Lockdown ( light ) als Alleinerziehende 👩‍👦‍👦

Lockdown light- das ist nicht erst seit diesem Jahr für mich bittere Realität.

Uns fehlt es an nichts. Viel verändert hat sich nicht. So, wie es für Viele da draußen neu ist, so ist es für mich schon seit Jahren.

Meine Kinder sind jetzt schon 9 und 5 Jahre alt, ich habe mir mehr Freiheiten erkämpft und Vieles ist um so viel leichter geworden.

Immer öfter fühle ich mich frei und es tut gut zum Beispiel alleine einkaufen gehen zu können.

Diese 10 Minuten alleine im Auto, etwas in Ruhe machen zu können, von Anfang bis zum Ende. Das ist Gold wert!

Das war nicht immer so.

Gut erinnere ich mich noch daran, wie ich die schwere Tüte mit Lebensmitteln in der einen Hand und das Kleinkind auf dem anderen Arm die Treppen hoch schleppte. Später dann konnte das Kleinkind mir wenigstens schreiend hinterherlaufen. Oder sich bockig vor die Tür setzen.

Das lief regelmässig so ab. Immer. Ohne Ausnahme. Denn es gab keinen Papa zu Hause, bei dem ich die Kinder lassen konnte.

Wenn ich zum Blutspenden wollte, saß mein Kleinkind währenddessen auf meinem Bauch und das ältere Kleinkind schaute fasziniert dabei zu.

Hatte ich eine Pflichtfortbildung, die meiner Arbeitszeit abwich und die Betreuungszeit in Kindergarten und Schule sprengte, waren beide mit dabei.

Erste Hilfe und was tun, wenn es brennt…es fühlte sich nie schlecht an sie dahin mitzunehmen. Daraus haben sie viel gelernt und für sich mitgenommen. Sie durften Kopfverbände anlegen, machten Bekanntschaft mit dem Defribilator,  und durften echtes Feuer mit dem Feuerlöscher löschen.

Der Arbeitgeber und die Kollegen mussten es so akzeptieren. Denn daheim wartete kein Papa, der früher Feierabend machte und bei den Kindern blieb.

Wenn ich ein Rezept abholen musste, oder einen Termin beim Arzt hatte, die Kinder mussten mit, keine Frage.

Abends mit einer Freundin essen gehen, oder Cocktails trinken, das gab es nicht wirklich in meinem Leben nach der Trennung.

Ich habe es auch nicht vermisst, das muss ich ehrlich sagen. Das „Können“ jedoch habe ich schon vermisst. Die Illusion: „Wenn ich aber wollte, dann könnte ich…“

Selbst wenn die Kinder am Wochenende bei Papa waren und ich nach der Arbeit als Krankenschwester frei war.

Ich war müde und erledigt. Ich arbeitete auf, was im Haushalt so unter der Woche liegen blieb.

Ich wollte nicht reden, auch wenn es so nötig gewesen wäre.

Ich war zu erschöpft, um mich frisch zu machen, die Haare zu frisieren und aus dem Haus zu gehen.

Ich genoss die Ruhe in der Wohnung, alles nacheinander erledigen zu können. Nach der Frühschicht ein Nickerchen zu machen. Morgens nur mich selber richten zu müssen.

Keinen Streit schlichten, das Wort Mama nicht zu hören. Kein Mittagessen kochen zu müssen und mir vielleicht nur eine Dönerbox unterwegs zu holen, oder einen Joghurt zu essen.

Mich abends ins Bett zu legen, ohne zwei Kindern vorlesen zu müssen und dabei selber fast einzuschlafen.

Sport machen zu können. Vielleicht ein bisschen Yoga. Podcast zu hören ohne Unterbrechungen. Einen Spaziergang. Allein im Freibad meine Bahnen schwimmen. Manchmal hatte ich dafür 2-3 h Zeit zwischen Feierabend und bevor die Kinder von Papa zurückgebracht wurden.

Freiheit pur.

Ich bin die, die ganz aufgeregt ist, wenn ich 18 Uhr zum Elternabend in die Schule darf. Dafür schminke ich mich dann sogar.

Es fühlt sich gut an, nur unter Erwachsenen zu sein.

Ohne Kind auf dem Schoss. Und ohne Kind im Auto. Daheim anzurufen, zu hören, dass meine Jungs klar kommen und es auch geniessen können.

Manchmal stelle ich mich zu den anderes Mamas dazu und rede noch ein paar Minuten. Ihre Kinder sind dann bei Papa oder Oma.

Wenn ich nach Hause fahre, wundere ich mich über die Schönheit des Sternenhimmels und mir fällt auf, wie selten ich ihn sehe.

Habe ich unter der Woche freie Tage, muss ich trotzdem IMMER 6 Uhr aufstehen und die Kinder fertig machen. Da ist keiner, der das auch nur manchmal kompensiert.

Mein persönlicher Alptraum war es jeden Abend zwei kleine Kinder ins Bett bringen zu müssen. Jeden Abend! Immer beide.

Nachts immer aufstehen zu müssen. Egal ob Alptraum, „Ich kann nicht schlafen“, Zahnschmerzen, Nasenbluten, Halsweh oder sonstiges. Immer!

Am Anfang waren sie eher sporadisch bei Papa. Unregelmäßig. Spontan. Oft nur der Grosse über Nacht. Da habe ich dann gearbeitet, bin eingesprungen, um Stunden zu sammeln, damit es unter der Woche mit den Kindern etwas entspannter sein kann.

Jetzt darf man ab 20 Uhr also nicht mehr raus? Das ist nicht neu für mich. 

Seit Jahren ist das mein Leben und macht mir schon lange keine Angst mehr.

Ich war nie der Typ, der sich einen Babysitter bestellte, um abends ausgehen zu können.

Erstens, weil mir diese Art der Aktivität nicht wichtig genug war.

Zweitens, weil so ein Abend Geld kostet und dann noch den Babysitter bezahlen? Puh. Nein.

Drittens, weil ich Freunde habe, mit denen ich mich zum Frühstück verabrede, zum Spaziergang im Wald, zum Sport machen, wenn die Kinder im Kindergarten oder der Schule sind.

Viertens, weil ich meine Kinder ungern in fremde Hände gebe und stattdessen lieber in den sauren Apfel beisse.

Aber sicher nicht, um abends auszugehen. Dieses Verbot lässt mich also bisher total kalt.

Restaurants, Cafés, Clubs, Bars, alles zu. Betrifft mich nicht, war nie Teil meines Lebens in den letzten Jahren. Schon gar nicht in der Kombination mit NACH 20 UHR.

Sicher, ich vermisse die Schwimmbäder schmerzlich.

Dass mein 5 1/2 jähriger bisher noch nicht schwimmen kann, weil er schlichtweg nicht üben kann, das ist schlimm.

Andererseits erinnere ich mich auch daran, dass ich im Winter nicht gern mit den Kindern schwimmen war. Denn danach war einer von beiden meist krank und ich habe es bereut.

Abgesehen davon, dass es meist sauanstrengend ist mit 2 Kindern alleine schwimmen zu gehen. Sie duschen ja nicht allein, trocknen sich nicht alleine ab, oder ziehen sich nicht an.

Dazu kommt noch:

„Ich muss kacka.“

„Ich hab Hunger!“

„Gehen wir dahin?“ Und: „Können wir das?“

Vermisse ich es wirklich? Vielleicht die Illusion davon und das „…wenn ich aber wollte, dann könnte ich.“

Meine Kinder vermissen den Indoorspielplatz. Das haben wir wirklich gerne gemacht bei Dauerregen und im Winter.

Vermisse ich es wirklich?

Oft ärgerte ich mich über die überteuerten Preise und darüber, dass es viel zu kalt dort war. Die Kinder waren ausgetobt, ich langweilte mich zu Tode, wenn nicht gerade jemand uns begleitete.

Am Ende schlief der Zwerg die 40 Minuten Heimweg durch und ich ärgerte mich nochmal.

Vielleicht ist das alles der Grund dafür, dass es sich diesmal nicht so schlimm für mich anfühlt.

Ich arbeite normal weiter, die Kinder gehen dann in die Notbetreuung. Ich spüre keine Einschränkungen. Nichts, das mir wirklich, wirklich fehlt.

Alle sind gesund, wir sind viel zusammen, verbringen Zeit in der Natur, wir können uns mit Freunden treffen, mit der Familie, wenn auch mit minimalen Einschränkungen.

Weihnachten lief bei uns wie geplant ab und on top gab es bei der Oma sogar viel Schnee.

Das Geld, das wir jetzt sparen, kommt in die Urlaubskasse, denn das nächste Abenteuer kommt, da bin ich sicher.

Einsamkeit ist nichts Neues. Da bin ich schon lange durchgegangen.

Zeit alleine habe ich lieben gelernt. Sie macht mir Freude und keine Angst mehr.

Denk in Möglichkeiten!

Mein 2019 war unschlagbar und wird schwer zu toppen sein, das war mir bewusst.

Ich habe viele unglaubliche Erinnerungen, vor allem in Form von Unternehmungen und gemeinsamer Zeit!

2019 war die geballte Ladung Glück, Zufriedenheit, ein gefülltes Herz und ganz viel Lachen.

Dass 2020 so richtig, richtig blöd ist, kann ich nicht sagen.

Es lief gewiss nicht nach Plan. Es ist eine Herausforderung, ja.

Es lehrt mich so viel!

Es gilt Altes abzulegen und nicht krampfhaft festhalten zu wollen.

Es gilt Neues zu erfahren und sich einzulassen.

Es gilt den Weg zu gehen und das Ziel nicht zu kennen.

Es gilt Vertrauen zu haben. Dass alles schon richtig so ist und so für einen bestimmt.

Neues macht mir immer erst Angst. Ich mag Struktur in meinem Leben und wenn alles normal läuft.

Ich schimpfe dann, bin unzufrieden, schlecht gelaunt, meckere und schaue ernst.

Bringt mich das weiter? Nein!

Also mache ich es diesmal anders.

Ich lege die Zügel zur Seite, schließe die Augen und breite die Arme aus.

Ich lächle und denke:

„Hallo Leben! Ich bin so gespannt, was deine Pläne für mich sind und was da noch kommen wird.“

Akzeptanz.

Das bringt mich weiter, davon bin ich überzeugt.

Ich werde nicht mürrisch beim Gedanken, was mir alles fehlt. Was mir versaut wurde. Was nicht nach Plan läuft. Was nicht stattfindet.

Diesmal denke ich in Möglichkeiten!

Nein Angst! Diesmal nicht!

Ich gebe dir keinen Raum in mir und mache dich nicht gross.

Du darfst mich gerne begleiten, aber du bist maximal ein kleines Accessoires.

Ich kann Angst haben, manchmal nur ein bisschen und manchmal eben ein bisschen mehr.

Aber mein Glück ist gross und nichts kann das trüben.

Mein Denken ist mächtig und ja, ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt. Wenn auch nur meine eigene.

Dieses Jahr wollte ich mit meinen Kindern viele Shows besuchen. Konzerte. Aufführungen.

2020 steht jetzt für Natur pur!

Für Wald, Wiesen, Burgen, Ruinen, Flüsse, Bäche, Seen, Weinberge und Felder.

Für ungeahnte Schönheit, für die wir immer zu wenig Zeit hatten.

Immer weiter auf dem Laufband des Lebens. Immer Vorankommen. Immer zum nächsten Ziel. Immer noch etwas abarbeiten.

Und so fühlte es sich an. Nach schwerer Arbeit, für die das Glück oft in den Hintergrund rutschte.

