Momentaufnahme

Beim gestrigen Einkauf begegnete ich dieser einen Mama. Sie war mit ihrer ungefähr 5 jährigen Tochter dort und offensichtlich mehr als genervt.

Sie rief immer wieder nach ihr und verdrehte die Augen.

Die Tochter lief immer wieder weg und ihr Ton wurde schärfer.

Das kleine Mädchen rief zwischen den Regalen nach ihr und sie rief gereizt zurück: “ Hier bin ich, du…“

Sie beendete den Satz nicht und blieb genervt stehen.

Was sie wohl sagen wollte?

Eine Freundin machte mich erst letztens darauf aufmerksam, dass in einem „Streit“ auf ein DU immer ein böses Wort folgt, oder eine Beleidigung.

„Du bist dumm“

„Du Arschloch“

„Du Baby“, was in unserem Fall regelmässig zu Tränen führt.

Diese mir fremde Mutter hatte einen starren Blick, keine Mimik. Sie schaute grimmig.

Ich lächelte sie im Vorbeigehen freundlich an. Sie erwiderte meinen Blick nicht, schon gar nicht mein Lächeln.

Diese Mutter, mit ihrer ganzen Überforderung und Wut, der fehlenden Kraft, dem genervt sein und dem bösen Blick…die war ich.

Es war, als ob mir jemand den Spiegel hinhält und ich sehe mich selbst.

Nicht an diesem Tag, aber an so vielen anderen.

Sie hat mir leid getan. Ich weiss, dass sie nicht so sein will, dass sie sich selber nicht leiden kann, wenn sie so ist.

Ihre Tochter ist zuckersüß, hat ein breites Grinsen im Gesicht und scheint fröhlich.

Ich bin sicher, sie nimmt ihre Mama nicht so wahr, denn Kinder lieben bedingungslos. Sie lieben uns mit all unseren Gemütszuständen.

Sie lieben uns sogar dann, wenn wir uns so gar nicht lieben.

Wenn uns die Kraft fehlt und wir unsere Liebe nicht zeigen können. Wenn wir nichts zu geben haben, weil wir mit dem Wenigen, das wir haben sparsam sein müssen, um den Tag zu überstehen.

Sie lieben uns, auch wenn wir nach dem Aufwachen den Moment ersehnen, wenn das Kind abends wieder schläft.

Sie nehmen uns mit all unseren Launen an, wollen trotzdem mit uns Kuscheln und uns drücken, auf unserem Schoss sitzen und uns alles erzählen.

Ich verurteile Mütter in solchen Situationen nicht. Das wäre zu einfach und sicher erwartet sie das.

Sie weiss doch selber am besten, dass sie so nicht sein sollte und ihr Kind einfach nur Kind ist. Es kann nichts dafür!

Wer weiss, mit was sie sich quält und beschäftigt?

Wer weiss, was sie gerade durchmacht?

Wenn wir es wüssten, würden wir sicher sagen: „Ich verstehe!“

Ich hoffe für diese Mama, dass sie jemanden hat, der sie am Abend fest gedrückt hat und vielleicht hat sie auch geweint. Vielleicht hat sie Schuldgefühle.

Ich hoffe sie konnte ihrer Tochter sagen, dass sie sie liebt. Trotz allem. Und gerade deshalb!

Liebe fremde Mama, ich verurteile dich nicht! Sicher hast du dein Bestes gegeben, mehr war eben nicht drin.

Es ist nur eine Momentaufnahme.

Vielleicht hat sie ihrem Kind schon lange vorgelesen, mit ihm gemalt, gespielt, es gebadet und mit ihm gekocht.

Vielleicht hat sie es fest gedrückt und in die Luft geworfen vor Freude. Vielleicht hat sie es durchgekitzelt und geküsst. Ihm zärtlich über den Kopf gestreichelt und an seinem Haar gerochen.

Das alles weiss ich nicht, genauso kenne ich ihre Sorgen und Nöte nicht.

Aber ich kenne diese Tage sehr gut. Ich kenne dieses Gefühl, sich selbst nicht leiden zu können.

Auch kenne ich das Gefühl zu wissen, wie ich es besser machen könnte, aber es trotzdem nicht umsetzen kann.

Zu meinem grossen Sohn sagte ich am Abend, dass ich heut bei ihm bleibe bis er schläft und er konnte sein Glück nicht fassen. Wir hatten ein tolles Gespräch und er ist in meinem Arm eingeschlafen.

Ich hatte Glück. Diesmal. Denn ich hatte viel zu geben. Geduld und Liebe.

Und ich hoffe sehr, dass das für die besagten Tage reicht, an denen ich bin wie diese Mutter gestern beim Einkauf.

Overload

Seit Tagen wirft das Universum Dinge nach mir, um mich zur Ruhe zu zwingen.

So lange, bis ich endlich kapiere, dass ich ne Pause brauche. Dass alles gerade viel zu viel ist und überhaupt viel zu anstrengend.

Mein normaler Ruhepuls hat sich inzwischen bei ungefähr 100 Schlägen pro Minute eingependelt, so fühlt es sich an.

Ich bin gehetzt, getrieben und komme so gar nicht mehr in einen „normalen“ Zustand. Runterfahren… Fehldiagnose.

Das heutige Elend begann 6 Uhr beim Wecken der Kinder. Es wurde gestritten, gestänkert, geboxt und beleidigt. Todesblicke wurden ausgetauscht und ich habe das nur über mich ergehen lassen, weil ich erstens keine Kraft zum Schlichten hatte und zweitens, weil ich morgen frei habe.

Eventuell ist inzwischen auch ein bisschen Gleichgültigkeit und Resignation eingekehrt, ich laufe im Sparmodus. Kräfte einteilen ist angesagt.

Wie jeden Morgen sassen wir drei um 6.50 Uhr angeschnallt Richtung Kindergarten und Arbeit im Auto.

Motor an und….

nichts.

Nichts, ausser einem kleinen Stottern.

Dass es die Batterie ist hörte selbst ich und dabei hatte ich erst letztens festgestellt, dass diese von 2015 war. Genau wie mein 2. Sohn und der ist 4.

Um 7 Uhr öffnet der Kindergarten, 7.30 Uhr fängt mein Dienst 3 Orte weiter an. Morgens zählt jede Minute und ich freue mich täglich, dass ich das tatsächlich immer wieder schaffe.

Also liefen wir 3 Richtung Kindergarten. Erstmal den Zwerg loswerden.

Kollegin informieren, dass ich keinesfalls pünktlich komme und keine Ahnung habe wie und wann ich komme. Sie ist so lieb und ruhig, das tut gut, ändert aber nichts.

Der Zwerg ist fröhlich, trödelt nicht und will all seinen Freunden erzählen, dass er heute gelaufen ist. Für ihn ist es ein Abenteuer.

Der Grosse erkennt mit 8 Jahren den Ernst der Lage. Er kennt mich gut und sagt: “ Nicht weinen Mama, alles wird gut.“

Ich rede nicht viel, bin ernst. Ich denke. In alle Richtungen.

Das vorbereitete Geld für die gebastelte Laterne nehm ich unauffällig aus seinem Rucksack, denn das werde ich für den Bus brauchen.

Der Grosse hat Ferien und der Plan war, dass er mit zu meiner Arbeit kommt. Wie so oft.

Ferien. Bus fahren. Auf dem Lande. Ich ahnte Böses.

Abgesehen davon, dass ich keine Ahnung hatte welche Linie, welche Haltestelle und wo aussteigen. In den Ferien ist alles anders.

Als wir an der Haltestelle ankamen, traf der Bus zeitgleich ein. Ich konnte mein Glück nicht fassen.

Der Busfahrer drückte mir wortlos den gewünschten Fahrplan in die Hand und ich suchte gleich die Verbindung für mittags raus, denn 13.30 Uhr muss Zwergi spätestens abgeholt werden.

7.45 Uhr war ich umgezogen bei der Arbeit, hatte meinen Kfz-Engel bereits für 14.30 Uhr organisiert und er wollte gleich die Winterreifen mitmontieren. Beruhigend.

Ich versuchte mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, jammerte ein bisschen rum und ich sah Mitleid in den Augen der Kollegen.

Ich wurde viel öfter als sonst gefragt, ob man mir helfen kann und von allen Seiten wurde mir angeboten, mir Arbeit abzunehmen.

Eine liebe Kollegin (vielleicht auch unausgesprochene Freundin) kam wegen dem Azubi vorbei und bot mir an, uns später heim zu fahren, sie mache das sehr gerne.

Ich lehnte ab, sagte, ich hätte alles im Griff, das sei nicht nötig.

Hilfe annehmen, oder noch schlimmer, um Hilfe bitten… das ist echt nicht meine Stärke!

Irgendwann im Dienst schrieb ich ihr, dass es eine sehr gute Idee war und mir das Leben heute wirklich etwas leichter machen würde, wenn sie uns heimfährt.

Sie hat die Nachricht nicht rechtzeitig gelesen. Mein Sohn und ich marschierten Richtung Bushaltestelle und planten die nächsten Stunden mit Frisör, Weltspartag und Abholung des Bruders.

Wir waren keine 50 Meter gelaufen, da schrieb sie, wir sollen stehen bleiben wo wir sind, sie sei in 2 min da.

Und das war sie!

Wir hatten noch Zeit für einen Coffee to go und ein gutes Gespräch.

