Schuldgefühle

Mein grosser Sohn ist 8 und in der 2. Klasse.

Von allen Seiten höre ich, dass er ein „Schlamper“ ist. Die Lehrerin sagt es mir bei jedem Gespräch. „Die Unordnung unter seinem Tisch ist schlimm!“

Regelmässig vergisst er sein Mathebuch und kann deshalb die Hausaufgabe erst am Folgetag machen. Dafür hat er ab und an die Unterlagen oder Bücher seiner Mitschüler dabei, so dass DIE ihre Hausaufgaben nicht machen können.

Es gibt Anrufe von Eltern, weil ihr Kind meint, dass mein Sohn deren Buch eingesteckt habe und ich soll dafür sorgen, dass er es am nächsten Tag zurückgibt.

Mehrmals wöchentlich ist seine Mensakarte und dazugehöriger Brustbeutel verschollen, darüber ärgere ich mich schon gar nicht mehr.

Er tauchte immer wieder auf, denn jeeeeeder weiß, dass das ihm gehört.

Ich habe von Kindern gehört, dass er kein beliebter Nebensitzer ist, da jeder, der neben ihm sitzt auch schlampig wird.

Ich selber bin sehr ordentlich und gewissenhaft mit meinen Sachen, so dass es mich wirklich in den Wahnsinn treibt, all seinen Kram beisammen zu halten:

Kleidungsstücke, Cappies, Trinkflaschen inklusive.

Seit der 1. Klasse ist es ein Drama.

Ich habe ihm schon Taschengeld für meine Spritkosten abgezogen, weil ich 2 Wochen in Folge zu Hause feststellte, dass er nach dem Training die neuen Turnschuhe in der Halle vergass.

Meine Nerven, die ich dabei liess, sind unbezahlbar.

Sein Trainer geht nach dem Training extra in die Umkleide, um liegengebliebene Gegenstände von meinem Sohn einzusammeln.

So geht nichts verloren, ich weiss, alles landet wieder daheim. Aber es ist unangenehm, wenn er wieder lachend sagt, dass das bald Geld kostet.

So hat er seinen Ruf weg! Ich gebe zu, ich habe auch kein Geheimnis daraus gemacht und es oft genug thematisiert.

Ich habe Augen verdreht, gestöhnt, geschimpft und gemeckert, ohne darauf zu achten, ob es Publikum gibt.

Mein Sohn ist ein feiner Kerl, er hat wunderbare Eigenschaften. Erstaunliches Einfühlungsvermögen und sehr feine Antennen.

Wenn es um seine Ninjago Karten geht, ist ihm Ordnung und Vollständigkeit sehr, sehr wichtig. Jede Karte hat ihren Platz in der Sammelmappe und wehe, da gerät mal was durcheinander!

Heute hatte er Training.

Er geht gerne hin und mag den Trainer sehr. Wenn er schlechte Laune hat, weiss ich, dass ich 2 h später ein glückliches, ausgeglichenes Kind abholen werde.

Beim heutigen Abholen war schon grosse Aufregung. Ich sah im Augenwinkel eine besorgte Mama, die offensichtlich nach etwas suchte. Ihr Sohn hatte nur eins von zwei Riemchen, die wir für die Reckübungen kaufen mussten.

Sie befragte ihren Sohn und hielt ihn an, danach zu suchen.

In der Zwischenzeit und unabhängig davon, bat ich meinen Sohn die Tasche zu öffnen, um jetzt und nicht erst daheim feststellen zu können, was diesmal fehlt.

Zuverlässig wie immer, hatte der Trainer das vergessene T-shirt von letztem Montag zurückgegeben. Gut!

Dafür fehlten andere Dinge. Er rannte los und holte sie. Auch gut!

Als die andere Mutter immer noch suchte, sah ich bei meinem Sohn mal nach. Er wurde bereits gefragt, sagte aber, dass er nur seine Riemchen habe.

Als ich kontrollierte….oh Wunder…Er hatte 3 Riemchen und die Mama war erleichtert.

Der Turnkollege sagte lächelnd: „Letzte Woche hast du meine eingesteckt und diesmal die von X!“

Ich war genervt und sagte:

“ Wenn was fehlt, immer zuerst bei Robin schauen!“

Im Auto war die Stimmung schnell explosiv. Ich bemerkte sofort, dass etwas hier nicht stimmte.

Ich höre es sofort an der Stimmlage. Er diskutierte über eine Sache mit mir, bei der mir klar war:

Hier kann es nicht um die Sache an sich gehen! Hier ist was faul!

Noch bevor ich klar denken konnte und fragen, ob etwas im Training vorgefallen ist…hatte ich meine Antwort.

Ich hatte gehofft, dass es nur eine Übung war, die heut nicht geklappt hat und ihn ärgert.

Aber nein! Heut war es etwas anderes.

Nachdem der Trainer ihm sein liegengebliebenes T-shirt überreichte und er seine Handschuhe für die Reckübung nicht findet konnte, habe der Trainer zu ihm gesagt: „Genau deshalb mag deine Mama dich nicht, weil du alles verschlampst!“

Bäääääm!

Ok, ok….Ich muss mich sammeln!

Inzwischen sind wir schon am Spielplatz angekommen und ich lasse den kleinen Bruder vergnügt zu seinen Freunden.

Ich gehe ums Auto herum, öffne die Tür vom kleinen Häuflein Elend.

Er weint wie verrückt und schluchzt, kann kaum reden. Ich muss ihm alles aus der Nase ziehen und mir aus den Bruchstücken die Geschichte zusammenreimen.

Ich frage ihn nicht, ob er aussteigen will, denn ich weiss, dass er sich für seine Tränen schämt.

