Gestern waren wir auf dem Wintermarkt im Nachbarort zum Langos essen.
Wir warteten extra bis es dunkel wurde. Für die Stimmung.
Dort trafen wir eine Bekannte und sie sagte sowas wie:
“ Am Tag wird was geschafft und wenn man nichts mehr sieht, geht man auf den Weihnachtsmarkt. Das war schon immer so.“
Der Satz hallte nach und gab mir zu denken.
Was hatte ich heute getan, dass ich mir den Weihnachtsmarkt verdiene?
Mein Sohn sorgte fürs Frühstück und machte wie immer am Wochenende pancakes.
Mittagessen hab ich nicht kochen müssen, denn ich habe Freitag vorgekocht.
Hier wurde in der Küche getanzt, was für die Schule gemacht, gespielt, gebastelt, geschraubt und gebacken.
Wir hatten es sehr entspannt und lagen stundenlang auf der Couch, bevor wir dort hingingen.
Sogar ein Nickerchen hab ich eingelegt.
Ich leiste viel. Und muss mir nichts verdienen entschied ich für mich.
Ich bin nicht faul. Ganz und gar nicht.
Ich achte auf mich. Auf uns.
Auf Ruhe und Entspannung.
Ich bin froh über unser Leben, das nicht geleitet ist von „das macht man halt so“.
Wir entscheiden selber, wie wir es machen!
Im Alltag mit Schule und Arbeit, Training der Jungs und all dem, ist bei uns immer alles durchgehalten. Da sitze ich abends das erste Mal und spüre die Schritte des Tages.
Da geht es drum pünktlich zu sein und alles zu schaffen.
Das Wochenende darf ein Kontrast dazu sein.
Dazu gehört in den Tag hinein leben, faul sein, sich einkuscheln, absolut nichts vorhaben.
Die Zeit nicht im Blick zu haben, mittags die Reste vom Frühstück zu essen und das Mittagessen ausfallen lassen.
Kuscheln und spielen mit dem Kater.
22 Uhr nochmal beim Teenager klopfen und fragen, ob er alles hat für einen gemütlichen Abend und sich wohl fühlt.
Wenn er dann sein Handy weglegt und wir bis 22.22 Uhr deeptalken, ich mit ner fetten Umarmung aus seinem Zimmer geschickt werde, dann ist die Welt für mich in Ordnung.
Meine Kinder können sehr gut für sich sorgen und achten besonders am Wochenende darauf, dass sie es ganz gemütlich haben.
Heute musste ich mit meinem kleinen Sohn in sein Bett liegen. Er hat alles dunkel gemacht und die Rollo runtergelassen.
Per Fernbedienung gehen die Lichter seiner neuen Lichterkette an.
Er legte sich in meinen Arm und sagte:
„Das ist so schön!“ Und das war es.
Ich liebe das Vorlesen am Tag, weil wir einfach Zeit haben.
Das Uno spielen 8 Uhr morgens.
Ich muss zum Glück nicht im Garten arbeiten, weil ich gar keinen besitze.
Ich muss nicht das ganze Haus auf Vordermann bringen, weil wir nur ne kleine Wohnung haben.
Was jedoch groß ist- das ist mein Herz.
Wo ich reich bin- das ist an schönen Erinnerungen genau an all das.
Immer mehr Lehrer und Schulen entscheiden sich gegen Hausaufgaben, da einfach nicht alle Kinder gute Voraussetzungen und Bedingungen zu Hause haben.
Ich warte so sehr auf den Tag und hoffe, wir erleben ihn noch.
Hausaufgaben sind bei uns ein wahnsinns Stressfaktor und ein enormer Gefährder unserer guten Bindung.
Das war vielleicht früher ok, als nur die Männer gearbeitet haben, die Frauen Hausfrauen waren und 12 Uhr mittags das frisch gekochte Essen auf dem Tisch stand.
Diese Mütter hatten dann genügend Kapazität , sich im Anschluss um die Hausaufgaben der Kinder zu kümmern.
Die Zeiten haben sich geändert.
Wenn man, wie in meinem Fall, alleinerziehend und berufstätig ist, muss man schon einiges auf sich nehmen.
Ich habe zb meine Arbeitsstunden umverteilt, um so oft wie möglich mittags mit meinem Sohn in der 4. Klasse Hausaufgaben machen zu können.
Das geht nur, wenn man einen tollen, entgegenkommenden Vorgesetzten hat, der Verständnis zeigt, wenn dein Kind in dieser riesen Gruppe mit anderen Hausaufgabenkindern untergeht, sich nicht konzentrieren kann und kaum voran kommt.
Am Freitag gibt es gefühlt immer die meisten Hausaufgaben, ganz nach dem Motto:
Da hat man ja genügend Zeit!
Und tatsächlich haben sich diesmal die Hausaufgaben von Freitag bis Sonntag erstreckt. Ich habe Freitag auf einen Teil Englisch und Mathe bestanden.
Es war wirklich viel, ich wusste, wie sehr ihn das fordern wird. Gleichzeitig weiss ich, dass er freitags nach der Schule einfach nur k.o ist und da nicht viel geht.
Am Samstag Fussballtraining, Mittagessen und ein Friseurtermin in der Stadt- schon hatten wir die Überforderung.
Müde, keine Lust und „es ist einfach so viel!“
Für heute war noch ein Schleichdiktat übrig, ein langes. Und das war der Endgegner.
Gestern Abend kündigte er schon sehr bestimmt an, dass er das auf gaaaar keinen Fall machen wird.
Ich habe den Druck deutlich gespürt und auch meine Angespanntheit.
Wir haben heute Nachmittag etwas Schönes vor, das ihm wichtig ist.
Es war klar, nach Ausschlafen, frühstücken, anziehen usw. wird begonnen.