Ab da funktionierte mal ausnahmsweise alles nach Plan.

Neue Batterie, Winterreifen drauf, Friseurtermin, Weltspartag, Bäcker.

Dafür kein Grosseinkauf wie geplant und den ganzen Nachmittag auf der Couch rumgelungert.

Vielleicht würden meine Jungs sagen, dass heut ein richtig guter Tag war: zum Kindi laufen, Bus fahren und ganz viel Fernseh kucken.

Aber mich darf man nicht fragen!

Wobei, ich bin ganz ruhig. Dass ich sicher 5 Jahre früher sterbe als geplant, das nehme ich in Kauf. Allein durch die Tatsache, wie viel Kraft mein Alltag mich kostet.

Mal sehen, was das Universum noch für mich bereit hält!

Ps: Beim ins Bett bringen drückt der Grosse mich wild und sagt: „Entschuldigung, dass ich das jetzt sage, aber der Tag heut war irgendwie echt cool!“

Ich ziehe meine Augenbrauen lächelnd hoch und er entgegnet: …“uuuuund, ich bin sehr stolz auf dich, dass du den Tag heut überlebt hast.“

Der Hulk in mir

Ich treibe im Wasser und nur meine Nase kuckt raus. Ich muss mich richtig abmühen nicht unterzugehen und stehe auf Zehenspitzen.

So fühlte ich mich die letzten Wochen.

Ich arbeitete viel, in der 3. Klasse meines Sohnes geht es Schlag auf Schlag mit Arbeiten schreiben, Gedicht lernen, Dies und Das.

Dazu kamen einige schlechte Nachrichten, Rückschläge und ich war ohne jegliche Energie.

Mein „Ich-funktioniere-einfach-nur-noch-irgendwie“- Modus lief noch, wenn auch der Alarm ab und an mal anging.

Der Gedanke an 3 freie Tage diese Woche hielt mich irgendwie über Wasser.

An Sport war nicht zu denken. Mein Knie machte mir einen Strich durch die Rechnung, meine #30squatsdays challenge hab ich an Tag 20 beendet.

Mein Sohn war der nächste, der mich wieder in meine Mitte brachte, denn er hat ne fette Bindehautentzündung und kann seit Montag nicht in den Kindergarten.

Meine kleine Handbremse. Ich war ihm fast schon dankbar, denn ich lief ziemlich auf dem Zahnfleisch.

Auf der Couch liegen, lesen, spielen, Fernseh schauen war wirklich das was ich brauchte.

Jeden Mittag bin ich zu Hause von der Arbeit und habe wirklich nie das Gefühl gehabt was verpasst zu haben.

Jetzt wurde es mir auf dem Silbertablett präsentiert. Ich hatte ja keine Ahnung!

Dieses 4 jährige Wunderpaket hat mir von Dingen erzählt, die mich staunen liessen.

Ich bin jetzt um Einiges schlauer im Bezug auf seine Freunde, seine Wünsche zu Weihnachten, wen er zu seinem Geburtstag einladen will und wen eben nicht. Ich bin auf dem Laufenden mit seinen Lieblingssendungen und habe sie bewusst mit ihm zusammen angeschaut. Er strahlte so sehr, als er mir alles erklären durfte und ich ihm zuhörte.

Ich beobachtete ihn beim Singen, wir haben zusammen gekocht und er war ein toller Helfer.

Obwohl ich immer da bin, ist selten Zeit! Schnell dies, schnell Das. Schnell dahin, schnell dorthin. Und nur kurz Dies und eine Minute das. Immer muss ich irgendetwas tun! Hausaufgaben, abfragen, Termine ausmachen, telefonieren, überweisen, etwas nachlesen, den Haushalt schmeissen, jemanden irgendwohin fahren, oder eben abholen.

Wir verbringen sehr viel Zeit zusammen. Aber zu wenig qualitative. Zu selten schaue ich meine Jungs genau an, lächle über die Mimik, die mir neu ist.

Doch, ich verpasse sehr viel!

Heute haben mein Sohn und ich 3 Mal einen Spielzeugkatalog durchgeblättert. 3 Mal! In Ruhe! Mit jedem „schau mal hier“ und jedem „oh, das wünsch ich mir“.

Es ist wirklich Luxus so dasitzen zu können und nicht daran zu denken, was noch alles zu tun ist.

Klar, diese Gelegenheiten sind mir wichtig. Dafür lasse ich auch bewusst etwas anderes liegen. Klar mache ich Abstriche und lasse Neune gerade sein.

Aber es holt mich ja ein, denn es wartet ja auf mich. Keiner nimmt es mir ab, damit ich diese Situation mit meinem Kind zelebrieren kann. Und es gibt jeden Tag sooooo viel zu tun.

3 Tage war ich jetzt nicht mehr arbeiten und Tage wie heute lassen mich daran zweifeln, wie ich das Alles manchmal wuppe ohne durchzudrehen.

Als ich mein Schulkind heut Mittag abhholte, lächelte er zögerlich.

Im Auto erzählte er mir aufgebracht und wütend, dass er im Gedicht nur ne 2 – bekommen habe und daran seien seine Freunde schuld.

10 min bevor er es Aufsagen musste, hätte es Streit gegeben. Keiner hätte ihm geglaubt, dass der Umfang eines Wasserkopfes 1 m sein kann.

Wie er drauf kommt? In meiner Ausbildung zur Krankenschwester war ich in einer speziellen Einrichtung. Vor Jahren erzählte ich ihm von Simon, dessen Kopfumfang sogar 1.50 m betrug. Meine Erzählung und die Fotos in meinem Album müssen ihn schwer beeindruckt haben.

Alle hätten ihn aufgrund dessen ausgelacht. Niemand habe ihm geglaubt. Er habe sich Mühe gegeben bei der Betonung, aber er sei voller Wut gewesen und hätte das Gedicht nur in monotonem Wutton aufsagen können.

Puh! Er tobte und liess alles raus. Er war so sauer. Auf alle anderen. Die seien Schuld und er habe sich seinen Notendurchschnitt versaut.

Zu Hause stellte er fest, dass er seine Hausaufgabe in Mathe nicht machen kann, da er sein Buch in der Schule vergessen hat.

In Deutsch klappte es auch nicht, ich hörte ihn laut fluchen und auf den Tisch hauen. Er sei immer noch viel zu wütend und könne sich nicht konzentrieren.

Wir waren uns einig, dass er nach dem Training weitermacht.

Es wurde anstrengend, denn er war der Meinung nur Fernseh schauen könne ihm jetzt helfen. Genau das wollte ich auf keinen Fall, mit dem Argument, dass Fernseh schauen nicht dabei hilft seine Wut loszuwerden.

Ich packte mal wieder den Rucksack.

Die Natur wird das schon richten.

Im Auto ging es laut zu. Es wurde darüber gestritten, dass jeder ein „Arschloch“ hat. Der Grosse sagte, er habe ein „Popoloch“. Bei ihm heisse das anders, weil er älter sei. Er fand sich unheimlich lustig und genoss das Geschrei.

Neben der Trainingshalle ist ein Park und wir waren lange nicht mehr da.

Er lachte, sprang rum, schlug Räder, balancierte, kletterte.

Dazwischen pisakte er den Bruder, zerriss dessen schönstes Blatt mutwillig und nannte ihn ständig „Kleiner“. Das Geschrei war gross und ich atmete. Es war anstrengend und ich schaute auf die Uhr.

5 min früher als sonst brachten wir den Grossen zum Sport. Ich war mir sicher, dass es ihm danach besser geht.

Der Trainer konnte wohl Gedanken lesen, denn mein Sohn sagte heut etwas, das wie Musik in meinen Ohren klingt: „Boah, bin ich müde!“

Die Hausaufgaben waren blitzschnell gemacht.

Jetzt war er ruhiger, weniger geladen.

Als Beweis soll ich auf seine Hand den Umfang des Kopfes schreiben, damit ihm alle glauben und ihn nicht mehr auslachen.

Wir hatten eine hitzige Diskussion über „Schuld“.

Dass er allein was für die 2- kann, dass er allein das Gedicht wütend aufgesagt hat und seine Freunde nichts für seine Note können.

Dass nie die anderen Schuld sind an dem was man selber tut. Man hat immer die Wahl. Und manchmal muss man sich einfach auch an der eigenen Nase packen.

Wut kann so viel kaputtmachen. Wenn einer das weiss, dann eine wütende Mutter.

Ich steh mir oft selber im Weg deswegen. Aber ich schiebe es lange nicht mehr immer auf die anderen. Ab und zu kann ich mich sogar inzwischen entschuldigen.

Wirklich eingesehen hat er es nicht. Daran arbeiten wir dann morgen weiter. Jetzt bin ich einfach froh, dass beide schlafen und ich nen Haken hinter einem weiteren anstrengenden Tag setzen kann.

Als ich nachschauen will, ob beide schlafen, klebt dieser Zettel an der Tür.

„Was ist wirklich mutig für dich?“

Time for…Blogparade, von „Sunnybee“ ins Leben gerufen.

(Mutter-und-Sohn.blog)

MUT.

Ich bin ein richtiger Schisser, ich hab vor so vielen Dingen Angst.

Aber unter uns…gleichzeitig bin ich selber einer der mutigsten Menschen, die ich kenne, denn nur ich alleine weiss, wieviel Überwindung mich verschiedene Situationen gekostet haben.

