„Alte Bekannte!“

Sarah Zöllner hat wieder eine Blogparade zu oben genanntem Thema eröffnet und sofort habe ich etwas damit verbunden.

Danke liebe Sarah und here I am…

https://mutter-und-sohn.blog/2023/12/09/blogparade-alte-bekannte/

Es ist gute 7 Jahre her, aber das Gefühl ist noch präsent und prägend.

Ich inmitten eines riesen Gefühlschaos, einer Berg und Talfahrt, frisch getrennt, mit viel bösen Blut und schlechter bis gar keiner Kommunikation.

Frisch eingezogen in der kleinen Wohnung, raus aus dem 2 Jahre alten Einfamilienhaus.

Ganz alleine mit zwei Kindern, damals 5 und 1 Jahr alt.

Meine damalige Freundin war eine große Stütze und erklärte sich bereit mit mir und den Kindern ins Haus zu gehen. Wir wollten weitere Dinge wie Kinderkleidung  abholen.

Ich konnte mir nicht vorstellen mit ihm alleine zu sein und fürchtete mich vor all dem, was gefühlstechnisch in der kurzen Zeit auf mich zukommen konnte.

Oben spielte er mit den Kindern.

Unten saßen die Freundin und ich auf dem Boden, sortierten Kleidung und zogen alle Schubladen auf, um zu schauen, was meins und was seins war.

Sie war wild am Machen, schmiss alles unsortiert in eine der Taschen.

Ich eher in mich gekehrt, tottraurig, hob immer wieder die kleinen Mützchen, Hosen und Bodys hoch und fragte mich:

„Wie konnte ich nur an diesen Punkt kommen!?“

Sie hob alles Mögliche hoch, fragte bei Unsicherheiten:

„Was ist damit?“

„Deins?“ 

„Willst du das mitnehmen?“

Ich sah im Augenwinkel, wie sie eine Uhr in unsere Tasche legte, die definitiv ganz klar als Männeruhr kenntlich war.

Die Sitizen Uhr vom Duty Free Flug nach Thailand.

Er kaufte damals diese Uhr, ich teures Parfum.

Ich sagte ihr, dass diese Uhr ihm gehöre und ihre Antwort war folgende:

„Hör auf zu spinnen! Die liegt hier rum und natürlich nimmst du sie mit. Du kannst sie verkaufen. Hör mir auf mit Moral und Anstand, überleg mal lieber, wie der dich behandelt hat!“

Ein müdes Lächeln meinerseits und die Uhr landete in der Tasche.

Wir lebten schon lange in unserer kleinen Wohnung und ich hatte die Uhr nie mehr gefunden.

Schon beim Auspacken damals fiel auf, dass die Uhr nicht dabei war.

Wir haben hin und herüberlegt. Wir konnten es uns nicht erklären.

Jahre später wollte ich mit meinen Jungs schwimmen gehen, es war schon die Zeit, in der Plastiktüten verpönt waren und ich hatte Mühe eine für die nassen Sachen danach zu finden.

Ich hatte eine Tüte gefunden, ganz hinten in einer Ecke des Küchenschrankes. In dieser Tüte waren noch mehr Tüten und in einer davon war einzeln eingerollt die Uhr von damals.

Ich starrte darauf und bekam einen Lachanfall. Ich schrie vor Freude und Erleichterung und konnte nicht aufhören zu lachen.

Diese Uhr zeigte mir Jahre später, wie viel weiter ich war als damals. Ich war wieder glücklich.

Die Jungs und ich waren ein gutes Team und fühlten uns in der Wohnung wohl.

Uns ging es finanziell soweit gut, ich hatte einen Job uns es reichte uns für Urlaube, ein Eis zwischendrin und mal ins Kino gehen.

Ich brauchte die Uhr jetzt nicht mehr. Zumindest war jetzt klar, dass ich sie nicht verkaufe, sondern sie einen ganz anderen Wert für mich hat.

Sie steht für Entwicklung.

Für:

„Die Zeit heilt keine Wunden, aber das Gefühl dazu verändert sich.“

Gründe, warum ich das Alleinerziehendsein feiere!

…und jahaaaa, das heisst nicht, dass ich ALLES daran feiere. Klar bin ich auch mal verzweifelt, mir wächst alles über den Kopf und ich wünschte, ich könnte mir die Verantwortung manchmal teilen.

Verheiratet, oder in einer Beziehung sein bringt, das allerdings nicht zwangsläufig mit sich.

Also feiere ich die Freiheit, die Spontanität und die Flexibilität.  Ich muss mit niemanden verhandeln und keinen mitziehen, der keine Lust hat.

Weder muss ich meine Beine rasieren und wenn, dann nur, weil ich es will.

Ich muss für niemanden kochen, ausser mich und meine Kinder…nur, worauf wir Lust haben. Und wenn ich keine Lust habe, gibt’s Kellogs. Keinen stört es hier.

Wenn die Kinder im Bett sind, kann ich einfach früh ins Bett. Da ist keiner, der noch nen Film mit mir schauen will. Meist war ich schon BIS zur Entscheidung welcher es sein soll komplett im Eimer. 

Ich war immer so zerrissen zwischen unendlicher Müdigkeit und „aber ihm muss ich ja auch irgendwie gerecht werden“.

Ich kann mich mit all dem beschäftigen, was mich interessiert und mir wichtig ist:

Die Sterne, Podcast, Hörbücher, Schreiben,  mich für meine Weiterbildungsprüfung vorbereiten, Persönlichkeitsentwicklung, Human design, Freundschaften pflegen, journaling, Politik.

Keiner, der sich lustig macht, über den Humbug schimpft und kein Stillstand.

Ich mach einfach mein Ding, esse 22 Uhr Rührei mit Tomaten, mit nem Hörbuch im Ohr und muss nicht teilen.

Abends ist Ruhe! Ich hab den ganzen Tag geredet.

