Über die Verantwortung

Wenn man nicht mittendrin sitzt in der Misere, kann man es nicht glauben.

So oft war ich sprachlos und konnte die Ungerechtigkeit nicht fassen!

Wie oft hatte ich die Idee, mich mit einem Mikrofon auf den Marktplatz zu stellen und es rauszuschreien.

Da sitze ich nun mit 2 Kindern allein, die ich über alles auf der Welt liebe und für die ich alles tun würde.

Zum Glück! Denn das ist wohl das einzige, was ungemein dabei hilft, es durchzustehen.

Es sind die Finanzen…

Wenn das Konto leer ist, muss ich trotzdem einkaufen. Ich muss trotzdem neue Schulhefte kaufen und meine Jungs wollen auch keine langen Haare.

Manches kommt sehr wohl ungelegen, zb wenn ein Kindergeburtstag ansteht.

Noch schlimmer, wenn es ein Doppelgeburtstag ist und das Kind an der Tür merkt, dass es sich doch nicht traut dort zu bleiben.

Manche Sachen können warten.

Eine neue Turnhose zum Beispiel, wenn nach 2 Wochen Training bereits ein Loch am Knie ist, weil das Kind Torjubel geübt hat.

Wenn das Konto leer ist, muss ich trotzdem zähneknirschend Geld auf die Mensakarte laden.

Die Selbstbehaltsgrenze wird 2020 erhöht, weil, wie die Dame vom Jugendamt sagte:

“ 1200 Euro ist wirklich zu wenig!“

Wer fragt mich nach meinem Selbstbehalt und Millionen von anderen Elternteilen?

Die Überweisungen pausieren nicht in schlechten Zeiten.

Es ist kein anderes Konto da, so wie früher in der Ehe.

„Überweis das mal bitte für mich!“

Ich schmunzel, weil es so lang her ist, dass ich diesen Satz sagen konnte. Ich erinnere mich kaum.

Mein Sohn versteht oft nicht, warum ich zwanghaft versuche alles zusammenzuhalten und regelmäßig so sauer bin, wenn wieder eine Mütze weg ist, wieder die Jacke irgendwo in der Turnhalle liegen bleibt, wieder kein Spitzer oder Radiergummi mehr da ist.

Andere Mütter verstehen oft nicht, warum ich mich 1000 mal für die gebrauchten Winterstiefel in genau der passenden Größe bedanke.

Sie winken ab, wenn ich frage, warum sie diese denn nicht versucht haben zu verkaufen: “ Ach was!“

Es ist der Spagat zwischen Arbeit und dem Rest zu Hause.

Pünktlich morgens da zu sein, wenn jede Minute zählt. Oft mit nem Puls jenseits von 100, weil bereits zwischen 6 Uhr (Weckzeit der Kinder) und 7 Uhr (Öffnung von Kindergarten und Frühbetreuung) alles schief lief, was nur schief laufen kann.

Mittags pünktlich gehen zu müssen, alles liegen lassen, weil man schon wieder hetzen muss, um die Kinder rechtzeitig abzuholen.

Was oft bleibt ist das Gefühl, die Kollegen im Stich zu lassen. Doch noch etwas vergessen zu haben, was wichtig war. Selber zu kurz zu kommen.

Doch etwas nicht gesagt, was relevant war.

Wenn alles zu viel wird, kann ich nicht sagen:

“ Übernimm bitte mal, ich kann nicht mehr!“

Ich MUSS können. Es fragt keiner.

Es gibt keine Alternative. Ich selber bin meine einzige Lösung für solche Momente.

Also heißt es Ruhe bewahren. So gar nicht meine Stärke!

Kreativ sein. Oh und das bin ich!

Es ist nicht diese Art kreativ, wenn man ein Bild malt, etwas strickt oder bastelt.

Es ist die Art kreativ, wie ich einen 4 jährigen stundenlang auf der Tribüne beschäftigen kann und bei Laune halten, wenn der Bruder turnt.

Es ist die Art kreativ, wenn das Kind keine Zähne putzen will und ich so tuhe, als ob ich die Kontrolle über die Zahnbürste verloren habe. Nur damit er lacht und ich an die Backenzähne komme.

Es ist die Art kreativ, wenn der 8 jährige müde ist, einen langen Tag hatte und zig Matheaufgaben gelöst hat.

Das zu lernende Gedicht mich hämisch anlächelt und er es noch nicht kann. Okay, dann rappt er es eben und der kleine Bruder darf dazu beatboxen. Das macht Spass!

Dann ist endlich Wochenende, man könnte es sich gemütlich machen. Endlich runterfahren. Die Hausaufgaben auf mehrere Tage verteilen, jeden Tag ein bisschen.

Aber es ist Papa Wochenende.

Bei ihm ist dann der gemütliche Teil.

Ja, ich bin neidisch. Ab und zu. Es muss schön sein. Einfach in den Tag leben, machen, worauf man Lust hat.

Ohne jegliche Verantwortung. Ohne Schulstress. Ohne Freizeitstress. Ohne Brote schmieren und überlegen, welcher Belag heute besser ankommt als der gestrige, der mittags in den Müll wanderte.

Einfach nur qualitytime.

Wenn der in unserem Fall Ex-Mann sich an den Ferien nicht beteiligen will/kann/ JETZT noch nichts sagen kann…ja dann kann er nicht gezwungen werden.

Dann MUSS ich wohl. Mich fragt keiner. Ob ich will und kann. Wie ich 12 Wochen Schulferien kompensieren soll mit 30 Tagen Urlaub? Ich MUSS. Denn wer soll es denn sonst machen?

Wenn er Umgangswochenenden absagt, dann ist es wohl so.

Dann muss ich das wohl übernehmen. Ob ich krank bin, Pläne hatte, oder arbeiten muss…fragt keiner.

Wie meine Anwältin bereits vor 2 Jahren sagte:

“ Ob sie am Umgangswochenende 10 Männer mit heim nehmen, oder arbeiten gehen, es ist egal. Die Tatsache allein ändert nichts!“

Wenn er von einem Tag auf den anderen keinen Unterhalt zahlt, weil er trotz gutem Job nicht mit Geld umgehen kann…ja, dann muss ich das wohl so hinnehmen.

Ich werde wieder 100 Kopien machen, um alles nachzuweisen. Dann 4 Seiten Antrag pro Kind ausfüllen, um Unterhaltsvorschuss zu beantragen, der genau die Hälfte der Summe ist, die mir monatlich fehlt.

Ich brauche eine aktuelle Wohnbescheinigung dafür.

Diese kostet mich beim Rathaus 5 Euro.

Im Auto bekomme ich einen Lachanfall wegen der Ironie an sich.

Ich renne Geld hinterher, das den Kindern zusteht. Um dem Geld, das mir jeden Monat fehlt hinterherzurennen, habe ich enormen Aufwand durch die Bürokratie UND muss für Unterlagen, die ich brauche, um meinem Geld hinterherzurennen Geld bezahlen.

Wenn’s gut läuft, muss ich nur 2 mal Miete kompensieren, dann ist der Antrag geprüft, noch fehlende Unterlagen nachgereicht und das Geld auf dem Konto.

„Ja haben Sie keine Reserven bis dahin?“

Es gibt alle möglichen Hilfen…wir liegen irgendwie mit dem Einkommen immer zu hoch. Es steht uns nichts zu.

Wir scheinen noch nicht arm zu sein.

Weit weg davon.

Meine „Reserven“ waren nicht dafür gedacht, zu kompensieren, was der Papa jetzt nicht mehr zahlen kann.

Es war harmonisch. Endlich. Wenigstens zahlt er, wenn er sonst schon nicht viel macht, dachte ich immer.

Ich wurde gefragt, wie ich es schaffe, so ruhig zu bleiben was ihn betrifft.

Meine Bekannte redet sich jede Woche deswegen in Rage, obwohl es bei ihr schon Jahre her ist und ihre Töchter erwachsen.

Sie sei sofort wieder mitten drin und wisse genau wie ich mich fühle. Deshalb verstehe sie es nicht. Sie würde es ihn spüren lassen denkt sie. Ihm am liebsten ins Gesicht spucken und ihn fragen, ob er sich nicht schämt?

