Mein freier Tag als Alleinerziehende

Es sind Osterferien. Heute war also ein eher entspannter freier Tag. Der Wecker klingelte erst 7 Uhr, da der Zwerg bis 8.30 Uhr im Kindi sein muss. Jackpott! Der Grosse fing gleich an rumzumotzen, sobald er am Küchentisch sass. Ich hatte den Kaba „falsch“ gemacht. Falsch im Sinne von….so wie wir es gestern Abend besprochen hatten, weil ich nichts dem Zufall überlassen wollte, da er so ein Morgenmuffel ist. Er konnte sich nicht an unser Gespräch am Vorabend erinnern, er meinte, das habe nie stattgefunden. Und überhaupt sei der Kaba viel zu warm. Mein Argument: „Dann lass ihn stehen, kalt wird er von ganz allein“, war jetzt auch nicht sooo hilfreich, denn er wollte ihn ja JETZT trinken. Der Kleine wollt erst gar nicht aufstehen, schon gar nicht Zähne putzen. Ich war schon etwas genervt, denn so hatte ich mir das heut nicht vorgestellt. Es wurde wie immer getrödelt, keiner wollte sich als Erster anziehen. „Nein, erst wenn XY sich angezogen hat.“ „Warum muss ich immer als erster, das ist immer so. Du bist immer auf seiner Seite und manchmal denk ich du liebst ihn mehr als mich!“ Uff! Die Nummer mal wieder. 10 vor 8 Uhr hatten wir es alle geschafft: wir waren angezogen, waren im Bad und konnten das Haus verlassen. Wie immer war ich der Packesel und durfte alle Taschen schleppen, weil die Jungs sofort die Treppen runterstürmten und ich um die Zeit nicht schon schreien wollte. Aus Rücksicht auf die Nachbarn, nicht des Schreiens wegen. Den Zwerg im Kindergarten abgesetzt, er durfte dem grossen Bruder vorführen, wie er alleine seine Jacke, Mütze und Schuhe ausziehen und aufräumen kann. Dafür wurde er gelobt, normal geht der Teil ja am Grossen vorbei, da er in die andere Richtung abbiegt, nämlich zur Schule. Wir drückten uns alle und wünschten ihm viel Spass mit seinen Freunden. An der Tür jubelten der Grosse und ich uns ohne Ton zu. Nur mit Mimik und Blickkontakt und dann klatschten wir ab. Geschafft. Der Zwerg wusste nichts von Ferien, er wunderte sich auch nicht, dass der Bruder nur seine Sporttasche und keinen Ranzen dabei hatte. Und wir wundern uns, dass es immer noch so easy ist ihn auszutricksen. Wir fuhren zusammen ins Fitnessstudio. Dort war der 8 jährige schon oft in den Ferien dabei und freute sich seit Tagen. Er muss nämlich für einen wichtigen Wettkampf trainieren, der in 3 Wochen in Heidelberg stattfindet. Er schafft es noch nicht an den Ringen zu hängen und sich hochzudrücken. Also gut! Ich konnte mein Training durchziehen und er störte mich dabei gar nicht. Ich hatte ihn im Auge, er ist selbständig und kennt die Regeln. Er braucht mich nicht und macht sein Ding. Freut sich über Bewunderer und posiert vorm Spiegel, um seinen Trizeps zu begutachten. Dann einen Blick auf die Waage und ein wohlwollendes Nicken. Er ist zufrieden mit sich, das ist wichtig. Wir trafen noch eine gute Freundin und trainierten den letzten Punkt auf meinem Trainingsplan zu dritt. Ein 6 minütiger Zirkel. Das hat Spass gemacht und ab und zu kamen wir uns dabei in die Quere. Dann lachten wir. Es war noch Zeit für einen Shake und einen Riegel, danach fuhr ich ihn zum Training in den Nachbarort. Wir waren 15 Minuten zu früh und wie immer schimpfte er darüber. Er wollte nicht aussteigen, weil es ihm peinlich war. Ich musste mit ihm warten bis noch jemand seiner Jungs kam, erst dann stieg er aus. Endlich konnte ich meiner Freundin die Sprachnachricht verfassen, auf die sie wartete, ich aber nicht im Beisein der Kinder draufsprechen konnte. Ich fuhr heim. Ich schälte Kartoffeln, kochte sie schon mal und schnippelte Salat. Er wünschte sich das mit Würstchen und nach dem Training