What a beautiful day

Heute war einer dieser sauanstrengenden Tagen und trotzdem grinse ich vergnügt vor mich hin wie ein verliebter Teenager.

Mein Sohn ist seit gut 3 Jahren im Geräteturnen und heute war mal wieder Wettkampf, ein sehr wichtiger noch dazu.

Landesfinale, der höchst mögliche Wettkampf in seiner Altersklasse.

Wir sind geübt, denn, besonders in diesem Jahr gab es sehr viele Wettkämpfe.

Der Wecker klingelte um 7.30 Uhr, ich freute mich auf den Tag und hatte ein gutes Gefühl.

Ich schnippelte Obst und packte alles in den Rucksack, was man so braucht, wenn man stundenlang auf irgendeiner Tribüne rumsitzt.

Die Jungs kamen zusammen in die Küche und machten einen müden Eindruck. Viel Zeit zum Nachdenken war nicht, ebenso wenig, um grosse Aufregung zu verspüren. Waschen, Anziehen, Zähne putzen. Ich duschte und liess mir 2 min länger Zeit, weil das Geschrei da draussen mich so gar nicht lockte. Diesmal ging es um die Legos und ob es mit Absicht oder aus Versehen zerstört wurde.

Der obligatorische Turnbeutel wurde gepackt. Darin befinden sich 50% unseres Hausrats und so ziemlich alles an Spielzeug, was den kleinen Bruder lang genug beschäftigt: Autos, Superhelden, seine Lupe, Dinos, ein bisschen Werkzeug und das gebastelte Ding von gestern, das scheinbar ein Instrument sein soll. In Wirklichkeit ist es eine Küchenrolle mit etwa einer Rolle Tesa wild draufgeklebt.

Also gut! Los geht’s!

Der Kleine ist seit 2 Wochen ohne Windel und die Erfolge nur mittelmässig. Ich war aufgeregt, ich gebe es zu.

Der Grosse versicherte sich, ob es nicht doch besser wäre, ihm wieder ausnahmsweise eine Windel dranzumachen, da wir über 1 h Fahrzeit hatten.

„Nein, das schafft er“, sprach ich mir selber Mut zu.

Mein Fazit zu diesem Thema: jaaaaa, er hat es geschafft. Aber er hatte auch grossen Spass daran viel zu trinken und dann lachend zu rufen: “ Ich muss pippi!“ Ich schnappte ihn jedes Mal, rannte mit ihm die 30 m zum Flur, die Treppe runter und ….ahhhhh, geschafft.

Insgesamt machte ich das Spiel 9 mal mit in ca. 4 h . Ich habe mehr Kalorien verbraucht, als so mancher Turner an diesem Tag. Nerven übrigens auch.

Vom Auftritt selber habe ich nichts verpasst, also war ich dankbar für das timing und nahm es mit Humor.

Nach dem 1. Durchgang sah ich das zufriedene Nicken des Trainers und die leuchtenden Augen meines Sohnes. Er setzte sich vor mich und ich flüsterte ihm ins Ohr: „Da ist wohl einer gut drauf heut, was?“

Er nickte und zwinkerte. „Mama, ich glaub das wird heut was Gutes!“

Letztes Jahr wurde er 7. beim Landesfinale und es war sehr ernüchternd für ihn.

Diesmal wollte er aufs Treppchen und ne Medaille, egal welche.

Es lief! Er war in Form! Und ich so aufgeregt wie noch nie.

Ich bin diese Art Mama, die sich laut freut und auch ein bisschen peinlich ist, weil ich klatsche bis die Handflächen glühen und auch juble, weil ich einfach nicht anders kann.

Ich freu mich, wenn er gut turnt und hoffe, dass ihm kein fetter Patzer passiert, den er sich vorwerfen wird.

Er strengte sich richtig, richtig an und selten sucht er Blickkontakt zu mir. Diesmal hatte er 14 Punkte am Barren abgeräumt und unsere Blicke trafen sich, obwohl er am ganz anderen Ende der Halle sass. Ohne Ton jubelten wir einander zu!

„Reiss dich zusammen….contenonse Mama“, dachte ich…bevor ich mich weiter freute.

Warum mein Herz schneller schlägt?

Ich bin stolz auf ihn, keine Frage!

Ich freue mich, dass er etwas gefunden hat, für das er so brennt und auch noch Erfolg damit hat.

Noch mehr als über seinen aufrechten Gang, freue ich mich darüber, dass er die Möglichkeit hat zu einem Team zu gehören und sich mit anderen vor jeder Platzierung die Nervosität teilen zu können.

Dass er sich für andere freut, wenn die auf dem Treppchen stehen. So wie die Gewissheit zu haben, dass sie für ihn klatschen, wenn er auf dem Treppchen steht.

Ich freue mich sehr darüber, dass er viel selbstbewusster ist, als er es noch vor 1 Jahr war.

Dass er mutig ist und sich was zutraut, bereit ist für Ziele zu kämpfen und alles zu geben.

Ich finde es beeindruckend und unheimlich stark, dass er sich über den 2. Platz genauso gefreut hat, wie über den ersten. Er hatte ein Ziel, das hat er geschafft.

Um gut zu sein, muss man nicht 1. sein. Er hat sein allerallerbestes gegeben und da darf man gewiss stolz auf sich sein. Er hat sich nicht eine Sekunde geärgert, dass er nicht die Goldmedaille bekommen hat.

