Die Schublade, in der ich stecke

Eine Bekannte erzählte mir zuletzt von der Freundin ihres 15 jährigen Sohnes und wir kamen ins Gespräch. Ob sie mit der Familie klar komme und wie die Eltern so drauf wären, hat mich interessiert. „Naja, sie ist Alleinerziehend.“

Das ist eine von so vielen Situationen, bei der es mir wieder bewusst wird: ICH BIN JETZT IRGENDWIE ANDERS!

Es ist fast so, als bin ich von der 1. Bundesliga in die 2. abgestiegen.

Im Inneren fühl ich mich genauso wie damals, als ich verheiratet war und in unserem EFH lebte. Meine Werte sind die gleichen! Die Liebe zu meinen Kindern und was ich ihnen mit auf den Weg geben will, auch.

Nur die Umstände sind jetzt andere. Der Tag hat leider nur 24 h, ich wünschte oft, dass es ein paar mehr wären, denn Vieles ist nicht erledigt.

Im Aussen ist es anders geworden.

Jetzt bin ich die, die nicht zum Elternabend kommt. Ich bin mit meinen Jungs 18.40 Uhr an dem Tag vom Spielplatz zum Auto gelaufen, die anderen Mütter waren vereinzelt schon vor der Schule versammelt. Ich bilde mir ein, ich hätte verdutzte Blicke gesehen. „Nanu? Es geht doch gleich los! Wieso schlendert sie denn so gemütlich hier vorbei?“

Dass ich im Inneren todtraurig darüber war, das sah man mir nicht an. Dass ich alles versucht hatte, um einen Babysitter für die 2 h zu bekommen, es aber nicht geklappt hatte, auch nicht. Ich selbst denke, dass die Anwesenheit im Elternabend zeigt, ob ich Interesse am Kind habe, oder nicht.

Es war die Höchsstrafe für mich und ich war den Tränen nahe. Das glaubt mir vielleicht keine Mama, für die das Drumherum völlig selbstverständlich ist und die ihr Kind bei Papa oder Oma lässt.

Aktuell bekomme ich viele Gespräche um mich herum mit, der Vatertag wird geplant. „Sollen wir was zusammen machen? Vielleicht ne Wanderung? Wohin?“

Heute z.B. sass ich dazwischen, es wurde quasi über mich hinüber geplant. Keiner hat mich gefragt… dafür habe ich mir mehrere Gründe ausgedacht:

Erstens wissen alle, dass es für mich keinen Grund gibt den Vatertag zu zelebrieren, da ich meist nur Ärger mit diesem habe.

Version 2 ist, dass man mich einfach nicht leiden kann und sowieso nicht gefragt hätte. Auch mit Mann nicht.

Man kann sich alles Mögliche zusammenspinnen. Aber irgendwie bin ich raus! Ich pass da nicht rein, oder dazu. Oder kommt es mir nur so vor?

Wenn die Lehrerin ermahnt, dass man das Kind jeden Tag laut lesen lassen soll, bin ich in der Theorie voll bei ihr.

Die 10 Minuten sind IMMER drin, denk ich auch. Aber die Realität ist oft anders. Bei uns gibt es zwischendurch mehrere Tage, an denen er nicht liest. Wenn er z. B bei Papa ist.

Oder, wenn sein kleiner Bruder tobt, dass er ein anderes Buch vorgelesen bekommen will. Und überhaupt, nicht von ihm, sondern von mir! Wenn er immer wieder das Buch wegreißt und nicht still ist.

Es gibt Tage, die sind so vollgepackt, da denke ich nicht daran. Und es gibt diese Tage, da denke ich dran, hab aber selber keine Lust und Energie dafür.

Wenn’s heisst in 14 Tagen ist Buchpräsentation, sind andere Eltern ganz entspannt. Ich zähle bereits die „realen“ Tage, an denen kein Sport ist und kein Papa Wochenende, Wettkampf, oder Kindergeburtstag. Da bleibt schon nicht mehr sehr viel Zeit und ich spüre den Druck.

Es kann sein, dass andere Kinder dadurch besser vorbereitet sind.

Wenn im Dezember gefühlt 1000 Termine sind, alle überaus wichtig. Weihnachtsfeier Kindergarten, Schule, Arbeit, Verein, dies und das. Überall soll man was zum Buffet beitragen.

Es gibt die tollsten Kuchen, Cupcakes und spektakuläre Muffindekos.

Ich bin die, die Brezeln auf die Liste schreibt, denn backen und Gedöns ist bei mir nicht extra drin.

Wenn ich anfange Termine durcheinanderzubringen, mich noch gehetzter wie sonst schon zu fühlen, mein Ruhepuls 100 beträgt und ich meine Zunge nie vom Gaumen wegbekomme ( Signal für angespannt sein) , dann verfluche ich das Alleinerziehend sein.

Ich habe 2 Kinder und ich bin nur einer! Wie soll das funktionieren?

Wenn ich mit einem Kind Fussball spiele und die Nachbarn das andere Kind schreien hören: „Du bist eine blöde Mama!“ Ja, dann wünschte ich, ich müsste nicht entscheiden, welchem Kind ich meine Aufmerksamkeit heute schenke.

Einmal waren wir auf dem Spielplatz und die Kinder aus dem benachbarten Haus haben schön mit meinen Jungs gespielt. Ich quatschte mit der Mama. 18 Uhr wurden sie vom Papa reingerufen, er wolle jetzt mit ihnen essen. Hmmmm. Weg waren sie. Wir haben weitergemacht. Aber das Gefühl, dass auf uns niemand wartet, uns niemand ruft und vermisst, das habe ich nicht vergessen.

Ja, ich wünschte mein inzwischen 4 jähriger wäre endlich trocken. Aber er trägt immer noch Windeln. Der Grosse war mit 2 1/4 Tag und Nacht trocken. Damals war ich aber in einer anderen Situation. Ich war viel mehr hinterher, ich hatte nur 1 Kind und einen Partner an meiner Seite zur Unterstützung.

Zu Hause ist er ohne Windel und es klappt ausgezeichnet. Aber leider sind wir sehr selten länger zu Hause….das ist das Problem.

Schock, ich fahre ihn auch noch im Buggy herum. In letzter Zeit sogar öfter. Weil er krank ist, oder müde und ich genau weiss, es wird ein riesen Theater geben, weil er hoch will. Ich mache es mir nicht mehr selber schwer. Ich sehe die Blicke, ich höre die Kommentare. Aber ich habe 2 Kinder. Und ich bin nur einer.

Wenn die Mütter im Turnverein (sorry!😬) der Meinung sind, man müsse sogar die Socken farblich zum Turnanzug abstimmen und dann sollten alle einheitliche Taschen haben….“Die sind nicht teuer!“ Ähm….Wenn das Konto im roten Bereich ist, ist 1 Euro schon zu teuer. So Vieles ist für Viele so Selbstverständlich!

Die haben es gut, müssen sich um so etwas keinen Kopf machen!

In manchen Monaten spielen 20 Euro für mich ne grosse Rolle.

Aber am Kind spart man ja bekanntlich am wenigsten und so ist es. Selbstverständlich wird die Tasche bestellt!

Am Wochenende hocken meine Kinder und ich aufeinander und ich bin mehr oder weniger Alleinunterhalter. Wenn was schief läuft, bin ich schuld! Wer denn sonst!? Das Telefon steht still, keiner meldet sich. Alle geniessen ihr Familiendasein, zumindest trügerisch. Wir langweilen uns oft.

Selber anrufen und sich irgendwo einladen, das macht man ja auch nicht. Da hätten meine Jungs endlich ausgiebig Zeit für gepflegtes Toben mit Freunden. Sie sagen nichts, NOCH bin ich genug.

Beim Maibaum stellen war ich dann aber doch baff. Ich unterhielt mich mit einer Bekannten und die Kinder kennen sich vom Kindergarten. Da fragte mein Kleiner den anderen Jungen: „Bist du heut auch ohne Papa da?“ 😮😳

Dieser „Job“ ist nicht umsonst für 2 gemacht. Es ist oft zu viel für mich alleine. Alleinerziehend sein sucks!🖕 Und ist manchmal sowas von cool und perfekt.

Es läuft!

Es ist wieder Land in Sicht!

Ich habe wieder Hoffnung, dass ich diese Woche ohne Nervenzusammenbruch schaffe!

Heut find ich alles gar nicht so schlimm und bin einfach glücklich. Seit Montag ist bei uns Land unter, nichts ist, wie es sein soll. Nichts funktioniert, nichts klappt. Ich habe das Gefühl mit Wänden zu reden. Egal was ich sage, egal wie freundlich oder streng ich es sage, in welchem Ton, die Antwort ist grundsätzlich: „Nö!“ Manchmal denke ich meine Kinder sind undankbar. Gerade der Grosse mit 8 muss doch inzwischen begreifen, was ich den ganzen Tag mache.

