alles wieder gut.

Heute strahlen wir um die Wette, sind entspannt und alles klappt.

Wer weiss, was morgen kommt?

Ich schätze das nennt sich LEBEN.

Ich renne von Zimmer zu Zimmer. In dem einen bespreche ich die Matheaufgaben und kontrollieren Ergebnisse, verbessere die Rechtschreibung, motiviere, tröste, solidarisiere mich:

„Ja, es ist wirklich viel, das stimmt. Es wird aber nur weniger, wenn du beginnst.“

Wenn 10 Ergebnisse der gleichen Rechenart richtig sind, warum muss man trotzdem noch 20 weitere Aufgaben lösen? Und wenn 10 Ergebnisse falsch sind, motivieren mich dann die 20 weiteren Aufgaben?

In dem anderen Zimmer lobe ich, dass er so schön spielt und den Bruder nicht stört. Kurz knuddeln, dann in die Küche, bevor es aus dem ersten Zimmer schon wieder schreit:

„Hä? Ich check das nicht. Maaaaaama!“

Ich bin keine Lehrerin. Mein Leben geht hier normal weiter und ich habe nicht mehr Stunden geschenkt bekommen. Ich muss immer noch den Haushalt machen, arbeiten, waschen, kochen und all das.

Immer noch denke ich:

„Das ist verdammt nochmal nicht meine Aufgabe!“

Mir fehlen meine freien Tage. Die, wenn der eine Sohn im Kindergarten ist und der andere in der Schule.

Ich denke an die Zeit zurück, als ich ein paar Stunden ICH sein konnte.

Als ich nicht reden musste. Jetzt bin ich entweder Krankenschwester, oder ich bin Mutter. Wann kann ich endlich wieder mal ganz nur ICH sein? Ich fehle mir.

Meine Kinder können nichts dafür und natürlich bemühe ich mich, dass der Kopf weiter arbeitet, auch im Lockdown.

Lesen, Einmaleins nebenbei wiederholen.

Mit dem Vorschüler die Wochentage, die Monate, Jahreszeiten, ein bisschen zählen üben und Buchstaben schreiben.

Manchmal klappt es gut und ich bleibe ruhig.

Manchmal werde ich laut, muss den Raum verlassen. Tränen fließen, das Tagebuch wird aus dem Regal geholt.

Ich hoffe, dass mein Sohn auch an den guten Tagen mal was reinschreibt und nicht nur, wenn er mich auf den Mond wünscht.

Ich denke ich komme trotzdem recht gut klar.

Warum ist das wohl so? Heute habe ich darüber nachgedacht und die Antwort gefunden.

Als Alleinerziehende bin ich es gewöhnt, dass meine Kinder um mich herum sind. Ständig, überwiegend.

Deshalb trifft mich das in diesem Fall vielleicht nicht ganz so hart. Immer verantwortlich sein- das kenne ich zu gut.

Alle Aufgaben mit dem Schulkind zu machen…war nie anders.

Die ganzen Einschränkungen, das ist nicht neu für mich. Ich konnte vorher schon nicht überall hin und mich lustig treffen, mit wem und wann ich will.

Es gab vorher schon viel, bei dem ich sagen musste:

„Geht leider nicht!“

Was mir in letzter Zeit auffällt, dass andere Mütter sich bei mir entschuldigen, wenn sie davon erzählen, dass ihnen alles zu viel wird.

„Ach, wem erzähl ich das denn. Und dabei hab ich noch einen Mann, der mich unterstützt!“

„Ich rede hier von meinem Stress, entschuldige bitte. Wie geht es wohl dir?“

Jeder hat ein Recht darauf traurig zu sein, wütend, entmutigt und ratlos.

Jeder darf mal alles stehen und liegen lassen, keine Lust mehr haben.

Jeder darf fluchen, schreien, weinen, toben.

Jeder darf alles sein und alles fühlen und ich verstehe alles so gut. Nie würde ich all dieses Empfinden anderen absprechen, nur weil ich es in manchen Dingen schwerer habe allein.

Aber in manchen eben auch leichter.

Keiner sollte sich für aufkommende Gefühle in diesen Zeiten entschuldigen. Alles ist erlaubt.

I feel you. ❤

Resilienz und Vertrauen

„Man wächst mit seinen Aufgaben!“

Nicht umsonst gibt es diesen Spruch.

Nicht nur einmal hat das Leben mir voll in die Fresse geschlagen, mich zu Boden gerissen und mich an den Haaren über den Boden gezogen.

Nicht nur einmal war ich verzweifelt, hoffnungslos und fühlte mich einfach nur elend.

Ich war jung, lebte in den Tag hinein, hatte keine Ziele und hinterfragte nicht viel. 

Ich fand es ungerecht und wollte am liebsten toben wie Rumpelstilzchen, inklusive dem Teil, als es sich vor lauter Zorn und Wut selbst entzwei riß.

Ich schob die Schuld gern auf andere, machte Menschen oder Situationen für mein Leid verantwortlich.

Meinen eigen Anteil daran sah ich nicht und war auch nicht bereit hinzusehen.

Ungerecht! Einfach ungerecht- so schrie alles in mir.

Und genau das schätze ich am Älter werden.

Du bekommst die einmalige Gelegenheit zu wachsen! An dir zu arbeiten- wenn du es denn willst.

All das, was dich so oft zurückgeworfen hat und diese ganze Steine, die dir in den Weg gelegt wurden, du kannst was draus machen!

Ich möchte gar nicht die Zeit zurückdrehen, Dinge anders lenken, wieder 20 sein.

Genauso wie ich jetzt bin, bin ich nur wegen dem, was mir widerfahren ist.

Es sind die vielen kleinen Steine, aber auch die Felsen, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin.

Weit weg von Perfektion, versteht mich nicht falsch. Aber schon ein Stückchen weiter. Mit offenen Augen und erhobenem Kopf. Bereit hinzusehen.

Es nicht weghaben zu wollen, weil es unangenehm ist und sich doof anfühlt. Sondern annehmen! Akzeptieren. Auch WENN es sich doof anfühlt.

Resilienz.

Für mich bedeutet das vor allem Stärke von innen.

Dass ich mich nicht an Dingen im Aussen orientiere. Oberflächlichkeiten. Materiellem. Vergänglichem.

Ich besinne mich auf wer ich bin- tief in meinem Inneren.

Ich- nur ich. Nicht das, was mir mal jemand gesagt hat. Nicht, wie jemand anderes es angeht. Nicht geleitet von „man sollte“ und „das macht man nicht“. 

Nur ich! Für was stehe ich? Was und wie will ich sein? Was sind meine Werte? Was ist mir wichtig?

Resilienz heisst für mich, dass nichts NUR schlecht ist. Kein Mensch und keine Situation.

Wenn mein 5 jähriger Sohn sich ungerecht behandelt fühlt, ob von mir, oder vom Leben, sagt er gerne:

„Heute ist mein allerschlimmster Tag!“

Er verschränkt dann trotzig die Arme, schaut zum Boden und setzt den Todesblick auf.

Wir finden auch an so einem Tag immer etwas, das gut lief und schön war.

Resilienz heisst für mich bei mir zu bleiben.

Mich auf meine Stärken zu besinnen. Auf mein Sein. Egal was im Aussen passiert. Egal welcher Sturm bläst. Ich bleibe bei mir.

Ich mache mich frei von negativen Gefühlen wie Rache, Neid und Missgunst!

Wenn jemand zu mir ungerecht ist, lasse ich es bei ihm. Ich muss ihm das nicht zurückgeben, es am besten noch toppen, oder gar darauf reagieren.

Ich weiss, wer ich bin. Ich weiss, was mich ausmacht. Ebenso wie ich nicht sein möchte. Wie ich nicht reagieren will.

Auch wenn ich nichts geschenkt bekomme, macht es mir trotzdem Freude zu schenken und erfüllt mein Herz.

Das bin ich!

Ich brauche keinen Applaus und keinen Zuspruch von Aussen.

Ich weiss, wofür ich stehe und wenn ich danach handle, ist es mehr als gut.

Ich bin dankbar. Ich schätze Kleinigkeiten und Menschen. Ich habe gelernt, dass die kleinen Dinge die ganz Grossen sind.

Ich habe gelernt auszusortieren, was und wer mir nicht gut tut.

Meine Grenzen zu wahren und auch von anderen nicht überschreiten zu lassen.

Ich höre auf mein Bauchgefühl.

Ich habe Vertrauen, dass alles Sinn macht, so wie es ist. Auch wenn ich ihn jetzt noch nicht erkenne.

Ich halte nicht fest und lasse mich treiben…das ist mein Schlüssel zum Glück.

Resilienz für mich bedeutet:

Auch jeder schlechte Tag hat nur 24 Stunden.

Prost Neujahr! 🥳

Lockdown ( light ) als Alleinerziehende 👩‍👦‍👦

Lockdown light- das ist nicht erst seit diesem Jahr für mich bittere Realität.

Uns fehlt es an nichts. Viel verändert hat sich nicht. So, wie es für Viele da draußen neu ist, so ist es für mich schon seit Jahren.

Meine Kinder sind jetzt schon 9 und 5 Jahre alt, ich habe mir mehr Freiheiten erkämpft und Vieles ist um so viel leichter geworden.

