You’re toxic

Es gibt sehr wenige richtige Narzissten, aber im Volksmund ist der Begriff weit verbreitet. Jedoch gibt es jede Menge Menschen, die Züge davon haben und sich in Beziehungen nicht so gut benehmen.

Ich war immer aufgeschlossen und unternehmungslustig, bis ich ihn kennenlernte.

Ich hatte eine große Klappe und einen noch größeren Gerechtigkeitssinn. Mir konnte keiner was vormachen und ich hatte Kämpfergeist.

Er machte mich in unserer Beziehung immer klein, hat sich in all den Jahren nicht wirklich für mich interessiert.

Er machte mir Vorwürfe, wenn ich krank war. Meist ging es ihm genau dann noch ein bisschen schlechter als mir, so dass ich mich wieder um alles kümmerte und mich nicht ausruhen konnte.

Warum es so lang gedauert hat, bis ich ihn verlassen habe?

Ich dachte, wenn ich mich nur genug anstrenge, schaffen wir das schon.

Ich dachte es sei meine Schuld, wenn es nicht gut läuft. Man soll doch zusammenhalten, in guten wie in schlechten Zeiten.

Anfangs fühlte es sich wirklich nach Zusammenhalten an, wir waren uns sehr verbunden in unseren Ängsten und dem mangelndem Selbstbewusstsein, der nicht so schönen Kindheit.

Ich wollte immer nur gesehen werden, ich tat alles dafür. Doch vergeblich.

Er wuchs bei der Oma auf, die alles für ihn tat und ihm seine Wünsche von den Lippen ablas.

Sein Vater hat ihn nie gesehen- obwohl er alles dafür tat. Doch vergeblich.

Was ich heute verstanden habe:

Er war nur mit mir zusammen, weil er mich gebraucht hat, um sich selber besser zu fühlen.

Ich war nur Mittel zum Zweck, nie auf Augenhöhe.

Warum ich mich damals in ihn verliebt habe?

Sein schwarzer Humor gefiel mir sehr und da war diese magische Anziehungskraft.

Sogar das Schwierige mochte ich, aber schwierig war es von Anfang an. Er war sehr empfindlich und sehr schnell gekränkt, nahm alles persönlich. Wenn er sich neue Schuhe kaufen wollte und diese mir so gar nicht gefielen, warf er sie zurück ins Regal und war beleidigt.

Er vertraute mir als Erster Dinge an, die er noch nie jemanden erzählt hat und das ließ mich besonders fühlen.

Wir wollten es so anders als unsere Eltern machen, die beide getrennt waren.

Ich hoffte, er würde sich dafür genauso anstrengen.

Er machte mich sehr selten vor anderen runter, meist nur, wenn wir alleine waren. Da war ihm jeder Anlaß willkommen.

Über Vieles hätte man reden, oder lachen können, meist waren es Lapalien, an die ich mich im Nachhinein nicht mal mehr erinnerte. Doch er wurde wütend, so richtig wütend.

Was auch immer ich tat, oder sagte, für ihn war ich dumm. War ich schlecht drauf, reagierte er genervt und sagte, ich solle mich nicht so anstellen. Ob man mir eigentlich nie was recht machen könne.

Einmal war ich bereit zu gehen, dann sagte er mir, ich hätte alles falsch verstanden. Das konnte er gut, immer die Tatsachen verdrehen.

Ich blieb und dieses Muster zog sich durch unsere Beziehung. Ich glaubte ihm, wenn er mir hoch und heilig versprach sich zu ändern.

Ich hangelte mich von Hoffnungsschimmer zu Hoffnungsschimmer, es würde sicher bald besser werden.

Wenn wir nur erst zusammen wohnen, wenn das erste Kind mal da ist, wenn wir nur endlich in unser Haus ziehen können, wenn nur seine Weiterbildung abgeschlossen ist.

Ich habe viel gelesen über narzisszisch gestörte Beziehungen und habe alles verschlungen. Mit jedem Satz stellte ich fest:

Das sind doch wir!?

Der narzisstische Partner setzt den anderen und alles was ihm lieb ist, herab.

Dass sie ihre Partner mit Liebesentzug strafen.

Statt ihm klar zu machen, dass er so nicht mit mir umgehen kann, verstummte ich. Ich hab jeden seiner Vorwürfe auf mich genommen. Dann habe ich versucht, Dinge nicht mehr auszusprechen, weil es dann Streit gegeben hätte. Zu oft habe ich dabei gehört:

„Ach, jetzt geht es mal wieder nur um dich!“ Und: „Ach, jetzt bin ich wieder an allem Schuld?!“

Ich hätte ihm die Stirn bieten sollen, fürchtete mich aber vor seinem eiskalten Blick und seinen schwarzen Augen, die er dann immer bekam.

Als ich die Reißleine zog, hatte ich aufgegeben, dass er sich je ändert. Er ist kein schlechter Mensch, aber er kann nicht anders, verstand ich.

Was ich noch verstand war, dass auch ich kein schlechter Mensch bin.

Ich hatte mich in all der Zeit so sehr von mir selber entfernt und war traurig.

Und obwohl ich in dieser Beziehung fast vor die Hunde ging, schmerzte der Abschied so sehr. 

Ebenso schmerzte die Frage, was mein Anteil daran war. Zu einer Beziehung gehörten ja immer zwei. Einer der ausführt und ein anderer, der zulässt. 

Jeder muss seine Rolle in einem Partnerschaft hinterfragen. Es ist nicht so, dass man einfach mit jemanden zusammen den Weg geht und dann gibt es plötzlich einen Schuldigen. 

Beziehungsdynamiken werden von zwei Seiten gespeist.