Dass ich wegräume, aufräume und putze, obwohl ich es nicht mal gemacht hab! DAS Argument! Ich war es nicht mal! Ist es dann wirklich zu viel, wenn er den Müll rausbringen soll?!?

Es ärgert mich unheimlich. Noch mehr, wenn dabei Situationen wie gestern erst passieren. Gelber Sack, Biomüll und Restmüll sollten die beiden runter in die Tonne bringen. Der Grosse drückte dem Kleinen den schweren Restmüll in die Hand und sagte: “ Hier, den nimmst du!“ Er konnte ihn nicht mal anheben und ich wurde ärgerlich. Ich sah schon vor meinem geistigen Auge, wie die Mulltüte reisst und alles auf den Treppen liegt.

Beide haben es mit vereinten Kräften zur Mülltonne vorm Haus geschafft. Ich beobachtete sie durchs Fenster. Der Kleine hielt den Deckel auf und der Grosse schmiss den Beutel rein. Der Deckel blieb offen. Als beide hochkamen, sah ich, dass der Grosse keine Schuhe anhatte, obwohl ich ihn ermahnt hatte. Barfuß ok, aber in Socken draussen rum laufen, ich hasse das!

Die werden nie mehr ganz sauber und haben schnell Löcher. Ich kaufe sowieso gefühlt wöchentlich neue Socken. Genau deswegen!

Die Tage waren lang und es graute mir vor jedem weiteren Tag mit diesen Rebellen und dem ständigen Kämpfen.

Ich will nicht streng sein, ich will nicht laut sein, ich will nicht wie ein Feldwebel reden, aber mit bitte und argumentieren komm ich nicht weiter. Da passiert genau…NICHTS!

Heute Morgen war ich schon etwas angespannt. Auf der Couch liegen und kuscheln kann ich schlecht geniessen, wenn ich sehe, wo der grosse Zeiger schon ist, ich pünktlich bei der Arbeit sein will und keins der Kinder im Bad war, geschweige angezogen ist.

Heut Mittag holte ich den Grossen von der Schule ab, der Kleine bleibt donnerstags bis nachmittags im Kindergarten. Normalerweise sind das die Tage, an denen ich mit ihm Zusätzliches für die Schule übe, zu dem wir sonst nicht die Ruhe haben. So MEIN Plan. Ich stellte ihm frei, ob wir Mathe üben, er mir was vorliest, oder, was mir am liebsten wäre: einen Text abschreiben.

Nach 2 Wörtern war er sich unsicher über die Schreibweise von „vielleicht“ und liess mich sitzen. Er stand auf und sagte: „Ich mach nichts mehr!“

Er ignorierte mich einfach, verließ das Zimmer und sortierte Ninjago Karten.

Er wollte auch nichts anderes üben, seinen Schreibtisch nicht aufräumen und eigentlich auch gar nicht mit mir reden.

Nur böse kucken. Das macht er gern und gut.

Ich hatte Geduld und gute Argumente….Nichts!

Ich hab ihn gelassen. Ich wollte nicht erpressen, kämpfen und ermahnen, streiten. Seine Noten sind gut und eigentlich läuft es. Aber man könnte auch ein bisschen mehr machen denke ich. Öfter mal was lesen, öfter mal was schreiben…wenn man nur Zeit, Geduld und Ruhe hätte. Wir machten Erledigungen und unterhielten uns angeregt über Ronaldos neustes Auto, sein 21. Auto um genau zu sein. Es hat 11 Millionen Euro gekostet, hat 1500 Ps und ist aus schwarzem Carbon. Er hat schon lang nicht mehr so viel erzählt und geredet. Das ist SEIN Thema. Ich muss Vieles googeln, was ihn interessiert und lerne mit. Heute habe ich gelernt, dass Ter Stegen Manuel Neuers Ersatz in der Nationalmannschaft ist. Seine Bilder waren ansehnlich. „Was bedeutet sympathisch Mama?“ Hab ich das etwa laut gesagt? Naja, er hat wieder was gelernt.

Ich freute mich über unseren guten Draht zueinander. Wenn ich mich bei ihm bedankte, kam „bitte Mama“ zurück. Wenn ich ihn bat, den Einkaufswagen zurückzubringen, machte er es gut gelaunt. Wer ist dieses Kind?!?

Wir haben tolle Sachen bei Aldi gekauft, der Rucksack war voll mit Essen und Trinken. Nach dem Abholen des Kleinen ging es direkt auf den Spielplatz.

Ich weiss nicht, wann ich meine Jungs zuletzt so frei, gelöst und harmonisch miteinander erlebt habe. Ich weiss nicht, wann ich so lange auf der Bank sass, ohne gebraucht zu werden. Ich weiss nicht, wann ich mich in Ruhe, so lang und angeregt mit einer Bekannten unterhalten habe.

Ich weiss nicht, wann ich meine Kinder das letzte Mal so lange beobachtet habe und mich so an ihnen erfreut. Ihr Lachen war meterweit zu hören und ich lachte mit.

Es war schön! Und nichts gibt mir mehr Kraft, als meine Kinder ausgelassen und voller Freude spielen zu sehen.

Ein anderer Junge rief seiner Mutter hinterher: „Mama, du bist ein blödes Arschloch!“

Unsere Blicke trafen sich und es war ihr unangenehm.

Ich dachte nicht daran, was für ein ungezogene Kind sie hat. In Gedanken hab ich mit ihr gefühlt, vielleicht hatte sie heut auch schon viele Kämpfe und das Gefühl, dass alles aus dem Ruder läuft. Vielleicht war sie müde und erschöpft.

Und ich….Ich war einfach nur froh, dass es bei uns heut mal gut lief. Mehr als gut!

Beim ins Bett bringen lag ich wie Jesus am Kreuz, einer rechts in meinem Arm, einer links. Heut nervte mich das nicht. Im Gegenteil. Der Kleine Bestand auf eine Familienumarmung und wir drückten uns fest! Das tat gut. Dann sagte er: “ Mama, ich liebe dich im ganzen Herzen!“

Was genau er meint hab ich verstanden. Und gefühlt!💙

Was ich vor der Arbeit so mache…

„Bitte nicht“, das war mein Gedanke, als mein Wecker heute Morgen 5.15 Uhr klingelte. In der Nacht lag ich lange wach und bin erst nach 4 Uhr wieder eingeschlafen. Dementsprechend fühlte ich mich und rechnete schnell nach, wie lang es ungefähr dauern wird, bis mein Bett und ich uns wieder begegnen.

Ich quälte mich ins Bad, Katzenwäsche, Zähne putzen, kämmen, anziehen, Deo, Creme, Parfüm und ein bisschen schminken. Nur das nötigste.

Ich hatte eine lange Phase, in der ich mich gar nicht mehr geschminkt habe. Soll ich euch den Grund verraten? Ich war abends so kaputt, dass ich regelmässig das Abschminken nicht mehr geschafft habe und als Marylin Manson aufwachte.

Inzwischen benutze ich wieder Mascara und ein bisschen Rouge, da fühl ich mich einfach wohler.

Ich koche mir meinen Liter Tee vor, den ich mit zur Arbeit nehme und in meiner Schicht leer trinke. Ich bin ein Exot unter den Krankenschwestern mit 1 Liter Einfuhr am Mittag, aber es ist mir wichtig.

Ich räume die Spülmaschine aus, weil das schmutzige Geschirr sich stapelt und der Anblick mich nervt.

Ich habe mein Frühstück am Abend vorher vorbereitet, ich muss nur noch 2 Löffel Joghurt und 1 Löffel Quark dazurühren, Obst schnippeln und das landet mit meinem Tee gleich in der Tasche, damit ich daran schon mal nicht mehr denken muss.

Ich fülle die Trinkflaschen für meine Jungs und hole die vorbereiteten Vesperdosen aus dem Kühlschrank. Ja, ich weiss, manche würden das nieeeee am Vorabend machen….Ich mache es aber. Weil ich morgens lieber die 5 min länger schlafe. Ausserdem sind meine Vorbereitungen meist eh umsonst, weil mittags grad alles wieder so zurückkommt. Im Kindergarten haben sie im April das „offene Frühstück“ eingeführt. Jeder kann bis 8.30 Uhr essen, wann er will und mit wem er will. Oder dann halt gar nicht essen, meine Begeisterung für das Projekt hält sich in Grenzen.

Ich drücke auf den Knopf meiner Kaffemaschine: Kaffee! Der Automat sagt freundlich: Bitteschön!

Ich höre tippel tippel, der Zwerg kommt mit finsterer Mine in die Küche, setzt sich ohne Blickkontakt oder Begrüßung an den Tisch. „Kaba“, ist alles was er sagt. Es war mehr ein Befehl!

Wir haben eine grosse Auswahl an kleinen Tassen: Yakari, Feuerwehrmann Sam, Superman, Elsa und Olaf, Batman….Ich hab genau die falsche vor ihn gestellt. Die Show beginnt! Es wird vor sich hin geschimpft und der böse Blick wird aufgesetzt.