Es war zäh. Immer wieder wurden Wörter durchgestrichen, Rechtschreibfehler gemacht, vom Schriftbild nicht zu reden.
Klar hatte ich es auf der Zunge:
„Du machst das jetzt, sonst gehen wir nicht ins Kino!“
„Das wird jetzt gemacht und basta!“
„So viel ist es doch gar nicht, jetzt komm!“
Wenn du das nicht machst, kannst du sämtliche Medien heute vergessen!“
Er saß da und rebellierte.
„Noch so viel, das schaff ich nicht!“
Wir hatten den Wecker auf 30 min gestellt, die war längst rum und der Text noch nicht annähernd fertig.
Pause.
Er legte sich auf die Couch, gähnte, spielte mit dem Kater.
Traurig sah er aus, erschöpft und überfordert.
Als ich mich zu ihm legte, fing er an zu weinen.
Er fühlte sich erpresst, „weil wenn ich es nicht mache, gehen wie sicher nicht ins Kino!“
Also wurde erstmal geklärt, dass diese Verabredung mit dem besten Freund indiskutabel ist. Daran wird nicht gerüttelt. Niemals.
Ich hielt ihn lange im Arm und verstand ihn total. Es war wirklich viel. Vollstes Verständnis, dass er keine Lust mehr hatte, wo er doch schon so viel geleistet hatte.
Ich hatte die bereits abgeschriebenen Zeilen in Streifen geschnitten und wir einigten uns darauf, diese erstmal zu verbrennen.
Ja, in der Wohnung. Mit Feuerzeug und Papierstreifen in der Hand halten.
Dafür haben wir unsere extra Schüssel.
Er stellte fest, dass er ja bereits über der Hälfte sein muss, so viele Streifen, wie er verbrennen darf.
Nach ganz viel kuscheln, ein paar Lieblingsliedern über Püpse und Bratwürste, hatte ich seine Bereitschaft wieder.
Streifen für Streifen legte ich ihm zum Abschreiben hin und danach wollte er jeden mit einem Karatetrick durchtrennen.
Wir lachten, hatten Spass und ich spürte die Erleichterung.
Der letzte Satz war vollbracht und diesen Streifen wollte er wieder verbrennen.
„Boah!“
Als alles in den Ranzen gepackt werden konnte, klatschten wir ab. Meine Handinnenfläche glühte und war feuerrot. Er lachte.
Dann wünschte ich mir zur Feier des Tages einen Freudentanz, um das vollbrachte Werk zu feiern.
Er grinste, zog die Augenbrauen hoch. Dann hörte ich:
„Alexa, bitte spiele Macarena!“
Und wir tanzten drei Runden, fielen uns lachend in den Arm. Ich sagte ihm, dass ich sehr froh über ihn bin und dankte ihm fürs Mitmachen.
Diese Momente fallen mir noch oft schwer. Wie viel leichter ist es mit „Wenn- dann“ zu arbeiten, weil man es nicht besser gelernt hat und völlig hilflos ist.
Dass dieses Diktat geschrieben wird, stand nie zur Debatte.
Als Krankenschwester habe ich viele Menschen in den Tod begleitet, habe ihre Hand gehalte, Verstorbene versorgt und gerichtet.
Bei einem Sterbeseminar vor Jahren merkte ich, wie klar es war:
Der Tod gehört zum Leben dazu. Ich kann gut damit umgehen…solange es nicht um meinen eigenen geht.
Die Dozentin hatte ein paar Fragen vorbereitet, die jeder für sich im Stillen beantworten sollte.
Mir ging es gar nicht gut damit, Panik stieg auf.
Es war das gleiche Gefühl, das mich vor einigen Tagen aufsuchte.
Ich hatte einen schönen Abend mit Kollegen, fuhr mit dem Auto nach Hause und verfasste meiner Freundin eine Sprachnachricht.
Ich erzählte ihr, wie gut dieser Abend ohne Kinder mir tat und wie toll es ist große Kinder zu haben, die man alleine zu Hause lassen kann.
Es war dunkel und neblig. Plötzlich hatte ich für 2 Sekunden dieses Bild vor meinem geistigen Auge, wie ich nach einem Unfall nur noch wimmerte und eingeklemmt war.
Nicht tot, aber es sah nicht gut aus.
Es schien mir wie eine Art Warnung zu sein.
Klar, ich wollte schnell nach Hause.
Aber gesund und lebendig.
Gleich bremste ich ab und konzentrierte mich auf die Straße.
Wieder wurde es mir bewusst:
Mir darf nichts passieren.
Jemand der glücklich verheiratet ist, oder ein toller, verantwortungsvoller Papa sich um die Kinder kümmert, da ist es klar.
Sollte die Mama sterben, ist immerhin der Papa da und man weiss das Kind in guten Händen.
Wenn der Kindsvater jedoch nicht mal für sich die Verantwortung übernehmen kann, man selber keine Geschwister hat, ja dann wird es eng.
Was soll aus den Kindern werden, wenn ich nicht mehr bin?
Also ist die Antwort klar: mir wird nichts passieren und ich werde nicht sterben, bevor die Jungs selbständig leben können.
Und wenn doch, hoffe ich, sie sind alt genug und ich habe ihnen genug gute Werte mit auf den Weg gegeben, dass sie widerstandsfähig und selbstbewusst genug sind, danach zu leben.
Wir hatten 13 Sommer miteinander, es folgen nur noch wenige.
Mein jüngerer Sohn ist auch schon 9, dementsprechend haben wir sicher auch bereits den Großteil unserer Sommer hinter uns.
Der Gedanke daran macht mich wehmütig.
Mich beschäftigt die Frage, ob ich die gemeinsame Zeit gut genutzt habe und es bewusst wahrgenommen habe.
