Die beste Mama der Welt ( für 4 Tage)

Mit Jasper Juuls These, dass Kinder IMMER kooperativ sein wollen, damit hadere ich schon lange.

Zu lange hat mir mein grosser Sohn das Gegenteil bewiesen. Egal wie harmonisch es zwischen uns war, wie schön der Tag, wie aufregend das Erlebte:

Nein heisst nein.

Heute ist der 1. Tag seit 8 Jahren, an dem ich eventuell ins Grübeln komme.

Ich habe das Geheimnis der besten Mama der Welt herausgefunden.

Diese bin ich jetzt schon den 4. Tag in Folge. Kein Tag vergeht, an dem ich es nicht mindestens einmal höre.

Das Geheimnis macht mich traurig.

Denn es entspricht leider nicht der Realität und ist nicht von Dauer.

Das Geheimnis lautet:

Tatatatatataaaaaa….Trommelwirbel…

13 Tage frei, 7 davon komplett ohne Kinder, weil die mit Papa im Urlaub waren. Eine perfekt saubere Wohnung, eine leere To-do-Liste und keine Hausaufgaben.

Alle meine Speicher sind voll bis Anschlag: Geduld, Kraft, Ausdauer, Liebe und Spass am Leben.

Seit meine Jungs zurück sind, ist hier nichts mehr wie es war.

Ich bin erschrocken darüber und jeden Tag aufs Neue habe ich Angst, dass es jetzt vorbei ist.

Ich habe Nerven aus Stahl, die hab ich mir schon immer so sehr gewünscht.

Aber ich brauche sie gar nicht, denn meine Jungs sind so lieb, rücksichtsvoll und das Beste:

Sie hören auf mich. Warum? Seit wann? Warum erst jetzt und wie lange noch?

Fragt man mich heute danach, ja, ich habe die besten Kinder, die ich mir vorstellen kann!

Schon am 1. Tag zurück, fragte ich abends skeptisch, warum sie sich nicht streiten, nicht kämpfen und sich gemeine, böse Spitznamen geben.

Es war schon zu lang harmonisch, sie lachten sich kaputt, drückten sich wild und es war einfach schön ihnen zuzuschauen.

Am Sonntag machte ich morgens „Armer Ritter“ und immer wieder kamen sie mit ihren Tellern, forderten Nachschub.

Wir spielten Spiele in dem einen Zimmer, kuschelten mit Buch unter die Decke im anderen Zimmer.

Sport gemacht wurde dann im dritten. Wir schwitzten und lachten, weil beide auf meinen Rücken sprangen bei den Kniebeugen. Wir machen das oft und immer wieder macht es allen Spass.

Übrigens habe ich davon heute noch Muskelkater und es quält mich.

Beim Aufräumen hatte ich Wunderkerzen gefunden. Also Matschhosen und Gummistiefel an und raus in den Regen.

Die Jungs hüpften vergnügt, sangen, rannten, liefen mit Anlauf durch Pfützen und nicht einmal fragte der Zwerg: „Trägst du mich?“

Wir zündeten alle Wunderkerzen an. Im September. Ausser uns war kaum jemand draussen. Und die, die unterwegs waren, hatten es eilig heim zu kommen. Wir nicht.

Der Tag war schön!

Am Montag durfte der Zwerg nach 4 Wochen Ferien endlich wieder in den Kindergarten. Er freute sich und seine Freunde drückten ihn. Der Abschied fiel nicht schwer.

Den Grossen brachte ich nach 6 Wochen Pause das 1. Mal wieder in sein Turnen. Es wurde Zeit und ich sah das Leuchten in seinen Augen.

Über 2 h hatte ich Zeit zum Schlendern.

Zeit- das wirklich Schönste und Kostbarste.

Ich machte einen Schlüssel für meinen bald Drittklässer nach, kaufte ihm noch einen Anhänger dazu, auf dem „Lieblingsmensch“ stand.

Er war bereit dafür und freute sich. Er hat bewiesen, dass ich ihm vertrauen kann und es wird vorkommen, dass er vor mir mittags zu Hause ist.

Zum Beispiel, wenn ich eine Fortbildung habe.