Jetzt gilt es auch mal stehen zu bleiben. Inne zu halten. Zu geniessen. Zu fühlen. Glücklich zu sein, auch wenn es nicht nach Plan läuft.

Was hätte ich mich über die Zeitverschwendung geärgert, wenn ich nur darauf warten würde, dass alles wieder vorbei ist?

Dass ich DANN endlich wieder glücklich sein kann, weil ich dann endlich all das wieder machen kann, was ich mir vorgenommen hatte für dieses Jahr.

Denke in Möglichkeiten!

2020 hat mir nicht so viel genommen, wie es mir gegeben hat.

Es lag nicht das gewünschte Geschenk unter dem Tannenbaum, ja. Ich kann beleidigt sein, es in die Ecke pfeffern und auf das nächste Weihnachten hoffen.

Ebenso kann ich mir mein Geschenk vielleicht aber auch mal genauer anschauen. Feststellen, dass ich mir das nie gewünscht habe. Aber dann überlegen, was ich damit anfangen kann und ob es nicht doch irgendwie zu mir passt.

Vertrauen haben, dass sich jemand genug Gedanken darum gemacht hat, was gut zu mir passt.

Es annehmen, mich bedanken.

Vielleicht weiss ich im Moment nichts damit anzufangen. Aber irgendwann kommt das grosse „ahhhhh“.

Das Leben gibt dir nicht nur Regen. Irgendwann geht auch wieder die Sonne auf. Dafür lohnt es sich den Kopf zu heben.

Denke in Möglichkeiten!

Das ist mein 2020 und ich liebe es nicht weniger als mein 2019, wenn ich meinem Herz auch einen größeren Schubs geben musste.

Toxische Beziehungen

Heute schreibe ich nicht als Mutter- sondern als Frau.

Die letzten Jahre habe ich mich ausgiebig mit diesem Thema beschäftigt. Ich habe darüber gelesen, podcasts gehört, aber auch in meinem Umfeld beobachtet und gesehen.

Aus der Vogelperspektive und der Rolle im Aussen ist es so offensichtlich und klar.

Man fragt sich, was diesen Partner nur in dieser Beziehung hält!

“ Sieht der das denn nicht?“

„Merkt er denn nicht, wie der andere ihn behandelt?“

Weder habe ich das Bedürfnis jemandem die Augen zu öffnen, noch sehe ich es als meine persönliche Aufgabe.

Ich für mich weiss, dass dieser Mensch noch nicht so weit ist, noch nicht am “ point of no return“.

Er kann und will noch mehr ertragen, noch mehr leiden.

Warum?

Weil man denkt, es sei so normal. Die berühmten Höhen und Tiefen. Durch Dick und Dünn. In guten und in schlechten Zeiten.

Weil man denkt, man müsse nur NOCH mehr geben und NOCH mehr lieben, damit der andere es merkt und sich ändern kann.

Noch mehr weinen und erklären, wie man sich fühlt, in der Hoffnung, dass es den anderen dann nicht mehr so kalt lässt und er alles einsieht.

Wenn das einer weiss, dann ich.

Nie würde ich auf die Idee kommen, jemanden dafür zu verurteilen, sich immer wieder für diese Beziehung zu entscheiden.

Ich weiss, die Hoffnung stirbt zuletzt.

„Es kommen wieder bessere Zeiten!“

„Er meint es nicht so.“

„Eigentlich meint er es doch gut mit mir.“

„Er ist gar nicht so!“

„Es ist nur eine Ausnahme.“

Um in einer Beziehung verletzt zu werden, braucht es keine Schläge.

Menschen fragen sich, was jemanden hält. Warum ist er/sie mit so jemanden zusammen? Warum geht er/ sie nicht? Warum lässt er/sie sich sowas nur bieten?

Für Außenstehende unmöglich, das zu begreifen.

Ich WAR Teil einer solchen Beziehung. Wie ich jetzt weiss, auch nicht erst einmal.

Mir ist dabei wichtig zu sagen, dass nicht ein Mensch alleine böse und toxisch ist. Es ist die Symbiose. Das Miteinander, das es toxisch werden lässt.

Was ich bis dato von mir dachte:

Ich bin taff, weiss was ich will und hole es mir. Ich mache meinen Mund auf, wenn mir etwas nicht passt und stehe für meine Werte ein. Ich lasse nicht zu, dass man mir Unrecht tut und keiner wird mich schlecht behandeln. Ich bin kein graues Mäuschen, lasse mich nicht einschüchtern und habe vor nichts Angst.

Was mich diese toxische Beziehung lehrte:

Haha! Du hast ja keine Ahnung! Alles, was du glaubst, lasse ich verschwinden. Vor allem den Glauben an dich und den an die Wahrheit.

Nicht sofort. Nach und nach. Stück für Stück.

Gerne höre ich dazu die Geschichte vom Frosch im Kochtopf.

Wirft man ihn in kochendes Wasser, springt er raus. Ist er allerdings bereits im Kochtopf und man erhöht allmählich die Temperatur des Wassers, bemerkt er erst was los ist, wenn es schon viel zu spät ist.

Vielleicht war ich das alles tatsächlich.  Wenn man aber an den „richtigen“ Mann gerät, wird alles ausser Gefecht gesetzt.

Mit meinem Wissen von jetzt und dem Abstand dazu weiss ich, dass die Anzeichen sehr früh auftauchten und ich viele Male mein Bauchgefühl übergangen habe. So oft, bis ich so tief drin war und es kein Zurück mehr gab.

Ich habe mich abhängig gemacht. Im Aussen durch materielle Dinge wie z.B. einem Hausbau. Durch gemeinsame Kinder, aber auch seelisch abhängig.

Ich rauche nicht, ich trinke so gut wie nie Alkohol. Suchtpotential? Ich?

Niemals! Oder doch?

Als wir uns kennenlernten, war alles so magisch. Leidenschaftlich. Die pure Verschmelzung.

Dieses „zu schön, um wahr zu sein“.

Wir waren so verliebt ineinander, hatten nur noch Augen für uns und der Rest der Welt wurde unwichtig. Wir waren uns genug und brauchten niemanden sonst.

Es sind im Nachhinein die Kleinigkeiten, die so wichtig sind. Diese kleinen Vorboten, die dir zeigen, wie es später verlaufen wird, wenn es um die grossen Dinge geht.

Ich erinnere mich daran, als wir mit seinem Bruder verabredet waren. Er lief mit diesem voraus und sie unterhielten sich angeregt. Der Gehweg war schmal und so trottete ich beiden hinterher, bis der Bruder mir die Tür zum Cafe aufhielt, während mein Freund bereits drin war.

Es ist nicht so, dass ich auf diese „Kleinigkeiten“ nicht achte. Bemerkt habe ich es sehr wohl. Bauchgefühl übergangen.

„Sonst ist er ja nicht so.“

„Er hat sich so gefreut seinen Bruder zu sehen, da ist doch jetzt nichts dabei.“

„Mach kein Fass auf wegen so einer Lapalie!“

Später fühlte ich mich ganz oft links liegen gelassen, nicht gesehen. Nicht wertgeschätzt und schlichtweg unwichtig und als Anhängsel.

Er redete gern in der Ich-Form, auch wenn es uns beide betraf. Das war neu für mich und fiel mir auf.

Bauchgefühl übergangen.

Später stellte ich oft an seinem Verhalten fest, dass er wirklich nur sich meinte und ich nicht zählte. Ich war Luft.

Er raucht mal nen Joint, trinkt mal über den Durst. Bauchgefühl übergangen.

„Mein Gott, das machen andere auch!“

„Jetzt übertreib doch nicht gleich, was ist dabei?“

„Andere stört es doch auch nicht, obwohl ihr Partner das tut. Also mach dich locker.“

Er kann nicht mit Geld umgehen und obwohl ich weniger verdiente, zahlte ich die Nachzahlung von Strom, Wasser etc.

Bauchgefühl übergangen.

„Wir sind ein Team. Wer mehr leistet, oder einbringt, ist doch egal“.

Wenn ich für mich einstand und kritisierte, gab es Streit. Meine Meinung war immer die Unwahrheit. Ich war immer im Unrecht. Ich war die mit den komischen Ansichten. Die, die nicht richtig tickt.

Die, die krank im Kopf ist. Zu grosse Erwartungen hat, die keiner erfüllen kann. Ich war falsch. Nie zufrieden. Immer am meckern. Irre. Depressiv. Gestört. Gehöre in die Klapse. Schizophren. Krank. Übertreibe immer maßlos. Weiss nichts zu schätzen. Stehe mit meiner Ansicht alleine da.

Habe ein völlig verschobenes Bild. Bin nicht echt.

„Wenn deine Freunde wüssten, wie du wirklich bist…“

…bis zu…

„Ich hätte dich nie heiraten sollen!“

Jedes normale, harmlose Gespräch, in dem ich anderer Meinung war, oder etwas kritisierte, führte zu einem schlimmen Streit. Und in jedem Streit wurden mir all diese Dinge vorgeworfen.

Bauchgefühl übergangen.

„Er war halt sauer!“

„Das meinte er nicht so!“

„Eigentlich liebt er mich doch.“

„Sonst würde er sowas doch nie sagen und danach tut es ihm ja auch leid. „

Nach jeder Auseinandersetzung war ich mir sicher, dass ich es nicht geschafft habe, die richtigen Worte zu finden. Dass ich mich falsch ausgedrückt habe. Dass ich unsensibel bin. Dass es schwer ist mit mir. Dass ich nicht einfach bin. Dass ich mich zusammenreißen muss. Mir noch mehr Mühe geben muss. Dass es von mir allein abhängt, ob diese Beziehung Bestand hat.

So schlich es sich ein, dass ich mich immer weniger traute zu kritisieren und über meine Gefühle zu reden.

Immer mehr merkte ich, dass mir tiefe Gespräche fehlen. Dass es für mich sogar der Grundpfeiler ist, das Fundament.

Ich ignorierte mein Bauchgefühl. Ich zog die Samthandschuhe an. Ich ging sprichwörtlich auf Zehenspitzen.

Bloss keinen „Lärm“ machen. Denn inzwischen hatte ich gelernt, was es mit sich zog und was daraus entstehen kann. Wie kräftezehrend es ist.

Lieber runterschlucken. Weglächeln.

Gute Mine machen. Die Fassade halten. Meine Meinung für mich behalten.

Üblicherweise folgte jedes Mal, wenn ich über meine Gefühle redete ein schlimmer Streit. Er haute mir alles mögliche um die Ohren, beleidigte mich, beschimpfte mich, bereute mich kennengelernt zu haben und war weg.

Wie lange und wo- das wusste ich nie. Manchmal nur eine Stunde. Am Ende auch schon mal über Nacht. Das Telefon war ausgeschaltet und ich saß da mit einem 4 jährigen und einem frisch geborenen Säugling, der erst wenige Wochen alt war.

Ob er je wiederkommt, das wusste ich auch nie.

Was ich lernte war: er kam immer wieder. Und tat, als wäre nichts gewesen. Manchmal brachte er frische Brötchen mit. Er fing an über Oberflächlichkeit zu reden. Wenn mir das schwer fiel, weil ja etwas ganz anderes in der Luft lag, flog die Bäckertüte und er nannte mich undankbar.

Oft weinte ich mich in den Schlaf. Er schnarchte schon lange neben mir und hatte damit keine Probleme.

Das Ergebnis war, dass wir nie über Probleme redeten, weil wir es nicht konnten. Also gab es auch nie eine Lösung. Nachdem wir unter einem Dach lebten und kein Wort miteinander redeten, wurde es irgendwann besser. Manchmal nach Stunden. Manchmal nach mehreren Tagen. Am Ende war es eine Woche. Je nachdem, wie schnell ich bereit war, es abzuhaken, meine Fehler einzusehen und mich für Dinge entschuldigte, für die es nie eine gebraucht hätte.