Blieb genug Zeit zwischen finanziellen Krisen und fehlender Kinderbetreuung?
War genug Zeit zwischen mentaler Überforderung, Gereiztheit und der Arbeit?
Was werden meine Kinder mal von ihren 18 Sommern erzählen?
Hatten sie das Gefühl, ich verbringe gerne die Stunden mit ihnen?
Erinnern Sie sich an mein Schreien, an Tagen, die nicht gut liefen?
Oder überwiegt die Erinnerung, an das Kitzelmonster, das die Finger nach ihnen ausstreckt, wenn sie sich zusammen laut lachend unter der Decke versteckten?
Werden sie wissen, dass sie immer, immer geliebt waren, auch wenn ich nicht die Kraft hatte es zu zeigen?
Ist es ausreichend, wenn man sich in schwachen Momenten entschuldigt?
Was bleibt in Erinnerung?
Die Tränen und der Schmerz, oder wie wir Hand in Hand loslaufen und ins Wasser springen?
Überwiegt die Erinnerung daran, wie kurz die Zündschnur beim Duschen war als sie klein waren? Wenn sie nicht wollten, gestrampelt haben und geschrien? Bleibt mein genervtes Gesicht, oder die Tatsache, wie ich sie mit ausgebreitetem Handtuch raushebe und wir uns drücken?
Werden Sie sich an die vielen, vielen Bücher erinnern, die ich ihnen abends vorgelesen habe, oder überwiegt die Erinnerung daran, wenn ich es nicht so liebevoll geschafft habe sie ins Bett zu bringen, wie ich es mir gewünscht hätte?
Überwiegen die endlosen Gespräche vorm Einschlafen? Oder mein: „Jetzt ist Schluss!“
Denken sie an die liebevollen Verabschiedungen in den Kindergarten, mit „noch einmal drücken“ und winken, oder die paar Mal, wenn wir uns lieblos und im Streit getrennt haben?
Ich erinnere mich an alles! Das Gute und das schlechte.
Nach 13 Jahren Mama sein habe ich viel dazugelernt.
Mit dem Wissen von heute würde ich viele Situationen von damals viel entspannter angehen lassen.
Mich würde heute viel weniger aus der Ruhe bringen, wie damals noch.
13 Sommer hatten wir bereits gemeinsam und es gibt keinen See in der Nähe, in dem wir nicht geschwommen sind.
Kein Bach, an dem wir noch keinen Staudamm gebaut haben.
Kein Turm, den wir noch nicht bestiegen sind.
Keine Wiese, auf der wir noch kein Picknick gemacht haben. Keine Ruine oder Burg, wo sie noch nicht geklettert sind.
Kein Spielplatz, auf dem sie noch nicht barfuß ein riesen Loch gegraben haben.
Kein Hügel, den sie sich nicht runterkullern ließen.
Wir haben kein Abenteuer ausgelassen, waren zusammen am Meer, haben bei Konzerten in der ersten Reihe gesungen, haben zusammen einen Hindernislauf gemeistert, Fahrradtouren gemacht. So viele Überraschungen, die ich heimlich vorbereitet habe.
So viele schöne, kostbare Erinnerungen in meinem Herzen. Sie werden ein Leben lang halten.
So oft habe ich mir mehr Geld auf dem Konto gewünscht, um öfter mit ihnen ferne Länder zu besuchen.
Ein paar Wünsche haben wir noch und will ich uns noch erfüllen, dafür spare ich jetzt ne ganze Weile.
Die wertvollsten Erinnerungen sind jedoch die Spontanen und die, die kein Geld gekostet haben.
Die tollen Gespräche mit einem Teenager sind für mich unschlagbar. Ich liebe es zu beobachten, wie er heranwächst, welche Ansichten er hat, wie positiv er in die Zukunft blickt und dass ich ihm gute Werte mit auf den Weg geben konnte.
Ich liebe die Erinnerungen, als sie klein waren. Das in die Decke wickeln und einfach rausgehen in die Nacht, den großen Wagen suchen und andere Sternbilder.
Ich spüre deutlich, dass die 18 Sommer schneller vorbei sind, als ich bereit bin.
Mein großer Sohn schimpft, er glaubt, ich habe wieder einen Ratgeber zum Thema Erziehung gelesen.
Was er feststellt: ich bin irgendwie so streng geworden.
Was er nicht weiss: es war kein Ratgeber, sondern die tolle Psychologin in der Mutter- Kind- Kur vor ein paar Wochen.
Sie fragte mich beim Abschlussgespräch, was ich so mitgenommen habe aus der Zeit.
Nach all den positiven Dingen erzählte ich ihr diese eine für mich so erschreckende Situation mit meinen Kindern. Ein echter Wachmacher und Wachrüttler.
Folgende Situation:
Wir waren mit 2 anderen Mamas und deren Kinder in einer Minigolfanlage. Es war Mittag, die Sonne knallte.
Und obwohl wir nach unserer 2 stündigen Tierwanderung mit der festen Absicht kamen, dort Minigolf zu spielen, beschlossen wir Mamas einstimmig, dass das heute nicht geht, da die komplette Anlage in der prallen Sonne stand.
Wir setzten uns in den Biergarten in den Schatten und beschlossen nur zu Essen und zu Trinken.
Schlechte Stimmung breitete sich aus, die Kinder waren bockig und verbündeten sich gegen uns gemeine Mamas.
Mies gelaunt teilten sie mir ihre Getränkewünsche mit und setzten sich gemeinsam weiter weg.
Ich stellte mich an und hatte dann eine Hand zu wenig, denn ich habe 2 Kinder. Dementsprechend waren es zwei Getränke und mein Kaffee.
