Entwicklungen 🧡

Drei Wochen Mutter-Kind-Kur neigen sich dem Ende zu.

Die Kur beantragt habe ich eigentlich ganz unbefangen und aus egoistischen Gründen:

An den gedeckten Tisch sitzen, Zeit alleine zum Gedanken sortieren, qualitative Zeit mit meinen Kindern, tolle Unternehmungen, viel Wald und Ruhe, fernab vom Alltagsstress und dem Funktionieren müssen.

Hier bin ich die Priorität, es geht nur um mich, meine Gedanken, meine Empfindungen und meine Kinder dürfen mich dabei begleiten.

Noch dazu ist es für mich ein wundervoller Abschluss beim alten Arbeitgeber und ein Fokussieren auf den neuen Job.

Drei Wochen Urlaub nehmen in der Ferienzeit waren immer verboten und ich dachte trotzig: „So!“

Vom letzten Aufenthalt wusste ich was mich erwartet, dass die Kinderbetreuung sehr gut ist, der Wald heilende Kräfte hat und dass es sich schon auch etwas anfühlt wie Urlaub.

Diese Kur zeigte mir mein ganzes Potential und was ich seither geschafft habe. Es war schön, diese Entwicklung vor Augen gehalten zu bekommen und für mich war es wichtig, um den Kreis zu schließen.

Damals war ich ganz frisch getrennt und wollte nur Abstand! Ruhe! Ihn nicht sehen müssen!

Damals waren wir vor 28 Tagen aus dem Haus ausgezogen, ich hatte meinen Job verloren, bekam Geld vom Jobcenter, hatte kurz vorher von meiner Nachfolgerin erfahren, die mich im Haus abgelöst hatte.

Es macht mich traurig, wenn ich daran denke, dass ICH das war und es diesen Teil in meinem Leben gab.

Ich erinnere mich an wirre Gedanken, absolute Überforderung, Telefonate mit Jugendamt und Rechtsanwälten. An ein mehr als leeres Konto, Existenzängste, Verzweiflung pur, Panikattacken, schlaflose Nächte, Anspannung und Nervosität.

Ich hatte damals keinen Schimmer!

Keinen Schimmer wo ich anfangen muss und keinen Schimmer, was noch alles auf mich zukommen sollte.

Jetzt, 4 Jahre später…ich schau mich an!

Wow, wie stark ich bin!

Wie sehr bin ich an all dem gewachsen!

Ich stehe hier erhobenen Hauptes und kann mehr als stolz auf mich sein!

Jetzt gibt es auch noch ein paar Dämonen, aber nichts im Vergleich zu denen von damals.

Sie sind viel kleiner und zahmer, bei Weitem nicht so beängstigend. Nur vergesse ich hin und wieder die Leine, die sie bändigen kann und muss mich erinnern.

Keiner kann mir was! Ich habe die volle Kontrolle über mein Leben.

Ich allein kann alles steuern und beeinflussen. Mich, meine Gedanken und somit auch das Aussen.

Manchmal gerate ich noch in diesen Strudel von damals:

„Warum habe ich es so schwer?“

„Andere können sich alles aufteilen, die haben es gut!“

„Auf mir lastet so viel!“

„Ich armes, kleines Mäuschen!“

„Alles muss ich alleine machen!“

Allein…allein sein. Immer allein.

Dann schimpfe ich mit mir selber und frage mich, ob ich jetzt wieder anfange zu spinnen?!?

Denn ich bin mehr als großartig. Es fällt mir manchmal noch schwer, das zu mir selber zu sagen!

Ich habe meine eigene Superheldengeschichte geschrieben und bin mein eigenes  Überraschungspaket! Was ich wohl in  Zukunft noch so für mich bereithalte?

Eine andere Mama hier bemerkte:

„Sag mal, wenn du jetzt Lust hast was zu unternehmen, oder irgendwo hinzufahren, dann kannst du dir einfach die Jungs schnappen und es geht los, oder? Du musst mit niemandem verhandeln oder etwas absprechen!“

Allein sein birgt so viel mehr als dieses negativ behaftete Wort an sich.

Allein sein ist Freiheit und Unabhängigkeit. Ich mache das, worauf ich Lust habe! Immer!

