Denn der Montag stellt die Weichen für die Woche. Montag steht für Neubeginn, noch mehr wie jeder neue Tag an sich.
Am Montag geht mir alles leichter von der Hand. Ich verstehe nicht, warum es an sich so ein ungeliebter Tag ist, liebe ich ihn doch so sehr.
Was mir mal wieder nur spiegelt, dass allein meine Einstellung und Haltung zu etwas es gut, oder schlecht machen kann.
Heute Morgen zwischen 6 und 7 Uhr gab es bei uns daheim bereits Streit und ich beschloss, meinen Sohn heute nicht von der Schule abzuholen.
Ich war nicht bereit seinem Verhalten und seinen Provokationen entgegenzukommen und beschloss, dass ihm der Nachhauseweg dabei helfen könnte, über einige Dinge nachzudenken.
Der Abschied war seinerseits lieblos und ohne Worte. Er schlug die Autotür zu, nachdem er sich die Tränen weggewischt hatte. Sein wütendes Gesicht begleitete mich auch bei der Arbeit noch lange, jedoch wollte ich nicht einknicken.
Als er am Nachmittag klingelte, atmete ich tief durch. Jetzt war alles möglich!
Kurzatmig und lächelnd waren seine ersten Worte:
„Danke Mama, dass ich laufen musste, ich hab so viele getroffen!“
Ich drückte ihn und auch ihm schien es wichtig, dass ich mich wieder vertragen will.
Emotionen.
Die hat er von mir. Vor allem Wut und Zorn. Er ist ein Sturkopf durch und durch.
Ich selber habe mich oft für meine Gefühle geschämt, irgendwann aber aufgegeben dagegen anzukämpfen.
Wenn ich wütend bin, dann lauf.
Wenn ich weinen muss, gibt es kein Halten. Es wird schlimmer, wenn ich versuche, die Tränen zurückzuhalten.
Ich bin sehr nah am Wasser gebaut.
Vor allem seit ich Kinder habe. Sobald es um Familie, Wiedersehen, oder Schicksale und Krankheit geht. Ebenso, wenn es nur Videos, oder kurze Ausschnitte sind, ich weine. Hemmungslos. Und dann freue ich mich über mein weiches Herz.
Stark sein hat rein gar nichts damit zu tun, keine Gefühle zu zeigen. Das habe selbst ich dann irgendwann verstanden.
Bücher und Artikel über Themen, von denen ich mich angesprochen fühle, lassen meinen Puls so hoch schlagen, dass ich mir in solchen Momenten ein Mikrofon und eine Bühne wünsche, weil ich so viel zu sagen habe.
Aber nein, keine Sorge. Meine Glaubenssätze lassen das nicht zu und sind ein gutes Gegengewicht! Wer weiss, wozu ich sonst im Stande wäre!
Für einige war ich schon immer ZU alles. ZU laut, ZU gefühlvoll, ZU sensibel, ZU emotional, ZU mitfühlend, ZU sentimental, ZU wütend.
Als mein Opa starb, weinte ich manchen Menschen zu viel und zu lange.
Welche Verbindung er und ich hatten und dass mit ihm nicht nur mein einziger Opa, sondern so viel mehr gestorben ist…mir reicht, dass ich das weiss.
In meiner ersten Schwangerschaft war ich völlig aus dem Gleichgewicht.
Man fand mich „unausstehlich“ und ich solle mich „zusammenreißen“.
Ich weinte, wenn die Spieluhr La-le-lu spielte und später, wenn ich es meinem Kind vorsang.
Ich weinte damals sogar bitterlich, als ich an einem 30-er Zone Schild vorbeifuhr, unter dem stand:
„Es könnte auch dein Kind sein!“
Dieser Satz setzte mich damals Schach matt.
Als man mir ungefragt Ratschläge gab ( Ratschläge sind auch Schläge) und mir vorschreiben wollte, wie ich was zu tun habe, sagte man mir, ich solle mir einen breiteren Rücken zulegen. Ich sei zu empfindlich.
Als ich letztes Jahr an meiner Biografiearbeit saß und über unsere Trennung schrieb, weinte ich stundenlang.
Ich tippte und weinte, als ich leise zu mir selber sagte:
„Wir haben es so in den Sand gesetzt!“
Ich habe intuitiv meinem Ex-Mann geschrieben, dass ich ihn sein lasse wie er ist. Dass es nicht nur so kam, weil er war, wie er war, sondern auch, weil ich war, wie ich war.
Dass ich keinen Hass, oder böse Gefühle für ihn hege und völlig mit ihm im Reinen bin. Dass er Recht hatte, als er sagte, es gab nicht nur schlechte Zeiten. Wir haben 2 wundervolle Kinder und diese werden uns immer miteinander verbinden.
Dass ich mich allein deswegen immer mit ihm ein bisschen verbundener fühle, als mit sonst jemandem.
Er war überrascht von meinen Worten und ich denke, sie kamen genau im richtigen Moment und waren für ihn noch wichtiger wie für mich.
Ausserdem ist seit diesem Tag auch alles ein wenig besser geworden, Stück für Stück. Es ist harmonisch und ich bin zufrieden. Die Ebene mit ihm war immer mein Ziel und nichts habe ich mir mehr für unsere Kinder gewünscht.
Meine Emotionen haben mich ans Ziel gebracht!
Heute vertrete ich den Standpunkt, dass ich ein ganzes Meer von Gefühlen aller Art bin und es ist ein Segen, sie alle ausdrücken zu können.
Sie machen mich aus und in mir steckt Liebe, Hingabe und Leidenschaft. Wie kann zu viel davon etwas Schlechtes sein?
Nicht jedem bin ich sympathisch und es gibt wohl nur pro und kontra im Bezug auf mich, es gibt nur wenig dazwischen.
Was ich aber immer mehr merke ist, dass genau die, die nicht gut mit mir umgehen können, genau die sind, die nach meiner Meinung fragen.
Denen es wichtig ist, wie ich dazu stehe, weil ich ehrlich bin. Geraderaus. Bei mir weiss man, woran man ist.
Ich lache dir nicht heute ins Gesicht, um morgen über dich herzuziehen.
Wenn ich über dich rede, dann habe ich es dir längst ins Gesicht gesagt, oder warte noch auf den richtigen Moment.
Irgendwie machte der Tag mir Hoffnung, mein neuer Job lässt mich aufblühen. Ich mag ehrliche Menschen, die sagen was sie denken, auch wenn es kurz unangenehm ist.
Nirgends sonst findet man das so geballt, wie in der Psychiatrie.
Sagt man was Blödes, kommt sofort die Rückmeldung. Wie sie dich gerade finden übrigens auch, klipp und klar, ob man es hören will, oder nicht.
„Stellen Sie eigentlich immer erst ’ne Frage und reden dann weiter, wenn man antworten will?“
„Fragen Sie mich nie mehr, wie es mir geht! Schlecht geht es mir! Zufrieden?“
Den Abend über begleiteten meine Kinder und mich nur noch gute Laune. Wir schauten auf Youtube die besten „Haka-Tänze“ und es zog uns sofort in den Bann. Meine Kinder wollten immer mehr davon und ich erzählte ihnen alles darüber, was ich wusste.
Alles, was die Maori damit ausdrücken wollen. Und das ist so viel! Alle Emotionen werden vereint und voller Stärke nach Aussen transportiert. Alles rausgelassen.
Wir drei erfanden einfach unseren eigenen Haka. Ich hörte Töne von meinen Kindern, die mir neu waren und sah Ausdrücke in ihren Gesichtern, die ich nie zuvor sah.
Sie hatten es verstanden und genau heute war es so wichtig. Keiner schämte sich und keiner lachte über den anderen, egal wie skurril die Geste schien, oder wie weit die Zunge rausgestreckt war. Was für eine Dynamik! Jeder bekam die passende „Antwort“ auf seine „Frage“.
Emotionen sind toll! Und können so stark und übermächtig sein!
Um diesen Tag zu feiern und richtig zu zelebrieren, hörten wir „Jerusalema“ in Dauerschleife. Wir tanzten dazu durch alle Zimmer, jeder hatte seinen eigenen Stil und jeder erfand sich neu. Der Zwerg wollte, dass ich ihm zuschaue und ich muss sagen, er hat den Rhythmus im Blut.
Wir tanzten jeder alleine, wenn wir uns in einem Raum begegneten, drehte ich den Zwerg, oder tanzte Hand in Hand mit dem Grossen.
Den Flur auf und ab, von einem Kinderzimmer ins nächste.
Ausgelassen zog mein Grosser sein Schlafanzugoberteil aus und schwang es über seinem Kopf! Völlig ungehemmt liess er seinen Emotionen freien Lauf und ich liebe das!
Wir alle lachten dabei und waren fröhlich. Bis wir schwitzend und ausser Atem auf der Couch zusammenbrachen.
Dieser Ort ist in DIR und überall, wo Du bereit bist, ihn zu sehen!
„Ahhhhh. Das war so cool, Mama!“
Emotionen geben mir Macht. Sie lassen mich vom Verstand ins Gefühl kommen. Roboter gibt es genug auf dieser Welt. Ich will fühlen!
Ein bisschen „ZU“ von allem sein, birgt auch Vorteile.
Zu neugierig heisst, dass ich viel hinterfrage und nicht alles so hinnehme.
Zu sensibel heisst, dass ich zwar nicht immer mit Worten, aber eben mit Tränen sagen kann: „Das tat mir weh!“
Zu mitfühlend heisst, dass ich mich mit dir über deinen Erfolg freuen kann. Ohne Neid und Missgunst, weil du mir damit nichts wegnimmst. Ich denke es nicht nur, sondern komme auf dich zu und sage es dir.
Zu emotional heisst, dass ich es so meine, wenn ich dir sage, ich hab Gänsehaut am ganzen Körper und das es stimmt, wenn ich sage: „Von ganzem Herzen nur das Beste!“
Mein liebster Ex-Kollege ist zum 1. Mal Papa geworden. Das Bild, wie er seinen Sohn im Arm hält, liebevoll zu ihm herunterschaut und die Erzählung zur Geburt…Gefühlausbruch!
Meine Emotionen lassen mich immer wieder erkennen, um was es wirklich geht. Gefühle. Fühlen. Dankbarkeit und Glück. Ich bin reich und dazu brauche ich nichts im Aussen.
Mental load in einer Parnerschaft/ Ehe und mental load als Alleinerziehende. Ich kenne beides.
Mental load also.
Jeder kennt es, jeder muss damit umgehen, täglich. Manchmal klappt es gut und man kann sich auf die Schulter klopfen, wieviel man wieder geschafft hat. Yes!
Und dann gibt es die Tage, die sich so unendlich lang anfühlen. Wann ist dieser Tag endlich vorbei? Ich kann nicht mehr. Ich will nur noch Ruhe haben, die Kinder im Bett und schlafen. Bevor morgen alles von vorne beginnt. Uff!
Ebenso gibt es Tage, die viel mehr Stunden haben müssten und man sich fragt, wie man all das bloß abarbeiten soll/ kann? Es ist zu viel zu tun, alles ist wichtig. Aber der Tag hat nur 24 h und ich fühle mich allein beim Gedanken daran erschöpft.
Es ist doch überwiegend so, dass der Mann Vollzeit arbeitet, die Frau in Teilzeit. Und genau deshalb kümmert sie sich um „Alles“!
Weil, wie ich es auch schon oft genug gehört habe:
„Du bist ja schliesslich auch mittags wieder daheim!“
Was so viele Frauen frustriert ist, dass der Partner nicht mitdenkt und die anfallenden Tätigkeiten schlichtweg nicht sieht. Es anders bewertet, oder es als Aufgabe der Frau sieht, oder aber es ihm einfach nicht wichtig, vielleicht sogar egal ist.
Frauen wollen Männer die mitdenken und Verantwortung übernehmen!
Frauen wollen keinen Mann, der sie im Haushalt unterstützt und ihnen unter die Arme greift. Nein!
Der Mann lebt auch in diesem Haushalt und hat ebenso seinen Anteil an Dreck, Wäsche, schmutzigem Geschirr usw. Er hilft nicht der Frau! Es ist nicht IHRE Aufgabe.
Bei Vielen ist das noch nicht angekommen und ja, verschreit mich als Emanze.
Emanze- als wäre das was Schlechtes. Als heisse das kontra Mann.
Nein! Es heisst pro Entwicklung und pro „die Zeiten ändern sich“.
Pro „meine Zeit ist nicht weniger wertvoll wie deine“ und „ich habe es auch verdient, mich mal auf die Couch zu setzen“.
Es ist pro „ich kenne meinen Wert“ und pro „ich bin viel mehr als nur das“.
Es ist pro Wertschätzung und Eigenverantwortung. Es ist pro „bist du ein teamplayer oder nicht?“
Es ist pro „respektierst du mich?“
Was ich meinen Kindern seit Jahren schon predige:
„Ich bin hier keine bezahlte Putzfrau und jeder packt mit an. Wir alle machen Dreck, also müssen auch wir alle ihn beseitigen. Du bist Teil dieser Familie und dieses Haushaltes, also bring dich ein. Wenn jeder sein Zeug wegräumt und alles dahin zurückstellt, wo er es herhat, haben wir viel mehr Zeit zusammen und können was spielen.“
Ich habe zwei Jungs und den Satz mit der bezahlten Putzfrau sage ich wirklich oft.
Manchmal singe ich auch einfach gut gelaunt „I ain’t your mama, noooooo-o-o-oooo. I ain’t your mama, no!“
Wobei das „mama“ in diesem Fall natürlich für Putzfrau steht. Ich bin ihre Mama und verwöhne sie auch gerne mal. Wer nicht!?!