Ich bat die eine Mama, mir kurz was abzunehmen, dass ich die drei Getränke sicher in meinen Händen platziere und transportieren kann.
Ich stellte fest, dass ich nicht mal auf die Idee gekommen bin, meine Jungs zum Unterstützen zu holen. Erst als ich darauf hingewiesen wurde.
Das war so erschreckend!
Die Psychologin hatte sofort eine Erklärung parat, warum das so ist.
Eine Mischung aus Schuldgefühlen, weil…
„… wenn sich der Vater schon nicht kümmert!“
„… wenn sie schon nur mich haben!“
„… wenn sie schon so viel verloren haben!“
„… wenn sie schon so viel durchgemacht haben!“
„… wenn sie schon so viele Tiefpunkte erlebt haben!“
Und einem Stück eigener Kindheit:
“ Sie sollen es besser haben!“
“ Ihnen soll es besser gehen!“
Autsch!
Sie riet mir, die große Energie meiner großen Jungs in Anspruch zu nehmen!
Ich wehrte mich und sagte, dass beide sehr wohl mit anpacken und Aufgaben übernehmen müssen…
… aber eben nicht regelmäßig
… und nichts Festes
… und eigentlich auch nur Kleinigkeiten, die mir nicht wirklich große Erleichterung bringen
… und auch nur „Zutrauliches“, ja nichts Ungeliebten und gar Ekeliges
… und eigentlich auch nur dann, wenn es mir mal wieder zu bunt und zu viel wurde
Sie war überzeugt davon, dass das so stimmt. Bat mich jedoch Regelmäßigkeit und feste Aufgaben zu verteilen, so dass ich nicht jeden Tag neu diskutieren muss und jedem klar ist, was zu tun ist.
Daheim wurde es gleich besprochen und festgelegt.
In der ersten Woche wurde täglich gewechselt:
Einer war immer für die Spülmaschine zuständig und der andere für anfallende Aufgaben:
Papier, gelber Sack, Rest- oder Biomüll runter in die Tonnen vors Haus bringen, Staubsaugen, Spiegel putzen, Wäsche sortieren und waschen, Boden wischen, oder auch mal Wäsche aufhängen
( by the way…ich war erschrocken, weil ich dachte es reicht, dass er sieht wie ich das mache. Aber das reicht nicht. Vieles, was für mich selbstverständlich ist, ist es nicht für einen 13 jährigen. Er braucht Anleitung und Führung)
Inzwischen haben wir uns eingegrooved auf wöchentlichen Wechsel. Einer ist für die Spülmaschine zuständig, der andere muss die ganze Wohnung saugen. Beides geschieht bei uns täglich, allein schon wegen dem frechen Kater und seinem verteilten Streu.
Letzte Woche gab es 10.15 Uhr einen Tierarzttermin. Routine und eine Spritze. Ich habe darauf bestanden, dass beide mitgehen. Nicht wie die letzten 2 mal. Es ist UNSER Kater, nicht meiner. Wir lieben ihn alle, dazu gehört auch mal in den Ferien 9.30 Uhr den Wecker zu stellen.
Diese zwei festen Aufgaben, Spülmaschine und Staubsaugen, helfen sehr. Ich versuche mich nicht schlecht dabei zu fühlen, auch wenn ich Urlaub habe und in der Zeit nichts „wegarbeite“.
Ich helfe beim Erinnern an die tägliche Aufgabe, setze Limits, bis wann diese Aufgabe erledigt werden muss.
Und siehe da! Es klappt. Es wird nicht diskutiert darüber. Für mich ist es eine enorme Entlastung und ich geniesse es!
Zuletzt hörte ich diesen Satz in der Mutter- Kind- Kur vor ein paar Tagen.
Gesagt wurde er von einer Frau.
Gerichtet war er an eine junge Mama, die mit zwei kleinen Kindern da war. Ich wusste, dass ihr Mann sie verlassen hatte und es noch ganz frisch war.
Sie war sehr depressiv, besaß seit der Trennung nur schwarze Kleidung.
Davor habe sie gern bunt getragen, jedoch hat sie in einem Ausnahmezustand alles zerschnitten.
Der Vater ihrer Kinder lässt nichts aus, um sie zu demütigen.
Sie erzählte mir von Psychoterror, nachdem er ausgezogen ist.
Zum Beispiel überwies er den Kindesunterhalt in kleinen Häppchen über mehrere Tage.
Sie war darauf angewiesen und war fast am Durchdrehen deswegen.
Zwischendurch wollte sie sich das Leben nehmen.
„Ich wollte einfach nicht mehr!“
Wir saßen eines Abends so zusammen und tauschten uns aus.
Da kam eine neu angereiste Frau mit uns ins Gespräch, sehr oberflächlich und am Rande bekam sie mit, dass die besagte Frau getrennt ist.
Ihre Stimmung war ihr wohl zu schlecht, vielleicht konnte sie ihre Traurigkeit nicht ertragen, ihren ernsten Blick und dass sie sehr selten mal lächelte.
Sie befand: “ Du brauchst einen Mann“ und alle lächelten verhalten. Eine andere Mama und ich tauschten Blickkontakt aus, nachdem dieser Satz fiel.
„BRAUCHT man denn einen Mann? Ich glaube nicht, dass eine Frau einen Mann BRAUCHT,“ sagte diese.
Ich fragte mich, warum sie sowas sagte.
Sie ist Italienerin und ist sicher sehr traditionell aufgewachsen erklärte ich mir selbst.
Vielleicht wurde es ihr so vorgelebt und sie handelt aus alten Mustern.
Vielleicht wollte sie die Stimmung auflockern und dachte sich nichts dabei.
Was mir durch den Kopf ging:
Warum darf sie nicht einfach tottraurig sein und sich soviel Zeit nehmen wie nötig, um wieder auf die Beine zu kommen?