„Ich will nicht immer die kleinste Tasse!“

Meine Antwort ist heute kein Entgegenkommen, er nimmt es so hin. Wahrscheinlich hat er gemerkt, dass ich heut nicht nachgeben werde und schluckt es.

Gestern hat er geschimpft, weil ich ihm kein Röhrle hingelegt habe und heute, weil ich es gewagt habe ihm eins zu geben. Schliesslich kann er das schon alleine! Ich hänge das Säckchen mit den Metallstrohhalmen wieder zurück. Er steht auf, holt es und trink zufrieden seinen Kaba.

Ich gehe mit meinem Kaffee ans Bett vom schlafenden grossen Sohn. Aus der Küche ertönt: “ Mamaaaa, komm auf die Couch!“

Es wird die Decke übers Gesicht gezogen, es wird gemeckert und geschimpft: „Ich bin aber noch müde!“

Dann steht er doch auf und fragt auf dem Weg: „Ist mein Kaba schon fertig?“ Er freut sich als ich nein sage, denn das bedeutet, er kann 1, 2 Löffel Kakaopulver mehr in seine Tasse machen, damit die Milch auch richtig dunkel wird, nicht so hell wie bei mir, wenn ich ihn mache.

Es hat lang gedauert, aber beide räumen ihre Tassen morgens vom Tisch in die Spüle. Was der Grosse aber IMMER vergisst: der Löffel, mit dem er gerührt hat, der liegt auf der Tischdecke und hinterlässt immer eine kleine Pfütze, wenn ich ihn tief atmend wegräume und den Lappen holen muss.

Immer nehme ich mir vor, dass ich es ihm sage. Verdränge es dann aber, weil ich morgens Harmonie so liebe.

Die zwei sitzen schon auf der Couch, während ich noch in der Küche aufräume. „Mama, ich kann die Decke nicht gut falten“, meckert der Kleine. Ich helfe ihm. Als alles schön zusammengelegt ist, möchte er sich genau mit dieser Decke zudecken. Er liegt in meinem Arm und kuschelt sich an mich, seine Augen sind geschlossen. Ich versuche nicht auf die Uhr zu schauen und sage: „Gell, Kuscheln tut richtig gut!“ Er nickt und lächelt.

Plötzlich gibt es Streit, weil die Füsse der Jungs sich berührt haben und jeder unterstellt dem anderen, es wäre Absicht gewesen. Es wird lauter und angespannt. „Du bist dumm!“ „Mama, der hat zu mir dumm gesagt. Gell, ich bin nicht dumm?!“

Er tritt ihn unsanft für diese Behauptung und kickt das Ninjagosammelalbum von der Couch. Ich hielt die Luft kurz an, das Album ist ihm so wichtig, das sagt er mir mehrmals täglich. Was passiert jetzt?

„Ich hasse dich!“ Antwort:“ Ich hasse dich!“

“ Ich liebe dich NICHT!“ Der Zwerg hält inne, ringt nach Worten und fängt an bitterlich zu weinen. Treffer! Nicht lieben ist wirklich noch schlimmer wie hassen. Der Grosse lächelt, er ist mit sich im Reinen!

Ich nehme ihn an der Hand und ziehe ihn hinter mir ins Bad zum Zähne putzen. Es ist immer das gleiche. Er fängt an zu putzen, macht sie dann aus und mit den Worten: “ Ich muss pippi“, verschwindet er. Die Zahnbürste pfeffert er auf die Waschmaschine und die Zahncreme tropft. Noch geduldig wische ich den Fleck weg. Als er wieder kommt, will er, dass ich übernehme. Auch dabei, immer das gleiche. Er kann nicht 1 Minute ruhig sein und erzählt Geschichten vom Vortag, mit offenem Mund und während des Putzens. Es bringt mich regelmässig an meine Belastungsgrenze. Nach dem Waschen bitte ich ihn sich anzuziehen. Ich sage deutlich, dass er heute nicht die Jogginghose vom Stuhl anziehen soll, sondern die schwarze Jeans daneben. Gestern ging die Jogginghose, heute fiel mir wieder der Bericht über diese Schule ein, die Jogginghosen verboten hat.

Jogginghose tragen nur Assis, das ist bei mir hängengeblieben und der Satz: „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“

Ich bin mit dem Zwerg im Bad und ermahne ihn, weil er 6 mal auf die Flüssigseife drückt und sich am Schaum erfreut. Da höre ich:“ Mama, kannst du mir die Schleife binden?“ Ich wusste, er hat die Jogginghose angezogen, weil er mir gar nicht zugehört hat. Ich erinnere ihn an die Jeans. Es ist kurz nach halb 7 und als ich ins Wohnzimmer komme, liegt er in Unterhose unter der Decke. Weder Jogginghose, noch Jeans hat er an. Ich soll das machen sagte er.

Da ich morgens keinen Streit will und er oft zurückstecken muss wegen dem kleinen Bruder, helfe ich ihm in die Hose. Er liegt da und lässt mich machen, seine Arme sind hinter dem Kopf verschränkt und er grinst frech. Den Rest soll er alleine anziehen. Ich gehe mit dem kleinen Bruder in dessen Zimmer und will ihn anziehen. Geschrei! Er macht das alleine, weil er ist schon gross.

Es dauert und die Ferse der Socken ist auf dem Fussrücken. Aber er hat Freude und macht es wirklich gut. Der Grosse ist uns gefolgt, weil er nicht alleine sein will, pfeffert seine restlichen Klamotten auf den Teppich und zieht sich nach und nach an. Es ist 6.45 Uhr und wir setzen uns alle nochmal auf die Couch. Ich nehme einen grossen Schluck von meinem kalten Kaffee.

6.50 Uhr stehen wir auf, ziehen Schuhe, Jacken und Mützen an. Im Normalfall zieht der Grosse sich im Sitzen mitten im Flur an, so dass ich über ihn drübersteigen muss. Ich schnappe mir meine Tasche und die Schlüssel. Der Grosse nimmt den Ranzen auf den Rücken und geht. Der Kleine nimmt seinen Rucksack und seinen Flugsaurier, denn heut ist Mitbringtag.

Am Auto angekommen, kritzeln beide an der nassen Fensterscheibe rum, die Ärmel sind nass. Ich pfeffer alles auf den Beifahrersitz, schnall den Kleinen an und von hinten ruft der eine schon:“7″! Falsch geraten, heute zeigt das Auto 9.5 Grad an, er ärgert sich.

Im Auto wird wieder gestänkert, ich schaue streng in den Rückspiegel. Ich sage lachend zum Grossen, er soll sich niemals mit nem stinkigen 3 jährigen anlegen, es sei hoffnungslos. Er sagte daraufhin zu seinem Bruder:“Mann, du hast heut echt gute Laune! Ironisch!“ Die kleine Zicke konnte damit nichts anfangen und sagte im Jammerton: “ Ich bin kein ironisch!“

Der Grosse lacht hämisch und erklärt ihm, was ironisch bedeutet. Als ich vor dem Kindergarten parke ist es 6.59 Uhr. Wir steigen aus, ich verabschiede den Grossen mit Bussi und wünsche ihm einen schönen Tag. Ich merke, dass er nach rechts und links schaut, ob jemand von seinen Freunden das mit dem Bussi gesehen hat. Gesagt hat er nichts.

Der Kleine ist schon in seinen Kindergarten losgerannt und drückt schon ewig auf den Türöffner, der laut summt, bevor ich überhaupt in der Nähe der Tür bin. In dem Moment klingelt die Kirchturmuhr, es ist 7.00 Uhr.

Er zieht alles alleine aus und um, er nimmt seine Trinkflasche, überprüft, ob der Osterhasenaufkleber noch oben drauf klebt und hat seinen Dino in der anderen Hand. Er ist fast immer das 1. Kind am Morgen. Schüchtern drückt er mich, ich ihn vielleicht ein bisschen länger als sonst zurück, denn dienstags bleibt er bis zum Nachmittag. Als ich im Auto sitze ist es bereits 7.06 Uhr und ich gebe Gas. Heute bin ich spät dran und muss die 2 Minuten Verspätung aufholen. Ich bin nervös, aber wie immer klappt alles und ich schaffe es pünktlich zur Arbeit. Ich atme durch.

#mamaschreibt #ichso #mamablogger #blogliebe

Darf ich Ferien blöd finden?