Ich sehe ihn zum Glück nicht oft und wenn, dann vor den Kindern. Ein paar Minuten.

Ich bin neutral und distanziert. Alles andere wäre furchtbar für die Kinder. Das tu ich ihnen nie mehr an. Die Zeiten sind vorbei.

Als Krankenschwester kann ich sagen, es ist wie heutzutage in der Pflege:

Irgendeiner springt immer ein ( in meinem persönlichen Fall ich selbst) und irgendwie geht’s ja doch immer. ( nicht immer gut, aber es geht. ) Irgendwie.

“ Heute ist mein Glückstag…“

Der Zwerg hüpfte vergnügt durch das Tor des Kindergartens, als er das sagte.

Seit Wochen bettelt er um Knete, weil er die „soooo liebt“ und ich vertröste immer.

Ich kaufe oft pro Jahr Knete und bereue es oft pro Jahr wieder. Denn alles wird vermischt und letztendlich landet es im Müll. Irgendwie doof.

Wie jedes Jahr am 5.12 kann der Grosse vor Aufregung nicht einschlafen. Ich muss 2 mal aufstehen und durch den Spion kucken, denn er hat Schritte gehört. Er selber ist unter der Decke versteckt und sagt:

“ Irgendwie hab ich jetzt Angst vor mir selber!“ Wir lachen. Er ist 8 und es wundert mich sehr, dass er das Erwachsenengeheimnis noch nicht ganz gelüftet hat. Seit 2 Jahren stellt er berechtigte Fragen und versucht zu verstehen.

Aber die Theorie, dass der Nikolaus und der Weihnachtsmann Brüder sind, die hält sich noch. Natürlich weiss er schon lange, dass die auf den Weihnachtsmärkten und in den Läden nicht die echten sind, sondern nur verkleidete. Und natürlich weiss er auch, dass der Weihnachtsmann zu uns nur kommt, um uns, die hier wohnen zu beschenken.

Dass wir den anderen in der Familie aber auch ne Freude machen wollen und denen dann was kaufen/basteln/malen. Das ist dann von uns und hat nichts mit dem Weihnachtsmann zu tun.

Als ich ca 6 war hab ich den Osterhasen gesehen. Den Echten! Es war früh am Morgen und ich schaute zum Fenster raus in den Garten.Vielleicht habe ich es mir so, so sehr gewünscht, dass meine Phantasie mit mir durchgegangen ist. Vielleicht war es auch ein Traum. Aber selbst jetzt mit 37 habe ich das Bild von ihm noch ganz klar vor Augen.

Er war riesig, noch grösser als ein Känguru und auf dem Rücken hatte er einen grossen braunen Korb. Er sah herzensgut aus, hatte es aber eilig. Kurz trafen sich unsere Blicke.

Mein Sohn fragte gestern direkt:“Oder machst du das mit den Geschenken?“Ich antwortete nicht gleich, rang nach den richtigen Worten, um ihn nicht zu enttäuschen. Er redete aber selber einfach weiter und wollte scheinbar gar keine Antwort von mir hören. Er sagte, dass er an den Weihnachtsmann noch mehr glaubt, weil, wenn der kommt, seien wir ja immer ALLE in der Kirche oder so.

Das könne ja nicht ich machen.Er ist ein Luchs und inzwischen achte ich auf alle Details, um den Zauber noch etwas zu erhalten. Zum Beispiel schreibe ich keine Namen auf die Pakete. Seit er lesen kann, habe ich Bammel, dass er meine Schrift erkennt.

Da sein Bruder 4 Jahre jünger ist, kann es nicht zu Verwechslungen kommen, da die Interessengebiete weit auseinander liegen. Auch achte ich darauf, dass ich keinesfalls Geschenkpapier verwende, das wir bereits zu Hause haben und das erkannt werden könnte.

Die Geschenke für die anderen in der Familie müssen also mit ganz anderem Papier verpackt werden.Früher, als wir noch zu viert waren, war alles einfacher mit dem Vorbereiten. Als der Grosse 4 war, blieb Papa mit dem Baby zu Hause und konnte alles vorbereiten.

Wir 2 waren in der Kirche und er sprang auf und ab vor Freude, als wir wiederkamen und lauter Geschenke unter dem Baum lagen. Selbst der Papa war überrascht, er hatte nichts mitbekommen, da er oben grad gewickelt hatte.

Unser 1. Weihnachten nach der Trennung werde ich niemals vergessen. Es war eindrucksvoll und doch so einzigartig. Wir waren ein paar Monate in unserer neuen Wohnung. Zu dritt.

Ich hatte meine Arbeit verloren und das Kindergeld mein einziges Einkommen.Viele Stunden verbrachten das Baby und ich auf den Fluren des Jobcenters. Es war demütigend. Ich war todtraurig, überfordert, frustriert und das Konto war leer. So viele Pakete und Geschenke von Freunden gab es nie davor und nie mehr danach.

Ein echter Tannenbaum kam nicht in Frage.

Das Geld reichte nur für diesen kleinen weissen Plastikbaum, den ich so erbärmlich fand und mich furchtbar schämte. Für mich war es kaum zu ertragen, dass das alles war, was ich meinen Kindern bieten konnte.

Er kostete 23 Euro und eigentlich war das in dem Horrormonat Dezember auch nicht drin. Ich fürchtete mich vor der Reaktion meiner Kinder.

Was ist wohl passiert?

Sie fanden ihn wunderschön! Vor allem, weil wir ihn zusammen geschmückt haben und alle gebastelten Dinge aus dem Kindergarten mit dran gehängt haben.

Im nächsten Jahr ging es uns viel besser, ich hatte wieder Arbeit und wollte einen besseren und grösseren Baum kaufen. Meine Jungs flehten mich an, dass wir den Baum vom letzten Jahr nochmal nehmen, „weil der war sooo schön!“

Der erbärmliche weisse Plastikbaum begleitet uns jetzt bereits das 3. Jahr und wir haben ihn lieb gewonnen.

Immer wieder zeigt er mir, dass man nicht viel braucht zum glücklich sein. Nichts Grosses, nichts Teures, nichts Spektakuläres.

Viel wichtiger ist unsere neue Tradition. Das Gemeinsame.

Dass es nicht perfekt sein muss um schön zu sein. Noch nie haben meine Kinder gesagt, dass sie den doof finden, auch so einen Grossen haben möchten wie alle anderen. Für mich ist es einfach schön zu wissen, dass wir genau diesen Baum haben WOLLEN. Wir KÖNNTEN uns jetzt einen anderen kaufen. Wollen wir aber nicht. Also ist es auch viel weniger schlimm.

Eins meiner grössten Probleme als alleinerziehende an Heilig Abend war, wie die Geschenke unter den Baum kommen sollen. Es wäre einfach gewesen, dass die Geschenke morgens schon unter dem Baum liegen.

Das finde ich aber doof und entschied mich dagegen. Im 1. Jahr nach der Trennung hatte der Nicolaus Eintrittskarten für den Zirkus ein paar Dörfer weiter gebracht. Was kleines….nichts besonderes. Aber doch so, dass ich die Kinder aus dem Haus locken konnte.

Im Keller war ein Jutesack vorbereitet und mit dem Nachbarn war abgesprochen, dass er diesen zu verabredeter Zeit vor unsere Tür stellt.

Da die Zirkusvorstellung am 24.12 so schlecht besucht war, wurde sie abgesagt. Ausser uns waren noch ca. 10 Menschen da und vor so wenig Publikum treten sie nicht auf, erklärten die Artisten.Schwer enttäuscht und den Tränen nahe stapften wir zum Auto zurück. Der Kleine weinte und wollte nicht gehen. Der Grosse hatte miese Laune und sagte die ganze Zeit, wie „scheisse“ er das findet.

Ja, was soll ich sagen? Mit jedem Jahr wurde es besser.

