
Es gibt sehr wenige richtige Narzissten, aber im Volksmund ist der Begriff weit verbreitet. Jedoch gibt es jede Menge Menschen, die Züge davon haben und sich in Beziehungen nicht so gut benehmen.
Ich war immer aufgeschlossen und unternehmungslustig, bis ich ihn kennenlernte.
Ich hatte eine große Klappe und einen noch größeren Gerechtigkeitssinn. Mir konnte keiner was vormachen und ich hatte Kämpfergeist.
Er machte mich in unserer Beziehung immer klein, hat sich in all den Jahren nicht wirklich für mich interessiert.
Er machte mir Vorwürfe, wenn ich krank war. Meist ging es ihm genau dann noch ein bisschen schlechter als mir, so dass ich mich wieder um alles kümmerte und mich nicht ausruhen konnte.
Warum es so lang gedauert hat, bis ich ihn verlassen habe?
Ich dachte, wenn ich mich nur genug anstrenge, schaffen wir das schon.
Ich dachte es sei meine Schuld, wenn es nicht gut läuft. Man soll doch zusammenhalten, in guten wie in schlechten Zeiten.
Anfangs fühlte es sich wirklich nach Zusammenhalten an, wir waren uns sehr verbunden in unseren Ängsten und dem mangelndem Selbstbewusstsein, der nicht so schönen Kindheit.
Ich wollte immer nur gesehen werden, ich tat alles dafür. Doch vergeblich.
Er wuchs bei der Oma auf, die alles für ihn tat und ihm seine Wünsche von den Lippen ablas.
Sein Vater hat ihn nie gesehen- obwohl er alles dafür tat. Doch vergeblich.
Was ich heute verstanden habe:
Er war nur mit mir zusammen, weil er mich gebraucht hat, um sich selber besser zu fühlen.
Ich war nur Mittel zum Zweck, nie auf Augenhöhe.
Warum ich mich damals in ihn verliebt habe?
Sein schwarzer Humor gefiel mir sehr und da war diese magische Anziehungskraft.
Sogar das Schwierige mochte ich, aber schwierig war es von Anfang an. Er war sehr empfindlich und sehr schnell gekränkt, nahm alles persönlich. Wenn er sich neue Schuhe kaufen wollte und diese mir so gar nicht gefielen, warf er sie zurück ins Regal und war beleidigt.
Er vertraute mir als Erster Dinge an, die er noch nie jemanden erzählt hat und das ließ mich besonders fühlen.
Wir wollten es so anders als unsere Eltern machen, die beide getrennt waren.
Ich hoffte, er würde sich dafür genauso anstrengen.
Er machte mich sehr selten vor anderen runter, meist nur, wenn wir alleine waren. Da war ihm jeder Anlaß willkommen.

Über Vieles hätte man reden, oder lachen können, meist waren es Lapalien, an die ich mich im Nachhinein nicht mal mehr erinnerte. Doch er wurde wütend, so richtig wütend.
Was auch immer ich tat, oder sagte, für ihn war ich dumm. War ich schlecht drauf, reagierte er genervt und sagte, ich solle mich nicht so anstellen. Ob man mir eigentlich nie was recht machen könne.
Einmal war ich bereit zu gehen, dann sagte er mir, ich hätte alles falsch verstanden. Das konnte er gut, immer die Tatsachen verdrehen.
Ich blieb und dieses Muster zog sich durch unsere Beziehung. Ich glaubte ihm, wenn er mir hoch und heilig versprach sich zu ändern.
Ich hangelte mich von Hoffnungsschimmer zu Hoffnungsschimmer, es würde sicher bald besser werden.
Wenn wir nur erst zusammen wohnen, wenn das erste Kind mal da ist, wenn wir nur endlich in unser Haus ziehen können, wenn nur seine Weiterbildung abgeschlossen ist.
Ich habe viel gelesen über narzisszisch gestörte Beziehungen und habe alles verschlungen. Mit jedem Satz stellte ich fest:
Das sind doch wir!?
Der narzisstische Partner setzt den anderen und alles was ihm lieb ist, herab.
Dass sie ihre Partner mit Liebesentzug strafen.
Statt ihm klar zu machen, dass er so nicht mit mir umgehen kann, verstummte ich. Ich hab jeden seiner Vorwürfe auf mich genommen. Dann habe ich versucht, Dinge nicht mehr auszusprechen, weil es dann Streit gegeben hätte. Zu oft habe ich dabei gehört:
„Ach, jetzt geht es mal wieder nur um dich!“ Und: „Ach, jetzt bin ich wieder an allem Schuld?!“
Ich hätte ihm die Stirn bieten sollen, fürchtete mich aber vor seinem eiskalten Blick und seinen schwarzen Augen, die er dann immer bekam.
Als ich die Reißleine zog, hatte ich aufgegeben, dass er sich je ändert. Er ist kein schlechter Mensch, aber er kann nicht anders, verstand ich.
Was ich noch verstand war, dass auch ich kein schlechter Mensch bin.
Ich hatte mich in all der Zeit so sehr von mir selber entfernt und war traurig.
Und obwohl ich in dieser Beziehung fast vor die Hunde ging, schmerzte der Abschied so sehr.
Ebenso schmerzte die Frage, was mein Anteil daran war. Zu einer Beziehung gehörten ja immer zwei. Einer der ausführt und ein anderer, der zulässt.
Jeder muss seine Rolle in einem Partnerschaft hinterfragen. Es ist nicht so, dass man einfach mit jemanden zusammen den Weg geht und dann gibt es plötzlich einen Schuldigen.
Beziehungsdynamiken werden von zwei Seiten gespeist.
Sicher gab es ganz große Anzeichen, wie es endet, von Anfang an. Jeder kennt es, hinterher denkt man „Ach ja, natürlich!“
Klar hätte ich was merken müssen, aber ich habe es mir einfach schön geredet, weil ich es mir so sehr gewünscht habe.
Ich hatte immer das Gefühl, ich muss mich reduzieren, damit ich diese Beziehung aufrecht halten kann.
Wir akzeptieren somit Dinge an Menschen, die wir nie akzeptieren sollten. Es ist meist gar nicht so sichtbar, eher subtil.
Viele kleine Taten, viele kleine Schritte, bei denen man denkt: „Naja, so schlimm war das ja jetzt nicht!“ Dann suchte ich insgeheim nach Argumenten, warum diese Beziehung EIGENTLICH ja ganz gut ist.
Bedürfnisse werden in der Kindheit angelegt. Klar freut man sich bei schwachem Selbstbewusstsein, wenn da jemand kommt und sagt: „Dich will ich, du bist es!“
Es ist so wichtig seine eigene Geschichte zu kennen und zu hinterfragen.
Ist das eine Beziehungskonstellation, in der ich wirklich gesund leben kann, oder füttert es eigentlich nur mein Trauma?
In einer Beziehung mit einem Narzissten hast du nur eine Alternative: dich selber und all deine Bedürfnisse verschwinden zu lassen. Als Partner können wir ihm nicht so viel geben, ohne uns selber komplett auszulöschen.
Die Beziehung macht nur für den Narzissten Sinn, weil er damit sein Ego füttern kann.
Heute wird mehr darüber geredet und dabei denken einige: „Das ist ja wie bei mir!“
Ich habe alles geheim gehalten, weil ich auch eine erfolgreiche Beziehung führen wollte.
Und aus Scham, weil ich genau wusste, zu was ein Außenstehender mir raten würde beim Hören meiner Geschichte. Dann wäre klar, dass ich ein totes Pferd durch die Wüste geritten habe.
Lieber keine Beziehung, als eine schlechte sage ich heute.


