Ferien. Juhu. „Normale“ Familien freuen sich wie verrückt darauf, denn Papa ist endlich auch zu Hause, kann spielen und sich kümmern, es stehen tolle Unternehmungen an. Jeder fiebert diesen ungezwungenen Tagen entgegen, endlich hat man Zeit füreinander. Ich bin Alleinerziehend. Auch wir haben uns auf Ferien gefreut. So wie wir uns auch immer auf die freien Wochenenden freuen. Meistens geht der Schuss aber nach hinten los. 1 1/2 Wochen sind rum und seit ca. 2 Tagen ist mein einziger Gedanke: “ Halt durch! Nicht mehr lang!“ Bei mir ist die Luft raus, ich mag nicht mehr. Können kann ich noch, es bleibt ja auch nichts anderes übrig. Aber ich WILL nicht mehr. Auf den 1. Blick hört es sich ganz gut an: keine Hausaufgaben, kein Zeitdruck, kein Wecker. Was es wirklich ist, davon kann ich jetzt ein Lied singen. Kinder, die viel zu früh wach sind und mich jeden Morgen aus dem Schlaf reissen. Heute war ich z.B. am Meer, dort war es schön und ich hörte den Wellen zu. Dann…“Mamaaaaaa!“ Ich wollte mich noch nicht vom Meer verabschieden, ich zwang mich die Augen geschlossen zu halten, in der Hoffnung, dass ich den Traum zu Ende träumen darf. Meine 2 Kinder lagen neben mir in meinem viel zu kleinen Bett. Sie stritten, wer neben mir liegen durfte und wer rutschen muss. Es wurde lauter und ich atmete tief ein und aus. Immer wieder hatte ich mal nen Ellenbogen in der Brust oder ein Knie in der Hüfte. Es war mir zu wild. „Raus aus meinem Bett! Alle beide!“ Das war mein 1. Satz am heutigen Tag. Ferien bedeutet Kinder zu Hause zu haben, die nichts mit sich anzufangen wissen. Die plötzlich sowas wie Langeweile entdecken und dann den Bruder ärgern. Oder sich „Tattoos“ mit dem Edding auf den Arm malen, von dem man dachte, er wäre ausser Reichweite. Kinder, die abends nicht müde sind und man nicht ins Bett bekommt. Die erst schlafen, wenn man selber auch am Ende ist und keine Energie mehr hat.

Ich liebe diese wenigen Stunden, die ich üblicherweise für mich habe, bis ich selber schlafen gehe. Die Stille! Sie fehlt mir an Tagen wie heute. In den Ferien habe ich 2 Möglichkeiten: entweder ich verzichte auf diese für mich wertvolle Zeit, oder es verschiebt sich eben nach hinten und ich schlafe ein paar Stunden später.

Zu spät- das stellt sich erst am nächsten Morgen raus.

Ferien bedeutet, dass ich von morgens bis abends den Tag mit 2 kleinen Kindern zusammen bin, mit ihnen ALLEINE. Heute hatte mein Sohn Training. Heisst, ich habe immerhin ein paar erwachsene Menschen gesehen und konnte ein bisschen small talk mit der Kassiererin bei Edeka halten. Es gibt durchaus Tage, an denen es vorkommt, dass ich mit keinem Erwachsenen rede. Es sind meist die Tage, an denen ich mich in einem Zimmer verstecke und meiner Freundin eine Sprachnachricht flüstere. Wie schlimm es wieder ist und was schon wieder alles war. Dass ich auf 180 bin. Ich weiss sie versteht mich. Am Ende der Nachricht lach ich meist albern. Vielleicht aus Verzweiflung. Oder weil ich Gejammer nicht leiden kann. Oder es ist einfach normal, wenn man glaubt bald irre zu werden.

Ferien bedeutet für mich das Gefühl in der Küche zu leben. Ständig hat einer „Hungeeeeer“ und wenn nicht, beseitige ich die Spuren der letzten Mahlzeit, räume die Spülmaschine ein, oder wische den Tisch und die Sitzbank ab. Ich wollte heute zählen, wie oft ich das an einem Tag so mache. Gelassen habe ich es, weil es eh nichts daran ändert und ich es morgen wieder genauso oft machen werde. Habt ihr schon mal die Küche gefegt und wart minutenlang fasziniert von diesem kleinen Haufen, der da am Ende zusammenkommt? Ich hatte dieses Erlebnis heute 2 mal.

Ferien bedeutet für mich, dass ich Alleinunterhalter bin.

Schläft der Kleine mittags ein, will der Grosse das mit mir spielen, bei dem der kleine Bruder sonst stört oder nervt.

Ist der Grosse im Training, oder bei einem Freund, wird es erst recht anstrengend, weil ich ihn dann ersetzen muss und es wird voller Einsatz gefordert. Ferien bedeutet: Null Zeit für mich! Nicht im Auto, nicht zu Hause, nicht beim Einkauf. Immer mindestens 1 Kind im Schlepptau. Anschnallen, Abschnallen. Fahrradhelm auf und zu. „Mama kannst du…“, „Mama du sollst…“, „Mama machst du uns…“. Die Gedanken sind frei… Manchmal denke ich : “ Wenn ich das Wort Mama in den nächsten Minuten noch einmal höre, laufe ich schreiend davon.“

Wenn sie nicht aufhören zu streiten, sich anzuschreien, beleidigen und sich weh zu tun bis einer weint…stelle ich mir vor, wie ich aufstehe, die Wohnung verlasse, die Tür hinter mir zuziehe und die berühmte Runde um den Block drehe.

Natürlich mache ich das nie, denn dann wären sie ja ganz alleine. Sie würden mir eh sofort hinterherrennen, davon ganz abgesehen.

Dieses „nicht-weg-können“ macht mich manchmal verrückt. Es ist niemand da, zu dem man mal sagen kann: „Bitte mach du mal!“

Egal wie gestresst, kaputt, genervt, sauer, deprimiert man ist…man muss weitermachen. Bis die Kinder im Bett sind und dann hoffen, dass der nächste Tag wieder besser wird.

Grundsätzlich fang ich jeden Tag neu an. Ohne den Groll vom Vortag. Das wäre ja furchtbar.

Heute hatte ich Urlaub und es sind Ferien. Ich kann mich nicht daran erinnern heute mal einfach so irgendwo rumgesessen zu haben. Ich sass schon mal zwischendurch. Aber entweder setzt sich jemand auf meinen Schoss, lehnt sich an mich, will kuscheln, reden, Antworten haben, springt auf mir rum, macht Purzelbäume über mich drüber, mit der Absicht mich nicht zu berühren. UPS!

Sogar wenn ich auf dem Klo sitze und denke: 2 Minuten alleine!

Genau dann höre ich tippel tippel und besorgtes: „Mama??? Wo bist?“Morgen muss ich wieder arbeiten. Ich werde müde sein, aber ich freue mich auf erwachsene Menschen. Gespräche mit Erwachsenen. Mit Menschen, die mich nicht Mama nennen.

Gute Mutter- schlechte Mutter

Mein Tag begann wie er auch endete. Morgens setzte sich Sohn Nr. 2 auf meinen Bauch, breitete die Arme weit aus, um mich dann zu drücken. Währenddessen sagte er: “ Ich liiiiiiebe dich Mama!“ Abends beim Ins-Bett-bringen nahm Sohn Nr. 1 meinen Arm, kuschelte sich rein und sagte: „Ich hab dich so, so lieb!“ Gleich danach musste er aber noch erwähnen, dass er uns, also seinen Bruder und mich manchmal nicht mag, weil wir so „anstrengend“ seien. Aber jetzt, jetzt liebe er uns. Puh!Dazwischen ….zwischen diesen 2 Szenen war es turbulent wie immer. Es gab Tränen, Geschrei, es wurde geärgert, es wurde gekämpft, es wurden Dinge getan, die mich zur Weissglut brachten, oder mir den Atem stocken liessen. Als Mutter beschäftigt man sich oft mit der Frage, ob man eine „gute Mutter“ ist, ich denke, das geht jeder Mama so.

Seit ich Alleinerziehend bin stelle ich mir diese Frage wahrscheinlich noch häufiger, denn es gibt noch mehr Verzicht, weniger Zeit, Geduld und Hände.

Ich schaue mir meine Fenster an, die ich erst vor 3 Wochen geputzt habe und denke: ich bin eine schlechte Mutter! Überall, wirklich an allen Fenstern sind Fingerabdrücke. Deshalb gibt es zum Thema Frühling auch diesmal keine Fensterbilder. Ich resigniere. Oder es ist mir nicht wichtig genug.

Ich mache zu Hause wirklich so gut wie NIE Reis, nur weil ich die Sauerei unter dem Tisch hasse. Dann denke ich, dass ich ne furchtbare Mutter bin, denn ich weiss ganz genau, dass beide Reis sehr mögen.

Unser Flurboden besitzt oft mehr Sandkörner als so mancher Strand. Wenn ich es einfach 2 Tage ignoriere und mir stattdessen lieber meine Hausschuhe anziehe, dann denke ich, dass ich eine schlechte Mutter bin.

Wenn mein Sohn sich seit 2 Jahren wünscht, dass wir mal ins Legoland fahren und ich immer nein sage, weil es mich mit 2 Kindern schlichtweg überfordert, dann fühle ich mich wie eine schlechte Mutter.

Wenn ich mir was Leckeres zum Essen mache und es heimlich in der Küche esse, weil ich einfach nicht teilen will, dann fühle ich mich wie eine furchtbare Mutter.