Immer öfter fühle ich mich frei und es tut gut zum Beispiel alleine einkaufen gehen zu können.

Diese 10 Minuten alleine im Auto, etwas in Ruhe machen zu können, von Anfang bis zum Ende. Das ist Gold wert!

Das war nicht immer so.

Gut erinnere ich mich noch daran, wie ich die schwere Tüte mit Lebensmitteln in der einen Hand und das Kleinkind auf dem anderen Arm die Treppen hoch schleppte. Später dann konnte das Kleinkind mir wenigstens schreiend hinterherlaufen. Oder sich bockig vor die Tür setzen.

Das lief regelmässig so ab. Immer. Ohne Ausnahme. Denn es gab keinen Papa zu Hause, bei dem ich die Kinder lassen konnte.

Wenn ich zum Blutspenden wollte, saß mein Kleinkind währenddessen auf meinem Bauch und das ältere Kleinkind schaute fasziniert dabei zu.

Hatte ich eine Pflichtfortbildung, die meiner Arbeitszeit abwich und die Betreuungszeit in Kindergarten und Schule sprengte, waren beide mit dabei.

Erste Hilfe und was tun, wenn es brennt…es fühlte sich nie schlecht an sie dahin mitzunehmen. Daraus haben sie viel gelernt und für sich mitgenommen. Sie durften Kopfverbände anlegen, machten Bekanntschaft mit dem Defribilator,  und durften echtes Feuer mit dem Feuerlöscher löschen.

Der Arbeitgeber und die Kollegen mussten es so akzeptieren. Denn daheim wartete kein Papa, der früher Feierabend machte und bei den Kindern blieb.

Wenn ich ein Rezept abholen musste, oder einen Termin beim Arzt hatte, die Kinder mussten mit, keine Frage.

Abends mit einer Freundin essen gehen, oder Cocktails trinken, das gab es nicht wirklich in meinem Leben nach der Trennung.

Ich habe es auch nicht vermisst, das muss ich ehrlich sagen. Das „Können“ jedoch habe ich schon vermisst. Die Illusion: „Wenn ich aber wollte, dann könnte ich…“

Selbst wenn die Kinder am Wochenende bei Papa waren und ich nach der Arbeit als Krankenschwester frei war.

Ich war müde und erledigt. Ich arbeitete auf, was im Haushalt so unter der Woche liegen blieb.

Ich wollte nicht reden, auch wenn es so nötig gewesen wäre.

Ich war zu erschöpft, um mich frisch zu machen, die Haare zu frisieren und aus dem Haus zu gehen.

Ich genoss die Ruhe in der Wohnung, alles nacheinander erledigen zu können. Nach der Frühschicht ein Nickerchen zu machen. Morgens nur mich selber richten zu müssen.

Keinen Streit schlichten, das Wort Mama nicht zu hören. Kein Mittagessen kochen zu müssen und mir vielleicht nur eine Dönerbox unterwegs zu holen, oder einen Joghurt zu essen.

Mich abends ins Bett zu legen, ohne zwei Kindern vorlesen zu müssen und dabei selber fast einzuschlafen.

Sport machen zu können. Vielleicht ein bisschen Yoga. Podcast zu hören ohne Unterbrechungen. Einen Spaziergang. Allein im Freibad meine Bahnen schwimmen. Manchmal hatte ich dafür 2-3 h Zeit zwischen Feierabend und bevor die Kinder von Papa zurückgebracht wurden.

Freiheit pur.

Ich bin die, die ganz aufgeregt ist, wenn ich 18 Uhr zum Elternabend in die Schule darf. Dafür schminke ich mich dann sogar.

Es fühlt sich gut an, nur unter Erwachsenen zu sein.

Ohne Kind auf dem Schoss. Und ohne Kind im Auto. Daheim anzurufen, zu hören, dass meine Jungs klar kommen und es auch geniessen können.

Manchmal stelle ich mich zu den anderes Mamas dazu und rede noch ein paar Minuten. Ihre Kinder sind dann bei Papa oder Oma.

Wenn ich nach Hause fahre, wundere ich mich über die Schönheit des Sternenhimmels und mir fällt auf, wie selten ich ihn sehe.

Habe ich unter der Woche freie Tage, muss ich trotzdem IMMER 6 Uhr aufstehen und die Kinder fertig machen. Da ist keiner, der das auch nur manchmal kompensiert.

Mein persönlicher Alptraum war es jeden Abend zwei kleine Kinder ins Bett bringen zu müssen. Jeden Abend! Immer beide.

Nachts immer aufstehen zu müssen. Egal ob Alptraum, „Ich kann nicht schlafen“, Zahnschmerzen, Nasenbluten, Halsweh oder sonstiges. Immer!

Am Anfang waren sie eher sporadisch bei Papa. Unregelmäßig. Spontan. Oft nur der Grosse über Nacht. Da habe ich dann gearbeitet, bin eingesprungen, um Stunden zu sammeln, damit es unter der Woche mit den Kindern etwas entspannter sein kann.

Jetzt darf man ab 20 Uhr also nicht mehr raus? Das ist nicht neu für mich. 

Seit Jahren ist das mein Leben und macht mir schon lange keine Angst mehr.

Ich war nie der Typ, der sich einen Babysitter bestellte, um abends ausgehen zu können.

Erstens, weil mir diese Art der Aktivität nicht wichtig genug war.

Zweitens, weil so ein Abend Geld kostet und dann noch den Babysitter bezahlen? Puh. Nein.

Drittens, weil ich Freunde habe, mit denen ich mich zum Frühstück verabrede, zum Spaziergang im Wald, zum Sport machen, wenn die Kinder im Kindergarten oder der Schule sind.

Viertens, weil ich meine Kinder ungern in fremde Hände gebe und stattdessen lieber in den sauren Apfel beisse.

Aber sicher nicht, um abends auszugehen. Dieses Verbot lässt mich also bisher total kalt.

Restaurants, Cafés, Clubs, Bars, alles zu. Betrifft mich nicht, war nie Teil meines Lebens in den letzten Jahren. Schon gar nicht in der Kombination mit NACH 20 UHR.

Sicher, ich vermisse die Schwimmbäder schmerzlich.

Dass mein 5 1/2 jähriger bisher noch nicht schwimmen kann, weil er schlichtweg nicht üben kann, das ist schlimm.

Andererseits erinnere ich mich auch daran, dass ich im Winter nicht gern mit den Kindern schwimmen war. Denn danach war einer von beiden meist krank und ich habe es bereut.

Abgesehen davon, dass es meist sauanstrengend ist mit 2 Kindern alleine schwimmen zu gehen. Sie duschen ja nicht allein, trocknen sich nicht alleine ab, oder ziehen sich nicht an.

Dazu kommt noch:

„Ich muss kacka.“

„Ich hab Hunger!“

„Gehen wir dahin?“ Und: „Können wir das?“

Vermisse ich es wirklich? Vielleicht die Illusion davon und das „…wenn ich aber wollte, dann könnte ich.“

Meine Kinder vermissen den Indoorspielplatz. Das haben wir wirklich gerne gemacht bei Dauerregen und im Winter.

Vermisse ich es wirklich?

Oft ärgerte ich mich über die überteuerten Preise und darüber, dass es viel zu kalt dort war. Die Kinder waren ausgetobt, ich langweilte mich zu Tode, wenn nicht gerade jemand uns begleitete.

Am Ende schlief der Zwerg die 40 Minuten Heimweg durch und ich ärgerte mich nochmal.

Vielleicht ist das alles der Grund dafür, dass es sich diesmal nicht so schlimm für mich anfühlt.

Ich arbeite normal weiter, die Kinder gehen dann in die Notbetreuung. Ich spüre keine Einschränkungen. Nichts, das mir wirklich, wirklich fehlt.

Alle sind gesund, wir sind viel zusammen, verbringen Zeit in der Natur, wir können uns mit Freunden treffen, mit der Familie, wenn auch mit minimalen Einschränkungen.

Weihnachten lief bei uns wie geplant ab und on top gab es bei der Oma sogar viel Schnee.

Das Geld, das wir jetzt sparen, kommt in die Urlaubskasse, denn das nächste Abenteuer kommt, da bin ich sicher.

Einsamkeit ist nichts Neues. Da bin ich schon lange durchgegangen.

Zeit alleine habe ich lieben gelernt. Sie macht mir Freude und keine Angst mehr.

Denk in Möglichkeiten!

Mein 2019 war unschlagbar und wird schwer zu toppen sein, das war mir bewusst.

Ich habe viele unglaubliche Erinnerungen, vor allem in Form von Unternehmungen und gemeinsamer Zeit!

2019 war die geballte Ladung Glück, Zufriedenheit, ein gefülltes Herz und ganz viel Lachen.

Dass 2020 so richtig, richtig blöd ist, kann ich nicht sagen.

Es lief gewiss nicht nach Plan. Es ist eine Herausforderung, ja.

Es lehrt mich so viel!

Es gilt Altes abzulegen und nicht krampfhaft festhalten zu wollen.

Es gilt Neues zu erfahren und sich einzulassen.

Es gilt den Weg zu gehen und das Ziel nicht zu kennen.

Es gilt Vertrauen zu haben. Dass alles schon richtig so ist und so für einen bestimmt.

Neues macht mir immer erst Angst. Ich mag Struktur in meinem Leben und wenn alles normal läuft.