Hier erzählen verheiratete Frauen, sie hätten ihrem Ehemann daheim für fast 3 Wochen vorgekocht und es  eingefroren.

Andere wundern sich, dass sie auch nach langen drei Wochen ihren Ehemann so gar nicht vermissen und am liebsten verlängern würden.

Wiederum andere lassen sich und das Kind vom Ehemann hierherfahren, obwohl er wegen Corona die Klinik nicht mal betreten darf.

Warum, frag ich mich!

Trauen Sie sich die Fahrt nicht zu? Muss der Mann sich vergewissern, ob sie auch wirklich hier ankommen?

Einige Papas reisen bereits am 1. Samstag hier an für gemeinsame Unternehmungen, obwohl erst am Mittwoch Nachmittag Anreise war.

Ich schätze, dass Alleinsein das Beste ist, was mir passieren konnte.

Nie hätte ich mich so sehr mit mir selbst auseinandergesetzt und mich so weiterentwickelt.

Damals, als ich eben Mutter war,  Ehefrau, Hausbesitzer und mich völlig verloren hatte.

Niemals hätte ich überhaupt ne Kur beantragt schätze ich. Weil:

„Nee, das geht doch irgendwie nicht!“

Eine Mama Mitte 40 erzählte, dass ihr Vater regelmäßig zur Kur ging. Ihre Mama nie, denn:

„Die hat ja nicht gearbeitet und war nur zu Hause!“ Wir lachten laut über diese Ironie. 

Ich weiss heute ganz genau wer ich  bin, was mich ausmacht, wo meine  Stärken liegen und wofür ich brenne!

Wieder zu Hause, warten zwei Elternabende auf mich und ich freue mich sehr darauf! Denn ich bin frei und brauche keinen Babysitter mehr dafür.

Ich habe zwei tolle Kinder erzogen, die ich mit 9 und 5 Jahren guten Gewissens alleine lassen kann.

Ich bin stolz auf mich, weil ich loslassen kann, ihnen Vertrauen schenke und weiss, dass sie nichts anstellen werden.

Eine Pädagogin hier schätzte das sehr und fand, das sei noch viel gewaltiger als nur ein Meilenstein, denn  dahinter warte die große Freiheit. Es  gebe sicher viele verheiratete Frauen, die das ihren Kindern nicht zutraue.

Ich könne stolz auf das sein, was ich mir erarbeitet habe.

Ich höre mich denken:

Jaaaa, schon.  Im Inneren weiss ich das ja auch. Eigentlich. ABER!

Von perfekt bin ich weit entfernt, wenn das überhaupt das Ziel ist.

Genau so soll alles sein.

Ich wachse weiter an meinen Fehlern, schaue hin und lerne daraus.

Ich bin ich, mit allem was zu mir gehört. Ich mit all meinen Gefühlen und Emotionen, meinem zu viel und komplizierten Denken.

Meinem Interpretieren in Situationen, das nicht immer so ganz der Wirklichkeit entspricht.

Meiner Wut, die mich binnen Sekunden in Hulk verwandelt und meiner bedingungslosen Liebe, der man sich immer sicher sein kann.

Ich bin ein Glücksschwein
Manchmal auch ein Giftpilz

Aber immer, immer bin ich ICH!

Alleinerziehend und Arbeiten in der Pflege- mein Dilemma

Krankenschwester.

Seit ich ein kleines Kind war, wusste ich immer genau, was ich mal werden will.

Mit 20 Jahren hatte ich mein Examen in der Tasche und sammelte in den 8 Jahren bis zur Schwangerschaft mit Sohn Nr. 1 viel Erfahrung:

Gerontopsychiatrie, Akutpsychiatrie, Dermatologie. Praxisanleiterweiterbildung.

Immer 100 % und immer engagiert, motiviert.

Als mein Sohn ein Jahr alt wurde, wechselte ich in die häusliche Pflege und hatte die Kirche als Träger.

Dort fühlte ich mich wohl und die 60 % Arbeitsumfang waren gut machbar, da ich einen Ehemann mit Gleitzeit hatte.