Wenn ich gestresst von der Arbeit, mit leerem Magen die Kinder mittags einsammel und nach 3 Minuten mit ihnen im Auto schon nen Schreier loslasse, dann empfinde ich mich als furchtbare Mutter.

Wenn ich müde bin, die Kinder mich anbetteln, dass sie heut keine Zähne putzen wollen und ich es durchgehen lasse, dann fühle ich mich wie eine schlechte Mama.

Wenn Papa- Wochenende ist und ich nen Luftsprung mache, wenn sich die Tür hinter ihnen schliesst, dann fühle ich mich wie eine schlechte Mama.

Wenn ich den Kleinen in den Kindergarten bringe, obwohl der Grosse Ferien hat, nur weil ich Zeit alleine mit ihm haben will, dann fühle ich mich furchtbar.

Dann gibt es diese besonderen Momente. Die, in denen ich viel cooler bin, als ich es jemals gedacht hätte. Wenn ich mal ne Regel breche und die Kinder ihr Glück nicht fassen können.

Wenn ich in aller Seelenruhe zuschauen kann, wie sie sich einsauen, aber ihr Lachen dabei so liebe. Auch auf die Gefahr hin, dass die ein oder andere Hose nicht mehr zu retten ist.

Wenn ich dem Grossen sage, dass in den Ferien nichts für die Schule gemacht wird, dafür sind Ferien schliesslich da und er sich freut wie verrückt. Wir haben nicht einmal in den Ranzen geschaut seit Beginn der Ferien.

Ich bin oft eine gute Mutter, weil ich die Zeit mit meinen Kindern geniesse. Ich liebe Unternehmungen mit ihnen. Dafür nehm ich gern auch mal einiges in Kauf, zb die Schlepperei und die Wascherei.

Meine Kinder wissen, dass ich in manchen Dingen ein bisschen cooler bin wie andere Mütter.

Ich bin die, die ermutigt in die Pfütze zu springen, weil ich es am liebsten selber auch machen will.

Wenn sie auf dem Wasserspielplatz barfuss bis zum Knöchel im Matsch stehen, geniesse ich den Anblick.

Der Grosse hat mal sehr verstört zu mir Blickkontakt gesucht, als eine Mutter auf besagtem Spielplatz der Tochter zurief, sie solle sich nicht einsauen und lieber vom Wasser wegkommen.

Es war ein Wasserspielplatz zum Teufel!

Ich bin eine tolle Mama, wenn ich meinen Kindern erlaube auf Bäume zu klettern, auch wenn ich bei der Höhe fast nen Herzstillstand bekomme. Wenn es schlimm wird mit der Angst, sag ich immer: “ Halt dich gut mit den Händen fest, falls die Füsse abrutschen!“ Dann kaue ich nervös auf meiner Unterlippe rum.

Wenn mein Sohn aufs Dach des Spielplatzhäuschens in 3 m Höhe klettert, um die Aussicht zu geniessen oder Ausschau nach seinen Freunden zu halten, bleibe ich entspannt. Oft halten andere Mütter den Atem an und fragen, wie ich da zuschauen kann. Ich weiss was er kann, deshalb kann ich.

Die Antwort ist: ich bin beides. Die gute und die schlechte. Ich mache vieles falsch. Sicher. Aber dass meine Kinder sich geliebt fühlen, wertgeschätzt und behütet, zeigt, dass ich vieles richtig mache. Scheinbar.

