Was ich vor der Arbeit so mache…

„Bitte nicht“, das war mein Gedanke, als mein Wecker heute Morgen 5.15 Uhr klingelte. In der Nacht lag ich lange wach und bin erst nach 4 Uhr wieder eingeschlafen. Dementsprechend fühlte ich mich und rechnete schnell nach, wie lang es ungefähr dauern wird, bis mein Bett und ich uns wieder begegnen.

Ich quälte mich ins Bad, Katzenwäsche, Zähne putzen, kämmen, anziehen, Deo, Creme, Parfüm und ein bisschen schminken. Nur das nötigste.

Ich hatte eine lange Phase, in der ich mich gar nicht mehr geschminkt habe. Soll ich euch den Grund verraten? Ich war abends so kaputt, dass ich regelmässig das Abschminken nicht mehr geschafft habe und als Marylin Manson aufwachte.

Inzwischen benutze ich wieder Mascara und ein bisschen Rouge, da fühl ich mich einfach wohler.

Ich koche mir meinen Liter Tee vor, den ich mit zur Arbeit nehme und in meiner Schicht leer trinke. Ich bin ein Exot unter den Krankenschwestern mit 1 Liter Einfuhr am Mittag, aber es ist mir wichtig.

Ich räume die Spülmaschine aus, weil das schmutzige Geschirr sich stapelt und der Anblick mich nervt.

Ich habe mein Frühstück am Abend vorher vorbereitet, ich muss nur noch 2 Löffel Joghurt und 1 Löffel Quark dazurühren, Obst schnippeln und das landet mit meinem Tee gleich in der Tasche, damit ich daran schon mal nicht mehr denken muss.

Ich fülle die Trinkflaschen für meine Jungs und hole die vorbereiteten Vesperdosen aus dem Kühlschrank. Ja, ich weiss, manche würden das nieeeee am Vorabend machen….Ich mache es aber. Weil ich morgens lieber die 5 min länger schlafe. Ausserdem sind meine Vorbereitungen meist eh umsonst, weil mittags grad alles wieder so zurückkommt. Im Kindergarten haben sie im April das „offene Frühstück“ eingeführt. Jeder kann bis 8.30 Uhr essen, wann er will und mit wem er will. Oder dann halt gar nicht essen, meine Begeisterung für das Projekt hält sich in Grenzen.

Ich drücke auf den Knopf meiner Kaffemaschine: Kaffee! Der Automat sagt freundlich: Bitteschön!

Ich höre tippel tippel, der Zwerg kommt mit finsterer Mine in die Küche, setzt sich ohne Blickkontakt oder Begrüßung an den Tisch. „Kaba“, ist alles was er sagt. Es war mehr ein Befehl!

Wir haben eine grosse Auswahl an kleinen Tassen: Yakari, Feuerwehrmann Sam, Superman, Elsa und Olaf, Batman….Ich hab genau die falsche vor ihn gestellt. Die Show beginnt! Es wird vor sich hin geschimpft und der böse Blick wird aufgesetzt.

„Ich will nicht immer die kleinste Tasse!“

Meine Antwort ist heute kein Entgegenkommen, er nimmt es so hin. Wahrscheinlich hat er gemerkt, dass ich heut nicht nachgeben werde und schluckt es.

Gestern hat er geschimpft, weil ich ihm kein Röhrle hingelegt habe und heute, weil ich es gewagt habe ihm eins zu geben. Schliesslich kann er das schon alleine! Ich hänge das Säckchen mit den Metallstrohhalmen wieder zurück. Er steht auf, holt es und trink zufrieden seinen Kaba.

Ich gehe mit meinem Kaffee ans Bett vom schlafenden grossen Sohn. Aus der Küche ertönt: “ Mamaaaa, komm auf die Couch!“

Es wird die Decke übers Gesicht gezogen, es wird gemeckert und geschimpft: „Ich bin aber noch müde!“

Dann steht er doch auf und fragt auf dem Weg: „Ist mein Kaba schon fertig?“ Er freut sich als ich nein sage, denn das bedeutet, er kann 1, 2 Löffel Kakaopulver mehr in seine Tasse machen, damit die Milch auch richtig dunkel wird, nicht so hell wie bei mir, wenn ich ihn mache.

Es hat lang gedauert, aber beide räumen ihre Tassen morgens vom Tisch in die Spüle. Was der Grosse aber IMMER vergisst: der Löffel, mit dem er gerührt hat, der liegt auf der Tischdecke und hinterlässt immer eine kleine Pfütze, wenn ich ihn tief atmend wegräume und den Lappen holen muss.

Immer nehme ich mir vor, dass ich es ihm sage. Verdränge es dann aber, weil ich morgens Harmonie so liebe.

Die zwei sitzen schon auf der Couch, während ich noch in der Küche aufräume. „Mama, ich kann die Decke nicht gut falten“, meckert der Kleine. Ich helfe ihm. Als alles schön zusammengelegt ist, möchte er sich genau mit dieser Decke zudecken. Er liegt in meinem Arm und kuschelt sich an mich, seine Augen sind geschlossen. Ich versuche nicht auf die Uhr zu schauen und sage: „Gell, Kuscheln tut richtig gut!“ Er nickt und lächelt.

Plötzlich gibt es Streit, weil die Füsse der Jungs sich berührt haben und jeder unterstellt dem anderen, es wäre Absicht gewesen. Es wird lauter und angespannt. „Du bist dumm!“ „Mama, der hat zu mir dumm gesagt. Gell, ich bin nicht dumm?!“

Er tritt ihn unsanft für diese Behauptung und kickt das Ninjagosammelalbum von der Couch. Ich hielt die Luft kurz an, das Album ist ihm so wichtig, das sagt er mir mehrmals täglich. Was passiert jetzt?