Als er sieben Uhr den Sohn zur Kita brachte, war ich schon lange, lange aus dem Haus. Ich konnte ihn dafür mittags abholen.

Hatte ich Spätschicht ab 16 Uhr, machte der Mann früher Feierabend und blieb beim Kind.

Manchmal kommt aber alles anders als man will und denkt.

Ich war mitten in der Elternzeit mit Sohn Nr. 2, als die Beziehung mit einem grossen Knall endete.

Es war abrupt, quasi über Nacht und es gab kein Zurück.

Inmitten des Chaos, das nun mein Leben war, rief ich meinen Arbeitgeber an.

Ich erzählte von der Trennung und dass ich ja wie geplant in 3 Monaten wieder arbeiten kommen will. Die Elternzeit von einem Jahr war beinahe zu Ende.

Am anderen Ende war Stille, als ich sagte, dass Frühschicht ab 6 Uhr nicht mehr geht, denn die Kita öffnet erst 7 Uhr. Spätschicht gehe auch nicht mehr, denn die Kita schließt um 16.30 Uhr. Die Wochenenden…ja, das war völlig ungeklärt, da bis dato normale Kommunikation nicht zwischen ihm und mir möglich war.

Etwas dazwischen könne man mir so spontan nicht anbieten, eine sogenannte Mütter-Tour gab es 2016 noch nicht.

Auf Anraten verlängerte ich also meine Elternzeit um ein weiteres Jahr.

Jedoch war das Elterngeld auf ein Jahr ausgezahlt und so stand ich nur mit Kindergeld da. Unterhalt für die Kinder zahlte der Papa der Jungs damals nicht.

Ich war Krankenschwester. So, wie ich es immer wollte.

Ich hatte zwei Kinder, so wie ich es immer wollte.

Ich konnte nicht fassen, dass das Beste, was ich in meinem Leben erschaffen habe, meine größten Stolpersteine im Beruf sein sollten.

Wenige Monate zuvor erinnere ich mich grosskotzig behauptet zu haben, dass ich in meinem Beruf NIEEEEEMALS Harz 4 Empfänger sein werde.

Tja, nennt man wohl Schicksal. Sag niemals nie, das habe ich gelernt.

Wir wohnten noch im gemeinsamen Haus, der Papa war weg.

Regelmäßig saßen mein Baby, damals 10 Monate alt, und ich in den Fluren des Jobcenters.

Ich, Krankenschwester mit unbefristetem Arbeitsvertrag.

Jung, motiviert und mit meiner vielen Erfahrung.

Alles nichts wert.

An dem Gebäude der Diakonie, meinem Arbeitgeber, sah ich regelmäßig das Plakat mit:

FACHKRAFT GESUCHT!

Das ging nicht in meinen Kopf: ich bin doch da! Ich will doch!

Im Nachhinein war es gut wie es war, denn so hatten wir Zeit alles zu regeln und umzuziehen in unsere Wohnung.

Aber an mir nagt es. Harz 4. Damit wollte ich nie etwas zu tun haben.

Nach einem halben Jahr traf ich eine Bekannte, die in einem Seniorenheim arbeitete und so bemerkte ich, dass es dort vielleicht flexibler ist, auch wenn ich niemals in einem Heim arbeiten wollte.

Ich schrieb eine gezielte Bewerbung und wurde schnell eingeladen.

Ja, man habe wenige Mitarbeiter, die „spezielle“ Schichten arbeiten würden und grundsätzlich könne man sich das mit mir gut vorstellen.

Bei einem 2. Termin wurden Vergütung, Arbeitsumfang und meine Zeiten, in denen ich arbeiten kann besprochen. Ein Probearbeiten wurde vereinbart, das einen Abend vorher abgesagt wurde.

„Sie sind jetzt leider nur noch unser Plan B. Es kam eine Bewerbung rein und was soll ich sagen? Die Dame ist flexibler. Kann alles abdecken und normale Schichten arbeiten.“

Plan B also.Wow!

Da hatte ich beim aktuellen Arbeitgeber bereits angefragt, ob sie mit einem Aufhebungsvertrag einverstanden wären, auch von jetzt auf nachher, damit ich jederzeit und schnell ein neues Arbeitsverhältnis starten kann.