Ich schimpfe dann, bin unzufrieden, schlecht gelaunt, meckere und schaue ernst.

Bringt mich das weiter? Nein!

Also mache ich es diesmal anders.

Ich lege die Zügel zur Seite, schließe die Augen und breite die Arme aus.

Ich lächle und denke:

„Hallo Leben! Ich bin so gespannt, was deine Pläne für mich sind und was da noch kommen wird.“

Akzeptanz.

Das bringt mich weiter, davon bin ich überzeugt.

Ich werde nicht mürrisch beim Gedanken, was mir alles fehlt. Was mir versaut wurde. Was nicht nach Plan läuft. Was nicht stattfindet.

Diesmal denke ich in Möglichkeiten!

Nein Angst! Diesmal nicht!

Ich gebe dir keinen Raum in mir und mache dich nicht gross.

Du darfst mich gerne begleiten, aber du bist maximal ein kleines Accessoires.

Ich kann Angst haben, manchmal nur ein bisschen und manchmal eben ein bisschen mehr.

Aber mein Glück ist gross und nichts kann das trüben.

Mein Denken ist mächtig und ja, ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Wenn auch nur meine eigene.

Dieses Jahr wollte ich mit meinen Kindern viele Shows besuchen. Konzerte. Aufführungen.

2020 steht jetzt für Natur pur!

Für Wald, Wiesen, Burgen, Ruinen, Flüsse, Bäche, Seen, Weinberge und Felder.

Für ungeahnte Schönheit, für die wir immer zu wenig Zeit hatten.

Immer weiter auf dem Laufband des Lebens. Immer Vorankommen. Immer zum nächsten Ziel. Immer noch etwas abarbeiten.

Und so fühlte es sich an. Nach schwerer Arbeit, für die das Glück oft in den Hintergrund rutschte.

Jetzt gilt es auch mal stehen zu bleiben. Inne zu halten. Zu geniessen. Zu fühlen. Glücklich zu sein, auch wenn es nicht nach Plan läuft.

Was hätte ich mich über die Zeitverschwendung geärgert, wenn ich nur darauf warten würde, dass alles wieder vorbei ist?

Dass ich DANN endlich wieder glücklich sein kann, weil ich dann endlich all das wieder machen kann, was ich mir vorgenommen hatte für dieses Jahr.

Denke in Möglichkeiten!

2020 hat mir nicht so viel genommen, wie es mir gegeben hat.

Es lag nicht das gewünschte Geschenk unter dem Tannenbaum, ja. Ich kann beleidigt sein, es in die Ecke pfeffern und auf das nächste Weihnachten hoffen.

Ebenso kann ich mir mein Geschenk vielleicht aber auch mal genauer anschauen. Feststellen, dass ich mir das nie gewünscht habe. Aber dann überlegen, was ich damit anfangen kann und ob es nicht doch irgendwie zu mir passt.

Vertrauen haben, dass sich jemand genug Gedanken darum gemacht hat, was gut zu mir passt.

Es annehmen, mich bedanken.

Vielleicht weiss ich im Moment nichts damit anzufangen. Aber irgendwann kommt das grosse „ahhhhh“.

Das Leben gibt dir nicht nur Regen. Irgendwann geht auch wieder die Sonne auf. Dafür lohnt es sich den Kopf zu heben.

Denke in Möglichkeiten!

Das ist mein 2020 und ich liebe es nicht weniger als mein 2019, wenn ich meinem Herz auch einen größeren Schubs geben musste.

Toxische Beziehungen

Heute schreibe ich nicht als Mutter- sondern als Frau.

Die letzten Jahre habe ich mich ausgiebig mit diesem Thema beschäftigt. Ich habe darüber gelesen, podcasts gehört, aber auch in meinem Umfeld beobachtet und gesehen.

Aus der Vogelperspektive und der Rolle im Aussen ist es so offensichtlich und klar.

Man fragt sich, was diesen Partner nur in dieser Beziehung hält!

“ Sieht der das denn nicht?“

„Merkt er denn nicht, wie der andere ihn behandelt?“

Weder habe ich das Bedürfnis jemandem die Augen zu öffnen, noch sehe ich es als meine persönliche Aufgabe.

Ich für mich weiss, dass dieser Mensch noch nicht so weit ist, noch nicht am “ point of no return“.

Er kann und will noch mehr ertragen, noch mehr leiden.

Warum?

Weil man denkt, es sei so normal. Die berühmten Höhen und Tiefen. Durch Dick und Dünn. In guten und in schlechten Zeiten.

Weil man denkt, man müsse nur NOCH mehr geben und NOCH mehr lieben, damit der andere es merkt und sich ändern kann.

Noch mehr weinen und erklären, wie man sich fühlt, in der Hoffnung, dass es den anderen dann nicht mehr so kalt lässt und er alles einsieht.

Wenn das einer weiss, dann ich.

Nie würde ich auf die Idee kommen, jemanden dafür zu verurteilen, sich immer wieder für diese Beziehung zu entscheiden.

Ich weiss, die Hoffnung stirbt zuletzt.

„Es kommen wieder bessere Zeiten!“

„Er meint es nicht so.“

„Eigentlich meint er es doch gut mit mir.“

„Er ist gar nicht so!“

„Es ist nur eine Ausnahme.“

Um in einer Beziehung verletzt zu werden, braucht es keine Schläge.

Menschen fragen sich, was jemanden hält. Warum ist er/sie mit so jemanden zusammen? Warum geht er/ sie nicht? Warum lässt er/sie sich sowas nur bieten?

Für Außenstehende unmöglich, das zu begreifen.

Ich WAR Teil einer solchen Beziehung. Wie ich jetzt weiss, auch nicht erst einmal.

Mir ist dabei wichtig zu sagen, dass nicht ein Mensch alleine böse und toxisch ist. Es ist die Symbiose. Das Miteinander, das es toxisch werden lässt.

Was ich bis dato von mir dachte:

Ich bin taff, weiss was ich will und hole es mir. Ich mache meinen Mund auf, wenn mir etwas nicht passt und stehe für meine Werte ein. Ich lasse nicht zu, dass man mir Unrecht tut und keiner wird mich schlecht behandeln. Ich bin kein graues Mäuschen, lasse mich nicht einschüchtern und habe vor nichts Angst.

Was mich diese toxische Beziehung lehrte:

Haha! Du hast ja keine Ahnung! Alles, was du glaubst, lasse ich verschwinden. Vor allem den Glauben an dich und den an die Wahrheit.

Nicht sofort. Nach und nach. Stück für Stück.

Gerne höre ich dazu die Geschichte vom Frosch im Kochtopf.

Wirft man ihn in kochendes Wasser, springt er raus. Ist er allerdings bereits im Kochtopf und man erhöht allmählich die Temperatur des Wassers, bemerkt er erst was los ist, wenn es schon viel zu spät ist.

Vielleicht war ich das alles tatsächlich.  Wenn man aber an den „richtigen“ Mann gerät, wird alles ausser Gefecht gesetzt.

Mit meinem Wissen von jetzt und dem Abstand dazu weiss ich, dass die Anzeichen sehr früh auftauchten und ich viele Male mein Bauchgefühl übergangen habe. So oft, bis ich so tief drin war und es kein Zurück mehr gab.

Ich habe mich abhängig gemacht. Im Aussen durch materielle Dinge wie z.B. einem Hausbau. Durch gemeinsame Kinder, aber auch seelisch abhängig.

Ich rauche nicht, ich trinke so gut wie nie Alkohol. Suchtpotential? Ich?

Niemals! Oder doch?

Als wir uns kennenlernten, war alles so magisch. Leidenschaftlich. Die pure Verschmelzung.

Dieses „zu schön, um wahr zu sein“.

Wir waren so verliebt ineinander, hatten nur noch Augen für uns und der Rest der Welt wurde unwichtig. Wir waren uns genug und brauchten niemanden sonst.

Es sind im Nachhinein die Kleinigkeiten, die so wichtig sind. Diese kleinen Vorboten, die dir zeigen, wie es später verlaufen wird, wenn es um die grossen Dinge geht.

Ich erinnere mich daran, als wir mit seinem Bruder verabredet waren. Er lief mit diesem voraus und sie unterhielten sich angeregt. Der Gehweg war schmal und so trottete ich beiden hinterher, bis der Bruder mir die Tür zum Cafe aufhielt, während mein Freund bereits drin war.

Es ist nicht so, dass ich auf diese „Kleinigkeiten“ nicht achte. Bemerkt habe ich es sehr wohl. Bauchgefühl übergangen.

„Sonst ist er ja nicht so.“

„Er hat sich so gefreut seinen Bruder zu sehen, da ist doch jetzt nichts dabei.“

„Mach kein Fass auf wegen so einer Lapalie!“

Später fühlte ich mich ganz oft links liegen gelassen, nicht gesehen. Nicht wertgeschätzt und schlichtweg unwichtig und als Anhängsel.

Er redete gern in der Ich-Form, auch wenn es uns beide betraf. Das war neu für mich und fiel mir auf.

Bauchgefühl übergangen.

Später stellte ich oft an seinem Verhalten fest, dass er wirklich nur sich meinte und ich nicht zählte. Ich war Luft.

Er raucht mal nen Joint, trinkt mal über den Durst. Bauchgefühl übergangen.