Am Nachmittag hatte der Zwerg das 1. Mal Musikschule. Ich wusste, es wird schwer für ihn und kostet ihn Kraft. Er mag keine ersten Male irgendwo mit irgendwem und ohne mich.

Ich liess mich nicht aus der Ruhe bringen von seinem: “ Ich geh da aber nicht hin!“

Ich hoffte und betete, denn ich wusste, das er es lieben wird. Er sollte Buntstifte mitbringen und die kaufte ich ihm neu. Ebenso ein Schlampermäppchen in blau, seiner Lieblingsfarbe. Das würde vielleicht helfen.

Ich war so froh, dass er nicht auf der Couch einschlief, denn er hatte oft „Mittagstief“ und liebt Siesta.

Der Grosse sollte zu seinem Freund, auf den er sich so sehr freute.

Ich hatte Bedenken, dass der Zwerg dann da einfach mit will, statt zur Musikschule und es in einem Drama endet.

Die Trickkiste musste her und wir überlegten, womit wir ihn locken könnten.

2 Dinge haben wir uns ausgedacht.

Damit es sich beim Freund nicht nach Spass anhört, erzählten wir dem Zwerg, dass der Bruder dort Mathe lernen muss, weil besagter Freund besser im Rechnen ist und es ihm erklären soll.

Uuuuuund, wenn er so mutig ist und es schafft zur Musikschule zu gehen, dann spielen wir daheim Verstecke. Und ich- die Mama, mache mit!

Wir waren unterwegs. Der Grosse stöhnte und jammerte, er habe keine Lust auf Mathe.

Freudig riss er noch während der Fahrt die Tür auf, als er den Freund endeckte. Er sprang raus. Ich öffnete das Fenster und rief ihm streng hinterher:

“ Und komm ja nicht zurück, ohne, dass du die Aufgabe verstanden hast!“

Er lachte. Ich lachte.

Der Zwerg nahm stolz seine Tasche mit Stiften und Schlampermäppchen.

Schüchtern und zaghaft lief er hinter mir, hielt sich an seiner Tasche fest.

Es fiel ihm schwer, aber er hat es geschafft. Und ich war so stolz auf ihn.

Und er auf sich. Er war beim Abholen ausgelassen und hatte einer anderen Mama erzählt, dass wir daheim Verstecke spielen würden, weil er mutig war.

Ich gebe es zu, ich mag Verstecke spielen nicht besonders und bin immer froh, wenn ich in der Zeit etwas Ruhe habe.

Ich freute mich drauf und ließ mich ein.

Wir hatten solchen Spass und mehrmals bekam ich vor Lachen keine Luft. In meinen absurden Verstecken musste ich mir den Mund zuhalten, um nicht laut loszuprusten.

„Oh Mama, ich hab so Lust auf Wasserfarben malen, aber dürfen wir jetzt sicher nicht, gell?“

Doch…und sie waren happy.

Es war ein Geben und Nehmen und je mehr ich geben konnte, umso glücklicher und zufriedener wurde ich.

Heute war der letzte Ferientag meines Sohnes. Gestern durfte er deswegen bis 21.55 Uhr seine Lieblingsserie schauen und ich legte mich danach trotzdem noch zu ihm ins Bett und ließ mir alles erzählen. Ich bewunderte in Gedanken seinen Satzbau. Er ist groß geworden.

Heute blieb er bis Mittag im Schlafanzug. Er schaute Fernseh, ich ging einkaufen.

Er holte sich freiwillig einen Apfel und aß ihn ganz auf.

Dafür brachte ich ihm vom Einkauf eine Zeitschrift mit, was ich sonst nie mache.

Ich sagte zur Kassiererin:

„Seltsam, so oft habe ich nein gesagt und meine Kinder haben gebettelt. Jetzt bin ich mal ohne Kinder hier und kaufe dieses Ding!“

Sohn konnte sein Glück nicht fassen und da war es wieder: „Ey, du bist echt die Beste!“

Beim Frisör waren sie ausgelassen und ich schämte mich etwas.

Zum 1. Mal klappte es, was ich immer predige:

„Ihr fragt nicht selber nach Gummibärchen, das ist unhöflich. Ihr wartet ab, bis sie es euch anbietet!“

Ich betete, dass sie es gerade heute nicht vergessen wird.