Wofür braucht sie einen Mann?
Damit Sie vergisst, was ihr passiert ist?
Schnell drüber hinwegkommt?
Das Bild nach Aussen wieder stimmt?
Sie wieder glücklich ist?
Weitermacht, als ob nichts wäre?
Warum darf sie da nicht alleine durchgehen, egal wie lange es dauert?
Wenn dann wieder ein Mann Platz an ihrer Seite findet und sie bereit dafür ist, ist das toll!
Aber BRAUCHEN braucht sie ihn sicher nicht, so wie keine Frau heutzutage einen Mann BRAUCHT!
Man sollte sich ergänzen, gleiche Werte und Ziele haben.
Seit heute sind wir nach drei Wochen Mutter- Kund- Kur zurück.
Ich war beim Abschied etwas emotional, da es aufgrund dem Alter der Kinder unsere letzte Kur gewesen sein wird.
Insgesamt war es unsere Dritte und ich bin so stolz auf mich, dass ich es alle 4 Jahre in Anspruch genommen habe.
Die Erste als Nervenbündel und am Boden zerstört. Frisch getrennt und alleinerziehend mit zwei Kleinkindern. Ich wollte einfach weg und brauchte Abstand.
Ich hab dort geweint und hatte eine tolle Psychologin, die mich gut aufgefangen hat.
Dort hörte ich zum ersten Mal von der Beistandschaft, nachdem ich feststellte, dass mein Konto aufgrund fehlenden Unterhaltes im Minus war.
Die Zweite am gleichen Ort vier Jahre später, war so wichtig für mich.
Ich erinnerte mich, wie schlecht es mir damals ging und wie weit ich gekommen war.
Ich hatte eine Wohnung, ein Auto, einen Job, meine Kinder bei mir und alles zum Thema Kindesunterhalt lief inzwischen.
Ich weiss, dass ich mich gut fühlte, viel Sport gemacht hab und fast euphorisch war.
Damals erzählte ich der Psychologin dort, was ich alles unternehmen möchte und sehen. Sie zog die Augenbrauen hoch und ermahnte mich, nicht zu viel zu machen, ich sei zur Erholung da.
Ich fuhr damals mit dem Gefühl hin, dass ich eine furchtbare Mama sei, die letzten Jahre nagten an mir.
Dort stellte ich fest, dass ich mich gut um meine Jungs gekümmert habe, auch an meinen schlechtesten Tagen, als es nur Spaghetti mit Pesto gab.
Ich hatte MICH wiedergefunden. Neu entdeckt. Die Frau, nicht nur die Mutter.
Ich hatte an mir gearbeitet und stellte erste Erfolge fest.
Jetzt, bei der Dritten, war ich bereit für einen neuen Ort.
Aber auch diesmal ging es wieder in den Schwarzwald. Mit zwei richtig großen Jungs im Alter von 13 und 9 Jahren.
Beide hatten gar keine Lust auf die Kur und die dortige Betreuung.
Der Große sagte eines Tages im Auto zu mir:
„Mann Mama, wir brauchen das doch gar nicht, du hast doch alles voll gut im Griff und kriegst alles gut hin!“
Ich lachte müde, war erleichtert über seine Ansicht, wohlwissend, dass DER Teil auch stimmt. Jedoch verlangt es mir einiges ab und es ist auf meine Kosten. Ich war so müde und energielos- ich spürte es war mehr als nötig.
Die Arbeit als Krankenschwester, so sehr ich sie auch liebe!
Zwei Schulkinder und die Organisation drum herum, ich bin absolut in der Verantwortung.
Ein Kind mit Neurodiversität und der Kampf rund um den Nachteilsausgleich, Gespräche mit der Klassenlehrerin und die Info darüber, wo ich welche Hilfe bekomme, was ihm zusteht.
Ein Motorschaden und ein kleiner Geschmack drauf, wie unser Leben auf dem Land ohne Auto sein wird. Puh!
Auch diesmal war die Kur mehr als nötig.
Ich genoss es so sehr wie noch nie, mich an den gemachten Tisch zu setzten und einfach alles stehen lassen zu können.
Kein Einkauf, kein Kochen, kein schmutziges Geschirr.
Den Kindern hab ich klipp und klar gesagt, dass sie selbstverständlich dort in die Betreuung gehen werden, weil es hier um MICH geht, nur um mich.
Ich müsse wieder Energie für unseren Alltag tanken, damit ich alle Aufgaben weiterhin schaffe.
Schon länger spürte ich mein Herzrasen- vor allem in Ruhe. Eine Weile hatte ich das Gefühl, es ist mein Ende.
Alles wurde abgeklärt und mein Herz ist absolut ok. Es ist der Stress. Die Psyche. Die wahnsinnige Belastung über lange Zeit.
Mein Nacken/ Schulterbereich war total verspannt und meine rechte Schulter schmerzte seit vielen Tagen. Es zog vom Nacken bis ins Schulterblatt und ich fühlte mich dadurch sehr eingeschränkt.
Dort nahm ich an fast allen angebotenen Aktivitäten teil, weil ich genau spürte, was mein Körper brauchte:
Wirbelsäulengymnastik, Beckenbodengymnastik, Wassergymnastik, Bewegungstherapie und Walking.
Ich hörte mir alles an zum Thema Stressbewältigung, Selbstfürsorge, Achtsamkeit und stellte fest, dass ich das bereits verinnerlicht habe.
Ich kann sehr gut für mich selber sorgen.
Nur manchmal kommt die Welle und bricht über mir, so dass das nicht mehr reicht.
