Ferien, oder: wie mir die Puste ausging

Ich bin alleine. Um mich herum: RUHE!

Es ist Montag, die Ferien sind vorbei und ich habe heute frei. Ob meine Chefin beim Schreiben des Plans schon ahnte, dass ich das brauchen werde, oder es reiner Zufall ist, ich weiss es nicht.

Ferien sind toll, oder wie ich sage:

Anders anstrengend!

Diesmal habe ich gut durchgehalten und ich bin auch ein bisschen stolz auf mich.

„Ich mag jetzt nicht mehr“, stellte sich erst gestern im Laufe des Vormittages ein. Erstaunlich spät.

Ich merkte, wie mich die Lautstärke immer mehr nervte, wie ich innerlich die Augen verdrehte, wenn ein Kind etwas mit mir spielen wollte.

Mich trieb die Unordnung so allmählich in den Wahnsinn und der Satz „Ich hab Hunger“, machte mir schlechte Laune.

Jetzt kam der Egoismus durch, der Bock in mir:

Ich will jetzt nichts mehr für euch machen müssen, ich will nicht mehr spielen und kochen und hinter euch herräumen.

Ich kann eure Kämpfereien nicht mehr ertragen, auch wenn ihr kurz darauf wieder zusammen lacht.

Das Knallen der Türen lässt mich erstarren, wenn ihr euch vor dem Bruder in Sicherheit bringt.

Ich merke, wie ich meine Zähne fest zusammenbeisse, wenn aus den Kissen auf der Couch wieder eine Höhle gebaut wird.

Ich will nicht mehr mit euch rausgehen, weil ich weiss, was mich danach erwartet: Wäsche, Schuhe putzen, Bad putzen, weil es braun die Fliesen runterläuft und der Seifenspender voller Matsch ist.

Alles in mir schreit:

Ich will jetzt nur noch stundenlang auf die Couch sitzen, mich einkuscheln, Kaffee trinken, das Wort Mama nicht mehr hören, Disney Filme schauen, eine ordentliche Wohnung, saubere Böden.

Vielleicht sogar mal ohne Unterbrechung duschen und nicht schreien müssen: „Tür zu, es zieht!“ Alleine aufs Klo gehen wäre toll. Ohne „stell mir ne Aufgabe“ und „ich packe meinen Koffer.“

Bevor ich mich jetzt selber in Depressionen rede und mich für die schlimmste Mutter auf Erden halte, hier die Fakten.

Meine Fensterscheiben sind übersät mit Fingerabdrücken, weil meine Kinder dem Schnee zugeschaut haben, Sonnenaufgänge beobachtet und mehrere Marienkäfer gerettet haben.

Die Waschmaschine lief ungelogen jeden Tag, weil sie Berge runtergerollt sind, etwas gebaut haben, Ziegelsteine zu Pulver verarbeitet haben, Löcher gegraben, sich an Gartenarbeit beteiligt haben.

Sie sind mit dem Roller durch viele, viele Pfützen gefahren und ich hab die Augen zusammengekniffenen.

Sie haben sich hinfallen lassen, nur damit die 3 jährige Nachbarin auf der Schaukel lacht.

Sie sind auf Bäume geklettert, haben „Suppe gekocht“ und mit dem Stock gerührt. Sie haben geschnitzt und gesägt, damit die Schafe im Garten grüne Blätter fressen können, die sie so lieben.

Sie haben vor Freude geschrien, als ich fragte, wer Lust hat ins Schwimmbad zu gehen.

Wir haben Sterne beobachtet und den grossen Wagen gefunden.

Wir haben einen grossen Ausflug gemacht, der so entspannt war wie kein anderer zuvor. Nichts macht mich glücklicher, als meinen Jungs dabei zuzusehen, wie sie voller Begeisterung spielen.

Wie sie mit fremden Kindern zusammenarbeiten, was für tolle Einfälle sie haben. Wie der Kleine Ausschau nach dem Grossen hält und dann beruhigt weiterspielt.

Wie der Grosse sofort zur Stelle ist, wenn dem Zwerg die Steine von Älteren geklaut werden und er sich nicht durchsetzen kann.

Wir haben diesmal sehr viel gelacht und die Stimmung war gut.

Mehr als einmal hörte ich: „Du bist die beste Mama“, weil ich das Lieblingsessen machte, oder den berühmten „gesunden Teller“ brachte, damit der Film nicht wegen Hunger unterbrochen werden musste.

Wir haben viel gekuschelt und als ich mich in den Arm vom Zwerg legte, schloss er die Augen, lächelte sanft und sagte:

„Irgendwie tut mir das hier gut!“

Eins unserer Schafe im Garten hat 2 Babys bekommen und wir haben sie jeden Tag besucht und bestaunt.

Zum ersten Mal haben meine Jungs sich überwunden bei den neuen Nachbarn zu klingeln, die kein Wort deutsch können. Die 2 Mädels verstanden auf Anhieb und im Garten war Leben.

Essen wurde geteilt, auf die Kleinen wurde Rücksicht genommen und mal wieder konnte ich feststellen, wie emphatisch meine Kinder sind. Unabhängig von der Sprache und den dreckigen Händen.

Dass die Lehrerin gleich nach den Ferien die Arbeit zum Thema Überwinterung der Tiere ankündigte und wir uns in den Ferien damit beschäftigen mussten, nervte mich sehr.

Ich bin (inzwischen) absoluter Verfechter davon, dass Ferien Ferien bleiben sollen. Ich will schließlich in meinem Urlaub auch nicht kurz zur Arbeit. Auch wenn es nur 30 min vom ganzen Tag wären, würde es sich nicht wie Urlaub anfühlen.

Aber nur deswegen wusste jeder genau, was zu tun ist, als ein Igel an uns vorbeihuschte. Es herrschte grosse Aufregung und die Angst, er könne wegen dem Energieverlust im eigentlichen Winterschlaf sterben.

Ich denke, wir sind uns wieder etwas näher, haben uns wieder neu entdeckt, wieder besser kennengelernt.

Und umso besser wird uns jetzt der Abstand zueinander tun.

Eigentlich mag ich Alltag sehr. Dieser rote Faden. Wenn der Tag genau durchgetaktet ist und jeder weiss, was als Nächstes kommt.

Nach den Ferien ist vor den Ferien und ich freu mich drauf.

-ENDE-

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