Mein Exmann hat das Lied gehasst, als es damals neu rauskam und im Radio hoch und runter gespielt wurde. Ich habe es von Anfang an geliebt. Ratet mal wieso? 🙂
In jedem Alter kann man helfen. Der 9 Jährige muss oft den Müll rausbringen. Wenn er dafür beide Hände braucht, nimmt er den Zwerg mit, der ihm alle Türen öffnet auf dem Weg zum Mülleimer.
Jeder muss seine Tasse, sein Glas, sein Besteck und seinen Teller aufräumen. Und zwar IN die Spülmaschine und nicht irgendwo auf die Ablage stellen. Beim 5 jährigen klappt das oft besser, als bei dem Grossen.
Dafür liebt genau der es, Spiegel zu putzen und Staub zu wischen. Er putzt regelmässig seinen Schreibtisch und saugt ab und zu sein Zimmer.
Wer den Sand aus den Schuhen mitten in den Flur kippt, darf gleich den Staubsauger holen und es beseitigen.
Wer malen und basteln will, muss auch die Schnipsel vom Boden wegräumen und die Stifte zurück in die Kiste räumen.
Wer etwas verschüttet, muss es auch aufwischen. Wer daneben pinkelt, muss es selber wegmachen.
Manches machen sie sehr gerne und ich muss es nur einmal sagen. Und manches ist zäh.
„Ich will aber nicht… du sollst das machen…das war ich aber gar nicht…ich hab das nicht allein gemacht…das ist unfair…immer muss ich…warum muss immer ich…ich muss viel mehr als der andere…“
Manchmal bin ich zu lasch und sollte viel mehr darauf bestehen. Und manchmal geht es mir ums Prinzip und ich bestehe drauf, obwohl die Diskussion mich viel mehr Energie kostet, als die Tat an sich.
Frauen sind frustriert von dem Mann, der nicht sieht, dass der Wäschekorb voll ist. Nicht sieht, dass die Kinder gebadet gehören. Nicht sieht, dass die Betten bezogen werden müssen. Nicht sieht, dass das Kind Brote für den Kindergarten braucht.
Nicht sieht, dass die Fuss- und Fingernägel vom Nachwuchs geschnitten gehören.
Nicht sieht, dass die Spülmaschine fertig ist und geleert werden muss. Angestellt ist sie schnell.
Nicht sieht, dass der Tisch voller Krümel ist und abgewischt gehört. Dass der Mülleimer voll ist. Dass der Wäschekorb mit der gefalteten Wäsche schon tagelang rumsteht.
Nicht sieht, dass die Waschbecken dreckig sind und das WC mal wieder geputzt gehört.
Nicht sieht, dass die Milch sich zum Ende neigt und kein Brot mehr im Haus ist.
Nicht sieht, dass die Kinder dringend an die frische Luft müssen, dass durchgelüftet werden sollte.
Nicht sieht, dass der Kühlschrank leer ist und die Staubschicht immer höher wird.
Die Schränke gehören ausgemistet, die Kinder sind aus ihren Kleidern rausgewachsen.
Die Fenster und Spiegel müssten geputzt werden, in der Schule stehen Arbeiten an, für die das Kind lernen sollte. Die Hausaufgaben müssen korrigiert werden, das 1×1 geübt, das Gedicht auswendig gelernt.
Wenn das Kind krank ist? Wer bleibt zu Hause? Wer geht mit ihm zum Arzt? Zur Apotheke. Wer denkt an die pünktliche und regelmässige Einnahme der Medizin?
Wer räumt die Ablage auf und sortiert in Ordner? Wer erledigt Telefonate mit Versicherungen, Stromanbietern, Vermietern?
Wer geht zum Elternabend? Wer informiert sich über weiterführende Schulen und geht zu den Infotagen?
Wer macht Friseurtermine aus und begleitet die Kinder? Wer packt den Rucksack für Unternehmungen?
Wer bringt die Pfandflaschen weg und wer bringt das Glas zum Container?
Wer denkt an den Elternbeitrag im Kindergarten? Daran, dass wieder gefütterte Matschhosen und Gummistiefel nötig sind?
Wer denkt daran, das Essen in der Mensa zu bestellen, das Kind pünktlich zum Training zu fahren und auch wieder abzuholen?
Wer denkt daran, dass die Batterien am Spielzeug ausgetauscht werden müssen und wer besorgt die neue Glühbirne?
Wer schreibt die Einkaufsliste und sortiert verfallene Lebensmittel aus?
Wer ändert den Dauerauftrag, wenn die Miete erhöht wurde?
Wer packt mit dem Kind den Ranzen für den nächsten Tag und erinnert ans Spitzen der Stifte?
Wer kümmert sich darum, dass das Auto zum TÜV kommt, Winterreifen bekommt und dringend gesaugt und gewaschen werden muss?
Wer denkt daran, den Wasserkocher zu entkalken und die fettige Pfanne vom Vortag abzuspülen?
Wer tauscht die Handtücher aus, wenn es Zeit wird? Wer putzt die Wanne?
Es ist so, so viel, woran man denken muss. Und meist, sagen wir doch wie es ist, meist denkt eben die Frau.
Wenn es zu viel wird, macht das verbittert und wütend. Der Mann hat dann das Gefühl, er befindet sich auf einem Minenfeld und um ihn herum explodiert es, knallt und tut.
Er fragt dann genervt:
„Was ist denn jetzt schon wieder los?“
Oder er sagt Dinge wie:
„Dir kann man gar nichts recht machen!“ Oder auch: „Lass deine schlechte Laune nicht an mir raus!“
Er versteht nicht, dass er Teil des Problems ist. Dabei reicht es schon, wenn er Samstag morgens sagt:
„Ich fahr kurz in den Baumarkt“, während man selber noch nicht mal Zähne geputzt und 2 Kinder an sich kleben hat.
Er versteht die Welt nicht mehr, denn er war ja heut schon beim Bäcker und hat Brötchen für alle geholt.
Sie hat aber den Tisch gedeckt und wieder abgeräumt. Den Kindern ihre Brezeln beschmiert, den Tisch abgewischt und die Krümel unter dem Tisch zusammengefegt. Das alles ist der Grund dafür, dass sie weder geduscht ist, noch gekämmt, oder Zähne geputzt hat.
Sie wünscht sich zu hören:
„Ich gehe in den Baumarkt und nehme beide Kinder mit. Wir lassen uns Zeit und du kannst dich in Ruhe fertig machen. Danach können wir alle zusammen…“
Warum ist das so schwer?
Richtig, weil es viel aufwendiger mit Kindern ist und man nicht in Ruhe alles anschauen kann. Weil es manchmal einfach schön ist, allein im Auto zu fahren. Ohne Gemaule, ohne Kinder anschnallen zu müssen.
Wenn wir sagen, wir wollen putzen und aufräumen, bringt es nicht viel, wenn ihr nur mit dem grossen Kind eine Fahrradtour macht und das Krabbelkind da lasst.
Das alles ist mental load.
Ich kenne viele Mütter, die behaupten sie fühlen sich wie eine Alleinerziehende, obwohl sie es gar nicht sind.
Denen möchte ich sagen:
Oooohhh, ihr habt ja keine Ahnung!
Aber ich verstehe ihren Frust. Es ist manchmal schlimmer, zwar jemanden an seiner Seite zu haben, aber sich trotzdem so verlassen und allein zu fühlen.
Verrät mir einer, wo es diese kleine Insel mit Männern gibt, die nicht ins Klischee passen? Das weiss ich nämlich nicht.
Was ich für mich aber weiss:
Das will ich so nicht mehr. Ich bin gerne Frau und ich mache Vieles davon sehr gerne. Aber nicht immer und nicht, wenn es selbstverständlich ist und von mir erwartet wird.
Ich bin unsicher, wann ich das letzte Mal so dermaßen traurig war, dass auch mein eigenes Mantra mich nicht mehr erreicht:
„Alles wird gut! Alles IST gut!“
Nein, das ist es eben nicht!
Nichts ist gut!
Mein Unwort des Jahres ist definitiv „coronabedingt,“ lange wollte ich mich nicht mehr dazu so sehr äußern wie heute.
Die letzten Tage merke ich schon, dass mir das Alles ganz schön aufs Gemüt schlägt.
Heute hat es mich volle Breitseite erwischt.
7.15 Uhr musste ich minutenlang vor der Bäckerei warten, weil ich meinen Kindern heute eine Martinsgans versprochen hatte.
Es ist seltener geworden, dass ich überhaupt zum Bäcker gehe. Lieber backe ich mein Brot selber, oder bereite totmüde am Morgen das Essen der Kinder vor.
Es dauerte…eine andere Mama vor mir öffnete die Autotür ihres Wagens und fragte: „Alles noch gut?“ Dann lächelte sie ihren Kindern auf dem Rücksitz zu und wartete geduldig weiter.
Ausser ihr lächelte keiner. Auch ich heute nicht. Ich werde ungeduldig und zunehmend genervt, weil ich an „früher“ denke.
Nachdem ich meinen grossen Sohn an der Schule aussteigen lasse, holt er wie selbstverständlich seinen Mund-Nasen-Schutz raus.
Ich denke, er ist einfach nur glücklich, dass er in die Schule darf. Nicht wegen der Schule, sondern wegen den Freunden. Er nimmt es in Kauf. Es ist „normal“ geworden und bei dieser Beobachtung spüre ich es aufkommen.
Entsetzen, Angst, Wut und unendliche Trauer.
Dann ist mein Kindergartenkind dran.
Ich darf immerhin mit in die Garderobe, aber wir müssen uns dafür das Löwenzahnsymbol draußen schnappen. Wenn das hängt, heisst es, dass kein anderes Elternteil dieser Gruppe mit drin ist und wir haben freie Fahrt.
Mundschutz auf, Hände desinfizieren.
Nicht so, wie es sich gehört und wie ich es in meiner Ausbildung zur Krankenschwester gelernt habe.
Dafür habe ich nicht die Zeit und meine Hände sind auch nicht frei.
Ich ziehe den Mundschutz runter und bekomme einen Kuss. Das ist mir wichtig und das lass ich mir nicht nehmen.
Dann nichts wie raus und- tief einatmen. Das tut gut!
Ich musste noch 12 Minuten vor dem Lebensmittelladen Zeit totschlagen, bevor ich meine Kartoffeln kaufen konnte.
Mir fiel dieses Youtube- Video in die Hände: das Mutmachvideo von der Leipziger Demo vor wenigen Tagen.
Ich höre Massen, die schreien: Freiheit und Liebe!
Ich sehe lächelnde Polizisten, die der Menge den erhobenen Daumen zeigt. Ich sehe Polizeiwagen, auf deren Fensterscheiben Herzen gemalt wurden.
Ich sehe freundliche, lachende Gesichter. Eltern, Jugendliche, Kinder.
Unterlegt ist es mit Musik, die mich voll getroffen hat. Also sitze ich im Dunkeln auf dem Parkplatz in meinem Auto- und weine. Ich konnte nichts dagegen tun und es war mir auch nicht peinlich.
Gibt es jemanden in dieser Zeit, der sagt, dass er von Herzen glücklich ist und nichts am jetzigen Zustand ändern will? Herzlichen Glückwunsch! Ich bin mehr als neidisch.
Lange habe ich positiv gedacht. Konnte es zeitweise ja im Frühling noch richtig geniessen. Das Wetter war toll und in dieser Zeit passierte auch in mir sehr viel Wandel.
Auch jetzt noch sage ich:
„Wer diesen 1. Lockdown nichts für sich gewinnen konnte und nicht daran gewachsen ist, der hat was falsch gemacht.“
Es gab dieses Gemeinschaftsgefühl, das sich trotz Abstand sehr verbunden anfühlte.
Mit mir hat es damals viel gemacht und mir viel gespiegelt. Ich konnte meine persönlichen Lehren daraus ziehen.
Jetzt ist aber kein Frühling und es zieht mich auch nicht so sehr raus, das kenn ich tatsächlich nicht von mir. Ich bin gern zu Hause, meine liebsten Unternehmungen mit den Kindern fallen alle weg.
Klar, Spielplätze sind wieder beliebte Treffpunkte und mein Sozialleben lebt wieder.
Mein Sohn kann in die Schule und ich muss ihm nicht in Mathe neue Themen beibringen! Danke!
Mein Zwuckel liebt seine Löwenzahngruppe im Kindergarten und die Kinder sind ne feste Einheit geworden, seit unter den einzelnen Gruppen kein Austausch mehr stattfinden darf. Manche Kinder, mit denen er noch in der Kita war und die jetzt in einer anderen Gruppe sind, hat er teilweise seit März nicht mehr gesehen.
Auch ich erschreckte mich heute, als ein mir bekanntes Kind die Tür aufriss und aufs WC rannte. Lange nicht gesehen. Er ist gross geworden!
Mein heiss geliebter Sportplatz, der mir damals so sehr fehlte. Jetzt will ich nicht mehr hin.
Ich habe keine Lust. Keine Energie. Ich bin traurig.
Werden wir diese Masken je wieder los? Jetzt, wo wir so viele im Land haben. Jetzt, wo es sie sogar von mehreren Designermarken gibt.
Dank meiner Ausbildung kenne ich den Gebrauch von Masken und war immer wieder mal damit konfrontiert, seit Ausbildungsbeginn 1999.
Immer gab es Patienten mit zum Beispiel MRSA, die isoliert werden mussten.
Schaue ich mich um, wie die Mund-Nasenbedeckungen so im Alltag bestehen, fühlt es sich so schlecht und falsch an. Ich selber habe eine am Spiegel im Auto hängen.
Mein Sohn trägt seine in der Jackentasche. Manchmal ist sie auch in der Hosentasche, zusammen mit Steinen und Bonbonpapier.
Ich arbeite in der Psychiatrie. Die Patienten haben natürlich alle ihre Stoffmasken. Immer die gleiche, jeden Tag. Waschen? Auskochen? Dass ich nicht lache.
Sie essen im Speisesaal damit unter dem Kinn und du kannst Mahlzeiten der letzten Wochen darauf finden.