5:20 Uhr beginnt mein Tag! Ich rede viel bei der Arbeit im Krankenhaus und danach gehen Diskussionen und Gespräche daheim weiter.

Abends ist einfach alles still- das ist so wertvoll. Unschlagbar!

Ich kann Geld ausgeben wofür ich will, ich muss mich nicht rechtfertigen.

Ich war noch nie so sehr ich selbst, habe Zeit mich zu reflektieren und Schattenthemen anzugehen. Keiner stört mich dabei.

Ich kann einfach weinen, wenn mir danach ist.

Ich kann den Tag selber gestalten, so wie es mir passt und wie ich es will.

Ich muss nur meinen Kindern hinterherräumen, das ist ok. Aber es liegen keine Männerkleider überall in der Wohnung verteilt.

Jeder meiner Freunde in der Vergangenheit war sehr unordentlich und jeder hatte ne Schmuddelecke, oder hat alles auf dem Fußboden verteilt.

Nö! Einfach nö! Das will ich nicht mehr!

Nur Sex haben, wenn man es auch wirklich will,- entweder man lässt es zu, oder hat eben ein schlechtes Gewissen, weil es schon Wochen her ist.

Man kann jederzeit gemütliche Unterwäsche anziehen, die nicht männertauglich ist. Hässlich, aber so bequem.

Ich kenne meine Kinder so verdammt gut, weil unser Team klein ist und wir so viel Zeit zusammen verbringen. Ich bin Gesprächspartner Nr 1. Das ist schön.

Daheim gehen fettige Haare schon mal, ohne sich mies zu fühlen.

Das Gefühl ein Superheld zu sein, weil man so viel schafft!

Das allerbeste daran ist jedoch, dass sich daraus so tolle Situationen ergeben:

In den Ferien waren meine Kinder so oft mit im Pflegeheim, lernten Krankheiten wie Demenz und den Tod kennen.

Wenn ich den Großen 22 uhr von der Schuldisko hole, ist der Zwerg im Schlafanzug, in eine dicke Decke eingewickelt und ich trage ihn huckepack zum Auto. Es ist stockdunkel und wir staunen über den schönen Mond.

Mit Baby bei der Lymphdrainage, inklusive einer Stillrunde.

Blutspenden mit 1 jährigem auf dem Bauch, kein Problem.

Gestern war ich mit Kind bei der Elternbeiratssitzung. Meine alleinerziehende Freundin und Nachbarin hatte ihren Sohn auch mit dabei. Sie bekamen den Nebenraum, konnten dort essen und spielen. Manchmal hörten wir sie lachen. Die zwei hatten Spaß, es war was Besonderes.

So was kommt mit Mann zu Hause nicht vor. Klar wäre das Kind dann daheim geblieben.

Ich feiere, wie kreativ ich immer wieder sein musste und was sich daraus ergeben hat.

Alleinerziehend, 2 Schulkinder und ich

So gern denke ich an die Kindergartenzeit zurück, als ich meine Kleinkinder abgeholt habe und wir entspannt direkt zum Spielplatz geschlendert sind.

Ich sehne mich so sehr danach!

Mit meinem ersten Schulkind war auch alles gut machbar. Er war schnell fertig mit den Hausaufgaben und es war immer noch genug Zeit fürs Freibad, oder eine andere Unternehmung an der frischen Luft.

Mit einem Kind in der weiterführenden Schule und einem in der Grundschule, ja, da sieht die Welt wieder etwas anders aus.

Gerade ist es sehr deutlich und es schlägt mir knallhart ins Gesicht:

Der größte Teil unserer gemeinsamen Zeit dreht sich um das Thema Schule. Ich habe Wut in mir, weil sie so viel Platz einnimmt und man nie Ruhe vor ihr hat.

Ein richtiger Spielverderber ist diese Schule. Ich kann sie echt nicht leiden, immer weniger. Diese Erkenntnis tut weh, denn ich werde mich noch lange mit ihr herumplagen müssen.

Morgens trudeln schon die Nachrichten aufs Handy, wer die kranke Klassenlehrerin vertritt.

Ich checke die Nachrichten in beiden Schulapps, damit ich nichts verpasse, verwechsle. Das passiert, wenn alles zu viel wird.

Mir ist wichtig, dass jeder alle nötigen Unterlagen und Bücher dabei hat. Ich schaue, ob der Hausschlüssel im Ranzen ist, weil der Große als erstes nach Hause kommt. Ich überprüfe in der App, ob ich dem Zwerg auch ja Mittagessen bestellt habe und was es gibt, damit ich ihn informieren kann.

Ich bitte ihn, dass er Gas gibt in der Hausaufgabenbetreuung, denn heute habe ich Weiterbildung und komme erst viel später nach Hause als sonst.

Ich informiere ihn und die Betreuung, dass er heute laufen soll und dass sein Bruder zu Hause wartet.

Ich komme fast zu spät, denn ich muss ganz schnell noch eine Überweisung bei meinem Hausarzt abholen, anders geht es nicht.

Aufgrund einer Baustelle bin ich gehetzt und gestresst.

Ich schaue auf die Uhr, es ist Mittag. Der Große müsste gleich zu Hause sein. Ich sehe auf dem Handy eine Sprachnachricht von ihm und ärgere mich, dass ich sie nicht hören kann. Ich hoffe, dass es unwichtig ist und bei ihm alles gut.

Ich schaue wieder auf die Uhr. Der Zwerg müsste jetzt losgelaufen sein. Hoffentlich kommt er gut an, denn ich bin weit weg von zu Hause.

Ich werde nervös. In der Pause frage ich den Großen, ob sein Bruder inzwischen daheim sei. Ewig nichts, dann ein simples „Ja“. Aufatmen.

Der Dozent überzieht. Er will nur noch 5 min Aufmerksamkeit. Ich bin in Gedanken schon daheim und kann mich nicht mehr konzentrieren. Ich rutsche ungeduldig hin und her. Ich hab so viel zu tun und es ist schon so spät!