Sicher gab es ganz große Anzeichen, wie es endet, von Anfang an. Jeder kennt es, hinterher denkt man „Ach ja, natürlich!“

Klar hätte ich was merken müssen, aber ich habe es mir einfach schön geredet, weil ich es mir so sehr gewünscht habe.

Ich hatte immer das Gefühl, ich muss mich reduzieren, damit ich diese Beziehung aufrecht halten kann.

Wir akzeptieren somit Dinge an Menschen, die wir nie akzeptieren sollten. Es ist meist gar nicht so sichtbar, eher subtil.

Viele kleine Taten, viele kleine Schritte, bei denen man denkt: „Naja, so schlimm war das ja jetzt nicht!“ Dann suchte ich insgeheim nach Argumenten, warum diese Beziehung EIGENTLICH ja ganz gut ist.

Bedürfnisse werden in der Kindheit angelegt. Klar freut man sich bei schwachem Selbstbewusstsein, wenn da jemand kommt und sagt: „Dich will ich, du bist es!“

Es ist so wichtig seine eigene Geschichte zu kennen und zu hinterfragen.

Ist das eine Beziehungskonstellation, in der ich wirklich gesund leben kann, oder füttert es eigentlich nur mein Trauma?

In einer Beziehung mit einem Narzissten hast du nur eine Alternative: dich selber und all deine Bedürfnisse verschwinden zu lassen. Als Partner können wir ihm nicht so viel geben, ohne uns selber komplett auszulöschen.

Die Beziehung macht nur für den Narzissten Sinn, weil er damit sein Ego füttern kann.

Heute wird mehr darüber geredet und dabei denken einige: „Das ist ja wie bei mir!“

Ich habe alles geheim gehalten, weil ich auch eine erfolgreiche Beziehung führen wollte.

Und aus Scham, weil ich genau wusste, zu was ein Außenstehender mir raten würde beim Hören meiner Geschichte. Dann wäre klar, dass ich ein totes Pferd durch die Wüste geritten habe.

Lieber keine Beziehung, als eine schlechte sage ich heute.

Mit dem Wissen von heute…

Hattet ihr auch schon mal den Wunsch eure „großen“ Kinder nochmal von vorne zu erziehen- nur mit den Erkenntnissen und Erfahrungen von heute?

Ich wäre heute eine so viel bessere Mutter für meine Jungs, wie die unreflektierte junge Frau von damals es sein konnte.

Mit dem Wissen von heute würde ich so gern nochmal von vorne beginnen.

Ich würde so Vieles immer wieder genau so machen. Ich bin so erfüllt von all der gemeinsamen Zeit, dem Lachen, dem Tragen, den stundenlangen Schlafbegleitungen, dem Vorlesen, den Waderungen, dem Höhlen bauen , barfuß laufen, in Pfützen springen, auf Bäume klettern und all den Grasflecken.

Ich habe alles tief in mich eingesaugt, geküsst, am Haar gerochen, gestreichelt, massiert und endlos gekuschelt.

Was ich wirklich, wirklich bereue und meinem Ich von damals sagen würde:

Nimm das Leben nicht ganz so schwer!

Mach eine lange Elternzeit und geh nicht gleich nach einem Jahr wieder arbeiten!

Ich war so drin in diesem „Sicherheitsding“ und es war von vorn herein immer klar, dass finanziell nicht mehr als 1 Jahr drin ist. Ich hab das nie hinterfragt, es war halt so.

Die Doppelbelastung hat mich eiskalt erwischt, der Druck, da es kaum mal einen Monat ohne Kindkranktage gab. Es war so frustrierend und ich so ungeduldig.

Beim 2. Sohn hatte ich es immer noch nicht gelernt. Dann schon alleinerziehend. Die paar Monate im Harz 4 nach der Trennung haben mich gebrochen. Gesuchte Fachkraft, unbefristeter Arbeitsvertrag und trotzdem in dieser Lage. Diese Verzweiflung mich ganz unten zu befinden und die ewige Frage:

Wie konnte das nur passieren?

Ich hab noch nachts gestillt. Morgens um 5, wenn der Wecker klingelte, fühle ich mich wie vom LKW überrollt.

Zwei kleine Kinder morgens vor der Arbeit fertig machen, mich nebenbei auch noch. Mit müdem Kind, das mich sitzend von der Waschmaschine aus in seinem Schlafsack beim Schminken beobachtet.

Nie wieder würde ich mich so sehr kaputt machen wie damals. Heute würde ich weiss Gott weniger mit der Situation hadern. Ich würde 3 Jahre mit meinem Kleinkind daheim bleiben, trotz wenig Geld und würde mir selbst sagen:

Ich hab es mir nicht ausgesucht und ich hab das System nicht so gemacht. Ich schaue nach mir, nach uns, ich hab noch genug Gelegenheit in die Kasse einzuzahlen. Jetzt brauche ich erstmal die Hilfe, um klarzukommen.

Ebenso würde ich mich bei kranken Kindern ganz ohne schlechtes Gewissen krankmelden.

Nicht so viel mit Medizin arbeiten, damit sie ja bald wieder funktionieren und ich arbeiten gehen kann. Vor lauter schlechtem Gewissen den Kollegen gegenüber.

Ich würde ihnen die Zeit geben, die ihr kleiner Körper braucht und mich entspannt mit ihnen unter der Decke einkuscheln.

Ich würde nicht wieder verzweifelt nach Lösungen suchen, wenn der Kindsvater mal wieder das Umgangswochenende abgesagt hat, oder die Ferien nicht wie geplant stemmen kann.

Es ist nicht meine Schuld, ich kann nichts dafür, ich bade es nicht aus und melde mich einfach krank, um für meine Kinder dazusein. So mein heutiges Ich.

Ich würde mich genauso wie damals von einem Mann trennen, der nicht gut zu mir ist.

