Hoch die Hände…Papa Wochenende

Ab Tag Nr. 9 in etwa merke ich, dass ich ne Pause brauche. Dann hab ich keine Energie mehr, keine Geduld und ich mag dann nicht mehr.

Es ist kräftezehrend, wenn man alle Entscheidungen alleine treffen muss, sich ganz alleine um Hauhalt, Organisation, Schule, Kindergarten, Hobbies, Termine, Unternehmungen und Einkauf kümmern muss.

Nebenbei muss ich ja auch Geld verdienen und muss zu der ANDEREN Arbeit, der bezahlten Arbeit.

Es ist schwer, alles zu schaffen und dennoch schaff ich es. Meistens sogar ziemlich gut. Manchmal aber so gar nicht gut.

Dann bin ich frustriert und wütend, genervt und traurig.

Ich wünschte mir, dass ich mich wie andere Mamas mit meiner Freundin treffen könnte. Das Haus verlassen, durchatmen und mit guter Laune wiederkommen.

Ich muss darauf 12 Tage warten.

12 lange Tage, die neben dem Spass, den wir gewiss haben, auch diesen Gedanken in mir weckt: „Der ganze Scheiss bleibt an mir hängen, verflucht!“

Wenn bei uns Papa-We ansteht, bin ich meist aufgeregter als die Kinder. Die kennen es schon und freuen sich.

Ich packe die Taschen für beide, hoffe, dass es reicht und dass ich auch alles wieder zurückbekomme. Zur Zeit funktioniert es sehr gut, es gab schon andere Zeiten.

Ab 17 Uhr heisst es warten. Meist kommt da in etwa die SMS, dass er losfährt.

Ich versuche gerade in diese Zeit viel Ruhe und Liebe zu packen. Dann dauert es ca. 1 h bis es an der Tür klingelt.

Ich bin aufgeregt und freue mich, sage das auch den Kindern. Sie wissen, dass ich diese 2 Tage ohne sie nicht traurig bin, sondern sie richtig geniesse.

Das macht es auch einfacher für sie. Ich komme klar. Allein sein find ich ( inzwischen) richtig schön.

Dann hebe ich meinen Zeigefinger und sage betont: „AAAAABER“… Der Grosse beendet den Satz: „…Aber du freust dich auch, wenn wir wieder zurück kommen!“ Genau!

Die Kinder stürmen zur Tür und streiten, wer den Türöffner drückt.

Der Grosse zieht seine Schuhe an, der Kleine läuft dem Papa in Socken zur Treppe entgegen und plappert los. Alle begrüssen sich, dann rufe ich beide Jungs zurück, weil sie vor Aufregung vergessen haben, sich von mir zu verabschieden.

„Oh!“

Beide drehen um, ich bestehe auf eine dicke Umarmung, wünsche ihnen viel Spass und sage, dass ich sie lieb habe. Immer!

Strahlend und glücklich sehen sie aus, wenn sich die Tür hinter ihnen schliesst.

Durchs Fenster beobachte ich sie noch. Sehe, wie der Papa den Zwerg anschnallt und lächelt, weil er schon wieder ein neues Lied kann. Oder ein Gedicht. Dann geht der Motor an und ich sehe sie wegfahren.

Ich atme tief durch. Noch bin ich nicht beruhigt. Spätestens 1 h später frage ich nach, ob alles gut ist und sie gut angekommen sind. DANN und erst dann beginnt die Verwandlung. Dann bin ich keine Mama mehr.

Ich schaue Serien, esse vorm Fernseher, koche mir was schönes, pflege mich, lese, bade, mache Sport und manchmal arbeite ich auch.

Ich fühle mich frei, muss kein Vesper machen, keine Kinder ins Bett bringen, ich geniesse die Stille, kein Geschrei und Gestreite. Ich liebe es.

Manchmal höre ich laut Musik und tanze dabei.

Manchmal kümmere ich mich um den Haushalt und manchmal lass ich alles liegen.

Manchmal treffe ich Freunde, manchmal will ich bewusst alleine sein.

Es ist immer das gleiche. Es ist, als hätte gerade jemand mit den Fingern geschnippst, zack, Sonntag.

Ab mittags schaue ich oft auf die Uhr. Einerseits freue ich mich auf die zwei und habe sie auch zwischendurch mal kurz vermisst.

Andererseits bin ich traurig, dass es schon vorbei ist, ich wollte doch noch so viel machen und tun!

Sonntag Nachmittag bin ich schon wieder Mama, lege frische Schlafanzüge raus, die Kleidung für Montag und bereite alles zum Baden vor.

Denn das ist das erste, was gemacht wird, wenn sie wieder kommen.

Sie riechen nach Papa und in den Taschen ist alles zerwühlt und durcheinander. Ich habe keine Ahnung was sauber ist und was nicht, schmeisse also alles in die Waschmaschine.

Ich will jetzt sauber Kinder.

In der Badewanne beobachte ich sie, lasse mir vom Wochenende erzählen und freue mich, dass ich sie wieder habe. Denn ich wollte immer Mama sein.

Ohne meine Kinder wollte ich nie leben, auch wenn es noch so anstrengend ist!

Ich trockne sie ab, lache mit ihnen, oft machen wir dann Quatsch und ich lasse mir viel Zeit.

Ich habe Geduld, meine Speicher sind voll. Ich kann wieder einiges aushalten.

Wir kuscheln uns ins Bett, sie streiten sich um ein Buch und es endet damit, dass der Kleine gewinnt, ich ihm vorlese und der Grosse dann selber sein Buch liest.

Beide kuscheln sich an mich, ich geniesse es.

Ich weiss, sie haben es nicht leicht.

Es ist sicher schwer, wenn man sich immer entscheiden muss…Mama ODER Papa und nie beide auf einmal hat. Ist man bei Mama, vermisst man Papa und umgekehrt.

Für mich ist es besonders an bestimmten Feiertagen hart. Wenn ich zb Weihnachten oder Silvester arbeiten muss und sie bei Papa sind.

Meine Kollegen gehen nach der Schicht nach Hause und können trotzdem noch Zeit mit ihren Lieben verbringen, zusammensitzen und reden.

Wenn ich nach der Schicht heimkomme, sind meine Kinder nicht da. Sie kommen auch nicht später. Vielleicht erst 2 Tage später, wenn alles vorbei ist.

Was mich tröstet: Silvester bei Papa ist eh viel cooler. Da gibt’s richtiges Feuerwerk und die Jungs lieben es.

Ich gönne es ihnen und versuche nicht traurig zu sein, sondern mich mit ihnen zu freuen. Es gelingt mir auch, denn sie sind so aufgeregt beim Erzählen. Ihre Augen sind weit aufgerissen und mein Herz wächst bei jedem Satz.

Diesen Monat fällt der 4. Geburtstag meines Sohnes genau aufs Papa-Wochenende. Als ich das feststellte, hab ich fast geweint. Dieser Tag ist heiliger wie Weihnachten und ich kann mir weiss Gott nicht vorstellen, ihn an diesem besonderen Tag nicht zu sehen.

An diesem Tag habe ich ihn geboren! Nie will ich da ohne ihn sein.

Der Papa ist einverstanden, dass er die Jungs statt Freitag erst Samstag Mittag holt, dann hat jeder was davon.

Ich habe ihn gleich nach dem Aufwachen, wir können Kuchen essen und er kann mein Geschenk auspacken. Ich kann ihn drücken und ihm sagen, wie sehr ich ihn mir gewünscht habe! So, so sehr!

Es ist dann ok und nur gerecht, dass der Papa den Rest des Tages mit ihm verbringen darf.