Ich parke auf dem Stellplatz und mein Sohn klopft schon winkend ans Fenster zur Begrüßung.

Ich öffne die Tür und beide überrumpelt mich. Jeder möchte alles so schnell wie möglich loswerden. Ich habe Kopfschmerzen und freue mich dennoch, denn wir haben uns so viele Stunden nicht gesehen. Der eine will erstmal Eis essen.

Währenddessen sagt er mir, dass er noch einen Teil der Hausaufgaben machen muss. Ich schaue auf die Uhr. 17 Uhr.

Er will, dass ich mich neben ihn setze und seinen Rücken schnell reibe, bis die Stelle ganz warm wird. So gebe ich ihm sonst Energie. Aber heute ist mir nicht danach.

Er legt seinen Kopf auf dem Tisch ab und bewegt sich nicht mehr.

Er will danach Fernseh kucken, sonst macht er gar nichts. Das kommt für mich nicht in Frage.

Er fängt an zu schreien, ob ich eigentlich wüsste, wie anstrengend sein Tag war, denn er musste seine Mensakarte suchen. Alles platzte aus ihm raus.

Ich sagte, dass ich ihn so gut verstehe. Schule sei total anstrengend, das habe ich heute selbst gemerkt. Obwohl man nur sitzt, ist es sogar noch anstrengender als Arbeiten sagte ich. Er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

Wir drückten uns. Und wir taten uns leid.

Er musste noch ca 10 Wörter schreiben. Nichts passierte.

„Ich hab Hunger!“

Oh Gott, auf Kochen hatte ich so gar keine Lust und das Brot war 2 Tage alt, nicht sehr verlockend.

Wir einigten uns auf 2 Packungen Dinonuggets. Gott sei Dank! Zu mehr war ich auch nicht in der Lage.

Als er einfach nicht beginnen wollte, spürte ich die Wut. Ich legte mich auf die Couch und schloss für ein paar Minuten die Augen.

Ich hörte ihn, wie er dem Nachbarsjungen unseren Kater durchs Fenster zeigte und sie lachten.

Als er mich zu sich rief, hatte er alle Wörter fehlerfrei geschrieben. Wir packten endlich zusammen. 18 Uhr.

Der Große kam zum Essen und klagte, dass er so viele Hausaufgaben auf hätte. Gemacht hatte er noch nichts. Er gab mir die Termine der ersten Arbeiten durch und ich spüre Druck!

Von allen Seiten nur Druck. Wie soll ich das alles schaffen? Motivieren, Strukturieren, Vokabeln abfragen. Aussprache korrigieren. Üben.

Dem Zwerg fiel dann ein, dass sie in Englisch ein Gedicht auswendig lernen und vortragen müssen. Zum Glück kennt er es schon vom Bruder, denn der hatte vor 4 Jahren die gleiche Lehrerin in dem Fach. Wir üben kurz, aber er macht es schon sehr gut. 19 Uhr.

Ich erinnere ans Ranzen packen. Und sehne mich nach meinem Bett. Nach Ruhe. Heute hat er nicht laut vorgelesen und es gibt keine Unterschrift dafür. Das 1×1 sollten wir eigentlich noch wiederholen, den 6×7 und 4×8 sitzt noch nicht.

So viel zu tun. Aber ich bin nur einer. Der Tag war gefüllt. Die Waschmaschine läuft. Die Spülmaschine wird erst morgen ausgeräumt, obwohl das schmutzige Geschirr sich schon wieder stapelt. Ich liege. Und schreibe mir das von der Seele.

Schule- du und ich, wir werden keine Freunde mehr. Du machst dich ganz schön wichtig und bist sehr arrogant. Alles dreht sich ( fast) nur um dich. Und du nervst!

„Früher hat man noch gekämpft, heute trennt man sich gleich“

Gestern wurde eine Patienten eingeliefert, die ich gut aus dem Seniorenheim kannte, in dem ich vor Jahren gearbeitet habe.

Tatsächlich habe ich sie nie vergessen, denn mit ihr hatte ich mal ein langes Gespräch über Trennungen und Scheidungen.

Sie war empört, dass ich geschieden bin und sagte, sie verstehe so etwas nicht. Sie habe so einen guten Mann gehabt. Sicher, auch da hätte es mal Streit gegeben, aber dann habe man sich halt wieder zusammengerissen.

Trennung sei nie eine Option gewesen.

Sie fand, dass die Leute es sich heutzutage viel zu leicht machen und kaum käme die erste Krise, trenne man sich. Heute kämpfe doch keiner mehr.

Ich erinnere mich noch, wie verletzend das in dem Moment für mich klang, denn ich kann nicht behaupten, dass ich nicht gekämpft habe.

Ich versuchte mich selbst zu trösten, in dem ich mir sagte:

es ist eine andere Generation.

Die Zeiten haben sich geändert, so wie Menschen sich im Laufe einer Beziehung auch ändern können.

Ich weiß von meinem Ex- Mann, dass sein Opa mit der Faust auf den Tisch haute, wenn die Suppe nicht heiß war und seine Oma stand sofort auf und ging mit ihr zum Aufwärmen.

Ja, so schafft man die goldene Hochzeit problemlos.

Was hatte sie aber für eine Wahl?!?

Ich kenne „gut laufende“ Beziehungen, von denen ich weiß, dass er regelmäßig in den Puff geht. Wäre die Ehe so glücklich, wenn sie davon wüßte?

Egal ob die Frau geschlagen und gedemütigt wurde, der Mann die Hälfte der Woche betrunken war, er jedem Rockzipfel hinterhergeschaut hat und egal, ob er sich wo anders holte, was sie ihm nicht geben konnte.

Sie blieb.

Egal, ob er sie die Treppe runterdonnerte und egal, wie oft sie weinend wach lag, während er schon lang schlief.

Egal, ob es einverständlich war, wenn ihn die Lust überkam, sie hatte herzuhalten und ließ es über sich ergehen.

Sie blieb.

