Der ganz normale Wahnsinn

Seit 20.30 Uhr schaffe ich es kaum noch, die Augen offen zu halten. Tage wie dieser machen mich fertig!

Jaaaa, Wochenende! Keine Arbeit, keine Schule, kein Kindergarten.

Und irgendwie doppelt so anstrengend, kann das sein?

Da wir gestern einen Ausflug zu einer Freundin gemacht haben und es so schön war auf dem Wasserspielplatz dort, sassen wir erst 21.30 Uhr im Auto. Die Kinder sind auf der Heimfahrt eingeschlafen und bei mir ratterte es schon: die Riesentasche mit all dem Zeug, Korb mit Essen, oder was davon übrig war und 2 schlafende Kinder, juhu. Da kam Freude auf und ich gebe zu, ich dachte an früher.

Da rief ich bei sowas meinen Mann an, sagte wir sind in 10 min da. Er wartete dann schon vorm Haus und nahm Taschen oder das schlafende Kind mit nach oben.

Ich verfiel in Selbstmitleid bei dem Gedanken daran, wie ich eins nach dem anderen hoch in den 1. Stock schleppte, dabei war ich doch selber müde.

Zu meinem großen Glück waren beide wach, als ich auf dem Stellplatz parkte.

Beide konnten laufen, auch wenn dabei gejammert wurde, wieeee müde man sei. Immerhin!

Beide bestanden noch auf einen Kaba. Ich bestand darauf, dass die Schlafanzüge angezogen wurden und so legten sie sich sofort ins Bett. Nur den Grossen konnte ich überreden, wenigstens noch die Hände zu waschen. Der Kleine hörte meine Aufforderung schon nicht mehr. Er schlief.

Ich freute mich einerseits, dass das heut so easy war, ich musste mich nicht mal dazu legen.

Aber das schlechte Gewissen nagte etwas an mir. Die beiden hatten so etwa 7 h auf dem Spielplatz dort getobt, sie waren sowas von dreckig! Die Hände waren schwarz, die Füsse ebenso und den schwarzen Strich in der mini Speckfalte am Hals des Kleinen hatte ich auch nicht übersehen.

Und trotzdem war es klar: geduscht wird nicht mehr, das tu ich mir nicht an!

Womöglich wären beide danach topfit gewesen. Das ist viel schlimmer wie schmutzige Kinder, dachte ich mir.

Punkt 7 heut Morgen ging das Gequängel schon los, beide waren schon wach. Heut war ich streng und setzte durch, dass beide liegen bleiben müssen. Ich wusste, dass es definitiv zu wenig Schlaf war und was mich erwarten wird, wenn ich nicht durchgreife.

2 h später war der Grosse wach und flüsterte, ob er etwas Essen könne. Ich zeigte ihm wortlos den Daumen nach oben und blieb noch etwas liegen.

Als ich ins Wohnzimmer kam, traute ich meinen Augen nicht. Da sass er und mampfte Bonbons. Um ihn herum die Spuren in Form leerer Verpackungen.

Ich glaub ich spinne!

Meine seit Jahren geltenden Regeln, für die es nie eine Ausnahme gibt oder geben wird, hat er ausser Gefecht gesetzt. Ich war sauer und sagte das. Er schien unbeeindruckt und tat überrascht, da er mich doch klar gefragt habe, ob er etwas Essen könne und ich dies bestätigt hätte. Also sei das alles ja nicht seine Schuld!

Dieser Fuchs!

Wir übten 4 Durchgänge für die morgige Buchpräsentation und er macht es soooo toll. Ich war sehr zufrieden und auch stolz, denn es ist die erste seines Lebens, also konnte ich keine weitere Sekunde sauer auf ihn sein.

Kurz vor 11 Uhr kam der kleine Bruder gut gelaunt zu uns und sang: „Guuuuuuuten Moooooorgen!“

Es gab RICHTIGES Frühstück und mein Plan stand fest: Sachen packen, Sportplatz und danach Freibad.

