Erinnerungen

Facebook schickt ja regelmässig Erinnerungen, damit man daran denkt, was vor 1, 2, 3 Jahren so in deinem Leben los war.

Normalerweise schaue ich es mir an, lächle vielleicht kurz und manchmal schäme ich mich auch für gewisse posts, weil ich das heute nicht mehr so entscheiden würde.

Gestern allerdings erwischte es mich eiskalt.

Ich wurde daran erinnert, dass ich vor 4 Jahren das Modell

„heile Familie “

noch lebte.

Wir vier auf dem Weg nach Thailand, der Heimat meines Ex-Mannes.

Unser jüngster Sohn war damals 5 Monate alt, der ältere 4 Jahre. Für ihn war es bereits der 2. Urlaub dort.

Ich schwelge in Erinnerungen und starre auf die Bilder, kann meinen Blick nicht abwenden.

Ich sehe uns lachen, wir freuen uns so auf 3 unbeschwerte Wochen. Raus aus dem Alltag, dem Trott, weg vom kalten Winter.

Ich habe wundervolle Bilder im Kopf.

Sehe uns an einsamen Stränden, zu viert auf dem Roller die Gegend erkunden, tanzend im Sommerregen.

Wir entdeckten neue Orte, mein „Baby“ aß dort das 1. Mal zermatschte Banane und schlief im warmen Meer auf meiner Schulter ein.

Mein Grosser lernte dort das Schwimmen. Es war einer der aufregendsten Tage meines Lebens.

Uns zog es zurück zu dieser Bungalow Anlage nach Kaoh Lak. Ich liebte das Foto vom damals 10 Monate alten Sohn, der die ersten Stehversuche an der Palme dort machte, die kaum grösser war als er selber.

Wie wir stundenlang den Gesängen der Vögel zuhörten und die Ameisen beobachteten. Diese Ruhe.

Es gab nichts zu tun, keine Termine. Ich konnte auf dem warmen Asphalt sitzen und er konnte die Welt erkunden.

Als wir dort ankamen, war im Innenhof nicht mehr dieser zauberhafte Garten, sondern eine wirklich tolle Poolanlage, die allerdings noch nicht eröffnet war.

Eines Abends kamen wir vom Strand zurück und in diesem Pool tobten ungefähr 50 Thaikinder aus der Nachbarschaft: Pooleröffnung. Bis in die Nacht hinein!

Am nächsten Tag kam ich gerade mit Baby an den Pool, wir hatten geschlafen, während der Papa mit dem Grossen im Pool beschäftigt war.

Ich hielt den Zwerg im flachen Wasser. Der Papa wollte gerade die Kamera holen, da sehe ich, wie der 4 jährige Anlauf nimmt Richtung tiefem Wasser. Ich schreie panisch auf, denn er hat keine Schwimmflügel an.

Er springt ins Wasser und ich weiss nicht, für welches Kind ich mich entscheiden soll. Verstehe nicht, warum die ganzen Thais im tiefen Becken nur lächeln und nicht helfen.

Da schwimmt mein Sohn ganz cool zum Rand zurück, sagt: „Mama, ich kann jetzt schwimmen.“ Alle lachten und mir blieb fast das Herz stehen.

Er hat in 2 h mit Papa schwimmen gelernt und ich habe es verschlafen. Es war unglaublich und ich kann mich an meine Erleichterung und die Glücksgefuhle erinnern.

Ebenso erinnere ich mich an die Kommentare zu unseren Bildern von damals: “ Ihr seht so glücklich aus!“

Wir waren weit weg davon glücklich zu sein. Zumindest nicht mehr miteinander. Jeder für sich und mit den Kindern, ja. Aber uns als Paar gab es schon nicht mehr.

Wir hatten uns nichts mehr zu sagen, es war kalt geworden zwischen uns. Zu viel war schon gesagt und getan worden, es zu vergessen und zu verzeihen war nicht mehr möglich.

Die Zeiten des nicht- miteinander- redens wurden mit jedem Streit immer länger und die Zeiten ohne Streit immer kürzer.

Inzwischen litten alle darunter und nicht immer konnte es warten, bis die Kinder im Bett waren.

Es war erschreckend, als es wieder einmal lauter wurde und mein Sohn sich die Ohren zuhielt:“ Hört endlich auf zu streiten“, schrie er.

Ich denke wir wussten beide, dass es unser Ende war, aber keiner war bereit es auszusprechen.

Dieser letzte Urlaub war nochmal ein bisschen reinspüren wie es früher war. Harmonisch, zusammen lachen. Ein bisschen heile Welt.

Aber es war nicht die Realität. Die holte uns in Deutschland schnell wieder ein und 4 Monate später haben wir uns offiziell getrennt.

Viele waren geschockt, denn es kam plötzlich. Wir waren doch erst noch zusammen im Urlaub und es wirkte doch alles so harmonisch.

War es auch, wollten wir vielleicht auch so. Pause vom Streiten.

Pause vom sich gegenseitig weh tun. Pause zum Akzeptieren. Annehmen. Wahr haben. Wir wussten es beide tief im Inneren. Es tat weh.

Vielleicht traf mich deshalb diese bestimmte Erinnerung so gewaltig. Ich hatte sofort Tränen in den Augen und musste gleichzeitig lachen vor Glück.

Das Gefühlschaos von damals. 4 Jahre später holt es mich wieder ein.

Mein Leben heute hat mit dem von damals nichts mehr gemeinsam. Vielleicht war es nicht für mich bestimmt.

Vielleicht hätte ich es nie so gewählt, wenn ich alleine bestimmt hätte.

Wenn ich heute an gewissen Siedlungen vorbeifahre, die Häuser sehe und die Menschen darin…

Ich möchte sagen: Ich war mal eine von euch. Ich war wie ihr. Aber glücklich war ich deshalb nie.

Denn Glück ist kein Besitz. Man kann alles haben und doch unzufrieden sein.

Ich habe kein Haus mehr und ob wir uns jemals wieder einen Urlaub wie zu der Zeit leisten können, glaube ich nicht.

Mein damals engster Vertrauter ist jetzt mein Ex-Mann.

Das Streiten hat aufgehört.

Die hohen Schulden sind mitsamt dem Haus weg.

Das war erlösend habe ich festgestellt.

Manches von damals fehlt mir. Für Vieles im Heute bin ich sehr dankbar.

Das Damals ist noch tief in meinem Herzen. Ich denke gern daran zurück und bin dankbar, dass es ein Teil von uns ist.


2 Kommentare zu „Erinnerungen

  1. Oh, das ist ein großartiger Text. Ja, es steht nebeneinander: Trauer und das Bewusstsein, dass es (auch) gut war. Du findest tatsächlich immer wieder Worte, die mich berühren! Darum schreibe ich dir das auch, statt nur still mitzulesen. Herzlichen Gruß, Sarah😊

    Gefällt 1 Person

    1. Danke liebe Sarah. Ich habe 2 wundervolle Kinder von diesem Mann. Es war nicht alles schlecht. Ich war doch sehr emotional, als ich diese Erinnerung bekam.

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s