DAS ist die Realität.
Mein Sohn wird im September 2021 eingeschult. Dann ist er gerade 6 geworden. Wie wird es bis dahin?
Meine Jungs und ich haben heute Abend alte Fotos auf dem Laptop angeschaut.
Bei der Einschulung des jetzt 9 jährigen war die Welt noch in Ordnung. Auf einem Foto stehen alle Erstklässler strahlend und stolz auf der Bühne. Ich weiss, dass sie lachen, weil ich es sehen kann.
Die Stadthalle war voll und jeder hatte Eltern dabei und andere Angehörige. War das ein schöner Tag!
Auf einem Bild wird er gerade vom Rektor namentlich aufgerufen und geht stolz hoch Richtung Bühne. Auf dem Bild gibt es ein high five.
Das alles ist jetzt undenkbar geworden! Die Hand geben wir uns nicht mehr und lächeln sieht man jetzt auch keinen mehr, denn man trägt Maske.
Die Großmutter, die Patentante usw. können sich maximal Fotos davon anschauen. Dabei sein werden sie nicht.
Wir entdecken die Fotos vom Legoland 2019.
Wir strahlen! Alles hat geöffnet und die Jungs erinnern sich an das 4D-Kino und die tolle Zaubershow.
Diesen Sommer waren wir wieder da. Zu Coronabedingungen. Nur, weil der Sohn Geburtstag hatte und es sich so sehr gewünscht hat.
Keine Zaubershow, im Zug jetzt immer 1 Sitzreihe frei lassen und viel, viel Wartezeit. Alle Griffe müssen nach jeder Fahrt desinfiziert werden. Der Ninjagoshop…geschlossen. Gerade der!
Beim Anblick der Bilder fragte mein Sohn, ob wir bald wieder mal hin gehen könnten und diesmal lächelte ich nur. Nein, werden wir wohl nicht.
Vor kurzem schrieb ich noch, dass das Leben sehr wohl noch lebenswert sei, auch unter diesen Bedingungen.
Heute bin ich unsicher.
Auf Dauer tendiere ich eher zu nein.
Nur gesund sein, um arbeiten zu können? Wofür?
Werden wir in naher Zukunft nochmal zusammen Achterbahn fahren dürfen?
Das ewige Hoffen, dass die Kinder durchhalten und nicht krank werden, weil man ahnt, was es logistisch nach sich zieht, wenn es Fieber und Husten hat.
Mein Sohn ist im Geräteturnen und selbstverständlich braucht der Verein gerade jetzt meinen Beitrag.
Aber ich frage mich schon: wofür?
Heute hatte er „Training“ über Skype und es brach mir irgendwie das Herz. Zum Turnen gehört für mich ne Halle, sein Turnanzug, Geräte, die Gemeinschaft. Und nicht der Laptop.
Und wie hinter allem steht die Frage:
Wofür? Es steht definitiv kein Wettkampf an. Also wofür?
Alles fühlt sich heute sinnlos an und ich komme da nicht raus. Ich bin gereizt. Und unendlich genervt.
Ich bemerke, dass ich sehr unflexibel bin. Ich brauche meinen roten Faden und Dinge, auf die ich mich verlassen kann! Ich möchte auch nicht noch flexibler sein als jetzt, weil ich nicht mehr kann.
Ich will nichts mehr lesen über die Erwägung geänderter Ferienzeiten und pädagogische Tage, die ausfallen. Ich möchte bei Edeka nicht die Corona-Durchsage in Dauerschleife hören. Mich ärgert, dass es morgens um 8 keine Hefe gibt.
Heute bin ich traurig.
Weil mein Sohn kein Erntedankfest feiern durfte. Weil im Musikunterricht nicht mehr gesungen werden darf. Weil wir an Heiligen Abend wahrscheinlich keine Kerzen in der Kirche anzünden werden und uns über das Krippenspiel freuen.
Weihnachtsmarkt- fällt aus!
Geld sparen? Wofür? Für die Rente? Wenn nicht mal mein Morgen mehr sicher ist, wie kann es dann meine Rente sein?
Sparen für noch mehr materielles Zeug, das ganz nett zum Anschauen ist, aber mich nicht aufhören lässt traurig zu sein?
Um den Job kämpfen? Wofür? Wenn das Pflegepersonal nächstes Jahr beim Impfen als erstes bedacht wird und es bis dahin eine Impfpflich gibt, bin ich raus.
Mir tun die Kinder leid, die so viel nicht mehr dürfen. Und so Vieles müssen.
Ich will mich nicht mehr beschränken lassen. Mir vorschreiben lassen, ob ich meine beste Freundin besuchen kann. Mit wem und wo ich mich treffen darf. Wo ich hinfahre und wo ich übernachten will. Was ich unternehmen darf und was nicht.
Selbst ich- und ich behaupte, dass ich ein Stehaufmännchen bin und voller Lebenslust, ich laufe auf Sparflamme.
Als ich diesen Satz vor einigen Jahren das erste Mal las, traf er mich und beschäftigte mich noch lange.
Ich dachte an all die Einkäufe, bei denen ich den Zeigefinger erhob und tadelte.
Jedes: „Darauf habe ich keine Lust“ und „Nein, ich will jetzt einfach nicht!“
Ich dachte an jeden Wutausbruch, auf den ich nicht optimal reagierte, weil ich genervt und ungeduldig war.
Ich dachte an jeden Termin, zu dem ich pünktlich sein wollte und angespannt sagte: „Los, los, auf geht’s!“
Und: „Jetzt beeil dich doch endlich!“
Ich verbringe viel und gerne Zeit mit meinen Kindern.
Ja, manchmal bin ich genervt von dem Geschrei und an manchen Tagen sage ich: „Wenn ich das Wort Mama in den nächsten Minuten noch einmal höre, flipp ich aus!“
Manchmal schicke ich sie ins Zimmer, weil ich sie nicht ertragen kann und an manchen Tagen kann ich es nicht erwarten, dass beide schlafen.
Es gibt Tage, an denen mir alles zu viel ist und ich am Vormittag auf die Uhr schaue und denke:
„Wie soll ich es nur bis heute Abend schaffen?“
Und dann gibt es Tage wie heute, an denen die Kehrwoche erledigt ist, wir Kuchen gebacken haben, Pizzateig gemacht und diesen belegt, fürs Diktat geübt und ein paar Matheaufgaben in Erinnerung gerufen wurden. Alle sind angezogen, gewaschen und haben Zähne geputzt. An einem Sonntag ist das bis mittags ne gute Leistung.
Ich habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich auf dem Spielplatz auf der Bank sitze und auf meinem Handy herumtippe.
Wer mich nicht kennt, der könnte Vorurteile haben.
Da stehe ich drüber!
Lange genug hatte ich dafür keine Zeit und bin von Wippe, zu Schaukel, bis Rutsche immer dem Kind hinterher. Wenn andere Mamas sich unterhalten haben, bekam ich von dem Gespräch nichts mit.
Wer sich mit mir unterhalten wollte, musste mir hinterher.
Jetzt geniesse ich es, dass beide so gross sind, alles alleine können und die Zeit mit ihren Freunden geniessen.
Wenn ich eine Sprachnachricht von der besten Freundin abhöre, dann ist das wichtig für mich und ich habe trotzdem den Überblick.
Dann gibt es diese Tage, an denen ich meinem Kind liebevoll über die Haare streichel.
An denen ich den Zwerg einfach so hochnehme und ihn drücke.
Beim Laufen den Grossen an mich ziehe und seinen Kopf küsse.
Vielleicht muss ich mehr aufräumen und auch öfter, als Kinder, die viel Zeit vor TV, Playstation, Handy oder Tablet verbringen, aber das ist es mir wert.
Ich liebe es zu schaukeln und mein strahlendes Kind auf mich zulaufen zu sehen, das gerade die Schaufel fallen gelassen hat. Dann sitzt mal der eine, mal der andere auf meinem Schoss und schreit: „Schneller!“
Oft machen wir das auch zu dritt und ich schäme mich nicht, wenn andere uns dabei zusehen.
Im Sommer, als ich mit meinem Sohn im Springbrunnen badete, zählt zu meinen Lieblingserinnerungen.
Auch weil ich es geschafft habe meinen Kopf auszuschalten und mich nicht darum gekümmert habe, was andere über mich denken.
Ich liebe die vielen Sporteinheiten draußen mit den Kindern. Wie wir stolz auf den anderen sind, wenn etwas gut klappt und wie wir uns gegenseitig anfeuern.
Wie oft ich alles stehen hab lassen, um mein nörgelndes, weinendes Kleinkind auf den Schoss zu nehmen und nur zu halten, bis es alles raus lassen konnte.
Ich investiere viel Zeit in meine Kinder und dafür stehe ich.
Ich wollte diese beiden so sehr!
Mir ist nicht entgangen, wie schnell der Grosse groß wurde und dass es ihm immer öfter peinlich ist, was ich tuhe. Ich tröstete mich damit, dass ich ja noch den Zwerg habe, der noch so an seiner Mama hängt und momentan scheint das nie zu enden.
Ich weiss es aber besser, auch er wird bald meine Küsse abwischen und wütend die Tür hinter sich zuschlagen.
Also investiere ich jetzt so viel Zeit und Liebe in diese wundervollen Geschöpfe.
In der Hoffnung, dass es Ihnen hilft, die richtigen Entscheidungen in Ihrem Leben zu treffen.
In der Hoffnung, dass sie gerne an ihre Kindheit denken und schmunzeln beim Gedanken an gewisse Ereignisse.
Auch in der Hoffnung, dass sie sich für Schwächere einsetzen, für Gerechtigkeit kämpfen. Immer an sich glauben und meine Worte im Kopf haben:
„Du kannst es! Es ist alles in Dir drin!“
Ich wünsche mir, dass sie Recht von Unrecht unterscheiden können und vielleicht dieser eine unter Vielen sind, die sagen:
“ Lass ihn in Ruhe!“
Um Zeit mit deinem Kind zu verbringen, braucht es kein Geld.
Es ist egal, ob du Architektin, arbeitslos, oder eben wie ich Krankenschwester bist.
Ich finde man sieht Kindern an, ob Eltern sich mit ihnen beschäftigen.
Weil ich so viel vorlese, wir toben, kneten, malen, rätseln, raus gehen, klettern, balancieren, schwimmen, hüpfen…habe ich kein schlechtes Gewissen zu sagen:
„Ich hasse Brettspiele! Uno, Skipbo, Kniffel, memory, puzzeln, alles ok. Aber ich hasse Brettspiele. Bitte-keine-Brettspiele!“
Ich mag es mit Kindern Zeit zu verbringen. Für mich ist das keine verschwendete Zeit.
Ich akzeptiere, dass seine Freunde meinem Grossen über alles wichtig sind. Ich sehe ihn gern glücklich und immer wieder organisiere ich ein grosses Treffen.
Tatsächlich sagen dann alle zu und sind genauso aufgeregt wie er.
Es fing damit an, dass ich noch im Haus eine Halloweenparty auf die Beine stellte und das zur Tradition machen wollte.
Auch eine kleine Wohnung nach der Trennung sollte kein Grund dafür sein, so etwas nicht mehr tun zu können.
Wir hatten inzwischen ein Fußballspiel mit Wassereis im Sommer.
Wir hatten einen Spielenachmittag.
Inzwischen zwei „Kinonachmittage“ bei uns auf der ausgezogenen Couch und jeder mit Kuscheldecke. Popcorn, Salzstangen und Chips inklusive.
Die letzte Unternehmung war eine Wanderung durch die Weinberge. Jeder mit Proviant im Rucksack und jeder Menge Spass.
Eine Mama fragte mich, ob ich mir das wirklich antun will.
Aller Anfang ist schwer. Ich erinnere mich noch gut an das Rumpelstilzchen, das damals in mir aufkam.
Wir waren gerade mal 4 Monate getrennt, als die Kinder und ich aus unserem Haus auszogen.
Ich hatte diese kleine Wohnung gefunden, war mit Umzug und Einräumen beschäftigt.
Ich war durch.
Konzentrationsschwierigkeiten, weil es so viel zu tun gab. Gleichzeitig. Existenzängste, da ich nichts als Elterngeld und Kindergeld zum Leben hatte.
Angespanntheit. „Was mach ich jetzt nur!?!“
Schlaflose Nächte. Augenringe. Kopfschmerzen und Kopfdruck vom Weinen.
Wut. „Wie kann er uns sowas antun?!?“
Bürokratie. Arbeitsamt. Jugendamt. Wohngeld.
Recht schnell nach der Trennung und noch vor dem Auszug beantragte ich eine Mutter-Kind-Kur. Ich musste weg.
Ich konnte dieses Elend nicht ertragen und brauchte Abstand. Vor allem zu ihm, der mir das Leben so schwer machte, obwohl es ohne seine Stolpersteine schon schwer genug war.
Die Zusage kam recht schnell. Drei Wochen Schwarzwald im August/September. Das WO war mir so egal.
Am 2. August war unsere erste Nacht in der Wohnung, weg von meinem Noch-Mann und dem Papa der Kinder. Er blieb in unserem zwei Jahre alten Haus, weil er der Meinung war es sich leisten zu können.
Am 4. August war der schlimmste Tag meines bisherigen Lebens.
Die Kinder waren ein paar Stunden bei ihm, damit ich in der Wohnung etwas einräumen und putzen konnte. Ich kam wie angekündigt mit meinem Schlüssel ins Haus, um dickere Kleidung für die Kinder und die Kur abzuholen.
Er hatte geschrieben: „Wir sind spazieren.“
Was ich damals noch nicht ahnte:
Mit WIR meinte er nicht nur unsere Kinder und sich.
Ich war froh ihn nicht sehen zu müssen und wollte auf direktem Weg wieder raus, sobald ich alles hatte.
Als ich die Eingangstür öffnete, blieb ich wie angewurzelt sekundenlang stehen.