Ich gehe in die Hocke, er sitzt zusammengekauert da und weint, kann sich nicht beruhigen.

Ich hake nach, ob er das genau so gesagt hat, so ähnlich, oder, ob er es evtl. falsch verstanden, oder falsch interpretiert hat.

Er ist sich nicht mehr sicher.

So, oder so ähnlich… irgendwie zumindest.

Ihn quält die Frage, WARUM er sowas sagt. WIESO sagt der sowas Gemeines?

Dass es nicht stimmt, dass weiss er ja, aber wieso tut er das?

Das sei in der Mitte vom Training gewesen und er habe dann kein Wort mehr mit dem Trainer geredet. Nur noch, wenn es um Übungen ging.

Der sei halt der Erwachsene und er das Kind, deshalb habe er einfach nichts gesagt.

Er leidet und mir bricht das Herz ihn so leiden zu sehen.

Ich erinnere mich an seine Kindergartenzeit, als er so alt war wie sein Bruder.

Da weinte er mal vor Wut, oder wegen einer Verletzung.

Jetzt geht es um menschliche Enttäuschung von einer seiner engsten Vertrauten.

Das tut richtig weh!

Ich weiss, dass er grossen Respekt vor seinem Trainer hat und dieser auch viel von ihm hält, das sagt er oft genug.

Nach ein paar Minuten kommt mein Sohn aus dem Auto und wir setzen uns beide auf eine Schaukel und reden.

Den kleinen Bruder hab ich im Auge, er ist beschäftigt und beachtet uns nicht.

Ich stelle mich vor meinen Sohn, er hat sich beruhigt.

Leise frage ich ihn, ob wir uns mal drücken sollen, oder ob ihm das jetzt zu peinlich sei.

Er antwortet nur mürrisch:

“ Peinlich!“

Ich erkläre ihm, dass man manche Dinge falsch versteht. Dass andere etwas sagen, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie sehr das den anderen verletzen kann.

Egal was für ein Fall das jetzt ist, sei es mir wichtig, dass er eins immer weiss:

Auch wenn 100 Leute so etwas behaupten, er soll immer wissen, dass seine Mama ihn über alles liebt. Er soll sich daran erinnern, dass ich es ihm jeden Abend vor dem Einschlafen sage und egal WIE schlampig und vergesslich er ist, dass das niemals die Liebe zerstört, die ich für ihn habe.

Es ist angekommen, ich kann es in seinem Gesicht lesen.

Die weiteren 2 h verliefen sehr harmonisch und wir hatten viel Spass.

Zu Hause habe ich mich aufrichtig bei ihm entschuldigt. Dafür, dass ich oft betont habe, wie schlampig er ist.

Dass ich mir Situationen in Erinnerung gerufen habe, die für ihn dadurch unangenehm gewesen sein können.

Vielleicht hat er sich geschämt.

Er nickte und gab mir auch die Hand: Entschuldigung angenommen!

Ich sagte ihm, dass ich diese Situation definitiv mit dem Trainer besprechen werde und fragte, ob er dabei sein will, oder, ob ich das alleine klären soll.

Er möchte nicht dabei sein. Akzeptiert!

Ich versprach ihm, dass das in Zukunft anders laufen wird.

Kein Gemecker mehr!Stattdessen sind wir 2 jetzt ein Team und ich helfe ihm dabei, an seine Sachen zu denken.

Nach der Schule werden wir uns ne ruhige Ecke suchen, im Ranzen schauen, ob alles da ist. Oder ob sich etwas rein verirrt hat, das gar nicht ihm gehört.

Dann kann er es gleich begradigen.

Ebenso nach dem Training.

Ohne Publikum.

Nur das Team. Nur er und ich!

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Hiobsbotschaften

Ein harter Wochenstart liegt hinter mir. Solange keine Ferien sind, fühle ich mich recht sicher und unterstützt. Gestern, Dienstag, kam die nette Dame von der Betreuung meines Sohnes auf mich zu. In der Hand hielt sie den Infozettel, dass am Freitag, also 3!!!! Tage später pädagogischer Tag sei und deshalb keine Frühbetreuung stattfindet.

Kurzer Anflug von Panik, denn ich arbeite Freitag und wusste nichts davon. Diesmal habe es wohl nicht gut geklappt mit der Weitergabe und es wurde sozusagen verschwitzt.

Kann ja mal passieren, aber schlecht für mich! Uns!

Ich beruhigte die traurig und besorgt schauende Betreuungskraft, sie machte sich Vorwürfe, das sah ich ihr an.

Ich versprach ne Lösung zu finden, wie immer.

Dennoch wirft mich sowas komplett aus der Bahn. Neben mir sass eine andere Mama. Sie versuchte zu helfen. Versuchte!Ihre Ideen: später zur Arbeit?Ähm, nein. Ich fang schon später an wie alle anderen Kollegen. Gerade jetzt ist Land unter durch viele Krankheitsausfalle.

Kind mitnehmen? Ähm nein. Denn ich kann ja dann nicht kurz die Arbeit verlassen, um Sohn zur Schule 2 Orte weiter zu fahren.

Frei machen? Ähm nein. Ausgeschlossen.

Den freien Tag am Donnerstag gegen den Freitag tauschen?Ähm nein. Absolut ausgeschlossen!!!

Nebenbei erzählte sie mir, wie kaputt sie zur Zeit sei. Ihr Mann habe Nachtschicht und deshalb habe sie morgens so Stress. Wenn der Sohn zur Schule muss, sei ihr Mann noch nicht da und die kleine Tochter schon wach.

