I can’t master this disaster, oder ein ganz normales Wochenende

Das 1. Mal, das ich mit einem Bild beginne!

Ich habe es vorhin entdeckt und es umfasst so ziemlich all meine Gedanken am heutigen Tag.

Spinn ich eigentlich, oder spinnen die zwei?

Der einzig passende Eintrag kam von einer Bekannten, die bei Instagram schrieb: “ Ich brauche Urlaub von meinem Kind!“

Darf man denn so etwas sagen? Wenn ja, treibe ich es jetzt auf die Spitze.

Achtung, haltet euch fest und schnallt euch an!

Ich wollte meine Jungs heut mehrmals auf den Mond schicken und mich unsichtbar zaubern. Die Zeit anhalten, so dass jeder in seiner momentanen Bewegung verharrt und sich nicht rühren kann.

Ich habe sie in Gedanken an einem Baum gefesselt und bin gegangen.

Ich habe gedroht mich in ein Zimmer zu schliessen, nur, weil ich sie nicht mehr ertragen kann.

Ich wollte die Wohnung verlassen. Heute war ich nah dran, es auszuprobieren mit der Runde um den Block. Sie alleine lassen und einfach gehen. Ans Wiederkommen habe ich nicht gedacht um ehrlich zu sein.

Wenn ich lese, dass Schreien der Kinderseele wehtut wie körperlicher Missbrauch….dann habe ich heute auf ganzer Linie versagt. Mehrmals.

Denn ich habe geschrien, dass es mich im Hals kratzte. Die offenen Fenster haben mich heute nicht gestört.

Ich habe durch die Zähne geredet. Die Endstufe vor’m Nervenzusammenbruch quasi.

Ich bin an meine Belastungsgrenze gekommen und musste danach gefühlt noch nen Marathon laufen. Hinter mir einige Braunbären und Dinos mit flätschenden Zähnen.

So fühlte es sich an.

Meine Gedanken drückten immer auf repeat:

„Ich kann nicht mehr!“

“ Ich schaff das heute nicht, ich steh es nicht durch!“

“ Ich habe heut keine Kraft für sowas!“

Gepaart mit viiiiiiiiiiel Selbstmitleid und mimimi:

„Warum nimmt keiner auf MICH Rücksicht!?“

„Warum hören sie nicht auf mich?“

„Warum sehen sie nicht, dass sie zu weit gehen?“

„Warum werden meine Grenzen überschritten?“

Meine meist wiederholtesten Sätze von heute waren:

„Hört auf die Türen zu batschen!“

„Ihr seid zu laut!“

„Hört auf zu kämpfen!“

„Hör doch jetzt mal auf!“

„Was ist deine Aufgabe?…dann bitte!“

„Hast du gehört was ich dir gesagt habe?“

Gestern las ich erst einen Artikel über besagten letzten Satz und dass man stattdessen besser sagen könnte:

“ Wiederhole, was ich gesagt habe!“

In der Theorie fand ich das ganz brauchbar.

In der Praxis hat er heut versagt, so wie ich.

Heute fühle ich mich wie die schlechteste Mutter der Erde.

Ich habe heut kaum gelächelt, hab meist ernst, oder sogar sauer geschaut.

Um 11 Uhr wusst ich heut bereits, der Tag ist hinüber, nicht mehr zu retten. Das wird heut nichts mehr, ich gebe mich geschlagen.

Mein Kleiner haute mir die Realität zwei mal um die Ohren.

„Du bist eh kein guter Mensch!“

Später…

„Du bist eh ne blöde Mama…für mich!“

Ich bin ihm nicht mal böse, denn vielleicht hat er nur meine Gedanken ausgesprochen.

Ich erspare euch Details.

Es war ein Tag, an dem einer allein das nicht packen kann.

Ein Tag, an dem strenge Blicke nicht ausreichten, sondern als Aufforderung gesehen wurden weiterzumachen.

Ein Tag, an dem ich ( mal wieder) glaubte, den Verstand zu verlieren.

Ein Tag, an dem ich nicht einmal auf der Couch sass, ohne dass ein Kind über mich hoppste, oder gleich auf meinen Schoß.

Ein Tag, an dem ich die Nähe meiner Kinder so gar nicht ertragen konnte.

Ein Tag, an dem sie egoistisch allerhand einforderten, ohne bereit zu sein etwas davon zurückzugeben.

Ein Tag, an dem ich mir gottverlassen vorkam.

Ein Tag, an dem ich mehrmals inne halten musste, die Augen schloss und zählte.

Ein Tag, an dem ich mich nicht umdrehen konnte, ohne dass sie hinter meinem Rücken aufeinander losgegangen sind.

Ich war mehrmals drauf und dran, sie ihrem Schicksal zu überlassen und nicht mehr dazwischen zu gehen.