Jedoch würde ich mir viel schneller mein soziales Netzwerk aufbauen, mich unabhängig von ihm machen und frei.

Ich würde viel mehr auf mein Bauchgefühl hören und seine Spielchen viel schneller unterbinden.

Niemals wieder würde ich auf irgendwas verzichten, was mir eigentlich zusteht, nur aus der Hoffnung heraus, dass dann bald Harmonie ist und der Ex aufhört zu toben.

Das ist das einzige, was ich anderen frisch getrennten Mamas rate:

Holt euch, was euch zusteht und verzichtet auf NICHTS!

Das macht man halt so/ Das macht man nicht

Gestern waren wir auf dem Wintermarkt im Nachbarort zum Langos essen.

Wir warteten extra bis es dunkel wurde. Für die Stimmung.

Dort trafen wir eine Bekannte und sie sagte sowas wie:

“ Am Tag wird was geschafft und wenn man nichts mehr sieht, geht man auf den Weihnachtsmarkt. Das war schon immer so.“

Der Satz hallte nach und gab mir zu denken.

Was hatte ich heute getan, dass ich mir den Weihnachtsmarkt verdiene?

Mein Sohn sorgte fürs Frühstück und machte wie immer am Wochenende pancakes.

Mittagessen hab ich nicht kochen müssen, denn ich habe Freitag vorgekocht.

Hier wurde in der Küche getanzt, was für die Schule gemacht, gespielt, gebastelt, geschraubt und gebacken.

Wir hatten es sehr entspannt und lagen stundenlang auf der Couch, bevor wir dort hingingen.

Sogar ein Nickerchen hab ich eingelegt.

Ich leiste viel. Und muss mir nichts verdienen entschied ich für mich.

Ich bin nicht faul. Ganz und gar nicht.

Ich achte auf mich. Auf uns.

Auf Ruhe und Entspannung.

Ich bin froh über unser Leben, das nicht geleitet ist von „das macht man halt so“.

Wir entscheiden selber, wie wir es machen!

Im Alltag mit Schule und Arbeit, Training der Jungs und all dem, ist bei uns immer alles durchgehalten. Da sitze ich abends das erste Mal und spüre die Schritte des Tages.

Da geht es drum pünktlich zu sein und alles zu schaffen.

Das Wochenende darf ein Kontrast dazu sein.

Dazu gehört in den Tag hinein leben, faul sein, sich einkuscheln, absolut nichts vorhaben.

Die Zeit nicht im Blick zu haben, mittags die Reste vom Frühstück zu essen und das Mittagessen ausfallen lassen.

Kuscheln und spielen mit dem Kater.

22 Uhr nochmal beim Teenager klopfen und fragen, ob er alles hat für einen gemütlichen Abend und sich wohl fühlt.

Wenn er dann sein Handy weglegt und wir bis 22.22 Uhr deeptalken, ich mit ner fetten Umarmung aus seinem Zimmer geschickt werde, dann ist die Welt für mich in Ordnung.

Meine Kinder können sehr gut für sich sorgen und achten besonders am Wochenende darauf, dass sie es ganz gemütlich haben.

Heute musste ich mit meinem kleinen Sohn in sein Bett liegen. Er hat alles dunkel gemacht und die Rollo runtergelassen.

Per Fernbedienung gehen die Lichter seiner neuen Lichterkette an.

Er legte sich in meinen Arm und sagte:

„Das ist so schön!“ Und das war es.

Ich liebe das Vorlesen am Tag, weil wir einfach Zeit haben.

Das Uno spielen 8 Uhr morgens.

Ich muss zum Glück nicht im Garten arbeiten, weil ich gar keinen besitze.

Ich muss nicht das ganze Haus auf Vordermann bringen, weil wir nur ne kleine Wohnung haben.

Was jedoch groß ist- das ist mein Herz.

Wo ich reich bin- das ist an schönen Erinnerungen genau an all das.

Mir egal, wie man das so macht. Ich mach es so.

Lernprozesse und Erfolgserlebnisse

Hausaufgaben sind bei uns ja so ein Thema.

Immer mehr Lehrer und Schulen entscheiden sich gegen Hausaufgaben, da einfach nicht alle Kinder gute Voraussetzungen und Bedingungen zu Hause haben.

Ich warte so sehr auf den Tag und hoffe, wir erleben ihn noch.

Hausaufgaben sind bei uns ein wahnsinns Stressfaktor und ein enormer Gefährder unserer guten Bindung.

Das war vielleicht früher ok, als nur die Männer gearbeitet haben, die Frauen Hausfrauen waren und 12 Uhr mittags das frisch gekochte Essen auf dem Tisch stand.

Diese Mütter hatten dann genügend Kapazität , sich im Anschluss um die Hausaufgaben der Kinder zu kümmern.

Die Zeiten haben sich geändert.

Wenn man, wie in meinem Fall, alleinerziehend und berufstätig ist, muss man schon einiges auf sich nehmen.

Ich habe zb meine Arbeitsstunden umverteilt, um so oft wie möglich mittags mit meinem Sohn in der 4. Klasse Hausaufgaben machen zu können.

Das geht nur, wenn man einen tollen, entgegenkommenden Vorgesetzten hat, der Verständnis zeigt, wenn dein Kind in dieser riesen Gruppe mit anderen Hausaufgabenkindern untergeht, sich nicht konzentrieren kann und kaum voran kommt.

Am Freitag gibt es gefühlt immer die meisten Hausaufgaben, ganz nach dem Motto:

Da hat man ja genügend Zeit!

Und tatsächlich haben sich diesmal die Hausaufgaben von Freitag bis Sonntag erstreckt. Ich habe Freitag auf einen Teil Englisch und Mathe bestanden.

Es war wirklich viel, ich wusste, wie sehr ihn das fordern wird. Gleichzeitig weiss ich, dass er freitags nach der Schule einfach nur k.o ist und da nicht viel geht.