Dort waren diesmal so viele Alleinerziehende, ganz am Anfang wie ich damals. Sie fragten sich noch, was SIE falsch gemacht haben, dass er so ist und ich dachte:
„Vor dir liegt noch ein weiter Weg!“
Andere haderten damit, dass sie jahrelang sein Verhalten nie hinterfragt hatten und sich heftige Vorwürfe für ihre Naivität und Blindheit machten.
Ich war eine von ihnen. Nur Jahre weiter. Ich habe die Gewissheit, dass ich vieles richtig gemacht habe und wir ein tolles Team sind, meine Jungs und ich.
Wichtig dafür ist allerdings, dass es MIR gut geht. Ich kann nur geben, wenn ich genug habe. Mein Tank ist voll. Ich habe neue Ziele und freue mich auf alles was kommt.
Ich bin stolz auf mich und meine Selbstfürsorge. Darauf, dass ich mich oft zur Priorität mache, ohne mich egoistisch zu fühlen.
Ich höre auf mein Bauchgefühl und habe klare Grenzen.
Gepaart mit purer Lebensfreude und bedingungsloser Liebe bin ich unaufhaltsam.
Das sind die ersten Sommerferien mit einem Teenagersohn. Und sie starten schon so anders, als alle anderen Ferien zuvor.
Ich stelle deutliche Veränderungen fest.
Es ist so spannend mit einem 13 jährigen Jungen, ich entdecke jeden Tag so viel Neues an ihm.
Ich habe keinen Bruder und obwohl ich eng mit meinem Cousin aufgewachsen bin, kann ich mich so überhaupt nicht an all das erinnern.
Ich liebe diese Phase so sehr und werde es nicht Leid jedem davon zu erzählen.
Das Türenschlagen ist schon lange nicht mehr vorgekommen.
„Ich wünschte ich wäre nie geboren“, liegt lange hinter uns.
Es ist harmonisch. Er kann gut für sich einstehen und sammelt gute Argumente.
Er fordert nicht zu viel ein, nur so viel, dass es womöglich klappen könnte.
Ich verstehe nicht, dass so viel über Teenager und ihre Eigenarten geschimpft wird.
Kann sein wir stehen noch ganz am Anfang und das dicke Ende kommt noch.
Allerdings denk ich nicht daran und geniesse die Zeit jetzt.
Wir reden jetzt über Zinsen und Kredite, warum man sich nicht einfach ALLES kaufen kann, selbst wenn man einen Kredit benötigt.
Wir reden über Gewinnspiele auf dem Handy und dass man nicht auf alles reinfallen darf.
Über Mobbing, Datenschutz, Werte, Karma, Deo und Ziele. Manchmal auch über Gefühle.
Ich muss mir ein Schmunzeln verkneifen, wenn er sich aufregt und sich dabei seine Stimme überschlagt.
Bisher in den Ferien hatte er nur einen Wunsch: mehr Medienzeit.
Jetzt schickt er mir Bilder von einem leckeren Joghurt mit Vollkorncrunchies drin und dass er sich noch nen Apfel reingeschnitten hat. Es sah sehr lecker aus.
Ich habe gestaunt.
Am letzten Schultag sagte er:
“ Mama, ich will jetzt erstmal 4 Tage nicht rausgehen!“
Er hat sich keinen Tag dran gehalten und hatte spätestens 20 Uhr Lust auf ein paar Schüsse, Wandbolzen oder Fussballtricks üben.
Ich soll mit und muss dann immer zählen, oder seine Ballannahmen bewerten.
Der kleine Bruder ist k.o von den 2 Tagen Ferienbetreuung und will nicht mit.
Verkehrte Welt!
Heute haben wir zusammen 30 min nach dem Fussball gesucht, den er mit voller Wucht ins Gebüsch geschossen hat.
Ich wollte erst schimpfen, weil er unauffindbar war, das Gebüsch voller Spinnennetze. Dann stellte ich fest, dass ich die Zeit so genieße.
Ihn zu beobachten. Seine Energie. Seine Strategie. Seine schnellen Bewegungen.
Die Freude und Erleichterung, als er den Ball gesichtet hat.
Er duscht freiwillig, heute bereits zwei Mal- eine tolle Veränderung!
Er macht viel Sport in seinem Zimmer, hat Ziele und hat das „Vorherfoto“ gemacht.
Immer 18 Uhr sind wir verabredet. Er will, dass ich ihm zuschaue und seine Ausführung beobachte.
Ich liebe seinen Musikgeschmack und die letzten Tage endete es damit, dass ich mal wieder die Hanteln geschwungen hab.
Ich hab ihn heute so dafür gelobt, dass er so gut für sich sorgen kann und so gut zu sich selbst ist. Das ist ne tolle Ressource und hoffe, er behält das bei.
Heute Morgen bin ich nach über neun Stunden gutem, erholsamen Schlaf aufgewacht.
Ich setzte mich mit meinem Kaffee auf den Balkon und schaute mir die Natur um mich herum an.
Zum ersten Mal seit Wochen war ein vermisster Gedanke wieder da und er war sowas von echt:
ICH BIN GLÜCKLICH!
Das ist nicht selbstverständlich, denn noch letzte Woche legte ich meinen Kopf tottraurig auf den Arbeitstisch und sagte zu meinem Kollegen:
„Mein Leben ist ein Scherbenhaufen“.
Von jetzt auf Nachher war nichts mehr so wie es war.
Motorschaden. Kein Auto mehr. Komplette Überforderung.
Auto abmelden- mit dem Bus.
Auto ausräumen fahren- mit dem Bus. Termine- alles mit dem Bus.
Ich konnte gleich das Gute im Schlechten sehen: Sohn 1 fährt eh mit dem Bus zur Schule. Er hat eh Sportverbot wegen dem Knie und kann nicht ins Fussballtraining.