Wie ich es da raus schaffte?

Es kam dieser Tag, an dem meine Grenze erreicht war. Der point of no return. Der Zeitpunkt, wenn du sicher bist: bis hierher und nicht weiter. STOP!

Wieviele dieser Beziehungen es wohl hinter verschlossenen Türen gibt?

Ich bin die mit der grossen Klappe. Keiner hätte es bei mir vermutet. Nicht mal die beste Freundin wusste alles, denn manche Situationen muss man mit sich selber ausmachen.

Die kann man keinem erzählen, weil man weiss, wie verrückt sich das alles anhört.

Es hat lange gedauert, bis mein Kartenhaus zusammenfiel. Bis das Gerüst brach und selbst ich die Fassade nicht mehr halten konnte.

Mit 4 Jahren Abstand habe ich viel aufgearbeitet. Oft nach dem „Warum“ gefragt und eine Antwort gefunden. Es war nicht so, nur weil er so war. Es kam auch so, weil ich war wie ich war.

Inzwischen habe ich mich wiedergefunden. Den Mensch, so wie ich vor ihm war. Mit meiner Moral. Mit meinen Standards. Ich weiss, dass ich nicht meine Erwartungen runterschrauben muss. Ich muss nur auf mein Bauchgefühl hören, es zeigt mir den Weg.

Ich kenne die sog. „red flags“, die „dealbreaker“ und die „no go’s“. Ich ignoriere sie nicht mehr.

Ich achte auf mich und die Anzeichen. Ich kenne meinen Wert und mache keine faulen Kompromisse.

Wenn du meine Grenzen nicht achtest, hast du keinen Platz an meiner Seite.

Heute behaupte ich, dass mir so etwas nie wieder passieren wird. Dass diese Art Männer mich immer noch magisch anziehen. Dass ich jedoch viel schneller hellhörig werde und mein inneres Alarmsystem zu klingeln beginnt.

Ich bin mit meinem inneren Aufräumen noch lange nicht am Ziel, falls man das je sein kann. Aber ich habe mich auf den Weg gemacht und verharre nicht mehr. Rede es mir nicht mehr schön, wenn es das nicht ist.

Stelle ich heute fest, dass mir der Mann an meiner Seite nicht gut tut, drehe ich mich um und gehe. Vielleicht tut es kurz weh, aber ich gehe trotzdem lächelnd. Weil ich so viel weiter bin als damals.

Aktiviere die Freude in dir

Wer mein Leben etwas verfolgt, weiss, dass die Wochenenden für mich als Alleinerziehende nicht auf den ersten Rängen der Beliebtheitsskala landen.

Wochenende hört sich immer so toll an, jeder ist voller Vorfreude darauf und da kann man ach so schön entspannen. Da sie sowieso nur jedes 2. bei mir verbringen, müsste die Freude so gewaltig gross sein.

Mit dem „müssen“ ist das allerdings so eine Sache.

Ich tausche das Wochenende gegen zwei Montage. Nichts lieber als das.

Ich habe zwei Jungs und die haben gewaltig Pfeffer im Arsch. Sie sind laut, früh wach und haben entweder Hunger, oder kämpfen.

Ein guter Biorhythmus und verlässliche „Ins- Bett- geh- Zeiten“ rächen sich, wenn deine Kinder Punkt 6 Uhr morgens an deine Tür klopfen und fragen, ob sie kuscheln kommen dürfen.

Bis 10 Uhr bin ich meist schon völlig verausgabt, meine Geduld hinüber und es ging schon heiss her.

Mittagessen wird überbewertet. Wir haben gut gefrühstückt und der Rucksack ist gepackt.

Nahziel: Natur und Bewegung, neue Orte erkunden.

Fernziel: müde Kinder. Bitte, bitte, bitte.

Die Schneehosen und Jacken, die ich Samstag Abend erst völlig versaut in die Waschmaschine gesteckt hatte, am Sonntag sahen sie noch schlimmer aus.

Es ist dieser Rattenschwanz, den alles nach sich zieht und der zwingt mich in die Knie.

Wir hatten 4 wunderschöne Stunden draußen, viel gesehen, viel erlebt.

Es sind Bilder wie diese, die mich ahnen lassen, dass daheim noch viel Arbeit auf mich zukommt.

Kinder baden, Bad putzen, wieder waschen und trocknen, Wäsche zusammenlegen, Essen machen und Schuhe putzen.

Ich kann meine Augen 18 Uhr kaum noch offen halten und weiss nicht, wie ich es schaffen soll, die beiden ins Bett zu bringen. Ich bin so kaputt.

Heute hatte ich noch frei und es hat mich gerettet. Als ich die beiden abholte, stand mein Entschluss fest:

Heute wird ein guter Tag für uns als Familie!

Der Grosse bettelte, dass er nur „kurz“ mit zum Freund will, kaum hatte ich ihn begrüßt.

Also war ich mit dem Zwerg alleine.

Ich habe Paw Patrol gespielt, Pj Mask, Superhelden, Autos, Schleichtiere, Memory und schwarzer Peter.

Wir genossen es heute beide. Ich hab mich auf alles eingelassen und zugehört. Wenn ich der böse Romeo bin, was mach ich dann? Was sag ich dann immer? Hab ich Superkräfte? Waffen? Warum bin ich böse und was will ich?

…die Weltherrschaft…ok. Da geh ich mit, da kann ich mich gerade gut reinversetzen.

Es war herrlich entspannt und ich nahm mir vor, jede seiner Fragen mit ja zu beantworten. 

„Liest du mir ein Buch?“ Klar!

„Können wir uns ins Bett kuscheln und eine Höhle machen?“ Aber sicher!

Als es am Abend an der Tür klingelte, war das Essen auf dem Tisch, das der Zwerg und ich vorbereitet hatten.

Es dauerte 2 Minuten, dann gab es Geschrei und Streit. Ich beschloss, dass es heute nicht so läuft.

Kurz dachte ich, es gelingt mir nicht. Jedoch blieb ich beharrlich und in der Liebe. Dann gelingt sowieso alles.

Oft schaffe ich diesen Zustand nicht, weil ich so wütend bin und sie es maßlos übertrieben haben. Dann läuft alles aus dem Ruder und nichts funktioniert.

Heute also nicht!

Wir lagen alle drei im Kinderbett, um uns bei Youtube über die Waldtiere zu informieren. Sachunterricht, 4. Klasse.

Ich wusste intuitiv, was danach gebraucht wird. Also rein in die Schlafanzughose, nur noch schwaches Licht und gemütlich machen.

Auf spotify eine Traumreise für Kinder gesucht und dann fing ich an erst ein Kind, dann das andere zu massieren.

Auch Jungs mögen das und lieben Körperkontakt. Dass es die atemstimulierende Einreibung ist, die ich in der Ausbildung zur Krankenschwester gelernt habe, spielt keine Rolle.

Dass ich die Handmassage in einer Hospizfortbildung gelernt habe, auch egal.

Beide lagen auf dem Bauch und ich versuchte es gerecht zu verteilen. Bei Geschwistern muss es gerecht zugehen. Im schlimmsten Fall wird daran gemessen, ob man den einen mehr liebt, als den anderen.

Sie kichern und lachen. Sie reimen und erfinden Quatschwörter. Sie lachen bei der Vorstellung ein Elefant zu sein und tief ein- und auszuatmen.

Dann liegen sie wieder ruhig da, geniessen, machen ahhh und halten sich an der Hand. Sie schauen sich mal lächelnd und stillschweigend an, dann schließen sie wieder die Augen.

Füsse, Hände, Kopf, Rücken, Arme, Gesicht. Ich rede nicht viel und geniesse das Lachen und die Ruhe.

Mal lache ich mit, weil ich gar nicht anders kann. Mal bleibe ich ganz bei mir und ernst.

Sie massieren sich gegenseitig, probieren aus, geben sich Tipps. Was fühlt sich gut an, was kitzelt, was ist unangenehm.

Ich schneide schnell eine Gurke und 2 Karotten und bringe den Teller mit ins Bett. Erst die Gurken auf die Augen legen und während eines Lachanfalls einfach essen.

Wir kuscheln uns ein und lauschen der entspannenden Stimme weiter. Ruhe kehrt ein. Die Bewegungen werden weniger. Wir drei, eng aneinandergekuschelt in einem Kinderbett.

Wenig später schläft der Zwerg. Heute ohne Zähne zu putzen. Aber wie wohl muss er sich in der Mitte gefühlt haben, um so schnell einzuschlafen?

Der Grosse und ich schleichen raus, spielen noch ne Runde skipbo und dann bringe ich ihn ins Bett. Ich bekomme viele Küsse und ich bedanke mich für den schönen Tag.

Mir tat er unheimlich gut und ich bin wieder voller Energie.

Den Massagesalon eröffnen wir meist nach Tagen wie dem gestern. An dem es nervig war, Streit gab, ich laut und ungeduldig.

Dann ist es perfekt, um den Kindern zu zeigen, dass ich sie liebe. Und ihnen tut das so gut. Es sind diese Tage, an denen alles läuft. An denen es reicht, wenn ich es einmal sage.

Balsam für unser aller Seelen.

Aktiviere die Freude! Man kann das beeinflussen.

Emotionen

Montag.

Eigentlich mein Lieblingstag.

Denn der Montag stellt die Weichen für die Woche. Montag steht für Neubeginn, noch mehr wie jeder neue  Tag an sich.

Am Montag geht mir alles leichter von der Hand. Ich verstehe nicht, warum es an sich so ein ungeliebter Tag ist, liebe ich ihn doch so sehr.

Was mir mal wieder nur spiegelt, dass allein meine Einstellung und Haltung zu etwas es gut, oder schlecht machen kann.

Heute Morgen zwischen 6 und 7 Uhr gab es bei uns daheim bereits Streit und ich beschloss, meinen Sohn heute nicht von der Schule abzuholen.

Ich war nicht bereit seinem Verhalten und seinen Provokationen entgegenzukommen und beschloss, dass ihm der Nachhauseweg dabei helfen könnte, über einige Dinge nachzudenken.

Der Abschied war seinerseits lieblos und ohne Worte. Er schlug die Autotür zu, nachdem er sich die Tränen weggewischt hatte. Sein wütendes Gesicht begleitete mich auch bei der Arbeit noch lange, jedoch wollte ich nicht einknicken.

Als er am Nachmittag klingelte, atmete ich tief durch. Jetzt war alles möglich!

Kurzatmig und lächelnd waren seine ersten Worte:

„Danke Mama, dass ich laufen musste, ich hab so viele getroffen!“

Ich drückte ihn und auch ihm schien es wichtig, dass ich mich wieder vertragen will.

Emotionen.

Die hat er von mir. Vor allem Wut und Zorn. Er ist ein Sturkopf durch und durch.

Ich selber habe mich oft für meine Gefühle geschämt, irgendwann aber aufgegeben dagegen anzukämpfen.

Wenn ich wütend bin, dann lauf.

Wenn ich weinen muss, gibt es kein Halten. Es wird schlimmer, wenn ich versuche, die Tränen zurückzuhalten.

Ich bin sehr nah am Wasser gebaut.

Vor allem seit ich Kinder habe. Sobald es um Familie, Wiedersehen, oder Schicksale und Krankheit geht. Ebenso, wenn es nur Videos, oder kurze Ausschnitte sind, ich weine. Hemmungslos. Und dann freue ich mich über mein weiches Herz.

Stark sein hat rein gar nichts damit zu tun, keine Gefühle zu zeigen. Das habe selbst ich dann irgendwann verstanden.

