Männer sind sehr schnell nach einer gescheiterten Beziehung offen für was Neues und stürzen sich wieder ins Leben- so meine Erfahrung.
Frauen nehmen sich eine längere Auszeit- so meine Erfahrung.
Wir Frauen ziehen uns meist zurück, gehen in uns, hinterfragen uns, unsere Beziehungen und unser Leben im Allgemeinen. Wir machen es mit unseren Freundinnen aus und am meisten mit uns selbst.
Wir schauen ganz genau hin, wissen nach einem schmerzhaften Prozess, durch den wir gehen, recht schnell wo das Problem ist.
Wir arbeiten hart an uns, wir weinen, schreiben, tanzen, gehen in die Natur, oder ziehen uns zurück. Wir lesen, meditieren, versuchen uns wieder aufzurichten und wieder in unsere Kraft zu kommen.
Und dann ist irgendwann dieses Gefühl da:

Ich bin nicht nur Mama, ich bin auch eine Frau. Ich habe Liebe verdient, brauche eine starke Schulter und jemanden, der mich fest im Arm hält.
Mit kleineren Kindern ist man selten ohne sie unterwegs.
Wenn es Umgangswochenenden gibt, gehen Mamas oft arbeiten. Oder sehnen sich nach Ruhe. Wollen nicht reden, sondern Schlaf nachholen, vielleicht die Wohnung putzen, weil das ohne die Anwesenheit von Kindern so viel leichter ist.
Sie sehnen sich nach einem guten Film, Essen im Bett, wollen Liegengebliebenes erledigen und sich pflegen, damit sie sich wieder wohler in ihrer Haut fühlen.
Die wenigsten, die ich kenne, stürzen sich dann ins Nachtleben und tanzen die ganze Nacht auf hohen Schuhen.
Also ist die 1. Wahl natürlich eine Plattform im Internet.
Man schaut sich so um und stellt fest, dass „der Markt“ echt schlecht ist.
Dass alles so oberflächlich ist und eigentlich auch viel zu anstrengend.
Dann lässt man es sein, weil diese kurze Zeit ohne Kinder viel zu wertvoll ist, um sie mit maximal nem Plan B zu füllen.
Wenn es zu einem Treffen kommt, ist man mit dem Kopf bei den Kindern, stellt fest, dass er nicht das gelbe vom Ei ist und eher eine Zeitverschwendung, weil nur sehr selten was Gutes dabei rauskommt.
Im besten Fall kommt es zu einigen Treffen, Austausch von Zärtlichkeiten, oder gutem Sex.
Am Anfang ist man immer sehr vorsichtig, glaubt niemanden nichts und die Mauer ist sehr hoch.
Dann ist da noch das schlechte Gewissen:
Ich küsse hier einen Mann, der nicht der Vater meiner Kinder ist.
Im schlimmsten Fall gibt man dem Ganzen von Anfang an keine Chance, redet es sich selber kaputt und ist hoffnungslos, dass es sich jemals richtig anfühlen kann.
Ich küsste einige Frösche, die nie zu Prinzen wurden und war verzweifelt, weil ich doch so viel an mir gearbeitet hatte.
Wieso noch diese ganzen Lernaufgaben- warum nur?
Ich dachte wirklich, dass ich bereit dafür bin und es jetzt wiiiiirklich verdient habe. Wieder eine Bruchlandung.
Ich stellte fest, dass das Loslassen jedoch ganz einfach war, wenn es sich falsch anfühlte.
Ich ging mit einem Lächeln, konnte nett sein und ohne jeden Groll. Im Auto bekam ich einmal einen Lachanfall, weil es sich so gut anfühlte.
Er war nicht Mr.Right, aber ich hatte gelernt Grenzen zu setzen, wusste, es hat mehr mit ihm als mit mir zu tun und ich drehte mich nicht einmal um.
Das war ein gutes Gefühl. Ich hatte gelernt, dass ich nichts tun muss, damit er bleibt.
Meinen schönen, sauberen und glänzenden Marmorboden, den ich mir erschaffen hatte, durfte niemand mehr mit seinen schmutzigen, schlammigen Gummistiefeln betreten.
Ich wusste noch nicht ganz was ich will, aber immerhin sortierte ich gleich alles aus, was ich nicht wollte. Auch das ist eine Ressource.
Wann ist es der richtige Zeitpunkt, den Kindern davon zu erzählen?
Da gibt es sicher verschiedene Auffassungen.
Die einen, die sich auf einem Spielplatz verabreden und so tun, als wäre er ein guter Freund.
Die, die ewig warten und sich erst richtig, richtig sicher sein wollen.
Und die, die denken wie ich. Ich werde nicht ewig warten. Meine Kinder dürfen gern sehen, wenn ich glücklich bin, denn auch wenn es komisch für sie ist, nichts anderes wünschen sie mir.

Irgendwann steht er da, lächelt dich an, ist aufmerksam und kann dir alles geben, was du insgeheim so vermisst hast.
Du wirst dich sehr wohl in seiner Nähe fühlen, ihr werdet stundenlang über Gott und die Welt reden können.
Er wird dir den Kopf verdrehen und du stellst verblüfft fest, dass deine Mauern nicht nötig sind, denn er ist nicht gekommen, um dich zu verletzen.
Er wird dich mit diesem liebevollen Blick anschauen und auch wenn du ganz du selbst bist, ist ihm das genug.
Wenn alles Kaputtdenken keinen Spass macht, weil sich fallen lassen viel schöner anfühlt.
Dann weisst du, dass du bereit bist.




















