Superheldengefühle

….oder das Nirvana des Mamseins.

Hier meine stärksten Gefühle dazu, die Situationen, in denen ich mich überirdisch gefühlt habe als alleinerziehende Mama.

1. Als die plötzliche Trennung in einem März vor 3 Jahren über Nacht wie ne Lawine über mich rollte, war ich mit dem Zwuckel in Elternzeit. Er war 10 Monate alt und nach seinem 1. Geburtstag wollte ich wieder arbeiten. Mein damaliger Arbeitgeber war die Diakonie. Also die Kirche. Ich hatte einen unbefristeten Vertrag und wollte wie vor der Elternzeit mit 50 % einsteigen.

Heulend rief ich an, erklärte meine neue Situation: Frühschicht ab 6 geht nicht mehr, da der Mann davor mit seiner Gleitzeit die Kinder weggebracht hat. Kindergarten und Krippe öffnen erst um 7 Uhr. Spätschicht kann ich auch nicht mehr arbeiten, da die immer 16 Uhr begann, der Kindergarten und die Krippe aber 16.30 uhr zumachen. Die Wochenenden waren nicht geklärt. Puh!

Nach langem Hin und Her riet man mir die Elternzeit zu verlängern und abzuwarten, was sich da so tut. Auf jeden Fall könne man jetzt keine extra Schicht für mich erfinden, das könne ich ja auch nicht erwarten.

Da sass ich nun, frisch getrennt, allein im Haus mit den 2 Kindern, völlig überfordert und kaputt. Nachts stillte ich noch alle 2 h und der Grosse, damals 4, war ausser Rand und Band. Trotz Festvertrag sass ich bald im EG unseres Jobcenter und musste Harz 4 beantragen. Wie demütigend und irre ich das empfand, muss ich nicht erklären.

Jeder Tag war ein Alptraum und damals begann schon dieser Gedanke, der sich seither wie ein roter Faden durch mein Leben zieht: „Ich glaub ich verlier den Verstand!“

Ich sass mit meinen Jungs im Kino, „Findet Dorie“ und in einer Szene hiess es: „Wenn man ganz unten ist, gibt es nur noch einen Weg. Nach oben!“ Ich hab geheult wie ein Schlosshund, das weiss ich noch.

Es vergingen noch ein paar Monate, ich weinte viel, aber dann lief es besser. Ich rief ich jedem Pflegeheim in der Gegend an, weil ich merkte, die sind flexibler. Ich sagte eigentlich immer das gleiche: mein Name ist….Ich bin Krankenschwester….hoch motiviert und pünktlich. Gewissenhaft und freundlich. Ich suche ab sofort einen Job. AAAAAABER….! Ich hab 2 kleine Kinder und bin allein. Zwischen 8 Uhr und 13 uhr kann ich jeden Tag arbeiten.

Ich wurde nach 2 Probetagen eingestellt. Als ich meinen Vertrag unterschrieb und die erste Woche arbeitete, ich fühlte mich definitiv wie ein Superheld! Ich war hochmotiviert, war mir für nichts zu schade und war so, so, so unendlich glücklich. Mein Gedanke war in jeder Minute meines Arbeitstages: „Wow! Ich verdiene Geld. Ganz alleine! Für mich und meine Jungs!“

Unbezahlbar!

2. Ich mache sicher Vieles nicht gut, worauf ich aber oft angesprochen werde ist, dass ich so viel mit meinen Kindern unternehme. Und ja, ich liebe Unternehmungen mit ihnen, egal ob ne Fahrradtour, der Wald, ein Schloss, eine Burg, ein Fluss….wir lieben die Natur und diese Momente geben mir Kraft. Nach der Trennung waren wir gleich in Mutter-Kind-Kur im Schwarzwald. Das war wie Urlaub! Es zieht mich auch 3 Jahre später immer noch an diesen Ort voller schöner Erinnerungen. Das Jahr drauf waren wir gar nicht im Urlaub. Eigentlich war nicht mal die Saisonkarte für unser Freibad finanziell drin, immerhin 75 Euro. Aber naja.

Also beschloss ich 2018, dass wir Fliegen. So! Ich liess mir meinen Bausparvertrag auszahlen und buchte 1 Woche Kreta. Für mich war diese Reise extrem teuer, deshalb hab ich mich sowas von gut informiert, umentschieden, abgewägt….Aber dieses Angebot ging mir nicht aus dem Kopf. Hotel Petra Mare im Ort Lerapetra…., wo ich doch Petra heisse! Das war ein Omen dachte ich. An Zufälle glaube ich nicht.

1 Jahr später denke ich: „Was hast du dir nur dabei gedacht!?!“ Unser Flug ging 5.50 Uhr von Stuttgart. Heisst 1.20 Uhr nachts sassen wir 3 im Auto und es ging über die Autobahn. Ich hatte etwa 1 h geschlafen, mehr ging nicht vor Aufregung. Ich bin nachtblind und hasse Fahren im Dunkeln. Müde war es noch anstrengender. Ich gebe zu, ich habe sogar einmal nen Schatten für Wild gehalten….irgendwie kamen wir aber heil an. Alles lief perfekt! Keine Komplikationen. Die Kinder schliefen ganz entgegen meinem Plan keine Minute. Im Auto nicht, im Shuttle zum Flughafen nicht und auf dem ganzen Flug auch nicht. Anstrengend!

Wir kamen am Flughafen Heraklion an, fanden schnell unseren Bus unter den Vielen. Dieser sollte uns zum Hotel fahren. Ich wusste, dass der Transfer gute 2 h dauern wird, das war so gewollt. Nicht gleich am ersten Touristrand, sondern etwas weiter weg. Wir setzten uns in die hintere Reihe wie die Coolen früher in der Schule. Das gefiel meinen Jungs. Der Fahrer sagte mir, dass es viele Stopps geben werde und 3 h dauern wird. Ok, ok. Panik machte sich in mir breit. Wir hatten nichts mehr zum Essen, kaum Trinken. Eine Mama weiss, dass das nicht gut gehen kann! Ich musste nicht lang nachdenken, was zum Essen musste her. Der Busfahrer war nicht mehr da, als ich fragen wollte, wann er losfährt. Ich sagte meinen Kindern, dass sie sich nicht vom Fleck rühren sollen, egal was ist!

Dann sprach ich die netteste Frau im Bus an, dass ich Essen besorgen muss und meine Kinder im Bus alleine sind. Dass sie unter keinen Umständen den Fahrer losfahren lassen soll, bevor ich nicht da bin. Und ich rannte los. Über den gesamten Busbahnhof, an 100en von Bussen vorbei, über eine grosse Strasse drüber und jaaaaaaa, hier ging es ums nackte Überleben! Und meine Nerven!

Ich fand diesen Kiosk, kaufte alles ein, was mir in die Hände fiel: Fanta, Wasser, Cola light für mich, Cookies, Gummibärchen, Schokocroassants von 30 cm Länge. Und dann rannte ich wie irre zurück. Mein Sohn knabberte schon nervös an den Nägeln und war offensichtlich unruhig. Aber Supermom war da! Ich konnte sagen:“ Alles ok! Ich hab alles dabei!“ Während der 3 stündigen Fahrt liessen wir es uns sowas von gut gehen. Als der Bauch voll war, haben wir alle geschlafen. Der Urlaub war ein Traum und deshalb machen wir das jetzt im August gleich nochmal. Gleiches Hotel. Jetzt weiss ich ja wo der Kiosk ist!

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