Sie müsse sich fertig machen, Sohn fertig machen. Dann käme ihr Mutter, um bei der Kleinen zu bleiben, während sie den Jungen zur Schule bringt. Hmmmm.

In dieser Situation, an diesem Tag, in meiner Stimmung und Verzweiflung…es war wie ein Schlag ins Gesicht. Normalerweise lächle ich verständnisvoll und höre nur zu.Diesmal musste ich sie daran erinnern, was für ein Glück sie hat! Ihre Mama kommt und bleibt bei der Kleinen, wenn sie Sohnemann zur Schule bringt. Stress? Das ist absoluter Luxus!

Ich mache morgens mich fertig, 2 Kinder und dann verlasse ich mit beiden das Haus, denn zu mir kommt morgens niemand.

Ich bin sauer auf diese Mama. Sie kennt meine Situation. Dass ich nicht die Richtige bin, um Verständnis zu ernten, muss ihr klar gewesen sein.

Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht war ich nur egoistisch.

Was gibt mir das Recht, ihre „Probleme“ klein zu reden, ihr Befinden, ihr Stresslevel? Ich bin im Zwiespalt. Mitleid kann ich nicht leiden. Es lässt mich so klein erscheinen. Erbärmlich fühl ich mich da. Und das will ich nicht.

Ich weiss noch nicht wie, aber es wird eine Lösung geben!

Ich habe meinem Sohn 3 Möglichkeiten aufgezählt. Er soll wählen, welche ihm für Freitag am liebsten ist.

1. Ich frage im Kindergarten des Bruders nach, ob er die 1.5 h dort verbringen darf bis Schulbeginn.

2. Ich setz ihn 7 Uhr an der Schule ab und er ist dann eben alleine dort, muss sich die Zeit vertreiben.

(Kein gutes Bauchgefühl…das habe ich ihm aber nicht gesagt)

3. Er bleibt alleine zu Hause, ich rufe ihn von der Arbeit aus an und sage ihm, dass er jetzt loslaufen soll.

Mein Sohn entschied sich für eine 4. Version:

7 Uhr bring ich den Bruder zum Kindergarten und stelle seinen Ranzen an der Schule ab. Er schaut daheim Fernseh und ich rufe ihn an, wenn er das Haus verlassen soll.

Clever! Die Version gefällt mir gut, ist aber wieder ein neuer Meilenstein.Wenn er bisher gelaufen ist, habe ich in der Betreuung angerufen, ob er angekommen ist. Dann konnte ich beruhigt in den Tag starten.

Das fällt dann diesmal aus. Ich kann nur hoffen, dass er gut ankommt und ich mittags ein gesundes, fröhliches und stolzes Kind abhole. Puh! Looooooslassen! Ich lese so oft Artikel über Helikoptermütter. Bin ich womöglich auch eine?Ist das schlimm?

Kann sein, dass andere Mütter da cooler wären. Mein Sohn ist 8 und ich traue es ihm voll zu.

Ihm!

Aber ich traue allen anderen nicht! Ich versuche mich nicht reinzusteigern, was alles passieren kann.

Denn es wird NICHTS passieren. Rein gar nichts. Alles wird gut!

Ich bin die Mama! Ich muss Sicherheit ausstrahlen! Wenn nicht ich, wer dann!?! Wir werden es alle gut meistern!

-Ohm-

Ganz besondere Menschen

Wenn ich an die letzten 3 Jahre denke, fallen mir so viele Situationen ein, die mich sprachlos machten. Menschen, die mich sprachlos machten.

Nach der Trennung hab ich meine Arbeit verloren und musste mir was Neues suchen.

Ich war beim Bewerbungsgespräch für einen neuen Job und die Dame war neben meinen Unterlagen sehr interessiert an meiner privaten Situation. Sie schaute mitleidig und liess mich erzählen.

Ich war verwundert, so ein Bewerbungsgespräch hatte ich davor noch nie. Es kam mir wirklich seltsam vor.

Meine/unsere Situation war alles andere als gut.

Als sie so ziemlich alles wusste, bat sie mich darum, das, was sie mich jetzt frage, nicht in Verbindung mit dem Jobangebot zu bringen. Dieser Teil sei privat!

Sie erzählte, dass sie eine grosse Familie habe und sie zu Weihnachten immer zusammensitzen und wichteln. Jeder darf auf einen Zettel schreiben, was er sich wünscht, wenn er gezogen wird. Sie habe den Zettel ihrer Tochter dieses Jahr erwischt. Darauf sei gestanden, dass diese so viel Glück hatte im letzten Jahr. Sie persönlich wünsche sich nichts. Wer sie zieht, soll den ausgemachten Wert von 100 Euro jemandem geben, der nicht so viel Glück hatte und es brauchen kann.

Mitten in diesem Bewerbungsgespräch fragte mich diese Frau, ob ich ihr „Geschenk“ annehme und sie von mir erzählen darf, wenn sie an Heiligabend zusammensitzen?

Ich habe sofort geweint und konnte nicht mehr reden.

Vielleicht blieb es mir deshalb so in Erinnerung.

An meinem 1. Arbeitstag überreichte sie mir einen Umschlag. Darin eine sehr rührende, persönliche Karte und 100 Euro in bar.

Bis heute denke ich sehr, sehr oft an diesen Tag und freue mich bis heute, dass es solche Menschen gibt!

Eine alte Freundin, mit der ich meine ganze Jugend verbrachte, von der ich Jahre nichts gehört hatte, überraschte mich mit einem Paket. Wir fanden irgendwie durch diese Situation wieder zusammen und es war, als hätten wir uns gestern gesehen. Sie brachte mich zum lachen, hörte zu und war da!