Einer dieser Tage

Aaaaaaaanstrengend war dieser Tag. Schon lange habe ich mich nicht mehr so sehr danach gesehnt, dass es 20.30 Uhr ist und beide schlafen.Seit gestern, ich will ehrlich sein.Mini-me ist extrem anstrengend und fordert mich täglich mehrfach heraus.Heut hat er mich an meine Grenzen gebracht.Nach meiner Arbeit und der Fortbildung ging ich „kurz“ einkaufen. Ich wollte mit den Kindern bis 19 Uhr in den Garten und hab dafür Obst und Leckereien gekauft.Ich freute mich darauf, denn eigentlich ist das sehr entspannt und ich hab ein bisschen Ruhe. Meist liege ich faul auf der Decke rum und schaue zu, wie sie vergnügt spielen.Erst holte ich den Grossen von der Nachmittagsschule ab.Während ich den Einkauf auspackte, sortierte er zum x-ten Mal seine Ninjago Karten und ich musste raten, wie viele „Goldene“ er hat.Ich schnippelte Obst und bereitete alles für den Garten vor. Essen, Trinken, die Picknickdecke, Feuchttücher (braucht man irgendwie immer), Sonnencreme.Wir holten den kleinen Bruder vom Kindergarten ab. 2 Beutel mit verpinkelter Kleidung hing an seinem Fach. Eine eher gute Bilanz, verglichen mit den letzten Tagen.Ich ärgere mich im Stillen. Es ist die 4. Woche ohne Windel und es könnte besser laufen.Das kenne ich so nicht von dem Grossen, der mit 2 1/2 Tag und Nacht trocken war.Ich ärgere mich, dass ich vergleiche und habe ein bisschen das Gefühl, dass ich etwas falsch gemacht habe.In ein paar Tagen wird er 4 und ich WILL nicht mehr wickeln müssen.Ich will, dass das jetzt endlich klappt!Ihn interessiert es nicht so sehr, eigentlich ist es ihm egal. Er hasst nur das Duschen danach. Mit nasser Hose rumlaufen, das nimmt er ganz entspannt.Wir waren im Garten. Trampolin, 3 Schafe, Schaukel, viiiiiiiel Platz und beide kleben an mir. Der Grosse ist ständig auf der Suche nach Essen, reisst alles auf, isst nichts zu Ende und schmeisst alles im Korb um.Mit dem Zwerg haben wir den Schafen 2 Karotten gefüttert. Als ich zur Decke möchte, geht das Geschrei schon los: “ Du sollst aber hier bleiben!“Ich wollte sitzen. Endlich mal!Ich reagiere extrem allergisch auf „Du sollst“ und das ist zur Zeit sein Lieblingssatzanfang.“Du sollst…“, „Ich will aber…“Ich bin rigoros und gebe nicht nach, auch wenn es schwer ist. Was das alles nach sich zieht, oh, das weiss ich.Der Todesblick macht mir schon lang keine Angst mehr und Drohungen seinerseits beantworte ich mit einem strengen Blick. Meist fängt er DANN an, schnell und tief zu atmen, hält meinem Blick stand.Heute sitzt er die ganze Zeit auf meinem Schoss und ich mag das so gar nicht.Neben mir ok, aber nicht immer AUF mir, denke ich. Ich kann mich nicht bewegen, mein Fuss schläft ein und ich mag es heut einfach nicht!Ist ihm egal.Er ist irgendwann dann doch schwer beschäftigt und ruft mir zu: “ Mama, hab ich eigentlich ne Windel?“ „Nein hast du nicht, musst du Pippi?““Nein, ich hab schon in die Hose gemacht“, antwortete er fröhlich und fast schon stolz. Der Bruder stand auf und schaute um die Ecke zu ihm.Kam dann zurück, machte ein angewidertes Gesicht und zeigte mit den Händen, dass es ihm die Beine runtertläuft.Ich bin enttäuscht. Und genervt. Und es leid. Und erschöpft von der Wascherei und dem ständigen Duschen, das er ja so hasst und sich dagegen wehrt.Ich liege auf dem Bauch, werde still und lege meinen Kopf auf die Decke.Der Grosse streichelt mir über den Rücken und sagt liebevoll: „Alles wird gut, Mama.“Er fragt, ob er mir den Rücken massieren darf und macht das tatsächlich ca. 4 Minuten. Ich weiss nicht was besser war, sein fester Griff, oder die Aufmerksamkeit an sich.Den Zwerg ignorierte ich solange, bis er mit wütender Stimme und Befehlston monoton wiederholte:“ Du sollst mich jetzt sofort wickeln!“Duuuuuurchatmen. Jetzt wird es interessant.Ich erkläre ruhig, aber bestimmt, dass ich das JETZT nicht mache. Ich hätte nichts Frisches dabei und ich will noch nicht hoch, also müsse er erstmal so bleiben.Es ist nicht so, dass er es nicht spürt, nein, nein.Oh, dann ging die Sirene wie auf Knopfdruck an. Es war alles andere als entspannt, er schrie direkt neben meinem Ohr und ich war angespannt.Langsam kam auch etwas Wut dazu, aber heut hatte ich es gut im Griff, ich war ganz ruhig.Aber auch sehr traurig, dass der Tag so läuft. Muss das denn sein???Er war müde, ich sah es an seinen Augen und ich gab irgendwann nach, wir packten zusammen.Auf der Terrasse, an der wir vorbei mussten, sass meine liebe Nachbarin und las ihr Buch.Sie schaute auf und lachte freundlich.Eigentlich ist es alle paar Tage die gleiche Szene:grosser Bruder springt voraus, ich habe alle Hände voll und hinter mir läuft der schreiende, wütende Zwerg uns hinterher. Sie kennt das schon.Ich beneide sie ein bisschen. Sie mich eher weniger. Ich lächle zurück und freue mich, dass jemand nett zu mir ist, das kann ich gut brauchen.Bis die beiden geduscht, gegessen, Zähne geputzt haben und endlich im Bett liegen, ist viel passiert.Fingernägel schneiden, Haare waschen, abtrocknen und Zähne putzen….bei allem gab es riesen Geschrei. Es war anstrengend.Er versuchte verzweifelt die Creme vom Rücken abzuwischen, rieb sich dabei an meiner Bettdecke und an allem was er in die Finger bekam.Ich setzte mich auf den Boden und schaute ihm beim Toben zu. Dann fing ich an zu weinen.Diese Momente gibt es nicht oft.Aber meine Schmerzgrenze war erreicht.Er sah mich an, kam zu mir und setzte sich auf meinen Schoss.Er tat mir leid. Ich küsste seinen Kopf und roch an seinem Haar.Zu viel Entgegenkommen! Er sprang auf und weiter ging die Show.Ich sammelte mich und liess ihn stehen.Im Bett sagten wir uns, dass wir uns lieb haben. Der Zwerg sagte heut nichts. Dafür drückte ich ihn doppelt so lang, denn ich weiss, er kann sich selber nicht leiden.Der Grosse wollte meine Hand und drückte diese ungefähr 10 mal. Das ist unser geheimes Zeichen dafür, wie sehr wir uns lieben, aber nicht geredet werden soll, wenn Zwerg am Einschlafen ist. Ich drückte genauso oft zurück.Dann sagte ich ihm, dass ich froh darüber bin, dass er mir heut so viel erzählt hat. Von der Schule, den Lehrern, den Freunden und wer was gesagt, oder gemacht hat.Als er feststellte, dass der kleine Bruder schläft, kamen seine Forderungen, die ich nicht bereit war zu erfüllen. Mit einem betonten :“Gute Nacht,“ verliess ich sein Zimmer.Er rief mir hinterher: “ Ich hab dich NICHT lieb!“3 Minuten später rief er raus, dass es ihm leid tuhe, dass er das gesagt hat.“ Ist ok, ich weiss, dass es nicht so ist!“Er lachte und kam zu mir.“Ich will dir nur kurz meine GANZE Liebe zeigen!“Dann drückte er mich fest und ich versuchte zu lächeln.Ich liebe meine Kinder. Aber manchmal möchte ich sie auf den Mond schiessen!

Der ganz normale Wahnsinn

Seit 20.30 Uhr schaffe ich es kaum noch, die Augen offen zu halten. Tage wie dieser machen mich fertig!

Jaaaa, Wochenende! Keine Arbeit, keine Schule, kein Kindergarten.

Und irgendwie doppelt so anstrengend, kann das sein?

Da wir gestern einen Ausflug zu einer Freundin gemacht haben und es so schön war auf dem Wasserspielplatz dort, sassen wir erst 21.30 Uhr im Auto. Die Kinder sind auf der Heimfahrt eingeschlafen und bei mir ratterte es schon: die Riesentasche mit all dem Zeug, Korb mit Essen, oder was davon übrig war und 2 schlafende Kinder, juhu. Da kam Freude auf und ich gebe zu, ich dachte an früher.

Da rief ich bei sowas meinen Mann an, sagte wir sind in 10 min da. Er wartete dann schon vorm Haus und nahm Taschen oder das schlafende Kind mit nach oben.

Ich verfiel in Selbstmitleid bei dem Gedanken daran, wie ich eins nach dem anderen hoch in den 1. Stock schleppte, dabei war ich doch selber müde.

Zu meinem großen Glück waren beide wach, als ich auf dem Stellplatz parkte.

Beide konnten laufen, auch wenn dabei gejammert wurde, wieeee müde man sei. Immerhin!

Beide bestanden noch auf einen Kaba. Ich bestand darauf, dass die Schlafanzüge angezogen wurden und so legten sie sich sofort ins Bett. Nur den Grossen konnte ich überreden, wenigstens noch die Hände zu waschen. Der Kleine hörte meine Aufforderung schon nicht mehr. Er schlief.

Ich freute mich einerseits, dass das heut so easy war, ich musste mich nicht mal dazu legen.