„Mein Gott, das machen andere auch!“

„Jetzt übertreib doch nicht gleich, was ist dabei?“

„Andere stört es doch auch nicht, obwohl ihr Partner das tut. Also mach dich locker.“

Er kann nicht mit Geld umgehen und obwohl ich weniger verdiente, zahlte ich die Nachzahlung von Strom, Wasser etc.

Bauchgefühl übergangen.

„Wir sind ein Team. Wer mehr leistet, oder einbringt, ist doch egal“.

Wenn ich für mich einstand und kritisierte, gab es Streit. Meine Meinung war immer die Unwahrheit. Ich war immer im Unrecht. Ich war die mit den komischen Ansichten. Die, die nicht richtig tickt.

Die, die krank im Kopf ist. Zu grosse Erwartungen hat, die keiner erfüllen kann. Ich war falsch. Nie zufrieden. Immer am meckern. Irre. Depressiv. Gestört. Gehöre in die Klapse. Schizophren. Krank. Übertreibe immer maßlos. Weiss nichts zu schätzen. Stehe mit meiner Ansicht alleine da.

Habe ein völlig verschobenes Bild. Bin nicht echt.

„Wenn deine Freunde wüssten, wie du wirklich bist…“

…bis zu…

„Ich hätte dich nie heiraten sollen!“

Jedes normale, harmlose Gespräch, in dem ich anderer Meinung war, oder etwas kritisierte, führte zu einem schlimmen Streit. Und in jedem Streit wurden mir all diese Dinge vorgeworfen.

Bauchgefühl übergangen.

„Er war halt sauer!“

„Das meinte er nicht so!“

„Eigentlich liebt er mich doch.“

„Sonst würde er sowas doch nie sagen und danach tut es ihm ja auch leid. „

Nach jeder Auseinandersetzung war ich mir sicher, dass ich es nicht geschafft habe, die richtigen Worte zu finden. Dass ich mich falsch ausgedrückt habe. Dass ich unsensibel bin. Dass es schwer ist mit mir. Dass ich nicht einfach bin. Dass ich mich zusammenreißen muss. Mir noch mehr Mühe geben muss. Dass es von mir allein abhängt, ob diese Beziehung Bestand hat.

So schlich es sich ein, dass ich mich immer weniger traute zu kritisieren und über meine Gefühle zu reden.

Immer mehr merkte ich, dass mir tiefe Gespräche fehlen. Dass es für mich sogar der Grundpfeiler ist, das Fundament.

Ich ignorierte mein Bauchgefühl. Ich zog die Samthandschuhe an. Ich ging sprichwörtlich auf Zehenspitzen.

Bloss keinen „Lärm“ machen. Denn inzwischen hatte ich gelernt, was es mit sich zog und was daraus entstehen kann. Wie kräftezehrend es ist.

Lieber runterschlucken. Weglächeln.

Gute Mine machen. Die Fassade halten. Meine Meinung für mich behalten.

Üblicherweise folgte jedes Mal, wenn ich über meine Gefühle redete ein schlimmer Streit. Er haute mir alles mögliche um die Ohren, beleidigte mich, beschimpfte mich, bereute mich kennengelernt zu haben und war weg.

Wie lange und wo- das wusste ich nie. Manchmal nur eine Stunde. Am Ende auch schon mal über Nacht. Das Telefon war ausgeschaltet und ich saß da mit einem 4 jährigen und einem frisch geborenen Säugling, der erst wenige Wochen alt war.

Ob er je wiederkommt, das wusste ich auch nie.

Was ich lernte war: er kam immer wieder. Und tat, als wäre nichts gewesen. Manchmal brachte er frische Brötchen mit. Er fing an über Oberflächlichkeit zu reden. Wenn mir das schwer fiel, weil ja etwas ganz anderes in der Luft lag, flog die Bäckertüte und er nannte mich undankbar.

Oft weinte ich mich in den Schlaf. Er schnarchte schon lange neben mir und hatte damit keine Probleme.

Das Ergebnis war, dass wir nie über Probleme redeten, weil wir es nicht konnten. Also gab es auch nie eine Lösung. Nachdem wir unter einem Dach lebten und kein Wort miteinander redeten, wurde es irgendwann besser. Manchmal nach Stunden. Manchmal nach mehreren Tagen. Am Ende war es eine Woche. Je nachdem, wie schnell ich bereit war, es abzuhaken, meine Fehler einzusehen und mich für Dinge entschuldigte, für die es nie eine gebraucht hätte.

Wie ich es da raus schaffte?

Es kam dieser Tag, an dem meine Grenze erreicht war. Der point of no return. Der Zeitpunkt, wenn du sicher bist: bis hierher und nicht weiter. STOP!

Wieviele dieser Beziehungen es wohl hinter verschlossenen Türen gibt?

Ich bin die mit der grossen Klappe. Keiner hätte es bei mir vermutet. Nicht mal die beste Freundin wusste alles, denn manche Situationen muss man mit sich selber ausmachen.

Die kann man keinem erzählen, weil man weiss, wie verrückt sich das alles anhört.

Es hat lange gedauert, bis mein Kartenhaus zusammenfiel. Bis das Gerüst brach und selbst ich die Fassade nicht mehr halten konnte.

Mit 4 Jahren Abstand habe ich viel aufgearbeitet. Oft nach dem „Warum“ gefragt und eine Antwort gefunden. Es war nicht so, nur weil er so war. Es kam auch so, weil ich war wie ich war.

Inzwischen habe ich mich wiedergefunden. Den Mensch, so wie ich vor ihm war. Mit meiner Moral. Mit meinen Standards. Ich weiss, dass ich nicht meine Erwartungen runterschrauben muss. Ich muss nur auf mein Bauchgefühl hören, es zeigt mir den Weg.

Ich kenne die sog. „red flags“, die „dealbreaker“ und die „no go’s“. Ich ignoriere sie nicht mehr.

Ich achte auf mich und die Anzeichen. Ich kenne meinen Wert und mache keine faulen Kompromisse.

Wenn du meine Grenzen nicht achtest, hast du keinen Platz an meiner Seite.

Heute behaupte ich, dass mir so etwas nie wieder passieren wird. Dass diese Art Männer mich immer noch magisch anziehen. Dass ich jedoch viel schneller hellhörig werde und mein inneres Alarmsystem zu klingeln beginnt.

Ich bin mit meinem inneren Aufräumen noch lange nicht am Ziel, falls man das je sein kann. Aber ich habe mich auf den Weg gemacht und verharre nicht mehr. Rede es mir nicht mehr schön, wenn es das nicht ist.

Stelle ich heute fest, dass mir der Mann an meiner Seite nicht gut tut, drehe ich mich um und gehe. Vielleicht tut es kurz weh, aber ich gehe trotzdem lächelnd. Weil ich so viel weiter bin als damals.

Aktiviere die Freude in dir

Wer mein Leben etwas verfolgt, weiss, dass die Wochenenden für mich als Alleinerziehende nicht auf den ersten Rängen der Beliebtheitsskala landen.

Wochenende hört sich immer so toll an, jeder ist voller Vorfreude darauf und da kann man ach so schön entspannen. Da sie sowieso nur jedes 2. bei mir verbringen, müsste die Freude so gewaltig gross sein.

Mit dem „müssen“ ist das allerdings so eine Sache.

Ich tausche das Wochenende gegen zwei Montage. Nichts lieber als das.

Ich habe zwei Jungs und die haben gewaltig Pfeffer im Arsch. Sie sind laut, früh wach und haben entweder Hunger, oder kämpfen.

Ein guter Biorhythmus und verlässliche „Ins- Bett- geh- Zeiten“ rächen sich, wenn deine Kinder Punkt 6 Uhr morgens an deine Tür klopfen und fragen, ob sie kuscheln kommen dürfen.

Bis 10 Uhr bin ich meist schon völlig verausgabt, meine Geduld hinüber und es ging schon heiss her.

Mittagessen wird überbewertet. Wir haben gut gefrühstückt und der Rucksack ist gepackt.

Nahziel: Natur und Bewegung, neue Orte erkunden.

Fernziel: müde Kinder. Bitte, bitte, bitte.

Die Schneehosen und Jacken, die ich Samstag Abend erst völlig versaut in die Waschmaschine gesteckt hatte, am Sonntag sahen sie noch schlimmer aus.

Es ist dieser Rattenschwanz, den alles nach sich zieht und der zwingt mich in die Knie.

Wir hatten 4 wunderschöne Stunden draußen, viel gesehen, viel erlebt.

Es sind Bilder wie diese, die mich ahnen lassen, dass daheim noch viel Arbeit auf mich zukommt.

Kinder baden, Bad putzen, wieder waschen und trocknen, Wäsche zusammenlegen, Essen machen und Schuhe putzen.

Ich kann meine Augen 18 Uhr kaum noch offen halten und weiss nicht, wie ich es schaffen soll, die beiden ins Bett zu bringen. Ich bin so kaputt.

Heute hatte ich noch frei und es hat mich gerettet. Als ich die beiden abholte, stand mein Entschluss fest:

Heute wird ein guter Tag für uns als Familie!

Der Grosse bettelte, dass er nur „kurz“ mit zum Freund will, kaum hatte ich ihn begrüßt.

Also war ich mit dem Zwerg alleine.

Ich habe Paw Patrol gespielt, Pj Mask, Superhelden, Autos, Schleichtiere, Memory und schwarzer Peter.