Ja, es ist traurig, daß es so viele Trennungen gibt, so viele zerrüttete Familien. Kinder, die Papa nur am Wochenende sehen, Patchwork und das alles. Ja, das gab es früher alles nicht.

Aber war man deswegen früher glücklicher in Beziehungen? Ich bezweifle es!

Ja, heute gehen viele Ehen auseinander.

Was aber auch bedeutet, daß nur die zusammen sind, die es wirklich wollen.

( im Normalfall!)

Heutzutage haben Frauen mehr Möglichkeiten. Man muss nicht mehr bei einem Mann bleiben, der einen wie Dreck behandelt, missbraucht, ob psychisch oder körperlich.

Und ja, manchmal gehen Ehen auch „nur“ deswegen auseinander, weil man sich in verschiedene Richtungen entwickelt, nicht miteinander reden kann und irgendwann feststellt, dass man sich nichts mehr zu sagen hat.

Ich glaube absolut an die Liebe!

Ich finde es großartig, wenn Paare um ihre Beziehung kämpfen. Weil es zwar Probleme gibt, aber sie sich lieben!

Im besten Fall gehen sie zur Therapie und holen sich Hilfe.

Für die alte Generation muss es hart sein.

Sie sind aber meist nicht reflektiert genug, um zu erkennen, wie die Dinge waren.

Es reicht nicht mehr zu sagen, wie viele Jahre man verheiratet ist. Das sagt rein gar nichts über die Ehe aus.

Leichtigkeit als Alleinerziehende- es braucht so wenig!

Heute lief wirklich nichts nach Plan, wirklich gar nichts.

Ich schnappte die Kinder und wir gingen ins Freibad.

Freibad geht immer.

Jedes meiner Kinder hatte einen Freund entdeckt und der Große sprang sofort los, kaum am Platz angekommen.

Es war einer dieser Tage…

Wir waren die letzten, die gingen.

Mit dem Großen hab ich unser Ballsspiel im Wasser gespielt, wir haben einen neuen Rekord aufgestellt und waren ganz außer Atem.

Mit ihm war ich auch sehr oft auf der Rutsche. Auch, als ich schon kaum mehr die Treppen hochkam.

„Auf Mama, das ist Sport, du magst Sport, ich hab gezählt, es sind 89 Stufen!“

Er genoß die Zeit mit mir alleine so sehr, das spürte ich deutlich.

Wir haben uns gejagt und sind unten im Wasser aneinandergestoßen, der eine hat den anderen mit runtergezogen.

Ich schrie vor Freude auf, bekam sekundenlang keine Luft vor Lachen.

Mein Blick traf eine Frau, die uns von der Bank aus zuschaute. Sie lächelte mich freundlich an und es schien, als freue sie sich mit uns.

Der Zwerg kam dazu und es ging zu dritt weiter. Wir hatten so einen Spaß.

Heute war so ein Tag…ich hab zu nichts nein gesagt, egal, was sie mit mir machen wollten.

Ich spüre deutlich:

Die Leichtigkeit kommt zurück. Immer öfter und sie hält immer länger an.

Ich fühl mich so frei! Ich kann Sport machen, ich kann Bahnen schwimmen, inzwischen ganz ungestört.

Es ist einfach pure Lebensfreude, alles kann, nichts muss.

Wir machen, was uns gut tut, bleiben, wo es schön ist, solange, wie wir wollen.

Ich sehe die Strandfotos von Freunden und Bekannten. Ich freue mich für Sie und spüre weder Neid, noch Missgunst.

Wir sehen dieses Jahr kein Meer. Es war finanziell nicht drin. Und es ist o.k.

Wir machen hier schöne Sachen und es gibt so viel um uns herum, das wir noch nie gesehen haben und noch nie gemacht haben.

Es war einer dieser Tage…Balsam für die Seele.

Mit ganz viel Liebe, Harmonie, Drücken und Spaß. Die Laune könnte nicht besser sein an einem Tag wie heute.

Seelenruhe. Freier Kopf. Glücksgefühle.

Wir als Team. Nichts fehlt. Alles ist perfekt!

Zeugnisse

Für meine Kinder war das ein sehr, sehr hartes Schuljahr mit vielen Veränderungen.

Kaum hatte das Jahr begonnen, kam es zur Trennung vom Papa und dessen Freundin. Der Halbbruder zog weiter weg und sie sehen ihn viel seltener.

Die Umgänge und Ferien beim Papa fielen komplett aus. Es gab so, so viele Enttäuschungen, dass mein Großer nichts mehr von ihm wissen will. Er beantwortet keine seiner Nachrichten, erwidert keine Anrufe, nichts.

Bei ihm folgte eine Phase, puuuuh, ich wollte ihn täglich auf den Mond schießen, bei allem Verständnis für die Situation. Lange schob ich es auf die (Vor-) Pubertät, die Müdigkeit und all das.

Als das Sekretariat der Schule aber fast wöchentlich auf meinem Display erschien, weil es Sohn nicht gut gehe, wusste ich, hier ist Handlungsbedarf.

Die Blutabnahme beim Kinderarzt ergab einen enormen Vitamin D Mangel, der alles erklärte: Bauchweh, Konzentrationsprobleme, Schwindel, Krankheitsanfälligkeit. Und müde, müde, müde.

Nach zwei Wochen mit Tabletten war er wieder das Kind, das ich kannte. Er trainierte jeden Tag in seinem Zimmer, war fit, gesund und brauchte keine 3 stündigen Mittagsschläfchen.

Kleiner Sohn mit Verdacht auf Dyskalkulie und ADS, von dem sich nichts bestätigt hat. Er ist ein Träumer, ja und Mathe liegt ihm nicht, ja.

Beide haben sich so sehr angestrengt, alles gegeben, mehr war nicht drin.

Und es ist ok.

Als erstes kam der Zwerg mit seinem Zeugnis nach Hause und wollte, dass ich seine Noten rate. In Mathe war es sogar besser als von uns angenommen und ausgerechnet.

