Overload

Seit Tagen wirft das Universum Dinge nach mir, um mich zur Ruhe zu zwingen.

So lange, bis ich endlich kapiere, dass ich ne Pause brauche. Dass alles gerade viel zu viel ist und überhaupt viel zu anstrengend.

Mein normaler Ruhepuls hat sich inzwischen bei ungefähr 100 Schlägen pro Minute eingependelt, so fühlt es sich an.

Ich bin gehetzt, getrieben und komme so gar nicht mehr in einen „normalen“ Zustand. Runterfahren… Fehldiagnose.

Das heutige Elend begann 6 Uhr beim Wecken der Kinder. Es wurde gestritten, gestänkert, geboxt und beleidigt. Todesblicke wurden ausgetauscht und ich habe das nur über mich ergehen lassen, weil ich erstens keine Kraft zum Schlichten hatte und zweitens, weil ich morgen frei habe.

Eventuell ist inzwischen auch ein bisschen Gleichgültigkeit und Resignation eingekehrt, ich laufe im Sparmodus. Kräfte einteilen ist angesagt.

Wie jeden Morgen sassen wir drei um 6.50 Uhr angeschnallt Richtung Kindergarten und Arbeit im Auto.

Motor an und….

nichts.

Nichts, ausser einem kleinen Stottern.

Dass es die Batterie ist hörte selbst ich und dabei hatte ich erst letztens festgestellt, dass diese von 2015 war. Genau wie mein 2. Sohn und der ist 4.

Um 7 Uhr öffnet der Kindergarten, 7.30 Uhr fängt mein Dienst 3 Orte weiter an. Morgens zählt jede Minute und ich freue mich täglich, dass ich das tatsächlich immer wieder schaffe.

Also liefen wir 3 Richtung Kindergarten. Erstmal den Zwerg loswerden.

Kollegin informieren, dass ich keinesfalls pünktlich komme und keine Ahnung habe wie und wann ich komme. Sie ist so lieb und ruhig, das tut gut, ändert aber nichts.

Der Zwerg ist fröhlich, trödelt nicht und will all seinen Freunden erzählen, dass er heute gelaufen ist. Für ihn ist es ein Abenteuer.

Der Grosse erkennt mit 8 Jahren den Ernst der Lage. Er kennt mich gut und sagt: “ Nicht weinen Mama, alles wird gut.“

Ich rede nicht viel, bin ernst. Ich denke. In alle Richtungen.

Das vorbereitete Geld für die gebastelte Laterne nehm ich unauffällig aus seinem Rucksack, denn das werde ich für den Bus brauchen.

Der Grosse hat Ferien und der Plan war, dass er mit zu meiner Arbeit kommt. Wie so oft.

Ferien. Bus fahren. Auf dem Lande. Ich ahnte Böses.

Abgesehen davon, dass ich keine Ahnung hatte welche Linie, welche Haltestelle und wo aussteigen. In den Ferien ist alles anders.

Als wir an der Haltestelle ankamen, traf der Bus zeitgleich ein. Ich konnte mein Glück nicht fassen.

Der Busfahrer drückte mir wortlos den gewünschten Fahrplan in die Hand und ich suchte gleich die Verbindung für mittags raus, denn 13.30 Uhr muss Zwergi spätestens abgeholt werden.

7.45 Uhr war ich umgezogen bei der Arbeit, hatte meinen Kfz-Engel bereits für 14.30 Uhr organisiert und er wollte gleich die Winterreifen mitmontieren. Beruhigend.

Ich versuchte mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, jammerte ein bisschen rum und ich sah Mitleid in den Augen der Kollegen.

Ich wurde viel öfter als sonst gefragt, ob man mir helfen kann und von allen Seiten wurde mir angeboten, mir Arbeit abzunehmen.

Eine liebe Kollegin (vielleicht auch unausgesprochene Freundin) kam wegen dem Azubi vorbei und bot mir an, uns später heim zu fahren, sie mache das sehr gerne.

Ich lehnte ab, sagte, ich hätte alles im Griff, das sei nicht nötig.

Hilfe annehmen, oder noch schlimmer, um Hilfe bitten… das ist echt nicht meine Stärke!

Irgendwann im Dienst schrieb ich ihr, dass es eine sehr gute Idee war und mir das Leben heute wirklich etwas leichter machen würde, wenn sie uns heimfährt.

Sie hat die Nachricht nicht rechtzeitig gelesen. Mein Sohn und ich marschierten Richtung Bushaltestelle und planten die nächsten Stunden mit Frisör, Weltspartag und Abholung des Bruders.

Wir waren keine 50 Meter gelaufen, da schrieb sie, wir sollen stehen bleiben wo wir sind, sie sei in 2 min da.

Und das war sie!

Wir hatten noch Zeit für einen Coffee to go und ein gutes Gespräch.

Ab da funktionierte mal ausnahmsweise alles nach Plan.

Neue Batterie, Winterreifen drauf, Friseurtermin, Weltspartag, Bäcker.

Dafür kein Grosseinkauf wie geplant und den ganzen Nachmittag auf der Couch rumgelungert.

Vielleicht würden meine Jungs sagen, dass heut ein richtig guter Tag war: zum Kindi laufen, Bus fahren und ganz viel Fernseh kucken.

Aber mich darf man nicht fragen!

Wobei, ich bin ganz ruhig. Dass ich sicher 5 Jahre früher sterbe als geplant, das nehme ich in Kauf. Allein durch die Tatsache, wie viel Kraft mein Alltag mich kostet.

Mal sehen, was das Universum noch für mich bereit hält!

Ps: Beim ins Bett bringen drückt der Grosse mich wild und sagt: „Entschuldigung, dass ich das jetzt sage, aber der Tag heut war irgendwie echt cool!“

Ich ziehe meine Augenbrauen lächelnd hoch und er entgegnet: …“uuuuund, ich bin sehr stolz auf dich, dass du den Tag heut überlebt hast.“

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