Wir genossen es heute beide. Ich hab mich auf alles eingelassen und zugehört. Wenn ich der böse Romeo bin, was mach ich dann? Was sag ich dann immer? Hab ich Superkräfte? Waffen? Warum bin ich böse und was will ich?

…die Weltherrschaft…ok. Da geh ich mit, da kann ich mich gerade gut reinversetzen.

Es war herrlich entspannt und ich nahm mir vor, jede seiner Fragen mit ja zu beantworten. 

„Liest du mir ein Buch?“ Klar!

„Können wir uns ins Bett kuscheln und eine Höhle machen?“ Aber sicher!

Als es am Abend an der Tür klingelte, war das Essen auf dem Tisch, das der Zwerg und ich vorbereitet hatten.

Es dauerte 2 Minuten, dann gab es Geschrei und Streit. Ich beschloss, dass es heute nicht so läuft.

Kurz dachte ich, es gelingt mir nicht. Jedoch blieb ich beharrlich und in der Liebe. Dann gelingt sowieso alles.

Oft schaffe ich diesen Zustand nicht, weil ich so wütend bin und sie es maßlos übertrieben haben. Dann läuft alles aus dem Ruder und nichts funktioniert.

Heute also nicht!

Wir lagen alle drei im Kinderbett, um uns bei Youtube über die Waldtiere zu informieren. Sachunterricht, 4. Klasse.

Ich wusste intuitiv, was danach gebraucht wird. Also rein in die Schlafanzughose, nur noch schwaches Licht und gemütlich machen.

Auf spotify eine Traumreise für Kinder gesucht und dann fing ich an erst ein Kind, dann das andere zu massieren.

Auch Jungs mögen das und lieben Körperkontakt. Dass es die atemstimulierende Einreibung ist, die ich in der Ausbildung zur Krankenschwester gelernt habe, spielt keine Rolle.

Dass ich die Handmassage in einer Hospizfortbildung gelernt habe, auch egal.

Beide lagen auf dem Bauch und ich versuchte es gerecht zu verteilen. Bei Geschwistern muss es gerecht zugehen. Im schlimmsten Fall wird daran gemessen, ob man den einen mehr liebt, als den anderen.

Sie kichern und lachen. Sie reimen und erfinden Quatschwörter. Sie lachen bei der Vorstellung ein Elefant zu sein und tief ein- und auszuatmen.

Dann liegen sie wieder ruhig da, geniessen, machen ahhh und halten sich an der Hand. Sie schauen sich mal lächelnd und stillschweigend an, dann schließen sie wieder die Augen.

Füsse, Hände, Kopf, Rücken, Arme, Gesicht. Ich rede nicht viel und geniesse das Lachen und die Ruhe.

Mal lache ich mit, weil ich gar nicht anders kann. Mal bleibe ich ganz bei mir und ernst.

Sie massieren sich gegenseitig, probieren aus, geben sich Tipps. Was fühlt sich gut an, was kitzelt, was ist unangenehm.

Ich schneide schnell eine Gurke und 2 Karotten und bringe den Teller mit ins Bett. Erst die Gurken auf die Augen legen und während eines Lachanfalls einfach essen.

Wir kuscheln uns ein und lauschen der entspannenden Stimme weiter. Ruhe kehrt ein. Die Bewegungen werden weniger. Wir drei, eng aneinandergekuschelt in einem Kinderbett.

Wenig später schläft der Zwerg. Heute ohne Zähne zu putzen. Aber wie wohl muss er sich in der Mitte gefühlt haben, um so schnell einzuschlafen?

Der Grosse und ich schleichen raus, spielen noch ne Runde skipbo und dann bringe ich ihn ins Bett. Ich bekomme viele Küsse und ich bedanke mich für den schönen Tag.

Mir tat er unheimlich gut und ich bin wieder voller Energie.

Den Massagesalon eröffnen wir meist nach Tagen wie dem gestern. An dem es nervig war, Streit gab, ich laut und ungeduldig.

Dann ist es perfekt, um den Kindern zu zeigen, dass ich sie liebe. Und ihnen tut das so gut. Es sind diese Tage, an denen alles läuft. An denen es reicht, wenn ich es einmal sage.

Balsam für unser aller Seelen.

Aktiviere die Freude! Man kann das beeinflussen.

Emotionen

Montag.

Eigentlich mein Lieblingstag.

Denn der Montag stellt die Weichen für die Woche. Montag steht für Neubeginn, noch mehr wie jeder neue  Tag an sich.

Am Montag geht mir alles leichter von der Hand. Ich verstehe nicht, warum es an sich so ein ungeliebter Tag ist, liebe ich ihn doch so sehr.

Was mir mal wieder nur spiegelt, dass allein meine Einstellung und Haltung zu etwas es gut, oder schlecht machen kann.

Heute Morgen zwischen 6 und 7 Uhr gab es bei uns daheim bereits Streit und ich beschloss, meinen Sohn heute nicht von der Schule abzuholen.

Ich war nicht bereit seinem Verhalten und seinen Provokationen entgegenzukommen und beschloss, dass ihm der Nachhauseweg dabei helfen könnte, über einige Dinge nachzudenken.

Der Abschied war seinerseits lieblos und ohne Worte. Er schlug die Autotür zu, nachdem er sich die Tränen weggewischt hatte. Sein wütendes Gesicht begleitete mich auch bei der Arbeit noch lange, jedoch wollte ich nicht einknicken.

Als er am Nachmittag klingelte, atmete ich tief durch. Jetzt war alles möglich!

Kurzatmig und lächelnd waren seine ersten Worte:

„Danke Mama, dass ich laufen musste, ich hab so viele getroffen!“

Ich drückte ihn und auch ihm schien es wichtig, dass ich mich wieder vertragen will.

Emotionen.

Die hat er von mir. Vor allem Wut und Zorn. Er ist ein Sturkopf durch und durch.

Ich selber habe mich oft für meine Gefühle geschämt, irgendwann aber aufgegeben dagegen anzukämpfen.

Wenn ich wütend bin, dann lauf.

Wenn ich weinen muss, gibt es kein Halten. Es wird schlimmer, wenn ich versuche, die Tränen zurückzuhalten.

Ich bin sehr nah am Wasser gebaut.

Vor allem seit ich Kinder habe. Sobald es um Familie, Wiedersehen, oder Schicksale und Krankheit geht. Ebenso, wenn es nur Videos, oder kurze Ausschnitte sind, ich weine. Hemmungslos. Und dann freue ich mich über mein weiches Herz.

Stark sein hat rein gar nichts damit zu tun, keine Gefühle zu zeigen. Das habe selbst ich dann irgendwann verstanden.

Bücher und Artikel über Themen, von denen ich mich angesprochen fühle, lassen meinen Puls so hoch schlagen, dass ich mir in solchen Momenten ein Mikrofon und eine Bühne wünsche, weil ich so viel zu sagen habe.

Aber nein, keine Sorge. Meine Glaubenssätze lassen das nicht zu und sind ein gutes Gegengewicht! Wer weiss, wozu ich sonst im Stande wäre!

Für einige war ich schon immer ZU alles. ZU laut, ZU gefühlvoll, ZU sensibel, ZU emotional, ZU mitfühlend, ZU sentimental, ZU wütend.

Als mein Opa starb, weinte ich manchen Menschen zu viel und zu lange.

Welche Verbindung er und ich hatten und dass mit ihm nicht nur mein einziger Opa, sondern so viel mehr gestorben ist…mir reicht, dass ich das weiss.

In meiner ersten Schwangerschaft war ich völlig aus dem Gleichgewicht.

Man fand mich „unausstehlich“ und ich solle mich „zusammenreißen“.

Ich weinte, wenn die Spieluhr La-le-lu spielte und später, wenn ich es meinem Kind vorsang.

Ich weinte damals sogar bitterlich, als ich an einem 30-er Zone Schild vorbeifuhr, unter dem stand:

„Es könnte auch dein Kind sein!“

Dieser Satz setzte mich damals Schach matt.

Als man mir ungefragt Ratschläge gab ( Ratschläge sind auch Schläge) und mir vorschreiben wollte, wie ich was zu tun habe, sagte man mir, ich solle mir einen breiteren Rücken zulegen. Ich sei zu empfindlich.

Als ich letztes Jahr an meiner Biografiearbeit saß und über unsere Trennung schrieb, weinte ich stundenlang.

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Ich tippte und weinte, als ich leise zu mir selber sagte:

„Wir haben es so in den Sand gesetzt!“

Ich habe intuitiv meinem Ex-Mann geschrieben, dass ich ihn sein lasse wie er ist. Dass es nicht nur so kam, weil er war, wie er war, sondern auch, weil ich war, wie ich war.

Dass ich keinen Hass, oder böse Gefühle für ihn hege und völlig mit ihm im Reinen bin. Dass er Recht hatte, als er sagte, es gab nicht nur schlechte Zeiten. Wir haben 2 wundervolle Kinder und diese werden uns immer miteinander verbinden.

Dass ich mich allein deswegen immer mit ihm ein bisschen verbundener fühle, als mit sonst jemandem.

Er war überrascht von meinen Worten und ich denke, sie kamen genau im richtigen Moment und waren für ihn noch wichtiger wie für mich.