Frauenschuhe.
Es ratterte. Weder hatte er eine Schwester, noch eine gute Freundin. Ich wurde stutzig und mir war leicht übel. Langsam ging ich die Treppe hoch ins Wohnzimmer.
Unsere Hochzeitsbilder waren von der Wand abgenommen und in eine Box gelegt. Aussortiert.
Auf der Couch lag ein Kuscheltier und mir war sofort klar:
„Da will sich eine bei meinen Kindern einschleimen!“
Mein zweiter Gedanke:
„Wie peinlich! Meine Kinder können mit Kuscheltieren gar nichts anfangen!“
Auf der Fensterbank neben der Couch stand eine blaue Flasche Massageöl. Das war eindeutig!
Meine Kinder waren damals 5 Jahre und 10 Monate alt.
Wir waren 4 Monate getrennt und vor zwei Tagen erst ausgezogen!
Wer war sie bloß? Wo kam sie so plötzlich her? Hätte ich etwas merken müssen?
Ich ging hoch zu den Kinderzimmern, alles normal. Offensichtlich wurde mit dem Legozug gespielt.
In „unserem“ Schlafzimmer stand die Tür einen Spalt offen und ich schob sie ganz langsam auf.
Mein Herz sprang dabei fast aus meiner Brust, so sehr raste mein Puls bei dem, was ich da sehen musste.
Ich erinnere mich an einen ihrer roten Tangas, der auf der Kommode lag. Daneben ihre Antibabypille.
In meinem Nachttisch, der er zumindest vor zwei Tagen noch war, fand ich eine Grosspackung Kondome.
In meinem Kleiderschrank, der er zumindest vor zwei Tagen noch war, fand ich ihre eingeräumte Kleidung. Von Badeanzug bis Schuhkollektion war alles dabei.
Sie blieb wohl länger.
Im grossen Bad, das überwiegend ich genutzt hatte, stand ihre elektrische Zahnbürste, ihr Duschgel, Shampoo, Föhn und Rundbürsten.
Alles was man so braucht, wenn man vorhat länger zu bleiben.
Vor zwei Tagen hatte ich dort noch geduscht und die Kinder gebadet. Dort saß ich auf dem Badewannenrand, wenn mein Mann badete und wir unterhielten uns dabei. Damals noch.
Das Bett hatte ich erst vor wenigen Monaten gekauft. Ein gutes sollte es sein, deshalb auch nicht ganz günstig. Mein Mann hatte einen Bandscheibenvorfall. Und jetzt schlief er mit ihr da drin.
Die, von der ich keine Ahnung hatte wer sie ist.
Ich war hysterisch. Ich rannte im Haus umher und war mit der Gegenwart konfrontiert.
Es tat so unglaublich weh und ich fühlte mich wirklich gefangen in einem Alptraum.
Ich wusste mir so gar nicht zu helfen und wählte die Nummer meiner besten Freundin. Sie wohnt hunderte Kilometer weit weg, keine Ahnung was ich mir davon versprach.
Sie war gerade mit ihrer Familie auf dem Weg in den Urlaub und ich denke, ich hab sie in eine schwierige Lage gebracht damals.
Ich weiss, dass ich so sehr weinte und schrie. Ich krümmte mich immer wieder vor Fassungslosigkeit und Schmerz. Innerer Schmerz. Es dauerte einige Momente, bis ich überhaupt einen Ton herausbekam.
Ich schrie ins Telefon, dass ich glaube den Verstand zu verlieren. Und ja, so fühlte es sich an.
Ich war mit so vielen Dingen beschäftigt, konnte keine Minute sitzen, war ruhelos, getrieben und doch so erschöpft. Gleichzeitig kümmerte ich mich um einen Umzug und unsere beiden Kinder, von denen eins noch ein Baby war.
Und er? Wie geht sowas?!?
Es ging nicht in meinen Kopf.
Verliebt, verheiratet, zusammengezogen, zwei Kinder, Haus gebaut, getrennt und sofort ausgetauscht.
Das Haus hatte er ja noch, die Kinder irgendwie ja auch und noch dazu viel mehr Zeit, weil sie ja nicht mehr immer um ihn waren. Jetzt konnte er sich anderweitig vergnügen.
Ich war rasend vor Wut und Eifersucht. Eifersüchtig, obwohl ich sicher war, dass ich diesen Mann nie mehr zurück wollte.
Ich rief ihn an und fragte wo er mit den Kindern ist. Er hörte sich ganz fröhlich an und sagte:
„Wir sind Enten füttern!“
Ich schrie, dass er genau 10 Minuten Zeit hat mir die Kinder zu bringen.
Zehn Minuten war unmöglich, wenn man bedenkt, dass er den Buggy noch ins Auto laden musste. Er schaffte es in fünfzehn.
Selbstsicher stieg er aus und fühlte sich wahrscheinlich wie ein Held.
SIE stieg aus und ich hatte sie noch nie vorher gesehen. Sie war jung.
Während es bei uns heiss herging, setzte sie sich etwas weiter weg im Schneidersitz auf den Boden und was sie dachte…ich weiss es nicht.
Was ich dachte, während ich Blitze zu ihr schickte war:
„Du hast meine Familie zerstört.“
Ich war ausser mir. Ich konnte nicht nachvollziehen, wie er das mit seinem Gewissen in Einklang bringen konnte.
Wir waren vor zwei Tagen ausgezogen verdammt!
Oder wie er sagte:
„Wir sind schließlich schon fast ein halbes Jahr getrennt!“
Ich war besorgt um die Kinder und was das alles mit ihnen machen wird.
Er fand: „Die Kinder haben kein Problem. Die einzige, die eins hat bist DU!“
Die ersten Papa-Wochenenden waren reine Folter. Denn ich wusste sie sind bei ihr! In MEINEM Haus. Nur ohne mich. Sonst war alles gleich.
Es trieb mich umher und ich weinte sehr viel. Ich war nicht in der Lage etwas zu tun, oder irgendwo hin zu gehen. Pausenlos dachte ich darüber nach, was sie wohl machen und wie es den Kindern wohl geht.
Mir ging es beschissen. Ich kam gar nicht klar damit. Wenn die Kinder Sonntag Abend zurück kamen, stellte ich viele Fragen und hoffte auf etwas, das es mir leichter machte.
Die Kinder mochten sie. „Weisst du Mama, wenn Papa kocht, spielt sie mit uns Fussball.“
Ich wollte nicht, dass sie nett ist. Ich wollte, dass alle sie hassen. So wie ich.
Die Wochen vergingen und es zog mich immer wieder zum Haus. Ich schaute, ob sein und ihr Auto dastanden. Ob sie es sich gemütlich machen.
In meinem Haus. In meinem Bett.
Weder wollte ich ihren Namen hören, noch sie sehen müssen. Und doch alles über sie erfahren.
Eine Freundin, die damals bereits länger getrennt war, sagte, ich solle froh sein, wenn sie nett zu den Kindern ist. Alles andere wäre schlimmer.
Die Einschulung des Sohnes nahte und ich bat ihn ohne sie zu kommen. Ich hätte das nicht ausgehalten. Sie hatte meiner Meinung nichts dort zu suchen. Es waren MEINE Kinder und immerhin auch immer noch MEIN Mann! Und MEIN Haus.
Ich genoss es auch ein bisschen, dass sie daheim auf ihn warten musste, während er mit mir und unseren Familien diesen besonderen Tag feierte.
Ein Jahr hielt die Beziehung in etwa. Dann war sie weg und ich atmete durch. Ich wurde ruhiger.
Bis zur nächsten. Von ihr erfuhr ich nach einem Papawochenende. Sie war mit Sohn und Katze mit im Haus. Mein Sohn erzählte mir aufgeregt, dass dieser Sohn ihn im Garten ausgesperrt hätte und es richtig Krieg gegeben hätte.
Wo war Papa? „Der war grad mit ihr im Keller, irgendwas suchen.“
Zu allem Überfluss hatte die Katze meinen beiden Kindern in ihre Taschen gepisst und ich musste sie wegwerfen. Es war unerträglich. Ja, auch der Geruch.
Ich war rasend vor Wut und es dauerte bis Mittwoch, bis ich meinen Sohn wiedererkannte. Er provozierte, war wütend, zornig und powerte ohne Ende. Gegen mich. Es war kräftezehrend und machte mir Angst.
Zwei Tage bei ihm und ein so verstörtes, überfordertes Kind? Sollte das jetzt immer so sein?
Er hat recht schnell gemerkt, dass es nicht die beste Partie war und auch sie war Geschichte.
Endlich kehrte etwas Ruhe ein. Lange Zeit.
Vor wenigen Monaten erfuhr ich von einer neuen Freundin. Wieder nach dem Papawochenende. Ich wusste, dass er umziehen wollte. Nicht aber, dass er gleich mit ihr und ihrem Sohn zusammengezogen war.
Bis dahin hatte ich nicht mal von ihr gewusst. Also gut, jetzt wusste ich es.
„Weisst du Mama, sie ist eigentlich glitzegleich wie du. Nur- najaaaa…sie kann halt kochen!“
Er erzählte mir von den Gemeinsamkeiten, die ich mit ihr habe und ich stellte fest:
Wenn wir doch so glitzegleich sind und er so von ihr schwärmt, kann ich ja nicht so verkehrt sein für ihn.
Bis heute weiss ich von ihm nichts von ihr. Ich schätze, weil er keinen Wert auf meine Meinung legt.
Meine Kinder mögen sie sehr, ebenso den Sohn, der „manchmal viiiiiel zu nett und lieb ist!“
Nach jedem Papawochenende erzählen Sie ganz aufgeregt und viel. Sie geniessen es. Und ich freue mich so sehr mit Ihnen. Ich stelle kaum Fragen. Es gibt nur eine Standartfrage nach Besuchen bei Papa:
„Habt ihr ’ne schöne Zeit gehabt?“
Ich weiss viel über sie und ich muss sagen: Sie gefällt mir.
Sie hat mein Herz gewonnen, als sie ein Projekt mit den Kindern machte, warum Cola schlecht für Kinder ist und eine Nudel über Nacht in ein Colaglas legte.
Der Kleine sagt oft in letzter Zeit:
„Ich freu mich auf Papa. Aber ich will nicht schon wieder so viel raus gehen müssen und spazieren. Das nervt mich!“ Dann schmunzel ich, drücke ihn mitleidig und insgeheim jubelt mein Mutterherz.
Ich habe weder Konkurrenzdenken.
Noch habe ich das Gefühl, dass sie mir was wegnimmt.
In diesem Sinne: danke NEXT.
Meine Komplizin. Ich muss dich nicht kennen. Dir nichts sagen. Es reicht zu wissen, dass es dich gibt und dass du mehr als lieb zu meinen Kindern bist.
Es tut gut zu wissen, dass du dich mit kleinen Jungs auskennst, auch ne Mama bist und sicher Globuli, Pflaster und Ibuprofensaft da hast, wenn es gebraucht wird.
Danke, dass ich dir meine Kinder beruhigt anvertrauen kann und sie immer so fröhlich und begeistert von dir erzählen. Das macht die Sache um so Vieles einfacher.
Ganz nebenbei gönne ich dir diesen Mann von ganzem Herzen. Vielleicht hast du mehr Glück mit ihm. Ich wünsche es uns allen.
Wenn ich einen dieser Sätze sage, senke ich oft meinen Blick dabei und mein Gesichtsausdruck verwandelt sich in den eines kleinen, schuldbewussten Mädchens.
Lange beinhalteten diese Sätze für mich einen Mangel. Es klang einfach verkehrt für mich und war auch mit viel Scham behaftet.
In meinem Kopf war viel zu oft:
„Was denkt der andere jetzt über mich? Mein Gegenüber weiss ja nicht, wie sehr ich verheiratet sein wollte und wie sehr ich es versuchte zu bleiben. Bis es eben nicht mehr ging.
Mein Gegenüber weiss ja nicht, wie schwer es mir fällt, das laut auszusprechen und mit erhobenem Kopf.“
Lange war ich sicher, sofort verurteilt zu werden. Dass ich es nicht lang genug versucht habe. Nicht genug gekämpft und es mir zu leicht gemacht habe.
Meine Geschichte steht nicht auf meiner Stirn geschrieben und selbst wenn ich Auszüge daraus erzähle, dann ist es nur ein Bruchteil. Den, den man eben erzählen kann.
Ich für mich habe meine Entscheidung von damals keinen Tag bereut und es gab nie ein Zurück.
Einfach war es trotz dieser Gewissheit nicht.
Die Zeit ist ein fabelhafter Lehrmeister und heilt die Wunden, es stimmt tatsächlich.
Ich bin auch heute nicht stolz darauf, mit 38 geschiedenen zu sein. Es lief wahrlich nicht nach Plan und mein Traum war ein anderer.
Jedoch gibt es Dinge, die man nicht beeinflussen kann, die eben ihren Lauf nehmen und die nicht aufzuhalten sind.
Nein, stolz bin ich nicht darauf.
Aber stolz bin ich darauf, wie ich meine Situation meistere. Wie ich die letzten Jahre gekämpft habe und was ich für mich erreicht habe.
Ich rede nicht von teuren Handtaschen, Modeschmuck, oder anderen materiellen Dingen, die im Übrigen für mich keinen grossen Wert haben.
Ich kann jeden Monat meine Miete und andere Rechnungen pünktlich zahlen. Das beruhigt und war nicht immer so.
Wenn wir Lust auf Kino haben, oder auf ein Eis, dann machen wir das einfach. Auch ein Spielzeug zwischendrin ist kein Problem. Das war nicht immer so.
Weihnachten und andere Feiertage, Kindergeburtstage …Sie machen mir keine Angst mehr. Abgesehen vom finanziellen Aspekt habe ich ganz alleine die tollsten Kindergeburtstage gestemmt.