Ich freu mich, dass er einen tollen Trainer hat, der eine sehr wichtige männliche Bezugsperson geworden ist, denn in seiner Welt ist er umgeben von Frauen.

Und wenn ich klatsche, beklatsche ich immer auch ein bisschen mich selbst. Er weiss es nicht, aber sein Turnen ist sauteuer.

Oft nach der Trennung hatte ich schlaflose Nächte, weil dieser Betrag wieder abgebucht wurde und ich es mir eigentlich gar nicht leisten konnte.

Wie froh bin ich heute, dass ich nie daran gedacht habe ihn abzumelden. Keine Minute! Lieber hätte ich 2 Monate nur Brot und Butter gegessen.

Jeder Wettkampf erinnert mich daran, dass alles, wirklich alles sich gelohnt hat und gut investiert war.

Jede seiner Medaillen erinnert mich daran, wie stark und mutig ich war, denn ich hab es ihn nie spüren lassen und ihm fehlte nie etwas.

Wenn ihr mich also anschaut, ich Freudentränen in den Augen habe und wild klatsche….ist das nicht peinlich. Es ist die Erleichterung! Das pure Glück! Der Stolz! Und die Tatsache, dass alles schon viel schlechter war und wir alle stolz sein können.

Wir hatten einen Deal: kommt er aufs Treppchen, darf er einmal Training schwänzen. Er verriet mir, dass ihn das angetrieben habe, in der Hoffnung, dass er stattdessen Fernseh schauen dürfe.

Am Ende sagte er:“ Ach, ich geh lieber doch ins Training, ich will ja schliesslich besser werden!“

Dafür nehme er dann lieber 5 Euro, so wie es sein Turnerfreund für den 3. Platz von seinen Eltern bekommt. Das komme ihm eher entgegen.

Er konnte lange nicht einschlafen und zeigte mir dann wieder, warum ich ihn so sehr liebe. Er drückte seinen Bruder und mich plötzlich und unerwartet, mitten aus der Stille heraus und sagte:

“ Ich könnte euch gar nicht mehr lieben und stolzer auf euch sein!“

Er…stolz auf uns…der, der beim Landesfinale auf dem Treppchen stand. Ich schüttel den Kopf.

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Geschwisterliebe

Gerade durfte ich einen magischen Moment erleben, der mein Herz erfüllte.

Mein Kleiner schlief schon tief und fest, der Grosse legte sich dazu und ich mit.

Ohne mich geht nichts und die zwei schlafen zusammen im Bett, weil keiner alleine sein will.

Als wir vor fast 3 Jahren in diese Wohnung gezogen sind, haben wir lange alle zusammen in einem Bett geschlafen.

Erstens, weil ich kein Schlafzimmer habe und zweitens, weil mich das am wenigsten Kraft gekostet hat. Die Energie jeden einzeln in den Schlaf zu begleiten, die hatte ich damals wirklich nicht. Noch dazu habe ich Kinder, hinter denen man nicht einfach so mal die Tür zu macht und dann schlafen sie. Gewünscht habe ich mir das oft, aber in der Realität ist das ins-Bett-bringen der grösste Kraftakt des Tages, bis heute.

Ich weiss, dass die Brüder sich sehr lieben.

Oft merkt man im Alltag nicht sehr viel davon, denn am Tag sind beide meist im „Kampfmodus“.

Es wird gehauen, provoziert, Kräfte gemessen, diskutiert, beleidigt, gekränkt, geschubst, getreten, geboxt, beschimpft…fehlt noch was? 😫

Momente wie vorhin sind deshalb umso kostbarer. Der Grosse konnte vom schlafenden Zwerg nicht die Finger lassen. Er küsste und streichelte seinen Kopf, hielt seine Hand ganz fest und drückte sie an sein Herz.

Er flüsterte mir zu:“ Ich liebe ihn so, so sehr, Mama!“

Immer wieder formte er ein Herz mit seinen Händen, nachdem ich ihn ermahnt hatte leise zu sein, um ihn nicht zu wecken.

Er schaute ihn lächelnd an, stützte dabei seinen Kopf mit der Hand ab und musste sich bei jeder kleinen Bewegung den Mund zuhalten, um nicht loszuprusten.

Ich bin Einzelkind. Ich hatte immer viele Freunde zum Spielen da, aber wenn die abends heim gingen, war ich allein.

Genau deshalb wollte ich immer 4 Kinder haben, am liebsten alles Jungs.

Der Wunsch zog sich durch die Realschule hindurch, ich war mir sicher.

Als mein Grosser 2011 geboren wurde, war ich vor Müdigkeit ganz benommen. Er war gefühlt 2 Jahre rund um die Uhr alle 2 h wach. In der Krabbelgruppe war ich die einzige Mama, deren Kind nachts noch nicht durchschlief.

Er schlief nur auf mir, direkt neben mir und immer wollte er meine Hand. Wenn ich es wagte mich zu bewegen und mir sicher war er schlief, riss er die Augen empört auf. Wenn er auf meinem Arm einschlief, konnte ich ihn nicht einfach ablegen, er merkte das sofort und schrie los.

Mittagsschlaf war schnell nicht mehr sein Ding, er war Fan von powernapping. Mal in der Schaukel, im Arm, im Auto, im Gras, im Sitzkreis der Kita, egal wo. 10 Minuten und er war topfit für Stunden.