Bücher und Artikel über Themen, von denen ich mich angesprochen fühle, lassen meinen Puls so hoch schlagen, dass ich mir in solchen Momenten ein Mikrofon und eine Bühne wünsche, weil ich so viel zu sagen habe.

Aber nein, keine Sorge. Meine Glaubenssätze lassen das nicht zu und sind ein gutes Gegengewicht! Wer weiss, wozu ich sonst im Stande wäre!

Für einige war ich schon immer ZU alles. ZU laut, ZU gefühlvoll, ZU sensibel, ZU emotional, ZU mitfühlend, ZU sentimental, ZU wütend.

Als mein Opa starb, weinte ich manchen Menschen zu viel und zu lange.

Welche Verbindung er und ich hatten und dass mit ihm nicht nur mein einziger Opa, sondern so viel mehr gestorben ist…mir reicht, dass ich das weiss.

In meiner ersten Schwangerschaft war ich völlig aus dem Gleichgewicht.

Man fand mich „unausstehlich“ und ich solle mich „zusammenreißen“.

Ich weinte, wenn die Spieluhr La-le-lu spielte und später, wenn ich es meinem Kind vorsang.

Ich weinte damals sogar bitterlich, als ich an einem 30-er Zone Schild vorbeifuhr, unter dem stand:

„Es könnte auch dein Kind sein!“

Dieser Satz setzte mich damals Schach matt.

Als man mir ungefragt Ratschläge gab ( Ratschläge sind auch Schläge) und mir vorschreiben wollte, wie ich was zu tun habe, sagte man mir, ich solle mir einen breiteren Rücken zulegen. Ich sei zu empfindlich.

Als ich letztes Jahr an meiner Biografiearbeit saß und über unsere Trennung schrieb, weinte ich stundenlang.

https://elopage.com/s/susanneertle?pid=16235&prid=3585 ( bezahlte Partnerschaft)

Ich tippte und weinte, als ich leise zu mir selber sagte:

„Wir haben es so in den Sand gesetzt!“

Ich habe intuitiv meinem Ex-Mann geschrieben, dass ich ihn sein lasse wie er ist. Dass es nicht nur so kam, weil er war, wie er war, sondern auch, weil ich war, wie ich war.

Dass ich keinen Hass, oder böse Gefühle für ihn hege und völlig mit ihm im Reinen bin. Dass er Recht hatte, als er sagte, es gab nicht nur schlechte Zeiten. Wir haben 2 wundervolle Kinder und diese werden uns immer miteinander verbinden.

Dass ich mich allein deswegen immer mit ihm ein bisschen verbundener fühle, als mit sonst jemandem.

Er war überrascht von meinen Worten und ich denke, sie kamen genau im richtigen Moment und waren für ihn noch wichtiger wie für mich.

Ausserdem ist seit diesem Tag auch alles ein wenig besser geworden, Stück für Stück. Es ist harmonisch und ich bin zufrieden. Die Ebene mit ihm war immer mein Ziel und nichts habe ich mir mehr für unsere Kinder gewünscht.

Meine Emotionen haben mich ans Ziel gebracht!

Heute vertrete ich den Standpunkt, dass ich ein ganzes Meer von Gefühlen aller Art bin und es ist ein Segen, sie alle ausdrücken zu können.

Sie machen mich aus und in mir steckt Liebe, Hingabe und Leidenschaft. Wie kann zu viel davon etwas Schlechtes sein?

Nicht jedem bin ich sympathisch und es gibt wohl nur pro und kontra im Bezug auf mich, es gibt nur wenig dazwischen.

Was ich aber immer mehr merke ist, dass genau die, die nicht gut mit mir umgehen können, genau die sind, die nach meiner Meinung fragen.

Denen es wichtig ist, wie ich dazu stehe, weil ich ehrlich bin. Geraderaus. Bei mir weiss man, woran man ist.

Ich lache dir nicht heute ins Gesicht, um morgen über dich herzuziehen.

Wenn ich über dich rede, dann habe ich es dir längst ins Gesicht gesagt, oder warte noch auf den richtigen Moment.

Irgendwie machte der Tag mir Hoffnung, mein neuer Job lässt mich aufblühen. Ich mag ehrliche Menschen, die sagen was sie denken, auch wenn es kurz unangenehm ist.

Nirgends sonst findet man das so geballt, wie in der Psychiatrie.

Sagt man was Blödes, kommt sofort die Rückmeldung. Wie sie dich gerade finden übrigens auch, klipp und klar, ob man es hören will, oder nicht.

„Stellen Sie eigentlich immer erst ’ne Frage und reden dann weiter, wenn man antworten will?“

„Fragen Sie mich nie mehr, wie es mir geht! Schlecht geht es mir! Zufrieden?“

Den Abend über begleiteten meine Kinder und mich nur noch gute Laune. Wir schauten auf Youtube die besten „Haka-Tänze“ und es zog uns sofort in den Bann. Meine Kinder wollten immer mehr davon und ich erzählte ihnen alles darüber, was ich wusste.

Alles, was die Maori damit ausdrücken wollen. Und das ist so viel! Alle Emotionen werden vereint und voller Stärke nach Aussen transportiert. Alles rausgelassen.

Wir drei erfanden einfach unseren eigenen Haka. Ich hörte Töne von meinen Kindern, die mir neu waren und sah Ausdrücke in ihren Gesichtern, die ich nie zuvor sah.

Sie hatten es verstanden und genau heute war es so wichtig. Keiner schämte sich und keiner lachte über den anderen, egal wie skurril die Geste schien, oder wie weit die Zunge rausgestreckt war. Was für eine Dynamik! Jeder bekam die passende „Antwort“ auf seine „Frage“.

Emotionen sind toll! Und können so stark und übermächtig sein!

Um diesen Tag zu feiern und richtig zu zelebrieren, hörten wir „Jerusalema“ in Dauerschleife. Wir tanzten dazu durch alle Zimmer, jeder hatte seinen eigenen Stil und jeder erfand sich neu. Der Zwerg wollte, dass ich ihm zuschaue und ich muss sagen, er hat den Rhythmus im Blut.

Wir tanzten jeder alleine, wenn wir uns in einem Raum begegneten, drehte ich den Zwerg, oder tanzte Hand in Hand mit dem Grossen.

Den Flur auf und ab, von einem Kinderzimmer ins nächste.

Ausgelassen zog mein Grosser sein Schlafanzugoberteil aus und schwang es über seinem Kopf! Völlig ungehemmt liess er seinen Emotionen freien Lauf und ich liebe das!

Wir alle lachten dabei und waren fröhlich. Bis wir schwitzend und ausser Atem auf der Couch zusammenbrachen.

Dieser Ort ist in DIR und überall, wo Du bereit bist, ihn zu sehen!

„Ahhhhh. Das war so cool, Mama!“

Emotionen geben mir Macht. Sie lassen mich vom Verstand ins Gefühl kommen. Roboter gibt es genug auf dieser Welt. Ich will fühlen!

Ein bisschen „ZU“ von allem sein, birgt auch Vorteile.

Zu neugierig heisst, dass ich viel hinterfrage und nicht alles so hinnehme.

Zu sensibel heisst, dass ich zwar nicht immer mit Worten, aber eben mit Tränen sagen kann: „Das tat mir weh!“

Zu mitfühlend heisst, dass ich mich mit dir über deinen Erfolg freuen kann. Ohne Neid und Missgunst, weil du mir damit nichts wegnimmst. Ich denke es nicht nur, sondern komme auf dich zu und sage es dir.

Zu emotional heisst, dass ich es so meine, wenn ich dir sage, ich hab Gänsehaut am ganzen Körper und das es stimmt, wenn ich sage: „Von ganzem Herzen nur das Beste!“

Mein liebster Ex-Kollege ist zum 1. Mal Papa geworden. Das Bild, wie er seinen Sohn im Arm hält, liebevoll zu ihm herunterschaut und die Erzählung zur Geburt…Gefühlausbruch!

Meine Emotionen lassen mich immer wieder erkennen, um was es wirklich geht. Gefühle. Fühlen. Dankbarkeit und Glück. Ich bin reich und dazu brauche ich nichts im Aussen.

Mental load

Mental load in einer Parnerschaft/ Ehe und mental load als Alleinerziehende. Ich kenne beides.

Mental load also.

Jeder kennt es, jeder muss damit umgehen, täglich. Manchmal klappt es gut und man kann sich auf die Schulter klopfen, wieviel man wieder geschafft hat. Yes!

Und dann gibt es die Tage, die sich so unendlich lang anfühlen. Wann ist dieser Tag endlich vorbei? Ich kann nicht mehr. Ich will nur noch Ruhe haben, die Kinder im Bett und schlafen. Bevor morgen alles von vorne beginnt. Uff!

Ebenso gibt es Tage, die viel mehr Stunden haben müssten und man sich fragt, wie man all das bloß abarbeiten  soll/ kann? Es ist zu viel zu tun, alles ist wichtig. Aber der Tag hat nur 24 h und ich fühle mich allein beim Gedanken daran erschöpft.

Es ist doch überwiegend so, dass der Mann Vollzeit arbeitet, die Frau in Teilzeit. Und genau deshalb kümmert sie sich um „Alles“!

Weil, wie ich es auch schon oft genug gehört habe:

„Du bist ja schliesslich auch mittags wieder daheim!“

Was so viele Frauen frustriert ist, dass der Partner nicht mitdenkt und die anfallenden Tätigkeiten schlichtweg nicht sieht. Es anders bewertet, oder es als Aufgabe der Frau sieht, oder aber es ihm einfach nicht wichtig, vielleicht sogar egal ist.

Frauen wollen Männer die mitdenken und Verantwortung übernehmen!

Frauen wollen keinen Mann, der sie im Haushalt unterstützt und ihnen unter die Arme greift. Nein!

Der Mann lebt auch in diesem Haushalt und hat ebenso seinen Anteil an Dreck, Wäsche, schmutzigem Geschirr usw. Er hilft nicht der Frau! Es ist nicht IHRE Aufgabe.

Bei Vielen ist das noch nicht angekommen und ja, verschreit mich als Emanze.

Emanze- als wäre das was Schlechtes. Als heisse das kontra Mann.

Nein! Es heisst pro Entwicklung und pro „die Zeiten ändern sich“.

Pro „meine Zeit ist nicht weniger wertvoll wie deine“ und „ich habe es auch verdient, mich mal auf die Couch zu setzen“.

Es ist pro „ich kenne meinen Wert“ und pro „ich bin viel mehr als nur das“.

Es ist pro Wertschätzung und Eigenverantwortung. Es ist pro „bist du ein teamplayer oder nicht?“

Es ist pro „respektierst du mich?“

Was ich meinen Kindern seit Jahren schon predige:

„Ich bin hier keine bezahlte Putzfrau und jeder packt mit an. Wir alle machen Dreck, also müssen auch wir alle ihn beseitigen. Du bist Teil dieser Familie und dieses Haushaltes, also bring dich ein. Wenn jeder sein Zeug wegräumt und alles dahin zurückstellt, wo er es herhat, haben wir viel mehr Zeit zusammen und können was spielen.“

Ich habe zwei Jungs und den Satz mit der bezahlten Putzfrau sage ich wirklich oft. 

Manchmal singe ich auch einfach gut gelaunt „I ain’t your mama, noooooo-o-o-oooo. I ain’t your mama, no!“

Wobei das „mama“ in diesem Fall natürlich für Putzfrau steht. Ich bin ihre Mama und verwöhne sie auch gerne mal. Wer nicht!?!