„Ich hasse dich!“ Antwort:“ Ich hasse dich!“

“ Ich liebe dich NICHT!“ Der Zwerg hält inne, ringt nach Worten und fängt an bitterlich zu weinen. Treffer! Nicht lieben ist wirklich noch schlimmer wie hassen. Der Grosse lächelt, er ist mit sich im Reinen!

Ich nehme ihn an der Hand und ziehe ihn hinter mir ins Bad zum Zähne putzen. Es ist immer das gleiche. Er fängt an zu putzen, macht sie dann aus und mit den Worten: “ Ich muss pippi“, verschwindet er. Die Zahnbürste pfeffert er auf die Waschmaschine und die Zahncreme tropft. Noch geduldig wische ich den Fleck weg. Als er wieder kommt, will er, dass ich übernehme. Auch dabei, immer das gleiche. Er kann nicht 1 Minute ruhig sein und erzählt Geschichten vom Vortag, mit offenem Mund und während des Putzens. Es bringt mich regelmässig an meine Belastungsgrenze. Nach dem Waschen bitte ich ihn sich anzuziehen. Ich sage deutlich, dass er heute nicht die Jogginghose vom Stuhl anziehen soll, sondern die schwarze Jeans daneben. Gestern ging die Jogginghose, heute fiel mir wieder der Bericht über diese Schule ein, die Jogginghosen verboten hat.

Jogginghose tragen nur Assis, das ist bei mir hängengeblieben und der Satz: „Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“

Ich bin mit dem Zwerg im Bad und ermahne ihn, weil er 6 mal auf die Flüssigseife drückt und sich am Schaum erfreut. Da höre ich:“ Mama, kannst du mir die Schleife binden?“ Ich wusste, er hat die Jogginghose angezogen, weil er mir gar nicht zugehört hat. Ich erinnere ihn an die Jeans. Es ist kurz nach halb 7 und als ich ins Wohnzimmer komme, liegt er in Unterhose unter der Decke. Weder Jogginghose, noch Jeans hat er an. Ich soll das machen sagte er.

Da ich morgens keinen Streit will und er oft zurückstecken muss wegen dem kleinen Bruder, helfe ich ihm in die Hose. Er liegt da und lässt mich machen, seine Arme sind hinter dem Kopf verschränkt und er grinst frech. Den Rest soll er alleine anziehen. Ich gehe mit dem kleinen Bruder in dessen Zimmer und will ihn anziehen. Geschrei! Er macht das alleine, weil er ist schon gross.

Es dauert und die Ferse der Socken ist auf dem Fussrücken. Aber er hat Freude und macht es wirklich gut. Der Grosse ist uns gefolgt, weil er nicht alleine sein will, pfeffert seine restlichen Klamotten auf den Teppich und zieht sich nach und nach an. Es ist 6.45 Uhr und wir setzen uns alle nochmal auf die Couch. Ich nehme einen grossen Schluck von meinem kalten Kaffee.

6.50 Uhr stehen wir auf, ziehen Schuhe, Jacken und Mützen an. Im Normalfall zieht der Grosse sich im Sitzen mitten im Flur an, so dass ich über ihn drübersteigen muss. Ich schnappe mir meine Tasche und die Schlüssel. Der Grosse nimmt den Ranzen auf den Rücken und geht. Der Kleine nimmt seinen Rucksack und seinen Flugsaurier, denn heut ist Mitbringtag.

Am Auto angekommen, kritzeln beide an der nassen Fensterscheibe rum, die Ärmel sind nass. Ich pfeffer alles auf den Beifahrersitz, schnall den Kleinen an und von hinten ruft der eine schon:“7″! Falsch geraten, heute zeigt das Auto 9.5 Grad an, er ärgert sich.

Im Auto wird wieder gestänkert, ich schaue streng in den Rückspiegel. Ich sage lachend zum Grossen, er soll sich niemals mit nem stinkigen 3 jährigen anlegen, es sei hoffnungslos. Er sagte daraufhin zu seinem Bruder:“Mann, du hast heut echt gute Laune! Ironisch!“ Die kleine Zicke konnte damit nichts anfangen und sagte im Jammerton: “ Ich bin kein ironisch!“

Der Grosse lacht hämisch und erklärt ihm, was ironisch bedeutet. Als ich vor dem Kindergarten parke ist es 6.59 Uhr. Wir steigen aus, ich verabschiede den Grossen mit Bussi und wünsche ihm einen schönen Tag. Ich merke, dass er nach rechts und links schaut, ob jemand von seinen Freunden das mit dem Bussi gesehen hat. Gesagt hat er nichts.

Der Kleine ist schon in seinen Kindergarten losgerannt und drückt schon ewig auf den Türöffner, der laut summt, bevor ich überhaupt in der Nähe der Tür bin. In dem Moment klingelt die Kirchturmuhr, es ist 7.00 Uhr.

Er zieht alles alleine aus und um, er nimmt seine Trinkflasche, überprüft, ob der Osterhasenaufkleber noch oben drauf klebt und hat seinen Dino in der anderen Hand. Er ist fast immer das 1. Kind am Morgen. Schüchtern drückt er mich, ich ihn vielleicht ein bisschen länger als sonst zurück, denn dienstags bleibt er bis zum Nachmittag. Als ich im Auto sitze ist es bereits 7.06 Uhr und ich gebe Gas. Heute bin ich spät dran und muss die 2 Minuten Verspätung aufholen. Ich bin nervös, aber wie immer klappt alles und ich schaffe es pünktlich zur Arbeit. Ich atme durch.

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