Natürlich kann ich die Kinder danach nicht alle in meinem Auto nach Hause fahren. So machen es meist die Eltern, die nicht getrennt sind. Was ich gemerkt habe: keiner erwartet es von mir! Warum also einen Gedanken daran verschwenden?
Was ich gut kann ist Vorbereiten, Organisieren, Spiele ausdenken, Erinnerungen schaffen, toben, kreativ sein. Das alles kann ich. Also besinne ich mich darauf.
Früher empfand ich mich für völlig unkreativ. Basteln, Malen und das alles ist so gar nicht mein Ding.
Bis eine Freundin zu mir sagte, dass sie mich aber sowas von kreativ findet! Vielleicht nicht im Bereich Basteln und Geldgeschenke in Szene setzen. Aber kreativ in meinem Alltag. Jeden Tag! Kreativ, weil ich fast alles möglich mache. Kreativ, weil es meinen Kindern an nichts fehlt. Kreativ, weil ich alle Termine in Einklang bringe und schaffe.
Kreativ, weil ich arbeite und Haushalt, Kinder, Schule, Elternabend, Pausenbrote und das alles meistern kann.
Und ja verdammt, ich bin jeden Tag so kreativ!
Oft sage ich, dass ich „alleine“ bin, alles „alleine“ machen muss.
Eine Therapeutin in der Kur gab mir den Tipp, von diesem „allein“ wegzukommen. Es nehme mir die Stärke, die ich weiss Gott besitzen würde und mache mich klein.
„Sie sind nicht allein. Nie! Denn Sie haben SICH SELBST.“
Und ja! Mit mir habe ich jemanden an meiner Seite, auf dessen Bauchgefühl ich vertrauen kann. Meine Intuition lässt mich selten im Stich und ich kenne meine Stärken und Schwächen. Mein Können und meine Grenzen.
Vor ein paar Tagen wurde ich bei einer Datenerfassung gefragt:
„…und Sie sind verheiratet?“
Ich nuschelte leise und wieder klein und schuldbewusst:
“ Geschieden.“
Die Dame hob ihren Kopf, schaute mir direkt in die Augen und sagte:
„Wir leben im 21. Jahrhundert. Ich bin auch geschieden und jetzt wieder glücklich verheiratet. Meine Schwester ist auch seit kurzem geschieden, nachdem ihr Ehemann sie die Kellertreppe runtergedonnert hat. Früher musste man bei so einem Mann bleiben schätze ich. Aber heute zum Glück NICHT!“
Dann lächelten wir uns an, nickten uns zu und alles war gesagt. Gleich setzte ich mich wieder aufrecht hin und machte mich gross. Ich liebe solche Frauen und ich lerne viele davon kennen.
Vor einigen Wochen unterhielt ich mich mit einer guten Bekannten und am Ende sagte sie:
„Petra, ich glaub schon, dass dich viele darum beneiden, wie du das alles so machst und schaffst!“
Mich? Beneiden? Das war neu für mich. Ich dachte kurz darüber nach und mir fielen wirklich viele Dinge auf, die in der Tat bei uns sehr gut laufen.
In meinem Umfeld gibt es verheiratete Frauen, die mindestens so gestresst sind wie ich manchmal.
Verheiratete Frauen, die nicht im Elternabend erscheinen.
Verheiratete Frauen, die eine „unaufgeräumte“ Wohnung haben, wo ein Wäschekorb auf dem Esstisch steht, das Bügelbrett im Wohnzimmer steht, oder Kalkflecken an ihren Armaturen haben. Da fühle ich mich wohl und atme erleichtert durch.
Ich kenne verheiratete Mütter, die nicht fürs Diktat üben und sich nicht drum kümmern, ob das Gedicht sitzt.
Mütter, die zu spät kommen und abgehetzt sind. Frustriert, überfordert, genervt.
Verheiratete Mütter, die eine lange To-do-Liste haben und eine unordentliche, aufgestaute Ablage.
Ich fühle mich nicht wirklich anders, weil ich alleinerziehend bin. Schon gar nicht minderwertig.
ME. MYSELF. AND I.
Unglaublich, was ich täglich leiste. Ich kann stolz auf mich sein.
Falls ich das mal vergesse und die Krone verrutscht, dann habe ich meine Freunde, die sie sofort wieder geraderücken und nicht zulassen, dass ich mich klein mache.
Ich habe tolle Freunde!
Ich bin gut, wie ich bin, ES ist gut, wie es ist. Von perfekt war nie die Rede.
Drei Wochen Mutter-Kind-Kur neigen sich dem Ende zu.
Die Kur beantragt habe ich eigentlich ganz unbefangen und aus egoistischen Gründen:
An den gedeckten Tisch sitzen, Zeit alleine zum Gedanken sortieren, qualitative Zeit mit meinen Kindern, tolle Unternehmungen, viel Wald und Ruhe, fernab vom Alltagsstress und dem Funktionieren müssen.
Hier bin ich die Priorität, es geht nur um mich, meine Gedanken, meine Empfindungen und meine Kinder dürfen mich dabei begleiten.
Noch dazu ist es für mich ein wundervoller Abschluss beim alten Arbeitgeber und ein Fokussieren auf den neuen Job.
Drei Wochen Urlaub nehmen in der Ferienzeit waren immer verboten und ich dachte trotzig: „So!“
Vom letzten Aufenthalt wusste ich was mich erwartet, dass die Kinderbetreuung sehr gut ist, der Wald heilende Kräfte hat und dass es sich schon auch etwas anfühlt wie Urlaub.
Diese Kur zeigte mir mein ganzes Potential und was ich seither geschafft habe. Es war schön, diese Entwicklung vor Augen gehalten zu bekommen und für mich war es wichtig, um den Kreis zu schließen.
Damals war ich ganz frisch getrennt und wollte nur Abstand! Ruhe! Ihn nicht sehen müssen!
Damals waren wir vor 28 Tagen aus dem Haus ausgezogen, ich hatte meinen Job verloren, bekam Geld vom Jobcenter, hatte kurz vorher von meiner Nachfolgerin erfahren, die mich im Haus abgelöst hatte.
Es macht mich traurig, wenn ich daran denke, dass ICH das war und es diesen Teil in meinem Leben gab.
Ich erinnere mich an wirre Gedanken, absolute Überforderung, Telefonate mit Jugendamt und Rechtsanwälten. An ein mehr als leeres Konto, Existenzängste, Verzweiflung pur, Panikattacken, schlaflose Nächte, Anspannung und Nervosität.
Ich hatte damals keinen Schimmer!
Keinen Schimmer wo ich anfangen muss und keinen Schimmer, was noch alles auf mich zukommen sollte.
Jetzt, 4 Jahre später…ich schau mich an!
Wow, wie stark ich bin!
Wie sehr bin ich an all dem gewachsen!
Ich stehe hier erhobenen Hauptes und kann mehr als stolz auf mich sein!
Jetzt gibt es auch noch ein paar Dämonen, aber nichts im Vergleich zu denen von damals.
Sie sind viel kleiner und zahmer, bei Weitem nicht so beängstigend. Nur vergesse ich hin und wieder die Leine, die sie bändigen kann und muss mich erinnern.
Keiner kann mir was! Ich habe die volle Kontrolle über mein Leben.
Ich allein kann alles steuern und beeinflussen. Mich, meine Gedanken und somit auch das Aussen.
Manchmal gerate ich noch in diesen Strudel von damals:
„Warum habe ich es so schwer?“
„Andere können sich alles aufteilen, die haben es gut!“
„Auf mir lastet so viel!“
„Ich armes, kleines Mäuschen!“
„Alles muss ich alleine machen!“
Allein…allein sein. Immer allein.
Dann schimpfe ich mit mir selber und frage mich, ob ich jetzt wieder anfange zu spinnen?!?
Denn ich bin mehr als großartig. Es fällt mir manchmal noch schwer, das zu mir selber zu sagen!
Ich habe meine eigene Superheldengeschichte geschrieben und bin mein eigenes Überraschungspaket! Was ich wohl in Zukunft noch so für mich bereithalte?
Eine andere Mama hier bemerkte:
„Sag mal, wenn du jetzt Lust hast was zu unternehmen, oder irgendwo hinzufahren, dann kannst du dir einfach die Jungs schnappen und es geht los, oder? Du musst mit niemandem verhandeln oder etwas absprechen!“
Allein sein birgt so viel mehr als dieses negativ behaftete Wort an sich.
Allein sein ist Freiheit und Unabhängigkeit. Ich mache das, worauf ich Lust habe! Immer!
Hier erzählen verheiratete Frauen, sie hätten ihrem Ehemann daheim für fast 3 Wochen vorgekocht und es eingefroren.
Andere wundern sich, dass sie auch nach langen drei Wochen ihren Ehemann so gar nicht vermissen und am liebsten verlängern würden.
Wiederum andere lassen sich und das Kind vom Ehemann hierherfahren, obwohl er wegen Corona die Klinik nicht mal betreten darf.
Warum, frag ich mich!
Trauen Sie sich die Fahrt nicht zu? Muss der Mann sich vergewissern, ob sie auch wirklich hier ankommen?
Einige Papas reisen bereits am 1. Samstag hier an für gemeinsame Unternehmungen, obwohl erst am Mittwoch Nachmittag Anreise war.
Ich schätze, dass Alleinsein das Beste ist, was mir passieren konnte.
Nie hätte ich mich so sehr mit mir selbst auseinandergesetzt und mich so weiterentwickelt.
Damals, als ich eben Mutter war, Ehefrau, Hausbesitzer und mich völlig verloren hatte.
Niemals hätte ich überhaupt ne Kur beantragt schätze ich. Weil:
„Nee, das geht doch irgendwie nicht!“
Eine Mama Mitte 40 erzählte, dass ihr Vater regelmäßig zur Kur ging. Ihre Mama nie, denn:
„Die hat ja nicht gearbeitet und war nur zu Hause!“ Wir lachten laut über diese Ironie.
Ich weiss heute ganz genau wer ich bin, was mich ausmacht, wo meine Stärken liegen und wofür ich brenne!
Wieder zu Hause, warten zwei Elternabende auf mich und ich freue mich sehr darauf! Denn ich bin frei und brauche keinen Babysitter mehr dafür.
Ich habe zwei tolle Kinder erzogen, die ich mit 9 und 5 Jahren guten Gewissens alleine lassen kann.
Ich bin stolz auf mich, weil ich loslassen kann, ihnen Vertrauen schenke und weiss, dass sie nichts anstellen werden.
Eine Pädagogin hier schätzte das sehr und fand, das sei noch viel gewaltiger als nur ein Meilenstein, denn dahinter warte die große Freiheit. Es gebe sicher viele verheiratete Frauen, die das ihren Kindern nicht zutraue.
Ich könne stolz auf das sein, was ich mir erarbeitet habe.
Ich höre mich denken:
Jaaaa, schon. Im Inneren weiss ich das ja auch. Eigentlich. ABER!
Von perfekt bin ich weit entfernt, wenn das überhaupt das Ziel ist.
Genau so soll alles sein.
Ich wachse weiter an meinen Fehlern, schaue hin und lerne daraus.
Ich bin ich, mit allem was zu mir gehört. Ich mit all meinen Gefühlen und Emotionen, meinem zu viel und komplizierten Denken.
Meinem Interpretieren in Situationen, das nicht immer so ganz der Wirklichkeit entspricht.
Meiner Wut, die mich binnen Sekunden in Hulk verwandelt und meiner bedingungslosen Liebe, der man sich immer sicher sein kann.
Ich bin ein GlücksschweinManchmal auch ein Giftpilz
Als mein Sohn ein Jahr alt wurde, wechselte ich in die häusliche Pflege und hatte die Kirche als Träger.
Dort fühlte ich mich wohl und die 60 % Arbeitsumfang waren gut machbar, da ich einen Ehemann mit Gleitzeit hatte.
Als er sieben Uhr den Sohn zur Kita brachte, war ich schon lange, lange aus dem Haus. Ich konnte ihn dafür mittags abholen.
Hatte ich Spätschicht ab 16 Uhr, machte der Mann früher Feierabend und blieb beim Kind.
Manchmal kommt aber alles anders als man will und denkt.
Ich war mitten in der Elternzeit mit Sohn Nr. 2, als die Beziehung mit einem grossen Knall endete.
Es war abrupt, quasi über Nacht und es gab kein Zurück.
Inmitten des Chaos, das nun mein Leben war, rief ich meinen Arbeitgeber an.
Ich erzählte von der Trennung und dass ich ja wie geplant in 3 Monaten wieder arbeiten kommen will. Die Elternzeit von einem Jahr war beinahe zu Ende.
Am anderen Ende war Stille, als ich sagte, dass Frühschicht ab 6 Uhr nicht mehr geht, denn die Kita öffnet erst 7 Uhr. Spätschicht gehe auch nicht mehr, denn die Kita schließt um 16.30 Uhr. Die Wochenenden…ja, das war völlig ungeklärt, da bis dato normale Kommunikation nicht zwischen ihm und mir möglich war.
Etwas dazwischen könne man mir so spontan nicht anbieten, eine sogenannte Mütter-Tour gab es 2016 noch nicht.
Auf Anraten verlängerte ich also meine Elternzeit um ein weiteres Jahr.
Jedoch war das Elterngeld auf ein Jahr ausgezahlt und so stand ich nur mit Kindergeld da. Unterhalt für die Kinder zahlte der Papa der Jungs damals nicht.
Ich war Krankenschwester. So, wie ich es immer wollte.
Ich hatte zwei Kinder, so wie ich es immer wollte.
Ich konnte nicht fassen, dass das Beste, was ich in meinem Leben erschaffen habe, meine größten Stolpersteine im Beruf sein sollten.
Wenige Monate zuvor erinnere ich mich grosskotzig behauptet zu haben, dass ich in meinem Beruf NIEEEEEMALS Harz 4 Empfänger sein werde.