Sohn 2 muss jetzt zur Schule laufen. Und auch wieder den steilen Berg zurück. Egal wie schwer der Ranzen ist, egal wie sehr die Beine vom Fußballspielen schmerzen.
Er wechselt die Jugend und hat jetzt seit wenigen Wochen bei uns im Ort sein Fussballtraining. Alles gut.
Ich habe mir für den Juli eine Deutschland- Card besorgt und mit der netten Dame sofort die Kündigung zum 1.8 eingereicht, weil ganz klar ist, dass ich dann wieder ein Auto haben werde.
Ich muss 2 Wochen am Stück arbeiten ( ausser das Wochenende), da meine Kollegin im Urlaub ist. Mit meinen 50 % arbeite ich nie von Montag bis Freitag durch. Allein das ist ungewohnt und ein riesen Berg an sich.
Jetzt aber müssen wir früher aufstehen, uns früher richten, früher aus dem Haus und ich komme erst viel später als sonst nach Hause.
Beide Kinder müssen sich jetzt viel mehr merken, bekommen mehr Infos zum Ablauf des Tages und haben mehr Verantwortung.
Die erste Woche ist geschafft. Ich war so traurig um die ganze Zeit, die ich an Haltestellen und im Bus verbringe und die mir daheim fehlt.
Ich war fix und fertig, es war so viel anstrengender als sonst.
Das alles ist nur möglich, weil ich mich auf diese begrenzte Zeit eingestellt habe. Weil die Absprachen klar sind und meine Kinder groß.
Es geht nur, weil es kurz vor den Sommerferien ist, alle Noten feststehen und nicht mehr für Arbeiten gelernt werden muss.
Meine Freundin fuhr mit mir zum Einkaufen und ich habe den Kühlschrank bis oben hin gefüllt.
Wie bitte gehen Menschen ohne Auto Tiefkühlkost kaufen?
Die ersten Tage liefen nicht so gut. Sohn 2 musste ich den Wc- Gang verbieten, um meinen Bus zur Arbeit rechtzeitig zu schaffen:
“ Es geht jetzt einfach nicht, du musst in der Betreuung gehen, tut mir leid!“
2 Tage lang war die Stimmung morgens mies und er war sauer auf mich beim Abschied. Dann hatten wir eine Familienkonferenz, weil mich dieses Gefühl den ganzen Tag begleitete.
Wir gingen alle Möglichkeiten durch, um es uns allen für diese begrenzte Zeit so angenehm wie möglich zu machen. Unter anderem schlug ich vor, die Kleider für den nachsten Tag bereits am Abend anzuziehen.
Jedes Mittel war mir recht, aber bitte, bitte, es muss Harmonie her!
Wir fanden Lösungen für uns und gewöhnten uns an unseren neuen Ablauf.
Im Bus waren immer die gleichen zwei Männer, die sich auf dem Arbeitsweg ihr Leid klagten, sich gegenseitig bemitleideten und den Feierabend morgens schon herbeisehnten.
Ich war so dankbar, denn trotz der Umstände gehe ich jeden Tag so gerne zur Arbeit und freue mich sehr auf mein tolles Team. Dort treffe ich auf gute Gesprächspartner, viel Lachen und noch mehr Verständnis.
Ab Donnerstag rutschte der junge Mann, neben dem immer noch ein Sitzplatz frei ist, für mich zur Seite und lächelte mich an.
Mein Sohn machte seine Hausaufgaben alleine zu Hause, ohne Aufforderung und Hilfe.
Wie ausgemacht, rief er mich jeden Mittag vom Festnetz aus an, um mir zu sagen, dass er jetzt daheim sei und mich lieb hat.
Es lief!
Dieses Wochenende war Balsam für die Seele. Ich hab mich so sehr auf Zeit mit meinen Jungs gefreut.
Wir haben tolle Dinge unternommen- mit dem Bus. Sohn 2 liebt das Busfahren und Stop drücken. Er hatte jahrelang nicht die Gelegenheit dazu. Er findet es besser als Autofahren.
Heute stand in seinem Glückskeks:
Ich hab den Spruch so gefühlt. Es wird eine wertvolle Erinnerung für ihn und landet definitiv in der Kategorie:
“ Weisst du noch damals, als unser Auto Schrott war…“
Die zweite Arbeitswoche wird ein Klacks. Keine Hausaufgaben mehr, weniger Verantwortung. Ich bin ganz ruhig im Inneren und voller Vorfreude.
Gestern habe ich unsere Zugfahrkarten zur Mutter- Kind- Kur gekauft. Und auf einmal kribbelte es, die Vorfreude kommt.
Wir fahren mit zwei verschiedenen ICE’s und haben Sitzplätze im Handy/ Großraumbereich. Zug gefahren sind wir drei schon öfter- jedoch tatsächlich noch nie mit dem ICE. Wie sehr ich mich freue!
Ja, ich spüre unendliches Glück und freue mich über ein paar neue Erfahrungen, die zu schönen Erinnerungen werden.
Es ist Jahre her, dass mein Exmann und ich in der gleichen Stadt wohnten. Damals blieb er in unserem gemeinsamen Haus, weil „Ich kann es mir im Gegensatz zu dir auch alleine leisten!“
Die Jungs und ich zogen in unsere kleine Wohnung 2 km weiter.
So oft schrieb ich ihm abends weinend, dass die Kinder ihn brauchen. Dass ich auch mit ihnen Fußball spielen kann und all das, es aber nicht das gleiche ist.
Ich flehte ihn an, sich mehr zu kümmern, mit ihnen vorm Haus zu spielen, auf den Spielplatz oder Sportplatz zu gehen.
Ich konnte nicht verstehen, dass er so nah wohnt und sich trotzdem nur am Umgangswochenende alle 14 Tage blicken lässt.