Ich achte darauf, dass wir qualitativ Zeit miteinander verbringen. Ich frage die Jungs, was sie essen wollen und meist ist es was einfaches, schnelles. Ok…Denn ich will auch nicht den ganzen Tag in der Küche stehen. Ich spiele lieber mit. Ich lese und wir hören Weihnachtslieder. Letztes Jahr haben wir Kekse gebacken, damit die Zeit schneller rum geht.

Danach waren wir in der Kirche. Ich steh mit der Kirche ja eher auf Kriegsfuss, aber die Stimmung an Heiligabend ist wunderschön. Und die Jungs wünschen es sich dieses Jahr wieder. Der Jutesack liegt im Keller bereit und ich hoffe, dass ein netter Nachbar mich wieder unterstützt. Damit der Zauber dieses Jahr noch anhält. Sicher ist es für den Grossen das letzte Jahr, dass er an den Weihnachtsmann glaubt.

Ich gönne es ihm von ganzem Herzen und werde mir dafür ganz besonders Mühe geben.

Prävention/Aufklärung

Schon immer gehe ich mit schwierigen Themen sehr offen um und gebe das meinen Kindern auch so weiter.

Wir reden über den Tod, weil er eben zum Leben dazu gehört und wir alle betroffen sind. Keiner bleibt verschont.

Wir philosophieren ab und zu darüber, wie es danach wohl weitergeht.

Wir sind verschiedener Meinung, aber sind uns einig, dass wir nicht an die Hölle glauben wollen.

Ich beantworte alle Fragen zum Thema Sex, immer wieder muss ich vor’m Einschlafen den Tag seiner Geburt Revue passieren lassen. Dabei darf ich kein Detail auslassen, das merkt er sofort.

Der Grosse weiss genau, dass er durch die Scheide kam und sein Bruder durch den Bauch.

Come on…so ist es eben! Das sind die Fakten, die Realität!

Der 4 jährige weiss schon lange:

„Jungs haben einen Penis und Mädchen eine Scheide!“

Ich bin Krankenschwester, habe deshalb vielleicht wenig Tabus. Ich bin mit Sekreten und Geschlechtsteilen fremder Menschen täglich auf Tuchfühlung und für mich ist das alles normal.

So normal, dass in unseren Frühstückspausen über Dinge geredet wird, bei denen es anderen schon hochkommt. Wir essen dabei aber genüsslich unser Müsli oder Brötchen.

So normal!

Das interessante ist, dass es für meine Kinder auch nichts weltbewegendes ist.

So ist eben eine Geburt und so entstehen Babys. Punkt.

Als der kleine Bruder geboren wurde, war der Grosse schon 4 1/4 und hatte viele Fragen.

Ich kaufte als Unterstützung dieses Aufklärungsbuch für Kindergartenkinder.

Er hatte schnell alles begriffen:

Männer…Hoden…Samen

Frauen…Gebärmutter…Eizelle

Wie das allerdings zusammenkommt, so weit war er damals noch nicht. Es blieb offen.

In diesem Buch gab es eine Klappe. Wenn man die öffnet, sieht man, wie die Mama auf dem Papa sitzt. Der Text daneben lässt keine Fragen offen, da gehts dann wirklich ans Eingemachte. Puh!

Die Seite blätterte ich immer um. Das ging sogar mir zu weit.

Eines Tages waren wir wieder bei dem Thema. Wieder die bekannten Fragen und ich gab die bekannten Antworten.

Er wurde sauer und sagte:

„Ich weiss das alles! Mann…Samen…Frau…Eizelle. Das mein ich nicht! Sondern WIE kommt das zusammen?!!“

Ich bat ihn das besagte Buch zu holen, schlug die gewisse Seite auf und las vor. Ohne Scham, Wertung und Emotion.

Dann klappte ich zu. Sagte:“So, jetzt weisst du alles!“

Er hatte den Mund offen und sah mich mit grossen Augen an. Er zog die Augenbraue hoch und sagte: „Ok.“

Im Anschluss spielten wir Lego.

Bis heute schmunzel ich noch beim Gedanken an seinen Gesichtsausdruck.

Sehr früh haben wir über Tabus geredet. Wo man jemanden nie anzufassen hat. Nämlich überall da, wo bei Mädchen/Frauen ein Badeanzug ist und bei Jungs/Männern die Badehose.

Ausnahmen natürlich die Mama beim Duschen usw.

Ansonsten haben sie an diesen Körperstellen nichts zu suchen und dürfen dort niemanden einfach so hinfassen.

Weitere Ausnahme: die spätere Freundin/Frau, wenn man verliebt ist.

Mein Grosser weiss, dass das genauso umgekehrt gilt. Niemand hat ihn an seinen intimsten Stellen anzufassen. Dass es Erwachsene gibt die so ticken und dass das ne Straftat ist. Dass es verboten ist und er sich da wehren darf, soll und sogar MUSS!

Dass man solche „Geheimnisse“ nieeeeeemals für sich behalten darf und sich immer Hilfe holen muss. Diese Art Geheimnisse, die sich im Bauch blöd anfühlen. Über die man nachdenkt ohne zu wollen und die einem schlechte Laune machen. Vielleicht traurig oder wütend.

Dass man sich da niemals schämen darf und egal wie schlimm es ist, er mir immer davon erzählen kann.

Er war schon geschockt, dass es Menschen gibt, die so was tatsächlich von ihm fordern können. Vielleicht sogar vertraute Personen und dass das jeden Tag irgendwo passiert.

Er fand das einfach nur ekelhaft!

Und war irritiert, als ich ihm sagte, das diese Menschen dafür auch ins Gefängnis kommen.

Dass es viel zu selten der Fall ist, sie meist weiter draussen rumspringen…den Teil behielt ich für mich.

Er fragte: “ Also Moment. Wer genau kommt dann ins Gefängnis? Der, der das gemacht hat, das Kind oder die Eltern von dem Kind?“

Allein diese Frage von ihm gibt mir die Gewissheit, dass es so, so wichtig ist mit Kindern darüber zu reden.

Sie sind so lieb, naiv, wollen zu Erwachsenen nicht unhöflich sein, weil das bringt man ihnen ja bei.

Höflich und freundlich sein zu Erwachsenen hat aber Grenzen!

Nämlich dann, wenn der Erwachsene etwas tut, das du nicht möchtest, von dir etwas verlangt, was dir komisch vorkommt, oder sich für dich nicht gut anfühlt.

Eine Freundin erzählte mir, dass dieses Thema bei ihrer Tochter in der 1. Klasse als Prävention Inhalt war. Eine Mutter sei beim Elternabend danach empört aufgestanden und hätte gesagt:

„Man muss ja keine schlafenden Hunde wecken!“

Ich widerspreche! Doch, muss man!

Vorher…nicht danach!

Kinder gehen nicht davon aus, dass Erwachsene böse sind und ihnen was Schlechtes wollen.

Sie haben Respekt vor Erwachsenen, vor allem, wenn es enge Vertraute sind. Sie denken Erwachsene beschützen sie.

Das ist nicht immer so und ich finde das muss ein Kind wissen.

Damit es Recht von Unrecht unterscheiden kann!

Damit es sich Hilfe holt und sich jemanden anvertraut, wenn es in eine „komische“ Situation gerät.

Viele denken vielleicht, dass es weit weg ist und mit ihnen nichts zu tun hat.

Ich sage: dann lauft ihr mit geschlossenen Augen durch die Welt!

Ich kenne mehr als eine handvoll Frauen, denen keiner gesagt hat, dass es Unrecht ist, wenn der Vater, Opa, Freund des Vaters sie angefasst hat.

Ich bin gerne bereit mein Kind einmal zu schocken, wenn es ihm dabei hilft, nie in so eine Situation zu kommen.

Ich kann meine Kinder nicht immer beschützen, das ist klar.

Aber ich kann sie aufklären und sehe das auch als meine Pflicht als Mutter.

Erinnerungen

Facebook schickt ja regelmässig Erinnerungen, damit man daran denkt, was vor 1, 2, 3 Jahren so in deinem Leben los war.

Normalerweise schaue ich es mir an, lächle vielleicht kurz und manchmal schäme ich mich auch für gewisse posts, weil ich das heute nicht mehr so entscheiden würde.