In dem Paket war Legospielzeug für meinen Sohn und da sie gerne häkelt, auch etwas selbst gemachtes. Ob es ein Engel ist, oder eine Krankenschwester, darüber sind mein Sohn und ich uns bis heute nicht einig. Wichtig ist nur, dass sie mir Mut und Hoffnung geschenkt hat, jedes Mal, wenn ich an ihr ( ich denke es ist eine Krankenschwester) vorbei laufe. Bis heute!

Diese Freundin war übrigens auch die, die damals zu mir sagte: „Nein, das machst du nicht! Du liegst nicht rum und heulst, bis deine Kinder von Papa zurückkommen! Du stehst jetzt auf, gehst duschen, schminkt dich und ziehst das schönste an, was dein Schrank hergibt! Dann gehst du raus! Zu einer Freundin, Eis essen, oder was auch immer!“

Keine Ahnung woher ich die Kraft nahm, aber ich hörte auf sie und es tat mir gut.

Als die Kinder mit Papa eintrafen, war ich auch gerade zurück und mein Sohn rief von Weitem:

„Wow, Mama, warum bist du so hübsch?!?“ Er hatte mich SO schon länger nicht gesehen. Das tat mir gut und legte die Weiche!

Ebenso gab es da diese Freundin, die für 2 Jahre nach Amerika ging. Von dort aus schickte sie uns 3 Karten für ein Spassbad. Ich weiss, dass mein Sohn sich riesig freute und ich erinnere mich noch genau, was er sagte: “ Gell Mama, das ist wie mit dem Weihnachtsmann. Man kann gar nicht genug danken!“

Wir verbrachten dort sage und schreibe 7 h!!! Es war unsere erste grössere Unternehmung und wir hatten so viel Spass!

Danach war ich kaputt, aber so glücklich.

Es waren diese besonderen Menschen, oft nur flüchtige Bekannte, die mir Schuhe anboten für die Kinder. Gute Schuhe, oder gute Kleidung und sich rechtfertigten, dass sie getragen seien. Ich war so dankbar!

Bis heute begegnen mir diese Menschen!

Erst letzte Woche bekam ich eine Email vom Trainer meines Sohnes vom Turnen. Für die Reckübungen muss er verschiedene Dinge bestellen, um richtig trainieren zu können. Insgesamt 50 Euro.

Ich schluckte kurz, aber nur, weil mein Sohn so oft seine Sachen verschlampt und mir bei dem Preis deshalb etwas schwindelig wurde.

Ich wollte das Geld gleich am nächsten Tag überweisen und scherzhaft fragen, ob ich dafür gleich eine Versicherung abschliessen könne.

Keine 15 min später schrieb er mir erneut, dass es einen Sponsor gegeben habe, ich soll nichts überweisen, es sei erledigt.

Er hat mir geschworen, dass er es nicht ist. Ich habe auch den ein, oder anderen Verdacht. Aber wer es gezahlt hat, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben.

Es fällt mir immer noch schwer solche „Geschenke“ anzunehmen. Nicht empört zu sein! Nicht traurig, nicht gekränkt.

Sondern einfach nur DANKE zu sagen.

Danke ihr besonderen Menschen, danke ihr Wegbegleiter, danke Schicksal, danke Karma!

Was brauchen Familien wirklich?

Sunnybee lädt mit der Frage „Was brauchen Familien wirklich“ zur Blogparade ein.

Ich hab lange nachgedacht und kann nur für mich als alleinerziehende Mama von 2 Jungs sprechen. (8 und 4 Jahre alt)

1. Die Väter müssen viel mehr in die Pflicht genommen werden! Ich finde es immer wieder erschreckend, dass sie viele Rechte haben, aber null Pflichten.

Sie dürfen kurzfristig absagen, auch wenn die Mama arbeiten muss.

Sie dürfen keinen Unterhalt zahlen, zumindest kommen sie lange damit durch, ohne dass was passiert.

Sie müssen sich nicht an der Ferienbetreuung beteiligen.

Sie müssen nicht mit dem kranken Kind daheim bleiben.

Eigentlich müssen sie genau gar nichts!

Das ist eine Katastrophe! Denn die Kinder sind ja zu 50% auch ihr Anteil und den Teil kann man nicht abwählen.

Deutschland ist da wirklich lasch!!!! In anderen Ländern läuft das anders und ist gerecht verteilt.

2. Die Kinderbetreuung, vor allem in ländlichen Gegenden ist nicht ausreichend. Randzeiten sind nicht abgedeckt. Für mich als Krankenschwester immer wieder zum Nachteil und beruflich gesehen katastrophal.

Ich arbeite 50%, 5 h Arbeitszeit statt 7 h. Heisst, ich hätte mehr freie Tage, wenn ich 7 h arbeiten könnte, so wie die Kollegen.

In den Sommerferien ist der Kindi 3 Wochen zu, kein Plan B, keine Alternative!

Von der Arbeit aus dürfen wir aber nur 2 Wochen am Stück Urlaub nehmen. Vor allem in den Sommermonaten, wenn alle Urlaub haben ist da nichts zu machen.

3. Nach der Trennung kam diese Lawine. Ich hatte gefühlt 100 Baustellen, die ich angehen musste und es waren alles elementare Dinge, die geregelt werden mussten. Im Schlepptau 2 kleine Kinder.

Ich musste 3 mal beim Jugendamt anrufen und sagen:“ Hilfe, hilfe, grosse Not“, bevor ich endlich die Info bekam, dass es Leihomas gäbe.