Wir sprangen uns in die Arme und von mir fiel alles, alles ab. Die zweite Klasse war geschafft, was danach kommt, werden wir sehen.

Erstmal war ich einfach nur froh und von Herzen stolz und glücklich.

Ich las den langen Text und hatte Tränen in den Augen. Viel mehr als Noten ist mir was anderes wichtig.

Da stand, er sei freundlich den Lehrern gegenüber, aufgeschlossen und offen den Mitschülern gegenüber, löst Konflikte gewaltfrei. Wurde im Laufe der Zeit immer selbstbewusster. Hilfsbereit. Arbeitet gern mit anderen Kindern zusammen.

Ja, das ist mir wichtig.

Er hat große Ausdauer im Sport und eine sehr gute Körperbeherrschung. Seine Stärke! Er wurde gesehen. So, wie ich ihn sehe.

Er erzählte von einem Jungen aus der Parallelklasse, der es in Mathe und Deutsch auf ne 1 geschafft hat. Wow!

Abends bei der Abschlussfeier trafen wir genau ihn mit seiner Mama. Ich ging auf ihn zu, gratulierte ihm und lobte ihn. Seine Mutter lächelte nicht und verdrehte die Augen:

„Ja, zwei Einser, aber was da im Text stand über ihn, das war nicht ganz so schön!“

An diesem Tag war ich einfach nur glücklich und beselt. Froh, dass ich so zufrieden mit meinem Kind sein konnte, auch wenn er keine Bestnoten hatte.

Was für ein tolles Gefühl! Denn für mich ist er der Beste! So wie er ist! Mit all seinen Stärken und Schwächen.

Der Große will nächstes Jahr Gas geben, von Anfang an. Er ist nicht so zufrieden mit seinen Noten, denkt, das geht viel besser.

Ich konnte es so annehmen, ohne ihn schlecht zu machen, oder zu Tadeln.

Es ist einfach ok. Ich sage es nicht nur, ich fühle es.

Wenn ich jetzt daran denke, was meine Freundin damals schrieb, als ich beim Einkaufen war.

Es traf mich so sehr und ich stand mit Tränen an der Käsetheke:

„Er hat seinen Vater verloren!“

Ja, wenn man sich das bewusst macht, weiss man, wieviel auf seinen kleinen Schultern lastet. Er hat es gut gemacht.

Von blöden Tagen und kleinen Helden

Mir ging es heute nicht so gut.

Alle posten ihre tollen Ferienunternehmungen und das machte mich traurig.

Bei uns ist diesmal nichts möglich, was Geld kostet, seit der Vater keinen Unterhalt mehr zahlt.

Da ist dieses Gefühl, das ich seit Jahren nicht mehr hatte:

Ich kann meinen Kindern nichts bieten!

Meine Bekannte lobte gestern beim gemeinsamen Essen meine Kinder sehr. Sie war sicher, dass meine Jungs alles was ich für sie tuhe und mit ihnen mache zu schätzen wissen. Sie sehe das!

Mein Großer hat keinen Kontakt mehr zu seinem Papa und will nichts mit ihm zu tun haben.

Der Zwerg trifft sich noch ab und zu mit ihm fürs Kino. Es ist selten und dauert nur wenige Stunden, aber für ihn ist das so o.k.

Jedes Mal hat er dadurch die finanziellen Vorteile. Ihm wird an dem Tag alles gekauft, was er sich wünscht:

Nachos, Popcorn, oder blaue M&ms, danach noch Eis.

Jedesmal wenn er heim kam, winkte er fröhlich mit Geldscheinen von Papa.

Beim 1. Mal hat der Grosse nichts gesagt, er nimmt es so hin und lässt sich eh nicht kaufen meint er.

Letzte Woche kam der Zwerg wieder mit zwei Fünfern wedelnd die Treppe hoch.

Der Große ging ihm entgegen und war sicher, dass ein Schein für ihn sei.

Der Zwerg sagte aber empört:

„Nö, nö, nö…DU willst dich ja nicht mit ihm treffen!“

Der Grosse fragte nochmal nach, ob Papa wirklich nicht gesagt habe, dass ein Schein für ihn sei…akzeptierte dann.

Mir tat das unheimlich leid für ihn, ich sagte aber nichts.

Ich war innerlich sehr wütend auf den Vater. Für mich ist das Erpressung und ich finde es nicht in Ordnung.

Ihm das sagen wollte ich nicht, weil ich weiss, es würde nichts bringen und er würde nicht verstehen, um was es mir geht.

Es würde dazu führen, dass der Zwerg auch nichts mehr bekommt. Vielleicht mit dem Hinweis:

„Bedank dich bei deiner Mutter!“

An dem Abend kam der Zwerg zu mir und fragte mich:

„Mama, wärst du stolz auf mich, wenn ich ihm einen Schein abgeben würde?“

Ich war gerührt davon, dass er selber auf die Idee kommt und scheinbar etwas Mitleid mit seinem Bruder hatte.

Es scheint ihn beschäftigt zu haben, denn die Frage kam Stunden später.

Ich überlegte laut:

„Hmmm, ich würde es toll finden, wenn du ihm einen Fünfer abgibst. Aber letztendlich ist es dein Geld und du musst es nicht. Was sagt denn dein Bauchgefühl?“

Er entschied sich dagegen, weil ihm dann einfiel, wie gemein der Bruder manchmal zu ihm ist und der ihm sicher nichts abgegeben hätte, wäre es anders herum.

Wir haben nicht mehr darüber geredet, es war ok.

Mit dem Großen habe ich die Situation besprochen, auch, dass ich es nicht gerecht finde, weil er ja trotzdem sein Sohn ist, egal, ob er ihn sehen will, oder nicht. Dass ich das so nicht in Ordnung finde, aber es seine Entscheidung ist und ich es nicht ansprechen werde.