Am Samstag Fussballtraining, Mittagessen und ein Friseurtermin in der Stadt- schon hatten wir die Überforderung.

Müde, keine Lust und „es ist einfach so viel!“

Für heute war noch ein Schleichdiktat übrig, ein langes. Und das war der Endgegner.

Gestern Abend kündigte er schon sehr bestimmt an, dass er das auf gaaaar keinen Fall machen wird.

Ich habe den Druck deutlich gespürt und auch meine Angespanntheit.

Wir haben heute Nachmittag etwas Schönes vor, das ihm wichtig ist.

Es war klar, nach Ausschlafen, frühstücken, anziehen usw. wird begonnen.

Es war zäh. Immer wieder wurden Wörter durchgestrichen, Rechtschreibfehler gemacht, vom Schriftbild nicht zu reden.

Klar hatte ich es auf der Zunge:

„Du machst das jetzt, sonst gehen wir nicht ins Kino!“

„Das wird jetzt gemacht und basta!“

„So viel ist es doch gar nicht, jetzt komm!“

Wenn du das nicht machst, kannst du sämtliche Medien heute vergessen!“

Er saß da und rebellierte.

„Noch so viel, das schaff ich nicht!“

Wir hatten den Wecker auf 30 min gestellt, die war längst rum und der Text noch nicht annähernd fertig.

Pause.

Er legte sich auf die Couch, gähnte, spielte mit dem Kater.

Traurig sah er aus, erschöpft und überfordert.

Als ich mich zu ihm legte, fing er an zu weinen.

Er fühlte sich erpresst, „weil wenn ich es nicht mache, gehen wie sicher nicht ins Kino!“

Also wurde erstmal geklärt, dass diese Verabredung mit dem besten Freund indiskutabel ist. Daran wird nicht gerüttelt. Niemals.

Ich hielt ihn lange im Arm und verstand ihn total. Es war wirklich viel. Vollstes Verständnis, dass er keine Lust mehr hatte, wo er doch schon so viel geleistet hatte.

Ich hatte die bereits abgeschriebenen Zeilen in Streifen geschnitten und wir einigten uns darauf, diese erstmal zu verbrennen.

Ja, in der Wohnung. Mit Feuerzeug und Papierstreifen in der Hand halten.

Dafür haben wir unsere extra Schüssel.

Er stellte fest, dass er ja bereits über der Hälfte sein muss, so viele Streifen, wie er verbrennen darf.

Nach ganz viel kuscheln, ein paar Lieblingsliedern über Püpse und Bratwürste, hatte ich seine Bereitschaft wieder.

Streifen für Streifen legte ich ihm zum Abschreiben hin und danach wollte er jeden mit einem Karatetrick durchtrennen.

Wir lachten, hatten Spass und ich spürte die Erleichterung.

Der letzte Satz war vollbracht und diesen Streifen wollte er wieder verbrennen.

„Boah!“

Als alles in den Ranzen gepackt werden konnte, klatschten wir ab. Meine Handinnenfläche glühte und war feuerrot. Er lachte.

Dann wünschte ich mir zur Feier des Tages einen Freudentanz, um das vollbrachte Werk zu feiern.

Er grinste, zog die Augenbrauen hoch. Dann hörte ich:

„Alexa, bitte spiele Macarena!“

Und wir tanzten drei Runden, fielen uns lachend in den Arm. Ich sagte ihm, dass ich sehr froh über ihn bin und dankte ihm fürs Mitmachen.

Diese Momente fallen mir noch oft schwer. Wie viel leichter ist es mit „Wenn- dann“ zu arbeiten, weil man es nicht besser gelernt hat und völlig hilflos ist.

Dass dieses Diktat geschrieben wird, stand nie zur Debatte.

Nur das WIE!

Hier heilt auf ein bisschen mein inneres Kind!

Alleinerziehend und der Tod

Als Krankenschwester habe ich viele Menschen in den Tod begleitet, habe ihre Hand gehalte, Verstorbene versorgt und gerichtet.

Bei einem Sterbeseminar vor Jahren merkte ich, wie klar es war:

Der Tod gehört zum Leben dazu. Ich kann gut damit umgehen…solange es nicht um meinen eigenen geht.

Die Dozentin hatte ein paar Fragen vorbereitet, die jeder für sich im Stillen beantworten sollte.

Mir ging es gar nicht gut damit, Panik stieg auf.

Es war das gleiche Gefühl, das mich vor einigen Tagen aufsuchte.

Ich hatte einen schönen Abend mit Kollegen, fuhr mit dem Auto nach Hause und verfasste meiner Freundin eine Sprachnachricht.

Ich erzählte ihr, wie gut dieser Abend ohne Kinder mir tat und wie toll es ist große Kinder zu haben, die man alleine zu Hause lassen kann.

Es war dunkel und neblig. Plötzlich hatte ich für 2 Sekunden dieses Bild vor meinem geistigen Auge, wie ich nach einem Unfall nur noch wimmerte und eingeklemmt war.

Nicht tot, aber es sah nicht gut aus.

Es schien mir wie eine Art Warnung zu sein.

Klar, ich wollte schnell nach Hause.

Aber gesund und lebendig.

Gleich bremste ich ab und konzentrierte mich auf die Straße.

Wieder wurde es mir bewusst:

Mir darf nichts passieren.

Jemand der glücklich verheiratet ist, oder ein toller, verantwortungsvoller Papa sich um die Kinder kümmert, da ist es klar.

Sollte die Mama sterben, ist immerhin der Papa da und man weiss das Kind in guten Händen. 

Wenn der Kindsvater jedoch nicht mal für sich die Verantwortung übernehmen kann, man selber keine Geschwister hat, ja dann wird es eng.