Einfach Scheuklappen anziehen.

🙈🙉🙊

Einer provozierte gekonnt und der andere schrie in allen Oktaven.

Ich konnte es nicht mehr ertragen.

Ich führte schier endlose Machtkämpfe darüber, dass der Fernseher aus bleibt und es nichts Süsses gibt, wenn man sein Mittagessen nicht angerührt hat.

Ich war am Ende! Game over. Ich war der Endgegner und sie hatten mich platt gemacht, überrannt, entwaffnet.

Alle Techniken, Strategien, nichts half heut. Ich lag am Boden.

Also beschloss ich: raus!

Ich packte wortlos den Rucksack und redete nur in kurzen knappen Sätzen, so wie immer, wenn ich am Platzen bin.

Dann reicht die Kraft nur noch für kurze Ansagen wie: „Schuhe anziehen!“

Im Garten mussten wir an den Vermietern vorbei, die dort arbeiteten.

„So, wir hauen jetzt ab, damit Sie mich nicht mehr schreien hören müssen!“

In meinen Bart nuschelte ich: „Schrei ich halt wo anders!“

Ich nahm keinen Blickkontakt auf, ich hörte sie nur lachen. Ich konnte es heute nicht erwidern.

Meine Jungs wollten wissen, wohin wir gehen. Ich redete nicht. Ich schaute nur auf die Strasse.

Als der Zwuckel fragte: „Gehen wir jetzt nach Kreta?“

Ooooook, da musste ich lachen.

Den beiden gefiel das und sie versuchten weiter mich zum Lachen zu bringen. Ich gab dem Nachmittag eine Chance.

4 h waren wir dort am Bach und die Jungs IM Bach. Warfen Steine, bauten Staudämme, wateten, überquerten, halfen sich gegenseitig, lachten, waren so lieb zusammen und ich konnte es nicht fassen:

Waaaaaaaarum funktioniert das zu Hause nicht? Nie?!?

Warum muss ich immer alleine und dumm irgendwo daneben sitzen, Hauptsache es ist Wasser in der Nähe?

Es kann doch nicht sein, dass ich so grossen Aufwand betreiben muss, um ein paar Stunden runterfahren zu können?

Als ich 19 Uhr gehen wollte, wusste ich wieder, was ich NICHT vermisst hatte. Geschrei und Gezicke, Diskussionen.

Ich war NICHT zu Verhandlungen bereit, denn ich wollte sie nicht sooo spät im Bett wissen. Beide waren mehr als dreckig und die Bilder, mit der Nacktschnecke auf der Hand liessen mich nicht los.

Abgesprochen war, dass beide sofort ins Bad sollen und sich ausziehen zum Baden. Nichts anfassen, nirgends hinsetzen mit den nassen, dreckigen Hosen.

Bis ich Wasser anschaltete, waren beide verschwunden. Einer war noch nicht weit und gab schnell nach.

Zwergi war im Wohnzimmer- und hatte in Windeseile aus allen Couchkissen und Decken eine Höhle gebaut! Hilfe!

Aaaaaaaatmen!

Bringt jetzt nichts, ich bereitete Essen vor und schob es in den Backofen. Kind 1 war fertig mit duschen und hatte den Auftrag, alles was in seinem Zimmer auf dem Boden liegt, aufzuräumen.

Ich ging ins Wohnzimmer, der Zwerg ahnte was ihm blüht und hielt sich am Kissen fest. Schreiend, denn er hasst duschen.

Ich hatte Tränen in den Augen. Meine Stimme zitterte. Die Wut war weg.

Bis ich die Teller auf den Tisch stellte, holte er das Besteck und unsere schönsten Servietten.

Ich schenkte Getränke ein und er räumte das komplette Wohnzimmer auf, OBWOHL er es gar nicht wahr.

So schön ordentlich hatte ich die Couch und den Tisch schon länger nicht gesehen. Er ließ sich loben und sagte, das hätte ihm viel Spass gemacht und er wolle nach dem Essen weitermachen. Er ging nach der ersten Aufforderung schon Zähne putzen, beide brachten den Müll runter und wischten den Tisch ab. Es wurde gefegt und die Schuhe sortiert.

Er ermahnte den Zwerg: “ Lass Mama jetzt in Ruhe, die weint schon fast!“

Ich musste lachen und machte mich somit unglaubwürdig.

Weil alles so schlimm war, habe ich noch 2 Bücher vorgelesen. Es war mehr fürs schlechte Gewissen, als des Lesens wegen.

Der Große nahm meinen Fuß, fing an ihn zu massieren und sagte: „Heut bist du mal dran! Und wie sagst du immer so schön Mama? Morgen ist ein neuer Tag!“

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