„Es ist mir egal Mama, echt!“

Heute eben dieser Tag, an dem ich etwas traurig war und Selbstzweifel hatte. Wir packten die Tasche fürs Freibad und ich sagte wie immer:

“ Wer sich dort etwas kaufen will, nimmt bitte seinen Geldbeutel mit. Ich kaufe kein Eis, keine Süßigkeiten, nichts!“

Wir haben immer genug zum Essen dabei, so ist es nicht. Dort gekauft wird nichts. Meine Kinder wissen das und ärgern sich manchmal, wenn sie die Geldbeutel vergessen haben.

Wir waren alle in der Küche, ich packte zusammen und hörte den Zwerg zu seinem Bruder sagen:

„Hier! Aber den nimmst du mit ins Freibad und kaufst dir dort was.“

Dann sah ich im Augenwinkel, wie er ihm den Fünfer gab. Der Grosse war offensichtlich überrascht und sagte: „Oha. Danke!“

Und ich weinte. Ich schaute meine Kinder an, konnte nichts mehr sagen und die Tränen liefen und liefen.

„Hä, warum weinst du Mama?“

Ich konnte nichts sagen.

Auf dem Weg zum Auto beugte ich mich zum Zwerg runter und sagte ihm, wie toll ich seine Geste finde. Dass das so dermaßen stark war und ich ihn genau dafür so sehr liebe: sein riesengroßes Herz.

Dass er sich das immer beibehalten soll, denn nicht alle sind wie er.

„Du hast heute die Gerechtigkeit hergestellt“.

„Immer ein Team“, hat der Grosse seinem neu geborenen Bruder damals ins Ohr geflüstert.

Das ist wohl angekommen.

Im Herzen bin ich heute sowas von reich. Das kann mir keiner nehmen.

Über neue Jobs, gute und schlechte Vorgesetzte und Vereinbarkeit

Am 17.4 war mein 1.Tag im neuen Job.
Ich bin angekommen!
Es war eine größere Umstellung als ich dachte. Regelmäßig 4 Tage am Stück arbeiten kannte ich bis jetzt nicht wirklich. Vorm Arbeitswochenende hatte ich immer ein paar Tage frei.

Pfingsten hätte ich jetzt gearbeitet ohne den Wechsel,  so wie jedes Jahr.
Stattdessen gammeln wir rum und essen Waffeln auf der Couch. Im Schlafanzug.
Der Wechsel war anstrengend. Alles was neu ist, macht erstmal Angst und ich wusste, es wird hart. Vor allem als Alleinerziehende.
Meine Schicht ist ja nach der offiziellen Schicht nicht beendet, daheim geht es weiter.
Neue Jobs sind kräfteraubend, man hat keine Ahnung wie es läuft und muss sich so viel Neues merken. Man hat Kollegen, von denen man noch nicht weiss, wie sie ticken.
Man will alles gut und richtig machen, im Hinterkopf die Gedanken an die Kinder, die To- do Liste der nächsten Tage und die Probleme der letzten, sehr anstrengenden Wochen.
Ich habe gewechselt, weil ich den Satz einer alten Kollegin immer im Hinterkopf hatte:
„Du bist DANN bereit zu gehen, wenn der Frust vom Alten grösser ist als die Angst vor dem Neuen.“

Ich hab nicht gefragt, wie die Urlaubsregelung ist, vor allem, weil meine Probezeit die Sommerferien betrifft. Ich wusste nur, es wird irgendwie klappen und ich bekomme das irgendwie hin.

Bleiben ist keine Option, dafür war ich zu unglücklich und wurde zu wenig gewertschätzt.

Hey, an dem Punkt war ich schon mal erinnerte ich mich.

Ich hatte Vertrauen in das Leben!

So viele Jahre kämpfe ich mit der schlechten Vereinbarkeit als arbeitende, alleinerziehende Mama.

So oft stand ich vor für mich unlösbaren Problemen, wie zb maximal 2 Wochen am Stück Urlaub in den Sommerferien, obwohl 3 Wochen ohne jegliche Betreuung ist.

Jedes 2. Wochenende arbeiten, obwohl die Umgänge teilweise wegbrachen.

Irgendwie ging es. Irgendwie haben wir es geschafft.

Rückwirkend haben meine Kinder und ich ganz schön was geleistet und ich bin sehr stolz. Sie sind dadurch selbständig geworden. Sie hatten aber gleichzeitig auch viel Verantwortung. Sie haben es geschafft dank Asiasuppen, Currywurst für die Mikrowelle, Wraps und Pfannkuchen.

Für mich als Mutter war es kein gutes Gefühl.

Wenn ich nach der Frühschicht heimkam, hätte ich ein Nickerchen gebraucht. Stattdessen sprangen mir meine Kinder in die Arme, machten den Fernseher aus und waren komplett überdreht, wild und unausgelastet. Sie wollten action!

Ich wollte etwas Ruhe. Keiner bekam das was er wollte, stattdessen trafen wir uns am Küchentisch und holten Hausaufgaben nach, oder lernten für kommende Arbeiten.

Es ging vorbei. Und es war klar, das ist für uns alle auf Dauer keine gute Situation.

Jetzt habe ich alle Wochenenden frei, alle Feiertage. Es ist so komisch. Und so schön, wenn man sich daran gewöhnt hat.

Ich arbeite jetzt nur noch, wenn meine Kinder in der Schule sind, oder in der Betreuung. Sind sie zu Hause und haben frei, habe ich es auch.

Mir haben am Anfang meine freien Tage unter der Woche gefehlt. Da hatte ich Zeit für mich, habe Sport gemacht, Erledigungen, Schreibkram, Haushalt, Wäsche und Einkauf.

Jetzt muss alles nebenbei laufen. In Anwesenheit der Kinder. Ich muss noch besser organisieren, damit unsere Wohnung an den Arbeitstagen unter der Woche nicht wie ein Schweinestall aussieht.

Unbezahlbar jedoch ist:

Gemeinsame Zeit. Freie Wochenenden. Freie Feiertage.