Aber das schlechte Gewissen nagte etwas an mir. Die beiden hatten so etwa 7 h auf dem Spielplatz dort getobt, sie waren sowas von dreckig! Die Hände waren schwarz, die Füsse ebenso und den schwarzen Strich in der mini Speckfalte am Hals des Kleinen hatte ich auch nicht übersehen.

Und trotzdem war es klar: geduscht wird nicht mehr, das tu ich mir nicht an!

Womöglich wären beide danach topfit gewesen. Das ist viel schlimmer wie schmutzige Kinder, dachte ich mir.

Punkt 7 heut Morgen ging das Gequängel schon los, beide waren schon wach. Heut war ich streng und setzte durch, dass beide liegen bleiben müssen. Ich wusste, dass es definitiv zu wenig Schlaf war und was mich erwarten wird, wenn ich nicht durchgreife.

2 h später war der Grosse wach und flüsterte, ob er etwas Essen könne. Ich zeigte ihm wortlos den Daumen nach oben und blieb noch etwas liegen.

Als ich ins Wohnzimmer kam, traute ich meinen Augen nicht. Da sass er und mampfte Bonbons. Um ihn herum die Spuren in Form leerer Verpackungen.

Ich glaub ich spinne!

Meine seit Jahren geltenden Regeln, für die es nie eine Ausnahme gibt oder geben wird, hat er ausser Gefecht gesetzt. Ich war sauer und sagte das. Er schien unbeeindruckt und tat überrascht, da er mich doch klar gefragt habe, ob er etwas Essen könne und ich dies bestätigt hätte. Also sei das alles ja nicht seine Schuld!

Dieser Fuchs!

Wir übten 4 Durchgänge für die morgige Buchpräsentation und er macht es soooo toll. Ich war sehr zufrieden und auch stolz, denn es ist die erste seines Lebens, also konnte ich keine weitere Sekunde sauer auf ihn sein.

Kurz vor 11 Uhr kam der kleine Bruder gut gelaunt zu uns und sang: „Guuuuuuuten Moooooorgen!“

Es gab RICHTIGES Frühstück und mein Plan stand fest: Sachen packen, Sportplatz und danach Freibad.

Ich wunder mich immer wieder, wie lang es dauert, bis wir 3 fertig sind. Allein im Bad, mit Waschen und Zähne putzen. Dann Anziehen und Tisch abräumen, das Geschnippel fürs Freibad. Inzwischen verwüsten die Jungs mindestens 2 unserer 3 Zimmer, indem sie Verstecke spielen und der Zwerg mit Bettdecke über sich über den Flur watschelt und wartet, dass man ihn entdeckt, damit er sich kaputtlachen kann. Als ich höre: „Such mich doch“, sehe ich gerade, wie die vor 2 Tagen bezogene Bettdecke schön über den sandigen Boden gleitet.

Ich werde jetzt schon etwas angespannter.

Die Legos, die überall im Wohnzimmer verstreut sind, machen die Sache nicht besser. Ich versuche zu Packen, an alles zu denken und nichts Wichtiges zu vergessen. Währenddessen gebe ich Anweisungen zum Aufräumen und ärgere mich, dass auch nach der 2. Ansage nichts passiert.

Es ist anstrengend. Jetzt schon!

Wir können los, gut gelaunt verlassen wir das Haus. Bis ich erinnere, dass wir zuerst auf den Sportplatz gehen!

Warum? Mama will Runden laufen, braucht Bewegung.

Weil ich gestern zu viel gesündigt habe und bei dieser Challenge mitmache, bei der ich im Monat Juni 100 km sammeln muss.

Was hab ich mir nur dabei gedacht!?!

Auf dem Sportplatz versammelten sich die Fussballer und der Parkplatz war schon voll. Daran hatte ich nicht gedacht.

Also beschloss ich weiterzufahren, jedes Kind bekam seinen Roller und gleich neben dem Freibad beginnt ein Fahrradweg.

In meiner Phantasie sah ich mich glücklich und gemütlich joggen, die Jungs in einem Affenzahn und voller Freude ein Stück vor mir. HA!

Die Realitat: es wurde gemotzt, dass die Helme auch trotz der Hitze getragen werden müssen. Ein Hin und Her. Der Zwerg erinnerte sich daran, dass die Schoner vom Grossen da im Kofferraum liegen müssen und die will er jetzt anziehen.

Ok. Wenn das hilft! Die Knieschoner fand ich auf Anhieb und freute mich zunächst.

Ich startete meine App und kam genau 20 Meter weit mit meiner Motivation, denn schon da waren die 2 nicht mehr hinter mir. Ich lief zurück und der Grosse hatte beide Roller, da der Kleine bockte. Seine Knie würden weh tun und überhaupt will er hier nicht sein.

Ich war wütend. Ok, ok.

Zurück zum Auto, Roller wieder in den Kofferraum und stattdessen Eimer raus!

Es geht jetzt DOCH auf den Sportplatz, Fussballer hin oder her! Ich wollte starten und ging mit Tempo über den Parkplatz zum Sportplatz.

Die 2 folgten mir gezwungenermaßen, schlecht gelaunt und demotiviert.

Die Gedanken sind frei:

NICHTS kann man mit euch machen! Es kann doch echt nicht sein, dass wir das nicht hinbekommen. Ich häng danach stundenlang im Babybecken rum und ihr könnt nicht mal ne halbe Stunde Ruhe geben, damit ich ein paar Runden laufe? Wie egoistisch seid ihr eigentlich?

Stattdessen atmete ich nur, sagte lieber nichts.

Ich fragte den Grossen, ob er das Sprichwort „Eine Hand wäscht die andere“ kennt und ne Idee hat, was es bedeuten könnte. Er hatte null Interesse daran. Ich erklärte es ihm trotzdem. Er hat sicher verstanden, trotzdem wollte er jetzt ins Wasser. Basta!

Beide sassen im Schatten und zogen Gesichter. Ich schaffte mit Pausen 4 km. Immerhin.

Das ganze war nicht sehr motivierend und in der Mittagshitze auch nicht so prickelnd.

Ab ins Freibad.

Diesmal rannte keiner davon, die Regeln wurden klar vorher bestimmt und Eis gibt es nur am Ende, WENN sie auf mich gehört haben und alles einigermassen klappt.

Eincremen! Kompromiss…ohne Gesicht. Na gut.

Der Kleine sah seine Freunde im Babybecken und beschloss ebenso keine Schwimmflügel zu brauchen, da er schon gross sei.

Erst heut Morgen habe ich ihn zum Schwimmkurs im Herbst angemeldet und mit der Schwimmlehrerin über die Gefahren und Erfahrungen im Bezug auf Wasser geredet.

Ohne Schwimmflügel kein Wasser! Kein Kompromiss!

Er rannte los und ich hielt ihn zurück. Erneute Ansage. Er fing an zu bocken.

Rannte wieder los und ich hielt ihn am Beckenrand davon ab ins Wasser zu hüpfen.

Er bockte weiter und Tränen kamen noch dazu.

Das Spiel machte er noch weitere 2 mal, bis auch er dann verstanden hat, dass ich es sehr wohl ernst meine. „Na guuuuuut!“

Inzwischen hatte ich bereits Zuschauer bei diesem Spektakel und merkte die Blicke. Es lebe die Sonnenbrille! Das hilft!

Beide hatten vorgestern ihre Spritzpistolen geschrottet und jetzt gab es grosses Bedauern.

Der Kleine fragte seinen Freund immer wieder, ob er auch mal mit seiner spritzen dürfe. Der reagierte aber einfach nicht und ignorierte ihn, da er so in sein Spiel vertieft war.

Ich solle jetzt eine besorgen. Ausleihen oder was auch immer.

Er wollte, dass ich diesen uns fremden Jungen anspreche, da vor ihm auf der Decke diese tolle Nerf lag. Das wollte ich nicht und er verstand es nicht.

Er war so traurig …. Bis dieser grosse, tolle Junge auf ihn zu kam uns sagte, er würde sie ausleihen. Er konnte sein Glück nicht fassen und erst nach 2 h forderte der Junge seine Pistole wieder freundlich zurück.

Trotz Schwimmflügel lasse ich ihn kaum aus den Augen und nehme in Kauf in der Sonne zu brutzeln, mit Mamas reden zu müssen, auf die ich nicht so Lust habe, immer wieder „Tee“ aus der Plastiktasse „trinken“ zu müssen und betonen, wie lecker der ist und ich unbedingt mindestens noch eine Tasse trinke. Er strahlt!

Auf der Decke machen wir Faxen und irgendwie komm ich doch noch zu meiner Sporteinheit. Flugzeug und Hebefigur inklusive.

Es macht mich glücklich und ich bin froh über diese wertvollen Minuten. Denn ich bin nicht nur die Meckermama, zumindest gefällt mir diese Rolle hier deutlich besser.