Da war dieser eine Sommertag vor einem Jahr, als ich 3 Stunden mit meinem damals 7 jährigen Sohn im Freibad war. Ohne den kleinen Bruder, den hatten wir im Kindergarten gelassen.

„Heut mach ich aaaaaalles mit, egal was du willst. Ich bin dabei.“

So. Er wünschte sich, dass wir zusammen vom 3er springen.

Naja, hatte ich schon das ein oder andere Mal gemacht, damals vor 20 Jahren. Kann ja nicht so schlimm sein.

Als ich oben stand, war der Mut weg und mir fiel ein, dass Springen noch nie mein Ding war. Mist! Je länger ich ins Wasser starrte, um so höher kam es mir vor.

Mein Sohn war schon lang wieder unten und rief mir aufmunternd zu.

Dass ich nicht wieder die Treppe runtergehe, war mir klar.

Ich hatte Schiss. Und bin trotzdem gesprungen. So blöd, dass ich mir gleich was gezerrt hatte und es tagelang am Schenkel wehtat.

Aber hey! Immerhin. Ich kenne viele, die von weitaus höher springen. Aber die kostet das nicht so viel Überwindung und deshalb bin ich mutiger als die alle zusammen!

So oft in meinem Leben war ich mutig, verschieden mutig.

So eine Geburt zum Beispiel, die erste besonders. Noch nie hatte ich vor etwas so sehr Angst. Ich hatte Schüttelfrost und hab ca. 5 Nierenschalen gefüllt, weil ich mich übergeben musste. Vor Angst!

Und trotzdem hab ich es durchgezogen…gab ja auch kein Zurück.

Mutig war ich, als ich mich vor 3 Jahren von meinem Mann und Haus getrennt habe, weil ich so totunglücklich war. Ich dachte, das muss anders gehen. Ich bin zu jung, um so unglücklich zu sein.

Mutig ist es, jeden Tag aufzuwachen und für 2 Kinder alleine zuständig zu sein. Sich trotzdem über das Leben zu freuen und immer Gründe zum Lachen zu finden.

Mut und Überwindung kostet mich mein Handstand, den ich zur Zeit übe. Die Angst vor dem Sturz hemmt mich. Und trotzdem mache ich es wieder und wieder. Weil ich es will! Und keiner mich aufhalten kann, auch nicht meine Angst.

Mutig ist es, mit 2 Kleinkindern alleine in ein anderes Land zu fliegen. Viele haben mich darauf angesprochen, dass sie sich das nicht zutrauen würden.

Nach der Trennung und dem Auszug aus dem Haus war ich über 2 Jahre nicht mehr drinnen, obwohl der Papa der Kinder dort noch gewohnt hat. Wenn ich die Jungs zu ihm gebracht habe, dann bis zur Tür. Maximal stand ich im Türrahmen.

Als es nun diesen Januar verkauft werden sollte, musste ich wohl oder übel hin. Ich hatte Angst.

Das merkte ich daran, dass ich mich drücken wollte. Absagen. Aus Angst, es könnte weh tun.

Ich ging trotzdem hin. Mit Angst. Und kam mit Freude raus, denn es tat nicht mehr weh. Gar nicht. Ich hatte hart an mir gearbeitet und alles VERarbeitet.

Es machte mich glücklich und war so wichtig.

Mutig ist es ebenso, beim 10. Date mit diesem wundervollen Mann festzustellen, dass er nicht ist, was er vorgab zu sein. Und egal wie wild die Schmetterlinge im Bauch waren, auf Stop zu drücken und ihn wieder aus dem Leben zu verbannen. Ihm für die schöne Zeit danken, sich lächelnd umdrehen und gehen.

Ich weiss, dass hinter der Angst die ganz grossen Dinge warten. Die besonderen, wertvollen.

Die, für die es sich lohnt über seinen Schatten zu springen.

Die, an die man sich lange erinnert und einen zum Schmunzeln bringen, wenn man zurückdenkt.

Wenn es um Mut geht, fällt mir auch sofort mein Sohn ein und dieser eine Tag vor 2 Jahren.

Er war schon länger im Kunstturnen angemeldet, begeistert und hatte auch Talent. Der erste Wettkampf stand an und Wochen vorher war für ihn klar, dass er da nicht mitmacht.

Er verbot mir sogar, ihn anzumelden.

Ich tat es trotzdem und sagte ihm das auch genau so.

Ich wusste, wenn er nicht mitmacht, wird er sich schlecht fühlen, sich Vorwürfe machen, leiden, frustriert sein.

Ich ging also das Risiko ein und hoffte, ich tuhe das Richtige. Sicher war ich mir nicht.

Auf dem Weg zur Halle an diesem Tag war alles gut. Beim Parken fing er an zu weinen, flehte, dass der Papa umdreht und wir ihn vom Turnen abmelden sollen.

Der Weg war weit, also ging man trotzdem in die Halle. Trainer und Eltern der anderen Turner versuchten ihm Mut zu machen. „Wenn nicht du, wer dann!“

Er weinte. Wollte nicht.

Seine Jungs wärmten sich auf, ohne ihn.

Die Musik zum Einlaufen ertönte schon, als Letzter reihte er sich plötzlich hinten ein und turnte. Er bekam an diesem Tag seine 1.Goldmedaille.

Bis heute reden wir über diesen Tag und nehmen ihn gerne als besonderes Beispiel für Mut. Angst darf man haben.

Überwindet man sie, wird man belohnt!

Harmonie …auch mal schön!

Zufriedenheit erfüllt mich gerade.

Ich habe die Jungs ins Bett gebracht und lag dabei in der Mitte. So wie immer. Rechts von mir der Zwerg, links von mir der Grosse.

Da Zwergi sich bis zu den Ohren eingekuschelt hatte uns sich schon nicht mehr rührte, drehte ich mich zu ihm und sah ihn an.

Stolz, bewundernd und ein wenig wehmütig, denn mein „Baby“ ist gross geworden. Ich streiche ihm vorsichtig über sein süßes Gesicht und er lächelt mit geschlossenen Augen, bevor er einschläft.

Ich bin glücklich und heute sicher, dass es meine Jungs auch sind.

Ich schätze es sind Tage wie heute, die uns diese anderen vergessen lassen und uns die Kraft zum Weitermachen geben.

Bei uns herrscht Fernsehverbot auf unbestimmte Zeit, warum, bleibt unser Geheimnis.

Am Nachmittag kamen sie nach 2 Tagen Kurzurlaub von der Oma zurück. Gut gelaunt und fröhlich.

Der Grosse sprang mit Anlauf auf meinen Schoss, umarmte mich und sagte, er habe mich irgendwie vermisst, es sei schön, wieder zu Hause zu sein.

Ich lächelte und sagte: “ So eine kurze Trennung tut einem manchmal richtig gut, was?“

Wir hatten uns viel zu erzählen und ich zeigte ihm die neuen Sportübungen, von denen ich Muskelkater hatte.

Wir probierten zusammen aus und für ihn ist mal wieder alles pillepalle.

Der Zwerg verzog sich ins Zimmer und man hörte ihn laut reden. Er war ein Superheld und kämpfte an der Seite von Batman, Hulk, Spiderman und Thor.

Der Grosse hatte alleine begonnen Billard zu spielen. Er freute sich, als ich nach dem 2. Kö fragte und ihn herausforderte.

Inzwischen gewinnt er tatsächlich manchmal gegen mich, obwohl ich einen Grossteil meiner Jugend in Billardcafes verbracht habe.

Später machten wir die neue Jim Knopf CD rein, die genau da ansetzte, wo unser Buch geendet hatte. Es war die spannende Stelle, als der goldene Drache der Weisheit aufwachte.

Wir lagen auf dem Boden nebeneinander und es war ganz still.

Der eine sortierte nebenbei die DVD’s, der andere kuschelte sich an mich und lächelte mich liebevoll an. Und ich zurück.

Wortlos nahm ich den Zwerg hoch, brachte ihn ins Bad.

Er weinte sofort und war verzweifelt, wie immer, wenn er duschen soll.

Ich bot ihm heute sogar 1 Euro für seine Spardose an, wenn er es schafft, ohne zu weinen.

Davon wollte er nichts wissen. Er WOLLTE weinen und trotzdem die Station von PJ Mask als Geschenk bekommen.

Also duschte ich ihn und er machte einen Affentanz, als es über den Kopf ging. Auch wie immer! Wann hört das nur auf?!?

Er schluchzte in meinem Arm, als ich ihn ins Handtuch wickelte und aus der Wanne hob.

Dann boxte er mich und sah mir tief in die Augen, als er „blöde Mama“ sagte. Ganze 3 Mal hintereinander.

Er riss mir den Föhn aus der Hand. Er mache seine Frisur selber und ich soll ihm die Bürste geben. Geduldig hielt ich ihm den Spiegel hin und schaute ihm fasziniert zu, diesem kleinen Zornigel.

Am Abend bot ich an, ihnen vorzulesen. Als ich mit dem ausgewählten Buch zurückkam, lagen sie unter Decken und mir wurde ein Platz zugewiesen.

Ganze 4 Kapitel haben wir heute geschafft, bevor es Streit um die Sitzordnung gab und wer näher an mir dran saß.

Der Zwerg hatte soooo Lust was zu kleben sagte er. Also wurde auf dem Küchentisch alles ausgebreitet und beide waren kreativ.