Ausserdem ist seit diesem Tag auch alles ein wenig besser geworden, Stück für Stück. Es ist harmonisch und ich bin zufrieden. Die Ebene mit ihm war immer mein Ziel und nichts habe ich mir mehr für unsere Kinder gewünscht.

Meine Emotionen haben mich ans Ziel gebracht!

Heute vertrete ich den Standpunkt, dass ich ein ganzes Meer von Gefühlen aller Art bin und es ist ein Segen, sie alle ausdrücken zu können.

Sie machen mich aus und in mir steckt Liebe, Hingabe und Leidenschaft. Wie kann zu viel davon etwas Schlechtes sein?

Nicht jedem bin ich sympathisch und es gibt wohl nur pro und kontra im Bezug auf mich, es gibt nur wenig dazwischen.

Was ich aber immer mehr merke ist, dass genau die, die nicht gut mit mir umgehen können, genau die sind, die nach meiner Meinung fragen.

Denen es wichtig ist, wie ich dazu stehe, weil ich ehrlich bin. Geraderaus. Bei mir weiss man, woran man ist.

Ich lache dir nicht heute ins Gesicht, um morgen über dich herzuziehen.

Wenn ich über dich rede, dann habe ich es dir längst ins Gesicht gesagt, oder warte noch auf den richtigen Moment.

Irgendwie machte der Tag mir Hoffnung, mein neuer Job lässt mich aufblühen. Ich mag ehrliche Menschen, die sagen was sie denken, auch wenn es kurz unangenehm ist.

Nirgends sonst findet man das so geballt, wie in der Psychiatrie.

Sagt man was Blödes, kommt sofort die Rückmeldung. Wie sie dich gerade finden übrigens auch, klipp und klar, ob man es hören will, oder nicht.

„Stellen Sie eigentlich immer erst ’ne Frage und reden dann weiter, wenn man antworten will?“

„Fragen Sie mich nie mehr, wie es mir geht! Schlecht geht es mir! Zufrieden?“

Den Abend über begleiteten meine Kinder und mich nur noch gute Laune. Wir schauten auf Youtube die besten „Haka-Tänze“ und es zog uns sofort in den Bann. Meine Kinder wollten immer mehr davon und ich erzählte ihnen alles darüber, was ich wusste.

Alles, was die Maori damit ausdrücken wollen. Und das ist so viel! Alle Emotionen werden vereint und voller Stärke nach Aussen transportiert. Alles rausgelassen.

Wir drei erfanden einfach unseren eigenen Haka. Ich hörte Töne von meinen Kindern, die mir neu waren und sah Ausdrücke in ihren Gesichtern, die ich nie zuvor sah.

Sie hatten es verstanden und genau heute war es so wichtig. Keiner schämte sich und keiner lachte über den anderen, egal wie skurril die Geste schien, oder wie weit die Zunge rausgestreckt war. Was für eine Dynamik! Jeder bekam die passende „Antwort“ auf seine „Frage“.

Emotionen sind toll! Und können so stark und übermächtig sein!

Um diesen Tag zu feiern und richtig zu zelebrieren, hörten wir „Jerusalema“ in Dauerschleife. Wir tanzten dazu durch alle Zimmer, jeder hatte seinen eigenen Stil und jeder erfand sich neu. Der Zwerg wollte, dass ich ihm zuschaue und ich muss sagen, er hat den Rhythmus im Blut.

Wir tanzten jeder alleine, wenn wir uns in einem Raum begegneten, drehte ich den Zwerg, oder tanzte Hand in Hand mit dem Grossen.

Den Flur auf und ab, von einem Kinderzimmer ins nächste.

Ausgelassen zog mein Grosser sein Schlafanzugoberteil aus und schwang es über seinem Kopf! Völlig ungehemmt liess er seinen Emotionen freien Lauf und ich liebe das!

Wir alle lachten dabei und waren fröhlich. Bis wir schwitzend und ausser Atem auf der Couch zusammenbrachen.

Dieser Ort ist in DIR und überall, wo Du bereit bist, ihn zu sehen!

„Ahhhhh. Das war so cool, Mama!“

Emotionen geben mir Macht. Sie lassen mich vom Verstand ins Gefühl kommen. Roboter gibt es genug auf dieser Welt. Ich will fühlen!

Ein bisschen „ZU“ von allem sein, birgt auch Vorteile.

Zu neugierig heisst, dass ich viel hinterfrage und nicht alles so hinnehme.

Zu sensibel heisst, dass ich zwar nicht immer mit Worten, aber eben mit Tränen sagen kann: „Das tat mir weh!“

Zu mitfühlend heisst, dass ich mich mit dir über deinen Erfolg freuen kann. Ohne Neid und Missgunst, weil du mir damit nichts wegnimmst. Ich denke es nicht nur, sondern komme auf dich zu und sage es dir.

Zu emotional heisst, dass ich es so meine, wenn ich dir sage, ich hab Gänsehaut am ganzen Körper und das es stimmt, wenn ich sage: „Von ganzem Herzen nur das Beste!“

Mein liebster Ex-Kollege ist zum 1. Mal Papa geworden. Das Bild, wie er seinen Sohn im Arm hält, liebevoll zu ihm herunterschaut und die Erzählung zur Geburt…Gefühlausbruch!

Meine Emotionen lassen mich immer wieder erkennen, um was es wirklich geht. Gefühle. Fühlen. Dankbarkeit und Glück. Ich bin reich und dazu brauche ich nichts im Aussen.

Mental load

Mental load in einer Parnerschaft/ Ehe und mental load als Alleinerziehende. Ich kenne beides.

Mental load also.

Jeder kennt es, jeder muss damit umgehen, täglich. Manchmal klappt es gut und man kann sich auf die Schulter klopfen, wieviel man wieder geschafft hat. Yes!

Und dann gibt es die Tage, die sich so unendlich lang anfühlen. Wann ist dieser Tag endlich vorbei? Ich kann nicht mehr. Ich will nur noch Ruhe haben, die Kinder im Bett und schlafen. Bevor morgen alles von vorne beginnt. Uff!

Ebenso gibt es Tage, die viel mehr Stunden haben müssten und man sich fragt, wie man all das bloß abarbeiten  soll/ kann? Es ist zu viel zu tun, alles ist wichtig. Aber der Tag hat nur 24 h und ich fühle mich allein beim Gedanken daran erschöpft.

Es ist doch überwiegend so, dass der Mann Vollzeit arbeitet, die Frau in Teilzeit. Und genau deshalb kümmert sie sich um „Alles“!

Weil, wie ich es auch schon oft genug gehört habe:

„Du bist ja schliesslich auch mittags wieder daheim!“

Was so viele Frauen frustriert ist, dass der Partner nicht mitdenkt und die anfallenden Tätigkeiten schlichtweg nicht sieht. Es anders bewertet, oder es als Aufgabe der Frau sieht, oder aber es ihm einfach nicht wichtig, vielleicht sogar egal ist.

Frauen wollen Männer die mitdenken und Verantwortung übernehmen!

Frauen wollen keinen Mann, der sie im Haushalt unterstützt und ihnen unter die Arme greift. Nein!

Der Mann lebt auch in diesem Haushalt und hat ebenso seinen Anteil an Dreck, Wäsche, schmutzigem Geschirr usw. Er hilft nicht der Frau! Es ist nicht IHRE Aufgabe.

Bei Vielen ist das noch nicht angekommen und ja, verschreit mich als Emanze.

Emanze- als wäre das was Schlechtes. Als heisse das kontra Mann.

Nein! Es heisst pro Entwicklung und pro „die Zeiten ändern sich“.

Pro „meine Zeit ist nicht weniger wertvoll wie deine“ und „ich habe es auch verdient, mich mal auf die Couch zu setzen“.

Es ist pro „ich kenne meinen Wert“ und pro „ich bin viel mehr als nur das“.

Es ist pro Wertschätzung und Eigenverantwortung. Es ist pro „bist du ein teamplayer oder nicht?“

Es ist pro „respektierst du mich?“

Was ich meinen Kindern seit Jahren schon predige:

„Ich bin hier keine bezahlte Putzfrau und jeder packt mit an. Wir alle machen Dreck, also müssen auch wir alle ihn beseitigen. Du bist Teil dieser Familie und dieses Haushaltes, also bring dich ein. Wenn jeder sein Zeug wegräumt und alles dahin zurückstellt, wo er es herhat, haben wir viel mehr Zeit zusammen und können was spielen.“

Ich habe zwei Jungs und den Satz mit der bezahlten Putzfrau sage ich wirklich oft. 

Manchmal singe ich auch einfach gut gelaunt „I ain’t your mama, noooooo-o-o-oooo. I ain’t your mama, no!“

Wobei das „mama“ in diesem Fall natürlich für Putzfrau steht. Ich bin ihre Mama und verwöhne sie auch gerne mal. Wer nicht!?!

Mein Exmann hat das Lied gehasst, als es damals neu rauskam und im Radio hoch und runter gespielt wurde. Ich habe es von Anfang an geliebt. Ratet mal wieso? 🙂

In jedem Alter kann man helfen. Der 9 Jährige muss oft den Müll  rausbringen. Wenn er dafür beide Hände braucht, nimmt er den Zwerg mit, der ihm alle Türen öffnet auf dem Weg zum Mülleimer.