Gestern allerdings erwischte es mich eiskalt.

Ich wurde daran erinnert, dass ich vor 4 Jahren das Modell

„heile Familie “

noch lebte.

Wir vier auf dem Weg nach Thailand, der Heimat meines Ex-Mannes.

Unser jüngster Sohn war damals 5 Monate alt, der ältere 4 Jahre. Für ihn war es bereits der 2. Urlaub dort.

Ich schwelge in Erinnerungen und starre auf die Bilder, kann meinen Blick nicht abwenden.

Ich sehe uns lachen, wir freuen uns so auf 3 unbeschwerte Wochen. Raus aus dem Alltag, dem Trott, weg vom kalten Winter.

Ich habe wundervolle Bilder im Kopf.

Sehe uns an einsamen Stränden, zu viert auf dem Roller die Gegend erkunden, tanzend im Sommerregen.

Wir entdeckten neue Orte, mein „Baby“ aß dort das 1. Mal zermatschte Banane und schlief im warmen Meer auf meiner Schulter ein.

Mein Grosser lernte dort das Schwimmen. Es war einer der aufregendsten Tage meines Lebens.

Uns zog es zurück zu dieser Bungalow Anlage nach Kaoh Lak. Ich liebte das Foto vom damals 10 Monate alten Sohn, der die ersten Stehversuche an der Palme dort machte, die kaum grösser war als er selber.

Wie wir stundenlang den Gesängen der Vögel zuhörten und die Ameisen beobachteten. Diese Ruhe.

Es gab nichts zu tun, keine Termine. Ich konnte auf dem warmen Asphalt sitzen und er konnte die Welt erkunden.

Als wir dort ankamen, war im Innenhof nicht mehr dieser zauberhafte Garten, sondern eine wirklich tolle Poolanlage, die allerdings noch nicht eröffnet war.

Eines Abends kamen wir vom Strand zurück und in diesem Pool tobten ungefähr 50 Thaikinder aus der Nachbarschaft: Pooleröffnung. Bis in die Nacht hinein!

Am nächsten Tag kam ich gerade mit Baby an den Pool, wir hatten geschlafen, während der Papa mit dem Grossen im Pool beschäftigt war.

Ich hielt den Zwerg im flachen Wasser. Der Papa wollte gerade die Kamera holen, da sehe ich, wie der 4 jährige Anlauf nimmt Richtung tiefem Wasser. Ich schreie panisch auf, denn er hat keine Schwimmflügel an.

Er springt ins Wasser und ich weiss nicht, für welches Kind ich mich entscheiden soll. Verstehe nicht, warum die ganzen Thais im tiefen Becken nur lächeln und nicht helfen.

Da schwimmt mein Sohn ganz cool zum Rand zurück, sagt: „Mama, ich kann jetzt schwimmen.“ Alle lachten und mir blieb fast das Herz stehen.

Er hat in 2 h mit Papa schwimmen gelernt und ich habe es verschlafen. Es war unglaublich und ich kann mich an meine Erleichterung und die Glücksgefuhle erinnern.

Ebenso erinnere ich mich an die Kommentare zu unseren Bildern von damals: “ Ihr seht so glücklich aus!“

Wir waren weit weg davon glücklich zu sein. Zumindest nicht mehr miteinander. Jeder für sich und mit den Kindern, ja. Aber uns als Paar gab es schon nicht mehr.

Wir hatten uns nichts mehr zu sagen, es war kalt geworden zwischen uns. Zu viel war schon gesagt und getan worden, es zu vergessen und zu verzeihen war nicht mehr möglich.

Die Zeiten des nicht- miteinander- redens wurden mit jedem Streit immer länger und die Zeiten ohne Streit immer kürzer.

Inzwischen litten alle darunter und nicht immer konnte es warten, bis die Kinder im Bett waren.

Es war erschreckend, als es wieder einmal lauter wurde und mein Sohn sich die Ohren zuhielt:“ Hört endlich auf zu streiten“, schrie er.

Ich denke wir wussten beide, dass es unser Ende war, aber keiner war bereit es auszusprechen.

Dieser letzte Urlaub war nochmal ein bisschen reinspüren wie es früher war. Harmonisch, zusammen lachen. Ein bisschen heile Welt.

Aber es war nicht die Realität. Die holte uns in Deutschland schnell wieder ein und 4 Monate später haben wir uns offiziell getrennt.

Viele waren geschockt, denn es kam plötzlich. Wir waren doch erst noch zusammen im Urlaub und es wirkte doch alles so harmonisch.

War es auch, wollten wir vielleicht auch so. Pause vom Streiten.

Pause vom sich gegenseitig weh tun. Pause zum Akzeptieren. Annehmen. Wahr haben. Wir wussten es beide tief im Inneren. Es tat weh.

Vielleicht traf mich deshalb diese bestimmte Erinnerung so gewaltig. Ich hatte sofort Tränen in den Augen und musste gleichzeitig lachen vor Glück.

Das Gefühlschaos von damals. 4 Jahre später holt es mich wieder ein.

Mein Leben heute hat mit dem von damals nichts mehr gemeinsam. Vielleicht war es nicht für mich bestimmt.

Vielleicht hätte ich es nie so gewählt, wenn ich alleine bestimmt hätte.

Wenn ich heute an gewissen Siedlungen vorbeifahre, die Häuser sehe und die Menschen darin…

Ich möchte sagen: Ich war mal eine von euch. Ich war wie ihr. Aber glücklich war ich deshalb nie.

Denn Glück ist kein Besitz. Man kann alles haben und doch unzufrieden sein.

Ich habe kein Haus mehr und ob wir uns jemals wieder einen Urlaub wie zu der Zeit leisten können, glaube ich nicht.

Mein damals engster Vertrauter ist jetzt mein Ex-Mann.

Das Streiten hat aufgehört.

Die hohen Schulden sind mitsamt dem Haus weg.

Das war erlösend habe ich festgestellt.

Manches von damals fehlt mir. Für Vieles im Heute bin ich sehr dankbar.

Das Damals ist noch tief in meinem Herzen. Ich denke gern daran zurück und bin dankbar, dass es ein Teil von uns ist.


Momentaufnahme

Beim gestrigen Einkauf begegnete ich dieser einen Mama. Sie war mit ihrer ungefähr 5 jährigen Tochter dort und offensichtlich mehr als genervt.

Sie rief immer wieder nach ihr und verdrehte die Augen.

Die Tochter lief immer wieder weg und ihr Ton wurde schärfer.

Das kleine Mädchen rief zwischen den Regalen nach ihr und sie rief gereizt zurück: “ Hier bin ich, du…“

Sie beendete den Satz nicht und blieb genervt stehen.

Was sie wohl sagen wollte?

Eine Freundin machte mich erst letztens darauf aufmerksam, dass in einem „Streit“ auf ein DU immer ein böses Wort folgt, oder eine Beleidigung.

„Du bist dumm“

„Du Arschloch“

„Du Baby“, was in unserem Fall regelmässig zu Tränen führt.

Diese mir fremde Mutter hatte einen starren Blick, keine Mimik. Sie schaute grimmig.

Ich lächelte sie im Vorbeigehen freundlich an. Sie erwiderte meinen Blick nicht, schon gar nicht mein Lächeln.

Diese Mutter, mit ihrer ganzen Überforderung und Wut, der fehlenden Kraft, dem genervt sein und dem bösen Blick…die war ich.

Es war, als ob mir jemand den Spiegel hinhält und ich sehe mich selbst.

Nicht an diesem Tag, aber an so vielen anderen.

Sie hat mir leid getan. Ich weiss, dass sie nicht so sein will, dass sie sich selber nicht leiden kann, wenn sie so ist.

Ihre Tochter ist zuckersüß, hat ein breites Grinsen im Gesicht und scheint fröhlich.

Ich bin sicher, sie nimmt ihre Mama nicht so wahr, denn Kinder lieben bedingungslos. Sie lieben uns mit all unseren Gemütszuständen.

Sie lieben uns sogar dann, wenn wir uns so gar nicht lieben.