Ein Dienstplan, der von Monat zu Monat mit mir abgestimmt wird:

„Wie und wann willst du arbeiten?“

Wünsche ich mir frei, weil an dem Tag mein Sohn Geburtstag hat, sagt sie:

„Klar geht das!“

Wenn ich mir ein paar freie Tage wünsche, weil unsere Katze bald bei uns einzieht, macht sie es möglich.

Urlaub nehmen in den Ferien:

„Warum nicht?“

Drei Wochen Urlaub in den Sommerferien:

„Das geht, klar!“

Als sie noch 10 freie Tage extra draufgelegt hat im August, hatte ich Tränen in den Augen.

Im August arbeite ich 4 Tage, den Rest können wir Schwimmen und Eis essen gehen, die Seele baumeln lassen.

Ich wünsche jeder Alleinerziehenden eine Vorgesetzte wie meine.

Eine, die alles möglich macht und sagt:

„Warum sollte ich da jemanden Steine in den Weg legen?“

Das ist das erste Mal, daß ich Krankenschwester bin UND es leicht ist.

Was mein kleiner Sohn mich lehrt

Im Nachinein betrachtet, war ich einer der oberflächlichsten Menschen, die ich kenne. Und das sehr lange.

Ich habe be-wertet, ent-wertet, in Schubladen gesteckt und ganz schnell entschieden, oft nur aufgrund einer Momentaufnahme.

„Geht gar nicht!“

„Das macht man nicht!“

„Wie peinlich!“

„Gute Mutter, schlechte Mutter!“

Mein erster Sohn hat mich mir selber ein Stück näher gebracht.

Wir sind uns sehr ähnlich: laut, aktiv, immer in Bewegung, alles schnell schnell. Ein bisschen hier, ein bisschen dort, nirgendwo ganz. Wir sind schnell auf 180 und dann reumütig zurück.

Ich weiss nicht, ob es mein 2. Sohn war, oder meine Bruchlandung in der Ehe, die mich an diesen Punkt katapultiert hat.

Mein zweiter Sohn ist so ganz anders als wir. Er ist ruhig. Kann sich stundenlang mit einer Sache beschäftigen. Er redet nicht so viel und zeigt Gefühle nicht so deutlich.

Alles, was beim Großen geklappt hat, kann ich beim Zwerg nicht anwenden.

Bei ihm muss ich erst hinter all die Fassaden an ihn ran. Ich muss hinsehen. Mich ihm zuwenden. Mich hingeben. Ich muss ruhig werden. Sanft. Ihn kann ich nicht bewerten und beurteilen, weil bei ihm alle Maßstäbe nicht passen. Er hat seine eigene Schublade und da passt kein anderer rein.

Es brauchte erst den Verdacht auf Dyskalkulie und ADS, bis ich wachgerüttelt wurde. Er tickt anders. Wir sind zusammen durch einige Untersuchungen gegangen. Er schreiend und weinend, ängstlich und überfordert. Ich als seine Stütze, sein sicherer Hafen.

Die mit dem Blick voller Liebe für ihn.

Ich sehe ihn! Endlich! Durch seine weiche Art ging er oft unter. Er drängt sich nicht in den Mittelpunkt. Bei ihm braucht man sehr feine Antennen, um ihn zu durchschauen.

Ich war so in Sorge um ihn, was das alles mit ihm macht, wenn es sich bestätigt. Was da auf uns zukommt und ob wir dem gewachsen sind.

Ob ich meiner Meinung treu bleibe, dass ich niemals auf Medikamente zurückgreifen würde, egal was kommt.

Weg war dieses „Was werden die Leute sagen?“

Ein Kind im Gymnasium und eins, dass in der 2. Klasse schon nicht so gut mitkommt.

Mir ging es einzig und allein um mein Kind. Um uns als Familie. An dem Punkt wurden mir meine Augen geöffnet.

Ich muss aufhören, mit diesem Maßstab durch die Welt zu rennen und einzuteilen in gut- böse, klug- dumm. Nett- blöd. Gute Mutter- schlechte Mutter.

Bei uns hat sich ALLES seither verändert.

Nichts davon wurde als Diagnose bestätigt. Er ist einfach er! Und ich schaffe es ihn so anzunehmen.

Er, der etwas länger braucht und kompliziert denkt bei ganz einfachen Dingen.

Der, für den „grün“ ein Nomen ist und kein Adjektiv, weil man doch sagt: „Gib mir mal die Grün!“

Der, der sich 8×8, 9×9 und 7×4 merken kann, aber mit der 10er Reihe seine Probleme hat.

Er, mit dessen Noten ich nicht angeben kann und doch nicht stolzer auf ihn sein kann. Er, mit dem ich es von ganzem Herzen schaffe, mich über ne drei zu freuen und bei einer 4 zu motivieren und es gut sein lasse, statt zu tadeln und klein zu machen.

Denn für mich ist er ganz groß! Er hat etwas, was viele nicht haben: emotionale Intelligenz.

Dafür gibt es leider kein Fach in der Schule. Was sagt das also schon über ihn aus? Maximal, dass der Maßstab, mit dem gemessen wird nicht passt. Nicht zu jedem Kind. Weil eben nicht alle Kinder gleich sind, nicht das gleiche wissen und nicht im gleichen Tempo lernen.

Nicht, dass er dumm ist, nicht, dass ich mich nicht mit ihm beschäftige, nicht, dass ich ne schlechte Mutter bin.

Unsere Beziehung ist an all dem so sehr gewachsen. Seither liebe ich Hausaufgaben mit ihm, weil es schön ist für ihn da zu sein.

Ich liebe ihn als Mensch, als mein Kind. Nicht mehr als seinen Bruder, aber gewiss auch nicht weniger. Vielleicht anders. Weil er mich anders braucht.

Er ist das reinste Wesen mit einer 100jährigen Seele. Er hat das grösste Herz und kann so gut Gefühle lesen. Er hat so feine Antennen und ihm kann man nichts vormachen.