Ja, war man. Denn auch 6 Monate später sah man keinen gemeinsamen Weg mehr in meiner neuen Situation.

Ich weiss, es war Papawochenende. Was emotional auch noch schwer auszuhalten war.

Meine Situation schien so ausweglos und ich fühlte mich so gedemütigt. Ich war am Ende.

An diesem Wochenende lag ich nur im Bett und schaute Greys Anatomy. Und weinte. Weinte. Weinte. Weinte.

Freundinnen versuchten mich aufzubauen und mir durch gutes Zureden Mut zu machen.

Es kam nicht bei mir an.

Die Woche drauf war ich fest entschlossen und wusste:

Meine Situation kann nicht so bleiben! Ich will meinen Kindern das nicht so vorleben.

Ich habe nicht 3 Jahre gelernt, um jetzt Harz 4 Empfänger zu sein. Nein!

Ich suchte verschiedene Nummern von Heimen in meiner unmittelbaren Umgebung raus, rief an und sagte immer das gleiche:

…ich bin…

…ich kann…

…ich will…

…ich bringe mit…

…und ich habe 2 Kinder, bin alleine und kann nur so und so arbeiten…

Ich hatte zwei Vorstellungsgespräche hintereinander und somit suchte ich mir das für mich Passendendere raus. Das mit besserer Vergütung.

Alles machte einen guten Eindruck. Auch ich in meinen zwei Tagen Probearbeiten. Ich war ja vom Fach. Ich hab keine Scheu auf Menschen zuzugehen, war gut gelaunt und es machte Spass.

Für mich stand schnell fest: ja, das will ich.

Diesen Arbeitsvertrag zu unterschreiben, dieses Gefühl war übermächtig und ich fühlte mich wieder wie ein Mensch.

Ich war wieder Teil der Gesellschaft, konnte etwas Gutes tun und es tat so gut.

Ich strahlte und die erste Woche hatte ich immer das Gefühl, ich trage einen Umhang mit mir rum.

Ich fühlte mich wie ein Superheld. Stark und mächtig. ICH hatte das geschaffen, ich hatte mir das erkämpft und immer wenn ich vor dem Spiegel stand, grinste ich und dachte:

„Ich bin ein Superheld, denn ich verdiene Geld für mich und meine Kinder. Ich habe mich frei gemacht von allen Ämtern und jeder finanzieller Unterstützung. Kein Harz 4 mehr. „

Ich hatte Arbeitszeiten von 8 bis 12.30 Uhr und jedes 2. Wochenende.

Wie stolz war ich, dass ich für meine Jungs jeden Mittag zu Hause war und ZEIT für sie hatte. Sie mussten nicht bis 16.30 Uhr in der Betreuung warten und welch ein Glück, dass ich als Alleinerziehende ihnen das bieten konnte.

Es war mir immer wichtig, dass Zeit da ist. Meine Jungs waren gerade 1 1/2 und 5, als ich begann zu arbeiten. Der Zwerg war gerade in der Kita eingewöhnt und es lief eigentlich recht gut. Ich kannte die Erzieher ja schon vom ersten Sohn und das machte die Sache einfacher.

Und ausserdem WOLLTE ich ja! Das spürte der Zwerg wohl und das machte es uns leichter.

Sieben Uhr gab ich beide Kinder ab. Oft war ich sehr müde, denn die Nächte waren kurz. Ich hatte noch nicht lange abgestillt, die Kinder waren mehrmals die Nacht wach. Irgendetwas war immer. Ohrenschmerzen. Aus dem Bett gefallen. Nasenbluten. Alptraum. Ich kann nicht schlafen. Ich muss pipi. Ich hab Durst. Windel voll.

Mein Wecker klingelte kurz nach 5 Uhr morgens, weil ich mich fertig machen wollte, bevor ich die Kinder weckte. Oft lief es aber so, dass der Zwerg noch im Schlafsack auf der Waschmaschine neben mir sass, während ich Zähne putzte.

Oft war ein Kind auch erst kurz vor meinem Weckerklingeln wach und ich konnte dann nicht mehr einschlafen.