Mein Exmann hat das Lied gehasst, als es damals neu rauskam und im Radio hoch und runter gespielt wurde. Ich habe es von Anfang an geliebt. Ratet mal wieso? 🙂

In jedem Alter kann man helfen. Der 9 Jährige muss oft den Müll  rausbringen. Wenn er dafür beide Hände braucht, nimmt er den Zwerg mit, der ihm alle Türen öffnet auf dem Weg zum Mülleimer.

Jeder muss seine Tasse, sein Glas, sein Besteck und seinen Teller aufräumen. Und zwar IN die Spülmaschine und nicht irgendwo auf die Ablage stellen. Beim 5 jährigen klappt das oft besser, als bei dem Grossen.

Dafür liebt genau der es, Spiegel zu putzen und Staub zu wischen. Er putzt regelmässig seinen Schreibtisch und saugt ab und zu sein Zimmer.

Wer den Sand aus den Schuhen mitten in den Flur kippt, darf gleich den Staubsauger holen und es beseitigen.

Wer malen und basteln will, muss auch die Schnipsel vom Boden wegräumen und die Stifte zurück in die Kiste räumen.

Wer etwas verschüttet, muss es auch aufwischen. Wer daneben pinkelt, muss es selber wegmachen.

Manches machen sie sehr gerne und ich muss es nur einmal sagen. Und manches ist zäh.

„Ich will aber nicht… du sollst das machen…das war ich aber gar nicht…ich hab das nicht allein gemacht…das ist unfair…immer muss ich…warum muss immer ich…ich muss viel mehr als der andere…“

Manchmal bin ich zu lasch und sollte viel mehr darauf bestehen. Und manchmal geht es mir ums Prinzip und ich bestehe drauf, obwohl die Diskussion mich viel mehr Energie kostet, als die Tat an sich.

Frauen sind frustriert von dem Mann, der nicht sieht, dass der Wäschekorb voll ist. Nicht sieht, dass die Kinder gebadet gehören. Nicht sieht, dass die Betten bezogen werden müssen. Nicht sieht, dass das Kind Brote für den Kindergarten braucht.

Nicht sieht, dass die Fuss- und Fingernägel vom Nachwuchs geschnitten gehören.

Nicht sieht, dass die Spülmaschine fertig ist und geleert werden muss. Angestellt ist sie schnell.

Nicht sieht, dass der Tisch voller Krümel ist und abgewischt gehört. Dass der Mülleimer voll ist. Dass der Wäschekorb mit der gefalteten Wäsche schon tagelang rumsteht.

Nicht sieht, dass die Waschbecken dreckig sind und das WC mal wieder geputzt gehört.

Nicht sieht, dass die Milch sich zum Ende neigt und kein Brot mehr im Haus ist.

Nicht sieht, dass die Kinder dringend an die frische Luft müssen, dass durchgelüftet werden sollte.

Nicht sieht, dass der Kühlschrank leer ist und die Staubschicht immer höher wird.

Die Schränke gehören ausgemistet, die Kinder sind aus ihren Kleidern rausgewachsen.

Die Fenster und Spiegel müssten geputzt werden, in der Schule stehen Arbeiten an, für die das Kind lernen sollte. Die Hausaufgaben müssen korrigiert werden, das 1×1 geübt, das Gedicht auswendig gelernt.

Wenn das Kind krank ist? Wer bleibt zu Hause? Wer geht mit ihm zum Arzt? Zur Apotheke. Wer denkt an die pünktliche und regelmässige Einnahme der Medizin?

Wer räumt die Ablage auf und sortiert in Ordner? Wer erledigt Telefonate mit Versicherungen, Stromanbietern, Vermietern?

Wer geht zum Elternabend? Wer informiert sich über weiterführende Schulen und geht zu den Infotagen?

Wer macht Friseurtermine aus und begleitet die Kinder? Wer packt den Rucksack für Unternehmungen?

Wer bringt die Pfandflaschen weg und wer bringt das Glas zum Container?

Wer denkt an den Elternbeitrag im Kindergarten? Daran, dass wieder gefütterte Matschhosen und Gummistiefel nötig sind?

Wer denkt daran, das Essen in der Mensa zu bestellen, das Kind pünktlich zum Training zu fahren und auch wieder abzuholen?

Wer denkt daran, dass die Batterien am Spielzeug ausgetauscht werden müssen und wer besorgt die neue Glühbirne?

Wer schreibt die Einkaufsliste und sortiert verfallene Lebensmittel aus?

Wer ändert den Dauerauftrag, wenn die Miete erhöht wurde?

Wer packt mit dem Kind den Ranzen für den nächsten Tag und erinnert ans Spitzen der Stifte?

Wer kümmert sich darum, dass das Auto zum TÜV kommt, Winterreifen bekommt und dringend gesaugt und gewaschen werden muss?

Wer denkt daran, den Wasserkocher zu entkalken und die fettige Pfanne vom Vortag abzuspülen?

Wer tauscht die Handtücher aus, wenn es Zeit wird? Wer putzt die Wanne?

Es ist so, so viel, woran man denken muss. Und meist, sagen wir doch wie es ist, meist denkt eben die Frau.

Wenn es zu viel wird, macht das verbittert und wütend. Der Mann hat dann das Gefühl, er befindet sich auf einem Minenfeld und um ihn herum explodiert es, knallt und tut.

Er fragt dann genervt:

„Was ist denn jetzt schon wieder los?“

Oder er sagt Dinge wie:

„Dir kann man gar nichts recht machen!“ Oder auch: „Lass deine schlechte Laune nicht an mir raus!“

Er versteht nicht, dass er Teil des Problems ist. Dabei reicht es schon, wenn er Samstag morgens sagt:

„Ich fahr kurz in den Baumarkt“, während man selber noch nicht mal Zähne geputzt und 2 Kinder an sich kleben hat.

Er versteht die Welt nicht mehr, denn er war ja heut schon beim Bäcker und hat Brötchen für alle geholt.

Sie hat aber den Tisch gedeckt und wieder abgeräumt. Den Kindern ihre Brezeln beschmiert, den Tisch abgewischt und die Krümel unter dem Tisch zusammengefegt. Das alles ist der Grund dafür, dass sie weder geduscht ist, noch gekämmt, oder Zähne geputzt hat.

Sie wünscht sich zu hören:

„Ich gehe in den Baumarkt und nehme beide Kinder mit. Wir lassen uns Zeit und du kannst dich in Ruhe fertig machen. Danach können wir alle zusammen…“

Warum ist das so schwer?

Richtig, weil es viel aufwendiger mit Kindern ist und man nicht in Ruhe alles anschauen kann. Weil es manchmal einfach schön ist, allein im Auto zu fahren. Ohne Gemaule, ohne Kinder anschnallen zu müssen.

Wenn wir sagen, wir wollen putzen und aufräumen, bringt es nicht viel, wenn ihr nur mit dem grossen Kind eine Fahrradtour macht und das Krabbelkind da lasst.

Das alles ist mental load.

Ich kenne viele Mütter, die behaupten sie fühlen sich wie eine Alleinerziehende, obwohl sie es gar nicht sind.

Denen möchte ich sagen:

Oooohhh, ihr habt ja keine Ahnung!

Aber ich verstehe ihren Frust. Es ist manchmal schlimmer, zwar jemanden an seiner Seite zu haben, aber sich trotzdem so verlassen und allein zu fühlen.

Verrät mir einer, wo es diese kleine Insel mit Männern gibt, die nicht ins Klischee passen? Das weiss ich nämlich nicht.

Was ich für mich aber weiss:

Das will ich so nicht mehr. Ich bin gerne Frau und ich mache Vieles davon sehr gerne. Aber nicht immer und nicht, wenn es selbstverständlich ist und von mir erwartet wird.

Mi-Mi-Mittwoch

Heute bin ich so, so unendlich traurig!

Ich bin unsicher, wann ich das letzte Mal so dermaßen traurig war, dass auch mein eigenes Mantra mich nicht mehr erreicht:

„Alles wird gut! Alles IST gut!“

Nein, das ist es eben nicht!

Nichts ist gut!

Mein Unwort des Jahres ist definitiv „coronabedingt,“ lange wollte ich mich nicht mehr dazu so sehr äußern wie heute.

Die letzten Tage merke ich schon, dass mir das Alles ganz schön aufs Gemüt schlägt.

Heute hat es mich volle Breitseite erwischt.

7.15 Uhr musste ich minutenlang vor der Bäckerei warten, weil ich meinen Kindern heute eine Martinsgans versprochen hatte.

Es ist seltener geworden, dass ich überhaupt zum Bäcker gehe. Lieber backe ich mein Brot selber, oder bereite totmüde am Morgen das Essen der Kinder vor.

Es dauerte…eine andere Mama vor mir öffnete die Autotür ihres Wagens und fragte: „Alles noch gut?“ Dann lächelte sie ihren Kindern auf dem Rücksitz zu und wartete geduldig weiter.

Ausser ihr lächelte keiner. Auch ich heute nicht. Ich werde ungeduldig und zunehmend genervt, weil ich an „früher“ denke.

Nachdem ich meinen grossen Sohn an der Schule aussteigen lasse, holt er wie selbstverständlich seinen Mund-Nasen-Schutz raus.

Ich denke, er ist einfach nur glücklich, dass er in die Schule darf. Nicht wegen der Schule, sondern wegen den Freunden. Er nimmt es in Kauf. Es ist „normal“ geworden und bei dieser Beobachtung spüre ich es aufkommen.

Entsetzen, Angst, Wut und unendliche Trauer.

Dann ist mein Kindergartenkind dran.

Ich darf immerhin mit in die Garderobe, aber wir müssen uns dafür das Löwenzahnsymbol draußen schnappen. Wenn das hängt, heisst es, dass kein anderes Elternteil dieser Gruppe mit drin ist und wir haben freie Fahrt.

Mundschutz auf, Hände desinfizieren.

Nicht so, wie es sich gehört und wie ich es in meiner Ausbildung zur Krankenschwester gelernt habe.

Dafür habe ich nicht die Zeit und meine Hände sind auch nicht frei.

Ich ziehe den Mundschutz runter und bekomme einen Kuss. Das ist mir wichtig und das lass ich mir nicht nehmen.

Dann nichts wie raus und- tief einatmen. Das tut gut!

Ich musste noch 12 Minuten vor dem Lebensmittelladen Zeit totschlagen, bevor ich meine Kartoffeln kaufen konnte.

Mir fiel dieses Youtube- Video in die Hände: das Mutmachvideo von der Leipziger Demo vor wenigen Tagen.

Ich höre Massen, die schreien: Freiheit und Liebe!

Ich sehe lächelnde Polizisten, die der Menge den erhobenen Daumen zeigt. Ich sehe Polizeiwagen, auf deren Fensterscheiben Herzen gemalt wurden.

Ich sehe freundliche, lachende Gesichter. Eltern, Jugendliche, Kinder.

Unterlegt ist es mit Musik, die mich voll getroffen hat. Also sitze ich im Dunkeln auf dem Parkplatz in meinem Auto- und weine. Ich konnte nichts dagegen tun und es war mir auch nicht peinlich.

Gibt es jemanden in dieser Zeit, der sagt, dass er von Herzen glücklich ist und nichts am jetzigen Zustand ändern will? Herzlichen Glückwunsch! Ich bin mehr als neidisch.

Lange habe ich positiv gedacht. Konnte es zeitweise ja im Frühling noch richtig geniessen. Das Wetter war toll und in dieser Zeit passierte auch in mir sehr viel Wandel.

Auch jetzt noch sage ich:

„Wer diesen 1. Lockdown nichts für sich gewinnen konnte und nicht daran gewachsen ist, der hat was falsch gemacht.“

Es gab dieses Gemeinschaftsgefühl, das sich trotz Abstand sehr verbunden anfühlte.