Ich weiss, dass ich mit ihm alles schaffen kann und an ihm wachse ich so sehr.

Er ist meine Lernaufgabe im Leben. Und ich bin sowas von bereit!

Trigger

Letztens las ich einen Beitrag einer Mama, die unsicher war, ob sie 50% im neuen Job schaffen würde, denn sie hatte sich auf 40% beworben.

Mir sprangen die Kommentare sofort ins Gesicht, von wegen 50% sei ja nichts. Eine schrieb, sie arbeite 75% und alles sei easy. Die andere arbeitete 100% bei 3 Kindern und fand es gut machbar, es komme nur drauf an, wie man sich strukturiert.

80% mit 2 Kindern, alles gar kein Problem.

„50% ist ja nichts, denk an deine Rente später!“

„50% sind ja gerade mal 20 Stunden die Woche, also 4 pro Tag. Das lässt sich doch super mit den Betreuungszeiten abdecken.“

Ich hatte gerade nen Höllenmonat hinter mir, war gerade mal 2 Wochen im neuen Job. Alles war aufregend, wir mussten uns alle neu drauf einstellen, denn ich arbeite jetzt geregelt. Nur noch von Mo- Do. 50%.

Und ich kämpfte sowas von. Alles andere als easy. Fühlt sich so gar nicht leicht und geschmeidig an. Und ich empfinde mich als seeeehr strukturiert.

Da brauchte es liebe Worte von der lieben Freundin, die alles wieder zurechtrückte.

Neuer Job, keine Umgangswochenenden, keine Entlastung durch Familie. Kein homeoffice. Kein Bürojob, sondern was soziales. Mit viel Gerenne und Verantwortung. Und nein, nicht 4 Stunden am Tag. Sondern 7 plus 40 Minuten Fahrzeit pro Tag.

50% können so, so, so unterschiedlich sein.

Trigger!

Weil alte Glaubenssätze hochkommen.

Wieder dieses: „Du bist nicht gut genug“.

Je nachdem, wie du die Welt gerade siehst, dich fühlst und was in deinem Leben gerade so los ist.

Letztens sagte mir meine Freundin, dass sie sich manchmal von mir getriggert fühlt, wenn sie sieht, was ich mit meinen Jungs alles unternehme und wieviel Zeit ich mit ihnen verbringe.

Das war für mich irgendwie unfassbar und ich musste lange darüber nachdenken. Sie ist für mich ein Supermensch. Was sie alles gleichzeitig hinbekommt, ich würde das nicht schaffen glaube ich.

Wenn sie mir erzählt, dass sie so gerne mit ihren Kindern eine wilde Nerf- Schlacht veranstaltet, halte ich kurz die Luft an.

Wow! Das würden meine Kinder feiern. Ich stelle es mir so lustig vor. Laut und mit viel Lachen, danach erschöpft auf die Couch plumpen lassen.

Ich hab das noch nie gemacht und habe auch keinerlei Lust drauf.

Wir beide können tolle Mamas sein, keine besser als die andere.

Mich triggert die 1-2 in der Mathearbeit, die ich im Status einer Bekannten sehe, wenn mein Sohn „nur“ ne 3-4 hat.

Was sagt das aus? Mach ich meinen Job als Mama deswegen schlechter? Ist mein Kind deswegen weniger liebenswert? Sicher nicht.

Soll sie aufhören Noten zu posten? Es ist MEIN Problem! Ich muss damit umgehen lernen. Raus aus dem Mangel und sich deswegen schlecht fühlen.

Ich will nicht neidisch sein. Es ist so ein ekelhaftes Gefühl, wenn es aufkommt.

Wenn mein Kind auch ne gute Note hat, stört es mich ja nicht. Dieses Vergleichen ist so anstrengend. Denn keine Mama möchte ihr Kind gegen ein anderes eintauschen.

Mein Sohn wurde letztens gefragt, ob er jetzt vereinsmäßig etwas anderes macht, seit er erst mit Kunstturnen, dann Fussball aufgehört hat.

„Naja, ich bin im Karate angemeldet, aber da geh ich eigentlich auch nicht wirklich hin.“

Mitleidiger Blick seines Gegenübers.

Ich konnte innerlich schmunzeln. Ich hatte nicht das Bedürfnis hinzuzufügen, dass er seit Monaten mehr Sport als je zuvor macht. Zwar nicht im Verein, sondern nur ganz für sich allein im Zimmer. Ich könnte nicht stolzer auf ihn sein. Eine unserer Gemeinsamkeiten: Gespräche über Gewichte und Übungen, Muskelgruppen und all das. Er interessiert sich für das Thema Ernährung und was es braucht für ein gesundes Leben.

Ich sehe, wie ihn das entspannter durch den Tag trägt. Ist er gereizt und wütend, knallt er vielleicht die Tür zu, ja. Aber dann höre ich laute Musik und seine App, die von 5 runterzählt.

Nach dem festgestellten Vitamin D Mangel, als er nur geschlafen hat und nichts sonst…ich freue mich.

Unser Deal war eigentlich nur:

Entweder mittwochs zum Karate, oder hier zu Hause was machen. Ganz ohne Sport, nein! Was sich daraus entwickelt hat, Wahnsinn!

Keine Mama ist besser oder schlechter als die andere, sondern genau die richtige für ihr Kind.

Ich glaube ganz fest daran, daß jedes Kind sich seine Familie und die ihm damit aufgetragene Lernaufgabe selbst aussucht.

Es geht einzig und allein um eigene Werte und was einem wichtig ist. Wir haben alle unterschiedliche Werte und Ansprüche an uns selbst. Je nachdem, was uns selbst mit auf den Weg gegeben wurde.

Ich weiss, dass ich für jeden Trigger dankbar bin. Nicht in dem Moment des ekligen Gefühles, aber dann später. Wenn ich rausgefunden habe, wieso und warum mich das so trifft. Wo be- trifft es mich?

Immer wieder spannend, was da so hochkommt und verarbeitet werden will.