Auf dem Spielplatz wurde ordentlich getobt, der eine versuchte dem anderen den Ball abzunehmen. Es ging wild zu und es war laut.

Eine Mama sagte:

“ Sind halt Jungs, gell!“

Sie erwartet ihr 2. Kind und ich glaube, sie hat jetzt Angst vor einem 2. Jungen.

Ich wollte schon immer Jungs, die sind speziell und ich liebe es, dass ich zwei davon habe. Nie habe ich mich nach einem Mädchen gesehnt.

Daheim mussten beide duschen. Seit heute Morgen sage ich es immer wieder, in der Hoffnung, dass die Empörung klein ausfällt.

Grosser Sohn, problemlos. Lacht, weil ich anfange ihn einzuseifen. Das ist schon lang nicht mehr mein Aufgabengebiet und er droht mir, dass ich ja nicht seinen Popo waschen soll. Das mache er selbst.

Ich föhnte ihn und musste das am ganzen Körper machen. Er strahlte.

Ich holte tief Luft. Ich täuschte an, Kind 2 ahnte aber schon was kam. Ich schnappte ihn, er schrie, versuchte sich überall festzuhalten, flehte:

„Aber nicht über den Kopf!“

Er schrie, und ich beeilte mich. Er war sauer. Er schubste mich weg und schaute mich böse an.

Ich erwiderte seinen Blick nicht und als ich ihn hochnahm, legte er seinen Kopf auf meiner Schulter ab. Schön!

Ich hörte den Grossen in der Küche, es polterte und ich hörte Besteck.

Ich versuchte nicht sauer zu sein, denn ich habe heute einen aufwendigen Auflauf gekocht und wollte, dass sie den heute essen.

Stattdessen war ich mir sicher, dass er Gurken und Äpfel vorbereitet hat.

Als ich in die Küche kam, traute ich meinen Augen kaum.

Zwei Teller, jeder ziemlich vollgeladen mit meinem Auflauf. Serviette und Besteck daneben. Er schaufelte los und ich dachte, die Portionen sind gewaltig.

Er überredete den schreienden Bruder zumindest zu probieren. Der wollte aber Kaba und sonst nichts, schrie in allen Oktaven.

Plötzlich hörte ich:“ Fertig!“ Und sah, wie er seinen Teller wegräumte.

Der Teller war leer.

„WO hast du den Rest hingeschüttet“, fragte ich ungläubig. Er lachte und zeigte auf seinen Bauch.

Ich stand sprachlos da.

Ob es ihm geschmeckt habe, wollte ich wissen.

„Ja, war mega lecker!“

Ich trieb es noch auf die Spitze, indem ich den Grossen bat den Müll raus zu bringen.

„O.k“

Er sah meinen verstörten Blick nicht und ich suchte die versteckte Kamera.

Halb 8 lagen wir fertig auf der Couch, beide hatten einen Kaba getrunken und Zähne geputzt.

Da hörte ich den Satz, der jegliche gute Stimmung vernichten kann.

„Irgendwie hab ich noch voll Hunger. Darf ich wenigstens Erdnussbutter löffeln?“

Der Zwerg bestand auf einen 2. Kaba.

Ich bestand darauf, dass beide jetzt ins Bett gehen, weil mir das Spiel nicht gefällt.

Ich wusste, dass beide sehr müde sind und eine 2. Runde Zähne putzen gab es heute definitiv nicht.

Der Zwerg war sofort weg.

Der Grosse schimpfte, dass das alles nicht fair sei. Er schnaufte laut, fing an zu pfeiffen und mit aller Macht zu demonstrieren, wie sauer er ist.

Er habe Essen gemacht und ich würde NICHTS für ihn tun. Nieeeee wieder würde er sowas für mich machen.

Hungrig ins Bett, zähhh, was wär ich nur für eine herzlose Mutter und mein Essen sei sowieso furchtbar.

Dann schnarchte er.

Ach ja, meine Seifenblase der perfekten Mutter platzt. Ich befürchte, dass die schönste Zeit mit dem morgigen Schulbeginn dann endgültig dahin ist.

Damit kann ich leben. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s