Was soll aus den Kindern werden, wenn ich nicht mehr bin?

Also ist die Antwort klar: mir wird nichts passieren und ich werde nicht sterben, bevor die Jungs selbständig leben können.

Und wenn doch, hoffe ich, sie sind alt genug und ich habe ihnen genug gute Werte mit auf den Weg gegeben, dass sie widerstandsfähig und selbstbewusst genug sind, danach zu leben.

Nur 18 Sommer…

Nur ca. 18 Sommer haben wir mit unseren Kindern.

18 ist keine besonders hohe Zahl.

Und womöglich sind es sogar nicht mal 18 Sommer.

Mein großer Sohn ist bereits 13.

Wir hatten 13 Sommer miteinander, es folgen nur noch wenige.

Mein jüngerer Sohn ist auch schon 9, dementsprechend haben wir sicher auch bereits den Großteil unserer Sommer hinter uns.

Der Gedanke daran macht mich wehmütig.

Mich beschäftigt die Frage, ob ich die gemeinsame Zeit gut genutzt habe und es bewusst wahrgenommen habe.

Blieb genug Zeit zwischen finanziellen Krisen und fehlender Kinderbetreuung?

War genug Zeit zwischen mentaler Überforderung, Gereiztheit und der Arbeit?

Was werden meine Kinder mal von ihren 18 Sommern erzählen?

Hatten sie das Gefühl, ich verbringe gerne die Stunden mit ihnen?

Erinnern Sie sich an mein Schreien, an Tagen, die nicht gut liefen?

Oder überwiegt die Erinnerung, an das Kitzelmonster, das die Finger nach ihnen ausstreckt, wenn sie sich zusammen laut lachend unter der Decke versteckten?

Werden sie wissen, dass sie immer, immer geliebt waren, auch wenn ich nicht die Kraft hatte es zu zeigen?

Ist es ausreichend, wenn man sich in schwachen Momenten entschuldigt?

Was bleibt in Erinnerung?

Die Tränen und der Schmerz, oder wie wir Hand in Hand loslaufen und ins Wasser springen?

Überwiegt die Erinnerung daran, wie kurz die Zündschnur beim Duschen war als sie klein waren? Wenn sie nicht wollten, gestrampelt haben und geschrien? Bleibt mein genervtes Gesicht, oder die Tatsache, wie ich sie mit ausgebreitetem Handtuch raushebe und wir uns drücken?

Werden Sie sich an die vielen, vielen Bücher erinnern, die ich ihnen abends vorgelesen habe, oder überwiegt die Erinnerung daran, wenn ich es nicht so liebevoll geschafft habe sie ins Bett zu bringen, wie ich es mir gewünscht hätte?

Überwiegen die endlosen Gespräche vorm Einschlafen? Oder mein: „Jetzt ist Schluss!“

Denken sie an die liebevollen Verabschiedungen in den Kindergarten, mit „noch einmal drücken“ und winken, oder die paar Mal, wenn wir uns lieblos und im Streit getrennt haben?

Ich erinnere mich an alles! Das Gute und das schlechte.

Nach 13 Jahren Mama sein habe ich viel dazugelernt.

Mit dem Wissen von heute würde ich viele Situationen von damals viel entspannter angehen lassen.

Mich würde heute viel weniger aus der Ruhe bringen, wie damals noch.

13 Sommer hatten wir bereits gemeinsam und es gibt keinen See in der Nähe, in dem wir nicht geschwommen sind.

Kein Bach, an dem wir noch keinen Staudamm gebaut haben.

Kein Turm, den wir noch nicht bestiegen sind.

Keine Wiese, auf der wir noch kein Picknick gemacht haben. Keine Ruine oder Burg, wo sie noch nicht geklettert sind.

Kein Spielplatz, auf dem sie noch nicht barfuß ein riesen Loch gegraben haben.

Kein Hügel, den sie sich nicht runterkullern ließen.

Wir haben kein Abenteuer ausgelassen, waren zusammen am Meer, haben bei Konzerten in der ersten Reihe gesungen, haben zusammen einen Hindernislauf gemeistert, Fahrradtouren gemacht. So viele Überraschungen, die ich heimlich vorbereitet habe.

So viele schöne, kostbare Erinnerungen in meinem Herzen. Sie werden ein Leben lang halten.

So oft habe ich mir mehr Geld auf dem Konto gewünscht, um öfter mit ihnen ferne Länder zu besuchen.

Ein paar Wünsche haben wir noch und will ich uns noch erfüllen, dafür spare ich jetzt ne ganze Weile.

Die wertvollsten Erinnerungen sind jedoch die Spontanen und die, die kein Geld gekostet haben.

Die tollen Gespräche mit einem Teenager sind für mich unschlagbar. Ich liebe es zu beobachten, wie er heranwächst, welche Ansichten er hat, wie positiv er in die Zukunft blickt und dass ich ihm gute Werte mit auf den Weg geben konnte.

Ich liebe die Erinnerungen, als sie klein waren. Das in die Decke wickeln und einfach rausgehen in die Nacht, den großen Wagen suchen und andere Sternbilder.

Ich spüre deutlich, dass die 18 Sommer schneller vorbei sind, als ich bereit bin.

Teach them young

Mein großer Sohn schimpft, er glaubt, ich habe wieder einen Ratgeber zum Thema Erziehung gelesen.

Was er feststellt: ich bin irgendwie so streng geworden.

Was er nicht weiss: es war kein Ratgeber, sondern die tolle Psychologin in der Mutter- Kind- Kur vor ein paar Wochen.

Sie fragte mich beim Abschlussgespräch, was ich so mitgenommen habe aus der Zeit.

Nach all den positiven Dingen erzählte ich ihr diese eine für mich so erschreckende Situation mit meinen Kindern. Ein echter Wachmacher und Wachrüttler.