Nie hat man mir das bei der Arbeit angesehen. Ich hab immer 100 % gegeben, keine Arbeit war mir zuviel. Egal wie müde ich war, egal wie erschöpft und ausgelaugt, egal was privat bei mir los war und wie das Abgeben in der Kita gelaufen ist.

Da es morgens immer besser lief und wir Routine bekamen, hatte ich immer noch ca 15, 20 Minuten bis zum Dienstbeginn und saß die Zeit im Auto ab. Ich genoss jede Minute Ruhe, nutzte sie für meine Wochenplanung, Organisation, zum Gedanken sammeln, oder auch für ne Sprachnachricht an die Freundin.

Es verging nicht lange, da fiel es auf.

Ich wurde gefragt, ob ich in Zukunft auch schon 7.30 Uhr starten könne, um die Kollegen, die bereits 6.30 Uhr die Schicht beginnen, bei der Pflege zu unterstützen.

Ich sagte natürlich zu. Aber mein Puffer war somit weg. 7 Uhr zwei Kinder in zwei verschiedenen Gebäuden abgeben, die ca 15 minütige Autofahrt, umziehen und 7.30 Uhr fix und fertig auf dem Stockwerk erscheinen. Im Sommer kein Problem. Im Winter eine Glanzleistung. Aber auch das schaffte ich und kam nie zu spät.

Die Probezeit von 6 Monaten war um und es war ganz klar, dass ich übernommen werde, es gab keine Zweifel.

Eine Fachkraft war morgens immer in der „normalen“ Schicht von 6.30 Uhr bis 14 Uhr eingeteilt und ich kam als 2. quasi dazu mit meiner Arbeitszeit von jetzt 7.30 Uhr bis 12.30 Uhr.

Es war perfekt!

Kurz nach Ablauf der Probezeit standen Schul-und Kindergartenferien an. Mein Ex-Mann hatte Urlaub genommen und wollte die Kinder betreuen.

Ich sagte zur Chefin, dass ich in der Woche total flexibel sei. Ich wollte normale, volle Schichten mit 7 h arbeiten und auch Spätschichten wären möglich. Ich wollte Stunden sammeln, wer weiss wofür. Und natürlich auch einen guten Eindruck machen. Kann ja nicht schaden.

An diesem Freitag Abend sollte der Papa die Kinder abholen, da ich an dem Wochenende auch arbeiten musste.

Mittags schrieb er mir, dass er glaubt wieder einen Bandscheibenvorfall zu haben und dass er gerade beim MRT sei.

Er entschied sich für einen stationären Eingriff und sagte dementsprechend die Woche mit den Kindern ab.

Es gab keinen Plan B und dafür war alles auch zu kurzfristig.

Ich war sauer. Ich war wütend. Ich war enttäuscht und verzweifelt.

Ich haderte wieder mit meinem Schicksal und dass ich überhaupt immer noch auf ihn angewiesen war.

Über den Eingriff konnte man diskutieren…ich fand es ging ihm nicht wirklich schlecht und allein aus einem Verantwortungsgefühl heraus, hätte er die Kinder betreuen können.

Wie ich das für mich löse, spielte für ihn keine Rolle. Er war mit sich selber beschäftigt. Not my business.

Ich rief heulend meinen Chef an, erklärte die Situation. Ich bin gesund, die Kinder sind gesund und trotzdem kann ich nicht arbeiten kommen.

Er spürte wohl wie verzweifelt ich war und sagte, ich soll mich jetzt um die Kinder kümmern. Alles andere ließe sich regeln.

Als ich nach einer Woche wieder zum Dienst kam, lief ich gleich der Chefin über den Weg.

Sie sagte: „So, deine Kollegen sind nicht gerade erfreut und du kannst jetzt schauen, wie du das wieder gutmachst. Drei Kollegen mussten für dich einspringen, um deine Dienste abzudecken und eine wurde sogar aus dem Urlaub geholt.“

Schluck.

Ich schaute auf den Dienstplan. Von 15 hart erarbeiteten Plusstunden standen da jetzt minus 27 h und 2 meiner Urlaubstage waren dafür auch hinterlegt worden.