Mein freier Tag als Alleinerziehende

Es sind Osterferien. Heute war also ein eher entspannter freier Tag. Der Wecker klingelte erst 7 Uhr, da der Zwerg bis 8.30 Uhr im Kindi sein muss. Jackpott! Der Grosse fing gleich an rumzumotzen, sobald er am Küchentisch sass. Ich hatte den Kaba „falsch“ gemacht. Falsch im Sinne von….so wie wir es gestern Abend besprochen hatten, weil ich nichts dem Zufall überlassen wollte, da er so ein Morgenmuffel ist. Er konnte sich nicht an unser Gespräch am Vorabend erinnern, er meinte, das habe nie stattgefunden. Und überhaupt sei der Kaba viel zu warm. Mein Argument: „Dann lass ihn stehen, kalt wird er von ganz allein“, war jetzt auch nicht sooo hilfreich, denn er wollte ihn ja JETZT trinken. Der Kleine wollt erst gar nicht aufstehen, schon gar nicht Zähne putzen. Ich war schon etwas genervt, denn so hatte ich mir das heut nicht vorgestellt. Es wurde wie immer getrödelt, keiner wollte sich als Erster anziehen. „Nein, erst wenn XY sich angezogen hat.“ „Warum muss ich immer als erster, das ist immer so. Du bist immer auf seiner Seite und manchmal denk ich du liebst ihn mehr als mich!“ Uff! Die Nummer mal wieder. 10 vor 8 Uhr hatten wir es alle geschafft: wir waren angezogen, waren im Bad und konnten das Haus verlassen. Wie immer war ich der Packesel und durfte alle Taschen schleppen, weil die Jungs sofort die Treppen runterstürmten und ich um die Zeit nicht schon schreien wollte. Aus Rücksicht auf die Nachbarn, nicht des Schreiens wegen. Den Zwerg im Kindergarten abgesetzt, er durfte dem grossen Bruder vorführen, wie er alleine seine Jacke, Mütze und Schuhe ausziehen und aufräumen kann. Dafür wurde er gelobt, normal geht der Teil ja am Grossen vorbei, da er in die andere Richtung abbiegt, nämlich zur Schule. Wir drückten uns alle und wünschten ihm viel Spass mit seinen Freunden. An der Tür jubelten der Grosse und ich uns ohne Ton zu. Nur mit Mimik und Blickkontakt und dann klatschten wir ab. Geschafft. Der Zwerg wusste nichts von Ferien, er wunderte sich auch nicht, dass der Bruder nur seine Sporttasche und keinen Ranzen dabei hatte. Und wir wundern uns, dass es immer noch so easy ist ihn auszutricksen. Wir fuhren zusammen ins Fitnessstudio. Dort war der 8 jährige schon oft in den Ferien dabei und freute sich seit Tagen. Er muss nämlich für einen wichtigen Wettkampf trainieren, der in 3 Wochen in Heidelberg stattfindet. Er schafft es noch nicht an den Ringen zu hängen und sich hochzudrücken. Also gut! Ich konnte mein Training durchziehen und er störte mich dabei gar nicht. Ich hatte ihn im Auge, er ist selbständig und kennt die Regeln. Er braucht mich nicht und macht sein Ding. Freut sich über Bewunderer und posiert vorm Spiegel, um seinen Trizeps zu begutachten. Dann einen Blick auf die Waage und ein wohlwollendes Nicken. Er ist zufrieden mit sich, das ist wichtig. Wir trafen noch eine gute Freundin und trainierten den letzten Punkt auf meinem Trainingsplan zu dritt. Ein 6 minütiger Zirkel. Das hat Spass gemacht und ab und zu kamen wir uns dabei in die Quere. Dann lachten wir. Es war noch Zeit für einen Shake und einen Riegel, danach fuhr ich ihn zum Training in den Nachbarort. Wir waren 15 Minuten zu früh und wie immer schimpfte er darüber. Er wollte nicht aussteigen, weil es ihm peinlich war. Ich musste mit ihm warten bis noch jemand seiner Jungs kam, erst dann stieg er aus. Endlich konnte ich meiner Freundin die Sprachnachricht verfassen, auf die sie wartete, ich aber nicht im Beisein der Kinder draufsprechen konnte. Ich fuhr heim. Ich schälte Kartoffeln, kochte sie schon mal und schnippelte Salat. Er wünschte sich das mit Würstchen und nach dem Training ist er fast verhungert. Jede Minute warten bedeutet für mich Stress, denn es wird 100 mal betont, wie arg und schlimm der Hunger ist und wann denn endlich das Essen fertig sei. Vorbereitung ist alles, das hab ich gelernt. Ich schaffte es die Unokarten vom spielen gestern aufzuräumen, ebenso die Spülmaschine und den Trockner. Die Wäsche ist zusammengelegt im Korb und da wartet sie erfahrungsgemäss einige Tage, bis sie weggeräumt wird. Das muss so sein. Ich zupfte Augenbrauen und stellte wieder neue Pickel fest. Hört das denn nie auf!?! Herd aus, anziehen und in die Sporthalle flitzen, um noch 15 min vom Training mitzubekommen. Er strahlte. Salto rückwärts auf dem Riesentrampolin. Der Trainer kam und sagte, ich solle mit ihm die Videos anschauen, besonders die neue Bodenübung, er habe alles durcheinandergebracht. Na klar! Zum Auto mussten wir rennen, denn in spätestens 15 min mussten wir am Kindergarten sein. Nach dem Abholen war ich wieder Packesel. Rucksack, Jacke, Infozettel über Krätzebefall ….aber die selbst gepflanzten Bohnen, die er für Erbsen hält, die trägt er voller Stolz. Sie sind hoch gewachsen und sie sind ihm wichtig. Also ab nach Hause. Vor dem Haus wurde neu Gras gesät, ich rief beim Aussteigen hinter ihnen her, dass sie aussenrum gehen müssen. Einer von zwei tat das, der andere meinte er müsse über den schmalen Weg mit Steinen zur Haustür. Nur kurz nen Tippelschritt runter gewagt, zum Testen quasi. „Nichts passiert, Mama!“ Beide pfefferten ihre Jacken aufs Regal, dass beide runterfielen störte dabei nur mich. „Dürfen wir Fernseh kucken?“ Erste Frage. Antwort wie immer: „Wenn ihr Hände gewaschen habt und eure Jacken aufhebt, dann dürft ihr.“ Das war einfach. Ich konnte die letzten Handgriffe für unser Mittagessen machen und den Tisch decken. 1 h Zeit bis zum Zahnarzttermin, das wird eng. Allen schmeckte es und der Grosse war nicht überrascht. „Kuck Mama, deshalb hab ich mir das gewünscht!“Er ist ein eher schlechter Esser und in seinem früheren Leben muss er Inder gewesen sein, denn er isst nur gut, wenn er mit den Händen isst. Mich macht das wahnsinnig, aber ich hab mich dran gewöhnt und er macht das auch nur zu Hause, das beruhigt mich. „Darf ich bitte mit den Händen essen? Dann ess ich auch meinen Teller leer und geh sofort richtig, richtig gründlich die Hände waschen. Ok?“ Ich verdrehte genervt die Augen und er machte sich ans Werk. Zuschauen darf ich ihm dabei nicht, sonst werd ich sauer. Aaaaaaber: Teller leer. Also tief durchatmen. Beide durften heute vom Tisch aufstehen, und weiter Fernsehen. Ich konnte dann ungestört essen und auf meinem Handy rumtippen. Als ich fertig war überkam mich Selbstmitleid beim Anblick der Küche. Wie gern wollte ich mit einem Kaffee auf die Couch! Aber da musste ich durch. Tisch abgeräumt, Spülmaschine eingeräumt und getan was so nötig war. Tasche gepackt mit Essen und Trinken. Als ich fertig war, musste ich schon rufen, dass es los geht. „Hopp, hopp, Schuhe anziehen, wir müssen los.“ Die beiden waren gut gelaunt, machten was ich sagte und waren so übertrieben nett zueinander. Ich zog skeptisch die Augenbrauen hoch, ich traute dem nicht. Im Auto wurde gesungen und lauthals gelacht. Es wurde gereimt und es fielen Sätze wie:“ Komm ich helf dir!“ „Du kannst meins haben“ oder „Du bist aber ein lieber Bruder!“ Jetzt reicht’s! Ich suchte Blickkontakt im Rückspiegel und fragte, ob sie sich bitte wieder streiten können, das ganze mache mir Angst. Sie lachten. Im Wartezimmer beim Zahnarzt war es voll. Mehr Leute als Stühle. Ich hatte beide auf dem Schoss sitzen, während ich ein Buch vorlas. Keiner hörte zu, also liess ich es. Lieber richtete der Kleine seine Frisur, indem er seine Hand abschleckte und sich dann damit durchs Haar strich. Alle lachten, ausser mir. Nach dem Termin hatten wir ausgemacht zu den Hüpfburgen zu gehen, die für eine Woche in dem Ort aufgebaut wurden. Nach 2 min waren die Socken nass, weil es tatsächlich noch Pfützchen gab, denen man keinesfalls ausweichen kann. Ich lag dafür im Liegestuhl und streckte mein Gesicht in die Sonne. Aussenrum war ein Zaun und ich wusste, dass meine Kinder nicht verloren gehen konnten. Es war wenig los und überschaubar. Ich schloss die Augen und es war herrlich. Ich war so froh und erleichtert, dass meine zwei Jungs schon so gross und selbständig sind. Und dass sie sich haben! Sonst müsste ich sicher mitmachen und könnte nicht liegen. Der Spass war vorbei, als der Zwerg auf zwei Kindergartenfreunde traf und der Grosse somit raus war. Das ist ein neues, ungewohntes Gefühl für ihn, bis vor kurzem war er ohne Konkurrenz. Er langweilte sich plötzlich und drückte sich bei mir rum, wollte auch auf die Liege, oder zumindest ein bisschen die Kleinen ärgern. Er versuchte immer wieder vergeblich die Aufmerksamkeit des kleinen Bruders zu bekommen, war auch echt kreativ, aber er war raus. Es war hart für ihn. Er war traurig. Nach 1,5 h musste ich wieder der Buhmann sein. Weiter zum nächsten Termin. Der Zwerg hatte irgendwo sein Armband verloren, das er sich beim Zahnarzt aus der schatzkiste ausgesucht hatte. Oh nein! Heulend stand er an einer Stelle, wollte nicht weiter gehen. Wir hatten keine Zeit zum Suchen und er hatte keine Ahnung wo es liegen kònnte. Er heulte und heulte, bis er das von seinem Bruder bekam. Dann liess er sich wenigstens ohne Protest zum Auto schleppen. Der nächste Termin dauerte etwa 1 h und mich packte die Müdigkeit. Ich hätt im Stehen schlafen können. Ich stellte mir die Frage: “ Von was bin ich denn so unsagbar müde, ich hatte doch heute frei.“ Echt komisch! Im Auto wurden beide müde, da hilft nur eins: Kinderlieder und das Bremsspiel. Das mach ich echt selten und nur, wenn niemand hinter mir ist. Die Jungs lieben es, wenn ich so bremse, dass sie leicht nach vorne fliegen. In kurzen Abständen. Das Gekicher ist sicher und einschlafen kann dabei keiner. Zu Hause musste der Zwerg duschen, es gab Geschrei, weil sein Flehen „ohne Kopf “ mich heut nicht beeindruckte. Ich machte ihnen noch einen „gesunden Teller“, den sie vorm Fernseher essen durften. Er war noch nicht leer, wollte der Grosse noch was Süsses und diskutierte mit mir, während ich grad am Onlineüberweisen war und versuchte, die richtigen Zahlen einzugeben. Ich war gestresst. Ich schrie. Ich verkündete, dass es heut nichts Süsses mehr geben wird. Nachdem dann wütend in die Küche gebrüllt wurde: “ Du bist so blöd manchmal“ , hatte ich die Faxen dicke. Zack, Fernseher aus und beide ins Bad getrommelt. Zähne putzen. Als wir zu dritt im Bett lagen, ich wie immer in der Mitte, weil die zwei sonst sofort Quatsch machen, kuschelten wir uns zusammen und jeder machte „ahhhhh“. Es war schön. Wir drückten uns und der Grosse streckte mir seinen Fuss hin, ich solle Fussmassage machen. Der Kleine schlief nach einer Minute. Während ich hier schreibe, war er schon einmal wach. Trinken und wollte sich in mein Bett schleichen. Ist dann nach klarer Ansage wortlos zurück ins Bett, wow, er ist gross geworden. Keine Diskussion, keine Tränen, einfach abgezischt. Ich freu mich und werde schlafen. 5.20 Uhr klingelt der Wecker morgen, denn ich arbeite. Echt entspannt so ein freier Tag! Meine Augenringe und Tränensäcke kann ich mir gar nicht erklären. Dabei hatte ich doch frei! 😁

