Hoch die Hände…Papa Wochenende

Ab Tag Nr. 9 in etwa merke ich, dass ich ne Pause brauche. Dann hab ich keine Energie mehr, keine Geduld und ich mag dann nicht mehr.

Es ist kräftezehrend, wenn man alle Entscheidungen alleine treffen muss, sich ganz alleine um Hauhalt, Organisation, Schule, Kindergarten, Hobbies, Termine, Unternehmungen und Einkauf kümmern muss.

Nebenbei muss ich ja auch Geld verdienen und muss zu der ANDEREN Arbeit, der bezahlten Arbeit.

Es ist schwer, alles zu schaffen und dennoch schaff ich es. Meistens sogar ziemlich gut. Manchmal aber so gar nicht gut.

Dann bin ich frustriert und wütend, genervt und traurig.

Ich wünschte mir, dass ich mich wie andere Mamas mit meiner Freundin treffen könnte. Das Haus verlassen, durchatmen und mit guter Laune wiederkommen.

Ich muss darauf 12 Tage warten.

12 lange Tage, die neben dem Spass, den wir gewiss haben, auch diesen Gedanken in mir weckt: „Der ganze Scheiss bleibt an mir hängen, verflucht!“

Wenn bei uns Papa-We ansteht, bin ich meist aufgeregter als die Kinder. Die kennen es schon und freuen sich.

Ich packe die Taschen für beide, hoffe, dass es reicht und dass ich auch alles wieder zurückbekomme. Zur Zeit funktioniert es sehr gut, es gab schon andere Zeiten.

Ab 17 Uhr heisst es warten. Meist kommt da in etwa die SMS, dass er losfährt.

Ich versuche gerade in diese Zeit viel Ruhe und Liebe zu packen. Dann dauert es ca. 1 h bis es an der Tür klingelt.

Ich bin aufgeregt und freue mich, sage das auch den Kindern. Sie wissen, dass ich diese 2 Tage ohne sie nicht traurig bin, sondern sie richtig geniesse.

Das macht es auch einfacher für sie. Ich komme klar. Allein sein find ich ( inzwischen) richtig schön.

Dann hebe ich meinen Zeigefinger und sage betont: „AAAAABER“… Der Grosse beendet den Satz: „…Aber du freust dich auch, wenn wir wieder zurück kommen!“ Genau!

Die Kinder stürmen zur Tür und streiten, wer den Türöffner drückt.

Der Grosse zieht seine Schuhe an, der Kleine läuft dem Papa in Socken zur Treppe entgegen und plappert los. Alle begrüssen sich, dann rufe ich beide Jungs zurück, weil sie vor Aufregung vergessen haben, sich von mir zu verabschieden.

„Oh!“

Beide drehen um, ich bestehe auf eine dicke Umarmung, wünsche ihnen viel Spass und sage, dass ich sie lieb habe. Immer!

Strahlend und glücklich sehen sie aus, wenn sich die Tür hinter ihnen schliesst.

Durchs Fenster beobachte ich sie noch. Sehe, wie der Papa den Zwerg anschnallt und lächelt, weil er schon wieder ein neues Lied kann. Oder ein Gedicht. Dann geht der Motor an und ich sehe sie wegfahren.

Ich atme tief durch. Noch bin ich nicht beruhigt. Spätestens 1 h später frage ich nach, ob alles gut ist und sie gut angekommen sind. DANN und erst dann beginnt die Verwandlung. Dann bin ich keine Mama mehr.

Ich schaue Serien, esse vorm Fernseher, koche mir was schönes, pflege mich, lese, bade, mache Sport und manchmal arbeite ich auch.

Ich fühle mich frei, muss kein Vesper machen, keine Kinder ins Bett bringen, ich geniesse die Stille, kein Geschrei und Gestreite. Ich liebe es.

Manchmal höre ich laut Musik und tanze dabei.

Manchmal kümmere ich mich um den Haushalt und manchmal lass ich alles liegen.

Manchmal treffe ich Freunde, manchmal will ich bewusst alleine sein.

Es ist immer das gleiche. Es ist, als hätte gerade jemand mit den Fingern geschnippst, zack, Sonntag.

Ab mittags schaue ich oft auf die Uhr. Einerseits freue ich mich auf die zwei und habe sie auch zwischendurch mal kurz vermisst.

Andererseits bin ich traurig, dass es schon vorbei ist, ich wollte doch noch so viel machen und tun!

Sonntag Nachmittag bin ich schon wieder Mama, lege frische Schlafanzüge raus, die Kleidung für Montag und bereite alles zum Baden vor.

Denn das ist das erste, was gemacht wird, wenn sie wieder kommen.

Sie riechen nach Papa und in den Taschen ist alles zerwühlt und durcheinander. Ich habe keine Ahnung was sauber ist und was nicht, schmeisse also alles in die Waschmaschine.

Ich will jetzt sauber Kinder.

In der Badewanne beobachte ich sie, lasse mir vom Wochenende erzählen und freue mich, dass ich sie wieder habe. Denn ich wollte immer Mama sein.

Ohne meine Kinder wollte ich nie leben, auch wenn es noch so anstrengend ist!

Ich trockne sie ab, lache mit ihnen, oft machen wir dann Quatsch und ich lasse mir viel Zeit.

Ich habe Geduld, meine Speicher sind voll. Ich kann wieder einiges aushalten.

Wir kuscheln uns ins Bett, sie streiten sich um ein Buch und es endet damit, dass der Kleine gewinnt, ich ihm vorlese und der Grosse dann selber sein Buch liest.

Beide kuscheln sich an mich, ich geniesse es.

Ich weiss, sie haben es nicht leicht.

Es ist sicher schwer, wenn man sich immer entscheiden muss…Mama ODER Papa und nie beide auf einmal hat. Ist man bei Mama, vermisst man Papa und umgekehrt.

Für mich ist es besonders an bestimmten Feiertagen hart. Wenn ich zb Weihnachten oder Silvester arbeiten muss und sie bei Papa sind.

Meine Kollegen gehen nach der Schicht nach Hause und können trotzdem noch Zeit mit ihren Lieben verbringen, zusammensitzen und reden.

Wenn ich nach der Schicht heimkomme, sind meine Kinder nicht da. Sie kommen auch nicht später. Vielleicht erst 2 Tage später, wenn alles vorbei ist.

Was mich tröstet: Silvester bei Papa ist eh viel cooler. Da gibt’s richtiges Feuerwerk und die Jungs lieben es.

Ich gönne es ihnen und versuche nicht traurig zu sein, sondern mich mit ihnen zu freuen. Es gelingt mir auch, denn sie sind so aufgeregt beim Erzählen. Ihre Augen sind weit aufgerissen und mein Herz wächst bei jedem Satz.

Diesen Monat fällt der 4. Geburtstag meines Sohnes genau aufs Papa-Wochenende. Als ich das feststellte, hab ich fast geweint. Dieser Tag ist heiliger wie Weihnachten und ich kann mir weiss Gott nicht vorstellen, ihn an diesem besonderen Tag nicht zu sehen.

An diesem Tag habe ich ihn geboren! Nie will ich da ohne ihn sein.

Der Papa ist einverstanden, dass er die Jungs statt Freitag erst Samstag Mittag holt, dann hat jeder was davon.

Ich habe ihn gleich nach dem Aufwachen, wir können Kuchen essen und er kann mein Geschenk auspacken. Ich kann ihn drücken und ihm sagen, wie sehr ich ihn mir gewünscht habe! So, so sehr!

Es ist dann ok und nur gerecht, dass der Papa den Rest des Tages mit ihm verbringen darf.

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