Über Lebensqualität und das glücklich sein

Es war der 2.8.2016.

Dieses Datum werde ich nie vergessen, denn es war sehr eindrücklich.

An diesem Tag zogen die Kinder und ich aus unserem Haus aus. Wieder in eine Wohnung.

Als ich damals zur Wohnungsbesichtigung ging, waren meine Jungs gerade 5 und 1. Der Grosse wollte nicht mit und als ich ihn fragte, was ihm wichtig sei, sagte er: eine Badewanne.

Die Aufteilung war perfekt, Küche war drin, Möbel konnte ich teilweise von der netten Vermieterin übernehmen und sie hatte tatsächlich eine Badewanne.

Bevor ich den Mietvertrag unterschrieb, ging ich mit den Kindern hin, um ihnen unser neues Zuhause zu zeigen.

Ich hatte Angst davor und entschuldigte mich davor schon bei der Vormieterin, falls abfällige Kommentare fallen würden und die Laune schlecht war. Sie kannte unsere Situation, erwartete uns mit Schokoriegeln, viel Geduld und einem seligen Lächeln.

Ich war überrascht, denn der Grosse lief aufgeregt durch alle Zimmer, freute sich riesig über den Balkon so hoch oben, die Katze, die im Haus wohnt und die elektrische Rollo im Wohnzimmer. Das alles hatten wir im Haus nicht.

Von Kindern kann man sehr viel lernen!

Ich fühlte mich unheimlich eingeengt und wie ein Hamster im Käfig. Ich trauerte der neuen Küche hinterher, den schönen Fliesen, dem Platz und dem Garten. Alles weg.

Es dauerte sehr lange, bis dieses Gefühl verging. Meine Jungs hatten es nie.

Sie freuten sich über ihre neuen Zimmer und dass wir alle in einem Bett schlafen. Es war Sommer, das machte Vieles gut.

Was ich damals noch nicht ahnte war, dass einer der Vermieter, nämlich genau der, der mit im Haus wohnte, sehr mürrisch war. Er lächelte nie und hasste Kinder.

Als ich ihn verzweifelt darum bat, mit mir die Woche für die Kehrwoche zu tauschen, liess er mich kalt abblitzen.

Ich war immer dann dran, wenn die Kinder das Wochende bei mir waren. Der Kleine konnte noch nicht laufen und machte schon keinen Mittagsschlaf mehr. Ich konnte beide nicht 1 h alleine in der Wohnung lassen. Ich hatte also beide im Schlepptau, kam nicht voran und hatte immer Angst, dass der Zwerg die Treppe runterfällt.

Letztendlich haben wir diese Zeit auch überstanden.

Es gab einen riesengroßen Garten, der zum Haus gehörte, den man aber nicht nutzen durfte. Da wurde nur regelmäßig Rasen gemäht, sonst passierte da nichts.

Ich vermisste es so sehr, mit den Kindern einfach raus in den Garten zu gehen.

Wir mussten also jeden Tag den Rucksack packen und irgendwo hinfahren, um in der Natur zu sein. Es war anstrengend.

Vielleicht habe ich es zu der Zeit auch nur so empfunden. Wir waren den ganzen Tag unterwegs. Von mittags bis abends.

Hauptsache raus. Hauptsache nicht nachdenken müssen. Hauptsache nicht in dieser kleinen Wohnung sein.

Einmal fragte ich den Vermieter, ob ich nicht mit den Jungs ab und zu in den Garten dürfe. Mal ein Rad schlagen, Picknick. Keine Löcher graben oder Sonstiges.

Er sagte ganz klar nein. In der Gießkanne vorm Haus hätte er nämlich 3 Steine gefunden und hatte jetzt schon Angst um seinen Garten und was wir dort wohl anstellen würden.

Ich hatte Tränen in den Augen. Das weiss ich noch.

Als mein Sohn irgendwann vom Stellplatz übers Gras zum Hauseingang lief, schrie er ihm hinterher, dass er das nicht mehr sehen will. Es gäbe nicht umsonst einen Gehweg! Da hatte er Tränen in den Augen.