ist er fast verhungert. Jede Minute warten bedeutet für mich Stress, denn es wird 100 mal betont, wie arg und schlimm der Hunger ist und wann denn endlich das Essen fertig sei. Vorbereitung ist alles, das hab ich gelernt. Ich schaffte es die Unokarten vom spielen gestern aufzuräumen, ebenso die Spülmaschine und den Trockner. Die Wäsche ist zusammengelegt im Korb und da wartet sie erfahrungsgemäss einige Tage, bis sie weggeräumt wird. Das muss so sein. Ich zupfte Augenbrauen und stellte wieder neue Pickel fest. Hört das denn nie auf!?! Herd aus, anziehen und in die Sporthalle flitzen, um noch 15 min vom Training mitzubekommen. Er strahlte. Salto rückwärts auf dem Riesentrampolin. Der Trainer kam und sagte, ich solle mit ihm die Videos anschauen, besonders die neue Bodenübung, er habe alles durcheinandergebracht. Na klar! Zum Auto mussten wir rennen, denn in spätestens 15 min mussten wir am Kindergarten sein. Nach dem Abholen war ich wieder Packesel. Rucksack, Jacke, Infozettel über Krätzebefall ….aber die selbst gepflanzten Bohnen, die er für Erbsen hält, die trägt er voller Stolz. Sie sind hoch gewachsen und sie sind ihm wichtig. Also ab nach Hause. Vor dem Haus wurde neu Gras gesät, ich rief beim Aussteigen hinter ihnen her, dass sie aussenrum gehen müssen. Einer von zwei tat das, der andere meinte er müsse über den schmalen Weg mit Steinen zur Haustür. Nur kurz nen Tippelschritt runter gewagt, zum Testen quasi. „Nichts passiert, Mama!“ Beide pfefferten ihre Jacken aufs Regal, dass beide runterfielen störte dabei nur mich. „Dürfen wir Fernseh kucken?“ Erste Frage. Antwort wie immer: „Wenn ihr Hände gewaschen habt und eure Jacken aufhebt, dann dürft ihr.“ Das war einfach. Ich konnte die letzten Handgriffe für unser Mittagessen machen und den Tisch decken. 1 h Zeit bis zum Zahnarzttermin, das wird eng. Allen schmeckte es und der Grosse war nicht überrascht. „Kuck Mama, deshalb hab ich mir das gewünscht!“Er ist ein eher schlechter Esser und in seinem früheren Leben muss er Inder gewesen sein, denn er isst nur gut, wenn er mit den Händen isst. Mich macht das wahnsinnig, aber ich hab mich dran gewöhnt und er macht das auch nur zu Hause, das beruhigt mich. „Darf ich bitte mit den Händen essen? Dann ess ich auch meinen Teller leer und geh sofort richtig, richtig gründlich die Hände waschen. Ok?“ Ich verdrehte genervt die Augen und er machte sich ans Werk. Zuschauen darf ich ihm dabei nicht, sonst werd ich sauer. Aaaaaaber: Teller leer. Also tief durchatmen. Beide durften heute vom Tisch aufstehen, und weiter Fernsehen. Ich konnte dann ungestört essen und auf meinem Handy rumtippen. Als ich fertig war überkam mich Selbstmitleid beim Anblick der Küche. Wie gern wollte ich mit einem Kaffee auf die Couch! Aber da musste ich durch. Tisch abgeräumt, Spülmaschine eingeräumt und getan was so nötig war. Tasche gepackt mit Essen und Trinken. Als ich fertig war, musste ich schon rufen, dass es los geht. „Hopp, hopp, Schuhe anziehen, wir müssen los.“ Die beiden waren gut gelaunt, machten was ich sagte und waren so übertrieben nett zueinander. Ich zog skeptisch die Augenbrauen hoch, ich traute dem nicht. Im Auto wurde gesungen und lauthals gelacht. Es wurde gereimt und es fielen Sätze wie:“ Komm ich helf dir!“ „Du kannst meins haben“ oder „Du bist aber ein lieber Bruder!