Er möchte singen und wir trällern ein Lied nach dem anderen. Hänsel und Gretel, die Jahresuhr, 3 Chinesen mit dem Kontrabass, auf der Mauer auf der Lauer, alle meine Entchen und die Weltraummaus. Er ist textsicher und singt so laut er kann. Ich deutlich leiser. Hinter uns wird gekichert und seine Textsicherheit bewundert.

„Das hat er von mir“, wollte ich mich zu ihnen umdrehen. Denn ich bin nicht nur die Meckermama!

Ich bin stolz auf ihn und geniesse sein Strahlen.

Ich schaue ihn ganz genau an und versuche mir alles einzuprägen, denn ich will mich immer an sein süsses 3 jähriges Gesichtlein erinnern.

Er ist selbständig geworden. Ich sitze auf der Decke und hab ihn im Blick. Er spielt mit 2 Kindern aus seinem Kindergarten und gibt klar den Ton an. Von wem er das wohl hat?!?

Der Grosse hat inzwischen sowieso ne recht lange Leine. Er schwimmt seit er 4 3/4 ist. Er darf mit seinen Freunden auf die grosse Rutsche und auf die Sprungtürme. Oft sind auch Papas der anderen dabei. Ich bin recht entspannt dabei. Er kommt immer wieder und muss sich melden. Sagen, wenn er wo anders hingeht, zb auf die Decke eines Freundes.

Suchen muss ich ihn nie. Spätestens der Hunger bringt ihn immer wieder zurück.

Vor 2 Jahren war alles noch viiiiiiel anstrengender, denn der Grosse wollte ins Tiefe zum Schwimmen. Der Kleine war 1 Jahr alt und wollte nur ins Babybecken. Den Grossen hab ich da noch nicht aus den Augen gelassen. Er durfte noch nicht alleine losziehen, ausser eine andere Mama ging mit.

Wir sind heute bis 19 Uhr geblieben. Erst als der letzte Freund ging, durfte ich zusammenpacken.

Zu Hause mussten beide noch duschen, den Dreck weg von heute und von gestern quasi.

Ohne Kopf. Kompromiss. Ok. Dafür ohne Weinen.

Während ich den Zwerg duschte, wollte der Grosse unbedingt nochmal seine Buchpräsentation besprechen und ich wollte dazu auch nicht nein sagen.

Ich bin sowas von Multitasking. Mehr geht gar nicht.

Es war nach halb 8 und beide waren satt vom Rührei mit Tomaten. Brot gibt es keins mehr in unserem Haus, wie so oft sonntags.

Die Zähne waren geputzt und der Grosse war im Helfermodus, vielleicht aus Mitleid mit mir, weil er weiss, ich bin k.o.

Ich bat beide noch die Spülmaschine auszuräumen, denn das mache ich ungern. Gesagt, getan. Sie waren mit Eifer dabei.

Im Zuge dessen wurde die Besteckschublade neu sortiert und der Schrank mit den Tupperdosen neu geordnet, da immer irgend etwas rausfällt beim Öffnen dieser. Es war anstrengend zuzuschauen, denn ich wollte Ordnung!

Die Gedanken sind frei:

Muss das jetzt sein? Ich versuche hier Ordnung zu machen und ihr macht alles schlimmer als es vorher war. Geht einfach raus aus der Küche. Ich mach das selber! Diese Art von Hilfe brauche ich jetzt wirklich nicht!

Ich bedankte mich stattdessen bei beiden für ihre Mühe und sagte, dass ich ohne sie aufgeschmissen sei. Sie freuten sich.

Und 10 min später schliefen sie.

Ende!

Vatertag/ Muttertag

Im Kindergarten und in der Schule wurde für diesen Tag fleissig gemalt und gebastelt. Meine Kinder können ihrem Papa die Geschenke erst eine Woche später geben.

Das ist halt in unserem besonderen Fall so!

Und dabei sind wir so gar nicht Besonders, denn wie viele verheiratete Frauen habe ich mich heute komplett alleine um die Kinder gekümmert.

Es gibt die einen, die als Familie etwas unternehmen, eine Wanderung zum Beispiel.

Und dann gibt es die Väter, die es fern ab der Familie krachen lassen und sich selber feiern. Oft auch solche, die noch gar keine Väter sind und inzwischen können auch deren Freundinnen am Abend nicht mehr einen Fuss vor den anderen setzen.

Ich freue mich, dass meine Kinder einen Vater haben, der zwar keine grosse Rolle einnimmt, aber es ist doch so, dass ich nicht das Gefühl habe, ich müsste diesen ersetzen.

Ich bin die Mama und nur die Mama, denn Papas kann man meiner Meinung nach nicht ersetzen.

Klar bleibt letztendlich alles an mir hängen, aber es gibt ihn. Alle 14 Tage. Immerhin. Ob ich alles gut finde was und wie er es macht, das tut hier nichts zur Sache.

Beim Alleinerziehendsein gibt es nur 3 Reaktionen aus dem Umfeld:

Die erste ist, dass mir gesagt wird, dass sie „eigentlich“ ja auch alleinerziehend sei, da der Mann sich wenig bis gar nicht einbringe.

Das sorgt bei mir für ein müdes Lächeln und dann muss ich schnell weiter und mir auf die Zunge beissen.

Reaktion Nummer 2 ist, dass ich bemitleidet werde, alles alleine schaffen zu müssen und es wird anerkannt, wie schwer das alles sein muss.

So recht gefällt mir das auch nicht, denn „schlimmer geht immer“.

Es gibt so viele Mütter, die wirklich alles alleine machen müssen, nie durchatmen können. Auch nicht alle 14 Tage.

Die, deren Mann verstorben ist, oder sich für immer aus dem Staub gemacht habt, null Interesse am Kind zeigt. Das ist hart!

Die 3. Reaktion ist…keine Reaktion.

Es wird totgeschwiegen. Eventuell dann hinter dem Rücken geredet.

Oder vielleicht sind sie einfach gottfroh, dass sie nicht in dieser Lage sind. So froh, dass sie dafür eine eher schlechte Ehe hinnehmen.

Ich wollte meinen Kindern nicht vermitteln, dass es Liebe ist, wenn Papa und Mama sich nur noch Anschreien können. Oder noch schlimmer, über eine Woche kein Wort miteinander reden.

Aber irgendwie wurde danach immer wieder alles gut.

Bis es eben nicht mehr gut wurde!

Meine Entscheidung habe ich nie, nie, nie bereut, egal wie ich mit meinem Schicksal gehadert habe.

Ich wollte nie zurück!

Vatertag, um auf das Thema zurückzukommen. Ja, warum nicht!?

Ich habe heute einige Papas gesehen, die mit ihren Kindern Fussball gespielt haben. Einige, die die Arme ausgebreitet haben und ihr Kind fest gedrückt haben.

Ich habe die gesehen, die gern Zeit mit ihren Kindern verbringen, überglücklich sind und über diese freu ich mich.

Ob dieser Tag allein jetzt einen guten Vater ausmacht, das bezweifle ich. Der besoffene mit dem Bollerwagen ist vielleicht die anderen 364 Tage im Jahr DA! Wirklich da!

Der, der heut Zeit mit den Kindern verbracht hat, kann es seiner Frau zu Liebe getan haben. Oder weil sich sonst nichts ergeben hat. Es sagt nichts aus!

Am Muttertag war bei uns dieses Jahr Papa-Wochenende.

Ich unterstelle ihm keine Absicht, dass er genau an diesem Tag die Jungs über 1 h zu spät zurückbrachte. Denn er hat gar nicht dran gedacht.

Ich gebe zu, dass ich meinen Muttertag perfekt fand. Ich habe gearbeitet, habe Sport gemacht, ein Nickerchen und habe die Ruhe so sehr genossen.

Ich hatte so gar keine Lust auf laute, streitende Kinder und Kuchen backen.

Ich brauche keinen Tag, um geehrt zu werden.

Es gibt unter dem Jahr so, so viele Tage, an denen ich mir selbst auf die Schulter klopfe.

Allein dafür, dass ich ihn überlebt habe!

Nach der Trennung…und heute

Ich erinnere mich noch an alle Details.

Es war so ähnlich wie bei meinen 2 Geburten: man weiss, dass es real ist und gerade passiert. Aber irgendwie ist man völlig in trance und es ist, als wär man irgendwie nicht in seinem Körper.

Ich hatte hämmernde Kopfschmerzen vom Schock und vom Weinen und musste so meinen Sohn vom Kindergarten abholen.

Er war damals 5 und dann war da noch das Baby im Kinderwagen.

Natürlich fiel mein erbärmliches Geschluchze gleich jedem auf und bevor einer was sagen konnte, beendete ich die fragenden Gesichter mit 2 kurzen Sätzen.

Ich schnappte mir meine Kinder und auf dem Fussweg von ca 15 min bis nach Hause, erklärte ich dem Grossen die Situation.

