Geschwisterliebe

Gerade durfte ich einen magischen Moment erleben, der mein Herz erfüllte.

Mein Kleiner schlief schon tief und fest, der Grosse legte sich dazu und ich mit.

Ohne mich geht nichts und die zwei schlafen zusammen im Bett, weil keiner alleine sein will.

Als wir vor fast 3 Jahren in diese Wohnung gezogen sind, haben wir lange alle zusammen in einem Bett geschlafen.

Erstens, weil ich kein Schlafzimmer habe und zweitens, weil mich das am wenigsten Kraft gekostet hat. Die Energie jeden einzeln in den Schlaf zu begleiten, die hatte ich damals wirklich nicht. Noch dazu habe ich Kinder, hinter denen man nicht einfach so mal die Tür zu macht und dann schlafen sie. Gewünscht habe ich mir das oft, aber in der Realität ist das ins-Bett-bringen der grösste Kraftakt des Tages, bis heute.

Ich weiss, dass die Brüder sich sehr lieben.

Oft merkt man im Alltag nicht sehr viel davon, denn am Tag sind beide meist im „Kampfmodus“.

Es wird gehauen, provoziert, Kräfte gemessen, diskutiert, beleidigt, gekränkt, geschubst, getreten, geboxt, beschimpft…fehlt noch was? 😫

Momente wie vorhin sind deshalb umso kostbarer. Der Grosse konnte vom schlafenden Zwerg nicht die Finger lassen. Er küsste und streichelte seinen Kopf, hielt seine Hand ganz fest und drückte sie an sein Herz.

Er flüsterte mir zu:“ Ich liebe ihn so, so sehr, Mama!“

Immer wieder formte er ein Herz mit seinen Händen, nachdem ich ihn ermahnt hatte leise zu sein, um ihn nicht zu wecken.

Er schaute ihn lächelnd an, stützte dabei seinen Kopf mit der Hand ab und musste sich bei jeder kleinen Bewegung den Mund zuhalten, um nicht loszuprusten.

Ich bin Einzelkind. Ich hatte immer viele Freunde zum Spielen da, aber wenn die abends heim gingen, war ich allein.

Genau deshalb wollte ich immer 4 Kinder haben, am liebsten alles Jungs.

Der Wunsch zog sich durch die Realschule hindurch, ich war mir sicher.

Als mein Grosser 2011 geboren wurde, war ich vor Müdigkeit ganz benommen. Er war gefühlt 2 Jahre rund um die Uhr alle 2 h wach. In der Krabbelgruppe war ich die einzige Mama, deren Kind nachts noch nicht durchschlief.

Er schlief nur auf mir, direkt neben mir und immer wollte er meine Hand. Wenn ich es wagte mich zu bewegen und mir sicher war er schlief, riss er die Augen empört auf. Wenn er auf meinem Arm einschlief, konnte ich ihn nicht einfach ablegen, er merkte das sofort und schrie los.

Mittagsschlaf war schnell nicht mehr sein Ding, er war Fan von powernapping. Mal in der Schaukel, im Arm, im Auto, im Gras, im Sitzkreis der Kita, egal wo. 10 Minuten und er war topfit für Stunden.

Da beschloss ich, dass ein gesundes Kind sehr viel wert ist und ich mich glücklich schätzen kann.

Wie schnell vergisst man, wenn es besser und leichter wird!

Man ist so voller Liebe für diesen kleinen Mensch und kann nicht genug von ihm bekommen.

Das Thema Geschwisterkind wurde bei uns erst ein Thema, als er mit 3 im Kindergarten verkündete, dass er eine Schwester bekomme. Das war beim Mittagessen und die Erzieherin nahm mich zur Seite, denn sie wusste von nichts und war unsicher.

Zu dem Zeitpunkt hatten wir daheim nicht ein einziges Mal darüber geredet, aber für ihn war die Sache klar: alle seine Freunde hatten eine Schwester, also braucht er auch eine.

Ich werde nie den Tag vergessen, als ich ihn nach dem Ultraschall vom Kindergarten abholte. Ich sagte ihm, dass ich jetzt weiss was es wird. Er beugte sich in seinem Kindersitz ganz nach vorn und sah mich mit grossen, erwartungsvollen Augen an. „Es wird ein Junge, du bekommst einen Bruder!“

Wortlos und enttäuscht liess er sich zurück in seinen Sitz. Als er es verarbeitet hatte, schrie er weinend: „Ich will aber keinen Bruder, ich wollte eine Schwester!“

Es dauerte einige Wochen, bis wir ihn von den Vorteilen eines Bruders überzeugen konnten. Als er ihn im Krankenhaus das 1. Mal sah, war er 4 1/4 und zuckersüß.

Er beobachtete sein Gähnen und seine Finger. Er war so glücklich und der Wunsch nach einer Schwester war vergessen.

Als wir nach 3 Tagen nach Hause kamen, zeigte er ihm als erstes, wie man das ferngesteuerte Auto lenken und welche Knöpfe man drücken muss.

Ich bin so froh, dass sie sich haben. Und dass ich sie habe. So wie es ist, ist es genau richtig!

Ich schmelze dahin, wenn dem einen was Süsses angeboten wird und er 2 nimmt, mit dem Zusatz: „Eins noch für meinen Bruder!“

Ich schmelze dahin, wenn der eine sagt, dass der andere sein allerbester Freund ist und dieser erwidert: “ Du bist mein Bruder, das ist noch viel mehr wert als beste Freunde!“

Ich schmelze dahin, wenn sie sich ein paar Stunden nicht gesehen haben, der Kleine auf den Grossen zurennt und drückt, als gäbe es kein Morgen mehr.

Ich schmelze dahin, wenn der Kleine immer auf den gleichen Trick reinfällt und wieder mit aufs Klo geht, nur damit es dem Grossen nicht langweilig wird. Dafür bekommt er dann auch oft ne Ninjagokarte geschenkt, oder ihm wird was vorgelesen, erklärt oder beigebracht.

Ich schmelze, wenn sie beide in hohem Bogen an die Hecke pinkeln und sich kaputtlachen.

Ich schmelze, wenn sie stundenlang im Trampolin hüpfen, sich aufeinander legen, übereinander hüpfen und sich dann vor Freude in die Arme fallen.

Ich schmelze, wenn der Kleine ein englisches Lied singt und der Grosse ihn dafür nicht auslacht. Stattdessen sich daran erfreut und mit ihm singt, auch wenn er weiss, dass er nicht textsicher ist.

Ich schmelze, wenn ich aus der Küche komme und sehe, wie sie aneinandergekuschelt auf der Couch sitzen, Arm in Arm.

Ich schmelze, wenn ich sie in der Badewanne gackern höre und wie sie kaum Luft bekommen vor Lachen. Den nassen Boden nehme ich in Kauf.

Ich schmelze, wenn einer den anderen von seinem Lieblingsessen abbeißen lässt, obwohl er erst nein gesagt hat, das enttäuschte Gesicht des anderen aber nicht erträgt. „Na guuuuuut!“

Ich schmelze, wenn sie auf dem Spielplatz wippen, der Grosse den Kleinen zum Hüpfen bringt und der fast vor Lachen runterfällt.

Ich schmelze, wenn sie ein „Projekt“ haben und ganz vertieft in ihr Spiel sind. Meist handelt es sich um Wasser, Sand, Steine oder Käfer.

Ich bin damals schon geschmolzen, als der Grosse dem frisch geborenen Bruder ins Ohr flüsterte:

❤ “ IMMER EIN TEAM!“ ❤

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