Da beschloss ich, dass ein gesundes Kind sehr viel wert ist und ich mich glücklich schätzen kann.

Wie schnell vergisst man, wenn es besser und leichter wird!

Man ist so voller Liebe für diesen kleinen Mensch und kann nicht genug von ihm bekommen.

Das Thema Geschwisterkind wurde bei uns erst ein Thema, als er mit 3 im Kindergarten verkündete, dass er eine Schwester bekomme. Das war beim Mittagessen und die Erzieherin nahm mich zur Seite, denn sie wusste von nichts und war unsicher.

Zu dem Zeitpunkt hatten wir daheim nicht ein einziges Mal darüber geredet, aber für ihn war die Sache klar: alle seine Freunde hatten eine Schwester, also braucht er auch eine.

Ich werde nie den Tag vergessen, als ich ihn nach dem Ultraschall vom Kindergarten abholte. Ich sagte ihm, dass ich jetzt weiss was es wird. Er beugte sich in seinem Kindersitz ganz nach vorn und sah mich mit grossen, erwartungsvollen Augen an. „Es wird ein Junge, du bekommst einen Bruder!“

Wortlos und enttäuscht liess er sich zurück in seinen Sitz. Als er es verarbeitet hatte, schrie er weinend: „Ich will aber keinen Bruder, ich wollte eine Schwester!“

Es dauerte einige Wochen, bis wir ihn von den Vorteilen eines Bruders überzeugen konnten. Als er ihn im Krankenhaus das 1. Mal sah, war er 4 1/4 und zuckersüß.

Er beobachtete sein Gähnen und seine Finger. Er war so glücklich und der Wunsch nach einer Schwester war vergessen.

Als wir nach 3 Tagen nach Hause kamen, zeigte er ihm als erstes, wie man das ferngesteuerte Auto lenken und welche Knöpfe man drücken muss.

Ich bin so froh, dass sie sich haben. Und dass ich sie habe. So wie es ist, ist es genau richtig!

Ich schmelze dahin, wenn dem einen was Süsses angeboten wird und er 2 nimmt, mit dem Zusatz: „Eins noch für meinen Bruder!“

Ich schmelze dahin, wenn der eine sagt, dass der andere sein allerbester Freund ist und dieser erwidert: “ Du bist mein Bruder, das ist noch viel mehr wert als beste Freunde!“

Ich schmelze dahin, wenn sie sich ein paar Stunden nicht gesehen haben, der Kleine auf den Grossen zurennt und drückt, als gäbe es kein Morgen mehr.

Ich schmelze dahin, wenn der Kleine immer auf den gleichen Trick reinfällt und wieder mit aufs Klo geht, nur damit es dem Grossen nicht langweilig wird. Dafür bekommt er dann auch oft ne Ninjagokarte geschenkt, oder ihm wird was vorgelesen, erklärt oder beigebracht.

Ich schmelze, wenn sie beide in hohem Bogen an die Hecke pinkeln und sich kaputtlachen.

Ich schmelze, wenn sie stundenlang im Trampolin hüpfen, sich aufeinander legen, übereinander hüpfen und sich dann vor Freude in die Arme fallen.

Ich schmelze, wenn der Kleine ein englisches Lied singt und der Grosse ihn dafür nicht auslacht. Stattdessen sich daran erfreut und mit ihm singt, auch wenn er weiss, dass er nicht textsicher ist.

Ich schmelze, wenn ich aus der Küche komme und sehe, wie sie aneinandergekuschelt auf der Couch sitzen, Arm in Arm.

Ich schmelze, wenn ich sie in der Badewanne gackern höre und wie sie kaum Luft bekommen vor Lachen. Den nassen Boden nehme ich in Kauf.

Ich schmelze, wenn einer den anderen von seinem Lieblingsessen abbeißen lässt, obwohl er erst nein gesagt hat, das enttäuschte Gesicht des anderen aber nicht erträgt. „Na guuuuuut!“

Ich schmelze, wenn sie auf dem Spielplatz wippen, der Grosse den Kleinen zum Hüpfen bringt und der fast vor Lachen runterfällt.

Ich schmelze, wenn sie ein „Projekt“ haben und ganz vertieft in ihr Spiel sind. Meist handelt es sich um Wasser, Sand, Steine oder Käfer.

Ich bin damals schon geschmolzen, als der Grosse dem frisch geborenen Bruder ins Ohr flüsterte:

❤ “ IMMER EIN TEAM!“ ❤

Selbstliebe, die 2.

12. Tag der #meetthebloggerde19 challenge von @annehaeusler.
#selbstliebe
Puh!
Selbstliebe ist in diesen Tagen in aller Munde. Man kommt nicht an diesem Thema vorbei.
Und doch hat es so einen negativen touch.
Sich selbst lieben- darf man das? Soll man das? Muss man es vielleicht sogar? Ist man dann nicht automatisch arrogant, überheblich, egoistisch und wenig empathisch im Bezug auf andere Menschen?

Selbstliebe ist für mich in erster Linie mal, dass ich mich annehme, so wie ich bin. Mit allen Macken, äusseren Makeln, mit allen Schwächen und allem, was mich selber an mir nervt und ärgert. Selbstliebe bedeutet nicht, dass man denkt perfekt zu sein!