Tja, nennt man wohl Schicksal. Sag niemals nie, das habe ich gelernt.
Wir wohnten noch im gemeinsamen Haus, der Papa war weg.
Regelmäßig saßen mein Baby, damals 10 Monate alt, und ich in den Fluren des Jobcenters.
Ich, Krankenschwester mit unbefristetem Arbeitsvertrag.
Jung, motiviert und mit meiner vielen Erfahrung.
Alles nichts wert.
An dem Gebäude der Diakonie, meinem Arbeitgeber, sah ich regelmäßig das Plakat mit:
FACHKRAFT GESUCHT!
Das ging nicht in meinen Kopf: ich bin doch da! Ich will doch!
Im Nachhinein war es gut wie es war, denn so hatten wir Zeit alles zu regeln und umzuziehen in unsere Wohnung.
Aber an mir nagt es. Harz 4. Damit wollte ich nie etwas zu tun haben.
Nach einem halben Jahr traf ich eine Bekannte, die in einem Seniorenheim arbeitete und so bemerkte ich, dass es dort vielleicht flexibler ist, auch wenn ich niemals in einem Heim arbeiten wollte.
Ich schrieb eine gezielte Bewerbung und wurde schnell eingeladen.
Ja, man habe wenige Mitarbeiter, die „spezielle“ Schichten arbeiten würden und grundsätzlich könne man sich das mit mir gut vorstellen.
Bei einem 2. Termin wurden Vergütung, Arbeitsumfang und meine Zeiten, in denen ich arbeiten kann besprochen. Ein Probearbeiten wurde vereinbart, das einen Abend vorher abgesagt wurde.
„Sie sind jetzt leider nur noch unser Plan B. Es kam eine Bewerbung rein und was soll ich sagen? Die Dame ist flexibler. Kann alles abdecken und normale Schichten arbeiten.“
Plan B also.Wow!
Da hatte ich beim aktuellen Arbeitgeber bereits angefragt, ob sie mit einem Aufhebungsvertrag einverstanden wären, auch von jetzt auf nachher, damit ich jederzeit und schnell ein neues Arbeitsverhältnis starten kann.
Ja, war man. Denn auch 6 Monate später sah man keinen gemeinsamen Weg mehr in meiner neuen Situation.
Ich weiss, es war Papawochenende. Was emotional auch noch schwer auszuhalten war.
Meine Situation schien so ausweglos und ich fühlte mich so gedemütigt. Ich war am Ende.
An diesem Wochenende lag ich nur im Bett und schaute Greys Anatomy. Und weinte. Weinte. Weinte. Weinte.
Freundinnen versuchten mich aufzubauen und mir durch gutes Zureden Mut zu machen.
Es kam nicht bei mir an.
Die Woche drauf war ich fest entschlossen und wusste:
Meine Situation kann nicht so bleiben! Ich will meinen Kindern das nicht so vorleben.
Ich habe nicht 3 Jahre gelernt, um jetzt Harz 4 Empfänger zu sein. Nein!
Ich suchte verschiedene Nummern von Heimen in meiner unmittelbaren Umgebung raus, rief an und sagte immer das gleiche:
…ich bin…
…ich kann…
…ich will…
…ich bringe mit…
…und ich habe 2 Kinder, bin alleine und kann nur so und so arbeiten…
Ich hatte zwei Vorstellungsgespräche hintereinander und somit suchte ich mir das für mich Passendendere raus. Das mit besserer Vergütung.
Alles machte einen guten Eindruck. Auch ich in meinen zwei Tagen Probearbeiten. Ich war ja vom Fach. Ich hab keine Scheu auf Menschen zuzugehen, war gut gelaunt und es machte Spass.
Für mich stand schnell fest: ja, das will ich.
Diesen Arbeitsvertrag zu unterschreiben, dieses Gefühl war übermächtig und ich fühlte mich wieder wie ein Mensch.
Ich war wieder Teil der Gesellschaft, konnte etwas Gutes tun und es tat so gut.
Ich strahlte und die erste Woche hatte ich immer das Gefühl, ich trage einen Umhang mit mir rum.
Ich fühlte mich wie ein Superheld. Stark und mächtig. ICH hatte das geschaffen, ich hatte mir das erkämpft und immer wenn ich vor dem Spiegel stand, grinste ich und dachte:
„Ich bin ein Superheld, denn ich verdiene Geld für mich und meine Kinder. Ich habe mich frei gemacht von allen Ämtern und jeder finanzieller Unterstützung. Kein Harz 4 mehr. „
Ich hatte Arbeitszeiten von 8 bis 12.30 Uhr und jedes 2. Wochenende.
Wie stolz war ich, dass ich für meine Jungs jeden Mittag zu Hause war und ZEIT für sie hatte. Sie mussten nicht bis 16.30 Uhr in der Betreuung warten und welch ein Glück, dass ich als Alleinerziehende ihnen das bieten konnte.
Es war mir immer wichtig, dass Zeit da ist. Meine Jungs waren gerade 1 1/2 und 5, als ich begann zu arbeiten. Der Zwerg war gerade in der Kita eingewöhnt und es lief eigentlich recht gut. Ich kannte die Erzieher ja schon vom ersten Sohn und das machte die Sache einfacher.
Und ausserdem WOLLTE ich ja! Das spürte der Zwerg wohl und das machte es uns leichter.
Sieben Uhr gab ich beide Kinder ab. Oft war ich sehr müde, denn die Nächte waren kurz. Ich hatte noch nicht lange abgestillt, die Kinder waren mehrmals die Nacht wach. Irgendetwas war immer. Ohrenschmerzen. Aus dem Bett gefallen. Nasenbluten. Alptraum. Ich kann nicht schlafen. Ich muss pipi. Ich hab Durst. Windel voll.
Mein Wecker klingelte kurz nach 5 Uhr morgens, weil ich mich fertig machen wollte, bevor ich die Kinder weckte. Oft lief es aber so, dass der Zwerg noch im Schlafsack auf der Waschmaschine neben mir sass, während ich Zähne putzte.
Oft war ein Kind auch erst kurz vor meinem Weckerklingeln wach und ich konnte dann nicht mehr einschlafen.
Nie hat man mir das bei der Arbeit angesehen. Ich hab immer 100 % gegeben, keine Arbeit war mir zuviel. Egal wie müde ich war, egal wie erschöpft und ausgelaugt, egal was privat bei mir los war und wie das Abgeben in der Kita gelaufen ist.
Da es morgens immer besser lief und wir Routine bekamen, hatte ich immer noch ca 15, 20 Minuten bis zum Dienstbeginn und saß die Zeit im Auto ab. Ich genoss jede Minute Ruhe, nutzte sie für meine Wochenplanung, Organisation, zum Gedanken sammeln, oder auch für ne Sprachnachricht an die Freundin.
Es verging nicht lange, da fiel es auf.
Ich wurde gefragt, ob ich in Zukunft auch schon 7.30 Uhr starten könne, um die Kollegen, die bereits 6.30 Uhr die Schicht beginnen, bei der Pflege zu unterstützen.
Ich sagte natürlich zu. Aber mein Puffer war somit weg. 7 Uhr zwei Kinder in zwei verschiedenen Gebäuden abgeben, die ca 15 minütige Autofahrt, umziehen und 7.30 Uhr fix und fertig auf dem Stockwerk erscheinen. Im Sommer kein Problem. Im Winter eine Glanzleistung. Aber auch das schaffte ich und kam nie zu spät.
Die Probezeit von 6 Monaten war um und es war ganz klar, dass ich übernommen werde, es gab keine Zweifel.
Eine Fachkraft war morgens immer in der „normalen“ Schicht von 6.30 Uhr bis 14 Uhr eingeteilt und ich kam als 2. quasi dazu mit meiner Arbeitszeit von jetzt 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr.
Es war perfekt!
Kurz nach Ablauf der Probezeit standen Schul-und Kindergartenferien an. Mein Ex-Mann hatte Urlaub genommen und wollte die Kinder betreuen.
Ich sagte zur Chefin, dass ich in der Woche total flexibel sei. Ich wollte normale, volle Schichten mit 7 h arbeiten und auch Spätschichten wären möglich. Ich wollte Stunden sammeln, wer weiss wofür. Und natürlich auch einen guten Eindruck machen. Kann ja nicht schaden.
An diesem Freitag Abend sollte der Papa die Kinder abholen, da ich an dem Wochenende auch arbeiten musste.
Mittags schrieb er mir, dass er glaubt wieder einen Bandscheibenvorfall zu haben und dass er gerade beim MRT sei.
Er entschied sich für einen stationären Eingriff und sagte dementsprechend die Woche mit den Kindern ab.
Es gab keinen Plan B und dafür war alles auch zu kurzfristig.
Ich war sauer. Ich war wütend. Ich war enttäuscht und verzweifelt.
Ich haderte wieder mit meinem Schicksal und dass ich überhaupt immer noch auf ihn angewiesen war.
Über den Eingriff konnte man diskutieren…ich fand es ging ihm nicht wirklich schlecht und allein aus einem Verantwortungsgefühl heraus, hätte er die Kinder betreuen können.
Wie ich das für mich löse, spielte für ihn keine Rolle. Er war mit sich selber beschäftigt. Not my business.
Ich rief heulend meinen Chef an, erklärte die Situation. Ich bin gesund, die Kinder sind gesund und trotzdem kann ich nicht arbeiten kommen.
Er spürte wohl wie verzweifelt ich war und sagte, ich soll mich jetzt um die Kinder kümmern. Alles andere ließe sich regeln.
Als ich nach einer Woche wieder zum Dienst kam, lief ich gleich der Chefin über den Weg.
Sie sagte: „So, deine Kollegen sind nicht gerade erfreut und du kannst jetzt schauen, wie du das wieder gutmachst. Drei Kollegen mussten für dich einspringen, um deine Dienste abzudecken und eine wurde sogar aus dem Urlaub geholt.“
Schluck.
Ich schaute auf den Dienstplan. Von 15 hart erarbeiteten Plusstunden standen da jetzt minus 27 h und 2 meiner Urlaubstage waren dafür auch hinterlegt worden.
Ja, jetzt wurde der Ton etwas schärfer. Ich konnte es so gut verstehen! Ich wäre auch sauer.
Das schlechte Gewissen nagte an mir und wenn jemand einspringen musste, war klar, dass ich zuerst gefragt wurde. Schließlich war ich diejenige mit 27 Minusstunden. Die, die etwas gut zu machen hatte.
Recht schnell hatte ich alles aufgeholt und vollen Einsatz gezeigt. Auch über meine Grenzen hinaus. Meine freien Tage hätte ich mehr als gebraucht.
Es dauerte nicht lang, kam die nächste Hiobsbotschaft. Der Exmann hatte den Job gewechselt und mit den Umgangswochen haute es so wie davor jetzt nicht mehr hin. In seiner Probezeit musste er selber schichten und auch Samstags alle zwei Wochen arbeiten.
Ich war fassungslos und erinnerte ihn an unsere Abmachung und seine Zusage, dass ich alle 2 Wochenenden arbeiten kann, wenn die Jungs bei ihm sind.
Wieder interessierte es ihn nicht, wie ich das löse und er sagte nur: “ Ach, überall ist Fachkräftemangel, die werden dich schon nicht kündigen!“
Ich bin fast geplatzt vor Wut und war ausser mir. Ein Arbeitswochenende konnte ich mit meiner Mama überbrücken. Ich ging zum Jugendamt und fragte, ob es wirklich soooo leicht für ihn sei. Schließlich habe er den Job ja erst angenommen und wusste da bereits, dass er 2 Kinder hat und alle 2 Wochenenden die Umgänge stattfinden, damit ich eben arbeiten kann.
Pflege ohne Wochenenddienst gehe nun mal nicht sagte die Chefin und ich solle schauen, dass ich das Problem gelöst bekomme, ansonsten müsse mein Vertrag aufgelöst werden.
Beim Jugendamt zuckte man mit den Schultern und befand: „Ein bisschen mehr Verantwortungsgefühl könne er schon zeigen!“
Ich bekam allerhand Flyer, was ICH noch so alles tun könne.
Ich versuchte es über den Tagesmutterverein, aber für regelmässige Wochenenden ab 6 Uhr, oder bis 21.30 Uhr, erklärte sich keine bereit.
„Wissen Sie, die haben ja auch alle Familie und das ist nicht so einfach!“
Ich rief die Erziehungsberatungsstelle an, erklärte und sie wollte meinen Exmann und mich zu einem gemeinsamen Termin einladen.
Ich war angespannt. Bereitete mich gut vor.
Sachlich bleiben. Nur über die Wochenenden und Umgänge reden, ihm sonst keinen Raum geben. Nicht provozieren lassen. Keine Emotionen. Bei mir bleiben.
Das Gespräch lief nicht gut und die einzige Regelung war:
Umgänge erst mal nicht mehr alle zwei Wochen von Freitag Abend bis Sonntag Abend.
Jetzt jede Woche von Samstag Abend bis Sonntag Abend bis er eingelernt war und Normalschicht arbeiten konnte.
Rosige Zeiten war andere. Ich hatte nur den Alltag. Der Samstag war meist dahin, weil ich nicht wusste, ob er abends auch wirklich kommt. Oft war er nicht erreichbar, sein Handy aus, oder er antwortete nicht.
Er tauchte dann einfach so irgendwann auf, direkt nach der Arbeit. Meist 19 Uhr rum und oft waren die Kinder da schon total hinüber und der Zwerg war schon eingeschlafen.
Um mich stand es nicht gut. Jede Woche aufs Neue war ich diesem psychischen Stress ausgesetzt und konnte nichts geniessen. Weder die anstrengende Zeit unter der Woche, noch das Wochenende.
Ich schrie viel und hatte keine Geduld. Mir fehlte qualitytime mit den Kindern. Von Montag bis Freitag Stress pur, Arbeit, Kinder, Haushalt.