Folgende Situation:

Wir waren mit 2 anderen Mamas und deren Kinder in einer Minigolfanlage. Es war Mittag, die Sonne knallte.

Und obwohl wir nach unserer 2 stündigen Tierwanderung mit der festen Absicht kamen, dort Minigolf zu spielen, beschlossen wir Mamas einstimmig, dass das heute nicht geht, da die komplette Anlage in der prallen Sonne stand.

Wir setzten uns in den Biergarten in den Schatten und beschlossen nur zu Essen und zu Trinken.

Schlechte Stimmung breitete sich aus, die Kinder waren bockig und verbündeten sich gegen uns gemeine Mamas.

Mies gelaunt teilten sie mir ihre Getränkewünsche mit und setzten sich gemeinsam weiter weg.

Ich stellte mich an und hatte dann eine Hand zu wenig, denn ich habe 2 Kinder. Dementsprechend waren es zwei Getränke und mein Kaffee.

Ich bat die eine Mama, mir kurz was abzunehmen, dass ich die drei Getränke sicher in meinen Händen platziere und transportieren kann.

Ich stellte fest, dass ich nicht mal auf die Idee gekommen bin, meine Jungs zum Unterstützen zu holen. Erst als ich darauf hingewiesen wurde.

Das war so erschreckend!

Die Psychologin hatte sofort eine Erklärung parat, warum das so ist.

Eine Mischung aus Schuldgefühlen, weil…

„… wenn sich der Vater schon nicht kümmert!“

„… wenn sie schon nur mich haben!“

„… wenn sie schon so viel verloren haben!“

„… wenn sie schon so viel durchgemacht haben!“

„… wenn sie schon so viele Tiefpunkte erlebt haben!“

Und einem Stück eigener Kindheit:

“ Sie sollen es besser haben!“

“ Ihnen soll es besser gehen!“

Autsch!

Sie riet mir, die große Energie meiner großen Jungs in Anspruch zu nehmen!

Ich wehrte mich und sagte, dass beide sehr wohl mit anpacken und Aufgaben übernehmen müssen…

… aber eben nicht regelmäßig

… und nichts Festes

… und eigentlich auch nur Kleinigkeiten, die mir nicht wirklich große Erleichterung bringen

… und auch nur „Zutrauliches“, ja nichts Ungeliebten und gar Ekeliges

… und eigentlich auch nur dann, wenn es mir mal wieder zu bunt und zu viel wurde

Sie war überzeugt davon, dass das so stimmt. Bat mich jedoch Regelmäßigkeit und feste Aufgaben zu verteilen, so dass ich nicht jeden Tag neu diskutieren muss und jedem klar ist, was zu tun ist.

Daheim wurde es gleich besprochen und festgelegt.

In der ersten Woche wurde täglich gewechselt:

Einer war immer für die Spülmaschine zuständig und der andere für anfallende Aufgaben:

Papier, gelber Sack, Rest- oder Biomüll runter in die Tonnen vors Haus bringen, Staubsaugen, Spiegel putzen, Wäsche sortieren und waschen, Boden wischen, oder auch mal Wäsche aufhängen

( by the way…ich war erschrocken, weil ich dachte es reicht, dass er sieht wie ich das mache. Aber das reicht nicht. Vieles, was für mich selbstverständlich ist, ist es nicht für einen 13 jährigen. Er braucht Anleitung und Führung)

Inzwischen haben wir uns eingegrooved auf wöchentlichen Wechsel. Einer ist für die Spülmaschine zuständig, der andere muss die ganze Wohnung saugen. Beides geschieht bei uns täglich, allein schon wegen dem frechen Kater und seinem verteilten Streu.

Letzte Woche gab es 10.15 Uhr einen Tierarzttermin. Routine und eine Spritze. Ich habe darauf bestanden, dass beide mitgehen. Nicht wie die letzten 2 mal. Es ist UNSER Kater, nicht meiner. Wir lieben ihn alle, dazu gehört auch mal in den Ferien 9.30 Uhr den Wecker zu stellen.

Diese zwei festen Aufgaben, Spülmaschine und Staubsaugen, helfen sehr. Ich versuche mich nicht schlecht dabei zu fühlen, auch wenn ich Urlaub habe und in der Zeit nichts „wegarbeite“.

Ich helfe beim Erinnern an die tägliche Aufgabe, setze Limits, bis wann diese Aufgabe erledigt werden muss.

Und siehe da! Es klappt. Es wird nicht diskutiert darüber. Für mich ist es eine enorme Entlastung und ich geniesse es!

Du BRAUCHST einen Mann

Zuletzt hörte ich diesen Satz in der Mutter- Kind- Kur vor ein paar Tagen.

Gesagt wurde er von einer Frau.

Gerichtet war er an eine junge Mama, die mit zwei kleinen Kindern da war. Ich wusste, dass ihr Mann sie verlassen hatte und es noch ganz frisch war.

Sie war sehr depressiv, besaß seit der Trennung nur schwarze Kleidung.

Davor habe sie gern bunt getragen, jedoch hat sie in einem Ausnahmezustand alles zerschnitten.

Der Vater ihrer Kinder lässt nichts aus, um sie zu demütigen.

Sie erzählte mir von Psychoterror, nachdem er ausgezogen ist.

Zum Beispiel überwies er den Kindesunterhalt in kleinen Häppchen über mehrere Tage.

Sie war darauf angewiesen und war fast am Durchdrehen deswegen.

Zwischendurch wollte sie sich das Leben nehmen.

„Ich wollte einfach nicht mehr!“

Wir saßen  eines Abends so zusammen und tauschten uns aus.

Da kam eine neu angereiste Frau mit uns ins Gespräch, sehr oberflächlich und am Rande bekam sie mit, dass die besagte Frau getrennt ist.