Selbstliebe bedeutet für mich, auf sein Bauchgefühl zu hören und dem nachgeht.
Wenn ich ein negatives , mieses Gefühl bei meinem Gegenüber empfinde, dann täuscht mich das meist nicht. Auch wenn derjenige freundlich ist und auf den ersten Blick kein „Feind“.
Es gibt so viele positive Menschen in meinem Umfeld, die mir Kraft geben und nicht entziehen. Aus reiner Liebe zu mir selbst wähle ich genau diese.

Selbstliebe bedeutet für mich, meinen Gefühlen in welcher Art auch immer Ausdruck zu verleihen. Wenn ich etwas will, mich etwas stört, ich jemanden mag oder mich etwas an ihm erfreut….
dann mache ich meinen Mund auf und sage es.

Selbstliebe ist für mich, nicht auf die anderen zu schauen. Ob jemand mehr hat als ich, besser in irgendwas ist, schöner, reicher….whatever.
Ich nehme mich, andere Menschen, die Situation an wie sie ist und bin frei von Neid oder Missgunst.

Selbstliebe ist, dass ich merke, wenn ich an meine Grenzen komme. Mich dann zurückziehe in mein Schneckenhaus, mir Hilfe hole, Druck rausnehme, oder früh schlafen gehe. Was immer nötig ist und mir gut tut.

Selbstliebe ist, dass man sagen kann, wenn einem etwas widerstrebt.
Dass man nicht alles über sich „ergehen“ lassen muss, nur um nicht unhöflich zu wirken.
Sogar mein kleiner Sohn kann das schon sehr gut: „Hör auf, ich mag das nicht!“ Ich finde das stark!

Selbstliebe ist, dass man Liebe weitergeben kann, ohne weniger davon für sich selbst zu haben.

Eine meiner grössten Stärken ist, dass ich es anderen sagen kann, wenn mir etwas Schönes an ihnen auffällt. Die neue Frisur der Kollegin, der neongelbe Badeanzug der Seniorin im Freibad, während alle anderen schwarz tragen.
Wenn eine Bekannte nach der Trennung aufblüht und ihr gutes Aussehen auffällt.

Selbstliebe ist für mich viel mehr ein Geben, als ein Nehmen und ja, ich stehe dazu: ich liebe mich selbst!

#maichallenge #bloggerchallenge #mamaleben #familienleben #mamablogger #ichso #familienblogger #alleinerziehend #selfcare #selflove

MUTTERTAG


Es war dieses Bild, das ich heute minutenlang lächelnd angestarrt habe und es nicht mehr weglegen konnte.

Ich habe geputzt und bin dabei über allerhand Dinge gestolpert, die mein Herz erfüllt haben.

Unter anderem auch die Muttertagsgeschenke meiner Kinder, die nicht sehr gut versteckt waren.

Der Grosse hat sich nicht besonders Mühe gegeben, das war leicht. Er hat es in sein Regal gelegt und hat die Werkzeugkiste seines Bruders draufgestellt.

Der Kleine wollte mir das Geschenk gleich Freitag nach dem Kindergarten geben.

Er erzählte ganz aufgeregt von der Schatzkiste und ich hatte sie auch schon in der Hand. Habe aber fast nicht gekuckt, nur so aus dem Augenwinkel, ich will mir die Überraschung ja nicht selber verderben.

Nachdem wir geklärt hatten wann Muttertag ist und dass er noch 2 mal schlafen muss, gab ich ihm die Schatzkiste und ermutigte ihn, sie in seinem Zimmer zu verstecken. So gut, dass ich sie ja nicht finde bis dahin.

Also beim Putzen hab ich diese tatsächlich nirgends gesehen und vielleicht weiss er bis morgen auch selbst schon nicht mehr, wo genau er sie versteckt hat.

Mein 1. Sohn kam im März 2011 auf die Welt und auf diesem Foto ist er exakt 4 Wochen alt.

Ich erinnere mich genau an damals: ich war fett und fand mich furchtbar. Ich hatte nichts anzuziehen. Ich gefiel mir so gar nicht. Kurz davor war ich beim Friseur und sie hat mir meinen Pony toooootal verschnitten. Viel zu kurz, da war nichts mehr zu retten.

Baby hatte einen Tag vorher Babyakne bekommen, die man auf den Fotos nicht gesehen hat.

Noch dazu pinkelte er bei einer Aufnahme in hohem Bogen auf das tolle Fell im Fotohaus. Die junge Dame lachte und ich schämte mich ein bisschen. „Das kommt ständig vor“, beruhigte sie mich.

An meinem 1. Muttertag als Mutter schien die Sonne und wir machten einen Ausflug zu einer Burg. Es fühlte sich so gut an.

Mein Sohn ist inzwischen 8.

So oft habe ich Gewissensbisse, dass ich nicht so viel Zeit und Geduld für ihn habe, wie ich gern würde.

Wie oft sitze ich da und bin traurig, weil ich ihm nicht so viel bieten kann.

So oft habe ich „später “ und „jetzt nicht“ gesagt.

So oft habe ich nicht so reagiert, wie ich es hätte tun sollen. Oder wie er es sich von mir gewünscht hätte.

Als ich wehmütig seine Ordner von Kita und Kindergarten durchgeschaut habe, ist mir aber eine wichtige Sache bewusst geworden und die hat mich getröstet.