Ich war entweder bei der Arbeit, oder mit 2 Kindern zusammen. Ich konnte nicht atmen, nichts in Ruhe vorbereiten, Ämtergange erledigen. Beide hingen an mir und ich dachte ich verliere den Verstand.

Es war eine grosse Überwindung dort anzurufen und nach Hilfe zu betteln. Das war in meinem Kopf nämlich ein Zeichen von Schwäche. Nicht zu funktionieren wie man soll, macht einen klein.

Im Hinterkopf immer der grausame Gedanke: wenn ich sage, dass mich das Ganze momentan sehr überfordert, dann nehmen Sie mir die Kinder weg.

Die Dame sagte mir klipp und klar, dass das Jugendamt nicht für meine Freizeitgestaltung zuständig sei. Das war hart! Ich wollte nicht feiern gehen. Oder Männer daten.

Sondern einfach mal die 100 Kopien fürs Jobcenter in Ruhe erledigen, damit wir endlich das Geld bekommen, um zu überleben.

4. Es braucht flexible Arbeitszeiten!

So, so sehr! So dringend!

Die Zeiten haben sich geändert, es gibt immer mehr Alleinerziehende.

Arbeitgeber passt euch an! Wir wollen arbeiten!!!!

Aber wir können nicht so, wie es immer gefordert wird.

Das ist ein Dilemma!

5. Die Bürokratie….Sie ist einfach so kompliziert und es ist so viel! Dass man am Boden ist und sowieso mit seinem Schicksal hadert, ist doch schlimm genug.

Aber diese ganzen Termine mit Jugendamt, Anwalt, Jobcenter, Bewerbungsgespräche usw….mit Kindern im Schlepptau….die Unterlagen raussuchen, die gefordert wurden, alles kopieren und schicken. Nach 3 Wochen nen Antwortbrief bekommen, hoffen, dass es der ersehnte Bescheid ist. Dann festzustellen, dass weitere Unterlagen gefordert werden. Hilfe! Es war so verrückt!

6. Dass die Kindergelderhöhung angerechnet wird find ich sowas von scheisse und absurd.

Es gibt 10 Euro mehr und die werden dem Papa an den Unterhalt angerechnet. Es kommt defacto nicht an wo es soll! Traurig und ein Armutszeugnis.

Ich denke das sind meine wichtigsten Punkte! Jetzt hab ich mich ganz schön in Rage geschrieben.🙄

Ein Tag ohne Auto

Ich hab keine Ahnung, was hier los ist, aber es ist der tollste Urlaub, den ich je hatte.

Wir sind sozusagen im Flow und es läuft einfach mal gut. Schon länger als eine Woche….ich habe Angst!😉

Heute mussten wir 9 Uhr unser Auto zur Innenreinigung abgeben und es dauerte bis zum Abend, bis wir es abholen konnten.

Ich hatte mich guuuuut vorbereitet.

Der Rucksack war gepackt: essen, viel Trinken, Umziehsachen für den Zwerg, falls unerwartet ein Pipiunfall passieren würde, Schnitzmesser, Schleifpapier, Feilen.

Ausserdem das Outdoor Set, bestehend aus: Lupe, Lupenglas, Kompass, Fernglas, Pinzette und anderen Utensilien, die man zum Insekten beobachten so braucht.

Es war EIGENTLICH als Geburtstagsgeschenk für den Zwerg gedacht.

Er machte „Siesta“, wie wir es nennen. Denn er denkt, Siesta bedeutet nur Ausruhen und das hat nichts mit Schlafen zu tun, also findet er es toll. ( Und schläft nach 1 min sofort ein).

Er schlief mit seinen neuen Ninja Schwertern aus dem Legoland ein und daran wird es liegen, dass er sich so gut anschleichen kann. Sein Bruder und ich hatten grad alles auf dem Tisch ausgebreitet und da stand er plötzlich und hat uns und sich die Überraschung versaut.

Das Auto war abgegeben und der Zwerg kroch bereitwillig in den Buggy.

Buggy, weil wir sonst in 100 Jahren nie angekommen wären. Ich hätte wählen müssen zwischen schreiend hinterherlaufendem Giftzwerg, oder ihn tragen. Beide Versionen gefielen mir nicht. Also Buggy!

Wir waren zunächst 6 h unterwegs….landeten überall und nirgends, entdeckten neue tolle Plätze, oder solche, die wir schon so lange nicht mehr gesehen hatten. Wir hielten, wo es uns gefiel. Wir hatten kein Ziel und die Zeit spielte keine Rolle!

Die Jungs schnitzten und fingen Käfer ein. Ich las ihnen einen Artikel über die Bienen vor und wie es aktuell um sie aussieht. Sofort wurde die Biene anerkennend aus dem Lupenglas befreit.

Sie lachten, sangen, klopften mit 2 Stöcken auf Holz und ich musste das Lied erraten.

Es war herrlich entspannt.

Ich für mich weiss, warum ich diese Ferien so sehr geniesse!

Keine Termine! Nichts geplant!

Keine Schule, die macht echt viel kaputt im Alltag.

Dieses freie Spielen, Kind sein, ungezwungen sein, tun, wonach einem ist…wie oft gibt es das unter der Woche, wenn nicht grad Ferien sind?

Über 3 Stunden am Stück baute der Grosse gestern sein neues Legoauto zusammen und war nicht zu bremsen. Es gefällt mir ihn so zu sehen: vertieft, konzentriert und voller Eifer.

Ich beobachtete beide lange und sie sahen wirklich glücklich aus. Viel zu selten schau ich mir sie so ganz genau an. So richtig, ohne abgelenkt zu sein, so mit Ruhe.