#alleinerziehend #ilovemykids #gutesvorbild #singlemom #workingmom #nurse

Selbstliebe

Ich bin alleinerziehend mit 2 wilden Kerlen, arbeite als Krankenschwester. Bei der Arbeit kümmere ich mich um andere, zu Hause kümmere ich mich um die Kinder. Und wer kümmert sich um mich???? Ich! Ja, meine Tage sind sehr ausgefüllt und mir ist nie, wirklich nie langweilig, nicht eine Minute. Es gibt so viel zu tun und meist wünschte ich mir, der Tag hätte nicht nur 24 Stunden. Denn die reichen oft nicht, um alles so hinzubekommen, dass ich abends zufrieden bin. Wie soll man es da auch noch schaffen Sport zu machen und gut zu sich zu sein? Dafür ist doch keine Zeit! Falsch! Ich NEHME mir bewusst die Zeit. Heute zum Beispiel sieht unser Küchenboden wirklich schlimm aus: Krümel, Kabareste, diverse Sossen und Getränke haben ihre Spuren hinterlassen. Der Freund meines Sohnes stellte fest, dass unter dem Tisch ein Stück Brezel liegt. Ich musste wirklich grübeln, wann es bei uns Brezeln gab. Ja, könnte 2, 3 Tage her sein. Ich kam nicht dazu. Es war dafür einfach keine Zeit. Die brauchten wir heute zum Beispiel dafür, zu kuscheln und Hausaufgaben zu machen. Wir waren zusammen auf dem Sportplatz. Ich hab Sport gemacht und die Kinder haben getobt, mitgemacht oder sich mit sich selbst beschäftigt. Der Boden ist dreckig, weil wir zusammen gegessen haben und der Zwerg die Karotten für uns geschält hat. Ja, die Eierschalen von den heut bemalten Ostereiern landeten zum Teil auch unter dem Tisch, weil jeder sein eigenes geschält hat. Aber wisst ihr was? Wir waren glücklich dabei! Meinem Sohn fiel ein, dass er gern Michael Jackson hören würde und da lässt die Mama sich nicht 2 mal bitten. Wir assen und tanzten dabei. Der Kleine stand mit seinem Brot auf der Sitzbank und bewegte sich ausgelassen zur Musik. Am Ende tanzten wir wild in der Küche rum und es tat so gut. „Smoth criminal“ ist UNSER Lied, da gibt’s kein Halten. Ich schmierte tanzend die Schulbrote für den nächsten Tag und der Zwerg klopfte mir dabei im Rhythmus der Musik auf den Po. Der Grosse zeigte uns, wie er tanzen würde, wenn er all seine Gefühle jetzt rauslässt. Und das tat er. Wir hatten Spass! Warum? Weil die Mama Sport gemacht hat. Ich hab was für MICH getan. Das ist ein so gutes Gefühl und erfüllt mich. Am meisten hader ich, wenn ich nicht kann wie ich will, das macht mich wahnsinnig. Zum Beispiel, wenn ein Kind krank ist, natürlich liegen die Prioritäten dann woanders. Trotzdem werd ich unruhig! Dieses Fremdbestimmt sein über Tage ist nicht mein Ding, aber ich nehme es in Kauf. Umso schöner sind Tage wie heute, wenn es einfach „läuft“. Aufgrund dieser ganzen Ereignisse kamen die Jungs heute viel später ins Bett und es wird sich morgen 6 Uhr beim Wecken rächen.

Mein Fazit: Heute war ein guter Tag! Ich konnte was für mich tun und ganz viel für andere. Wir haben Zeit miteinander verbracht und ich hatte ein paar Minuten Zeit für mich. Zwar nur auf dem Weg von der Arbeit zum Kindergarten, aber hey, ich bin dankbar dafür. Der Küchenboden ist morgen auch noch dreckig und durch die Tanzaktion beim Essen lohnt es sich jetzt erst recht. Hätte ich vorher gesaugt und gewischt, hätte es die Tanzaktion sicher nicht gegeben und ich hätte geschimpft. Was hätte mich heute mehr erfüllt? Sauberer Küchenboden, oder unser Lachen und die Zeit zusammen? Ich schmunzel immer noch und der Boden…der ist mir heut nochmal egal! Priorities, you know!?! 😉

Gefühlschaos

Mein grosser Sohn ist in der 2. Klasse. Ich denke, dass ausser Ninjago-Karten momentan nicht viel in seinem Kopf los ist und es treibt mich in den Wahnsinn. 90 % der Jungsmamas in seiner Klasse würden jetzt wild nicken. Es läuft alles etwas schleppend zur Zeit, ich merke er steht enorm unter Druck. Woran ich das merke? Er lässt es an seinem kleinen Bruder raus und mit seiner mieeeeesen Laune macht er allen das Leben schwer. Ich bin ja Profi beim Thema Gefühlschaos und Stimmungsschwankungen, habe viel Verständnis. Aber auch ich habe Grenzen. Morgen steht der Mathetest an, 2er, 4er und 8er Reihe. Heute beim Lernen hatte ich das Gefühl, er hört diese Zahlen das erste Mal, nichts klappte und wir beide waren frustriert. Er kann nicht an seinem Schreibtisch sitzen und einfach das Ergebnis aufschreiben….Er tickt anders. Also sass ICH am Schreibtisch, stellte ihm die Aufgabe und schrieb sein Ergebnis hin, wenn es denn richtig war. ER, ja er übte währenddessen seinen Handstandlauf und trainierte seinen Trizeps. Und plötzlich klappte es. Die Ergebnisse waren richtig und wir lächelten uns an. Ich liebe diese Momente von…“ Ich verzweifel noch an diesem Kind“ zu „Ich hab deinen Code geknackt, ich weiss wie du tickst“. Es war noch recht früh, ich entschied, dass er wegen seinem Husten nicht ins Training gehen wird und hab ihn entschuldigt. Er war erleichtert und freute sich…Ich mich auch, denn ich spürte, dass er heut was anderes braucht. Entschleunigen….keine Vorgaben was er machen soll, nicht noch mehr Üben, Regeln befolgen, gehorchen und bewertet werden. Sein Sport kostet mich viel Geld, sowas mach ich nicht oft und auch nicht gerne. Aber heute schon. Mit seinem Bruder hatte ich mal ne schöne Stelle entdeckt, als er auf nem Geburtstag war. Damals dacht ich schon:“ Hier würde es ihm gefallen, das ist sein Ding!“ Da waren wir und seine 1. Reaktion war: „Ich hatte es mir irgendwie toller vorgestellt!“ Aber ich kenne ihn ja. Sehr gut, denn er ist wie ich. Vielleicht fühle ich mich ihm deshalb so nah, auch wenn er mich täglich mehrfach in den Wahnsinn treibt. Erst wusste er nicht so recht was mit sich anzufangen, wollte essen, dann trinken, dann wieder essen, sagte, dass ihm hier ein bisschen langweilig sei und ob wir dann nach Hause gehen könnten. Ich sagte ihm, dass das das beste Mittel gegen miese Laune sei: Natur, weg von Menschen, weg von Strassen und sich mal ein bisschen langweilen. Er sah mich ungläubig an und ein bisschen so, als hätt ich ein Rad ab. Ich zwinkerte ihm zu und wartete ab. Wir waren letztendlich 3 h an überwiegend diesem Fleck, beide hatten so viele Ideen und es war herrlich zuzuschauen. Er konnte seine Energie rauslassen und das war nötig. Sein Bruder forderte ihn zum Kampf auf und sie wälzten sich im Gras herum, ich hörte ihre Kampfansagen 2 Meter weiter und hoffte, dass es bei Spass blieb. Sie übten „bodyflipp“, indem sie unsere mitgebrachten 0,5 l Fläschchen in hohem Bogen vom Berg pfefferten und hofften, dass sie aufrecht im hohen Gras zum Stillstand kommen. Es gelang auch nach gefühlt 100 Versuchen kein einziges Mal, aber darum ging es auch nicht mehr glaube ich. Sie gruben und kletterten und kullerten und liefen, lachten, schrien, beobachteten und sangen. Mein Mutterherz lachte. Ich musste sie zum Gehen überreden, denn die Badewanne wartete. Es war nötig! Den Weg zurück machten sie nur Quatsch, beschmissen sich zum Beispiel mit Gras und liessen sich den Berg runterkullern. Ich fragte, wie er seine Stimmung jetzt einschätzte von 1 bis 10, wenn 1 das schlechteste wäre. „7, und du Mama?“ „Hmmmm, vielleicht sogar ne 8“ sagte ich und es stimmte. Unser letzter Deal war: 1×1 Aufgaben bis zum Auto. Wenn alles stimmt, darf er heute noch ein bisschen vor den Fernseher. Er war happy, die Belohnung hatte er bestimmt und ich war einverstanden, das gefiel ihm. Im Handstandlauf kamen alle Ergebnisse wie aus der Pistole geschossen. Es war nicht alles umsonst! Juhu! Im Bett ging es mit dem Genörgel weiter, ich kuschelte mich an ihn und atmete tief ein. Plötzlich platzte es aus ihm raus: „Weisst du Mama, heut hat mein Freund O. mich sogar verteidigt!“ Er erzählte mir ein aufregendes Streitgesprach zwischen ihm und seinen Freunden….und ich wusste schon lang vorher, dass sowas kommen wird. So ist es nämlich immer….Ich kenne ihn, denn er ist wie ich!😉