Ich wunder mich immer wieder, wie lang es dauert, bis wir 3 fertig sind. Allein im Bad, mit Waschen und Zähne putzen. Dann Anziehen und Tisch abräumen, das Geschnippel fürs Freibad. Inzwischen verwüsten die Jungs mindestens 2 unserer 3 Zimmer, indem sie Verstecke spielen und der Zwerg mit Bettdecke über sich über den Flur watschelt und wartet, dass man ihn entdeckt, damit er sich kaputtlachen kann. Als ich höre: „Such mich doch“, sehe ich gerade, wie die vor 2 Tagen bezogene Bettdecke schön über den sandigen Boden gleitet.

Ich werde jetzt schon etwas angespannter.

Die Legos, die überall im Wohnzimmer verstreut sind, machen die Sache nicht besser. Ich versuche zu Packen, an alles zu denken und nichts Wichtiges zu vergessen. Währenddessen gebe ich Anweisungen zum Aufräumen und ärgere mich, dass auch nach der 2. Ansage nichts passiert.

Es ist anstrengend. Jetzt schon!

Wir können los, gut gelaunt verlassen wir das Haus. Bis ich erinnere, dass wir zuerst auf den Sportplatz gehen!

Warum? Mama will Runden laufen, braucht Bewegung.

Weil ich gestern zu viel gesündigt habe und bei dieser Challenge mitmache, bei der ich im Monat Juni 100 km sammeln muss.

Was hab ich mir nur dabei gedacht!?!

Auf dem Sportplatz versammelten sich die Fussballer und der Parkplatz war schon voll. Daran hatte ich nicht gedacht.

Also beschloss ich weiterzufahren, jedes Kind bekam seinen Roller und gleich neben dem Freibad beginnt ein Fahrradweg.

In meiner Phantasie sah ich mich glücklich und gemütlich joggen, die Jungs in einem Affenzahn und voller Freude ein Stück vor mir. HA!

Die Realitat: es wurde gemotzt, dass die Helme auch trotz der Hitze getragen werden müssen. Ein Hin und Her. Der Zwerg erinnerte sich daran, dass die Schoner vom Grossen da im Kofferraum liegen müssen und die will er jetzt anziehen.

Ok. Wenn das hilft! Die Knieschoner fand ich auf Anhieb und freute mich zunächst.

Ich startete meine App und kam genau 20 Meter weit mit meiner Motivation, denn schon da waren die 2 nicht mehr hinter mir. Ich lief zurück und der Grosse hatte beide Roller, da der Kleine bockte. Seine Knie würden weh tun und überhaupt will er hier nicht sein.

Ich war wütend. Ok, ok.

Zurück zum Auto, Roller wieder in den Kofferraum und stattdessen Eimer raus!

Es geht jetzt DOCH auf den Sportplatz, Fussballer hin oder her! Ich wollte starten und ging mit Tempo über den Parkplatz zum Sportplatz.

Die 2 folgten mir gezwungenermaßen, schlecht gelaunt und demotiviert.

Die Gedanken sind frei:

NICHTS kann man mit euch machen! Es kann doch echt nicht sein, dass wir das nicht hinbekommen. Ich häng danach stundenlang im Babybecken rum und ihr könnt nicht mal ne halbe Stunde Ruhe geben, damit ich ein paar Runden laufe? Wie egoistisch seid ihr eigentlich?

Stattdessen atmete ich nur, sagte lieber nichts.

Ich fragte den Grossen, ob er das Sprichwort „Eine Hand wäscht die andere“ kennt und ne Idee hat, was es bedeuten könnte. Er hatte null Interesse daran. Ich erklärte es ihm trotzdem. Er hat sicher verstanden, trotzdem wollte er jetzt ins Wasser. Basta!

Beide sassen im Schatten und zogen Gesichter. Ich schaffte mit Pausen 4 km. Immerhin.

Das ganze war nicht sehr motivierend und in der Mittagshitze auch nicht so prickelnd.

Ab ins Freibad.

Diesmal rannte keiner davon, die Regeln wurden klar vorher bestimmt und Eis gibt es nur am Ende, WENN sie auf mich gehört haben und alles einigermassen klappt.

Eincremen! Kompromiss…ohne Gesicht. Na gut.

Der Kleine sah seine Freunde im Babybecken und beschloss ebenso keine Schwimmflügel zu brauchen, da er schon gross sei.

Erst heut Morgen habe ich ihn zum Schwimmkurs im Herbst angemeldet und mit der Schwimmlehrerin über die Gefahren und Erfahrungen im Bezug auf Wasser geredet.