Am nächsten Tag war an der Stelle ein Zaun. Ich war sprachlos und fühlte mich so unwohl. Der Preis war aber gut und etwas Größeres hätten wir uns nicht leisten können.

Irgendwann passierte es.

Das Haus wurde verkauft und der grimmige Kinderfeind zog aus.

Seitdem hat sich viel geändert. Alles!

Der neue Vermieter riss an Tag 2 schon den Zaun ab, der für meinen Sohn errichtet wurde. Ich schmunzelte.

Wir durften jetzt offiziell übers Gras laufen.

Der neue Vermieter wunderte sich, warum wir immer in unserer Sackgasse Ball spielten und nicht in den Garten gehen, da sei doch so viel Platz. Er war sprachlos, als ich ihm erzählte, dass wir da noch nie waren.

Dann kam der Tag, als wir es wagten.

Wir betraten den heiligen Garten und es war fantastisch! Wir hatten Obstbäume, von denen wir nichts ahnten. Der Grosse rollte sich im Gras und kletterte auf alle Bäume.

Es dauerte lange alles zu erkunden, denn der Garten war so riesig.

Nach einigen Wochen stand da ne Schaukel und ne Turnstange.

Es wurde noch besser.

Irgendwann fragte ich den Vermieter, ob mein grosser Sohn sich ein Trampolin zum Geburtstag wünschen darf und ob er das im Garten erlaubt. Aber natürlich!

Mein Sohn sagte nie, dass er das Haus vermisst. Aber sein Trampolin, das dort zurückblieb vermisste er sehr.

Die Tage waren gerettet!

Stundenlang sprangen die beiden und waren so glücklich. Für mich wurde es auch viel leichter. Ich konnte einfach auf der Decke in der Sonne liegen und hatte mal keinen an mir kleben.

Mit meiner Sonnenbrille auf der Nase konnte ich so tun, als schaue ich zu ihnen, hatte die Augen aber geschlossen und dachte nach. Ab und an wachte ich auch von meinem eigenen Schnarchen auf.

Letztes Jahr gab es die größte Überraschung, die wirklich so richtig unser Leben geändert hat. Plötzlich standen 5 Schafe im Garten und wir konnten es nicht fassen. Ich weiss noch, dass ich laut lachte und nicht aufhören konnte. Vor Glück. So richtig und mit Tränen in den Augen.

Nach einer Woche kamen sie schon angerannt, wenn wir klatschten. Sie ließen alles geduldig über sich ergehen: Kuckuckspiele zb, indem dem Schaf mit den eigenen Ohren die Augen zugehoben wurden.

Wir verbrachten jeden Tag Stunden im Garten und es gab sooooo viel zu tun. Wir hatten so viel Platz und auch noch Tiere, die sich übrigens schnell vermehrt haben.

Kaum ein Tag vergeht, an dem wir ihnen nicht Karotten bringen und sie bürsten, streicheln, oder uns einfach über die handzahmen Tiere freuen.

Jetzt können sie Löcher graben, Insekten suchen, den Berg runterrollen, schaukeln, auf Bäume klettern und Verstecken spielen.

Im Sommer kommen noch Hühner und Enten dazu und wir haben so viel Glück!

Unser Leben hat sich dadurch komplett gewandelt. Ich stehe oft auf dem Balkon und schaue in den Garten. So viel Platz! 10 mal so gross wie der im Haus. Wir haben dort alles verloren, aber was wir gewonnen haben ist 1000 mal besser.

Ich bin so glücklich darüber, wie meine Kinder aufwachsen dürfen.

Jetzt haben wir sogar neue Nachbarn, 2 Mädchen im gleichen Alter wie meine Jungs. Sie verstehen sich sehr gut und toben oft zusammen. Ich freue mich so sehr auf den Frühling und den Sommer. Auf Picknick und auf der Decke eindösen.

Auf Flugzeug spielen unter freiem Himmel, auf Wolken im Liegen beobachten. Auf Stöcke schnitzen.

Auf Obst naschen direkt vom Baum.

Auf das Gefühl der Freiheit. Die schöne Aussicht. Auf Grasflecken, die beim Waschen nicht rausgehen.

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