Vermisst er die Kinder denn gar nicht? Wie geht sowas?
Später machte ich Eingeständnisse, ließ ihn in unser Zuhause, ignorierte seinen Geruch aus Schweiss und Deo, den ich so gar nicht mehr ertragen konnte.
Ich sah über seine herablassenden Sticheleien hinweg und versuchte seinen Mitleidsblick auf mich nicht so nah an mich ranzulassen.
Ich fühlte mich in meiner eigenen Wohnung unwohl. Alles für die Kinder, dachte ich damals.
Ich ließ zu, dass er Tatsachen verdrehte und Diskussionen begann, traute mich nicht zu widersprechen, für die Kinder!
Ich schluckte runter, wenn er mich beleidigte, mir versuchte einzureden, dass ich falsch bin und ich es nur nicht richtig verstehe. Alles für die Kinder.
Ich lud ihn ein, uns zu Unternehmungen zu begleiten, weil ich dachte, er wäre alleine mit ihnen überfordert und so fiele es ihm leichter. Für die Kinder!
Ich bat ihn, mich beim Kindergeburtstag zu unterstützen und er sagte nur, dass er für sowas nicht nen halben Tag frei nehme könne. Ich soll schauen, wie ich klar komme.
Wir waren zusammen auf dem Weihnachtsmarkt und er stand teilnahmslos neben mir, während ich schwitzend 2 ungeduldigen Kindern Schneeanzüge, Schal, Mütze und Handschuhe anzog.
Ich informierte ihn zu jedem Laternenfest, Sommerfest und zu jeder Weihnachtsfeier vom Kindergarten, dem Sportverein, oder später der Schule. Dabei stand er meist irgendwo rauchend am Rand, oder lief meterweit hinter uns, während ich Laterne und Kleinkind gleichzeitig trug.
Oder er nutzte die Gelegenheit vor den Kindern wilde Diskussionen zu starten, dass wir uns nur noch unwohl fühlten. Kleinlaut erinnerte ich ihn dann, warum wir da seien und dass es nicht um uns geht. Alles für die Kinder.
Er ging auf Konzerte, hatte neue Partnerschaften und genoss seine Freiheit.
Immer wieder musste ich mich daran erinnern, dass ich nicht neidisch bin, denn niemals wollte ich mit ihm tauschen und ohne meine Kinder sein, keinen Tag.
Noch heute kommen diese wütenden Sprachnachrichten. Wenn sie nur 14 Sek. lang ist und du denkst, in der kurzen Zeit kann er ja nichts Schlimmes sagen.
Falsch!
In 14 Sek. kann er sehr viele Beleidigungen packen. Und mal wieder sein Vorwurf „Du entziehst mir die Kinder!“
Nein, ich kann es nicht ernst nehmen und schüttel nur verständnislos den Kopf.
Heute kann er mich nicht mehr täuschen.
Weder schenke ich ihm auch nur 1 Sekunde Aufmerksamkeit auf diese Provokation, noch habe ich das Bedürfnis mich zu verteidigen und erklären.
Für ihn ist es leichter mir DAS vorzuwerfen, als sich einzugestehen, dass er seit Wochen nicht nach den Kindern gefragt hat.
Am letzten Vatertag ließ er sich nicht blicken und wir machten da eine Fahrradtour. Es fiel mir so schwer, all die Wut runterzuschlucken, ich war so müde und ich war es so leid.
WIE wütend ich war und WIE sehr es mich zermürbte, wusste ich erst am Ende unseres Tages, als es aus mir rausplatzte:
„Ich kann das doch nicht auch noch machen. Ich kann nicht Mama, Papa und alles sein! Das schaff ich nicht!“
Die Kette des kleinen Sohnes war abgesprungen und der Große bekam es nicht hin. Ich bin ausgerastet.
Und dann hab ich geheult. Und dann ging es weiter. So wie immer. Das Mamasein macht keine Pause, egal wie du dich fühlst.
Ja, es fühlt sich an wie Hohn, wenn er mir vorwirft: „Du entziehst mir die Kinder!“
Ich möchte laut und hysterisch lachen. Und schreien. Und ihn schütteln!
Stattdessen bin ich umso mehr da für meine Kinder. Ich verpasse keine Aufführung, kein Turnier, keinen Wettkampf, kein Fußballspiel, kein Fest.
Ich bin immer die, die ihnen am lautesten zujubelt und klatscht, bis die Handinnenflächen glühen.
Heute weiss ich, wenn er mir vorwirft „Du entziehst mir meine Kinder“, meint er nur, dass ich sie ihm nicht mehr anpreise. Sie ihm nicht mehr auf dem Präsentierteller serviere.
Meine Grenzen sind so klar. Spielchen gibt’s mit mir nicht mehr. Ich bin sachlich. Keinerlei Emotionen. Keine privaten Details. Er weiss nur so viel über die Kinder, wie er bei den Treffen mit ihnen von ihnen erfährt.
Er fragt nicht. Und ich berichte nicht mehr alles, so wie ich es früher tat.
Arztbesuche, wie es in der Schule läuft, was Sohn sich zum Geburtstag nächste Woche wünscht, Lehrergespräche, Unternehmungen, neue Hobbies, was sie beschäftigt, was sie glücklich macht, wer neue Freunde sind, von all dem hat er keine Ahnung. Ich erzähle es nicht mehr ungefragt.
Er ist nicht bereit Verantwortung zu übernehmen. Er ist ( immer noch ) nicht bereit Vater zu sein.
Er macht es sich nur sehr leicht.
Ich bin wütend. Hier warten immer noch die Vatertagsgeschenke auf ihn, weil er seither nie nach einem Treffen gefragt hat. Es ist nicht so, dass ich es nicht zulasse, oder mir Ausreden ausdenke.