Sie sind so verschieden und dennoch harmonieren sie. Zusammen langweilen sie sich nie, im schlimmsten Fall wird eben gekämpft.

Wir waren auf dem Sportplatz, dem Spielplatz, bei Netto, beim Bäcker, am Fluss, auf dem Friedhof, im Park….überall gab es so viel zu tun und sie vergassen mich völlig.

Als wir Lust auf Eis hatten, sind wir die gut 4 km nach Hause gelaufen. Es war so heiss und der Weg schien nie zu enden. Der Grosse fing an zu motzen.

Meine letzten 50 Cent hab ich in die Waschanlage (zum selber waschen) geworfen und als der Zwerg den Schlauch betätigte, drehte es ihn durch die Wucht 1 mal im Kreis. Wir lachten, er weinte. Wir machten uns nass….und es war herrlich erfrischend.

2 Männer und der Dönermann schauten uns zu, sicher haben sie das noch nicht oft gesehen.

Zu Hause setzten wir uns auf die Couch und schauten Pipi Langstrumpf, dann assen wir ein Eis.

Kaum war 1 h rum, rief der Mann an, um zu sagen, dass das Auto fertig sei und wir es bis 17.30 Uhr holen konnten.

1 h hatte ich für den Weg zur Bank und Bis zum Auto einkalkuliert, es waren etwa 4.5 km. Der Grosse war k.o und fuhr deshalb mit dem Rad, Hauptsache nicht mehr laufen.

Nach 1 h und 3 min kamen wir dort an, völlig nassgeschwitzt und platt.

Wie schön war es, mit dem Auto nach Hause zu fahren, wir machten erleichtert „aaaahhhh“.

Wir stiegen aus dem Auto und sofort brach ein Streit zwischen den Brüdern aus. „Du bist dumm“, ein Satz, auf den ich allergisch reagiere. Ich ermahnte sie und sie hatten 10 Sekunden Zeit aufzuhören, dann gab es definitiv heute kein Fernsehen mehr. Sie machten grosse Augen, der kleine lief dem Grossen nach, um ihn wild zu drücken. Sie küssten sich, mit Blick zu mir. Sie kicherten. „Du bist der beste Bruder!“

„Kuck Mama, wir lieben uns!“ Pause. „Können wir jetzt fern???“

Ich befahl, dass alle auf die Couch müssen und Fernseh schauen. Und auf keinen Fall dürfe man sich bewegen. Der Grosse lachte und versprach zu gehorchen.

Ich kochte und nach dem Essen ging es weiter. Der Zwerg wälzte sich auf der Couch rum und wollte offensichtlich gerne schlafen. Wir kuschelten. Er drückte mich. Und ich ihn. Er kam nicht zur Ruhe und ich ging ins Bett, wusste, er würde mir folgen und hoffte, er schlief schnell ein.

Er folgte mir, ja. Aber schreiend! Er zerrte an mir und wollte zurück auf die Couch. Aber nicht alleine, mit mir. Er schwitzte schon vor Anstrengung und ich gab nicht nach. Er zog an mir, nahm mir die Decke weg und wollte mit aller Macht mit mir auf die Couch. Er schrie hysterisch:“Schnell, hol mir Wasser, sonst sterbe ich!“ Ich musste lachen. Er schrie noch lauter.

Er machte ne riesen show und ich sagte, dass er mir vieeeel zu laut sei. Ich würde gern mit ihm kuscheln, aber dafür müsse er aufhören. Oder rausgehen. Wie auf Kommando verstummte er, atmete 3 mal tief und weg war er, unsere Drama Queen.

Natürlich schlich ich zum Grossen auf die Couch, ich wollte auch den Film weiterschauen. Er legte sich zu mir, ganz nah. „Du bist die beeeeeste Mama. Ich liebe dich. Weisst du wieso? Weil ich dich einfach liebe!“

Ohoooo. So oft wie wir streiten und miteinander kämpfen, ist das wirklich schön zu hören.

Oft genug bin ich auch eine dumme Mama. Heute war ich die Gute. Es macht mich glücklich.

Und ja, heute war ich es wirklich und klopfe mir auf die Schulter.

Legoland

Am Wochenende waren wir im Legoland. Wir heisst, meine Söhne und ich.

Nur 2 Hände und 2 Augen für 4 schnelle Füsse!

Seit fast 3 Jahren träumt mein Grosser davon und ich habe ihn immer vertröstet.

Eine Weile war es finanziell undenkbar und ich habe es mir schlichtweg nicht zugetraut!

Ich fand den Kleinen noch zu klein und war sicher, dass es nicht schön und entspannt wird.

Aber jetzt! Jetzt wird der Zwerg in 5 Tagen schon 4 Jahre alt und jetzt habe ich es mir zugetraut!

Weil es so ein lang gehegter Traum war und er so lange auf Erfüllung gewartet hat, beschloss ich, es gleich richtig zu machen: Übernachtung und 2 Tage Legoland.

19 Uhr am Vorabend waren beide schon im Traumland und ich freute mich über den Erfolg, denn ich wollte früh am nächsten Tag losfahren.

20.30 Uhr waren bereits beide hellwach und meinten, sie seien zu nervös, um weiterzuschlafen. Es ging dann aber doch.

Die Fahrt war laut wie immer, daran hab ich mich gewöhnt.

Die Stimmung war fantastisch und es wurden Lieder gedichtet und gesungen.

Mein Herz pumperte erst richtig, als ich es auf dem Schild sah und zum Parkplatz abbog. Da fielen uns 3 große, bunte Legosteine auf einem Hügel auf.

Ich hatte Onlinetickets und war etwas nervös, wie das alles laufen wird und ob alles so hinhaut.