Wenn uns die Kraft fehlt und wir unsere Liebe nicht zeigen können. Wenn wir nichts zu geben haben, weil wir mit dem Wenigen, das wir haben sparsam sein müssen, um den Tag zu überstehen.

Sie lieben uns, auch wenn wir nach dem Aufwachen den Moment ersehnen, wenn das Kind abends wieder schläft.

Sie nehmen uns mit all unseren Launen an, wollen trotzdem mit uns Kuscheln und uns drücken, auf unserem Schoss sitzen und uns alles erzählen.

Ich verurteile Mütter in solchen Situationen nicht. Das wäre zu einfach und sicher erwartet sie das.

Sie weiss doch selber am besten, dass sie so nicht sein sollte und ihr Kind einfach nur Kind ist. Es kann nichts dafür!

Wer weiss, mit was sie sich quält und beschäftigt?

Wer weiss, was sie gerade durchmacht?

Wenn wir es wüssten, würden wir sicher sagen: „Ich verstehe!“

Ich hoffe für diese Mama, dass sie jemanden hat, der sie am Abend fest gedrückt hat und vielleicht hat sie auch geweint. Vielleicht hat sie Schuldgefühle.

Ich hoffe sie konnte ihrer Tochter sagen, dass sie sie liebt. Trotz allem. Und gerade deshalb!

Liebe fremde Mama, ich verurteile dich nicht! Sicher hast du dein Bestes gegeben, mehr war eben nicht drin.

Es ist nur eine Momentaufnahme.

Vielleicht hat sie ihrem Kind schon lange vorgelesen, mit ihm gemalt, gespielt, es gebadet und mit ihm gekocht.

Vielleicht hat sie es fest gedrückt und in die Luft geworfen vor Freude. Vielleicht hat sie es durchgekitzelt und geküsst. Ihm zärtlich über den Kopf gestreichelt und an seinem Haar gerochen.

Das alles weiss ich nicht, genauso kenne ich ihre Sorgen und Nöte nicht.

Aber ich kenne diese Tage sehr gut. Ich kenne dieses Gefühl, sich selbst nicht leiden zu können.

Auch kenne ich das Gefühl zu wissen, wie ich es besser machen könnte, aber es trotzdem nicht umsetzen kann.

Zu meinem grossen Sohn sagte ich am Abend, dass ich heut bei ihm bleibe bis er schläft und er konnte sein Glück nicht fassen. Wir hatten ein tolles Gespräch und er ist in meinem Arm eingeschlafen.

Ich hatte Glück. Diesmal. Denn ich hatte viel zu geben. Geduld und Liebe.

Und ich hoffe sehr, dass das für die besagten Tage reicht, an denen ich bin wie diese Mutter gestern beim Einkauf.

Overload

Seit Tagen wirft das Universum Dinge nach mir, um mich zur Ruhe zu zwingen.

So lange, bis ich endlich kapiere, dass ich ne Pause brauche. Dass alles gerade viel zu viel ist und überhaupt viel zu anstrengend.

Mein normaler Ruhepuls hat sich inzwischen bei ungefähr 100 Schlägen pro Minute eingependelt, so fühlt es sich an.

Ich bin gehetzt, getrieben und komme so gar nicht mehr in einen „normalen“ Zustand. Runterfahren… Fehldiagnose.

Das heutige Elend begann 6 Uhr beim Wecken der Kinder. Es wurde gestritten, gestänkert, geboxt und beleidigt. Todesblicke wurden ausgetauscht und ich habe das nur über mich ergehen lassen, weil ich erstens keine Kraft zum Schlichten hatte und zweitens, weil ich morgen frei habe.

Eventuell ist inzwischen auch ein bisschen Gleichgültigkeit und Resignation eingekehrt, ich laufe im Sparmodus. Kräfte einteilen ist angesagt.

Wie jeden Morgen sassen wir drei um 6.50 Uhr angeschnallt Richtung Kindergarten und Arbeit im Auto.

Motor an und….

nichts.

Nichts, ausser einem kleinen Stottern.

Dass es die Batterie ist hörte selbst ich und dabei hatte ich erst letztens festgestellt, dass diese von 2015 war. Genau wie mein 2. Sohn und der ist 4.

Um 7 Uhr öffnet der Kindergarten, 7.30 Uhr fängt mein Dienst 3 Orte weiter an. Morgens zählt jede Minute und ich freue mich täglich, dass ich das tatsächlich immer wieder schaffe.

Also liefen wir 3 Richtung Kindergarten. Erstmal den Zwerg loswerden.

Kollegin informieren, dass ich keinesfalls pünktlich komme und keine Ahnung habe wie und wann ich komme. Sie ist so lieb und ruhig, das tut gut, ändert aber nichts.

Der Zwerg ist fröhlich, trödelt nicht und will all seinen Freunden erzählen, dass er heute gelaufen ist. Für ihn ist es ein Abenteuer.

Der Grosse erkennt mit 8 Jahren den Ernst der Lage. Er kennt mich gut und sagt: “ Nicht weinen Mama, alles wird gut.“

Ich rede nicht viel, bin ernst. Ich denke. In alle Richtungen.

Das vorbereitete Geld für die gebastelte Laterne nehm ich unauffällig aus seinem Rucksack, denn das werde ich für den Bus brauchen.

Der Grosse hat Ferien und der Plan war, dass er mit zu meiner Arbeit kommt. Wie so oft.

Ferien. Bus fahren. Auf dem Lande. Ich ahnte Böses.

Abgesehen davon, dass ich keine Ahnung hatte welche Linie, welche Haltestelle und wo aussteigen. In den Ferien ist alles anders.

Als wir an der Haltestelle ankamen, traf der Bus zeitgleich ein. Ich konnte mein Glück nicht fassen.

Der Busfahrer drückte mir wortlos den gewünschten Fahrplan in die Hand und ich suchte gleich die Verbindung für mittags raus, denn 13.30 Uhr muss Zwergi spätestens abgeholt werden.

7.45 Uhr war ich umgezogen bei der Arbeit, hatte meinen Kfz-Engel bereits für 14.30 Uhr organisiert und er wollte gleich die Winterreifen mitmontieren. Beruhigend.

Ich versuchte mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, jammerte ein bisschen rum und ich sah Mitleid in den Augen der Kollegen.

Ich wurde viel öfter als sonst gefragt, ob man mir helfen kann und von allen Seiten wurde mir angeboten, mir Arbeit abzunehmen.

Eine liebe Kollegin (vielleicht auch unausgesprochene Freundin) kam wegen dem Azubi vorbei und bot mir an, uns später heim zu fahren, sie mache das sehr gerne.

Ich lehnte ab, sagte, ich hätte alles im Griff, das sei nicht nötig.

Hilfe annehmen, oder noch schlimmer, um Hilfe bitten… das ist echt nicht meine Stärke!

Irgendwann im Dienst schrieb ich ihr, dass es eine sehr gute Idee war und mir das Leben heute wirklich etwas leichter machen würde, wenn sie uns heimfährt.

Sie hat die Nachricht nicht rechtzeitig gelesen. Mein Sohn und ich marschierten Richtung Bushaltestelle und planten die nächsten Stunden mit Frisör, Weltspartag und Abholung des Bruders.

Wir waren keine 50 Meter gelaufen, da schrieb sie, wir sollen stehen bleiben wo wir sind, sie sei in 2 min da.

Und das war sie!

Wir hatten noch Zeit für einen Coffee to go und ein gutes Gespräch.

Ab da funktionierte mal ausnahmsweise alles nach Plan.

Neue Batterie, Winterreifen drauf, Friseurtermin, Weltspartag, Bäcker.

Dafür kein Grosseinkauf wie geplant und den ganzen Nachmittag auf der Couch rumgelungert.

Vielleicht würden meine Jungs sagen, dass heut ein richtig guter Tag war: zum Kindi laufen, Bus fahren und ganz viel Fernseh kucken.

Aber mich darf man nicht fragen!

Wobei, ich bin ganz ruhig. Dass ich sicher 5 Jahre früher sterbe als geplant, das nehme ich in Kauf. Allein durch die Tatsache, wie viel Kraft mein Alltag mich kostet.