Einer übte Herzen zu malen und der andere übte seine Unterschrift.

Die Stimmung war gut und alle waren entspannt.

Ich machte Rührei, zeichnete nebenbei Fussabdrücke aufs Papier und weil es so kitzelt, kicherten sie.

Wir hörten „Mary“ von Bausa, da sind wir alle textsicher. Wir sangen mit und ich tanzte am Herd.

Der Zwerg tanzte auf der Sitzbank und er fragte mich nach meiner Meinung dazu.

„Mama, bist du stolz auf uns?“

„Immer!“

Er lächelt zufrieden über die Antwort, als kenne er sie noch nicht.

Halb 9 geht’s ins Bett, hatte ich angekündigt. Es wurde halb 10…so what?!?

Morgen ist Samstag und ich habe heute jede Sekunde genossen. Es gibt genug Abende, an denen ich es nicht erwarten kann, dass ich sie ins Bett bringen kann und endlich Ruhe ist.

Der Grosse beschloss, dass es Zeit war für ne „Familienumarmung“ und wir drückten uns fest zu dritt.

„Und jetzt einzeln“ gab er vor und hatte seine Arme schon um mich geschwungen.

Ich merkte, wie eine Hand sich löste und wusste genau, dass er hinter meinem Rücken Zeichen zum Bruder machte.

„Lass es!“

Er löste sich aus der Umarmung und sah mich erstaunt an.

„Woher weisst du das nur immer?“

Da sagte der Zwerg schon mit Jammerstimme: “ Weisst du Mama, der Robin hat mir den Stinkefinger gezeigt.“

Vier mal richtete sich der Zwerg noch auf, weil er etwas loswerden musste.

Drei mal davon ging es um „Cat boy“, seinem persönlichen Helden. Dass der T-Rex 2 Finger hat mit langen Krallen dran war sein letzter Satz heute.

Pausen sind so wichtig. Sie machen mich zu einer besseren Mama.

Selbstverwirklichung

Es gibt ein Hobby und eine einzige Sache, die mir heilig ist: mein Sport.

Jetzt bin ich alleinerziehend, arbeite Teilzeit als Krankenschwester, der Haushalt bleibt komplett an mir hängen.

Ebenso schaffe ich es mit Sohn 1 Hausaufgaben zu machen, für Diktate zu üben und Gedichte auswendig zu lernen.

Ich fahre beide zu ihren Freunden, hole ab, organisiere Treffen bei uns.

Drei mal die Woche packe ich die Turntasche für den einen Sohn und jeden Montag fahre ich den kleinen Sohn zur Musikschule.

Mir ist nicht langweilig! Nie!

Selten, dass ich auf der Couch liege und mal die Beine hochlege.

Es gibt immer zu tun!

Mein Sport ist mir wichtig. Es ist Stressabbau, ich sammle Kraft und habe danach mehr Geduld.

Meine Jungs haben das inzwischen verstanden.

Heute zB haben wir uns schick gemacht, denn Sohn 2 hatte mit seinem Kindergarten den Erntedankgottesdienst vorbereitet.

Danach tobten sie draussen mit ihren Freunden, spielten Tischkicker, Verstecke und Fangen.

Um die Mittagszeit herum wurde ich ungeduldig. Genug mit dem Kinderprogramm! Jetzt bin ich dran!

Die Kinder waren nicht kooperativ, hatten keine Lust sich zu Hause umzuziehen, waren genervt und lustlos.

Ich zog mir im Schnellverfahren meine Sportsachen an und packte die Tasche für die Jungs:

Nerf, Schnitzmesser, Autos, Ball, Essen und Trinken.

Meine Motivation war etwas im Keller nach 2 Stück Kuchen. Ich wusste aber, dass ich mich danach besser fühlen werde.

Am Sportplatz angekommen, machen wir uns erst mal breit.

Die Springseile lege ich raus, irgendeiner schnappt es sich doch immer und probiert was aus.

Der Zwerg ging zielstrebig zum Zaun.

„Mama, ich mach nochmal Kopfstand!“

Es klappt richtig gut und ich bin sehr stolz auf ihn.

Ich lege meine Sportmatte aus und stelle mein Programm ein.

Ohne viel Kommunikation lege ich mit dem warm up los.

Die beiden wissen, dass sie sich jetzt selber beschäftigen müssen und ich nur unterbreche, wenn es um Leben und Tod geht.

Ich sehe im Augenwinkel, wie sie am Zaun hochklettern und der Zwerg abrutscht.

Er hängt, die Füsse baumeln und er findet keinen Halt. Der Grosse springt sofort ab und hebt ihn vorsichtig runter.

Solche Dinge klappen, ohne dass ich etwas sage. Deshalb rufe ich laut: „Danke!“

Dass ich Abstand brauche für meine Übungen und es nicht leiden kann, wenn man mir dabei in die Quere kommt, haben sie auch verstanden.

Sollte der Zwerg sich mir mal gefährlich nähern, ist der grosse Bruder sofort zur Stelle, macht ihn darauf aufmerksam, oder lenkt ihn ab.

Sie haben tolle Ideen und wir alle lieben die Zeit auf dem Sportplatz.

Ich lasse ihnen viel Freiheit, dafür, dass ich in Ruhe mein Ding durchziehen kann.

Ich nehme nasse Ärmel in Kauf, dreckige Hosen, die auch nach dem Waschen nicht mehr sauber werden.

Heute wollten beide barfuss sein. Zum Diskutieren hatte ich keine Luft und meine NICHT-Reaktion deuteten sie freudig als ein ja.

Es fing an zu tröpfeln.

Der Grosse bettelte mich an, dass wir trotzdem noch bleiben. Er wolle noch nicht weg.

Ich hatte heute einen grossen Wunsch:

Nämlich DIESES Foto.

Es brauchte ein paar Anläufe, aber es hat geklappt.

Das ist, was uns verbindet. Was uns ausmacht. Das sind WIR!

Jeder unterstützt den Anderen und hilft dabei, dass jeder Einzelne sein kann, wie er ist.

Das ist Familie und ich liebe meine!

Die beste Mama der Welt ( für 4 Tage)

Mit Jasper Juuls These, dass Kinder IMMER kooperativ sein wollen, damit hadere ich schon lange.

Zu lange hat mir mein grosser Sohn das Gegenteil bewiesen. Egal wie harmonisch es zwischen uns war, wie schön der Tag, wie aufregend das Erlebte:

Nein heisst nein.

Heute ist der 1. Tag seit 8 Jahren, an dem ich eventuell ins Grübeln komme.

Ich habe das Geheimnis der besten Mama der Welt herausgefunden.

Diese bin ich jetzt schon den 4. Tag in Folge. Kein Tag vergeht, an dem ich es nicht mindestens einmal höre.

Das Geheimnis macht mich traurig.

Denn es entspricht leider nicht der Realität und ist nicht von Dauer.

Das Geheimnis lautet:

Tatatatatataaaaaa….Trommelwirbel…

13 Tage frei, 7 davon komplett ohne Kinder, weil die mit Papa im Urlaub waren. Eine perfekt saubere Wohnung, eine leere To-do-Liste und keine Hausaufgaben.

Alle meine Speicher sind voll bis Anschlag: Geduld, Kraft, Ausdauer, Liebe und Spass am Leben.

Seit meine Jungs zurück sind, ist hier nichts mehr wie es war.

Ich bin erschrocken darüber und jeden Tag aufs Neue habe ich Angst, dass es jetzt vorbei ist.

Ich habe Nerven aus Stahl, die hab ich mir schon immer so sehr gewünscht.

Aber ich brauche sie gar nicht, denn meine Jungs sind so lieb, rücksichtsvoll und das Beste:

Sie hören auf mich. Warum? Seit wann? Warum erst jetzt und wie lange noch?

Fragt man mich heute danach, ja, ich habe die besten Kinder, die ich mir vorstellen kann!

Schon am 1. Tag zurück, fragte ich abends skeptisch, warum sie sich nicht streiten, nicht kämpfen und sich gemeine, böse Spitznamen geben.

Es war schon zu lang harmonisch, sie lachten sich kaputt, drückten sich wild und es war einfach schön ihnen zuzuschauen.

Am Sonntag machte ich morgens „Armer Ritter“ und immer wieder kamen sie mit ihren Tellern, forderten Nachschub.

Wir spielten Spiele in dem einen Zimmer, kuschelten mit Buch unter die Decke im anderen Zimmer.

Sport gemacht wurde dann im dritten. Wir schwitzten und lachten, weil beide auf meinen Rücken sprangen bei den Kniebeugen. Wir machen das oft und immer wieder macht es allen Spass.

Übrigens habe ich davon heute noch Muskelkater und es quält mich.

Beim Aufräumen hatte ich Wunderkerzen gefunden. Also Matschhosen und Gummistiefel an und raus in den Regen.

Die Jungs hüpften vergnügt, sangen, rannten, liefen mit Anlauf durch Pfützen und nicht einmal fragte der Zwerg: „Trägst du mich?“

Wir zündeten alle Wunderkerzen an. Im September. Ausser uns war kaum jemand draussen. Und die, die unterwegs waren, hatten es eilig heim zu kommen. Wir nicht.

Der Tag war schön!

Am Montag durfte der Zwerg nach 4 Wochen Ferien endlich wieder in den Kindergarten. Er freute sich und seine Freunde drückten ihn. Der Abschied fiel nicht schwer.

