Als ich mich endlich aus meiner toxischen Beziehung gelöst habe, hatte ich nur einen Wunsch: Ruhe.
Bis ich das Ende richtig realisiert und mein Leben neu geordnet hatte, vergingen Monate. Ich musste mich um Wohnung, Finanzen, Arbeit, Kinderbetreuung und Kitaplatz kümmern, es gab zu wenig Zeit und noch weniger Geduld.
Ich war ein Wrack und ein Nervenbündel, ich hatte Zusammenbrüche und immer, wenn ich dachte, das Schlimmste ist rum und es kehrt Ruhe ein, liess der Ex- Partner sich was Neues einfallen, damit es nicht ZU langweilig und ruhig wurde.
Das letzte woran ich dachte war mich kopfüber in eine neue Beziehung zu stürzen. Gott bewahre!

Ich versuchte meinen Kindern ein Minimum an Stabilität zu bieten, ein bisschen Alltag zu ermöglichen und nahm mir viel Zeit für Gespräche. Das machte mit uns Allen was, wir hatten viel zum Verarbeiten.
Als ich mich etwas gefasst hatte, brachen die vielen Fragen auf mich ein.
Warum bist du an ihn geraten?
Warum bist du so lang geblieben?
Wer bin ich und wer will ich sein?
Wie definiere ich für mich eine gute Beziehung?
Was ist für mich wichtig?
Was lief hier so dermaßen gewaltig schief?
Ich las Bücher über Bücher, ich hörte Podcasts und informierte mich.
Ich schrieb viel auf, dabei bekam ich viele Antworten und hatte schmerzhafte Aha- Momente.
Man kann dabei nicht so ein bisschen an der Oberfläche kratzen und dann weitermachen. Man muss zurück in die Kindheit und ganz am Anfang starten.
Ich betrachtete unsere Familiendynamik, schaute mir an, wie da Beziehungen gelebt wurden und was ich davon mitbekam.
Ich befasste mich mit Co- Abhängigkeit und fand meine Glaubenssätze raus.
„Du bist nicht genug, was du tust, ist nicht genug.“
„Du musst etwas tun/ viel tun, um liebevoll behandelt zu werden“.
„Du bist schwer zu lieben“.
„Du bist zu viel, zu laut, zu neugierig, zu anstrengend.“
Plötzlich ergab Vieles Sinn und ich verstand, warum diese Art von Mann mich wie ein Magnet anzog.
Ich kannte das „Spiel“ aus meiner Kindheit.
„Ich muss nur lieb sein, soll nicht widersprechen, nicht alles aussprechen, mich möglichst anpassen…dann kommt es nicht zum Streit. „
Wenn nicht, ging es auch altbekannt mit Rückzug und Nichtbeachtung weiter, weshalb mich das in meiner Ehe nicht besonders schockierte.
Ich war es nicht gewohnt Grenzen zu setzen und danach zu handeln. Jeder konnte ungehindert mit seinen Matsschuhen über meinen metaphorischen Marmorboden gehen.
Wenn er mir dann dafür auch noch die Schuld gab, glaubte ich das jahrelang, denn ich war eben nicht angepasst und immer lieb, schon gar nicht konnte ich den Mund halten. Selber Schuld!
Dann musste ich mich eben noch mehr und noch besser anstrengen, damit es wieder harmonisch wurde. Ich dachte, ich muss mir Liebe verdienen.

Als ich das alles erstmal verstanden und verarbeitet habe, lernte ich wieder Männer kennen. Ich dachte, ich hätte die ganze Arbeit hinter mir, zog aber immer nur wirklich psychisch labile Männer an, die ihr eigenes Leben nicht im Griff hatten und schon gar nicht emotional verfügbar waren.
Ich sah sie als Wegbegleiter, erkannte meine Lernaufgabe in jedem einzelnen.
Alles schrie:
„Wo sind deine Grenzen und deine fu**ing Standards?“
Ich war es so leid. Ich hatte keine Lust mehr darauf und lernte mein Leben allein in vollen Zügen zu geniessen, dass alleine sein nicht das gleiche ist wie einsam sein und dass ich mein Glück von keinem Mann abhängig machen werde.
Ich bin mir selbst genug, die Liebe ist einfach viel zu kompliziert. Abgehakt.
Welche Frau möchte ich sein? Unabhängig von einem Mann und einer Partnerschaft.
Wie möchte ich als Frau sein?
Irgendwann stellst du fest, dass diese Art Mann keine Chance mehr in deinem Leben hat, dass dein Alarmsystem sowas von durchdreht und sehr früh warnt.
Du bist in der Lage einfach zu gehen, wenn er mit matschig Schuhen an der Tür steht und du lässt ihn nicht mehr über die Schwelle.
Nein, ich muss nichts dafür tun, um mir Liebe zu verdienen. Ich bin liebenswert. Einfach so.
Ich will eine Beziehung, in der ich nicht auf Fussspitzen laufen muss. Nicht über rohe Eier gehen. Ich will sagen was ich denke, auch wenn das Gegenüber anders denkt.
Ich will darüber reden können, diskutieren, ohne, dass ich danach alleingelassen werde. Ohne, es mit mir alleine ausmachen zu müssen. Ich will, dass ich meine Meinung frei sagen, meinen Standpunkt vertreten kann und weiterhin nicht auf Ablehnung stoße.
Ich will nicht mit Nichtbeachtung gestraft werden, bis ich mich entschuldige, weil ich die Stille und Kälte nicht mehr ertragen kann.
Ich will geliebt sein, auch mit anderer Meinung. Ich will nicht darum bitten müssen, dass da jemand ist, der mich auffängt und mich im Arm hält.
Ich wünsche mir jemanden, der mir vorm Einschlafen sagt, dass er mich liebt. Auch wenn er sauer und wütend ist. Nur, weil er weiss, dass ich sonst nicht einschlafen kann.
Ich verdiene es gut behandelt zu werden. Meine Kinder verdienen es zu sehen, dass ich gut behandelt werde.
Die Arbeit ist nicht umsonst. Die Schuhe sind nicht mehr matschig. Das Gesetz der Anziehung ändert sich.
Und wenn es nur Wegbegleiter sind und nichts von Dauer ist, bin ich dankbar für die Zeit. Vielleicht tut es weh, kann gut sein, aber ich fang mich selbst wieder auf und bin gut zu mir.