Papa ist jetzt weg und wohnt nicht mehr mit uns zusammen.

Begriffen hat er es damals wahrscheinlich genauso wenig wie ich.

Da waren wir nun, allein in unserem 2 Jahre alten Haus. Das war anders geplant, wir kannten uns seit der 5. Klasse.

Ich stillte noch rund um die Uhr, beide Kinder schliefen bei mir im Bett und ich lag wach. Oft die ganze Nacht.

Ich heulte, grübelte und hatte so viel Angst wie noch nie, in so viele verschiedenen Richtungen.

Ich hatte keine Zeit mich mit dem zu befassen, was da passiert ist, ich funktionierte nur.

Ich schlief nicht, hatte dick geschwollene Augen, die Nerven lagen blank und ich weinte ohne aufhören zu können.

Mein Sohn sagte irgendwann morgens zu mir: “ Mama, du bist echt voll die Heulsuse, es gibt Schlimmeres!“

Ich fragte ihn, was denn bitte schlimmer sein könne wie DAS ALLES und er antwortete: „Wenn man zum Beispiel immer nur streitet!“

Ich lachte erleichtert, denn dann war es scheinbar so richtig.

Nach einigen Tagen erfuhr ich, dass ich nach der Elternzeit, die 2 Monate später ablief, nicht zurück in meinen Job konnte. Da ich jetzt aufgrund des Betreuungsumfanges erst ab 7.30 Uhr arbeiten konnte und auch nur bis maximal 16 Uhr, riet man mir, die Elternzeit zu verlängern, da das jetzt so gar nicht passt.

In einem Jahr sehe die Welt schon wieder anders aus, sagte man mir und vielleicht würden wir uns ja wieder vertragen, mein Mann und ich.

Er hatte Gleitzeit und so konnte ich bisher die Frühschicht 6 Uhr beginnen und auch Spätschicht arbeiten, wenn er pünktlich Feierabend machte.

Wie ich in der Verfassung damals überhaupt an Arbeiten denken konnte…ich hätte es niemals geschafft.

Aber für mich brach eine Welt zusammen, ich hatte das Gefühl, dass mein Leben hier grad zerstört wird. Es war nur noch ein Scherbenhaufen.

Das Elterngeld wurde noch einen Monat ausbezahlt, dann war ausser 2 mal Kindergeld kein Einkommen da. PANIK!

Ich musste mich beim Jobcenter melden und Arbeitslosengeld 2 beantragen, oder auch Harz 4 genannt.

Ich wollte arbeiten, bin eine dieser Fachkräfte, die überall gesucht werden, hatte einen unbefristeten Arbeitsvertrag und sass trotz allem im EG meines Jobcenters, mehrere Stunden im Monat. Im Schlepptau ein unruhiges Baby, das nicht an still sitzen dachte und Warten blöd fand.

Die Flüchtlinge, die mit uns warteten spielten oft „Kuckuck“ mit ihm. Einer Frau durfte er sogar mal mit Erlaubnis ihre Handtasche ausräumen. Sie hatte so viel mehr Geduld als ich! Und so viel bessere Nerven!

Ich hab nie vorher was mit dem Jobcenter zu tun gehabt und hatte keine Ahnung, was für eine Lawine da auf mich zukommen wird.

Wieviele Kopien ich machen musste, wieviele Formulare ich ausfüllen musste, seitenlang.

Es war der Horror für mich, denn mein kleiner Sohn war ja noch nicht in der Kita, krabbelte überall hoch und war nicht äusserst hilfreich. Ebenso wenig wie der Druck, den ich mir selber machte.

Ich sehe mich heulend vor Wut auf dem Boden sitzen und wie ich verzweifelt versuchte, das Treppenschutzgitter zu montieren. Ich schaffte es nicht.

Der Grosse war „anstrengend“, so wie ein Kind wohl ist, wenn seine Welt grad zusammenbricht.

Das Haus war so gross, der Rasen wuchs schnell und mit der Heizung hatte ich mich nie richtig beschäftigt.

Ich wusste nicht wo der Akku des Spielautos war, obwohl mein Sohn unbedingt damit fahren wollte. Er war sauer.

Ständig hörte ich Geräusche im Haus und wachte davon auf. Einmal wollte ich daraufhin das Licht anmachen und musste feststellen, dass wohl Stromausfall war. Es blieb dunkel und mein Handyakku war leer.

Vor ziemlich genau 3 Jahren kam dann auch noch das Hochwasser.

Es regnete, wie ich es noch nie vorher erlebt hatte. Mit Baby auf dem Arm und Kleinkind daneben, sassen wir auf der Treppe und ich überlegte, wie hoch das Wasser noch stehen muss, bis mein Auto vom Parkplatz wegschwimmt.

Mein Sohn weinte und hatte Angst, dass die Hagelkörner unsere Fenster zerstören könnten.

Ich sass irgendwie teilnahmslos da und versuchte alle zu beruhigen, mich inklusive.

Wir hatten Glück, denn wir hatten Hanglage. Nur ein paar Zentimeter Wasser im Keller.

Die Tage zogen so an mir vorbei.

Rückblickend weiss ich ehrlich gesagt nicht, wie ich es geschafft habe, dass Essen auf dem Tisch stand, meine Kinder saubere Kleidung hatten, der Grosse morgens pünktlich im Kindergarten war und woher ich die Kraft nahm, mit ihm den Sandkasten blau anzustreichen, so wie er es sich wünschte.

Ich hatte Lack gekauft. Ich hatte keine Ahnung!

Es war eine riesen Sauerei und es gibt Fotos davon. Wir haben jeder einen Pinsel in der Hand, blaue Farbe im Gesicht und wir lächeln.

Woran ich mich auch noch gut erinnere…

Es war in etwa morgens um 7, die Kinder waren schon länger wach, es ging drunter und drüber und ich war so überfordert.

Ein Glas ging zu Bruch, dabei waren wir eh schon spät dran. Ich schrie während dem Einsaugen der Scherben laut rum und war ne Furie. Mein Sohn sagte: “ Du bist so eine scheiss Mutter…“

…Und ich hab ihm eine geknallt. Er hatte MEINE Gedanken ausgesprochen und das tat verdammt weh.

Diese Situation war nicht mehr zu retten. Ich brachte ihn in den Kindergarten und stand kurz darauf mit Baby auf dem Arm in der Praxis meiner Hausärztin.

Ich heulte mal wieder uns sagte nur: “ Ich habe keinen Termin, aber ich werde nicht gehen!“ Ich wusste, dass ich das ohne Hilfe nicht schaffen kann.

Sie selber hat 7 Kinder und fand die richtigen Worte.

Ich bekam eine Überweisung zum Psychologen, sie machte mir aber nicht Hoffnung, dass ich unter 4 Wochen Wartezeit einen Termin bekommen würde. Ansonsten gäbe es nichts, was sie für mich tun könne.

Zwischen damals und heute liegen gute 3 Jahre und ca. 2 dauerte es, bis ich verstanden habe, was da mit uns allen passiert ist.

Es war harte, sehr schmerzvolle Arbeit, ja wirklich Arbeit, aber ich habe es überwunden.

Wenn ich zurückdenke, erinnere ich mich aber sofort an das Gefühl von damals. Das bleibt wohl für immer.

Ich hoffe, dass ich mich nie wieder so fühlen werde!

Heute ist unser Leben anders, aber gewiss nicht schlechter.

Ich bin gewachsen. Teilweise über mich hinaus.

Es ist unglaublich, was für Kräfte man in solchen Zeiten entwickeln kann, aber man kann. Ich konnte es!

Ich frage mich nicht mehr, warum mir das passiert ist. Ich frage nur noch, was wollte das Leben mir damit zeigen?!

Ich habe alle Antworten für mich gefunden!

What a beautiful day

Heute war einer dieser sauanstrengenden Tagen und trotzdem grinse ich vergnügt vor mich hin wie ein verliebter Teenager.

Mein Sohn ist seit gut 3 Jahren im Geräteturnen und heute war mal wieder Wettkampf, ein sehr wichtiger noch dazu.

Landesfinale, der höchst mögliche Wettkampf in seiner Altersklasse.

Wir sind geübt, denn, besonders in diesem Jahr gab es sehr viele Wettkämpfe.

Der Wecker klingelte um 7.30 Uhr, ich freute mich auf den Tag und hatte ein gutes Gefühl.

Ich schnippelte Obst und packte alles in den Rucksack, was man so braucht, wenn man stundenlang auf irgendeiner Tribüne rumsitzt.

