Die schönen Momente…

… “ Das müsste ich mal…“

Ein Satz, den ich nicht mag. Je öfter ich ihn sage, oder denke, desto dringlicher ist es, ihn endlich umzusetzen.

Ich bin ein Umsetzer, ein Macher, ein Realisierer. Und doch gibt es immer wieder Dinge, vor denen auch ich mich gern drücke.

Vor einigen Wochen waren wir auf einem Spielplatz, mein 4 jähriger Sohn schnappte sich das Rad eines Kindes und hörte nicht mehr auf damit zu fahren.

Es hatte Stützräder und in die Pedale zu treten war noch sichtlich anstrengend für ihn. Er machte immer wieder Pausen, streckte die Zunge raus und keuchte. Ich sah das Feuer in ihm….

Da dachte ich es das erste Mal:

“ Ich müsste mal so langsam das Rad aus dem Schuppen holen, auf dem mein Grosser damals Fahrrad fahren gelernt hat.“

Müsste….da war es! Was hielt mich ab?

Der Schuppen:

Da stehen die Fahrräder übergangsweise, weil unser Fahrradschuppen neu gebaut wird. Er ist alt und etwas gammelig. Ich scheute mich davor ihn zu betreten, weil an der Eingangstür schon grosse Spinnweben hingen.

Ekel und Angst.

Nächstes Problem:

ich hatte Bammel, dass ich schon wieder irgendwelches Werkzeug zum Einstellen der Lenkradhöhe und des Sattels benötige. Noch schlimmer, dass die Reifen defekt sind und ich schon wieder unseren mehr als hilfsbereiten Nachbarn belästigen muss.

Er hat mich nie im Stich gelassen und hilft immer, trotzdem mag ich es nicht, um Hilfe zu bitten.

Jaaaaa, ist doch nichts dabei…bla bla bla.

Ich hab da ein Problem damit und es fühlt sich nicht gut an für mich. Deshalb vermeide ich es so oft es geht und reg mich lieber auf wie Rumpelstielzchen, dass etwas nicht gelingt und ich daran scheitere.

Mit 2 kleinen Jungs passiert das öfter als mir lieb ist: Inliner, Roller, Laufrad, Fahrrad, Trampolin aufstellen, Ballpumpen, Erstellen einer Favoritenliste im TV. Nur wenige der Dinge, die mich schon mal an den Rande des Wahnsinns getrieben haben.

Da war noch was, wovor ich mich drückte: Angst zu Versagen!

Ja, ihr hört richtig. Das Kind soll Fahrrad fahren lernen und ICH hab Angst zu versagen. Verrückt!

Ich konnte mich erinnern, wie viel WIR damals mit dem Grossen geübt haben. Wir- mein damaliger Mann und ich. Es war so anstrengend, immer hinterherzurennen, in gebeugter Körperhaltung und mit Rückenschmerzen. Immer wieder zu ermutigen.

Ich wollte mich nicht mehr drücken, denn ich fühlte, er ist soweit. WIR sind soweit. Ich schloss den ekeligen Schuppen auf und meine Kinder schrien immer wieder, um mich vor den Spinnen zu warnen, die überall um mich herum waren.

Ich fluchte innerlich, als ich durch ein Spinnennetz lief und schüttelte mich lautlos. Ich wollte es heut wissen!

Ich holte erst das neue Fahrrad des Grossen, denn das aktuelle ist ihm zu klein. Dann holte ich das kleine blaue Puky ohne Stützrader hoch. Sie waren staubig und dreckig. Schnell holte ich einen Eimer mit Wasser, 2 Schwämme von oben und los ging’s.

Beide hatten einen riesen Spass! Dann Helm auf. Puh!

Der Zwerg setzte sich drauf, ich hielt ihn etwas am Oberkörper fest, aber das war schon nicht schlecht.

Pause.

Beim 2. Versuch eine Minute später hielt ich ihn nur noch hinten dezent am T-Shirt, um ihm Sicherheit zu geben. Ich liess los und er fuhr. Meterweit! Kerzengerade. Ich hielt den Atem an und lief ihm hinterher.

Bitte, bitte kein Sturz!

Ich hielt ihn an, als er in Schwanken geriet und ich sagte:

“ Schatz, du bist grad ganz alleine gefahren, ich hab gar nichts gemacht! Du kannst jetzt Fahrrad fahren!“

Er war erstaunt und konnte es selbst nicht glauben. Sein Mund formte ein breites Lachen. Wir klatschten ab, wir hüpften vor Freude und drückten uns mehrmals.

Es war ein besonderer Moment.

Ich hatte Tränen in den Augen vor Freude und mein Sohn fragte:

„Mama, bist du stolz auf DICH?“

Hä? Hatte ich mich verhört?!? Dass ich stolz auf IHN war, hat die ganze Sackgasse mitbekommen vermute ich. Und ja, ich war auch stolz auf mich, denn endlich konnte ich dieses belastende „müsste“ von meiner to-do- Liste streichen.

ICH habe es geschafft!

Brauchte kein WIR.

Ich habe die Reifen aufgepumpt, die Sattelhöhe eingestellt und ich habe es ihm beigebracht.

Ok, er hat es mir saueinfach gemacht. Aber vielleicht hab ich das auch verdient.

Mein kleiner Fahrradfahrer, ich bin sehr stolz auf uns. ❤

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