Am Samstag konnten wir uns nie was vornehmen, weil er nie ne feste Uhrzeit zusagen konnte, wann er die Kinder holt. Also hatte ich quasi Bereitschaftsdienst. Und Sonntag hab ich dann im Heim gearbeitet.
Jeden Sonntag. Das war die Entscheidung vom Team, als es in einer Teambesprechung besprochen wurde. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, auf allen Seiten. Aber ich arbeitete jetzt jeden Sonntag und keinen Samstag. So ging es ca. 6 Monate lang.
Warum ich das durchgehalten habe? Weil ich dachte ich muss! Es erschien mir immer noch besser als die Option Job verlieren und damit alle Freiheiten, die ich mir dadurch erkämpft hatte.
Die Kollegen mussten das somit mittragen, weil ein Kollege sich ja immer das We mit mir teilen musste. „Du den Samstag, ich den Sonntag!“
Aufgrund meines schlechten Gewissens ging ich immer mehr Kompromisse ein, stimmte sonntags auch mal einem Spätdienst zu. Die Kinder holte ich dann im Anschluss 21.30 Uhr bei ihm ab und an den Tagen waren sie dann halt spät im Bett.
Solange beide im Kindergarten waren ging das noch, da mussten wir nicht so früh aufstehen, wenn ich am nächsten Tag frei hatte.
Als nach 6 Monaten die Umgänge wieder regelmäßig alle 14 Tage waren…es war so schön und ich so glücklich. Vor allem, weil ich meinen Ex-Mann nicht mehr jede Woche sehen musste, denn wir konnten uns nicht ertragen und es gab viel Streit.
Erstmal ging alles seinen Gang.
Der Fachkräftemangel war immer wieder spürbar und so kam es vor, dass ich als einzige Fachkraft im Frühdienst war, wenn es sich dienstplantechnisch so gar nicht anders regeln ließ. Das war stressig, weil ich in 5 Stunden versuchte alle Arbeiten zu erledigen, die auf 7 h bei den Kollegen mit normaler Schicht ausgelegt waren.
Aber es war eine Ausnahme und wenn etwas nicht erledigt war, sagte niemand etwas.
Letztes Jahr musste unser Haus, indem mein Exmann nach der Trennung weiter wohnte, verkauft werden.
Eine neue Herausforderung. Vor allem mental.
Es war das Laternenfest des Zwuckels, als er uns freudig erzählte, dass er nach dem Verkauf erstmal 4 Wochen nach Thailand gehe. Eine Wohnung für danach habe er immer noch nicht und eigentlich suche er auch nicht wirklich, weil er sich die Mieten dort gar nicht leisten könne.
Natürlich dachte ich sofort an meine Arbeitswochenenden, wenn er weg war und fragte mich, ob er überhaupt vorhatte wiederzukommen. Er hatte durch den Hausverkauf Geld, einen Teil der Familie dort in Thailand, keine neue Wohnung hier.
Ich ging zu dem Zeitpunkt nicht davon aus, dass es auch nur einen Grund gab, der ihn hier hält. Auch nicht die Kinder, denn er war sich selbst der Nächste.
Was das alles mit mir und den Kindern machte…es ist eine andere Geschichte. Es war das erste Mal, dass der Grosse in dieser Nacht mit dick geschwollenen Augen aufwachte und am ganzen Oberkörper Pusteln hatte.
Und nein, ich glaube nicht, was ich ihm sagte. Es lag sicher nicht am Kinderpunsch.
Gleich am nächsten Tag rief ich die Chefin an und bat um ein Notfallgespräch. So schnell wie möglich.
Ich erzählte ihr, dass ich noch 2 Wochenenden und die anstehenden Feiertage arbeiten kann und dann erst mal keine Wochenenden mehr aus den und den Gründen.
Damals war ich sicher, dass ich den Job verliere und ich konnte es so für mich annehmen.
Wieder gab es eine Teambesprechung, in der meine private Situation besprochen wurde und ob, bzw wie es im Team für mich weitergehen konnte.
Ich weiss noch, dass ich furchtbar geweint habe. Die Reaktionen waren gemischt. Wenige wollten gern ein zusätzliches Wochenende arbeiten, wenn sie unter der Woche mehr frei hätten. Einige waren richtig genervt, das spürte ich.
Man entschied sich dafür, dass ich meine 78 Stunden im Monat ab sofort unter der Woche ableiste und keine Wochenenden mehr arbeite. Erst mal. Bis man weiss, wie es weitergeht.
Das Klima wurde kühler. Die beliebteste Kollegin war ich weiss Gott nicht, das spürte ich deutlich.
Weiterhin erschwerend hinzu kam, dass ich jetzt regelmäßig die einzige Fachkraft im Dienst war und in 5 Stunden erledigen sollte, was andere in 7h machten.
Immer öfter gab man mir das Gefühl, ein „Problemfall“ zu sein und sagte mir auch ins Gesicht:
„Das einzige Problem ist, dass wir dich nicht kündigen können.“
Ich, die sonntags immer einen Frühdienst braucht. Weil ich die Kinder nicht 21.45 Uhr ins Bett bringen kann, wenn am nächsten Tag Schule ist und 6 Uhr der Wecker klingelt.
Ich setzte mich selber sehr unter Druck, dachte ich muss mir doppelt Mühe geben und noch schneller, noch besser arbeiten, noch mehr Zugeständnisse machen, damit ich es mir „verdiene“ und gesehen werde.
Meine Psychologin, mit der es hin und wieder Gespräche zu dem Thema Arbeit gab, sagte einmal:
„Petra, wenn etwas zu dir kommt, dann hast du es dir bereits längst verdient. Du musst dafür nichts mehr tun!“
Es hat lang gedauert, bis ihre Worte fruchteten.
Ich habe nie gefehlt, ausser meine Kinder waren mal krank. Immer war ich voll da und hab immer mein Bestes gegeben.
Immer öfter wurden die Augen verdreht, wenn ich etwas sagte, machte ich einen Fehler, wurde er mir sofort unter die Nase gerieben und gern über mehrere Schichten hinweggetragen. Gerne auch ins öffentliche Übergabebuch geschrieben. „Petra: Müll war nicht geleert!“
Es kursierten wilde Gerüchte über mich, die sich wie ein Lauffeuer verbreiteten. Einige Kollegen fanden wohl ausserdem, dass mir mit 5 h Arbeitszeit überhaupt keine Pause zustehe und fanden meine hinterlegten 15 Minuten ungerecht.
Gerne wurde ich ignoriert, nicht beachtet, es wurde nicht mit mir geredet. Je nach Konstellation war es mal besser, mal schlechter. Pause wurde gerne ohne mich gemacht, davor frühstückten wir alle zusammen. Ich hörte sie lachen, alle waren versammelt und ich hatte noch mehrere Pflegen vor mir.
Mir helfen, das gab es schon länger nicht mehr. Schließlich war ich die, die erst 7.30 Uhr kommt und schon 12.30 Uhr geht.
Immer wieder wurde über meinen Sport geschimpft, den ich privat treibe und davon hin und wieder ein Bild im Status hinterlege.
Am Wochenende nicht einspringen können und dann das!
Dass ich meine Kinder aber so gut wie immer mit dabei habe auf dem Sportplatz, interessierte niemanden, schließlich sah man auf dem Bild nur mich.
Es machte keinen Spass zur Arbeit zu gehen. Dort zu sein noch viel weniger.
Ich hatte wenig Freunde dort, diese allerdings konnten nicht länger wegschauen. Einer davon platzte bei einer dieser Teamsitzungen der Kragen:
„Hier sitzt eine Mutter, die einfach nur arbeiten will. Geld verdienen für sich und ihre Kinder. Es wäre um Einiges einfacher zum Amt zu rennen und daheim zu bleiben, weiss Gott leichter, als hier zu arbeiten. Will wirklich auch nur einer von euch mit ihr tauschen? Also ich stell mir das unheimlich hart vor und ich finde sie verdient grossen Respekt. Ich bin nicht neidisch, ganz ehrlich!“
Wow. Das werde ich nie vergessen.
Das Thema Mobbing kam zur Sprache. Manche Kollegen verdrehten wieder die Augen. Immer ging es gefühlt um mich und meine Probleme. Es nervte viele. Mich am allermeisten.
Ich wollte nie im Mittelpunkt stehen, aber sie machten mich dazu.
Mein Puffer bis 13 Uhr wurde regelmäßig ausgereizt und Überstunden hatte ich mehr als genug. Ich hetzte ZUR Arbeit und nach der Arbeit hetzte ich ZUM Kindergarten und zur Schule, kam oft auf den letzten Drücker.
Nach 3 Jahren dort bin ich gewachsen und habe mich weiterentwickelt.
Corona machte es schwer und niemals schaffte ich in meiner Arbeitszeit die Aufgaben, die jetzt aber von mir erwartet wurden.
Es reichte!
Jetzt war meine Grenze erreicht.
Ich schrieb nach einer dieser furchtbaren Schichten einen Brandbrief an die oberste Leitung.
Es ging jetzt nicht mehr nur um mich. Es wurde für Bewohner gefährlich. Sie konnten nicht mehr ausreichend von mir versorgt werden und ich konnte nicht mehr garantieren, dass mir nicht ein furchtbarer Fehler passiert, der Stress, enormen Druck und Zeitnot verschuldet war.
Am nächsten Tag hatte ich ein Gespräch mit 4 Leitungen. Ich war gut vorbereitet und meine Argumente waren gut. Ich kann in 5 Stunden nicht die gleiche Arbeit machen wie andere in 7 Stunden. Das ging einfach nicht mehr für mich, auch nicht als Ausnahme.
Ich weiss nicht, ob es emphatisch sein sollte, als meine private Situation als grosse Herausforderung hingestellt wurde und dass es ja auf die Psyche gehen würde. Mit meiner Psyche gab es keinerlei Probleme sagte ich, denn ich kenne meine Grenzen und mache sehr viel für mich zum Ausgleich.
Wenn ich meine besprochenen Arbeitszeiten einhalten könne und nicht in jedem Dienst mein Puffer von 30 Min überschreiten muss, habe ich auch keinen Stress und bekomme alles sehr gut hin sagte ich.
Immer wieder sagte ich, dass sich bei mir nichts geändert hat, ich bin da. Ich kann nichts für Langzeitkranke und nichts für Personalmangel. Ich bin da!
Ich fühlte mich absolut nicht mehr wohl, nicht gewahrtschätzt und nur noch maximal geduldet. Ich wusste, egal wieviel ich hier gebe, niemals wird es genug sein.
Ich forderte 2 feste Tage in der Woche, dann aber bis 14 Uhr. Also längere Schicht für mich und mehr Zeit, alles zu erledigen.
Der grosse Sohn lief da schon alleine von der Schule heim und den Kleinen meldete ich an den beiden Tagen dementsprechend im Kindergarten an.
Es wurde dadurch entspannter für mich.
Ich hatte nur noch einen Gedanken:
Ich muss hier weg!
Dass etwas nicht gut läuft, merkte ich immer, wenn ich einem Außenstehenden mal davon erzählte und diejenigen mich nur verwirrt anstarrten.
„Aber du bist doch auch ein Mensch, das geht doch nicht!“
Eine Bewerbung, ein Bewerbungsgespräch und ein Probearbeiten später sitze ich überglücklich auf der Couch. Der neue Vertrag ist unterschrieben. Keine Pflege mehr! Keine Dienstkleidung mehr!
Sie freuen sich sehr auf mich und ich mich noch mehr! Ich bin sicher, dass es gut wird, denn schlechter kann es gar nicht werden.
Als ich die Kündigung abgegeben habe, kribbelte es bei mir.
Es kam für Viele sehr überraschend. Ich bin doch die unflexible Alleinerziehende mit den kleinen Kindern! Wie kann das sein?!?
Eine Kollegin rief mich an und sagte, sie kann das alles gar nicht glauben. Sie hätte immer gern mit mir gearbeitet, auch wenn wir nicht immer gleicher Meinung waren. Sie bewundert mich für meinen Mut und wünschte, sie hätte ein paar meiner Charaktereigenschaften.
Zum Abschied hörte ich schöne Worte von Bewohnern und Angehörigen. Dass ich immer so freundlich war, sie mich gern gehabt hätten, ich so hilfsbereit wäre und dass ich sehr fehlen werde. Sie überreichten mir Geschenke. Für mich und meine Kinder.
Eine Kollegin sagte am letzten Tag, dass sie gern mit mir gearbeitet hätte und viel von mir gelernt. Vieles hätte einfach nur mit Neid zu tun gehabt, dass ich mit kleinen Kindern arbeiten kann.
Das tat weh, denn wie gemein ist das? Wie gemein können Frauen untereinander sein? In einem sozialen Beruf soviel Hass und böses Blut. Es macht mich sprachlos.
Was ich gelernt habe?
Dass diese 3 1/2 Jahre dort nicht umsonst waren. Ich habe auch Gutes hinterlassen. Ich war für einige Vorbild. Ich habe viel über meinen Selbstwert gelernt und meine Grenzen. Gelernt, für mich einzustehen. Hinzustehen, nicht alles über mich ergehen zu lassen.
Grenzen zu setzen! Bis hierher und nicht weiter!
Ich lasse mich nicht mehr reduzieren auf das Alleinerziehendsein und meine Teilzeit. Ich bin so viel mehr als das und bringe so viele Qualitäten mit. Dem Richtigen wird das auffallen, er wird es schätzen und es wird mir Flügel verleihen.
Nie wieder werde ich zulassen, dass mein Privatleben und das Berufliche sich so vermischen.
Aber ich verzeihe mir auch selbst, denn das war damals meine Situation. Was bringt es, wenn man selber die Zuverlässigkeit in Person ist, aber andere eben nicht, auf die man angewiesen ist?!?
Jetzt bin ich weiter und gehe meinen Weg.