Mal sehen, was das Universum noch für mich bereit hält!

Ps: Beim ins Bett bringen drückt der Grosse mich wild und sagt: „Entschuldigung, dass ich das jetzt sage, aber der Tag heut war irgendwie echt cool!“

Ich ziehe meine Augenbrauen lächelnd hoch und er entgegnet: …“uuuuund, ich bin sehr stolz auf dich, dass du den Tag heut überlebt hast.“

Der Hulk in mir

Ich treibe im Wasser und nur meine Nase kuckt raus. Ich muss mich richtig abmühen nicht unterzugehen und stehe auf Zehenspitzen.

So fühlte ich mich die letzten Wochen.

Ich arbeitete viel, in der 3. Klasse meines Sohnes geht es Schlag auf Schlag mit Arbeiten schreiben, Gedicht lernen, Dies und Das.

Dazu kamen einige schlechte Nachrichten, Rückschläge und ich war ohne jegliche Energie.

Mein „Ich-funktioniere-einfach-nur-noch-irgendwie“- Modus lief noch, wenn auch der Alarm ab und an mal anging.

Der Gedanke an 3 freie Tage diese Woche hielt mich irgendwie über Wasser.

An Sport war nicht zu denken. Mein Knie machte mir einen Strich durch die Rechnung, meine #30squatsdays challenge hab ich an Tag 20 beendet.

Mein Sohn war der nächste, der mich wieder in meine Mitte brachte, denn er hat ne fette Bindehautentzündung und kann seit Montag nicht in den Kindergarten.

Meine kleine Handbremse. Ich war ihm fast schon dankbar, denn ich lief ziemlich auf dem Zahnfleisch.

Auf der Couch liegen, lesen, spielen, Fernseh schauen war wirklich das was ich brauchte.

Jeden Mittag bin ich zu Hause von der Arbeit und habe wirklich nie das Gefühl gehabt was verpasst zu haben.

Jetzt wurde es mir auf dem Silbertablett präsentiert. Ich hatte ja keine Ahnung!

Dieses 4 jährige Wunderpaket hat mir von Dingen erzählt, die mich staunen liessen.

Ich bin jetzt um Einiges schlauer im Bezug auf seine Freunde, seine Wünsche zu Weihnachten, wen er zu seinem Geburtstag einladen will und wen eben nicht. Ich bin auf dem Laufenden mit seinen Lieblingssendungen und habe sie bewusst mit ihm zusammen angeschaut. Er strahlte so sehr, als er mir alles erklären durfte und ich ihm zuhörte.

Ich beobachtete ihn beim Singen, wir haben zusammen gekocht und er war ein toller Helfer.

Obwohl ich immer da bin, ist selten Zeit! Schnell dies, schnell Das. Schnell dahin, schnell dorthin. Und nur kurz Dies und eine Minute das. Immer muss ich irgendetwas tun! Hausaufgaben, abfragen, Termine ausmachen, telefonieren, überweisen, etwas nachlesen, den Haushalt schmeissen, jemanden irgendwohin fahren, oder eben abholen.

Wir verbringen sehr viel Zeit zusammen. Aber zu wenig qualitative. Zu selten schaue ich meine Jungs genau an, lächle über die Mimik, die mir neu ist.

Doch, ich verpasse sehr viel!

Heute haben mein Sohn und ich 3 Mal einen Spielzeugkatalog durchgeblättert. 3 Mal! In Ruhe! Mit jedem „schau mal hier“ und jedem „oh, das wünsch ich mir“.

Es ist wirklich Luxus so dasitzen zu können und nicht daran zu denken, was noch alles zu tun ist.

Klar, diese Gelegenheiten sind mir wichtig. Dafür lasse ich auch bewusst etwas anderes liegen. Klar mache ich Abstriche und lasse Neune gerade sein.

Aber es holt mich ja ein, denn es wartet ja auf mich. Keiner nimmt es mir ab, damit ich diese Situation mit meinem Kind zelebrieren kann. Und es gibt jeden Tag sooooo viel zu tun.

3 Tage war ich jetzt nicht mehr arbeiten und Tage wie heute lassen mich daran zweifeln, wie ich das Alles manchmal wuppe ohne durchzudrehen.

Als ich mein Schulkind heut Mittag abhholte, lächelte er zögerlich.

Im Auto erzählte er mir aufgebracht und wütend, dass er im Gedicht nur ne 2 – bekommen habe und daran seien seine Freunde schuld.

10 min bevor er es Aufsagen musste, hätte es Streit gegeben. Keiner hätte ihm geglaubt, dass der Umfang eines Wasserkopfes 1 m sein kann.

Wie er drauf kommt? In meiner Ausbildung zur Krankenschwester war ich in einer speziellen Einrichtung. Vor Jahren erzählte ich ihm von Simon, dessen Kopfumfang sogar 1.50 m betrug. Meine Erzählung und die Fotos in meinem Album müssen ihn schwer beeindruckt haben.

Alle hätten ihn aufgrund dessen ausgelacht. Niemand habe ihm geglaubt. Er habe sich Mühe gegeben bei der Betonung, aber er sei voller Wut gewesen und hätte das Gedicht nur in monotonem Wutton aufsagen können.

Puh! Er tobte und liess alles raus. Er war so sauer. Auf alle anderen. Die seien Schuld und er habe sich seinen Notendurchschnitt versaut.

Zu Hause stellte er fest, dass er seine Hausaufgabe in Mathe nicht machen kann, da er sein Buch in der Schule vergessen hat.

In Deutsch klappte es auch nicht, ich hörte ihn laut fluchen und auf den Tisch hauen. Er sei immer noch viel zu wütend und könne sich nicht konzentrieren.

Wir waren uns einig, dass er nach dem Training weitermacht.

Es wurde anstrengend, denn er war der Meinung nur Fernseh schauen könne ihm jetzt helfen. Genau das wollte ich auf keinen Fall, mit dem Argument, dass Fernseh schauen nicht dabei hilft seine Wut loszuwerden.

Ich packte mal wieder den Rucksack.

Die Natur wird das schon richten.

Im Auto ging es laut zu. Es wurde darüber gestritten, dass jeder ein „Arschloch“ hat. Der Grosse sagte, er habe ein „Popoloch“. Bei ihm heisse das anders, weil er älter sei. Er fand sich unheimlich lustig und genoss das Geschrei.

Neben der Trainingshalle ist ein Park und wir waren lange nicht mehr da.

Er lachte, sprang rum, schlug Räder, balancierte, kletterte.

Dazwischen pisakte er den Bruder, zerriss dessen schönstes Blatt mutwillig und nannte ihn ständig „Kleiner“. Das Geschrei war gross und ich atmete. Es war anstrengend und ich schaute auf die Uhr.

5 min früher als sonst brachten wir den Grossen zum Sport. Ich war mir sicher, dass es ihm danach besser geht.

Der Trainer konnte wohl Gedanken lesen, denn mein Sohn sagte heut etwas, das wie Musik in meinen Ohren klingt: „Boah, bin ich müde!“

Die Hausaufgaben waren blitzschnell gemacht.

Jetzt war er ruhiger, weniger geladen.

Als Beweis soll ich auf seine Hand den Umfang des Kopfes schreiben, damit ihm alle glauben und ihn nicht mehr auslachen.

Wir hatten eine hitzige Diskussion über „Schuld“.

Dass er allein was für die 2- kann, dass er allein das Gedicht wütend aufgesagt hat und seine Freunde nichts für seine Note können.

Dass nie die anderen Schuld sind an dem was man selber tut. Man hat immer die Wahl. Und manchmal muss man sich einfach auch an der eigenen Nase packen.

Wut kann so viel kaputtmachen. Wenn einer das weiss, dann eine wütende Mutter.

Ich steh mir oft selber im Weg deswegen. Aber ich schiebe es lange nicht mehr immer auf die anderen. Ab und zu kann ich mich sogar inzwischen entschuldigen.