Bei jeder Aufführung- ich war da.

Bei jedem Laterne basteln- ich war da.

Bei jedem Sommerfest- ich war da.

Dieses Bild weckt in mir nicht nur die Erinnerung an das, was in der Zeit schief lief.

Ich erinnere mich auch an das Gefühl gesegnet und überglücklich zu sein.

Ich hatte ein gesundes Kind. Einen Jungen, wie ich es mir immer gewünscht hatte.

Ich hatte so viel Liebe in mir, dass ich daran fast geplatzt wäre.

Daran hat sich bis heute absolut gar nichts geändert.

Ich konnte mir mein Leben nie ohne Kinder vorstellen. Nie, nie, nie!

Und jetzt hab ich zwei. Ich bin reich!

Allen Mamas da draussen:

Einen wunderschönen Muttertag!🌸🌷🌺🌹🌼🌻

Der Mann an meiner Seite

Ich bin ambivalent, wenn ich gefragt werde, ob ich mir nicht jemanden an meiner Seite wünsche. Schliesslich sei doch niemand gern allein.

Ich bin jetzt seit 3 Jahren getrennt und es verging viel, viel Zeit, bis ich abends mit dem Gedanken an einen bestimmten Mann eingeschlafen bin und Schmetterlinge im Bauch fühlte.

Oft bilde ich mir ein, dass ich einen Mann zeitlich gar nicht unterbringen könne in meinen Alltag.

In Wirklichkeit weiss ich, es ist nur eine Ausrede.

Wenn ich meiner Freundin von „ihm“ erzähle und sie schimpft:

„Du suchst schon wieder nach Fehlern, wo gar keine sind.“

Kann man nach 3 Jahren immer noch nicht bereit sein für was Neues?

Der Gedanke, dass ein Mann Teil meiner Familie ist, mit uns zusammenlebt und Ausflüge mit uns am Wochenende plant….irgendwie geht das für mich nicht.

Ich will keinen Mann, nur um sagen zu können, dass ich einen habe.

Als ich mit meinen Jungs vor 2 1/2 Jahren mal im Auto unterwegs war, unterhielten der Grosse und ich uns über meinen Männergeschmack. Er fragte mich aus und ich wusste: grosse Männer mag ich. Ich lachte und sagte, dass mir einer MIT Haaren sehr gefallen werde.

2 min später….“ Schau mal Mama! Der da zb hat Haare“.

Er deutete auf einen jungen Mann, der auf dem Gehweg schlenderte und ungefähr 16 war. Als ich mich von meinem Lachanfall erholte, sagte ich ihm, dass der Besitz eines Führerscheins auch von Vorteil wäre.

Der nächste Mann in meinem Leben wird ein Besonderer sein, egal wie lang ich auf ihn warten muss.

Und wenn er nie kommt, dann ist es so. Ich mache keine faulen Kompromisse mehr.

Ich bin bei dem Thema entspannt, denn den Unterschied zwischen einsam und allein hab ich gelernt.

Ich liebe allein sein. Ich kann gut mit mir alleine sein.

Vielleicht weil ich es so selten bin und es etwas besonderes ist.

Ich meine nicht dieses allein sein, wenn die Kinder schlafen.

Ich rede vom allein sein, wenn keiner in der Wohnung ist. Wenn ich nicht Rücksicht nehmen muss, mich nicht anpassen und morgens weder vom Wecker, noch von Kindern geweckt werde. Ich liebe allein sein.

Die Zeiten, als ich die Papa Wochenenden heulend in Jogginghose auf der Couch verbrachte und nichts mit mir anfangen konnte, die liegen lange zurück!

Ebenso die Zeiten, als ich mich neu entdecken musste, weil ich mich verloren hatte.

Ich weiss noch, wir waren ca. 5 Monate nach der Trennung in Mutter-Kind-Kur und ich verfasste heulend wie ein Schlosshund einem Freund lange Nachrichten. Es sprudelte nur so aus mir raus und die Buchstaben waren ganz verschwommen von meinen Tränen.

Ich wusste schlichtweg nicht mehr wer ich bin, was ich will und was ich mag, oder kann.

Früher liebte ich Hip-Hop Musik und schlief viel. Ich interessierte mich für Wrestling und den F.C Bayern.

Danach war ich Ehefrau, Hausbesitzerin und Mutter. Und jetzt? Ich hatte keine Ahnung von mir selbst.

Ich wusste nur, dass ich mich selbst, so wie ich war nicht mochte.

Ich hatte Zeit es rauszufinden und hab mich neu erfunden und überrascht. Mein Leben ist toll und mehr als lebenswert.

Wenn jetzt Papa Wochenende ist, weiss ich nicht wohin mit mir. Ich möcht alles auf einmal machen und alles nachholen.

Es ist, als hätt ich nur kurz geblinzelt, schon ist Sonntag Abend und es geht wieder von vorne los.

Nicht mehr stationär, nur noch ambulant heisst es doch… Ich glaub darauf könnt ich mich einlassen.

Dieses gängige Modell, das die meisten zu Hause haben…Ich glaub das will ich für mich nicht mehr.

Einen, dem man alles nachtragen muss. Dem man alles sagen muss und der ohne Anweisungen nicht denken kann.

Andererseits aber auch ernst genommen werden will und der „Mann“ sein.

Ich sehe mich um und ich bin froh, dass bei mir viel Ballast wegfällt.