Ihre Stimmung war ihr wohl zu schlecht, vielleicht konnte sie ihre Traurigkeit nicht ertragen, ihren ernsten Blick und dass sie sehr selten mal lächelte.

Sie befand: “ Du brauchst einen Mann“ und alle lächelten verhalten. Eine andere Mama und ich tauschten Blickkontakt aus, nachdem dieser Satz fiel.

„BRAUCHT man denn einen Mann? Ich glaube nicht, dass eine Frau einen Mann BRAUCHT,“ sagte diese.

Ich fragte mich, warum sie sowas sagte.

Sie ist Italienerin und ist sicher sehr traditionell aufgewachsen erklärte ich mir selbst.

Vielleicht wurde es ihr so vorgelebt und sie handelt aus alten Mustern.

Vielleicht wollte sie die Stimmung auflockern und dachte sich nichts dabei.

Was mir durch den Kopf ging:

Warum darf sie nicht einfach tottraurig sein und sich soviel Zeit nehmen wie nötig, um wieder auf die Beine zu kommen?

Wofür braucht sie einen Mann?

Damit Sie vergisst, was ihr passiert ist?

Schnell drüber hinwegkommt?

Das Bild nach Aussen wieder stimmt?

Sie wieder glücklich ist?

Weitermacht, als ob nichts wäre?

Warum darf sie da nicht alleine durchgehen, egal wie lange es dauert?

Wenn dann wieder ein Mann Platz an ihrer Seite findet und sie bereit dafür ist, ist das toll!

Aber BRAUCHEN braucht sie ihn sicher nicht, so wie keine Frau heutzutage einen Mann BRAUCHT!

Man sollte sich ergänzen, gleiche Werte und Ziele haben.

Aber BRAUCHEN sollte eine Frau keinen Mann!

Mutter- Kind- Kur

Seit heute sind wir nach drei Wochen Mutter- Kund- Kur zurück.

Ich war beim Abschied etwas emotional, da es aufgrund dem Alter der Kinder unsere letzte Kur gewesen sein wird.

Insgesamt war es unsere Dritte und ich bin so stolz auf mich, dass ich es alle 4 Jahre in Anspruch genommen habe.

Die Erste als Nervenbündel und am Boden zerstört. Frisch getrennt und alleinerziehend mit zwei Kleinkindern. Ich wollte einfach weg und brauchte Abstand.

Ich hab dort geweint und hatte eine tolle Psychologin, die mich gut aufgefangen hat.

Dort hörte ich zum ersten Mal von der Beistandschaft, nachdem ich feststellte, dass mein Konto aufgrund fehlenden Unterhaltes im Minus war. 

Die Zweite am gleichen Ort vier Jahre später, war so wichtig für mich.

Ich erinnerte mich, wie schlecht es mir damals ging und wie weit ich gekommen war.

Ich hatte eine Wohnung, ein Auto, einen Job, meine Kinder bei mir und alles zum Thema Kindesunterhalt lief inzwischen. 

Ich weiss, dass ich mich gut fühlte, viel Sport gemacht hab und fast euphorisch war. 

Damals erzählte ich der Psychologin dort, was ich alles unternehmen möchte und sehen. Sie zog die Augenbrauen hoch und ermahnte mich, nicht zu viel zu machen, ich sei zur Erholung da.

Ich fuhr damals mit dem Gefühl hin, dass ich eine furchtbare Mama sei, die letzten Jahre nagten an mir.

Dort stellte ich fest, dass ich mich gut um meine Jungs gekümmert habe, auch an meinen schlechtesten Tagen, als es nur Spaghetti mit Pesto gab.

Ich hatte MICH wiedergefunden. Neu entdeckt. Die Frau, nicht nur die Mutter.

Ich hatte an mir gearbeitet und stellte erste Erfolge fest.

Jetzt, bei der Dritten, war ich bereit für einen neuen Ort.

Aber auch diesmal ging es wieder in den Schwarzwald. Mit zwei richtig großen Jungs im Alter von 13 und 9 Jahren.

Beide hatten gar keine Lust auf die Kur und die dortige Betreuung.

Der Große sagte eines Tages im Auto zu mir:

„Mann Mama, wir brauchen das doch gar nicht, du hast doch alles voll gut im Griff und kriegst alles gut hin!“

Ich lachte müde, war erleichtert über seine Ansicht, wohlwissend, dass DER Teil auch stimmt. Jedoch verlangt es mir einiges ab und es ist auf meine Kosten. Ich war so müde und energielos- ich spürte es war mehr als nötig.

Die Arbeit als Krankenschwester, so sehr ich sie auch liebe!

Zwei Schulkinder und die Organisation drum herum, ich bin absolut in der Verantwortung.

Ein Kind mit Neurodiversität und der Kampf rund um den Nachteilsausgleich, Gespräche mit der Klassenlehrerin und die Info darüber, wo ich welche Hilfe bekomme, was ihm zusteht.

Ein Motorschaden und ein kleiner Geschmack drauf, wie unser Leben auf dem Land ohne Auto sein wird. Puh!

Auch diesmal war die Kur mehr als nötig.

Ich genoss es so sehr wie noch nie, mich an den gemachten Tisch zu setzten und einfach alles stehen lassen zu können.

Kein Einkauf, kein Kochen, kein schmutziges Geschirr.

Den Kindern hab ich klipp und klar gesagt, dass sie selbstverständlich dort in die Betreuung gehen werden, weil es hier um MICH geht, nur um mich.

Ich müsse wieder Energie für unseren Alltag tanken, damit ich alle Aufgaben weiterhin schaffe.

Schon länger spürte ich mein Herzrasen- vor allem in Ruhe. Eine Weile hatte ich das Gefühl, es ist mein Ende.