Ja, jetzt wurde der Ton etwas schärfer. Ich konnte es so gut verstehen! Ich wäre auch sauer.

Das schlechte Gewissen nagte an mir und wenn jemand einspringen musste, war klar, dass ich zuerst gefragt wurde. Schließlich war ich diejenige mit 27 Minusstunden. Die, die etwas gut zu machen hatte.

Recht schnell hatte ich alles aufgeholt und vollen Einsatz gezeigt. Auch über meine Grenzen hinaus. Meine freien Tage hätte ich mehr als gebraucht.

Es dauerte nicht lang, kam die nächste Hiobsbotschaft. Der Exmann hatte den Job gewechselt und mit den Umgangswochen haute es so wie davor jetzt nicht mehr hin. In seiner Probezeit musste er selber schichten und auch Samstags alle zwei Wochen arbeiten.

Ich war fassungslos und erinnerte ihn an unsere Abmachung und seine Zusage, dass ich alle 2 Wochenenden arbeiten kann, wenn die Jungs bei ihm sind.

Wieder interessierte es ihn nicht, wie ich das löse und er sagte nur: “ Ach, überall ist Fachkräftemangel, die werden dich schon nicht kündigen!“

Ich bin fast geplatzt vor Wut und war ausser mir. Ein Arbeitswochenende konnte ich mit meiner Mama überbrücken. Ich ging zum Jugendamt und fragte, ob es wirklich soooo leicht für ihn sei. Schließlich habe er den Job ja erst angenommen und wusste da bereits, dass er 2 Kinder hat und alle 2 Wochenenden die Umgänge stattfinden, damit ich eben arbeiten kann.

Pflege ohne Wochenenddienst gehe nun mal nicht sagte die Chefin und ich solle schauen, dass ich das Problem gelöst bekomme, ansonsten müsse mein Vertrag aufgelöst werden.

Beim Jugendamt zuckte man mit den Schultern und befand: „Ein bisschen mehr Verantwortungsgefühl könne er schon zeigen!“

Ich bekam allerhand Flyer, was ICH noch so alles tun könne.

Ich versuchte es über den Tagesmutterverein, aber für regelmässige Wochenenden ab 6 Uhr, oder bis 21.30 Uhr, erklärte sich keine bereit.

„Wissen Sie, die haben ja auch alle Familie und das ist nicht so einfach!“

Ich rief die Erziehungsberatungsstelle an, erklärte und sie wollte meinen Exmann und mich zu einem gemeinsamen Termin einladen.

Ich war angespannt. Bereitete mich gut vor.

Sachlich bleiben. Nur über die Wochenenden und Umgänge reden, ihm sonst keinen Raum geben. Nicht provozieren lassen. Keine Emotionen. Bei mir bleiben.

Das Gespräch lief nicht gut und die einzige Regelung war:

Umgänge erst mal nicht mehr alle zwei Wochen von Freitag Abend bis Sonntag Abend.

Jetzt jede Woche von Samstag Abend bis Sonntag Abend bis er eingelernt war und Normalschicht arbeiten konnte.

Rosige Zeiten war andere. Ich hatte nur den Alltag. Der Samstag war meist dahin, weil ich nicht wusste, ob er abends auch wirklich kommt. Oft war er nicht erreichbar, sein Handy aus, oder er antwortete nicht.

Er tauchte dann einfach so irgendwann auf, direkt nach der Arbeit. Meist 19 Uhr rum und oft waren die Kinder da schon total hinüber und der Zwerg war schon eingeschlafen.

Um mich stand es nicht gut. Jede Woche aufs Neue war ich diesem psychischen Stress ausgesetzt und konnte nichts geniessen. Weder die anstrengende Zeit unter der Woche, noch das Wochenende.

Ich schrie viel und hatte keine Geduld. Mir fehlte qualitytime mit den Kindern. Von Montag bis Freitag Stress pur, Arbeit, Kinder, Haushalt.

Am Samstag konnten wir uns nie was vornehmen, weil er nie ne feste Uhrzeit zusagen konnte, wann er die Kinder holt. Also hatte ich quasi Bereitschaftsdienst. Und Sonntag hab ich dann im Heim gearbeitet.