Mit mir hat es damals viel gemacht und mir viel gespiegelt. Ich konnte meine persönlichen Lehren daraus ziehen.

Jetzt ist aber kein Frühling und es zieht mich auch nicht so sehr raus, das kenn ich tatsächlich nicht von mir. Ich bin gern zu Hause, meine liebsten Unternehmungen mit den Kindern fallen alle weg.

Klar, Spielplätze sind wieder beliebte Treffpunkte und mein Sozialleben lebt wieder.

Mein Sohn kann in die Schule und ich muss ihm nicht in Mathe neue Themen beibringen! Danke!

Mein Zwuckel liebt seine Löwenzahngruppe im Kindergarten und die Kinder sind ne feste Einheit geworden, seit unter den einzelnen Gruppen kein Austausch mehr stattfinden darf. Manche Kinder, mit denen er noch in der Kita war und die jetzt in einer anderen Gruppe sind, hat er teilweise seit März nicht mehr gesehen.

Auch ich erschreckte mich heute, als ein mir bekanntes Kind die Tür aufriss und aufs WC rannte. Lange nicht gesehen. Er ist gross geworden!

Mein heiss geliebter Sportplatz, der mir damals so sehr fehlte. Jetzt will ich nicht mehr hin.

Ich habe keine Lust. Keine Energie. Ich bin traurig.

Werden wir diese Masken je wieder los? Jetzt, wo wir so viele im Land haben. Jetzt, wo es sie sogar von mehreren Designermarken gibt.

Dank meiner Ausbildung kenne ich den Gebrauch von Masken und war immer wieder mal damit konfrontiert, seit Ausbildungsbeginn 1999.

Immer gab es Patienten mit zum Beispiel MRSA, die isoliert werden mussten.

Schaue ich mich um, wie die Mund-Nasenbedeckungen so im Alltag bestehen, fühlt es sich so schlecht und falsch an. Ich selber habe eine am Spiegel im Auto hängen.

Mein Sohn trägt seine in der Jackentasche. Manchmal ist sie auch in der Hosentasche, zusammen mit Steinen und Bonbonpapier.

Ich arbeite in der Psychiatrie. Die Patienten haben natürlich alle ihre Stoffmasken. Immer die gleiche, jeden Tag. Waschen? Auskochen? Dass ich nicht lache.

Sie essen im Speisesaal damit unter dem Kinn und du kannst Mahlzeiten der letzten Wochen darauf finden.

DAS ist die Realität.

Mein Sohn wird im September 2021 eingeschult. Dann ist er gerade 6 geworden. Wie wird es bis dahin?

Meine Jungs und ich haben heute Abend alte Fotos auf dem Laptop angeschaut.

Bei der Einschulung des jetzt 9 jährigen war die Welt noch in Ordnung. Auf einem Foto stehen alle Erstklässler strahlend und stolz auf der Bühne. Ich weiss, dass sie lachen, weil ich es sehen kann.

Die Stadthalle war voll und jeder hatte Eltern dabei und andere Angehörige. War das ein schöner Tag!

Auf einem Bild wird er gerade vom Rektor namentlich aufgerufen und geht stolz hoch Richtung Bühne. Auf dem Bild gibt es ein high five.

Das alles ist jetzt undenkbar geworden! Die Hand geben wir uns nicht mehr und lächeln sieht man jetzt auch keinen mehr, denn man trägt Maske.

Die Großmutter, die Patentante usw. können sich maximal Fotos davon anschauen. Dabei sein werden sie nicht.

Wir entdecken die Fotos vom Legoland 2019.

Wir strahlen! Alles hat geöffnet und die Jungs erinnern sich an das 4D-Kino und die tolle Zaubershow.

Diesen Sommer waren wir wieder da. Zu Coronabedingungen. Nur, weil der Sohn Geburtstag hatte und es sich so sehr gewünscht hat.

Keine Zaubershow, im Zug jetzt immer 1 Sitzreihe frei lassen und viel, viel Wartezeit. Alle Griffe müssen nach jeder Fahrt desinfiziert werden. Der Ninjagoshop…geschlossen. Gerade der!

Beim Anblick der Bilder fragte mein Sohn, ob wir bald wieder mal hin gehen könnten und diesmal lächelte ich nur. Nein, werden wir wohl nicht.

Vor kurzem schrieb ich noch, dass das Leben sehr wohl noch lebenswert sei, auch unter diesen Bedingungen.

Heute bin ich unsicher.

Auf Dauer tendiere ich eher zu nein.

Nur gesund sein, um arbeiten zu können? Wofür?

Werden wir in naher Zukunft nochmal zusammen Achterbahn fahren dürfen?

Das ewige Hoffen, dass die Kinder durchhalten und nicht krank werden, weil man ahnt, was es logistisch nach sich zieht, wenn es Fieber und Husten hat.

Mein Sohn ist im Geräteturnen und selbstverständlich braucht der Verein gerade jetzt meinen Beitrag.

Aber ich frage mich schon: wofür?

Heute hatte er „Training“ über Skype und es brach mir irgendwie das Herz. Zum Turnen gehört für mich ne Halle, sein Turnanzug, Geräte, die Gemeinschaft. Und nicht der Laptop.

Und wie hinter allem steht die Frage:

Wofür? Es steht definitiv kein Wettkampf an. Also wofür?

Alles fühlt sich heute sinnlos an und ich komme da nicht raus. Ich bin gereizt. Und unendlich genervt.

Ich bemerke, dass ich sehr unflexibel bin. Ich brauche meinen roten Faden und Dinge, auf die ich mich verlassen kann! Ich möchte auch nicht noch flexibler sein als jetzt, weil ich nicht mehr kann.

Ich will nichts mehr lesen über die Erwägung geänderter Ferienzeiten und pädagogische Tage, die ausfallen. Ich möchte bei Edeka nicht die Corona-Durchsage in Dauerschleife hören. Mich ärgert, dass es morgens um 8 keine Hefe gibt.

Heute bin ich traurig.

Weil mein Sohn kein Erntedankfest feiern durfte. Weil im Musikunterricht nicht mehr gesungen werden darf. Weil wir an Heiligen Abend wahrscheinlich keine Kerzen in der Kirche anzünden werden und uns über das Krippenspiel freuen.

Weihnachtsmarkt- fällt aus!

Geld sparen? Wofür? Für die Rente? Wenn nicht mal mein Morgen mehr sicher ist, wie kann es dann meine Rente sein?

Sparen für noch mehr materielles Zeug, das ganz nett zum Anschauen ist, aber mich nicht aufhören lässt traurig zu sein?

Um den Job kämpfen? Wofür? Wenn das Pflegepersonal nächstes Jahr beim Impfen als erstes bedacht wird und es bis dahin eine Impfpflich gibt, bin ich raus.

Mir tun die Kinder leid, die so viel nicht mehr dürfen. Und so Vieles müssen.

Ich will mich nicht mehr beschränken lassen. Mir vorschreiben lassen, ob ich meine beste Freundin besuchen kann. Mit wem und wo ich mich treffen darf. Wo ich hinfahre und wo ich übernachten will. Was ich unternehmen darf und was nicht.

Selbst ich- und ich behaupte, dass ich ein Stehaufmännchen bin und voller Lebenslust, ich laufe auf Sparflamme.

Zeit mit Kindern

Als ich diesen Satz vor einigen Jahren das erste Mal las, traf er mich und beschäftigte mich noch lange.

Ich dachte an all die Einkäufe, bei denen ich den Zeigefinger erhob und tadelte.

Jedes: „Darauf habe ich keine Lust“ und „Nein, ich will jetzt einfach nicht!“

Ich dachte an jeden Wutausbruch, auf den ich nicht optimal reagierte, weil ich genervt und ungeduldig war.

Ich dachte an jeden Termin, zu dem ich pünktlich sein wollte und angespannt sagte: „Los, los, auf geht’s!“

Und: „Jetzt beeil dich doch endlich!“

Ich verbringe viel und gerne Zeit mit meinen Kindern.

Ja, manchmal bin ich genervt von dem Geschrei und an manchen Tagen sage ich: „Wenn ich das Wort Mama in den nächsten Minuten noch einmal höre, flipp ich aus!“

Manchmal schicke ich sie ins Zimmer, weil ich sie nicht ertragen kann und an manchen Tagen kann ich es nicht erwarten, dass beide schlafen.

Es gibt Tage, an denen mir alles zu viel ist und ich am Vormittag auf die Uhr schaue und denke:

„Wie soll ich es nur bis heute Abend schaffen?“

Und dann gibt es Tage wie heute, an denen die Kehrwoche erledigt ist, wir Kuchen gebacken haben, Pizzateig gemacht und diesen belegt, fürs Diktat geübt und ein paar Matheaufgaben in Erinnerung gerufen wurden. Alle sind angezogen, gewaschen und haben Zähne geputzt. An einem Sonntag ist das bis mittags ne gute Leistung.

Ich habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich auf dem Spielplatz auf der Bank sitze und auf meinem Handy herumtippe.

Wer mich nicht kennt, der könnte Vorurteile haben.

Da stehe ich drüber!

Lange genug hatte ich dafür keine Zeit und bin von Wippe, zu Schaukel, bis Rutsche immer dem Kind hinterher.  Wenn andere Mamas sich unterhalten haben, bekam ich von dem Gespräch nichts mit.

Wer sich mit mir unterhalten wollte, musste mir hinterher.

Jetzt geniesse ich es, dass beide so gross sind, alles alleine können und die Zeit mit ihren Freunden geniessen.

Wenn ich eine Sprachnachricht von der besten Freundin abhöre, dann ist das wichtig für mich und ich habe trotzdem den Überblick.

Dann gibt es diese Tage, an denen ich meinem Kind liebevoll über die Haare streichel.

An denen ich den Zwerg einfach so hochnehme und ihn drücke.

Beim Laufen den Grossen an mich ziehe und seinen Kopf küsse.

Vielleicht muss ich mehr aufräumen und auch öfter, als Kinder, die viel Zeit vor TV, Playstation, Handy oder Tablet verbringen, aber das ist es mir wert.

Ich liebe es zu schaukeln und mein strahlendes Kind auf mich zulaufen zu sehen, das gerade die Schaufel fallen gelassen hat.  Dann sitzt mal der eine, mal der andere auf meinem Schoss und schreit: „Schneller!“

Oft machen wir das auch zu dritt und ich schäme mich nicht, wenn andere uns dabei zusehen.

Im Sommer, als ich mit meinem Sohn im Springbrunnen badete, zählt zu meinen Lieblingserinnerungen.

Auch weil ich es geschafft habe meinen Kopf auszuschalten und mich nicht darum gekümmert habe, was andere über mich denken.

Ich liebe die vielen Sporteinheiten draußen mit den Kindern. Wie wir stolz auf den anderen sind, wenn etwas gut klappt und wie wir uns gegenseitig anfeuern.

Wie oft ich alles stehen hab lassen, um mein nörgelndes, weinendes Kleinkind auf den Schoss zu nehmen und nur zu halten, bis es alles raus lassen konnte.

Ich investiere viel Zeit in meine Kinder und dafür stehe ich.

Ich wollte diese beiden so sehr!

Mir ist nicht entgangen, wie schnell der Grosse groß wurde und dass es ihm immer öfter peinlich ist, was ich tuhe. Ich tröstete mich damit, dass ich ja noch den Zwerg habe, der noch so an seiner Mama hängt und momentan scheint das nie zu enden.

Ich weiss es aber besser, auch er wird bald meine Küsse abwischen und wütend die Tür hinter sich zuschlagen.