Den Grossen brachte ich nach 6 Wochen Pause das 1. Mal wieder in sein Turnen. Es wurde Zeit und ich sah das Leuchten in seinen Augen.

Über 2 h hatte ich Zeit zum Schlendern.

Zeit- das wirklich Schönste und Kostbarste.

Ich machte einen Schlüssel für meinen bald Drittklässer nach, kaufte ihm noch einen Anhänger dazu, auf dem „Lieblingsmensch“ stand.

Er war bereit dafür und freute sich. Er hat bewiesen, dass ich ihm vertrauen kann und es wird vorkommen, dass er vor mir mittags zu Hause ist.

Zum Beispiel, wenn ich eine Fortbildung habe.

Am Nachmittag hatte der Zwerg das 1. Mal Musikschule. Ich wusste, es wird schwer für ihn und kostet ihn Kraft. Er mag keine ersten Male irgendwo mit irgendwem und ohne mich.

Ich liess mich nicht aus der Ruhe bringen von seinem: “ Ich geh da aber nicht hin!“

Ich hoffte und betete, denn ich wusste, das er es lieben wird. Er sollte Buntstifte mitbringen und die kaufte ich ihm neu. Ebenso ein Schlampermäppchen in blau, seiner Lieblingsfarbe. Das würde vielleicht helfen.

Ich war so froh, dass er nicht auf der Couch einschlief, denn er hatte oft „Mittagstief“ und liebt Siesta.

Der Grosse sollte zu seinem Freund, auf den er sich so sehr freute.

Ich hatte Bedenken, dass der Zwerg dann da einfach mit will, statt zur Musikschule und es in einem Drama endet.

Die Trickkiste musste her und wir überlegten, womit wir ihn locken könnten.

2 Dinge haben wir uns ausgedacht.

Damit es sich beim Freund nicht nach Spass anhört, erzählten wir dem Zwerg, dass der Bruder dort Mathe lernen muss, weil besagter Freund besser im Rechnen ist und es ihm erklären soll.

Uuuuuund, wenn er so mutig ist und es schafft zur Musikschule zu gehen, dann spielen wir daheim Verstecke. Und ich- die Mama, mache mit!

Wir waren unterwegs. Der Grosse stöhnte und jammerte, er habe keine Lust auf Mathe.

Freudig riss er noch während der Fahrt die Tür auf, als er den Freund endeckte. Er sprang raus. Ich öffnete das Fenster und rief ihm streng hinterher:

“ Und komm ja nicht zurück, ohne, dass du die Aufgabe verstanden hast!“

Er lachte. Ich lachte.

Der Zwerg nahm stolz seine Tasche mit Stiften und Schlampermäppchen.

Schüchtern und zaghaft lief er hinter mir, hielt sich an seiner Tasche fest.

Es fiel ihm schwer, aber er hat es geschafft. Und ich war so stolz auf ihn.

Und er auf sich. Er war beim Abholen ausgelassen und hatte einer anderen Mama erzählt, dass wir daheim Verstecke spielen würden, weil er mutig war.

Ich gebe es zu, ich mag Verstecke spielen nicht besonders und bin immer froh, wenn ich in der Zeit etwas Ruhe habe.

Ich freute mich drauf und ließ mich ein.

Wir hatten solchen Spass und mehrmals bekam ich vor Lachen keine Luft. In meinen absurden Verstecken musste ich mir den Mund zuhalten, um nicht laut loszuprusten.

„Oh Mama, ich hab so Lust auf Wasserfarben malen, aber dürfen wir jetzt sicher nicht, gell?“

Doch…und sie waren happy.

Es war ein Geben und Nehmen und je mehr ich geben konnte, umso glücklicher und zufriedener wurde ich.

Heute war der letzte Ferientag meines Sohnes. Gestern durfte er deswegen bis 21.55 Uhr seine Lieblingsserie schauen und ich legte mich danach trotzdem noch zu ihm ins Bett und ließ mir alles erzählen. Ich bewunderte in Gedanken seinen Satzbau. Er ist groß geworden.

Heute blieb er bis Mittag im Schlafanzug. Er schaute Fernseh, ich ging einkaufen.

Er holte sich freiwillig einen Apfel und aß ihn ganz auf.

Dafür brachte ich ihm vom Einkauf eine Zeitschrift mit, was ich sonst nie mache.

Ich sagte zur Kassiererin:

„Seltsam, so oft habe ich nein gesagt und meine Kinder haben gebettelt. Jetzt bin ich mal ohne Kinder hier und kaufe dieses Ding!“

Sohn konnte sein Glück nicht fassen und da war es wieder: „Ey, du bist echt die Beste!“

Beim Frisör waren sie ausgelassen und ich schämte mich etwas.

Zum 1. Mal klappte es, was ich immer predige:

„Ihr fragt nicht selber nach Gummibärchen, das ist unhöflich. Ihr wartet ab, bis sie es euch anbietet!“

Ich betete, dass sie es gerade heute nicht vergessen wird.

Auf dem Spielplatz wurde ordentlich getobt, der eine versuchte dem anderen den Ball abzunehmen. Es ging wild zu und es war laut.

Eine Mama sagte:

“ Sind halt Jungs, gell!“

Sie erwartet ihr 2. Kind und ich glaube, sie hat jetzt Angst vor einem 2. Jungen.

Ich wollte schon immer Jungs, die sind speziell und ich liebe es, dass ich zwei davon habe. Nie habe ich mich nach einem Mädchen gesehnt.

Daheim mussten beide duschen. Seit heute Morgen sage ich es immer wieder, in der Hoffnung, dass die Empörung klein ausfällt.

Grosser Sohn, problemlos. Lacht, weil ich anfange ihn einzuseifen. Das ist schon lang nicht mehr mein Aufgabengebiet und er droht mir, dass ich ja nicht seinen Popo waschen soll. Das mache er selbst.

Ich föhnte ihn und musste das am ganzen Körper machen. Er strahlte.

Ich holte tief Luft. Ich täuschte an, Kind 2 ahnte aber schon was kam. Ich schnappte ihn, er schrie, versuchte sich überall festzuhalten, flehte:

„Aber nicht über den Kopf!“

Er schrie, und ich beeilte mich. Er war sauer. Er schubste mich weg und schaute mich böse an.

Ich erwiderte seinen Blick nicht und als ich ihn hochnahm, legte er seinen Kopf auf meiner Schulter ab. Schön!

Ich hörte den Grossen in der Küche, es polterte und ich hörte Besteck.

Ich versuchte nicht sauer zu sein, denn ich habe heute einen aufwendigen Auflauf gekocht und wollte, dass sie den heute essen.

Stattdessen war ich mir sicher, dass er Gurken und Äpfel vorbereitet hat.

Als ich in die Küche kam, traute ich meinen Augen kaum.

Zwei Teller, jeder ziemlich vollgeladen mit meinem Auflauf. Serviette und Besteck daneben. Er schaufelte los und ich dachte, die Portionen sind gewaltig.

Er überredete den schreienden Bruder zumindest zu probieren. Der wollte aber Kaba und sonst nichts, schrie in allen Oktaven.

Plötzlich hörte ich:“ Fertig!“ Und sah, wie er seinen Teller wegräumte.

Der Teller war leer.

„WO hast du den Rest hingeschüttet“, fragte ich ungläubig. Er lachte und zeigte auf seinen Bauch.

Ich stand sprachlos da.

Ob es ihm geschmeckt habe, wollte ich wissen.

„Ja, war mega lecker!“

Ich trieb es noch auf die Spitze, indem ich den Grossen bat den Müll raus zu bringen.

„O.k“

Er sah meinen verstörten Blick nicht und ich suchte die versteckte Kamera.

Halb 8 lagen wir fertig auf der Couch, beide hatten einen Kaba getrunken und Zähne geputzt.

Da hörte ich den Satz, der jegliche gute Stimmung vernichten kann.

„Irgendwie hab ich noch voll Hunger. Darf ich wenigstens Erdnussbutter löffeln?“

Der Zwerg bestand auf einen 2. Kaba.

Ich bestand darauf, dass beide jetzt ins Bett gehen, weil mir das Spiel nicht gefällt.

Ich wusste, dass beide sehr müde sind und eine 2. Runde Zähne putzen gab es heute definitiv nicht.

Der Zwerg war sofort weg.

Der Grosse schimpfte, dass das alles nicht fair sei. Er schnaufte laut, fing an zu pfeiffen und mit aller Macht zu demonstrieren, wie sauer er ist.

Er habe Essen gemacht und ich würde NICHTS für ihn tun. Nieeeee wieder würde er sowas für mich machen.

Hungrig ins Bett, zähhh, was wär ich nur für eine herzlose Mutter und mein Essen sei sowieso furchtbar.

Dann schnarchte er.

Ach ja, meine Seifenblase der perfekten Mutter platzt. Ich befürchte, dass die schönste Zeit mit dem morgigen Schulbeginn dann endgültig dahin ist.

Damit kann ich leben. 😉

7 Tage ohne Kinder

Mein Fazit an Tag 6:

Ich habe doch tatsächlich „Baby shark“ gegoogelt und mitgewippt.

Das war heut das allererste Zeichen.

Seid empört, aber ich habe meine Jungs keine Minute vermisst!

Leicht macht das die Tatsache, dass ich täglich schöne Bilder geschickt bekam von überglücklichen, ausgelassenen Kindern.