Zum Abschied erhielt ich einen 15 Euro Gutschein zum Eis essen mit meinen Kindern. Keine Karte, keine Blumen. Nichts Persönliches.
Ich gebe zu, ich war traurig darüber. Fassungslos. Immer wieder sage ich mir:
Das sagt mehr etwas über sie aus, nicht über dich.
Ich freue mich auf alles was kommt!
Was ich mir geschworen habe?
Niemals werde ich irgendwo bleiben, wo ich so dermaßen unglücklich und nicht gewollt bin. Egal ob es eine Beziehung ist, oder eben eine Arbeit.
Ich finde mich nicht besonders mutig, wieder von vorne anzufangen. Mit Probezeit und all dem. Ich war es mir mehr als schuldig. Ich nenne es nicht Mut, ich nenne es Eigenverantwortung. Selbstfürsorge. Selbstwert und Selbstliebe.
Wir alle wissen, wie schnell es gehen kann: gerade ist noch alles gut und dann bäääm, geht alles nur noch schief.
Eins kommt zum Anderen, immer mehr kommt dazu und zieht dich richtig runter. Vor allem deine eigenen Gedanken.
Als wäre das nicht genug, gibt es Stress und Stunk bei der Arbeit, die Kinder tanzen einem gefühlt auf der Nase rum, man gerät in Streit mit einem geliebten Menschen, oder, oder, oder.
Vielleicht sind es diese Tage, an denen du schon aufstehst und denkst: bääh! Alles blöd! Scheiss Tag!
Es gibt Tage, da finde ich mich selber unausstehlich und kann nicht aus meiner Haut. Ich kann nicht lächeln und meine Mitmenschen bekommen es zu spüren.
Dann entschuldige ich mich und sage, dass ich mich heute selber so gar nicht leiden kann und es nichts mit ihnen zu tun hat.
Manchmal sind es aber auch grosse Dinge, die einen überwältigen und einem die Luft zum Atmen nehmen.
Vor nicht allzu langer Zeit war ich genau in dieser Situation. Das „warum“ spielt dabei erst mal keine entscheidende Rolle.
Ich lag nachts wach und „es“ liess mir keine Ruhe. Normalerweise schlafe ich wie ein Baby. Unabhängig davon, dass es ein echt dummer Spruch ist, denn meine Babys waren beide sehr schlechte Schläfer.
Ich hatte diese Alpträume, die mich wie Dämonen heimsuchten und verfolgten.
Diesen einen Traum werde ich wohl nie mehr los:
Mein Sohn fiel neben mir in ein metertiefes, voll gefülltes Plumpsklo.
Ich hörte ihn unter der Kacke schwimmen und den Ausgang suchen, aber es dauerte und dauerte und er kam einfach nicht wieder hoch.
Was mich an dem Traum beruhigt, ist, dass ich bis zum Aufwachen seine Schwimmbewegungen in der Gülle hörte. Es gab nicht diesen Moment, in dem er auftauchte, aber auch nicht den, dass ich davon ausgehen musste, er ist tot.
Ich war nervös. Innerlich so angespannt und konnte nicht klar denken. Alles lief wild durcheinander.
Es war so, dass ich tatsächlich besorgt um mich war. Es ging schon tagelang so, dass ich dieses elende Gefühl mit mir rumschleppte und mich ebenso durch den Tag.
Als alleinerziehende Mama gibt es immer so viel zu tun, da braucht man power, um das alles bewältigen zu können.
Ich kenne es nicht von mir, dass mich egal was, so derart umhaut. Und schon gar nicht längere Zeit.
Ich konnte es für mich so annehmen.
„Ich habe allen Grund dafür, mich so zu fühlen.“
Und doch muss ich ins Machen kommen.
Meine Rettung war, dass es Wochenende war und meine Jungs zum Papa sind. Ich war also alleine und musste mich nur um mich selbst kümmern. Und damit hatte ich mehr als genug zu tun.
Was habe ich also getan?
Mindset.
„Ok, ok. Keine Panik! Gaaaaaanz ruhig! Besinne dich!
Du warst schon öfter in deinem Leben an einem dieser Punkte und es ging immer vorbei! Es bleibt nicht für immer so.“
Das finde ich immer schon mal gut, dass man sich das vor Augen hält:
„Das ist jetzt deine Situation, aber es bleibt nicht so!“
Ich frage mich, womit ich persönlich gute Erfahrungen gemacht habe. Was tut mir gut? Was gibt mir Kraft?
Wofür brenne ich und wie bekomme ich meine Power zurück?
Was mir definitiv NICHT helfen wird, um mich besser zu fühlen ist, wenn ich mit fettigen Haar im Bett liegen bleibe und mich mit ungesundem Fraß vollstopfe. Filme schaue, oder mich die ganze Zeit mit Instagram beschäftige, wo mir gespiegelt wird, dass ALLE anderen glücklich sind- nur ich nicht.
Dann warte ich bis es Abend ist und freue mich, dass wieder ein Tag rum ist.
NEIN!
Ich wachte an diesem Samstag Morgen auf und wusste:
Heute bin ich gut zu mir!
Ich bin Krankenschwester. Von „sich kümmern“ verstehe ich was. So oft kümmert man sich um andere, warum nicht um sich selbst?
Was kann ich tun, um mich da wieder rauszuholen?
Ich ging duschen und pflegte mich.
Dann kochte ich mir einen Liter Tee und setzte mir als Ziel, heute 3 Liter Flüssigkeit zu mir zu nehmen.
Ob ihr es glaubt, oder nicht!?! Wenn ich meine Trinkmenge von mindestens 2 Litern am Tag nicht schaffe, weiss ich, dass etwas mit mir nicht stimmt!
Dann schnappte ich mir meine Matte und hab bei Youtube ein Morgen-Yoga-Video ausgesucht und auch wenn es nur 10 Minuten an diesem Tag waren, danach fühlte ich mich gut.
Ich kochte gesund und naschte nicht zwischendurch.
Ich legte mich auf die Couch und hörte Podcast. Das ist mein Ding. Da gibt es so tolle Menschen, die zu dir sprechen und es trifft sowas von ins Schwarze.
Einer meiner Beflügler ist in letzter Zeit immer wieder Veit Lindau und sein Podcast „Seelengevögelt“.
„Seelenrave“, wer es richtig tief mag.
„SEOM“…immer wieder gut, egal wie oft gehört.
Ich holte mir meine ganz persönliche Dosis neuen Mut.
Wenn es mir so richtig schlecht geht, weiss ich, dass kein Gespräch mit einer Freundin helfen wird. Nichts, egal was sie sagen würde, kann mir dieses ekelige Gefühl nehmen.
Da muss ich alleine durch!
Es war auf jeden Fall ein schöner Tag und die Sonne strahlte. Das macht dann auch alles etwas mehr erträglich.
Am späten Mittag beschloss ich raus zu gehen. Nicht weil ich Lust dazu hatte, gar nicht.
Aber weil ich aus Erfahrung weiss, dass ich 2 Dinge benötige für meinen Seelenfrieden:
Natur und Bewegung.
Ich wusste genau, wo ich hinwollte und dieser Ort zog mich magisch an.
Da war ich schon mehrere Male, wenn ich nordic walken war. Ich muss nur 70 m laufen, einen Miniberg hoch und schon bin ich ganz oben in den Weinbergen.
Erstmal ist der Berg anstrengend und ich atme schneller. Dann bleibe ich oben kurz stehen und geniesse den Ausblick.
Ruhe! Nur grün und keine Menschenseele. In meinem Rucksack habe ich 2 Flaschen Wasser, denn es ist sehr heiss. Sonst nichts.
Ich laufe und laufe. An Obstbäumen vorbei. Ich beisse hier mal in einen Apfel und bleibe da mal bei den Zwetschgen stehen.
Ich beobachte Schmetterlinge und freue mich über die Grashüpfer und Grillen, die bei jedem meiner Schritte durchs hohe Gras weghüpfen.
Ich schaue mich um und denke:
Wie schön ist es hier!
Ich gehe immer weiter. Ziel habe ich keins. Ich habe alle Zeit der Welt und alles dabei was ich brauche. Was mich erfüllt, finde ich auf dem Weg.
Interessant, wie die Gedanken mit jedem Schritt positiver und positiver werden.
Der Kopf ist frei und plötzlich weiss ich: das bekomme ich hin! Warum auch nicht? Habe ich doch schon so Vieles geschafft!
Die Vögel zwitschern und ich habe keine Ahnung wo ich bin, denn hier war ich noch nie zuvor. Aber hier ist es schön und nur das zählt.
Ich breite meine Arme aus und schließe beim Gehen die Augen. Ahhhhhhh. Schön!
Letztendlich war ich an dem Tag fast 20 km unterwegs. Meine Füsse taten weh, ich war nassgeschwitzt und k.o.
Aber soooo glücklich! Trotz Allem!
Am nächsten Tag machte ich es fast genauso: gesund essen, viel Ruhe, ausreichend Trinken, 20 Min Yoga, Podcast, Musik und früh schlafen gehen.
Als meine Jungs Sonntag Abend zurückkamen, ging es mir schon wieder sehr viel besser und ich konnte mich auch um sie wieder besser kümmern.
Aber erst musste ich meinen eigenen Tank auffüllen, um etwas abgeben zu können.
Kennt ihr die Geschichte mit dem Flugzeug?
Nur, wenn ich mir selber zuerst die Sauerstoffmaske anlege, kann ich andere retten!
Die ganze Woche habe ich so richtig mit den Kindern genossen, weil sie seit heute eine Woche bei Papa sind.
Ich gebe zu, es dauert ein, zwei Tage, bis das Liebeskummergefühl ganz verschwindet, obwohl ich die Zeit sehr geniessen kann.
Wir haben gekocht, Sandburgen gebaut, ich hab beide im Sand vergraben, wir haben Musik gehört und haben wild getanzt, wir haben gemalt, waren morgens um 8 schon im Garten. Wir haben seit langer Zeit mal wieder zusammen Sport gemacht, Körbe geworfen. Beide haben mich in der Nestschaukel liegend so schnell angeschuckt, dass ich kaum Luft bekam vor Lachen.
Es verging kaum ein Tag, an dem der Zwerg nicht in meinem Arm irgendwo draußen eingeschlafen ist. Wir haben Einschlafmeditation für Kinder gehört, viel geredet und gelacht.
Der Zwerg badete in jedem Brunnen im Umkreis von 10 km und wegen seiner Freude darüber, blieben Menschen stehen und schauten ihm schmunzelnd dabei zu.
Das ist es was mich glücklich macht!
Das ist für mich das, was mein Leben so lebenswert macht.
Wenn ich auf dem Sterbebett liege, kann ich mir sicher Einiges vorwerfen. Aber nicht, dass ich nicht genug qualitative Zeit für meine Kinder hatte.
Vieles nach der Trennung vor 4 Jahren war unsicher. Was ich jedoch immer wusste: ich will Zeit für die Kinder haben! Das ist mir wichtig!
Wenn sie den Papa schon durch die Situation…nicht verloren haben, aber viel weniger sehen…dann will ich meinen Teil dazu beitragen, dass sie von Liebe umgeben sind. Dass sie gesehen werden und man ihnen zuhört.
Genau deshalb arbeite ich „nur“ 50 % als Krankenschwester. Damit ich noch gute 50% für zu Hause habe.
Klar könnte ich mehr arbeiten und meine Jungs in der Zeit in Nachmittagsbetreuung und Kindergarten anmelden. Dann müsste ich mich nicht um Hausaufgaben streiten und kümmern, weil alles im besten Fall schon erledigt wäre, wenn ich sie am Nachmittag abhole.
Vielleicht noch zusätzlich eine Tagesmutter, um NOCH mehr Stunden machen zu können.
Will ich das?
Niemals! Mir persönlich würde es das Herz brechen und mir würde Vieles in unserem Alltag fehlen.
Ich sitze gern nach der Arbeit mit Ihnen auf Spielplätzen rum und beobachte, wie sie mit den Freunden spielen. Das erfüllt mich!
Es macht mich glücklich an meinen freien Tagen zu sagen:
„Morgen können wir bis um sieben schlafen!“
Und dann habe ich sogar etwas Zeit für mich selbst. Für Sport zb.
Nichts würde ich daran ändern, wie es jetzt ist. Genauso ist es für uns gut.
Letzte Woche war mein 9 jähriger das 1. Mal ganz alleine zu Hause als ich arbeiten war. Die ganze Woche versuchte ich ihn zu überreden, dass er doch lieber in die Ferienbetreuung geht, aber er wollte so gern alleine daheim bleiben. Ich soll ihm einfach was kochen, das er sich in der Mikro warm machen kann, mehr brauche er nicht.
Ich war sehr aufgeregt und war nicht überzeugt, denn immerhin reden wir von mehr als 7 Stunden.
Weil ich sonst viel Zeit mit ihnen zu Hause verbringe, hat es ihn so glücklich gemacht, mal ganz, ganz alleine zu sein. Das Fernsehprogramm selber zu bestimmen. Einfach mittags auf der Couch einzuschlafen.
Er fand ich bin ne „supercoole“ Mama, dass ich ihn gelassen habe. Und ja, ich habe es ihm gegönnt. Zugetraut sowieso.
Es ist und bleibt etwas Besonderes.
Ich will nicht mehr arbeiten. Nicht, solange sie noch so klein sind und mich auch gerne noch um sich haben wollen. Mich regelrecht brauchen.
Niemals würde ich mich für mehr Geld entscheiden, statt Zeit mit meinem Kindern und auch für mich selbst.
Die Arbeit ist wichtig, keine Frage. Ich bin froh, dass ich morgens dafür gerne aufstehe und für mich den richtigen Beruf gewählt habe. Jedoch ist es „nur“ eine Arbeit. Wenn es nicht diese ist, wäre es eine andere.
Was aber nicht ersetzbar ist, das sind meine Kinder.