Der Mann an meiner Seite

Ich bin ambivalent, wenn ich gefragt werde, ob ich mir nicht jemanden an meiner Seite wünsche. Schliesslich sei doch niemand gern allein.

Ich bin jetzt seit 3 Jahren getrennt und es verging viel, viel Zeit, bis ich abends mit dem Gedanken an einen bestimmten Mann eingeschlafen bin und Schmetterlinge im Bauch fühlte.

Oft bilde ich mir ein, dass ich einen Mann zeitlich gar nicht unterbringen könne in meinen Alltag.

In Wirklichkeit weiss ich, es ist nur eine Ausrede.

Wenn ich meiner Freundin von „ihm“ erzähle und sie schimpft:

„Du suchst schon wieder nach Fehlern, wo gar keine sind.“

Kann man nach 3 Jahren immer noch nicht bereit sein für etwas Neues?

Der Gedanke, dass ein Mann Teil meiner Familie ist, mit uns zusammenlebt und Ausflüge mit uns am Wochenende plant….irgendwie geht das für mich nicht.

Ich will keinen Mann, nur um sagen zu können, dass ich einen habe.

Als ich mit meinen Jungs vor 2 1/2 Jahren mal im Auto unterwegs war, unterhielten der Grosse und ich uns über meinen Männergeschmack. Er fragte mich aus und ich wusste: grosse Männer mag ich. Ich lachte und sagte, dass mir einer MIT Haaren sehr gefallen werde.

2 min später….“ Schau mal Mama! Der da zb hat Haare“.

Er deutete auf einen jungen Mann, der auf dem Gehweg schlenderte und ungefähr 16 war. Als ich mich von meinem Lachanfall erholte, sagte ich ihm, dass der Besitz eines Führerscheins auch von Vorteil wäre.

Der nächste Mann in meinem Leben wird ein Besonderer sein, egal wie lang ich auf ihn warten muss.

Und wenn er nie kommt, dann ist es so. Ich mache keine faulen Kompromisse mehr.

Ich bin bei dem Thema entspannt, denn den Unterschied zwischen einsam und allein hab ich gelernt.

Ich liebe allein sein. Ich kann gut mit mir alleine sein.

Vielleicht weil ich es so selten bin und es etwas besonderes ist.

Ich meine nicht dieses allein sein, wenn die Kinder schlafen.

Ich rede vom Alleinsein, wenn keiner in der Wohnung ist. Wenn ich nicht Rücksicht nehmen muss, mich nicht anpassen und morgens weder vom Wecker, noch von Kindern geweckt werde. Ich liebe allein sein.

Die Zeiten, als ich die Papa Wochenenden heulend in Jogginghose auf der Couch verbrachte und nichts mit mir anfangen konnte, die liegen lange zurück!

Ebenso die Zeiten, als ich mich neu entdecken musste, weil ich mich verloren hatte.

Ich weiss noch, wir waren ca. 5 Monate nach der Trennung in Mutter-Kind-Kur und ich verfasste heulend wie ein Schlosshund einem Freund lange Nachrichten. Es sprudelte nur so aus mir raus und die Buchstaben waren ganz verschwommen von meinen Tränen.

Ich wusste schlichtweg nicht mehr wer ich bin, was ich will und was ich mag, oder kann.

Früher liebte ich Hip-Hop Musik und schlief viel. Ich interessierte mich für Wrestling und den F.C Bayern.

Danach war ich Ehefrau, Hausbesitzerin und Mutter. Und jetzt? Ich hatte keine Ahnung von mir selbst.

Ich wusste nur, dass ich mich selbst, so wie ich war, nicht mochte.

Ich hatte Zeit es rauszufinden und hab mich neu erfunden und überrascht. Mein Leben ist toll und mehr als lebenswert.

Wenn jetzt Papa Wochenende ist, weiss ich nicht wohin mit mir. Ich möcht alles auf einmal machen und alles nachholen.

Es ist, als hätt ich nur kurz geblinzelt, schon ist Sonntag Abend und es geht wieder von vorne los.

Nicht mehr stationär, nur noch ambulant heisst es doch… Ich glaub darauf könnt ich mich einlassen.

Dieses gängige Modell, das die meisten zu Hause haben…Ich glaub das will ich für mich nicht mehr.

Einen, dem man alles nachtragen muss. Dem man alles sagen muss und der ohne Anweisungen nicht denken kann.

Andererseits aber auch ernst genommen werden will und der „Mann“ sein.

Ich sehe mich um und ich bin froh, dass bei mir viel Ballast wegfällt.

Ich sehe die Vorteile, die sind nicht zu verachten.

Ich treffe die Entscheidungen und es redet mir keiner rein, oder ist anderer Meinung. Ich kann es einfach durchziehen.

Ich kann 21 Uhr ins Bett gehen, bin niemanden Rechenschaft schuldig und muss mich nicht durch Filme quälen, auf die ich gar keine Lust habe.

Ich muss mich nicht ärgern, dass der Partner die Arbeit nicht sieht. Ich weiss von vornherein, dass ich allein zuständig bin, kann es mir einteilen und erledigen. Der Teil ist wirklich mein Lieblingsteil und ein echter Vorteil.

Ich hab nichts gegen Männer. Ich mag sie. Ehrlich!

Ich bin weder ne Ultrafeministin geworden, noch will ich ins Kloster.

Den Glauben an die wahre Liebe hab ich bis heute nicht verloren.

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