Alles wurde abgeklärt und mein Herz ist absolut ok. Es ist der Stress. Die Psyche. Die wahnsinnige Belastung über lange Zeit.

Mein Nacken/ Schulterbereich war total verspannt und meine rechte Schulter schmerzte seit vielen Tagen. Es zog vom Nacken bis ins Schulterblatt und ich fühlte mich dadurch sehr eingeschränkt.

Dort nahm ich an fast allen angebotenen Aktivitäten teil, weil ich genau spürte, was mein Körper brauchte:

Wirbelsäulengymnastik, Beckenbodengymnastik, Wassergymnastik, Bewegungstherapie und Walking.

Ich hörte mir alles an zum Thema Stressbewältigung, Selbstfürsorge, Achtsamkeit und stellte fest, dass ich das bereits verinnerlicht habe.

Ich kann sehr gut für mich selber sorgen.

Nur manchmal kommt die Welle und bricht über mir, so dass das nicht mehr reicht.

Dort waren diesmal so viele Alleinerziehende, ganz am Anfang wie ich damals. Sie fragten sich noch, was SIE falsch gemacht haben, dass er so ist und ich dachte:

„Vor dir liegt noch ein weiter Weg!“

Andere haderten damit, dass sie jahrelang sein Verhalten nie hinterfragt hatten und sich heftige Vorwürfe für ihre Naivität und Blindheit machten.

Ich war eine von ihnen. Nur Jahre weiter. Ich habe die Gewissheit, dass ich vieles richtig gemacht habe und wir ein tolles Team sind, meine Jungs und ich.

Wichtig dafür ist allerdings, dass es MIR gut geht. Ich kann nur geben, wenn ich genug habe. Mein Tank ist voll. Ich habe neue Ziele und freue mich auf alles was kommt.

Ich bin stolz auf mich und meine Selbstfürsorge. Darauf, dass ich mich oft zur Priorität mache, ohne mich egoistisch zu fühlen.

Ich höre auf mein Bauchgefühl und habe klare Grenzen.

Gepaart mit purer Lebensfreude und bedingungsloser Liebe bin ich unaufhaltsam.

Teenagerjungs

Das sind die ersten Sommerferien mit einem Teenagersohn. Und sie starten schon so anders, als alle anderen Ferien zuvor.

Ich stelle deutliche Veränderungen fest.

Es ist so spannend mit einem 13 jährigen Jungen, ich entdecke jeden Tag so viel Neues an ihm.

Ich habe keinen Bruder und obwohl ich eng mit meinem Cousin aufgewachsen bin, kann ich mich so überhaupt nicht an all das erinnern.

Ich liebe diese Phase so sehr und werde es nicht Leid jedem davon zu erzählen. 

Das Türenschlagen ist schon lange nicht mehr vorgekommen.

„Ich wünschte ich wäre nie geboren“, liegt lange hinter uns.

Es ist harmonisch. Er kann gut für sich einstehen und sammelt gute Argumente.

Er fordert nicht zu viel ein, nur so viel, dass es womöglich klappen könnte.

Ich verstehe nicht, dass so viel über Teenager und ihre Eigenarten geschimpft wird.

Kann sein wir stehen noch ganz am Anfang und das dicke Ende kommt noch.

Allerdings denk ich nicht daran und geniesse die Zeit jetzt.

Wir reden jetzt über Zinsen und Kredite, warum man sich nicht einfach ALLES kaufen kann, selbst wenn man einen Kredit benötigt.

Wir reden über Gewinnspiele auf dem Handy und dass man nicht auf alles reinfallen darf.

Über Mobbing, Datenschutz, Werte, Karma, Deo und Ziele. Manchmal auch über Gefühle.

Ich muss mir ein Schmunzeln verkneifen, wenn er sich aufregt und sich dabei seine Stimme überschlagt.

Bisher in den Ferien hatte er nur einen Wunsch: mehr Medienzeit.

Jetzt schickt er mir Bilder von einem leckeren Joghurt mit Vollkorncrunchies drin und dass er sich noch nen Apfel reingeschnitten hat. Es sah sehr lecker aus.

Ich habe gestaunt. 

Am letzten Schultag sagte er:

“ Mama, ich will jetzt erstmal 4 Tage nicht rausgehen!“

Er hat sich keinen Tag dran gehalten und hatte spätestens 20 Uhr Lust auf ein paar Schüsse, Wandbolzen oder Fussballtricks üben.

Ich soll mit und muss dann immer zählen, oder seine Ballannahmen bewerten.

Der kleine Bruder ist k.o von den 2 Tagen Ferienbetreuung und will nicht mit.

Verkehrte Welt!

Heute haben wir zusammen 30 min nach dem Fussball gesucht, den er mit voller Wucht ins Gebüsch geschossen hat.

Ich wollte erst schimpfen, weil er unauffindbar war, das Gebüsch voller Spinnennetze. Dann stellte ich fest, dass ich  die Zeit so genieße.

Ihn zu beobachten. Seine Energie. Seine Strategie. Seine schnellen Bewegungen.

Die Freude und Erleichterung, als er den Ball gesichtet hat.

Er duscht freiwillig, heute bereits zwei Mal- eine tolle Veränderung!

Er macht viel Sport in seinem Zimmer, hat Ziele und hat das „Vorherfoto“ gemacht.

Immer 18 Uhr sind wir verabredet. Er will, dass ich ihm zuschaue und seine Ausführung beobachte.

Ich liebe seinen Musikgeschmack und die letzten Tage endete es damit, dass ich mal wieder die Hanteln geschwungen hab.

Ich hab ihn heute so dafür gelobt, dass er so gut für sich sorgen kann und so gut zu sich selbst ist. Das ist ne tolle Ressource und hoffe, er behält das bei.