Ausserdem weiss ich ja, dass sie wiederkommen. Und zwar morgen.

Ich habe mich lange zuvor und sehr gut auf diese Woche vorbereitet.

Nichts wollt ich dem Zufall überlassen und hatte mir einige Ziele gesteckt. Nicht zu viel vorgenommen, denn es sollte ja nicht im Stress enden.

Von meiner Chefin habe ich mir die ganze Woche frei gewünscht und sie hat mir den Wunsch erfüllt.

Ich war aufgeregt und voller Vorfreude.

Als ich wusste, dass die Kinder gut am Urlaubsziel angekommen sind und der Papa mir das 1. Bild aus Italien schickte, gab’s für mich kein Halten mehr.

Von all meinen Zielen, habe ich Einiges geschafft.

Zum Beispiel habe ich es geschafft, jeden Tag mindestens 2 Liter zu trinken.

Ich habe es geschafft, einige Male Sport zu machen ( geplant war täglich-naja)

Mit einer Freundin, die ich länger nicht gesehen hatte, wünschte ich mir einen Waldspaziergang. Nicht unter 2 h war meine Bedingung. Es wurden sogar sage und schreibe 4 Stunden!

Ich habe alle Schulsachen für die 3. Klasse eingekauft, beschriftet und sortiert. Mit Liebe!

Einen ganzen Tag hab ich dafür geopfert, meinen Keller aufzuräumen und zu sortieren. Ich habe die Schränke der Kinder jahreszeitentsprechend bestückt und ausgemistet. 2 Mal war ich beim Altkleidercontainer und habe Einiges inseriert und auch schon verkauft.

Ich habe ALLE Zimmer, inklusive Balkon geputzt. So gründlich, wie ich es noch nie zuvor getan habe.

Einen alten Badschrank abgebaut und durch einen neuen ersetzt. Inklusive auswischen, neu sortieren, abstauben, ausmisten.

Alle Medikamente im Haus habe ich auf Verfall kontrolliert und sortiert nach: Verbandsstoffe, Salben und Tabletten.

Ich war 2 mal beim Recyclinghof: alte Spielsachen, die alten Laufräder, Kruscht…alles weg!

Betten habe ich abgezogen und frisch bezogen, hatte sogar Zeit alle Matratzenschoner mitzuwaschen.

Ich hatte Dates und konnte sagen:

„Ich bin total flexibel. Ich richte mich nach dir.“

Sehr viel Musik hab ich gehört. Und ich meine keine Kinderlieder.

Und Podcasts. Mitten am Tag.

Ich habe ausgeschlafen. (Bis 7.30 Uhr meistens😁)

Einmal war ich sogar bis 3 Uhr nachts wach! Wie so ein erwachsener Mensch. Wie früher.

Ich habe alle Fotos vom Handy auf den Laptop gezogen, in Dateien verpackt und zum Drucken ins Labor geschickt.

Wow! Was man alles schafft ohne Kinder!

Alles ist, wo es hingehört. Es ist sauber, ordentlich, gemütlich. Der Wäschekorb leer.

Es ist still. Die Stille war schön.

Auch, mit niemanden reden zu müssen. Stundenlang stillschweigend irgendwas machen.

In Ruhe. Ohne Unterbrechungen. Von Anfang bis Ende.

Es war so ungewohnt, dass ich einkaufen war, gegessen habe, aufgeräumt…Und dann immer noch Zeit hatte. Für was auch immer.

Ich freu mich morgen auf meine Kinder.

Das alles, die Ordnung und die Ruhe, die waren nur so schön, weil es zeitlich begrenzt war.

Niemals möchte ich das Geschrei, die Tobsuchtsanfälle, das Gezicke eintauschen gegen eine saubere Wohnung. Denn die kann mich auf Dauer nicht glücklich machen.

Meine Kinder aber schon.

Loslassen in Etappen

Wenn man sich als Elternpaar trennt, lernt man loszulassen.

Am Anfang war es so schwer und ich wollte die Kinder ungern weggeben. Auch wenn es der Papa war.

Andererseits brauchte ich die Zeit ohne sie so sehr.

Zum Ausruhen, zum Aufräumen, zum mich sortieren, durchatmen. Oder eben zum arbeiten als Krankenschwester.

Die Kommunikation zwischen meinem Ex -Mann und mir war weit weg von gut.

Vieles lief vor den Kindern ab, so, wie ich es niemals wollte.

Ich habe viel geweint. Auch vor den Jungs. Es liess sich nicht vermeiden.

Ich war oft verzweifelt und hatte gefühlt nichts im Griff.

Unser Haus war damals 2 Jahr alt und wir zogen aus. Der Papa blieb dort wohnen.

Sehr schnell gab es diese neue Frau und nicht nur einmal dachte ich wirklich, dass ich den Verstand verliere.

Zu wissen, dass sie sich zu zweit um unsere Kinder kümmern, während ich alles alleine stemmen musste, machte mich irre.

Mein Sohn erzählte mir einmal, dass sie mit ihm Ball spiele, während Papa Essen koche.

Ich kochte auch, meist ebenso vor Wut, weil die Kinder mich da am meisten forderten. Es war keiner da, der sich in der Zeit mit ihnen beschäftigte und ich schrie viel.

Dann weinte ich wieder. Ich war überfordert, wütend, traurig, ich kam nicht klar und es war alles viel zu viel.

Der Umzug vom Haus in diese 3 Zimmer Wohnung machte mir zu schaffen. Wenn wir zu dritt im Bad waren, konnte ich gefühlt nicht mehr atmen, alles war so eng.

Ich fühlte mich getrieben, immer wieder zog es mich zum Haus. Nur mal kucken. Ob er da ist, ob sie da ist.

Es dauerte lang, bis dieses Gefühl aufhörte.

Auf den ersten Blick schien es, als habe er alles und sei der grosse Gewinner.

Immer wieder redete ich mir gut zu, dass das Blatt sich wenden wird.

Ich glaubte an Gerechtigkeit und wusste, dass meine Situation nicht für immer war.

Er lachte mich aus, als ich ihm das sagte.

Eine gute Freundin redete auf mich ein, dass der Zwerg auch bei ihm übernachten soll, so wie der Grosse.

Er war erst 1 und ich hatte ihn nachts immer bei mir. Er wachte noch oft auf und ich bildete mir ein, dass er seine Mama braucht.

Vielleicht brauchte ich ihn aber noch mehr.

Wir versuchten es und es klappte gut.

Beide gingen immer gern zum Papa, es gab nie Tränen an der Tür.

Ich klopfe mir dafür auf die Schulter, denn ich bin daran ja nicht unbeteiligt.

Die einzige die weinte, war ich. Immer, wenn die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel.

Es quälte mich. Lange.

Irgendwann weinte ich nicht mehr und es wurde besser.

Ich lernte allein zu sein und die Zeit sinnvoll zu gestalten.

Inzwischen sind die Papa-Wochenenden selbstverständlich und nicht mehr wegzudenken.

Der Abschied tut nicht mehr weh. Meistens freu ich mich wie verrückt.

Sie kommen ja wieder! Alles halb so wild!

Dieses Jahr wurde unser Haus verkauft und der Papa zog weiter weg.

Statt 10 min sind es jetzt fast 60 min.

Das ist nochmal ein ganz anderes Loslassen. Über die Autobahn. Hoffen, dass alles gut geht.

Bei Wind und Wetter.

Nicht mehr ins gewohnte Haus, wo sie jede Ecke kennen. Beide ihre Zimmer haben. Den Garten.

Es hat gedauert. Aber von Kindern kann man viel lernen.

Papa hat jetzt eine kleine Wohnung. Aber die Jungs sind begeistert, denn jetzt können sie in der großen Stadt shoppen. Gleich um die Ecke ist ein Indoorspielplatz und es gibt so viel Neues!

Wir haben uns gewöhnt.

Die Kinder sind nicht weniger glücklich als vorher auch.

Jetzt, nach 3 Jahren sind sie das erste Mal mit Papa im Urlaub. So richtig.

Er verkündete vor einigen Wochen, dass ein Kollege eine Wohnung am Gardasee habe und er will dort mit den Jungs hin.

Mein Sohn will seit 2 Jahren so gern dorthin. Alle seine Freunde waren scho dort.

Ich hab ihm diese Illusion genommen, denn ich trau mir die weite Fahrt alleine nicht zu.

Ich hatte nichts dagegen. Wie könnte ich?

Ich habe schon so viele Kurzurlaube und richtige Urlaube mit den beiden gemacht. Ohne ihn jemals nach seiner Meinung zu fragen.

Ich wusste, dass es sein absolutes Recht ist und ich das nicht ändern kann.

Und doch…

Es wurmte mich. Ich googelte. Ich schlief schlecht und wenig.

Hoffte bis zuletzt, dass es ist wie immer: er will etwas durchsetzen, ich tu so, als ob es o.k ist und dann klappt es doch nicht.

Bisher war es immer so.

Ich wusste, dass er den Plan definitiv durchziehen wird, wenn ich ihm versuche Steine in den Weg zu legen.

Diesmal nicht!

Der Tag rückte näher und ich wurde unruhig.

Als er sie abholte, versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen.

Ich lachte, ich war freundlich. Aber ich stellte Fragen.

Ich gab ungefragt Tipps.

Fragte, ob er an Dies und Das gedacht habe.