Ich sehe die Vorteile, die sind nicht zu verachten.

Ich treffe die Entscheidungen und es redet mir keiner rein, oder ist anderer Meinung. Ich kann es einfach durchziehen.

Ich kann 21 Uhr ins Bett gehen, bin niemanden Rechenschaft schuldig und muss mich nicht durch Filme quälen, auf die ich gar keine Lust habe.

Ich muss mich nicht ärgern, dass der Partner die Arbeit nicht sieht. Ich weiss von vornherein, dass ich allein zuständig bin, kann es mir einteilen und erledigen. Der Teil ist wirklich mein Lieblingsteil und ein echter Vorteil.

Ich hab nichts gegen Männer. Ich mag sie. Ehrlich!

Ich bin weder ne Ultrafeministin geworden, noch will ich ins Kloster.

Den Glauben an die wahre Liebe hab ich bis heute nicht verloren.

Die Schublade, in der ich stecke

Eine Bekannte erzählte mir zuletzt von der Freundin ihres 15 jährigen Sohnes und wir kamen ins Gespräch. Ob sie mit der Familie klar komme und wie die Eltern so drauf wären, hat mich interessiert. „Naja, sie ist Alleinerziehend.“

Das ist eine von so vielen Situationen, bei der es mir wieder bewusst wird: ICH BIN JETZT IRGENDWIE ANDERS!

Es ist fast so, als bin ich von der 1. Bundesliga in die 2. abgestiegen.

Im Inneren fühl ich mich genauso wie damals, als ich verheiratet war und in unserem EFH lebte. Meine Werte sind die gleichen! Die Liebe zu meinen Kindern und was ich ihnen mit auf den Weg geben will, auch.

Nur die Umstände sind jetzt andere. Der Tag hat leider nur 24 h, ich wünschte oft, dass es ein paar mehr wären, denn Vieles ist nicht erledigt.

Im Aussen ist es anders geworden.

Jetzt bin ich die, die nicht zum Elternabend kommt. Ich bin mit meinen Jungs 18.40 Uhr an dem Tag vom Spielplatz zum Auto gelaufen, die anderen Mütter waren vereinzelt schon vor der Schule versammelt. Ich bilde mir ein, ich hätte verdutzte Blicke gesehen. „Nanu? Es geht doch gleich los! Wieso schlendert sie denn so gemütlich hier vorbei?“

Dass ich im Inneren todtraurig darüber war, das sah man mir nicht an. Dass ich alles versucht hatte, um einen Babysitter für die 2 h zu bekommen, es aber nicht geklappt hatte, auch nicht. Ich selbst denke, dass die Anwesenheit im Elternabend zeigt, ob ich Interesse am Kind habe, oder nicht.

Es war die Höchsstrafe für mich und ich war den Tränen nahe. Das glaubt mir vielleicht keine Mama, für die das Drumherum völlig selbstverständlich ist und die ihr Kind bei Papa oder Oma lässt.

Aktuell bekomme ich viele Gespräche um mich herum mit, der Vatertag wird geplant. „Sollen wir was zusammen machen? Vielleicht ne Wanderung? Wohin?“

Heute z.B. sass ich dazwischen, es wurde quasi über mich hinüber geplant. Keiner hat mich gefragt… dafür habe ich mir mehrere Gründe ausgedacht:

Erstens wissen alle, dass es für mich keinen Grund gibt den Vatertag zu zelebrieren, da ich meist nur Ärger mit diesem habe.

Version 2 ist, dass man mich einfach nicht leiden kann und sowieso nicht gefragt hätte. Auch mit Mann nicht.

Man kann sich alles Mögliche zusammenspinnen. Aber irgendwie bin ich raus! Ich pass da nicht rein, oder dazu. Oder kommt es mir nur so vor?

Wenn die Lehrerin ermahnt, dass man das Kind jeden Tag laut lesen lassen soll, bin ich in der Theorie voll bei ihr.

Die 10 Minuten sind IMMER drin, denk ich auch. Aber die Realität ist oft anders. Bei uns gibt es zwischendurch mehrere Tage, an denen er nicht liest. Wenn er z. B bei Papa ist.

Oder, wenn sein kleiner Bruder tobt, dass er ein anderes Buch vorgelesen bekommen will. Und überhaupt, nicht von ihm, sondern von mir! Wenn er immer wieder das Buch wegreißt und nicht still ist.

Es gibt Tage, die sind so vollgepackt, da denke ich nicht daran. Und es gibt diese Tage, da denke ich dran, hab aber selber keine Lust und Energie dafür.

Wenn’s heisst in 14 Tagen ist Buchpräsentation, sind andere Eltern ganz entspannt. Ich zähle bereits die „realen“ Tage, an denen kein Sport ist und kein Papa Wochenende, Wettkampf, oder Kindergeburtstag. Da bleibt schon nicht mehr sehr viel Zeit und ich spüre den Druck.

Es kann sein, dass andere Kinder dadurch besser vorbereitet sind.

Wenn im Dezember gefühlt 1000 Termine sind, alle überaus wichtig. Weihnachtsfeier Kindergarten, Schule, Arbeit, Verein, dies und das. Überall soll man was zum Buffet beitragen.

Es gibt die tollsten Kuchen, Cupcakes und spektakuläre Muffindekos.

