Loslassen in Etappen

Wenn man sich als Elternpaar trennt, lernt man loszulassen.

Am Anfang war es so schwer und ich wollte die Kinder ungern weggeben. Auch wenn es der Papa war.

Andererseits brauchte ich die Zeit ohne sie so sehr.

Zum Ausruhen, zum Aufräumen, zum mich sortieren, durchatmen. Oder eben zum arbeiten als Krankenschwester.

Die Kommunikation zwischen meinem Ex -Mann und mir war weit weg von gut.

Vieles lief vor den Kindern ab, so, wie ich es niemals wollte.

Ich habe viel geweint. Auch vor den Jungs. Es liess sich nicht vermeiden.

Ich war oft verzweifelt und hatte gefühlt nichts im Griff.

Unser Haus war damals 2 Jahr alt und wir zogen aus. Der Papa blieb dort wohnen.

Sehr schnell gab es diese neue Frau und nicht nur einmal dachte ich wirklich, dass ich den Verstand verliere.

Zu wissen, dass sie sich zu zweit um unsere Kinder kümmern, während ich alles alleine stemmen musste, machte mich irre.

Mein Sohn erzählte mir einmal, dass sie mit ihm Ball spiele, während Papa Essen koche.

Ich kochte auch, meist ebenso vor Wut, weil die Kinder mich da am meisten forderten. Es war keiner da, der sich in der Zeit mit ihnen beschäftigte und ich schrie viel.

Dann weinte ich wieder. Ich war überfordert, wütend, traurig, ich kam nicht klar und es war alles viel zu viel.

Der Umzug vom Haus in diese 3 Zimmer Wohnung machte mir zu schaffen. Wenn wir zu dritt im Bad waren, konnte ich gefühlt nicht mehr atmen, alles war so eng.

Ich fühlte mich getrieben, immer wieder zog es mich zum Haus. Nur mal kucken. Ob er da ist, ob sie da ist.

Es dauerte lang, bis dieses Gefühl aufhörte.

Auf den ersten Blick schien es, als habe er alles und sei der grosse Gewinner.

Immer wieder redete ich mir gut zu, dass das Blatt sich wenden wird.

Ich glaubte an Gerechtigkeit und wusste, dass meine Situation nicht für immer war.

Er lachte mich aus, als ich ihm das sagte.

Eine gute Freundin redete auf mich ein, dass der Zwerg auch bei ihm übernachten soll, so wie der Grosse.

Er war erst 1 und ich hatte ihn nachts immer bei mir. Er wachte noch oft auf und ich bildete mir ein, dass er seine Mama braucht.

Vielleicht brauchte ich ihn aber noch mehr.

Wir versuchten es und es klappte gut.

Beide gingen immer gern zum Papa, es gab nie Tränen an der Tür.

Ich klopfe mir dafür auf die Schulter, denn ich bin daran ja nicht unbeteiligt.

Die einzige die weinte, war ich. Immer, wenn die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel.

Es quälte mich. Lange.

Irgendwann weinte ich nicht mehr und es wurde besser.

Ich lernte allein zu sein und die Zeit sinnvoll zu gestalten.

Inzwischen sind die Papa-Wochenenden selbstverständlich und nicht mehr wegzudenken.

Der Abschied tut nicht mehr weh. Meistens freu ich mich wie verrückt.

Sie kommen ja wieder! Alles halb so wild!

Dieses Jahr wurde unser Haus verkauft und der Papa zog weiter weg.

Statt 10 min sind es jetzt fast 60 min.

Das ist nochmal ein ganz anderes Loslassen. Über die Autobahn. Hoffen, dass alles gut geht.

Bei Wind und Wetter.

Nicht mehr ins gewohnte Haus, wo sie jede Ecke kennen. Beide ihre Zimmer haben. Den Garten.

Es hat gedauert. Aber von Kindern kann man viel lernen.

Papa hat jetzt eine kleine Wohnung. Aber die Jungs sind begeistert, denn jetzt können sie in der großen Stadt shoppen. Gleich um die Ecke ist ein Indoorspielplatz und es gibt so viel Neues!

Wir haben uns gewöhnt.

Die Kinder sind nicht weniger glücklich als vorher auch.

Jetzt, nach 3 Jahren sind sie das erste Mal mit Papa im Urlaub. So richtig.

Er verkündete vor einigen Wochen, dass ein Kollege eine Wohnung am Gardasee habe und er will dort mit den Jungs hin.

Mein Sohn will seit 2 Jahren so gern dorthin. Alle seine Freunde waren scho dort.

Ich hab ihm diese Illusion genommen, denn ich trau mir die weite Fahrt alleine nicht zu.

Ich hatte nichts dagegen. Wie könnte ich?

Ich habe schon so viele Kurzurlaube und richtige Urlaube mit den beiden gemacht. Ohne ihn jemals nach seiner Meinung zu fragen.

Ich wusste, dass es sein absolutes Recht ist und ich das nicht ändern kann.

Und doch…

Es wurmte mich. Ich googelte. Ich schlief schlecht und wenig.

Hoffte bis zuletzt, dass es ist wie immer: er will etwas durchsetzen, ich tu so, als ob es o.k ist und dann klappt es doch nicht.

Bisher war es immer so.

Ich wusste, dass er den Plan definitiv durchziehen wird, wenn ich ihm versuche Steine in den Weg zu legen.

Diesmal nicht!

Der Tag rückte näher und ich wurde unruhig.

Als er sie abholte, versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen.

Ich lachte, ich war freundlich. Aber ich stellte Fragen.

Ich gab ungefragt Tipps.

Fragte, ob er an Dies und Das gedacht habe.

Wir saßen noch 30 min vor’m Auto zusammen. Zu viert. Das ist selten geworden.

Aber die Stimmung war gut und ich genoss es. Die Kinder hüpften um uns rum und führten mal dem einen, mal dem anderen Elternteil etwas vor.

Noch ein Kussi hier, ein Drücker da.

Dann waren sie weg.

Ich hatte schlechte Laune, ich gebe es zu. Ich war in Sorge.

Als die Nachricht kam, dass sie da sind, ging es steil bergauf.

Meine Jungs sind in Italien. Am Gardasee und ich bin ausser mir vor Freude.

Ich bekomme regelmässig Fotos von stralenden Kindern.

Mal beim Pizza essen. Mal neben Peppa Wutz im Movieland. Und der Zwerg liebt Familie Wutz.

50% seiner Allgemeinbildung hat er von dieser Serie.

Ich bekomme Sprachnachrichten mit aufgeregten Stimmen. Sie fallen sich gegenseitig ins Wort, weil sie nicht abwarten können, alles loszuwerden.

Es ist ein schönes Gefühl. Ich freu mich mit ihnen und für sie.

Loslassen.

Es ist schwer. Aber man kann es lernen.

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