Jeder muss seine Tasse, sein Glas, sein Besteck und seinen Teller aufräumen. Und zwar IN die Spülmaschine und nicht irgendwo auf die Ablage stellen. Beim 5 jährigen klappt das oft besser, als bei dem Grossen.

Dafür liebt genau der es, Spiegel zu putzen und Staub zu wischen. Er putzt regelmässig seinen Schreibtisch und saugt ab und zu sein Zimmer.

Wer den Sand aus den Schuhen mitten in den Flur kippt, darf gleich den Staubsauger holen und es beseitigen.

Wer malen und basteln will, muss auch die Schnipsel vom Boden wegräumen und die Stifte zurück in die Kiste räumen.

Wer etwas verschüttet, muss es auch aufwischen. Wer daneben pinkelt, muss es selber wegmachen.

Manches machen sie sehr gerne und ich muss es nur einmal sagen. Und manches ist zäh.

„Ich will aber nicht… du sollst das machen…das war ich aber gar nicht…ich hab das nicht allein gemacht…das ist unfair…immer muss ich…warum muss immer ich…ich muss viel mehr als der andere…“

Manchmal bin ich zu lasch und sollte viel mehr darauf bestehen. Und manchmal geht es mir ums Prinzip und ich bestehe drauf, obwohl die Diskussion mich viel mehr Energie kostet, als die Tat an sich.

Frauen sind frustriert von dem Mann, der nicht sieht, dass der Wäschekorb voll ist. Nicht sieht, dass die Kinder gebadet gehören. Nicht sieht, dass die Betten bezogen werden müssen. Nicht sieht, dass das Kind Brote für den Kindergarten braucht.

Nicht sieht, dass die Fuss- und Fingernägel vom Nachwuchs geschnitten gehören.

Nicht sieht, dass die Spülmaschine fertig ist und geleert werden muss. Angestellt ist sie schnell.

Nicht sieht, dass der Tisch voller Krümel ist und abgewischt gehört. Dass der Mülleimer voll ist. Dass der Wäschekorb mit der gefalteten Wäsche schon tagelang rumsteht.

Nicht sieht, dass die Waschbecken dreckig sind und das WC mal wieder geputzt gehört.

Nicht sieht, dass die Milch sich zum Ende neigt und kein Brot mehr im Haus ist.

Nicht sieht, dass die Kinder dringend an die frische Luft müssen, dass durchgelüftet werden sollte.

Nicht sieht, dass der Kühlschrank leer ist und die Staubschicht immer höher wird.

Die Schränke gehören ausgemistet, die Kinder sind aus ihren Kleidern rausgewachsen.

Die Fenster und Spiegel müssten geputzt werden, in der Schule stehen Arbeiten an, für die das Kind lernen sollte. Die Hausaufgaben müssen korrigiert werden, das 1×1 geübt, das Gedicht auswendig gelernt.

Wenn das Kind krank ist? Wer bleibt zu Hause? Wer geht mit ihm zum Arzt? Zur Apotheke. Wer denkt an die pünktliche und regelmässige Einnahme der Medizin?

Wer räumt die Ablage auf und sortiert in Ordner? Wer erledigt Telefonate mit Versicherungen, Stromanbietern, Vermietern?

Wer geht zum Elternabend? Wer informiert sich über weiterführende Schulen und geht zu den Infotagen?

Wer macht Friseurtermine aus und begleitet die Kinder? Wer packt den Rucksack für Unternehmungen?

Wer bringt die Pfandflaschen weg und wer bringt das Glas zum Container?

Wer denkt an den Elternbeitrag im Kindergarten? Daran, dass wieder gefütterte Matschhosen und Gummistiefel nötig sind?

Wer denkt daran, das Essen in der Mensa zu bestellen, das Kind pünktlich zum Training zu fahren und auch wieder abzuholen?

Wer denkt daran, dass die Batterien am Spielzeug ausgetauscht werden müssen und wer besorgt die neue Glühbirne?

Wer schreibt die Einkaufsliste und sortiert verfallene Lebensmittel aus?

Wer ändert den Dauerauftrag, wenn die Miete erhöht wurde?

Wer packt mit dem Kind den Ranzen für den nächsten Tag und erinnert ans Spitzen der Stifte?

Wer kümmert sich darum, dass das Auto zum TÜV kommt, Winterreifen bekommt und dringend gesaugt und gewaschen werden muss?

Wer denkt daran, den Wasserkocher zu entkalken und die fettige Pfanne vom Vortag abzuspülen?

Wer tauscht die Handtücher aus, wenn es Zeit wird? Wer putzt die Wanne?

Es ist so, so viel, woran man denken muss. Und meist, sagen wir doch wie es ist, meist denkt eben die Frau.

Wenn es zu viel wird, macht das verbittert und wütend. Der Mann hat dann das Gefühl, er befindet sich auf einem Minenfeld und um ihn herum explodiert es, knallt und tut.

Er fragt dann genervt:

„Was ist denn jetzt schon wieder los?“

Oder er sagt Dinge wie:

„Dir kann man gar nichts recht machen!“ Oder auch: „Lass deine schlechte Laune nicht an mir raus!“

Er versteht nicht, dass er Teil des Problems ist. Dabei reicht es schon, wenn er Samstag morgens sagt:

„Ich fahr kurz in den Baumarkt“, während man selber noch nicht mal Zähne geputzt und 2 Kinder an sich kleben hat.

Er versteht die Welt nicht mehr, denn er war ja heut schon beim Bäcker und hat Brötchen für alle geholt.

Sie hat aber den Tisch gedeckt und wieder abgeräumt. Den Kindern ihre Brezeln beschmiert, den Tisch abgewischt und die Krümel unter dem Tisch zusammengefegt. Das alles ist der Grund dafür, dass sie weder geduscht ist, noch gekämmt, oder Zähne geputzt hat.

Sie wünscht sich zu hören:

„Ich gehe in den Baumarkt und nehme beide Kinder mit. Wir lassen uns Zeit und du kannst dich in Ruhe fertig machen. Danach können wir alle zusammen…“

Warum ist das so schwer?

Richtig, weil es viel aufwendiger mit Kindern ist und man nicht in Ruhe alles anschauen kann. Weil es manchmal einfach schön ist, allein im Auto zu fahren. Ohne Gemaule, ohne Kinder anschnallen zu müssen.

Wenn wir sagen, wir wollen putzen und aufräumen, bringt es nicht viel, wenn ihr nur mit dem grossen Kind eine Fahrradtour macht und das Krabbelkind da lasst.

Das alles ist mental load.

Ich kenne viele Mütter, die behaupten sie fühlen sich wie eine Alleinerziehende, obwohl sie es gar nicht sind.

Denen möchte ich sagen:

Oooohhh, ihr habt ja keine Ahnung!

Aber ich verstehe ihren Frust. Es ist manchmal schlimmer, zwar jemanden an seiner Seite zu haben, aber sich trotzdem so verlassen und allein zu fühlen.

Verrät mir einer, wo es diese kleine Insel mit Männern gibt, die nicht ins Klischee passen? Das weiss ich nämlich nicht.

Was ich für mich aber weiss:

Das will ich so nicht mehr. Ich bin gerne Frau und ich mache Vieles davon sehr gerne. Aber nicht immer und nicht, wenn es selbstverständlich ist und von mir erwartet wird.

Mi-Mi-Mittwoch

Heute bin ich so, so unendlich traurig!

Ich bin unsicher, wann ich das letzte Mal so dermaßen traurig war, dass auch mein eigenes Mantra mich nicht mehr erreicht:

„Alles wird gut! Alles IST gut!“

Nein, das ist es eben nicht!

Nichts ist gut!

Mein Unwort des Jahres ist definitiv „coronabedingt,“ lange wollte ich mich nicht mehr dazu so sehr äußern wie heute.

Die letzten Tage merke ich schon, dass mir das Alles ganz schön aufs Gemüt schlägt.

Heute hat es mich volle Breitseite erwischt.

7.15 Uhr musste ich minutenlang vor der Bäckerei warten, weil ich meinen Kindern heute eine Martinsgans versprochen hatte.

Es ist seltener geworden, dass ich überhaupt zum Bäcker gehe. Lieber backe ich mein Brot selber, oder bereite totmüde am Morgen das Essen der Kinder vor.

Es dauerte…eine andere Mama vor mir öffnete die Autotür ihres Wagens und fragte: „Alles noch gut?“ Dann lächelte sie ihren Kindern auf dem Rücksitz zu und wartete geduldig weiter.

Ausser ihr lächelte keiner. Auch ich heute nicht. Ich werde ungeduldig und zunehmend genervt, weil ich an „früher“ denke.

Nachdem ich meinen grossen Sohn an der Schule aussteigen lasse, holt er wie selbstverständlich seinen Mund-Nasen-Schutz raus.

Ich denke, er ist einfach nur glücklich, dass er in die Schule darf. Nicht wegen der Schule, sondern wegen den Freunden. Er nimmt es in Kauf. Es ist „normal“ geworden und bei dieser Beobachtung spüre ich es aufkommen.

Entsetzen, Angst, Wut und unendliche Trauer.

Dann ist mein Kindergartenkind dran.

Ich darf immerhin mit in die Garderobe, aber wir müssen uns dafür das Löwenzahnsymbol draußen schnappen. Wenn das hängt, heisst es, dass kein anderes Elternteil dieser Gruppe mit drin ist und wir haben freie Fahrt.