Die Jungs kamen zusammen in die Küche und machten einen müden Eindruck. Viel Zeit zum Nachdenken war nicht, ebenso wenig, um grosse Aufregung zu verspüren. Waschen, Anziehen, Zähne putzen. Ich duschte und liess mir 2 min länger Zeit, weil das Geschrei da draussen mich so gar nicht lockte. Diesmal ging es um die Legos und ob es mit Absicht oder aus Versehen zerstört wurde.

Der obligatorische Turnbeutel wurde gepackt. Darin befinden sich 50% unseres Hausrats und so ziemlich alles an Spielzeug, was den kleinen Bruder lang genug beschäftigt: Autos, Superhelden, seine Lupe, Dinos, ein bisschen Werkzeug und das gebastelte Ding von gestern, das scheinbar ein Instrument sein soll. In Wirklichkeit ist es eine Küchenrolle mit etwa einer Rolle Tesa wild draufgeklebt.

Also gut! Los geht’s!

Der Kleine ist seit 2 Wochen ohne Windel und die Erfolge nur mittelmässig. Ich war aufgeregt, ich gebe es zu.

Der Grosse versicherte sich, ob es nicht doch besser wäre, ihm wieder ausnahmsweise eine Windel dranzumachen, da wir über 1 h Fahrzeit hatten.

„Nein, das schafft er“, sprach ich mir selber Mut zu.

Mein Fazit zu diesem Thema: jaaaaa, er hat es geschafft. Aber er hatte auch grossen Spass daran viel zu trinken und dann lachend zu rufen: “ Ich muss pippi!“ Ich schnappte ihn jedes Mal, rannte mit ihm die 30 m zum Flur, die Treppe runter und ….ahhhhh, geschafft.

Insgesamt machte ich das Spiel 9 mal mit in ca. 4 h . Ich habe mehr Kalorien verbraucht, als so mancher Turner an diesem Tag. Nerven übrigens auch.

Vom Auftritt selber habe ich nichts verpasst, also war ich dankbar für das timing und nahm es mit Humor.

Nach dem 1. Durchgang sah ich das zufriedene Nicken des Trainers und die leuchtenden Augen meines Sohnes. Er setzte sich vor mich und ich flüsterte ihm ins Ohr: „Da ist wohl einer gut drauf heut, was?“

Er nickte und zwinkerte. „Mama, ich glaub das wird heut was Gutes!“

Letztes Jahr wurde er 7. beim Landesfinale und es war sehr ernüchternd für ihn.

Diesmal wollte er aufs Treppchen und ne Medaille, egal welche.

Es lief! Er war in Form! Und ich so aufgeregt wie noch nie.

Ich bin diese Art Mama, die sich laut freut und auch ein bisschen peinlich ist, weil ich klatsche bis die Handflächen glühen und auch juble, weil ich einfach nicht anders kann.

Ich freu mich, wenn er gut turnt und hoffe, dass ihm kein fetter Patzer passiert, den er sich vorwerfen wird.

Er strengte sich richtig, richtig an und selten sucht er Blickkontakt zu mir. Diesmal hatte er 14 Punkte am Barren abgeräumt und unsere Blicke trafen sich, obwohl er am ganz anderen Ende der Halle sass. Ohne Ton jubelten wir einander zu!

„Reiss dich zusammen….contenonse Mama“, dachte ich…bevor ich mich weiter freute.

Warum mein Herz schneller schlägt?

Ich bin stolz auf ihn, keine Frage!

Ich freue mich, dass er etwas gefunden hat, für das er so brennt und auch noch Erfolg damit hat.

Noch mehr als über seinen aufrechten Gang, freue ich mich darüber, dass er die Möglichkeit hat zu einem Team zu gehören und sich mit anderen vor jeder Platzierung die Nervosität teilen zu können.

Dass er sich für andere freut, wenn die auf dem Treppchen stehen. So wie die Gewissheit zu haben, dass sie für ihn klatschen, wenn er auf dem Treppchen steht.

Ich freue mich sehr darüber, dass er viel selbstbewusster ist, als er es noch vor 1 Jahr war.

Dass er mutig ist und sich was zutraut, bereit ist für Ziele zu kämpfen und alles zu geben.

Ich finde es beeindruckend und unheimlich stark, dass er sich über den 2. Platz genauso gefreut hat, wie über den ersten. Er hatte ein Ziel, das hat er geschafft.

Um gut zu sein, muss man nicht 1. sein. Er hat sein allerallerbestes gegeben und da darf man gewiss stolz auf sich sein. Er hat sich nicht eine Sekunde geärgert, dass er nicht die Goldmedaille bekommen hat.

Ich freu mich, dass er einen tollen Trainer hat, der eine sehr wichtige männliche Bezugsperson geworden ist, denn in seiner Welt ist er umgeben von Frauen.

Und wenn ich klatsche, beklatsche ich immer auch ein bisschen mich selbst. Er weiss es nicht, aber sein Turnen ist sauteuer.

Oft nach der Trennung hatte ich schlaflose Nächte, weil dieser Betrag wieder abgebucht wurde und ich es mir eigentlich gar nicht leisten konnte.

Wie froh bin ich heute, dass ich nie daran gedacht habe ihn abzumelden. Keine Minute! Lieber hätte ich 2 Monate nur Brot und Butter gegessen.

Jeder Wettkampf erinnert mich daran, dass alles, wirklich alles sich gelohnt hat und gut investiert war.

Jede seiner Medaillen erinnert mich daran, wie stark und mutig ich war, denn ich hab es ihn nie spüren lassen und ihm fehlte nie etwas.

Wenn ihr mich also anschaut, ich Freudentränen in den Augen habe und wild klatsche….ist das nicht peinlich. Es ist die Erleichterung! Das pure Glück! Der Stolz! Und die Tatsache, dass alles schon viel schlechter war und wir alle stolz sein können.

Wir hatten einen Deal: kommt er aufs Treppchen, darf er einmal Training schwänzen. Er verriet mir, dass ihn das angetrieben habe, in der Hoffnung, dass er stattdessen Fernseh schauen dürfe.

Am Ende sagte er:“ Ach, ich geh lieber doch ins Training, ich will ja schliesslich besser werden!“

Dafür nehme er dann lieber 5 Euro, so wie es sein Turnerfreund für den 3. Platz von seinen Eltern bekommt. Das komme ihm eher entgegen.

Er konnte lange nicht einschlafen und zeigte mir dann wieder, warum ich ihn so sehr liebe. Er drückte seinen Bruder und mich plötzlich und unerwartet, mitten aus der Stille heraus und sagte:

“ Ich könnte euch gar nicht mehr lieben und stolzer auf euch sein!“

Er…stolz auf uns…der, der beim Landesfinale auf dem Treppchen stand. Ich schüttel den Kopf.

Geschwisterliebe

Gerade durfte ich einen magischen Moment erleben, der mein Herz erfüllte.

Mein Kleiner schlief schon tief und fest, der Grosse legte sich dazu und ich mit.

Ohne mich geht nichts und die zwei schlafen zusammen im Bett, weil keiner alleine sein will.

Als wir vor fast 3 Jahren in diese Wohnung gezogen sind, haben wir lange alle zusammen in einem Bett geschlafen.

Erstens, weil ich kein Schlafzimmer habe und zweitens, weil mich das am wenigsten Kraft gekostet hat. Die Energie jeden einzeln in den Schlaf zu begleiten, die hatte ich damals wirklich nicht. Noch dazu habe ich Kinder, hinter denen man nicht einfach so mal die Tür zu macht und dann schlafen sie. Gewünscht habe ich mir das oft, aber in der Realität ist das ins-Bett-bringen der grösste Kraftakt des Tages, bis heute.

Ich weiss, dass die Brüder sich sehr lieben.

Oft merkt man im Alltag nicht sehr viel davon, denn am Tag sind beide meist im „Kampfmodus“.

Es wird gehauen, provoziert, Kräfte gemessen, diskutiert, beleidigt, gekränkt, geschubst, getreten, geboxt, beschimpft…fehlt noch was? 😫

Momente wie vorhin sind deshalb umso kostbarer. Der Grosse konnte vom schlafenden Zwerg nicht die Finger lassen. Er küsste und streichelte seinen Kopf, hielt seine Hand ganz fest und drückte sie an sein Herz.

Er flüsterte mir zu:“ Ich liebe ihn so, so sehr, Mama!“

Immer wieder formte er ein Herz mit seinen Händen, nachdem ich ihn ermahnt hatte leise zu sein, um ihn nicht zu wecken.

Er schaute ihn lächelnd an, stützte dabei seinen Kopf mit der Hand ab und musste sich bei jeder kleinen Bewegung den Mund zuhalten, um nicht loszuprusten.

Ich bin Einzelkind. Ich hatte immer viele Freunde zum Spielen da, aber wenn die abends heim gingen, war ich allein.

Genau deshalb wollte ich immer 4 Kinder haben, am liebsten alles Jungs.

Der Wunsch zog sich durch die Realschule hindurch, ich war mir sicher.