Ich bin die, die Brezeln auf die Liste schreibt, denn backen und Gedöns ist bei mir nicht extra drin.

Wenn ich anfange Termine durcheinanderzubringen, mich noch gehetzter wie sonst schon zu fühlen, mein Ruhepuls 100 beträgt und ich meine Zunge nie vom Gaumen wegbekomme ( Signal für angespannt sein) , dann verfluche ich das Alleinerziehend sein.

Ich habe 2 Kinder und ich bin nur einer! Wie soll das funktionieren?

Wenn ich mit einem Kind Fussball spiele und die Nachbarn das andere Kind schreien hören: „Du bist eine blöde Mama!“ Ja, dann wünschte ich, ich müsste nicht entscheiden, welchem Kind ich meine Aufmerksamkeit heute schenke.

Einmal waren wir auf dem Spielplatz und die Kinder aus dem benachbarten Haus haben schön mit meinen Jungs gespielt. Ich quatschte mit der Mama. 18 Uhr wurden sie vom Papa reingerufen, er wolle jetzt mit ihnen essen. Hmmmm. Weg waren sie. Wir haben weitergemacht. Aber das Gefühl, dass auf uns niemand wartet, uns niemand ruft und vermisst, das habe ich nicht vergessen.

Ja, ich wünschte mein inzwischen 4 jähriger wäre endlich trocken. Aber er trägt immer noch Windeln. Der Grosse war mit 2 1/4 Tag und Nacht trocken. Damals war ich aber in einer anderen Situation. Ich war viel mehr hinterher, ich hatte nur 1 Kind und einen Partner an meiner Seite zur Unterstützung.

Zu Hause ist er ohne Windel und es klappt ausgezeichnet. Aber leider sind wir sehr selten länger zu Hause….das ist das Problem.

Schock, ich fahre ihn auch noch im Buggy herum. In letzter Zeit sogar öfter. Weil er krank ist, oder müde und ich genau weiss, es wird ein riesen Theater geben, weil er hoch will. Ich mache es mir nicht mehr selber schwer. Ich sehe die Blicke, ich höre die Kommentare. Aber ich habe 2 Kinder. Und ich bin nur einer.

Wenn die Mütter im Turnverein (sorry!😬) der Meinung sind, man müsse sogar die Socken farblich zum Turnanzug abstimmen und dann sollten alle einheitliche Taschen haben….“Die sind nicht teuer!“ Ähm….Wenn das Konto im roten Bereich ist, ist 1 Euro schon zu teuer. So Vieles ist für Viele so Selbstverständlich!

Die haben es gut, müssen sich um so etwas keinen Kopf machen!

In manchen Monaten spielen 20 Euro für mich ne grosse Rolle.

Aber am Kind spart man ja bekanntlich am wenigsten und so ist es. Selbstverständlich wird die Tasche bestellt!

Am Wochenende hocken meine Kinder und ich aufeinander und ich bin mehr oder weniger Alleinunterhalter. Wenn was schief läuft, bin ich schuld! Wer denn sonst!? Das Telefon steht still, keiner meldet sich. Alle geniessen ihr Familiendasein, zumindest trügerisch. Wir langweilen uns oft.

Selber anrufen und sich irgendwo einladen, das macht man ja auch nicht. Da hätten meine Jungs endlich ausgiebig Zeit für gepflegtes Toben mit Freunden. Sie sagen nichts, NOCH bin ich genug.

Beim Maibaum stellen war ich dann aber doch baff. Ich unterhielt mich mit einer Bekannten und die Kinder kennen sich vom Kindergarten. Da fragte mein Kleiner den anderen Jungen: „Bist du heut auch ohne Papa da?“ 😮😳

Dieser „Job“ ist nicht umsonst für 2 gemacht. Es ist oft zu viel für mich alleine. Alleinerziehend sein sucks!🖕 Und ist manchmal sowas von cool und perfekt.

Es läuft!

Es ist wieder Land in Sicht!

Ich habe wieder Hoffnung, dass ich diese Woche ohne Nervenzusammenbruch schaffe!

Heut find ich alles gar nicht so schlimm und bin einfach glücklich. Seit Montag ist bei uns Land unter, nichts ist, wie es sein soll. Nichts funktioniert, nichts klappt. Ich habe das Gefühl mit Wänden zu reden. Egal was ich sage, egal wie freundlich oder streng ich es sage, in welchem Ton, die Antwort ist grundsätzlich: „Nö!“ Manchmal denke ich meine Kinder sind undankbar. Gerade der Grosse mit 8 muss doch inzwischen begreifen, was ich den ganzen Tag mache.

Dass ich wegräume, aufräume und putze, obwohl ich es nicht mal gemacht hab! DAS Argument! Ich war es nicht mal! Ist es dann wirklich zu viel, wenn er den Müll rausbringen soll?!?

Es ärgert mich unheimlich. Noch mehr, wenn dabei Situationen wie gestern erst passieren. Gelber Sack, Biomüll und Restmüll sollten die beiden runter in die Tonne bringen. Der Grosse drückte dem Kleinen den schweren Restmüll in die Hand und sagte: “ Hier, den nimmst du!“ Er konnte ihn nicht mal anheben und ich wurde ärgerlich. Ich sah schon vor meinem geistigen Auge, wie die Mulltüte reisst und alles auf den Treppen liegt.