Also investiere ich jetzt so viel Zeit und Liebe in diese wundervollen  Geschöpfe.

In der Hoffnung, dass es Ihnen hilft, die richtigen Entscheidungen in Ihrem Leben zu treffen.

In der Hoffnung, dass sie gerne an ihre Kindheit denken und schmunzeln beim Gedanken an gewisse Ereignisse.

Auch in der Hoffnung, dass sie sich für Schwächere einsetzen, für Gerechtigkeit kämpfen.  Immer an sich glauben und meine Worte im Kopf haben:

„Du kannst es! Es ist alles in Dir drin!“

Ich wünsche mir, dass sie Recht von Unrecht unterscheiden können und vielleicht dieser eine unter Vielen sind, die sagen:

“ Lass ihn in Ruhe!“

Um Zeit mit deinem Kind zu verbringen, braucht es kein Geld.

Es ist egal, ob du Architektin, arbeitslos, oder eben wie ich Krankenschwester bist.

Ich finde man sieht Kindern an, ob Eltern sich mit ihnen beschäftigen.

Weil ich so viel vorlese, wir toben, kneten, malen, rätseln, raus gehen, klettern, balancieren, schwimmen, hüpfen…habe ich kein schlechtes Gewissen zu sagen:

„Ich hasse Brettspiele! Uno, Skipbo, Kniffel, memory, puzzeln, alles ok. Aber ich hasse Brettspiele. Bitte-keine-Brettspiele!“

Ich mag es mit Kindern Zeit zu verbringen. Für mich ist das keine verschwendete Zeit.

Ich akzeptiere, dass seine Freunde meinem Grossen über alles wichtig sind. Ich sehe ihn gern glücklich und immer wieder organisiere ich ein grosses Treffen.

Tatsächlich sagen dann alle zu und sind genauso aufgeregt wie er.

Es fing damit an, dass ich noch im Haus eine Halloweenparty auf die Beine stellte und das zur Tradition machen wollte.

Auch eine kleine Wohnung nach der Trennung sollte kein Grund dafür sein, so etwas nicht mehr tun zu können.

Wir hatten inzwischen ein Fußballspiel mit Wassereis im Sommer.

Wir hatten einen Spielenachmittag.

Inzwischen zwei „Kinonachmittage“ bei uns auf der ausgezogenen Couch und jeder mit Kuscheldecke. Popcorn, Salzstangen und Chips inklusive.

Die letzte Unternehmung war eine Wanderung durch die Weinberge. Jeder mit Proviant im Rucksack und jeder Menge Spass.

Eine Mama fragte mich, ob ich mir das wirklich antun will.

Und ja! Verdammt!

Das macht mich sogar glücklich.

Die „NEXT“

Aller Anfang ist schwer. Ich erinnere mich noch gut an das Rumpelstilzchen, das damals in mir aufkam.

Wir waren gerade mal 4 Monate getrennt, als die Kinder und ich aus unserem Haus auszogen.

Ich hatte diese kleine Wohnung gefunden, war mit Umzug und Einräumen beschäftigt.

Ich war durch.

Konzentrationsschwierigkeiten, weil es so viel zu tun gab. Gleichzeitig. Existenzängste, da ich nichts als Elterngeld und Kindergeld zum Leben hatte.

Angespanntheit. „Was mach ich jetzt nur!?!“

Schlaflose Nächte. Augenringe. Kopfschmerzen und Kopfdruck vom Weinen.

Wut. „Wie kann er uns sowas antun?!?“

Bürokratie. Arbeitsamt. Jugendamt. Wohngeld.

Recht schnell nach der Trennung und noch vor dem Auszug beantragte ich eine Mutter-Kind-Kur. Ich musste weg.

Ich konnte dieses Elend nicht ertragen und brauchte Abstand. Vor allem zu ihm, der mir das Leben so schwer machte, obwohl es ohne seine Stolpersteine schon schwer genug war.

Die Zusage kam recht schnell. Drei Wochen Schwarzwald im August/September. Das WO war mir so egal.

Am 2. August war unsere erste Nacht in der Wohnung, weg von meinem Noch-Mann und dem Papa der Kinder. Er blieb in unserem zwei Jahre alten Haus, weil er der Meinung war es sich leisten zu können.

Am 4. August war der schlimmste Tag meines bisherigen Lebens.

Die Kinder waren ein paar Stunden bei ihm, damit ich in der Wohnung etwas einräumen und putzen konnte. Ich kam wie angekündigt mit meinem Schlüssel ins Haus, um dickere Kleidung für die Kinder und die Kur abzuholen.

Er hatte geschrieben: „Wir sind spazieren.“

Was ich damals noch nicht ahnte:

Mit WIR meinte er nicht nur unsere Kinder und sich.

Ich war froh ihn nicht sehen zu müssen und wollte auf direktem Weg wieder raus, sobald ich alles hatte.

Als ich die Eingangstür öffnete, blieb ich wie angewurzelt sekundenlang stehen.

Frauenschuhe.

Es ratterte.  Weder hatte er eine Schwester, noch eine gute Freundin. Ich wurde stutzig und mir war leicht übel. Langsam ging ich die Treppe hoch ins Wohnzimmer.

Unsere Hochzeitsbilder waren von der Wand abgenommen und in eine Box gelegt. Aussortiert.

Auf der Couch lag ein Kuscheltier und mir war sofort klar:

„Da will sich eine bei meinen Kindern einschleimen!“

Mein zweiter Gedanke:

„Wie peinlich! Meine Kinder können mit Kuscheltieren gar nichts anfangen!“

Auf der Fensterbank neben der Couch  stand eine blaue Flasche Massageöl. Das war eindeutig!

Meine Kinder waren damals 5 Jahre und 10 Monate alt.

Wir waren 4 Monate getrennt und vor  zwei Tagen erst ausgezogen!

Wer war sie bloß? Wo kam sie so plötzlich her? Hätte ich etwas merken müssen?

Ich ging hoch zu den Kinderzimmern, alles normal. Offensichtlich wurde mit dem Legozug gespielt.

In „unserem“ Schlafzimmer stand die Tür einen Spalt offen und ich schob sie ganz langsam auf.

Mein Herz sprang dabei fast aus meiner Brust, so sehr raste mein Puls bei dem, was ich da sehen musste.

Ich erinnere mich an einen ihrer roten Tangas, der auf der Kommode lag. Daneben ihre Antibabypille.

In meinem Nachttisch, der er zumindest vor zwei Tagen noch war, fand ich eine Grosspackung Kondome.

In meinem Kleiderschrank, der er zumindest vor zwei Tagen noch war, fand ich ihre eingeräumte Kleidung. Von Badeanzug bis Schuhkollektion war alles dabei.

Sie blieb wohl länger.

Im grossen Bad, das überwiegend ich genutzt hatte, stand ihre elektrische Zahnbürste, ihr Duschgel, Shampoo, Föhn und Rundbürsten.

Alles was man so braucht, wenn man vorhat länger zu bleiben.

Vor zwei Tagen hatte ich dort noch geduscht und die Kinder gebadet. Dort saß ich auf dem Badewannenrand, wenn mein Mann badete und wir unterhielten uns dabei. Damals noch.

Das Bett hatte ich erst vor wenigen Monaten gekauft. Ein gutes sollte es sein, deshalb auch nicht ganz günstig. Mein Mann hatte einen Bandscheibenvorfall. Und jetzt schlief er mit ihr da drin.

Die, von der ich keine Ahnung hatte wer sie ist.

Ich war hysterisch. Ich rannte im Haus umher und war mit der Gegenwart konfrontiert.

Es tat so unglaublich weh und ich fühlte mich wirklich gefangen in einem Alptraum.

Ich wusste mir so gar nicht zu helfen und wählte die Nummer meiner besten Freundin. Sie wohnt hunderte Kilometer weit weg, keine Ahnung was ich mir davon versprach.

Sie war gerade mit ihrer Familie auf dem Weg in den Urlaub und ich denke, ich hab sie in eine schwierige Lage gebracht damals.

Ich weiss, dass ich so sehr weinte und schrie. Ich krümmte mich immer wieder vor Fassungslosigkeit und Schmerz. Innerer Schmerz. Es dauerte einige Momente, bis ich überhaupt einen Ton herausbekam.

Ich schrie ins Telefon, dass ich glaube den Verstand zu verlieren. Und ja, so fühlte es sich an.

Ich war mit so vielen Dingen beschäftigt, konnte keine Minute sitzen, war ruhelos, getrieben und doch so erschöpft.  Gleichzeitig kümmerte ich mich um einen Umzug und unsere beiden Kinder, von denen eins noch ein Baby war.

Und er? Wie geht sowas?!?

Es ging nicht in meinen Kopf. 

Verliebt, verheiratet, zusammengezogen, zwei Kinder, Haus gebaut, getrennt und sofort ausgetauscht.

Das Haus hatte er ja noch, die Kinder irgendwie ja auch und noch dazu viel mehr Zeit, weil sie ja nicht mehr immer um ihn waren. Jetzt konnte er sich anderweitig vergnügen. 

Ich war rasend vor Wut und Eifersucht. Eifersüchtig, obwohl ich sicher war, dass ich diesen Mann nie mehr zurück wollte.

Ich rief ihn an und fragte wo er mit den Kindern ist. Er hörte sich ganz fröhlich an und sagte:

„Wir sind Enten füttern!“

Ich schrie, dass er genau 10 Minuten Zeit hat mir die Kinder zu bringen.

Zehn Minuten war unmöglich, wenn man bedenkt, dass er den Buggy noch ins Auto laden musste. Er schaffte es in fünfzehn.

Selbstsicher stieg er aus und fühlte sich wahrscheinlich wie ein Held.

SIE stieg aus und ich hatte sie noch nie vorher gesehen. Sie war jung.

Während es bei uns heiss herging, setzte sie sich etwas weiter weg im Schneidersitz auf den Boden und was sie dachte…ich weiss es nicht.

Was ich dachte, während ich Blitze zu ihr schickte war:

„Du hast meine Familie zerstört.“

Ich war ausser mir. Ich konnte nicht nachvollziehen, wie er das mit seinem Gewissen in Einklang bringen konnte.

Wir waren vor zwei Tagen ausgezogen verdammt!

Oder wie er sagte:

„Wir sind schließlich schon fast ein halbes Jahr getrennt!“

Ich war besorgt um die Kinder und was das alles mit ihnen machen wird.

Er fand: „Die Kinder haben kein Problem. Die einzige, die eins hat bist DU!“

Die ersten Papa-Wochenenden waren reine Folter. Denn ich wusste sie sind bei ihr! In MEINEM Haus. Nur ohne mich. Sonst war alles gleich.

Es trieb mich umher und ich weinte sehr viel. Ich war nicht in der Lage etwas zu tun, oder irgendwo hin zu gehen. Pausenlos dachte ich darüber nach, was sie wohl machen und wie es den Kindern wohl geht.

Mir ging es beschissen. Ich kam gar nicht klar damit. Wenn die Kinder Sonntag Abend zurück kamen, stellte ich viele Fragen und hoffte auf etwas, das es mir leichter machte.

Die Kinder mochten sie. „Weisst du Mama, wenn Papa kocht, spielt sie mit uns Fussball.“

Ich wollte nicht, dass sie nett ist. Ich wollte, dass alle sie hassen. So wie ich.

Die Wochen vergingen und es zog mich immer wieder zum Haus. Ich schaute, ob sein und ihr Auto dastanden. Ob sie es sich gemütlich machen.

In meinem Haus. In meinem Bett.

Weder wollte ich ihren Namen hören, noch sie sehen müssen. Und doch alles über sie erfahren.