In den Parkplatz wurde man eingewiesen, Denken nicht nötig.

Allein der Eingangsbereich war schon spektakulär und ich war verwundert, wie schnell, modern und unkompliziert alles war. Man wurde nett begrüsst, Ticket mit Strichcode kurz eingescannt und zack, waren wir drin.

Es war überwältigend! Auch für mich!

Wir haben am 1. Tag etwas Gas gegeben, weil wir so viel wie möglich sehen wollten. Ich war etwas angespannt, weil ich Angst hatte einen zu verlieren.

Wenn der Grosse zum 10. Mal wieder vorlief und sich wie ein Schlafwandler zum nächsten Ziel begab, nicht rechts, nicht links schaute, nichts hörte…dann war ich angespannt.

Am 2. Tag wusste ich dann schon wie es läuft, wir wussten wo was ist, was gut und was nur so lala war. Wir hatten besprochen, was wir weglassen, was dafür aber auf jeden Fall nochmal gemacht wird.

Wir waren im Kino. Natürlich Ninjago. In 4D. Ich gebe zu, ich hatte keine Ahnung was 4D ist. Bis gestern.

Wir sassen da also mit unseren 3D Brillen und das war ja schon aufregend genug. Es regnete Sprühregen von der Decke, bei Wind wehte dieser einem tatsächlich um die Ohren und Explosionen konnte man riechen. Gigantisch.

Mein Highlight war, als der Zwerg nach einer Papierrolle greifen wollte, die so nah schien und dabei seinen Vordermann an der Glatze kraulte, ohne dies zu bemerken.

Ich dachte ich sterbe an Atemnot. Ich lache viel und oft, aber SO schon lange nicht mehr.

Wir waren ein super Team und ich so entspannt wie gefühlt seit Jahren nicht. Wir haben so viel gelacht, getobt, ich hab alles mitgemacht, hab die Kinder bestimmen lassen, hab mich einfach treiben lassen und zu allem ja gesagt.

Auch wenn mir schlecht wurde, wir danach pitschnass waren, oder ich mit Laser auf die Gegner der Ninjas schiessen musste.

Ich sass 2 h rum, nur um den Jungs fasziniert beim Bauen zuzuschauen. Autos, die sie dann auf der Rennbahn gegeneinander starten konnten, um zu schauen, welches weiter kommt.

Einiges hat so sehr Spass gemacht, dass wir es 5 mal in Folge gemacht haben. Raus und gleich wieder angestellt. Oder auch nicht angestellt, denn es war teilweise gar nichts los.

Mein Fazit:

Ich bin glücklich, wenn meine Kinder glücklich sind.

Ich sollte mir definitiv mehr zutrauen und mutiger sein.

Noch MEHR zutrauen und noch MEHR mutig sein, denn das Ergebnis ist dieses Gefühl, das einem niemand nehmen kann.

Ich sollte und werde wieder öfter loslassen und Kind sein, auch wenn ich mich dafür zum Affen machen muss. Es macht so viel Spass und tut so gut, wenn man sich nicht fragt:

„Was denken die Leute?“

Ich liebe es, Zeit mit meinen Kindern zu verbringen!

Ich hab mal wieder den Beweis, dass wir ein Dreamteam sind, jeder kennt seine „Rolle“ und alles harmoniert.

Ich weiss wieder, was mich WIRKLICH glücklich macht und mir Kraft gibt.

Der Kleine ist jetzt gar nicht mehr soooo klein, ich will noch so viel mit ihnen unternehmen, erkunden, entdecken, erforschen, bereisen und sehen.

Der Weg ist das Ziel und das Leben ist schön. Ich packe es an!

Hoch die Hände…Papa Wochenende

Ab Tag Nr. 9 in etwa merke ich, dass ich ne Pause brauche. Dann hab ich keine Energie mehr, keine Geduld und ich mag dann nicht mehr.

Es ist kräftezehrend, wenn man alle Entscheidungen alleine treffen muss, sich ganz alleine um Hauhalt, Organisation, Schule, Kindergarten, Hobbies, Termine, Unternehmungen und Einkauf kümmern muss.

Nebenbei muss ich ja auch Geld verdienen und muss zu der ANDEREN Arbeit, der bezahlten Arbeit.

Es ist schwer, alles zu schaffen und dennoch schaff ich es. Meistens sogar ziemlich gut. Manchmal aber so gar nicht gut.

Dann bin ich frustriert und wütend, genervt und traurig.

Ich wünschte mir, dass ich mich wie andere Mamas mit meiner Freundin treffen könnte. Das Haus verlassen, durchatmen und mit guter Laune wiederkommen.

Ich muss darauf 12 Tage warten.

12 lange Tage, die neben dem Spass, den wir gewiss haben, auch diesen Gedanken in mir weckt: „Der ganze Scheiss bleibt an mir hängen, verflucht!“

Wenn bei uns Papa-We ansteht, bin ich meist aufgeregter als die Kinder. Die kennen es schon und freuen sich.

Ich packe die Taschen für beide, hoffe, dass es reicht und dass ich auch alles wieder zurückbekomme. Zur Zeit funktioniert es sehr gut, es gab schon andere Zeiten.

Ab 17 Uhr heisst es warten. Meist kommt da in etwa die SMS, dass er losfährt.

Ich versuche gerade in diese Zeit viel Ruhe und Liebe zu packen. Dann dauert es ca. 1 h bis es an der Tür klingelt.

Ich bin aufgeregt und freue mich, sage das auch den Kindern. Sie wissen, dass ich diese 2 Tage ohne sie nicht traurig bin, sondern sie richtig geniesse.