Wirklich eingesehen hat er es nicht. Daran arbeiten wir dann morgen weiter. Jetzt bin ich einfach froh, dass beide schlafen und ich nen Haken hinter einem weiteren anstrengenden Tag setzen kann.

Als ich nachschauen will, ob beide schlafen, klebt dieser Zettel an der Tür.

„Was ist wirklich mutig für dich?“

Time for…Blogparade, von „Sunnybee“ ins Leben gerufen.

(Mutter-und-Sohn.blog)

MUT.

Ich bin ein richtiger Schisser, ich hab vor so vielen Dingen Angst.

Aber unter uns…gleichzeitig bin ich selber einer der mutigsten Menschen, die ich kenne, denn nur ich alleine weiss, wieviel Überwindung mich verschiedene Situationen gekostet haben.

Da war dieser eine Sommertag vor einem Jahr, als ich 3 Stunden mit meinem damals 7 jährigen Sohn im Freibad war. Ohne den kleinen Bruder, den hatten wir im Kindergarten gelassen.

„Heut mach ich aaaaaalles mit, egal was du willst. Ich bin dabei.“

So. Er wünschte sich, dass wir zusammen vom 3er springen.

Naja, hatte ich schon das ein oder andere Mal gemacht, damals vor 20 Jahren. Kann ja nicht so schlimm sein.

Als ich oben stand, war der Mut weg und mir fiel ein, dass Springen noch nie mein Ding war. Mist! Je länger ich ins Wasser starrte, um so höher kam es mir vor.

Mein Sohn war schon lang wieder unten und rief mir aufmunternd zu.

Dass ich nicht wieder die Treppe runtergehe, war mir klar.

Ich hatte Schiss. Und bin trotzdem gesprungen. So blöd, dass ich mir gleich was gezerrt hatte und es tagelang am Schenkel wehtat.

Aber hey! Immerhin. Ich kenne viele, die von weitaus höher springen. Aber die kostet das nicht so viel Überwindung und deshalb bin ich mutiger als die alle zusammen!

So oft in meinem Leben war ich mutig, verschieden mutig.

So eine Geburt zum Beispiel, die erste besonders. Noch nie hatte ich vor etwas so sehr Angst. Ich hatte Schüttelfrost und hab ca. 5 Nierenschalen gefüllt, weil ich mich übergeben musste. Vor Angst!

Und trotzdem hab ich es durchgezogen…gab ja auch kein Zurück.

Mutig war ich, als ich mich vor 3 Jahren von meinem Mann und Haus getrennt habe, weil ich so totunglücklich war. Ich dachte, das muss anders gehen. Ich bin zu jung, um so unglücklich zu sein.

Mutig ist es, jeden Tag aufzuwachen und für 2 Kinder alleine zuständig zu sein. Sich trotzdem über das Leben zu freuen und immer Gründe zum Lachen zu finden.

Mut und Überwindung kostet mich mein Handstand, den ich zur Zeit übe. Die Angst vor dem Sturz hemmt mich. Und trotzdem mache ich es wieder und wieder. Weil ich es will! Und keiner mich aufhalten kann, auch nicht meine Angst.

Mutig ist es, mit 2 Kleinkindern alleine in ein anderes Land zu fliegen. Viele haben mich darauf angesprochen, dass sie sich das nicht zutrauen würden.

Nach der Trennung und dem Auszug aus dem Haus war ich über 2 Jahre nicht mehr drinnen, obwohl der Papa der Kinder dort noch gewohnt hat. Wenn ich die Jungs zu ihm gebracht habe, dann bis zur Tür. Maximal stand ich im Türrahmen.

Als es nun diesen Januar verkauft werden sollte, musste ich wohl oder übel hin. Ich hatte Angst.

Das merkte ich daran, dass ich mich drücken wollte. Absagen. Aus Angst, es könnte weh tun.

Ich ging trotzdem hin. Mit Angst. Und kam mit Freude raus, denn es tat nicht mehr weh. Gar nicht. Ich hatte hart an mir gearbeitet und alles VERarbeitet.

Es machte mich glücklich und war so wichtig.

Mutig ist es ebenso, beim 10. Date mit diesem wundervollen Mann festzustellen, dass er nicht ist, was er vorgab zu sein. Und egal wie wild die Schmetterlinge im Bauch waren, auf Stop zu drücken und ihn wieder aus dem Leben zu verbannen. Ihm für die schöne Zeit danken, sich lächelnd umdrehen und gehen.

Ich weiss, dass hinter der Angst die ganz grossen Dinge warten. Die besonderen, wertvollen.

Die, für die es sich lohnt über seinen Schatten zu springen.

Die, an die man sich lange erinnert und einen zum Schmunzeln bringen, wenn man zurückdenkt.

Wenn es um Mut geht, fällt mir auch sofort mein Sohn ein und dieser eine Tag vor 2 Jahren.

Er war schon länger im Kunstturnen angemeldet, begeistert und hatte auch Talent. Der erste Wettkampf stand an und Wochen vorher war für ihn klar, dass er da nicht mitmacht.

Er verbot mir sogar, ihn anzumelden.

Ich tat es trotzdem und sagte ihm das auch genau so.

Ich wusste, wenn er nicht mitmacht, wird er sich schlecht fühlen, sich Vorwürfe machen, leiden, frustriert sein.

Ich ging also das Risiko ein und hoffte, ich tuhe das Richtige. Sicher war ich mir nicht.

Auf dem Weg zur Halle an diesem Tag war alles gut. Beim Parken fing er an zu weinen, flehte, dass der Papa umdreht und wir ihn vom Turnen abmelden sollen.

Der Weg war weit, also ging man trotzdem in die Halle. Trainer und Eltern der anderen Turner versuchten ihm Mut zu machen. „Wenn nicht du, wer dann!“

Er weinte. Wollte nicht.

Seine Jungs wärmten sich auf, ohne ihn.

Die Musik zum Einlaufen ertönte schon, als Letzter reihte er sich plötzlich hinten ein und turnte. Er bekam an diesem Tag seine 1.Goldmedaille.

Bis heute reden wir über diesen Tag und nehmen ihn gerne als besonderes Beispiel für Mut. Angst darf man haben.

Überwindet man sie, wird man belohnt!

Harmonie …auch mal schön!

Zufriedenheit erfüllt mich gerade.

Ich habe die Jungs ins Bett gebracht und lag dabei in der Mitte. So wie immer. Rechts von mir der Zwerg, links von mir der Grosse.

Da Zwergi sich bis zu den Ohren eingekuschelt hatte uns sich schon nicht mehr rührte, drehte ich mich zu ihm und sah ihn an.

Stolz, bewundernd und ein wenig wehmütig, denn mein „Baby“ ist gross geworden. Ich streiche ihm vorsichtig über sein süßes Gesicht und er lächelt mit geschlossenen Augen, bevor er einschläft.

Ich bin glücklich und heute sicher, dass es meine Jungs auch sind.

Ich schätze es sind Tage wie heute, die uns diese anderen vergessen lassen und uns die Kraft zum Weitermachen geben.

Bei uns herrscht Fernsehverbot auf unbestimmte Zeit, warum, bleibt unser Geheimnis.

Am Nachmittag kamen sie nach 2 Tagen Kurzurlaub von der Oma zurück. Gut gelaunt und fröhlich.

Der Grosse sprang mit Anlauf auf meinen Schoss, umarmte mich und sagte, er habe mich irgendwie vermisst, es sei schön, wieder zu Hause zu sein.

Ich lächelte und sagte: “ So eine kurze Trennung tut einem manchmal richtig gut, was?“

Wir hatten uns viel zu erzählen und ich zeigte ihm die neuen Sportübungen, von denen ich Muskelkater hatte.

Wir probierten zusammen aus und für ihn ist mal wieder alles pillepalle.

Der Zwerg verzog sich ins Zimmer und man hörte ihn laut reden. Er war ein Superheld und kämpfte an der Seite von Batman, Hulk, Spiderman und Thor.

Der Grosse hatte alleine begonnen Billard zu spielen. Er freute sich, als ich nach dem 2. Kö fragte und ihn herausforderte.