Beide haben es mit vereinten Kräften zur Mülltonne vorm Haus geschafft. Ich beobachtete sie durchs Fenster. Der Kleine hielt den Deckel auf und der Grosse schmiss den Beutel rein. Der Deckel blieb offen. Als beide hochkamen, sah ich, dass der Grosse keine Schuhe anhatte, obwohl ich ihn ermahnt hatte. Barfuß ok, aber in Socken draussen rum laufen, ich hasse das!

Die werden nie mehr ganz sauber und haben schnell Löcher. Ich kaufe sowieso gefühlt wöchentlich neue Socken. Genau deswegen!

Die Tage waren lang und es graute mir vor jedem weiteren Tag mit diesen Rebellen und dem ständigen Kämpfen.

Ich will nicht streng sein, ich will nicht laut sein, ich will nicht wie ein Feldwebel reden, aber mit bitte und argumentieren komm ich nicht weiter. Da passiert genau…NICHTS!

Heute Morgen war ich schon etwas angespannt. Auf der Couch liegen und kuscheln kann ich schlecht geniessen, wenn ich sehe, wo der grosse Zeiger schon ist, ich pünktlich bei der Arbeit sein will und keins der Kinder im Bad war, geschweige angezogen ist.

Heut Mittag holte ich den Grossen von der Schule ab, der Kleine bleibt donnerstags bis nachmittags im Kindergarten. Normalerweise sind das die Tage, an denen ich mit ihm Zusätzliches für die Schule übe, zu dem wir sonst nicht die Ruhe haben. So MEIN Plan. Ich stellte ihm frei, ob wir Mathe üben, er mir was vorliest, oder, was mir am liebsten wäre: einen Text abschreiben.

Nach 2 Wörtern war er sich unsicher über die Schreibweise von „vielleicht“ und liess mich sitzen. Er stand auf und sagte: „Ich mach nichts mehr!“

Er ignorierte mich einfach, verließ das Zimmer und sortierte Ninjago Karten.

Er wollte auch nichts anderes üben, seinen Schreibtisch nicht aufräumen und eigentlich auch gar nicht mit mir reden.

Nur böse kucken. Das macht er gern und gut.

Ich hatte Geduld und gute Argumente….Nichts!

Ich hab ihn gelassen. Ich wollte nicht erpressen, kämpfen und ermahnen, streiten. Seine Noten sind gut und eigentlich läuft es. Aber man könnte auch ein bisschen mehr machen denke ich. Öfter mal was lesen, öfter mal was schreiben…wenn man nur Zeit, Geduld und Ruhe hätte. Wir machten Erledigungen und unterhielten uns angeregt über Ronaldos neustes Auto, sein 21. Auto um genau zu sein. Es hat 11 Millionen Euro gekostet, hat 1500 Ps und ist aus schwarzem Carbon. Er hat schon lang nicht mehr so viel erzählt und geredet. Das ist SEIN Thema. Ich muss Vieles googeln, was ihn interessiert und lerne mit. Heute habe ich gelernt, dass Ter Stegen Manuel Neuers Ersatz in der Nationalmannschaft ist. Seine Bilder waren ansehnlich. „Was bedeutet sympathisch Mama?“ Hab ich das etwa laut gesagt? Naja, er hat wieder was gelernt.

Ich freute mich über unseren guten Draht zueinander. Wenn ich mich bei ihm bedankte, kam „bitte Mama“ zurück. Wenn ich ihn bat, den Einkaufswagen zurückzubringen, machte er es gut gelaunt. Wer ist dieses Kind?!?

Wir haben tolle Sachen bei Aldi gekauft, der Rucksack war voll mit Essen und Trinken. Nach dem Abholen des Kleinen ging es direkt auf den Spielplatz.

Ich weiss nicht, wann ich meine Jungs zuletzt so frei, gelöst und harmonisch miteinander erlebt habe. Ich weiss nicht, wann ich so lange auf der Bank sass, ohne gebraucht zu werden. Ich weiss nicht, wann ich mich in Ruhe, so lang und angeregt mit einer Bekannten unterhalten habe.

Ich weiss nicht, wann ich meine Kinder das letzte Mal so lange beobachtet habe und mich so an ihnen erfreut. Ihr Lachen war meterweit zu hören und ich lachte mit.

Es war schön! Und nichts gibt mir mehr Kraft, als meine Kinder ausgelassen und voller Freude spielen zu sehen.

Ein anderer Junge rief seiner Mutter hinterher: „Mama, du bist ein blödes Arschloch!“

Unsere Blicke trafen sich und es war ihr unangenehm.

Ich dachte nicht daran, was für ein ungezogene Kind sie hat. In Gedanken hab ich mit ihr gefühlt, vielleicht hatte sie heut auch schon viele Kämpfe und das Gefühl, dass alles aus dem Ruder läuft. Vielleicht war sie müde und erschöpft.

Und ich….Ich war einfach nur froh, dass es bei uns heut mal gut lief. Mehr als gut!

Beim ins Bett bringen lag ich wie Jesus am Kreuz, einer rechts in meinem Arm, einer links. Heut nervte mich das nicht. Im Gegenteil. Der Kleine Bestand auf eine Familienumarmung und wir drückten uns fest! Das tat gut. Dann sagte er: “ Mama, ich liebe dich im ganzen Herzen!“

Was genau er meint hab ich verstanden. Und gefühlt!💙