Das macht es auch einfacher für sie. Ich komme klar. Allein sein find ich ( inzwischen) richtig schön.

Dann hebe ich meinen Zeigefinger und sage betont: „AAAAABER“… Der Grosse beendet den Satz: „…Aber du freust dich auch, wenn wir wieder zurück kommen!“ Genau!

Die Kinder stürmen zur Tür und streiten, wer den Türöffner drückt.

Der Grosse zieht seine Schuhe an, der Kleine läuft dem Papa in Socken zur Treppe entgegen und plappert los. Alle begrüssen sich, dann rufe ich beide Jungs zurück, weil sie vor Aufregung vergessen haben, sich von mir zu verabschieden.

„Oh!“

Beide drehen um, ich bestehe auf eine dicke Umarmung, wünsche ihnen viel Spass und sage, dass ich sie lieb habe. Immer!

Strahlend und glücklich sehen sie aus, wenn sich die Tür hinter ihnen schliesst.

Durchs Fenster beobachte ich sie noch. Sehe, wie der Papa den Zwerg anschnallt und lächelt, weil er schon wieder ein neues Lied kann. Oder ein Gedicht. Dann geht der Motor an und ich sehe sie wegfahren.

Ich atme tief durch. Noch bin ich nicht beruhigt. Spätestens 1 h später frage ich nach, ob alles gut ist und sie gut angekommen sind. DANN und erst dann beginnt die Verwandlung. Dann bin ich keine Mama mehr.

Ich schaue Serien, esse vorm Fernseher, koche mir was schönes, pflege mich, lese, bade, mache Sport und manchmal arbeite ich auch.

Ich fühle mich frei, muss kein Vesper machen, keine Kinder ins Bett bringen, ich geniesse die Stille, kein Geschrei und Gestreite. Ich liebe es.

Manchmal höre ich laut Musik und tanze dabei.

Manchmal kümmere ich mich um den Haushalt und manchmal lass ich alles liegen.

Manchmal treffe ich Freunde, manchmal will ich bewusst alleine sein.

Es ist immer das gleiche. Es ist, als hätte gerade jemand mit den Fingern geschnippst, zack, Sonntag.

Ab mittags schaue ich oft auf die Uhr. Einerseits freue ich mich auf die zwei und habe sie auch zwischendurch mal kurz vermisst.

Andererseits bin ich traurig, dass es schon vorbei ist, ich wollte doch noch so viel machen und tun!

Sonntag Nachmittag bin ich schon wieder Mama, lege frische Schlafanzüge raus, die Kleidung für Montag und bereite alles zum Baden vor.

Denn das ist das erste, was gemacht wird, wenn sie wieder kommen.

Sie riechen nach Papa und in den Taschen ist alles zerwühlt und durcheinander. Ich habe keine Ahnung was sauber ist und was nicht, schmeisse also alles in die Waschmaschine.

Ich will jetzt sauber Kinder.

In der Badewanne beobachte ich sie, lasse mir vom Wochenende erzählen und freue mich, dass ich sie wieder habe. Denn ich wollte immer Mama sein.

Ohne meine Kinder wollte ich nie leben, auch wenn es noch so anstrengend ist!

Ich trockne sie ab, lache mit ihnen, oft machen wir dann Quatsch und ich lasse mir viel Zeit.

Ich habe Geduld, meine Speicher sind voll. Ich kann wieder einiges aushalten.

Wir kuscheln uns ins Bett, sie streiten sich um ein Buch und es endet damit, dass der Kleine gewinnt, ich ihm vorlese und der Grosse dann selber sein Buch liest.

Beide kuscheln sich an mich, ich geniesse es.

Ich weiss, sie haben es nicht leicht.

Es ist sicher schwer, wenn man sich immer entscheiden muss…Mama ODER Papa und nie beide auf einmal hat. Ist man bei Mama, vermisst man Papa und umgekehrt.

Für mich ist es besonders an bestimmten Feiertagen hart. Wenn ich zb Weihnachten oder Silvester arbeiten muss und sie bei Papa sind.

Meine Kollegen gehen nach der Schicht nach Hause und können trotzdem noch Zeit mit ihren Lieben verbringen, zusammensitzen und reden.

Wenn ich nach der Schicht heimkomme, sind meine Kinder nicht da. Sie kommen auch nicht später. Vielleicht erst 2 Tage später, wenn alles vorbei ist.

Was mich tröstet: Silvester bei Papa ist eh viel cooler. Da gibt’s richtiges Feuerwerk und die Jungs lieben es.

Ich gönne es ihnen und versuche nicht traurig zu sein, sondern mich mit ihnen zu freuen. Es gelingt mir auch, denn sie sind so aufgeregt beim Erzählen. Ihre Augen sind weit aufgerissen und mein Herz wächst bei jedem Satz.

Diesen Monat fällt der 4. Geburtstag meines Sohnes genau aufs Papa-Wochenende. Als ich das feststellte, hab ich fast geweint. Dieser Tag ist heiliger wie Weihnachten und ich kann mir weiss Gott nicht vorstellen, ihn an diesem besonderen Tag nicht zu sehen.

An diesem Tag habe ich ihn geboren! Nie will ich da ohne ihn sein.

Der Papa ist einverstanden, dass er die Jungs statt Freitag erst Samstag Mittag holt, dann hat jeder was davon.

Ich habe ihn gleich nach dem Aufwachen, wir können Kuchen essen und er kann mein Geschenk auspacken. Ich kann ihn drücken und ihm sagen, wie sehr ich ihn mir gewünscht habe! So, so sehr!

Es ist dann ok und nur gerecht, dass der Papa den Rest des Tages mit ihm verbringen darf.