Inzwischen gewinnt er tatsächlich manchmal gegen mich, obwohl ich einen Grossteil meiner Jugend in Billardcafes verbracht habe.

Später machten wir die neue Jim Knopf CD rein, die genau da ansetzte, wo unser Buch geendet hatte. Es war die spannende Stelle, als der goldene Drache der Weisheit aufwachte.

Wir lagen auf dem Boden nebeneinander und es war ganz still.

Der eine sortierte nebenbei die DVD’s, der andere kuschelte sich an mich und lächelte mich liebevoll an. Und ich zurück.

Wortlos nahm ich den Zwerg hoch, brachte ihn ins Bad.

Er weinte sofort und war verzweifelt, wie immer, wenn er duschen soll.

Ich bot ihm heute sogar 1 Euro für seine Spardose an, wenn er es schafft, ohne zu weinen.

Davon wollte er nichts wissen. Er WOLLTE weinen und trotzdem die Station von PJ Mask als Geschenk bekommen.

Also duschte ich ihn und er machte einen Affentanz, als es über den Kopf ging. Auch wie immer! Wann hört das nur auf?!?

Er schluchzte in meinem Arm, als ich ihn ins Handtuch wickelte und aus der Wanne hob.

Dann boxte er mich und sah mir tief in die Augen, als er „blöde Mama“ sagte. Ganze 3 Mal hintereinander.

Er riss mir den Föhn aus der Hand. Er mache seine Frisur selber und ich soll ihm die Bürste geben. Geduldig hielt ich ihm den Spiegel hin und schaute ihm fasziniert zu, diesem kleinen Zornigel.

Am Abend bot ich an, ihnen vorzulesen. Als ich mit dem ausgewählten Buch zurückkam, lagen sie unter Decken und mir wurde ein Platz zugewiesen.

Ganze 4 Kapitel haben wir heute geschafft, bevor es Streit um die Sitzordnung gab und wer näher an mir dran saß.

Der Zwerg hatte soooo Lust was zu kleben sagte er. Also wurde auf dem Küchentisch alles ausgebreitet und beide waren kreativ.

Einer übte Herzen zu malen und der andere übte seine Unterschrift.

Die Stimmung war gut und alle waren entspannt.

Ich machte Rührei, zeichnete nebenbei Fussabdrücke aufs Papier und weil es so kitzelt, kicherten sie.

Wir hörten „Mary“ von Bausa, da sind wir alle textsicher. Wir sangen mit und ich tanzte am Herd.

Der Zwerg tanzte auf der Sitzbank und er fragte mich nach meiner Meinung dazu.

„Mama, bist du stolz auf uns?“

„Immer!“

Er lächelt zufrieden über die Antwort, als kenne er sie noch nicht.

Halb 9 geht’s ins Bett, hatte ich angekündigt. Es wurde halb 10…so what?!?

Morgen ist Samstag und ich habe heute jede Sekunde genossen. Es gibt genug Abende, an denen ich es nicht erwarten kann, dass ich sie ins Bett bringen kann und endlich Ruhe ist.

Der Grosse beschloss, dass es Zeit war für ne „Familienumarmung“ und wir drückten uns fest zu dritt.

„Und jetzt einzeln“ gab er vor und hatte seine Arme schon um mich geschwungen.

Ich merkte, wie eine Hand sich löste und wusste genau, dass er hinter meinem Rücken Zeichen zum Bruder machte.

„Lass es!“

Er löste sich aus der Umarmung und sah mich erstaunt an.

„Woher weisst du das nur immer?“

Da sagte der Zwerg schon mit Jammerstimme: “ Weisst du Mama, der Robin hat mir den Stinkefinger gezeigt.“

Vier mal richtete sich der Zwerg noch auf, weil er etwas loswerden musste.

Drei mal davon ging es um „Cat boy“, seinem persönlichen Helden. Dass der T-Rex 2 Finger hat mit langen Krallen dran war sein letzter Satz heute.

Pausen sind so wichtig. Sie machen mich zu einer besseren Mama.

Selbstverwirklichung

Es gibt ein Hobby und eine einzige Sache, die mir heilig ist: mein Sport.

Jetzt bin ich alleinerziehend, arbeite Teilzeit als Krankenschwester, der Haushalt bleibt komplett an mir hängen.

Ebenso schaffe ich es mit Sohn 1 Hausaufgaben zu machen, für Diktate zu üben und Gedichte auswendig zu lernen.

Ich fahre beide zu ihren Freunden, hole ab, organisiere Treffen bei uns.

Drei mal die Woche packe ich die Turntasche für den einen Sohn und jeden Montag fahre ich den kleinen Sohn zur Musikschule.

Mir ist nicht langweilig! Nie!

Selten, dass ich auf der Couch liege und mal die Beine hochlege.

Es gibt immer zu tun!

Mein Sport ist mir wichtig. Es ist Stressabbau, ich sammle Kraft und habe danach mehr Geduld.

Meine Jungs haben das inzwischen verstanden.

Heute zB haben wir uns schick gemacht, denn Sohn 2 hatte mit seinem Kindergarten den Erntedankgottesdienst vorbereitet.

Danach tobten sie draussen mit ihren Freunden, spielten Tischkicker, Verstecke und Fangen.

Um die Mittagszeit herum wurde ich ungeduldig. Genug mit dem Kinderprogramm! Jetzt bin ich dran!

Die Kinder waren nicht kooperativ, hatten keine Lust sich zu Hause umzuziehen, waren genervt und lustlos.

Ich zog mir im Schnellverfahren meine Sportsachen an und packte die Tasche für die Jungs:

Nerf, Schnitzmesser, Autos, Ball, Essen und Trinken.

Meine Motivation war etwas im Keller nach 2 Stück Kuchen. Ich wusste aber, dass ich mich danach besser fühlen werde.

Am Sportplatz angekommen, machen wir uns erst mal breit.

Die Springseile lege ich raus, irgendeiner schnappt es sich doch immer und probiert was aus.

Der Zwerg ging zielstrebig zum Zaun.

„Mama, ich mach nochmal Kopfstand!“

Es klappt richtig gut und ich bin sehr stolz auf ihn.

Ich lege meine Sportmatte aus und stelle mein Programm ein.

Ohne viel Kommunikation lege ich mit dem warm up los.

Die beiden wissen, dass sie sich jetzt selber beschäftigen müssen und ich nur unterbreche, wenn es um Leben und Tod geht.

Ich sehe im Augenwinkel, wie sie am Zaun hochklettern und der Zwerg abrutscht.

Er hängt, die Füsse baumeln und er findet keinen Halt. Der Grosse springt sofort ab und hebt ihn vorsichtig runter.

Solche Dinge klappen, ohne dass ich etwas sage. Deshalb rufe ich laut: „Danke!“

Dass ich Abstand brauche für meine Übungen und es nicht leiden kann, wenn man mir dabei in die Quere kommt, haben sie auch verstanden.

Sollte der Zwerg sich mir mal gefährlich nähern, ist der grosse Bruder sofort zur Stelle, macht ihn darauf aufmerksam, oder lenkt ihn ab.

Sie haben tolle Ideen und wir alle lieben die Zeit auf dem Sportplatz.

Ich lasse ihnen viel Freiheit, dafür, dass ich in Ruhe mein Ding durchziehen kann.

Ich nehme nasse Ärmel in Kauf, dreckige Hosen, die auch nach dem Waschen nicht mehr sauber werden.

Heute wollten beide barfuss sein. Zum Diskutieren hatte ich keine Luft und meine NICHT-Reaktion deuteten sie freudig als ein ja.

Es fing an zu tröpfeln.

Der Grosse bettelte mich an, dass wir trotzdem noch bleiben. Er wolle noch nicht weg.

Ich hatte heute einen grossen Wunsch:

Nämlich DIESES Foto.

Es brauchte ein paar Anläufe, aber es hat geklappt.

Das ist, was uns verbindet. Was uns ausmacht. Das sind WIR!

Jeder unterstützt den Anderen und hilft dabei, dass jeder Einzelne sein kann, wie er ist.

Das ist Familie und ich liebe meine!