#singlemom #alleinerziehend #ilovemykids #gutesvorbild #selfcare

Qualitytime

Gestern war ich so frustriert, müde, kaputt und es wurde auch nicht besser, nachdem ich das 1/2 Nutellaglas leergelöffelt hatte. Heute hab ich mir das kranke Kind geschnappt, Proviant, den Buggy und ab in die Weinberge. Ich musste raus, brauchte Bewegung und frische Luft. Ich hab gleich ein flottes Tempo eingeschlagen und es tat sooooo gut. Ich walke da oft alleine entlang, mit den Kindern sind wir selten in den Weinbergen. Warum eigentlich? Habe heute beschlossen, dass sich das ändern wird. Der Zwuckel hatte seine Sonnenbrille auf, nen Stock in der Hand und kratzte damit vergnügt auf dem Asphalt, während der Buggy rollte. Wir sahen Eichhörnchen, Schnecken, Käfer, schöne Blumen und noch schönere Schmetterlinge. Ich atmete tief durch und stellte fest: Heute geht’s schon ein bisschen besser. Ich erinnerte mich daran, wie mich solche Tage aufblühen lassen, mir Kraft geben, weiter durchzuhalten. Ich spürte, wie entspannt wir beide waren und die Ruhe genossen. Ich freute mich über die Gespräche, die ganz anders waren als zu Hause. Die Natur ist wunderbar! Aufgrund seiner Mittelohrentzündung auf beiden Ohren, musste ich fast jeden Satz mindestens 1×wiederholen, jedes mal ein wenig lauter, da immer wieder von ihm die Frage kam: „Waaaas Mama?“ Aber es störte uns nicht. Letztendlich waren es 8 1/2 km die Weinberge hoch und runter, mit Höhenmeter bis zu 300. Sportlich! In etwa der Hälfte schlug ich eine Pause vor. Wir setzten uns mitten in den Weinbergen auf den Boden. Er hatte ne tolle Idee und holte aus dem Buggy die selbstgestrickte Decke von der Oma raus, die sie für ihn zur Geburt gestrickt hatte. Diese benutzten wir als Decke und platzierten darauf unsere Tupperdosen mit Obst, Gemüse, Käse Wurst. Da sassen und assen wir vergnügt und ohne jeglichen Druck. Wer uns gesehen hätte, der wäre neidisch geworden. Ich war so voller Liebe für den Zwuckel und staunte über ihn, seine Worte, seine Mimik und Gestik. Dann musste ich lachen. Vor Glück, Erleichterung und über uns, wie wir da sassen. Es war ein perfekter Vormittag!Schöner hätte es nicht sein können. Ich lasse euch teilhaben!

Superheldengefühle

….oder das Nirvana des Mamseins.

Hier meine stärksten Gefühle dazu, die Situationen, in denen ich mich überirdisch gefühlt habe als alleinerziehende Mama.

1. Als die plötzliche Trennung in einem März vor 3 Jahren über Nacht wie ne Lawine über mich rollte, war ich mit dem Zwuckel in Elternzeit. Er war 10 Monate alt und nach seinem 1. Geburtstag wollte ich wieder arbeiten. Mein damaliger Arbeitgeber war die Diakonie. Also die Kirche. Ich hatte einen unbefristeten Vertrag und wollte wie vor der Elternzeit mit 50 % einsteigen.

Heulend rief ich an, erklärte meine neue Situation: Frühschicht ab 6 geht nicht mehr, da der Mann davor mit seiner Gleitzeit die Kinder weggebracht hat. Kindergarten und Krippe öffnen erst um 7 Uhr. Spätschicht kann ich auch nicht mehr arbeiten, da die immer 16 Uhr begann, der Kindergarten und die Krippe aber 16.30 uhr zumachen. Die Wochenenden waren nicht geklärt. Puh!

Nach langem Hin und Her riet man mir die Elternzeit zu verlängern und abzuwarten, was sich da so tut. Auf jeden Fall könne man jetzt keine extra Schicht für mich erfinden, das könne ich ja auch nicht erwarten.

Da sass ich nun, frisch getrennt, allein im Haus mit den 2 Kindern, völlig überfordert und kaputt. Nachts stillte ich noch alle 2 h und der Grosse, damals 4, war ausser Rand und Band. Trotz Festvertrag sass ich bald im EG unseres Jobcenter und musste Harz 4 beantragen. Wie demütigend und irre ich das empfand, muss ich nicht erklären.

Jeder Tag war ein Alptraum und damals begann schon dieser Gedanke, der sich seither wie ein roter Faden durch mein Leben zieht: „Ich glaub ich verlier den Verstand!“

Ich sass mit meinen Jungs im Kino, „Findet Dorie“ und in einer Szene hiess es: „Wenn man ganz unten ist, gibt es nur noch einen Weg. Nach oben!“ Ich hab geheult wie ein Schlosshund, das weiss ich noch.

Es vergingen noch ein paar Monate, ich weinte viel, aber dann lief es besser. Ich rief ich jedem Pflegeheim in der Gegend an, weil ich merkte, die sind flexibler. Ich sagte eigentlich immer das gleiche: mein Name ist….Ich bin Krankenschwester….hoch motiviert und pünktlich. Gewissenhaft und freundlich. Ich suche ab sofort einen Job. AAAAAABER….! Ich hab 2 kleine Kinder und bin allein. Zwischen 8 Uhr und 13 uhr kann ich jeden Tag arbeiten.

Ich wurde nach 2 Probetagen eingestellt. Als ich meinen Vertrag unterschrieb und die erste Woche arbeitete, ich fühlte mich definitiv wie ein Superheld! Ich war hochmotiviert, war mir für nichts zu schade und war so, so, so unendlich glücklich. Mein Gedanke war in jeder Minute meines Arbeitstages: „Wow! Ich verdiene Geld. Ganz alleine! Für mich und meine Jungs!“

Unbezahlbar!

2. Ich mache sicher Vieles nicht gut, worauf ich aber oft angesprochen werde ist, dass ich so viel mit meinen Kindern unternehme. Und ja, ich liebe Unternehmungen mit ihnen, egal ob ne Fahrradtour, der Wald, ein Schloss, eine Burg, ein Fluss….wir lieben die Natur und diese Momente geben mir Kraft. Nach der Trennung waren wir gleich in Mutter-Kind-Kur im Schwarzwald. Das war wie Urlaub! Es zieht mich auch 3 Jahre später immer noch an diesen Ort voller schöner Erinnerungen. Das Jahr drauf waren wir gar nicht im Urlaub. Eigentlich war nicht mal die Saisonkarte für unser Freibad finanziell drin, immerhin 75 Euro. Aber naja.

Also beschloss ich 2018, dass wir Fliegen. So! Ich liess mir meinen Bausparvertrag auszahlen und buchte 1 Woche Kreta. Für mich war diese Reise extrem teuer, deshalb hab ich mich sowas von gut informiert, umentschieden, abgewägt….Aber dieses Angebot ging mir nicht aus dem Kopf. Hotel Petra Mare im Ort Lerapetra…., wo ich doch Petra heisse! Das war ein Omen dachte ich. An Zufälle glaube ich nicht.

1 Jahr später denke ich: „Was hast du dir nur dabei gedacht!?!“ Unser Flug ging 5.50 Uhr von Stuttgart. Heisst 1.20 Uhr nachts sassen wir 3 im Auto und es ging über die Autobahn. Ich hatte etwa 1 h geschlafen, mehr ging nicht vor Aufregung. Ich bin nachtblind und hasse Fahren im Dunkeln. Müde war es noch anstrengender. Ich gebe zu, ich habe sogar einmal nen Schatten für Wild gehalten….irgendwie kamen wir aber heil an. Alles lief perfekt! Keine Komplikationen. Die Kinder schliefen ganz entgegen meinem Plan keine Minute. Im Auto nicht, im Shuttle zum Flughafen nicht und auf dem ganzen Flug auch nicht. Anstrengend!

Wir kamen am Flughafen Heraklion an, fanden schnell unseren Bus unter den Vielen. Dieser sollte uns zum Hotel fahren. Ich wusste, dass der Transfer gute 2 h dauern wird, das war so gewollt. Nicht gleich am ersten Touristrand, sondern etwas weiter weg. Wir setzten uns in die hintere Reihe wie die Coolen früher in der Schule. Das gefiel meinen Jungs. Der Fahrer sagte mir, dass es viele Stopps geben werde und 3 h dauern wird. Ok, ok. Panik machte sich in mir breit. Wir hatten nichts mehr zum Essen, kaum Trinken. Eine Mama weiss, dass das nicht gut gehen kann! Ich musste nicht lang nachdenken, was zum Essen musste her. Der Busfahrer war nicht mehr da, als ich fragen wollte, wann er losfährt. Ich sagte meinen Kindern, dass sie sich nicht vom Fleck rühren sollen, egal was ist!

Dann sprach ich die netteste Frau im Bus an, dass ich Essen besorgen muss und meine Kinder im Bus alleine sind. Dass sie unter keinen Umständen den Fahrer losfahren lassen soll, bevor ich nicht da bin. Und ich rannte los. Über den gesamten Busbahnhof, an 100en von Bussen vorbei, über eine grosse Strasse drüber und jaaaaaaa, hier ging es ums nackte Überleben! Und meine Nerven!

Ich fand diesen Kiosk, kaufte alles ein, was mir in die Hände fiel: Fanta, Wasser, Cola light für mich, Cookies, Gummibärchen, Schokocroassants von 30 cm Länge. Und dann rannte ich wie irre zurück. Mein Sohn knabberte schon nervös an den Nägeln und war offensichtlich unruhig. Aber Supermom war da! Ich konnte sagen:“ Alles ok! Ich hab alles dabei!“ Während der 3 stündigen Fahrt liessen wir es uns sowas von gut gehen. Als der Bauch voll war, haben wir alle geschlafen. Der Urlaub war ein Traum und deshalb machen wir das jetzt im August gleich nochmal. Gleiches Hotel. Jetzt weiss ich ja wo der Kiosk ist!