Als mein Grosser 2011 geboren wurde, war ich vor Müdigkeit ganz benommen. Er war gefühlt 2 Jahre rund um die Uhr alle 2 h wach. In der Krabbelgruppe war ich die einzige Mama, deren Kind nachts noch nicht durchschlief.

Er schlief nur auf mir, direkt neben mir und immer wollte er meine Hand. Wenn ich es wagte mich zu bewegen und mir sicher war er schlief, riss er die Augen empört auf. Wenn er auf meinem Arm einschlief, konnte ich ihn nicht einfach ablegen, er merkte das sofort und schrie los.

Mittagsschlaf war schnell nicht mehr sein Ding, er war Fan von powernapping. Mal in der Schaukel, im Arm, im Auto, im Gras, im Sitzkreis der Kita, egal wo. 10 Minuten und er war topfit für Stunden.

Da beschloss ich, dass ein gesundes Kind sehr viel wert ist und ich mich glücklich schätzen kann.

Wie schnell vergisst man, wenn es besser und leichter wird!

Man ist so voller Liebe für diesen kleinen Mensch und kann nicht genug von ihm bekommen.

Das Thema Geschwisterkind wurde bei uns erst ein Thema, als er mit 3 im Kindergarten verkündete, dass er eine Schwester bekomme. Das war beim Mittagessen und die Erzieherin nahm mich zur Seite, denn sie wusste von nichts und war unsicher.

Zu dem Zeitpunkt hatten wir daheim nicht ein einziges Mal darüber geredet, aber für ihn war die Sache klar: alle seine Freunde hatten eine Schwester, also braucht er auch eine.

Ich werde nie den Tag vergessen, als ich ihn nach dem Ultraschall vom Kindergarten abholte. Ich sagte ihm, dass ich jetzt weiss was es wird. Er beugte sich in seinem Kindersitz ganz nach vorn und sah mich mit grossen, erwartungsvollen Augen an. „Es wird ein Junge, du bekommst einen Bruder!“

Wortlos und enttäuscht liess er sich zurück in seinen Sitz. Als er es verarbeitet hatte, schrie er weinend: „Ich will aber keinen Bruder, ich wollte eine Schwester!“

Es dauerte einige Wochen, bis wir ihn von den Vorteilen eines Bruders überzeugen konnten. Als er ihn im Krankenhaus das 1. Mal sah, war er 4 1/4 und zuckersüß.

Er beobachtete sein Gähnen und seine Finger. Er war so glücklich und der Wunsch nach einer Schwester war vergessen.

Als wir nach 3 Tagen nach Hause kamen, zeigte er ihm als erstes, wie man das ferngesteuerte Auto lenken und welche Knöpfe man drücken muss.

Ich bin so froh, dass sie sich haben. Und dass ich sie habe. So wie es ist, ist es genau richtig!

Ich schmelze dahin, wenn dem einen was Süsses angeboten wird und er 2 nimmt, mit dem Zusatz: „Eins noch für meinen Bruder!“

Ich schmelze dahin, wenn der eine sagt, dass der andere sein allerbester Freund ist und dieser erwidert: “ Du bist mein Bruder, das ist noch viel mehr wert als beste Freunde!“

Ich schmelze dahin, wenn sie sich ein paar Stunden nicht gesehen haben, der Kleine auf den Grossen zurennt und drückt, als gäbe es kein Morgen mehr.

Ich schmelze dahin, wenn der Kleine immer auf den gleichen Trick reinfällt und wieder mit aufs Klo geht, nur damit es dem Grossen nicht langweilig wird. Dafür bekommt er dann auch oft ne Ninjagokarte geschenkt, oder ihm wird was vorgelesen, erklärt oder beigebracht.

Ich schmelze, wenn sie beide in hohem Bogen an die Hecke pinkeln und sich kaputtlachen.

Ich schmelze, wenn sie stundenlang im Trampolin hüpfen, sich aufeinander legen, übereinander hüpfen und sich dann vor Freude in die Arme fallen.

Ich schmelze, wenn der Kleine ein englisches Lied singt und der Grosse ihn dafür nicht auslacht. Stattdessen sich daran erfreut und mit ihm singt, auch wenn er weiss, dass er nicht textsicher ist.

Ich schmelze, wenn ich aus der Küche komme und sehe, wie sie aneinandergekuschelt auf der Couch sitzen, Arm in Arm.

Ich schmelze, wenn ich sie in der Badewanne gackern höre und wie sie kaum Luft bekommen vor Lachen. Den nassen Boden nehme ich in Kauf.

Ich schmelze, wenn einer den anderen von seinem Lieblingsessen abbeißen lässt, obwohl er erst nein gesagt hat, das enttäuschte Gesicht des anderen aber nicht erträgt. „Na guuuuuut!“

Ich schmelze, wenn sie auf dem Spielplatz wippen, der Grosse den Kleinen zum Hüpfen bringt und der fast vor Lachen runterfällt.

Ich schmelze, wenn sie ein „Projekt“ haben und ganz vertieft in ihr Spiel sind. Meist handelt es sich um Wasser, Sand, Steine oder Käfer.

Ich bin damals schon geschmolzen, als der Grosse dem frisch geborenen Bruder ins Ohr flüsterte:

❤ “ IMMER EIN TEAM!“ ❤

Selbstliebe, die 2.

12. Tag der #meetthebloggerde19 challenge von @annehaeusler.
#selbstliebe
Puh!
Selbstliebe ist in diesen Tagen in aller Munde. Man kommt nicht an diesem Thema vorbei.
Und doch hat es so einen negativen touch.
Sich selbst lieben- darf man das? Soll man das? Muss man es vielleicht sogar? Ist man dann nicht automatisch arrogant, überheblich, egoistisch und wenig empathisch im Bezug auf andere Menschen?

Selbstliebe ist für mich in erster Linie mal, dass ich mich annehme, so wie ich bin. Mit allen Macken, äusseren Makeln, mit allen Schwächen und allem, was mich selber an mir nervt und ärgert. Selbstliebe bedeutet nicht, dass man denkt perfekt zu sein!

Selbstliebe bedeutet für mich, auf sein Bauchgefühl zu hören und dem nachgeht.
Wenn ich ein negatives , mieses Gefühl bei meinem Gegenüber empfinde, dann täuscht mich das meist nicht. Auch wenn derjenige freundlich ist und auf den ersten Blick kein „Feind“.
Es gibt so viele positive Menschen in meinem Umfeld, die mir Kraft geben und nicht entziehen. Aus reiner Liebe zu mir selbst wähle ich genau diese.

Selbstliebe bedeutet für mich, meinen Gefühlen in welcher Art auch immer Ausdruck zu verleihen. Wenn ich etwas will, mich etwas stört, ich jemanden mag oder mich etwas an ihm erfreut….
dann mache ich meinen Mund auf und sage es.

Selbstliebe ist für mich, nicht auf die anderen zu schauen. Ob jemand mehr hat als ich, besser in irgendwas ist, schöner, reicher….whatever.
Ich nehme mich, andere Menschen, die Situation an wie sie ist und bin frei von Neid oder Missgunst.

Selbstliebe ist, dass ich merke, wenn ich an meine Grenzen komme. Mich dann zurückziehe in mein Schneckenhaus, mir Hilfe hole, Druck rausnehme, oder früh schlafen gehe. Was immer nötig ist und mir gut tut.

Selbstliebe ist, dass man sagen kann, wenn einem etwas widerstrebt.
Dass man nicht alles über sich „ergehen“ lassen muss, nur um nicht unhöflich zu wirken.
Sogar mein kleiner Sohn kann das schon sehr gut: „Hör auf, ich mag das nicht!“ Ich finde das stark!

Selbstliebe ist, dass man Liebe weitergeben kann, ohne weniger davon für sich selbst zu haben.

Eine meiner grössten Stärken ist, dass ich es anderen sagen kann, wenn mir etwas Schönes an ihnen auffällt. Die neue Frisur der Kollegin, der neongelbe Badeanzug der Seniorin im Freibad, während alle anderen schwarz tragen.
Wenn eine Bekannte nach der Trennung aufblüht und ihr gutes Aussehen auffällt.

Selbstliebe ist für mich viel mehr ein Geben, als ein Nehmen und ja, ich stehe dazu: ich liebe mich selbst!

#maichallenge #bloggerchallenge #mamaleben #familienleben #mamablogger #ichso #familienblogger #alleinerziehend #selfcare #selflove

MUTTERTAG


Es war dieses Bild, das ich heute minutenlang lächelnd angestarrt habe und es nicht mehr weglegen konnte.

Ich habe geputzt und bin dabei über allerhand Dinge gestolpert, die mein Herz erfüllt haben.

Unter anderem auch die Muttertagsgeschenke meiner Kinder, die nicht sehr gut versteckt waren.