Eine Freundin, die damals bereits länger getrennt war, sagte, ich solle froh sein, wenn sie nett zu den Kindern ist. Alles andere wäre schlimmer.

Die Einschulung des Sohnes nahte und ich bat ihn ohne sie zu kommen. Ich hätte das nicht ausgehalten. Sie hatte meiner Meinung nichts dort zu suchen. Es waren MEINE Kinder und immerhin auch immer noch MEIN Mann! Und MEIN Haus.

Ich genoss es auch ein bisschen, dass sie daheim auf ihn warten musste, während er mit mir und unseren Familien diesen besonderen Tag feierte.

Ein Jahr hielt die Beziehung in etwa. Dann war sie weg und ich atmete durch. Ich wurde ruhiger.

Bis zur nächsten. Von ihr erfuhr ich nach einem Papawochenende. Sie war mit Sohn und Katze mit im Haus. Mein Sohn erzählte mir aufgeregt, dass dieser Sohn ihn im Garten ausgesperrt hätte und es richtig Krieg gegeben hätte.

Wo war Papa? „Der war grad mit ihr im Keller, irgendwas suchen.“

Zu allem Überfluss hatte die Katze meinen beiden Kindern in ihre Taschen gepisst und ich musste sie wegwerfen. Es war unerträglich. Ja, auch der Geruch.

Ich war rasend vor Wut und es dauerte bis Mittwoch, bis ich meinen Sohn wiedererkannte. Er provozierte, war wütend, zornig und powerte ohne Ende. Gegen mich. Es war kräftezehrend und machte mir Angst.

Zwei Tage bei ihm und ein so verstörtes, überfordertes Kind? Sollte das jetzt immer so sein?

Er hat recht schnell gemerkt, dass es nicht die beste Partie war und auch sie war Geschichte.

Endlich kehrte etwas Ruhe ein. Lange Zeit.

Vor wenigen Monaten erfuhr ich von einer neuen Freundin. Wieder nach dem Papawochenende. Ich wusste, dass er umziehen wollte. Nicht aber, dass er gleich mit ihr und ihrem Sohn zusammengezogen war.

Bis dahin hatte ich nicht mal von ihr gewusst. Also gut, jetzt wusste ich es.

„Weisst du Mama, sie ist eigentlich glitzegleich wie du. Nur- najaaaa…sie kann halt kochen!“

Er erzählte mir von den Gemeinsamkeiten, die ich mit ihr habe und ich stellte fest:

Wenn wir doch so glitzegleich sind und er so von ihr schwärmt, kann ich ja nicht so verkehrt sein für ihn.

Bis heute weiss ich von ihm nichts von ihr. Ich schätze, weil er keinen Wert auf meine Meinung legt.

Meine Kinder mögen sie sehr, ebenso den Sohn, der „manchmal viiiiiel zu nett und lieb ist!“

Nach jedem Papawochenende erzählen Sie ganz aufgeregt und viel. Sie geniessen es. Und ich freue mich so sehr mit Ihnen. Ich stelle kaum Fragen. Es gibt nur eine Standartfrage nach Besuchen bei Papa:

„Habt ihr ’ne schöne Zeit gehabt?“

Ich weiss viel über sie und ich muss sagen: Sie gefällt mir.

Sie hat mein Herz gewonnen, als sie ein Projekt mit den Kindern machte, warum Cola schlecht für Kinder ist und eine Nudel über Nacht in ein Colaglas legte.

Der Kleine sagt oft in letzter Zeit:

„Ich freu mich auf Papa. Aber ich will nicht schon wieder so viel raus gehen müssen und spazieren. Das nervt mich!“ Dann schmunzel ich, drücke ihn mitleidig und insgeheim jubelt mein Mutterherz.

Ich habe weder Konkurrenzdenken.

Noch habe ich das Gefühl, dass sie mir was wegnimmt.

In diesem Sinne: danke NEXT.

Meine Komplizin. Ich muss dich nicht kennen. Dir nichts sagen. Es reicht zu wissen, dass es dich gibt und dass du mehr als lieb zu meinen Kindern bist.

Es tut gut zu wissen, dass du dich mit kleinen Jungs auskennst, auch ne Mama bist und sicher Globuli, Pflaster und Ibuprofensaft da hast, wenn es gebraucht wird.

Danke, dass ich dir meine Kinder beruhigt anvertrauen kann und sie immer so fröhlich und begeistert von dir erzählen. Das macht die Sache um so Vieles einfacher.

Ganz nebenbei gönne ich dir diesen Mann von ganzem Herzen. Vielleicht hast du mehr Glück mit ihm. Ich wünsche es uns allen.

Alleinerziehend- Wear your cape proudly 🦸‍♀️

„Ich bin alleinerziehend!“

„Ich bin geschieden!“

Wenn ich einen dieser Sätze sage, senke ich oft meinen Blick dabei und mein Gesichtsausdruck verwandelt sich in den eines kleinen, schuldbewussten Mädchens.

Lange beinhalteten diese Sätze für mich einen Mangel. Es klang einfach verkehrt für mich und war auch mit viel Scham behaftet.

In meinem Kopf war viel zu oft:

„Was denkt der andere jetzt über mich? Mein Gegenüber weiss ja nicht, wie sehr ich verheiratet sein wollte und wie sehr ich es versuchte zu bleiben. Bis es eben nicht mehr ging. 

Mein Gegenüber weiss ja nicht, wie schwer es mir fällt, das laut auszusprechen und mit erhobenem Kopf.“

Lange war ich sicher, sofort verurteilt zu werden. Dass ich es nicht lang genug versucht habe. Nicht genug gekämpft und es mir zu leicht gemacht habe.

Meine Geschichte steht nicht auf meiner Stirn geschrieben und selbst wenn ich Auszüge daraus erzähle, dann ist es nur ein Bruchteil. Den, den man eben erzählen kann.

Ich für mich habe meine Entscheidung von damals keinen Tag bereut und es gab nie ein Zurück.

Einfach war es trotz dieser Gewissheit nicht.

Die Zeit ist ein fabelhafter Lehrmeister und heilt die Wunden, es stimmt tatsächlich.

Ich bin auch heute nicht stolz darauf, mit 38 geschiedenen zu sein. Es lief wahrlich nicht nach Plan und mein Traum war ein anderer.

Jedoch gibt es Dinge, die man nicht beeinflussen kann, die eben ihren Lauf nehmen und die nicht aufzuhalten sind.

Nein, stolz bin ich nicht darauf.

Aber stolz bin ich darauf, wie ich meine Situation meistere. Wie ich die letzten Jahre gekämpft habe und was ich für mich erreicht habe.

Ich rede nicht von teuren Handtaschen, Modeschmuck, oder anderen materiellen Dingen, die im Übrigen für mich keinen grossen Wert haben.

Ich kann jeden Monat meine Miete und andere Rechnungen pünktlich zahlen. Das beruhigt und war nicht immer so.

Wenn wir Lust auf Kino haben, oder auf ein Eis, dann machen wir das einfach. Auch ein Spielzeug zwischendrin ist kein Problem. Das war nicht immer so.

Weihnachten und andere Feiertage, Kindergeburtstage …Sie machen mir keine Angst mehr. Abgesehen vom finanziellen Aspekt habe ich ganz alleine die tollsten Kindergeburtstage gestemmt.

Natürlich kann ich die Kinder danach nicht alle in meinem Auto nach Hause fahren. So machen es meist die Eltern, die nicht getrennt sind. Was ich gemerkt habe: keiner erwartet es von mir! Warum also einen Gedanken daran verschwenden?

Was ich gut kann ist Vorbereiten, Organisieren, Spiele ausdenken, Erinnerungen schaffen, toben, kreativ sein. Das alles kann ich. Also besinne ich mich darauf.

Früher empfand ich mich für völlig unkreativ. Basteln, Malen und das alles ist so gar nicht mein Ding.

Bis eine Freundin zu mir sagte, dass sie mich aber sowas von kreativ findet! Vielleicht nicht im Bereich Basteln und Geldgeschenke in Szene setzen. Aber kreativ in meinem Alltag. Jeden Tag! Kreativ, weil ich fast alles möglich mache. Kreativ, weil es meinen Kindern an nichts fehlt. Kreativ, weil ich alle Termine in Einklang bringe und schaffe.

Kreativ, weil ich arbeite und Haushalt, Kinder, Schule, Elternabend, Pausenbrote und das alles meistern kann.

Und ja verdammt, ich bin jeden Tag so kreativ!

Oft sage ich, dass ich „alleine“ bin, alles „alleine“ machen muss.

Eine Therapeutin in der Kur gab mir den Tipp, von diesem „allein“ wegzukommen. Es nehme mir die Stärke, die ich weiss Gott besitzen würde und mache mich klein.

„Sie sind nicht allein. Nie! Denn Sie haben SICH SELBST.“

Und ja! Mit mir habe ich jemanden an meiner Seite, auf dessen Bauchgefühl ich vertrauen kann. Meine Intuition lässt mich selten im Stich und ich kenne meine Stärken und Schwächen. Mein Können und meine Grenzen.

Vor ein paar Tagen wurde ich bei einer Datenerfassung gefragt:

„…und Sie sind verheiratet?“

Ich nuschelte leise und wieder klein und schuldbewusst:

“ Geschieden.“

Die Dame hob ihren Kopf, schaute mir direkt in die Augen und sagte:

„Wir leben im 21. Jahrhundert. Ich bin auch geschieden und jetzt wieder glücklich verheiratet. Meine Schwester ist auch seit kurzem geschieden, nachdem ihr Ehemann sie die Kellertreppe runtergedonnert hat. Früher musste man bei so einem Mann bleiben schätze ich. Aber heute zum Glück NICHT!“

Dann lächelten wir uns an, nickten uns zu und alles war gesagt. Gleich setzte ich mich wieder aufrecht hin und machte mich gross. Ich liebe solche Frauen und ich lerne viele davon kennen.

Vor einigen Wochen unterhielt ich mich mit einer guten Bekannten und am Ende sagte sie:

„Petra, ich glaub schon, dass dich viele darum beneiden, wie du das alles so machst und schaffst!“

Mich? Beneiden? Das war neu für mich. Ich dachte kurz darüber nach und mir fielen wirklich viele Dinge auf, die in der Tat bei uns sehr gut laufen.

In meinem Umfeld gibt es verheiratete Frauen, die mindestens so gestresst sind wie ich manchmal.

Verheiratete Frauen, die nicht im Elternabend erscheinen.

Verheiratete Frauen, die eine „unaufgeräumte“ Wohnung haben, wo ein Wäschekorb auf dem Esstisch steht, das Bügelbrett im Wohnzimmer  steht, oder Kalkflecken an ihren Armaturen haben. Da fühle ich mich wohl und atme erleichtert durch.

Ich kenne verheiratete Mütter, die nicht fürs Diktat üben und sich nicht drum kümmern, ob das Gedicht sitzt.

Mütter, die zu spät kommen und abgehetzt sind. Frustriert, überfordert, genervt.

Verheiratete Mütter, die eine lange To-do-Liste haben und eine unordentliche, aufgestaute Ablage.

Ich fühle mich nicht wirklich anders, weil ich alleinerziehend bin. Schon gar nicht minderwertig.

ME. MYSELF. AND I.

Unglaublich, was ich täglich leiste. Ich kann stolz auf mich sein.

Falls ich das mal vergesse und die Krone verrutscht, dann habe ich meine Freunde, die sie sofort wieder geraderücken und nicht zulassen, dass ich mich klein mache.

Ich habe tolle Freunde!

Ich bin gut, wie ich bin, ES ist gut, wie es ist. Von perfekt war nie die Rede.