Ohne Schwimmflügel kein Wasser! Kein Kompromiss!

Er rannte los und ich hielt ihn zurück. Erneute Ansage. Er fing an zu bocken.

Rannte wieder los und ich hielt ihn am Beckenrand davon ab ins Wasser zu hüpfen.

Er bockte weiter und Tränen kamen noch dazu.

Das Spiel machte er noch weitere 2 mal, bis auch er dann verstanden hat, dass ich es sehr wohl ernst meine. „Na guuuuuut!“

Inzwischen hatte ich bereits Zuschauer bei diesem Spektakel und merkte die Blicke. Es lebe die Sonnenbrille! Das hilft!

Beide hatten vorgestern ihre Spritzpistolen geschrottet und jetzt gab es grosses Bedauern.

Der Kleine fragte seinen Freund immer wieder, ob er auch mal mit seiner spritzen dürfe. Der reagierte aber einfach nicht und ignorierte ihn, da er so in sein Spiel vertieft war.

Ich solle jetzt eine besorgen. Ausleihen oder was auch immer.

Er wollte, dass ich diesen uns fremden Jungen anspreche, da vor ihm auf der Decke diese tolle Nerf lag. Das wollte ich nicht und er verstand es nicht.

Er war so traurig …. Bis dieser grosse, tolle Junge auf ihn zu kam uns sagte, er würde sie ausleihen. Er konnte sein Glück nicht fassen und erst nach 2 h forderte der Junge seine Pistole wieder freundlich zurück.

Trotz Schwimmflügel lasse ich ihn kaum aus den Augen und nehme in Kauf in der Sonne zu brutzeln, mit Mamas reden zu müssen, auf die ich nicht so Lust habe, immer wieder „Tee“ aus der Plastiktasse „trinken“ zu müssen und betonen, wie lecker der ist und ich unbedingt mindestens noch eine Tasse trinke. Er strahlt!

Auf der Decke machen wir Faxen und irgendwie komm ich doch noch zu meiner Sporteinheit. Flugzeug und Hebefigur inklusive.

Es macht mich glücklich und ich bin froh über diese wertvollen Minuten. Denn ich bin nicht nur die Meckermama, zumindest gefällt mir diese Rolle hier deutlich besser.

Er möchte singen und wir trällern ein Lied nach dem anderen. Hänsel und Gretel, die Jahresuhr, 3 Chinesen mit dem Kontrabass, auf der Mauer auf der Lauer, alle meine Entchen und die Weltraummaus. Er ist textsicher und singt so laut er kann. Ich deutlich leiser. Hinter uns wird gekichert und seine Textsicherheit bewundert.

„Das hat er von mir“, wollte ich mich zu ihnen umdrehen. Denn ich bin nicht nur die Meckermama!

Ich bin stolz auf ihn und geniesse sein Strahlen.

Ich schaue ihn ganz genau an und versuche mir alles einzuprägen, denn ich will mich immer an sein süsses 3 jähriges Gesichtlein erinnern.

Er ist selbständig geworden. Ich sitze auf der Decke und hab ihn im Blick. Er spielt mit 2 Kindern aus seinem Kindergarten und gibt klar den Ton an. Von wem er das wohl hat?!?

Der Grosse hat inzwischen sowieso ne recht lange Leine. Er schwimmt seit er 4 3/4 ist. Er darf mit seinen Freunden auf die grosse Rutsche und auf die Sprungtürme. Oft sind auch Papas der anderen dabei. Ich bin recht entspannt dabei. Er kommt immer wieder und muss sich melden. Sagen, wenn er wo anders hingeht, zb auf die Decke eines Freundes.

Suchen muss ich ihn nie. Spätestens der Hunger bringt ihn immer wieder zurück.

Vor 2 Jahren war alles noch viiiiiiel anstrengender, denn der Grosse wollte ins Tiefe zum Schwimmen. Der Kleine war 1 Jahr alt und wollte nur ins Babybecken. Den Grossen hab ich da noch nicht aus den Augen gelassen. Er durfte noch nicht alleine losziehen, ausser eine andere Mama ging mit.

Wir sind heute bis 19 Uhr geblieben. Erst als der letzte Freund ging, durfte ich zusammenpacken.