“ Jetzt reicht’s! Ich suchte Blickkontakt im Rückspiegel und fragte, ob sie sich bitte wieder streiten können, das ganze mache mir Angst. Sie lachten. Im Wartezimmer beim Zahnarzt war es voll. Mehr Leute als Stühle. Ich hatte beide auf dem Schoss sitzen, während ich ein Buch vorlas. Keiner hörte zu, also liess ich es. Lieber richtete der Kleine seine Frisur, indem er seine Hand abschleckte und sich dann damit durchs Haar strich. Alle lachten, ausser mir. Nach dem Termin hatten wir ausgemacht zu den Hüpfburgen zu gehen, die für eine Woche in dem Ort aufgebaut wurden. Nach 2 min waren die Socken nass, weil es tatsächlich noch Pfützchen gab, denen man keinesfalls ausweichen kann. Ich lag dafür im Liegestuhl und streckte mein Gesicht in die Sonne. Aussenrum war ein Zaun und ich wusste, dass meine Kinder nicht verloren gehen konnten. Es war wenig los und überschaubar. Ich schloss die Augen und es war herrlich. Ich war so froh und erleichtert, dass meine zwei Jungs schon so gross und selbständig sind. Und dass sie sich haben! Sonst müsste ich sicher mitmachen und könnte nicht liegen. Der Spass war vorbei, als der Zwerg auf zwei Kindergartenfreunde traf und der Grosse somit raus war. Das ist ein neues, ungewohntes Gefühl für ihn, bis vor kurzem war er ohne Konkurrenz. Er langweilte sich plötzlich und drückte sich bei mir rum, wollte auch auf die Liege, oder zumindest ein bisschen die Kleinen ärgern. Er versuchte immer wieder vergeblich die Aufmerksamkeit des kleinen Bruders zu bekommen, war auch echt kreativ, aber er war raus. Es war hart für ihn. Er war traurig. Nach 1,5 h musste ich wieder der Buhmann sein. Weiter zum nächsten Termin. Der Zwerg hatte irgendwo sein Armband verloren, das er sich beim Zahnarzt aus der schatzkiste ausgesucht hatte. Oh nein! Heulend stand er an einer Stelle, wollte nicht weiter gehen. Wir hatten keine Zeit zum Suchen und er hatte keine Ahnung wo es liegen kònnte. Er heulte und heulte, bis er das von seinem Bruder bekam. Dann liess er sich wenigstens ohne Protest zum Auto schleppen. Der nächste Termin dauerte etwa 1 h und mich packte die Müdigkeit. Ich hätt im Stehen schlafen können. Ich stellte mir die Frage: “ Von was bin ich denn so unsagbar müde, ich hatte doch heute frei.“ Echt komisch! Im Auto wurden beide müde, da hilft nur eins: Kinderlieder und das Bremsspiel. Das mach ich echt selten und nur, wenn niemand hinter mir ist. Die Jungs lieben es, wenn ich so bremse, dass sie leicht nach vorne fliegen. In kurzen Abständen. Das Gekicher ist sicher und einschlafen kann dabei keiner. Zu Hause musste der Zwerg duschen, es gab Geschrei, weil sein Flehen „ohne Kopf “ mich heut nicht beeindruckte. Ich machte ihnen noch einen „gesunden Teller“, den sie vorm Fernseher essen durften. Er war noch nicht leer, wollte der Grosse noch was Süsses und diskutierte mit mir, während ich grad am Onlineüberweisen war und versuchte, die richtigen Zahlen einzugeben. Ich war gestresst. Ich schrie. Ich verkündete, dass es heut nichts Süsses mehr geben wird. Nachdem dann wütend in die Küche gebrüllt wurde: “ Du bist so blöd manchmal“ , hatte ich die Faxen dicke. Zack, Fernseher aus und beide ins Bad getrommelt. Zähne putzen. Als wir zu dritt im Bett lagen, ich wie immer in der Mitte, weil die zwei sonst sofort Quatsch machen, kuschelten wir uns zusammen und jeder machte „ahhhhh“. Es war schön. Wir drückten uns und der Grosse streckte mir seinen Fuss hin, ich solle Fussmassage machen. Der Kleine schlief nach einer Minute. Während ich hier schreibe, war er schon einmal wach. Trinken und wollte sich in mein Bett schleichen. Ist dann nach klarer Ansage wortlos zurück ins Bett, wow, er ist gross geworden. Keine Diskussion, keine Tränen, einfach abgezischt. Ich freu mich und werde schlafen. 5.20 Uhr klingelt der Wecker morgen, denn ich arbeite. Echt entspannt so ein freier Tag! Meine Augenringe und Tränensäcke kann ich mir gar nicht erklären. Dabei hatte ich doch frei! 😁

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