Der Grosse hat sich nicht besonders Mühe gegeben, das war leicht. Er hat es in sein Regal gelegt und hat die Werkzeugkiste seines Bruders draufgestellt.

Der Kleine wollte mir das Geschenk gleich Freitag nach dem Kindergarten geben.

Er erzählte ganz aufgeregt von der Schatzkiste und ich hatte sie auch schon in der Hand. Habe aber fast nicht gekuckt, nur so aus dem Augenwinkel, ich will mir die Überraschung ja nicht selber verderben.

Nachdem wir geklärt hatten wann Muttertag ist und dass er noch 2 mal schlafen muss, gab ich ihm die Schatzkiste und ermutigte ihn, sie in seinem Zimmer zu verstecken. So gut, dass ich sie ja nicht finde bis dahin.

Also beim Putzen hab ich diese tatsächlich nirgends gesehen und vielleicht weiss er bis morgen auch selbst schon nicht mehr, wo genau er sie versteckt hat.

Mein 1. Sohn kam im März 2011 auf die Welt und auf diesem Foto ist er exakt 4 Wochen alt.

Ich erinnere mich genau an damals: ich war fett und fand mich furchtbar. Ich hatte nichts anzuziehen. Ich gefiel mir so gar nicht. Kurz davor war ich beim Friseur und sie hat mir meinen Pony toooootal verschnitten. Viel zu kurz, da war nichts mehr zu retten.

Baby hatte einen Tag vorher Babyakne bekommen, die man auf den Fotos nicht gesehen hat.

Noch dazu pinkelte er bei einer Aufnahme in hohem Bogen auf das tolle Fell im Fotohaus. Die junge Dame lachte und ich schämte mich ein bisschen. „Das kommt ständig vor“, beruhigte sie mich.

An meinem 1. Muttertag als Mutter schien die Sonne und wir machten einen Ausflug zu einer Burg. Es fühlte sich so gut an.

Mein Sohn ist inzwischen 8.

So oft habe ich Gewissensbisse, dass ich nicht so viel Zeit und Geduld für ihn habe, wie ich gern würde.

Wie oft sitze ich da und bin traurig, weil ich ihm nicht so viel bieten kann.

So oft habe ich „später “ und „jetzt nicht“ gesagt.

So oft habe ich nicht so reagiert, wie ich es hätte tun sollen. Oder wie er es sich von mir gewünscht hätte.

Als ich wehmütig seine Ordner von Kita und Kindergarten durchgeschaut habe, ist mir aber eine wichtige Sache bewusst geworden und die hat mich getröstet.

Bei jeder Aufführung- ich war da.

Bei jedem Laterne basteln- ich war da.

Bei jedem Sommerfest- ich war da.

Dieses Bild weckt in mir nicht nur die Erinnerung an das, was in der Zeit schief lief.

Ich erinnere mich auch an das Gefühl gesegnet und überglücklich zu sein.

Ich hatte ein gesundes Kind. Einen Jungen, wie ich es mir immer gewünscht hatte.

Ich hatte so viel Liebe in mir, dass ich daran fast geplatzt wäre.

Daran hat sich bis heute absolut gar nichts geändert.

Ich konnte mir mein Leben nie ohne Kinder vorstellen. Nie, nie, nie!

Und jetzt hab ich zwei. Ich bin reich!

Allen Mamas da draussen:

Einen wunderschönen Muttertag!🌸🌷🌺🌹🌼🌻

Der Mann an meiner Seite

Ich bin ambivalent, wenn ich gefragt werde, ob ich mir nicht jemanden an meiner Seite wünsche. Schliesslich sei doch niemand gern allein.

Ich bin jetzt seit 3 Jahren getrennt und es verging viel, viel Zeit, bis ich abends mit dem Gedanken an einen bestimmten Mann eingeschlafen bin und Schmetterlinge im Bauch fühlte.

Oft bilde ich mir ein, dass ich einen Mann zeitlich gar nicht unterbringen könne in meinen Alltag.

In Wirklichkeit weiss ich, es ist nur eine Ausrede.

Wenn ich meiner Freundin von „ihm“ erzähle und sie schimpft:

„Du suchst schon wieder nach Fehlern, wo gar keine sind.“

Kann man nach 3 Jahren immer noch nicht bereit sein für etwas Neues?

Der Gedanke, dass ein Mann Teil meiner Familie ist, mit uns zusammenlebt und Ausflüge mit uns am Wochenende plant….irgendwie geht das für mich nicht.

Ich will keinen Mann, nur um sagen zu können, dass ich einen habe.

Als ich mit meinen Jungs vor 2 1/2 Jahren mal im Auto unterwegs war, unterhielten der Grosse und ich uns über meinen Männergeschmack. Er fragte mich aus und ich wusste: grosse Männer mag ich. Ich lachte und sagte, dass mir einer MIT Haaren sehr gefallen werde.

2 min später….“ Schau mal Mama! Der da zb hat Haare“.

Er deutete auf einen jungen Mann, der auf dem Gehweg schlenderte und ungefähr 16 war. Als ich mich von meinem Lachanfall erholte, sagte ich ihm, dass der Besitz eines Führerscheins auch von Vorteil wäre.

Der nächste Mann in meinem Leben wird ein Besonderer sein, egal wie lang ich auf ihn warten muss.

Und wenn er nie kommt, dann ist es so. Ich mache keine faulen Kompromisse mehr.

Ich bin bei dem Thema entspannt, denn den Unterschied zwischen einsam und allein hab ich gelernt.

Ich liebe allein sein. Ich kann gut mit mir alleine sein.

Vielleicht weil ich es so selten bin und es etwas besonderes ist.

Ich meine nicht dieses allein sein, wenn die Kinder schlafen.

Ich rede vom Alleinsein, wenn keiner in der Wohnung ist. Wenn ich nicht Rücksicht nehmen muss, mich nicht anpassen und morgens weder vom Wecker, noch von Kindern geweckt werde. Ich liebe allein sein.

Die Zeiten, als ich die Papa Wochenenden heulend in Jogginghose auf der Couch verbrachte und nichts mit mir anfangen konnte, die liegen lange zurück!

Ebenso die Zeiten, als ich mich neu entdecken musste, weil ich mich verloren hatte.

Ich weiss noch, wir waren ca. 5 Monate nach der Trennung in Mutter-Kind-Kur und ich verfasste heulend wie ein Schlosshund einem Freund lange Nachrichten. Es sprudelte nur so aus mir raus und die Buchstaben waren ganz verschwommen von meinen Tränen.

Ich wusste schlichtweg nicht mehr wer ich bin, was ich will und was ich mag, oder kann.

Früher liebte ich Hip-Hop Musik und schlief viel. Ich interessierte mich für Wrestling und den F.C Bayern.

Danach war ich Ehefrau, Hausbesitzerin und Mutter. Und jetzt? Ich hatte keine Ahnung von mir selbst.

Ich wusste nur, dass ich mich selbst, so wie ich war, nicht mochte.

Ich hatte Zeit es rauszufinden und hab mich neu erfunden und überrascht. Mein Leben ist toll und mehr als lebenswert.

Wenn jetzt Papa Wochenende ist, weiss ich nicht wohin mit mir. Ich möcht alles auf einmal machen und alles nachholen.

Es ist, als hätt ich nur kurz geblinzelt, schon ist Sonntag Abend und es geht wieder von vorne los.

Nicht mehr stationär, nur noch ambulant heisst es doch… Ich glaub darauf könnt ich mich einlassen.

Dieses gängige Modell, das die meisten zu Hause haben…Ich glaub das will ich für mich nicht mehr.

Einen, dem man alles nachtragen muss. Dem man alles sagen muss und der ohne Anweisungen nicht denken kann.

Andererseits aber auch ernst genommen werden will und der „Mann“ sein.

Ich sehe mich um und ich bin froh, dass bei mir viel Ballast wegfällt.

Ich sehe die Vorteile, die sind nicht zu verachten.

Ich treffe die Entscheidungen und es redet mir keiner rein, oder ist anderer Meinung. Ich kann es einfach durchziehen.

Ich kann 21 Uhr ins Bett gehen, bin niemanden Rechenschaft schuldig und muss mich nicht durch Filme quälen, auf die ich gar keine Lust habe.

Ich muss mich nicht ärgern, dass der Partner die Arbeit nicht sieht. Ich weiss von vornherein, dass ich allein zuständig bin, kann es mir einteilen und erledigen. Der Teil ist wirklich mein Lieblingsteil und ein echter Vorteil.

Ich hab nichts gegen Männer. Ich mag sie. Ehrlich!

Ich bin weder ne Ultrafeministin geworden, noch will ich ins Kloster.

Den Glauben an die wahre Liebe hab ich bis heute nicht verloren.