Gute Mutter- schlechte Mutter

Mein Tag begann wie er auch endete. Morgens setzte sich Sohn Nr. 2 auf meinen Bauch, breitete die Arme weit aus, um mich dann zu drücken. Währenddessen sagte er: “ Ich liiiiiiebe dich Mama!“ Abends beim Ins-Bett-bringen nahm Sohn Nr. 1 meinen Arm, kuschelte sich rein und sagte: „Ich hab dich so, so lieb!“ Gleich danach musste er aber noch erwähnen, dass er uns, also seinen Bruder und mich manchmal nicht mag, weil wir so „anstrengend“ seien. Aber jetzt, jetzt liebe er uns. Puh!Dazwischen ….zwischen diesen 2 Szenen war es turbulent wie immer. Es gab Tränen, Geschrei, es wurde geärgert, es wurde gekämpft, es wurden Dinge getan, die mich zur Weissglut brachten, oder mir den Atem stocken liessen. Als Mutter beschäftigt man sich oft mit der Frage, ob man eine „gute Mutter“ ist, ich denke, das geht jeder Mama so.

Seit ich Alleinerziehend bin stelle ich mir diese Frage wahrscheinlich noch häufiger, denn es gibt noch mehr Verzicht, weniger Zeit, Geduld und Hände.

Ich schaue mir meine Fenster an, die ich erst vor 3 Wochen geputzt habe und denke: ich bin eine schlechte Mutter! Überall, wirklich an allen Fenstern sind Fingerabdrücke. Deshalb gibt es zum Thema Frühling auch diesmal keine Fensterbilder. Ich resigniere. Oder es ist mir nicht wichtig genug.

Ich mache zu Hause wirklich so gut wie NIE Reis, nur weil ich die Sauerei unter dem Tisch hasse. Dann denke ich, dass ich ne furchtbare Mutter bin, denn ich weiss ganz genau, dass beide Reis sehr mögen.

Unser Flurboden besitzt oft mehr Sandkörner als so mancher Strand. Wenn ich es einfach 2 Tage ignoriere und mir stattdessen lieber meine Hausschuhe anziehe, dann denke ich, dass ich eine schlechte Mutter bin.

Wenn mein Sohn sich seit 2 Jahren wünscht, dass wir mal ins Legoland fahren und ich immer nein sage, weil es mich mit 2 Kindern schlichtweg überfordert, dann fühle ich mich wie eine schlechte Mutter.

Wenn ich mir was Leckeres zum Essen mache und es heimlich in der Küche esse, weil ich einfach nicht teilen will, dann fühle ich mich wie eine furchtbare Mutter.

Wenn ich gestresst von der Arbeit, mit leerem Magen die Kinder mittags einsammel und nach 3 Minuten mit ihnen im Auto schon nen Schreier loslasse, dann empfinde ich mich als furchtbare Mutter.

Wenn ich müde bin, die Kinder mich anbetteln, dass sie heut keine Zähne putzen wollen und ich es durchgehen lasse, dann fühle ich mich wie eine schlechte Mama.

Wenn Papa- Wochenende ist und ich nen Luftsprung mache, wenn sich die Tür hinter ihnen schliesst, dann fühle ich mich wie eine schlechte Mama.

Wenn ich den Kleinen in den Kindergarten bringe, obwohl der Grosse Ferien hat, nur weil ich Zeit alleine mit ihm haben will, dann fühle ich mich furchtbar.

Dann gibt es diese besonderen Momente. Die, in denen ich viel cooler bin, als ich es jemals gedacht hätte. Wenn ich mal ne Regel breche und die Kinder ihr Glück nicht fassen können.

Wenn ich in aller Seelenruhe zuschauen kann, wie sie sich einsauen, aber ihr Lachen dabei so liebe. Auch auf die Gefahr hin, dass die ein oder andere Hose nicht mehr zu retten ist.

Wenn ich dem Grossen sage, dass in den Ferien nichts für die Schule gemacht wird, dafür sind Ferien schliesslich da und er sich freut wie verrückt. Wir haben nicht einmal in den Ranzen geschaut seit Beginn der Ferien.

Ich bin oft eine gute Mutter, weil ich die Zeit mit meinen Kindern geniesse. Ich liebe Unternehmungen mit ihnen. Dafür nehm ich gern auch mal einiges in Kauf, zb die Schlepperei und die Wascherei.

Meine Kinder wissen, dass ich in manchen Dingen ein bisschen cooler bin wie andere Mütter.

Ich bin die, die ermutigt in die Pfütze zu springen, weil ich es am liebsten selber auch machen will.

Wenn sie auf dem Wasserspielplatz barfuss bis zum Knöchel im Matsch stehen, geniesse ich den Anblick.

Der Grosse hat mal sehr verstört zu mir Blickkontakt gesucht, als eine Mutter auf besagtem Spielplatz der Tochter zurief, sie solle sich nicht einsauen und lieber vom Wasser wegkommen.

Es war ein Wasserspielplatz zum Teufel!

Ich bin eine tolle Mama, wenn ich meinen Kindern erlaube auf Bäume zu klettern, auch wenn ich bei der Höhe fast nen Herzstillstand bekomme. Wenn es schlimm wird mit der Angst, sag ich immer: “ Halt dich gut mit den Händen fest, falls die Füsse abrutschen!“ Dann kaue ich nervös auf meiner Unterlippe rum.

Wenn mein Sohn aufs Dach des Spielplatzhäuschens in 3 m Höhe klettert, um die Aussicht zu geniessen oder Ausschau nach seinen Freunden zu halten, bleibe ich entspannt. Oft halten andere Mütter den Atem an und fragen, wie ich da zuschauen kann. Ich weiss was er kann, deshalb kann ich.

Die Antwort ist: ich bin beides. Die gute und die schlechte. Ich mache vieles falsch. Sicher. Aber dass meine Kinder sich geliebt fühlen, wertgeschätzt und behütet, zeigt, dass ich vieles richtig mache. Scheinbar.

3 Kommentare zu „Gute Mutter- schlechte Mutter

  1. Sehr schöner Text!🙂
    Mir gefällt, was du bisher auf deinem Blog geschrieben hast! Ehrlich, direkt und deine Themen sind für mich nah am „echten Leben“.
    Nur eine Frage habe ich: du zeigst deine Jungs und dich ja sehr offen mit Bildern im Netz. Hast du keine Bedenken, dass das viele, die du gar nicht persönlich kennst, mitverfolgen? Ist nicht als Kritik gemeint, ich frage aus echtem Interesse.
    Lg, Sarah

    Liken

    1. Danke dazu!
      In der Tat gehen bei dem Thema Kinder zeigen die Meinungen auseinander. Ich würde sie niemals nackt zeigen, wie zb Pink, die dafür die übelste Hetze einstecken musste und die Welt nicht mehr verstand.
      Ich habe sie auch bei Facebook ab und zu gezeigt. Mein Sohn ist Turner und ist ständig in irgendeiner Zeitschrift zu sehen. Sogar beim Zahnarzt im Wartezimmer und beim Gynäkologen haben wir ihn beim Blättern entdeckt. Vielleicht geh ich zu naiv an die Sache, kann auch sein.

      Gefällt 1 Person

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