Zu Hause mussten beide noch duschen, den Dreck weg von heute und von gestern quasi.

Ohne Kopf. Kompromiss. Ok. Dafür ohne Weinen.

Während ich den Zwerg duschte, wollte der Grosse unbedingt nochmal seine Buchpräsentation besprechen und ich wollte dazu auch nicht nein sagen.

Ich bin sowas von Multitasking. Mehr geht gar nicht.

Es war nach halb 8 und beide waren satt vom Rührei mit Tomaten. Brot gibt es keins mehr in unserem Haus, wie so oft sonntags.

Die Zähne waren geputzt und der Grosse war im Helfermodus, vielleicht aus Mitleid mit mir, weil er weiss, ich bin k.o.

Ich bat beide noch die Spülmaschine auszuräumen, denn das mache ich ungern. Gesagt, getan. Sie waren mit Eifer dabei.

Im Zuge dessen wurde die Besteckschublade neu sortiert und der Schrank mit den Tupperdosen neu geordnet, da immer irgend etwas rausfällt beim Öffnen dieser. Es war anstrengend zuzuschauen, denn ich wollte Ordnung!

Die Gedanken sind frei:

Muss das jetzt sein? Ich versuche hier Ordnung zu machen und ihr macht alles schlimmer als es vorher war. Geht einfach raus aus der Küche. Ich mach das selber! Diese Art von Hilfe brauche ich jetzt wirklich nicht!

Ich bedankte mich stattdessen bei beiden für ihre Mühe und sagte, dass ich ohne sie aufgeschmissen sei. Sie freuten sich.

Und 10 min später schliefen sie.

Ende!

5 Kommentare zu „Der ganz normale Wahnsinn

  1. Ja, diesen ganz normalen Wahnsinn kenne ich auch sehr gut! Die Stellung halten, Entscheidungen treffen (und durchsetzen) und stark sein, obwohl man gern auch mal gehalten werden möchte… Irgendwie erleichternd, zu lesen, wie „erholsam“ das Wochenende manchmal auch bei dir aussieht!😉 Liebe Grüße, Sarah

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Sarah.
      Unter uns: die Wochenenden empfinde ich oft 100 mal anstrengender als einen Arbeitstag. Das gezicke und gestreite der Geschwister…ohne Auszeit…Puh!
      Dass man nicht weg kann aus der Situation, um sich runterzufahren. Manchmal macht es mich wahnsinnig

      Gefällt 1 Person

  2. Hallo Petra,
    seit kurzem lese ich Deinen Blog und hab mich jetzt mal durch die älteren Beiträge gelesen und bin auf diesen gestoßen.
    Ich erinnere mich an diesen Tag als wäre es gestern gewesen. Wir sind direkt neben euch gelegen im Freibad, bzw. ich hochschwanger auf meinem Klappstuhl gesessen 😀 ich bewundere es wirklich sehr, wie du es mit den beiden Jungs schaffst. Meine Mädels sind auch vier Jahre auseinander, die kleine ist heute genau 10 Monate alt. Der „neue“ Alltag ist nicht einfach und ich wünsche mir so sehr, dass Corona bald ein Ende hat aber ganz tief im inneren sehne ich mich am meisten nach genau diesen Freibadtagen und habe eine riesen Angst, dass wir das diesen Sommer nicht erleben dürfen 😞 (ich weiß es gibt schlimmeres 🙈)
    Ich liebe es immer wieder neues von euch zu lesen, mach immer weiter, es ist so toll.
    Ganz liebe Grüße
    Steffi

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Steffi.
      Vielen Dank für deine aufmunternden Worte und dass du meinen Blog liest. Ich hab das irgendwann für mich entdeckt und es hilft mir. Wenn meine Jungs mal heiraten, werd ich ihnen daraus vorlesen. Wenn ich die beiden gross bekomme, hab ich einige Nerven weniger. Aber mein Herz ist voller Liebe und das hilft ungemein, den Mut nicht zu verlieren.
      Ich hab mich sehr gefreut über den langen Text und überlege hin und her. Aber ich habe keine Ahnung wer du sein könntest. Mit 2 Mädchen…keine der Steffis, die ich im Kopf habe passt dazu. Sei so lieb und hilf mir auf die Sprünge.

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