Wir saßen noch 30 min vor’m Auto zusammen. Zu viert. Das ist selten geworden.

Aber die Stimmung war gut und ich genoss es. Die Kinder hüpften um uns rum und führten mal dem einen, mal dem anderen Elternteil etwas vor.

Noch ein Kussi hier, ein Drücker da.

Dann waren sie weg.

Ich hatte schlechte Laune, ich gebe es zu. Ich war in Sorge.

Als die Nachricht kam, dass sie da sind, ging es steil bergauf.

Meine Jungs sind in Italien. Am Gardasee und ich bin ausser mir vor Freude.

Ich bekomme regelmässig Fotos von stralenden Kindern.

Mal beim Pizza essen. Mal neben Peppa Wutz im Movieland. Und der Zwerg liebt Familie Wutz.

50% seiner Allgemeinbildung hat er von dieser Serie.

Ich bekomme Sprachnachrichten mit aufgeregten Stimmen. Sie fallen sich gegenseitig ins Wort, weil sie nicht abwarten können, alles loszuwerden.

Es ist ein schönes Gefühl. Ich freu mich mit ihnen und für sie.

Loslassen.

Es ist schwer. Aber man kann es lernen.

Eindrücke vom Urlaub

Unser Urlaub auf Kreta ist erst einen Tag her und nach 5 Maschinen Wäsche bin ich wieder auf dem Boden der Tatsachen:Welcome back Mommy!

Kreta wurde es deshalb, weil wir da letztes Jahr unseren ersten richtigen Urlaub zu dritt hatten.

Wenn ich zurückdenke, erinnere ich mich an ganz viel Lachen, Singen, Tanzen, Quatsch machen, Abenteuer und die anerkennenden Worte von einigen aus meinem Umfeld: „Hut ab! Allein mit 2 Kindern ans Meer fliegen, das ist schon ne Leistung!“

Auf alle Fälle zog es uns wieder an diesen Ort, wir haben abgestimmt und waren uns sofort einig. Eine Freundin sagte mir mal, Kreta habe heilende Kräfte und in der Tat fühlt es sich dort ein bisschen so an.

Ziemlich entspannt machte ich mich einen Tag vorher ans Koffer packen.Diesmal klappte alles Organisatorische NOCH besser, der Zwerg konnte sich auch noch an die Kontrollen erinnern, liess sich diesmal bereitwillig abtasten und wir scherzten darüber, dass man wie ein Roboter dort stehen muss.

Das gefiel ihm, ebenso das Spiel:“Wenn es nicht piepst, haben wir gewonnen!“

Wir kamen erst 23 Uhr im Hotel an, durften noch ins Restaurant und essen. Mit uns saß eine andere Mama mit ihrem 9 jährigen Sohn und wir kamen ins Plaudern.

„Der erste Urlaub ohne Papa“ sagte sie und der Sohn schaute etwas skeptisch, als sie hinzufügte: „Aber das schaffen wir auch zu zweit!“

Die beiden haben uns durch unsere 10 Tage begleitet und mit jedem Tag strahlten sie mehr.Am letzten Tag war es mir wichtig ihr zu sagen, wie toll ich die beiden miteinander empfunden habe.

Wie respektvoll der Umgang untereinander ist und dass ich denke, dass sie ein super Team sind.Sie freute sich darüber und sagte im Gegenzug, dass sie mich als unglaublich stark erlebt, ich hätt meine Jungs super im Griff und sie bewundert mich dafür.

Ich? Im Griff? Das war grad einer dieser Tage, an dem ich selber gefühlt NICHTS im Griff hatte.

Dann gab es noch diese andere nette Mama, die mit 3 jähriger Tochter da war und ihre Eltern als Verstärkung dabei hatte. Sie fiel mir am Strand auf, als sie zu ihrer Tochter sagte:“Mila, komm jetzt bitte. Ich habe es 2 mal gesagt und du weisst, ich lauf dir nicht hinterher.“

Sie war mir sofort sympatisch.Sie rockte ihr Leben seit 2 Jahren alleine und das besser als mit Partner sagte sie.“Denn jetzt hab ich nur noch ein Kind und nicht mehr zwei.“

Unser Gespräch im Pool werde ich nie vergessen, weil ihr Töchterlein so einen Tobsuchtsanfall bekam und lauthals geschrien hat.

In meiner Phantasie sah ich Gläser zerspringen, sie gab wirklich alles. Der Animateur hielt sogar kurz inne, unterbrach die Wassergymnastik und schaute entsetzt rüber.

Meine Jungs sind 4 Jahre auseinander und wir waren wie Nomaden: alle paar Stunden mal am Meer, die neue Tauchermaske ausprobieren, dann wieder im Babybecken, weil der Zwerg zu seinem neuen Kumpel Jonas wollte.

Mir war es egal, ich war überall gerne und machte bereitwillig alles mit, aber einer war immer unzufrieden. Ich erinnere mich an viele schöne Momente.

Am 2. Tag schlief der Kleine mittags und mein grosser Sohn und ich saßen auf dem Balkon, schauten aufs Meer und redeten. Überhaupt haben wie viel geredet und ich habe meine Kinder neu entdeckt.

Dass beide gern Fussball spielen wusste ich, aber bewusst zugesehen dabei habe ich eigentlich nie wirklich. Ich war verblüfft vom Talent des Grossen und seinen Tricks. Er war oft auf dem Fussballfeld zu finden und war ein sehr begehrter Mitspieler.

Die Jungs in jedem Alter rissen sich um ihn. Einmal kam sogar ein polnischer Junge mit dem Handy auf ihn zu. Seine Oma hatte die Übersetzung eingeschaltet und darauf stand: „Willst du mit mir Fussball spielen?“

Er war beeindruckt und freute sich.

Sein Englisch wurde von Tag zu Tag besser, weil es ohne gar nicht ging.Der Zwerg war sehr interessiert an der neuen Sprache und wenn er sich ungerecht behandelt fühlte, hörte ich ihn „NO“ schreien.

Ich schmunzelte darüber.Er wollte alles mögliche von mir übersetzt haben und am Ende sagte er zu jedem: [iksküsi] , this is my brother .Wenn er im Fahrstuhl auf englisch gefragt wurde, wie er heisst, verstand er es und konnte antworten.

Überhaupt erfreute ich mich sehr an meinen Jungs, denn sie sind offen und finden schnell Abschluss.

Ich sah ihnen gern zu und hörte sie lachen. Bewusst. Dann grinste ich und war glücklich. Sie waren ausgelassen, tanzten und sangen viel. Ich konnte mich nicht sattsehen.Wir nahmen uns vor, jeden Tag eine Sache im Restaurant zu probieren, die wir noch nicht kennen.

Bis Tag 6 schafften wir es, dann kam ich mit 3 Schnecken zum Tisch zurück und beide waren empört.

Ich liess mir vom Kellner erklären, wie man die überhaupt isst und keiner von uns konnte sich überwinden. Es war zu ekelig. Die besten Gespräche mit Zwergi hatte ich immer auf dem Klo. Denn da lässt er sich ausgiebig Zeit.“Mama, bist du stolz auf mich?““Immer!““Auch wenn ich dich hau und Arschloch zu dir sag???“

Er forderte es mehrmals raus, ich gebe es zu. Einmal wollt ich ihm mittags keine „Chocolate“ aus dem Automat lassen. Er tobte und ich liess ihn toben, ging entspannt zum Buffet. Als ich wieder kam, stand auf dem Tisch ein Tasse mit heissem Wasser und er liess sich von der Kellnerin gerade einen Teebeutel öffnen. Es war Schwarztee. Ich schmunzelte.Es war die unterste Taste am Automat und die einzige, an die er reichte.

Er sagte dann, dass der Tee für mich sei, ich würde doch Tee lieben.Ein anderes Mal wollte er mittags mit Nachtisch beginnen und ich war dagegen. Er stapfte wütend und entschlossen los und ich wartete neugierig ab. Es dauerte mir dann doch etwas lang und als ich um die Ecke schaute, sah ich gerade noch, wie er sich einen Brownie auf seinen Teller lud.

Der Tisch war in Höhe seiner Stirn und er benutzte sogar die Zange dafür. Wie konnte ich da böse sein?!?“Ich bin ja soooo stolz auf dich“, sagte er eines Tages zu mir und kam ganz nah an mich ran, so, dass unsere Nasen sich berührten.

Auf die Frage warum antwortete er:“ Du bist mein allerbestes Mädchen!“

Wo hat er nur diese Sprüche her? Er war immer auf der Suche nach „seinen Mädels“. Das waren drei Pubärtierende aus Stuttgart und die hatten es ihm angetan.“Gell Mama, die eine ist so wunderwunderschön, findest du das auch?“

Geschmack hatte er und ihre Mutter sagte zu ihr, sie soll diese Komplimente geniessen, denn es werden ihr nicht viele Männer in ihrem Leben so ein schönes Kompliment machen und es so von Herzen ehrlich meinen wie mein Sohn.

In der ersten Woche erinnerte mich mein Sohn an mein Versprechen mit der Sandburg und wir machten uns an die Arbeit. Jeder hatte seinen Auftag und wusste genau was zu tun ist. Am Ende waren alle begeistert. Vor lauter Freude über das vollendete Werk, liess sich der Grosse mit Absicht drauffallen.