Mundschutz auf, Hände desinfizieren.

Nicht so, wie es sich gehört und wie ich es in meiner Ausbildung zur Krankenschwester gelernt habe.

Dafür habe ich nicht die Zeit und meine Hände sind auch nicht frei.

Ich ziehe den Mundschutz runter und bekomme einen Kuss. Das ist mir wichtig und das lass ich mir nicht nehmen.

Dann nichts wie raus und- tief einatmen. Das tut gut!

Ich musste noch 12 Minuten vor dem Lebensmittelladen Zeit totschlagen, bevor ich meine Kartoffeln kaufen konnte.

Mir fiel dieses Youtube- Video in die Hände: das Mutmachvideo von der Leipziger Demo vor wenigen Tagen.

Ich höre Massen, die schreien: Freiheit und Liebe!

Ich sehe lächelnde Polizisten, die der Menge den erhobenen Daumen zeigt. Ich sehe Polizeiwagen, auf deren Fensterscheiben Herzen gemalt wurden.

Ich sehe freundliche, lachende Gesichter. Eltern, Jugendliche, Kinder.

Unterlegt ist es mit Musik, die mich voll getroffen hat. Also sitze ich im Dunkeln auf dem Parkplatz in meinem Auto- und weine. Ich konnte nichts dagegen tun und es war mir auch nicht peinlich.

Gibt es jemanden in dieser Zeit, der sagt, dass er von Herzen glücklich ist und nichts am jetzigen Zustand ändern will? Herzlichen Glückwunsch! Ich bin mehr als neidisch.

Lange habe ich positiv gedacht. Konnte es zeitweise ja im Frühling noch richtig geniessen. Das Wetter war toll und in dieser Zeit passierte auch in mir sehr viel Wandel.

Auch jetzt noch sage ich:

„Wer diesen 1. Lockdown nichts für sich gewinnen konnte und nicht daran gewachsen ist, der hat was falsch gemacht.“

Es gab dieses Gemeinschaftsgefühl, das sich trotz Abstand sehr verbunden anfühlte.

Mit mir hat es damals viel gemacht und mir viel gespiegelt. Ich konnte meine persönlichen Lehren daraus ziehen.

Jetzt ist aber kein Frühling und es zieht mich auch nicht so sehr raus, das kenn ich tatsächlich nicht von mir. Ich bin gern zu Hause, meine liebsten Unternehmungen mit den Kindern fallen alle weg.

Klar, Spielplätze sind wieder beliebte Treffpunkte und mein Sozialleben lebt wieder.

Mein Sohn kann in die Schule und ich muss ihm nicht in Mathe neue Themen beibringen! Danke!

Mein Zwuckel liebt seine Löwenzahngruppe im Kindergarten und die Kinder sind ne feste Einheit geworden, seit unter den einzelnen Gruppen kein Austausch mehr stattfinden darf. Manche Kinder, mit denen er noch in der Kita war und die jetzt in einer anderen Gruppe sind, hat er teilweise seit März nicht mehr gesehen.

Auch ich erschreckte mich heute, als ein mir bekanntes Kind die Tür aufriss und aufs WC rannte. Lange nicht gesehen. Er ist gross geworden!

Mein heiss geliebter Sportplatz, der mir damals so sehr fehlte. Jetzt will ich nicht mehr hin.

Ich habe keine Lust. Keine Energie. Ich bin traurig.

Werden wir diese Masken je wieder los? Jetzt, wo wir so viele im Land haben. Jetzt, wo es sie sogar von mehreren Designermarken gibt.

Dank meiner Ausbildung kenne ich den Gebrauch von Masken und war immer wieder mal damit konfrontiert, seit Ausbildungsbeginn 1999.

Immer gab es Patienten mit zum Beispiel MRSA, die isoliert werden mussten.

Schaue ich mich um, wie die Mund-Nasenbedeckungen so im Alltag bestehen, fühlt es sich so schlecht und falsch an. Ich selber habe eine am Spiegel im Auto hängen.

Mein Sohn trägt seine in der Jackentasche. Manchmal ist sie auch in der Hosentasche, zusammen mit Steinen und Bonbonpapier.

Ich arbeite in der Psychiatrie. Die Patienten haben natürlich alle ihre Stoffmasken. Immer die gleiche, jeden Tag. Waschen? Auskochen? Dass ich nicht lache.

Sie essen im Speisesaal damit unter dem Kinn und du kannst Mahlzeiten der letzten Wochen darauf finden.

DAS ist die Realität.

Mein Sohn wird im September 2021 eingeschult. Dann ist er gerade 6 geworden. Wie wird es bis dahin?

Meine Jungs und ich haben heute Abend alte Fotos auf dem Laptop angeschaut.

Bei der Einschulung des jetzt 9 jährigen war die Welt noch in Ordnung. Auf einem Foto stehen alle Erstklässler strahlend und stolz auf der Bühne. Ich weiss, dass sie lachen, weil ich es sehen kann.

Die Stadthalle war voll und jeder hatte Eltern dabei und andere Angehörige. War das ein schöner Tag!

Auf einem Bild wird er gerade vom Rektor namentlich aufgerufen und geht stolz hoch Richtung Bühne. Auf dem Bild gibt es ein high five.

Das alles ist jetzt undenkbar geworden! Die Hand geben wir uns nicht mehr und lächeln sieht man jetzt auch keinen mehr, denn man trägt Maske.

Die Großmutter, die Patentante usw. können sich maximal Fotos davon anschauen. Dabei sein werden sie nicht.

Wir entdecken die Fotos vom Legoland 2019.

Wir strahlen! Alles hat geöffnet und die Jungs erinnern sich an das 4D-Kino und die tolle Zaubershow.

Diesen Sommer waren wir wieder da. Zu Coronabedingungen. Nur, weil der Sohn Geburtstag hatte und es sich so sehr gewünscht hat.

Keine Zaubershow, im Zug jetzt immer 1 Sitzreihe frei lassen und viel, viel Wartezeit. Alle Griffe müssen nach jeder Fahrt desinfiziert werden. Der Ninjagoshop…geschlossen. Gerade der!

Beim Anblick der Bilder fragte mein Sohn, ob wir bald wieder mal hin gehen könnten und diesmal lächelte ich nur. Nein, werden wir wohl nicht.

Vor kurzem schrieb ich noch, dass das Leben sehr wohl noch lebenswert sei, auch unter diesen Bedingungen.

Heute bin ich unsicher.

Auf Dauer tendiere ich eher zu nein.

Nur gesund sein, um arbeiten zu können? Wofür?

Werden wir in naher Zukunft nochmal zusammen Achterbahn fahren dürfen?

Das ewige Hoffen, dass die Kinder durchhalten und nicht krank werden, weil man ahnt, was es logistisch nach sich zieht, wenn es Fieber und Husten hat.

Mein Sohn ist im Geräteturnen und selbstverständlich braucht der Verein gerade jetzt meinen Beitrag.

Aber ich frage mich schon: wofür?

Heute hatte er „Training“ über Skype und es brach mir irgendwie das Herz. Zum Turnen gehört für mich ne Halle, sein Turnanzug, Geräte, die Gemeinschaft. Und nicht der Laptop.

Und wie hinter allem steht die Frage:

Wofür? Es steht definitiv kein Wettkampf an. Also wofür?

Alles fühlt sich heute sinnlos an und ich komme da nicht raus. Ich bin gereizt. Und unendlich genervt.

Ich bemerke, dass ich sehr unflexibel bin. Ich brauche meinen roten Faden und Dinge, auf die ich mich verlassen kann! Ich möchte auch nicht noch flexibler sein als jetzt, weil ich nicht mehr kann.

Ich will nichts mehr lesen über die Erwägung geänderter Ferienzeiten und pädagogische Tage, die ausfallen. Ich möchte bei Edeka nicht die Corona-Durchsage in Dauerschleife hören. Mich ärgert, dass es morgens um 8 keine Hefe gibt.

Heute bin ich traurig.

Weil mein Sohn kein Erntedankfest feiern durfte. Weil im Musikunterricht nicht mehr gesungen werden darf. Weil wir an Heiligen Abend wahrscheinlich keine Kerzen in der Kirche anzünden werden und uns über das Krippenspiel freuen.

Weihnachtsmarkt- fällt aus!

Geld sparen? Wofür? Für die Rente? Wenn nicht mal mein Morgen mehr sicher ist, wie kann es dann meine Rente sein?

Sparen für noch mehr materielles Zeug, das ganz nett zum Anschauen ist, aber mich nicht aufhören lässt traurig zu sein?

Um den Job kämpfen? Wofür? Wenn das Pflegepersonal nächstes Jahr beim Impfen als erstes bedacht wird und es bis dahin eine Impfpflich gibt, bin ich raus.

Mir tun die Kinder leid, die so viel nicht mehr dürfen. Und so Vieles müssen.

Ich will mich nicht mehr beschränken lassen. Mir vorschreiben lassen, ob ich meine beste Freundin besuchen kann. Mit wem und wo ich mich treffen darf. Wo ich hinfahre und wo ich übernachten will. Was ich unternehmen darf und was nicht.

Selbst ich- und ich behaupte, dass ich ein Stehaufmännchen bin und voller Lebenslust, ich laufe auf Sparflamme.