Wenn es einer zerstört, dann doch wenigstens er war die Begründung.Geschrei auf der anderen Seite. Die Jungs konnten ihr Glück an Tag 8 nicht fassen, als ich ihnen erlaubte Cola zu trinken. Nur heute und nur ausnahmsweise. Keine Kindercola von Edeka, sondern die richtige für Erwachsene.“Du bist die beste Mama auf der ganzen Welt!“Hm…und wenn.

Daheim gibt’s trotzdem keine Cola. Ich mag das nicht.Ich freute mich über jeden leeren Teller, denn wir hatten ausgemacht, so wenig wie möglich übrig zu lassen, ausser es schmeckt etwas nicht. Klappte nicht wirklich oft. Auch bei mir nicht. Mir war wichtig, dass etwas zusammengeräumt wurde vor Verlassen des Tisches, zumindest aus Respekt dem Personal gegenüber. Wenn etwas verschüttet wurde, musste derjenige es aufwischen, auch wenn sofort eine dieser netten Damen parat stand.

Alle Tische waren immer mit 2 mal Besteck ausgestattet und mein Grosser hatte es sich zur Aufgabe gemacht, das dritte Besteck zu organisieren.

Besteck- einer der beiden Gründe, warum ich beim Essen mein Handy zücken musste. Wie heisst das nochmal auf englisch? Gabel, Messer, Löffel, alles wusste ich, aber Besteck? Cutlery…aha. Ich hatte das Gefühl, dass ich das noch nie vorher gehört hatte.

Dafür vergessen wir es jetzt nie wieder. Es hört sich so lieb an. Und lustig irgendwie.Das andere Mal googelte ich nach allem Wissenswerten über Oktopusse.

Denn so einen hatte ich dank der Tauchermaske meines Sohnes 5 Meter vom Strand entfernt entdeckt, als er und ich ein bisschen rausschwammen. Ich riss mir sofort die Maske vom Gesicht und überreichte sie meinem Sohn neben mir. Wir flippten aus vor Freude und waren ganz aus dem Häuschen. Das war ein tolles Erlebnis und er wollte sofort Papa ne Sprachnachricht schicken.

Eines Tages war es windig und ich machte den Vorschlag mal nach links am Strand entlang zu gehen und die Gegend zu erkunden. Lustlosigleit, kein Bock, ich will nicht laufen.

Ich setzte mich durch. Weil ich die Felsen dort gesehen habe und meine Jungs kenne. Es war laut Sohn der schönste Tag. Dort mussten sie wirklich klettern, Felsen hoch und runter, wir entdeckten „Spuren“ in den Steinen, Muscheln, Schnecken, besondere Steine und Höhlen.

Ich weiss nicht was anstrengender war für mich: körperlich mitzuhalten mit den kleinen Äffchen, oder meine Angst auszuhalten vor der drohenden Gefahr, die überall lauerte. Es war gefährlicher als ich dachte und wir hatten einen riesen Spass. Als wir am Hotel waren, stellten alle fest, dass wir noch gar nicht zurück wollen und es uns wieder zu den Steinen zieht. Also sind wir nochmal zurück.

Der Zwerg singend und mit Stock in der Hand, den er als Waffe sah.“Du brauchst keine Angst haben, Mama. Ich beschütze dich!“Am Ende lobte ich ihn für seine Kletterkünste und war ehrlich beeindruckt.“Danke Mama“, sagte er stolz. Am letzten Tag versuchte uns der nette junge Mann von der „bananaboattour“ zu überzeugen. Ich winkte gleich ab.

Es kam für mich nicht in Frage mit einem 4 jährigen aufs offene Meer rauszufahren.

Er sagte, die Tour sei ab 2 Jahren ausgelegt, es wird nicht schnell gefahren und er schwört mir hoch und heilig, dass wir nicht ins Wasser fallen werden.Ich hörte zu.Ich hörte 45 min, nur 5 min fahren zu einer anderen Bucht, schnorcheln, schwimmen, Schwimmweste.

Es war unser letzter Tag und es ging kein Wind. 13 Uhr war Treffpunkt. Ich sagte zu.Der Grosse tobte, auf keinen Fall und unter gar keinen Umständen macht er da mit.

Wenn überhaupt, dann sitzt er mit seinem Bruder im Boot und überhaupt.Er verunsicherte mich mit seiner Angst um den Zwuckel. Er hatte richtige Horrorszenarien im Kopf.

Ich redet auf ihn ein und erklärte alles. Wir gingen alles durch und bis 13 Uhr wusste ich nicht, ob das gutgeht mit uns, weil der Zwuckel dann auch schon anfing, dass er nicht mitkommt.

Beide zogen bereitwillig ihre Schwimmwesten an und liessen sich ihre Plätze zuweisen.

Beide waren still. Der Grosse angespannt. Er kaute nervös an seinen Nägeln.

Als das Boot losfuhr, schaute er ängstlich zu seinem Bruder.Dieser fing vor Freude an zu lachen. Er schob wütend meine Hand weg, wenn er merkte, dass ich ihn festhielt.

Als der Grosse das bemerkte und auch, dass das Boot wirklich nicht schnell fuhr, entspannte er sichtlich und konnte es geniessen.Er schrie vor Freude und lachte laut. Es machte Spass. So sehr. Dort angekommen, war mein Sohn nicht zu halten und sprang als erster ins Wasser.

Er war so fröhlich und traute sich auch auf den Felsen dort, um runterzuspringen.

Mut machte ihm das andere 8 jährige Mädchen, das dort wohl schon oft dabei war.Es war fantastisch und ich war so glücklich, weil die Kinder so glücklich waren. Die Mini disco war 20:30 Uhr unter freiem Himmel. Wir beobachteten gern die Sterne und plötzlich fing der Grosse an, seinem Bruder vom Universum zu erzählen, von den Sternen, was Sternschnuppen sind, dem schwarzen Loch und der Milchstrasse. Ich schaute ihn mit offenem Mund an und war sprachlos.“Woher weisst du denn das alles?“Er zuckte gleichgültig mit den Schultern und antwortete: “ Das weiss doch jeder!“Mein highlight ist trotzdem diese eine Frau, die ich nie vergessen werde.Ich sass mit schlafenden Kind auf dem Arm im Restaurant und wollte ihn nicht wecken. Allerdings hatten wir auch nur noch 30 min Zeit vor der Schließung.Sie kam an unseren Tisch, lächelte so herzlich und sagte auf englisch, dass sie gehört habe, wie ich zur Kellnerin sagte, dass ich so Hunger hätte.

Bei ihrer Familie sei alles gut, sie bietet mir ihre Hilfe an, ich soll ihr nur sagen, was sie tun soll. Kind halten, oder Essen bringen, egal was.Ich weiss ich hatte Tränen in den Augen, weil ich so baff war. Und so gerührt von dieser Geste.Sie hielt mein Kind. Bis ich mit meinem Teller zurück kam, war er wach und lächelte mich an.Trotzdem. Ich habe sie sofort ins Herz geschlossen und wir hatten tolle Gespräche.

Der Urlaub war sehr, sehr schön.Aber ich will auch nichts schöner reden, als es war. Es verging kaum ein Tag, an dem nicht gestritten wurde.Auch dort gab es Dramen. Geschrei. Krieg. Gestichel.Und wenn es nur darum ging, dass der eine sagte, man könne seinen Po selber nicht sehen und der andere deshalb weinte, weil er seinen sehr wohl sehen könne .Anderes Beispiel.Wir waren einen ganzen Tag nur im Babybecken und der Grosse wünschte sich, dass wir zusammen ins Tiefe gehen.Ich verstand seinen Unmut und wollte mit.

Der Zwerg allerdings nicht und er schrie um sein Leben.Am Beckenrand wollte ich ihm seine Schwimmflügel anziehen. Das wehrte er ab. Die übliche Diskussion:“Also ich werde jetzt reingehen. Willst du mit, oder wartest du draussen?“Geschrei.

Ich ging eine Stufe tiefer im Becken.

Noch lauteres Geschrei. Erneute Ansage.Ok, Schwimmflügel. Und Geschrei.

Er tobte am Beckenrand. Er wollte nicht mit rein. Aber ich sollte auch nicht rein, soviel verstand ich.Ich ließ ihn stehen und schwamm zum Sohn, der schon genervt war.

Alle schauten zu uns. Ich atmete.

Plötzlich sprang er unerwartet neben mir ins Wasser. Vor Wut. Er ging kurz unter und tauchte gleich wieder auf, um dann noch wütender zu sein.So sehr ich mich auch immer wieder aufrege wegen ihnen, kurz darauf passiert etwas, dass ich wieder voller Liebe bin.

Am Flughafen in Stuttgart angekommen gingen Zwerg und ich aufs Klo. Das Gepäckband hatte noch nicht mal angefangen sich zu drehen und ich stellte mich auf mind. 30 Minuten Wartezeit ein.Ich hob den Zwerg noch hoch, um den „mittleren“ Smilie im Wc zu drücken, mit der man die Qualität bewerten konnte. Keine 5 min später kamen wir raus und da stand der Grosse mit beiden Koffern und wartete.Ich konnte es nicht fassen und liess mir alles darüber erzählen . Er war stolz.

Als der Zwerg mich abends beim Einschlafen fragte, ob ich stolz auf ihn bin, sagte ich ja. Und ob ich auch auf seinen Bruder stolz wäre, wollte er noch wissen. „Oh ja, und wie!“