Jeden Sonntag. Das war die Entscheidung vom Team, als es in einer Teambesprechung besprochen wurde. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, auf allen Seiten. Aber ich arbeitete jetzt jeden Sonntag und keinen Samstag. So ging es ca. 6 Monate lang.

Warum ich das durchgehalten habe? Weil ich dachte ich muss! Es erschien mir immer noch besser als die Option Job verlieren und damit alle Freiheiten, die ich mir dadurch erkämpft hatte.

Die Kollegen mussten das somit mittragen, weil ein Kollege sich ja immer das We mit mir teilen musste. „Du den Samstag, ich den Sonntag!“

Aufgrund meines schlechten Gewissens ging ich immer mehr Kompromisse ein, stimmte sonntags auch mal einem Spätdienst zu. Die Kinder holte ich dann im Anschluss 21.30 Uhr bei ihm ab und an den Tagen waren sie dann halt spät im Bett.

Solange beide im Kindergarten waren ging das noch, da mussten wir nicht so früh aufstehen, wenn ich am nächsten Tag frei hatte.

Als nach 6 Monaten die Umgänge wieder regelmäßig alle 14 Tage waren…es war so schön und ich so glücklich. Vor allem, weil ich meinen Ex-Mann nicht mehr jede Woche sehen musste, denn wir konnten uns nicht ertragen und es gab viel Streit.

Erstmal ging alles seinen Gang.

Der Fachkräftemangel war immer wieder spürbar und so kam es vor, dass ich als einzige Fachkraft im Frühdienst war, wenn es sich dienstplantechnisch so gar nicht anders regeln ließ. Das war stressig, weil ich in 5 Stunden versuchte alle Arbeiten zu erledigen, die auf 7 h bei den Kollegen mit normaler Schicht ausgelegt waren.

Aber es war eine Ausnahme und wenn etwas nicht erledigt war, sagte niemand etwas.

Letztes Jahr musste unser Haus, indem mein Exmann nach der Trennung weiter wohnte, verkauft werden.

Eine neue Herausforderung. Vor allem mental.

Es war das Laternenfest des Zwuckels, als er uns freudig erzählte, dass er nach dem Verkauf erstmal 4 Wochen nach Thailand gehe. Eine Wohnung für danach habe er immer noch nicht und eigentlich suche er auch nicht wirklich, weil er sich die Mieten dort gar nicht leisten könne.

Natürlich dachte ich sofort an meine Arbeitswochenenden, wenn er weg war und fragte mich, ob er überhaupt vorhatte wiederzukommen. Er hatte durch den Hausverkauf Geld, einen Teil der Familie dort in Thailand, keine neue Wohnung hier.

Ich ging zu dem Zeitpunkt nicht davon aus, dass es auch nur einen Grund gab, der ihn hier hält. Auch nicht die Kinder, denn er war sich selbst der Nächste.

Was das alles mit mir und den Kindern machte…es ist eine andere Geschichte. Es war das erste Mal, dass der Grosse in dieser Nacht mit dick geschwollenen Augen aufwachte und am ganzen Oberkörper Pusteln hatte.

Und nein, ich glaube nicht, was ich ihm sagte. Es lag sicher nicht am Kinderpunsch.

Gleich am nächsten Tag rief ich die Chefin an und bat um ein Notfallgespräch. So schnell wie möglich.

Ich erzählte ihr, dass ich noch 2 Wochenenden und die anstehenden Feiertage arbeiten kann und dann erst mal keine Wochenenden mehr aus den und den Gründen.

Damals war ich sicher, dass ich den Job verliere und ich konnte es so für mich annehmen.

Wieder gab es eine Teambesprechung, in der meine private Situation besprochen wurde und ob, bzw wie es im Team für mich weitergehen konnte.

Ich weiss noch, dass ich furchtbar geweint habe. Die Reaktionen waren gemischt. Wenige wollten gern ein zusätzliches Wochenende arbeiten, wenn sie unter der Woche mehr frei hätten. Einige waren richtig genervt, das spürte ich.

Man entschied sich dafür, dass ich meine 78 Stunden im Monat ab sofort unter der Woche ableiste und keine Wochenenden mehr arbeite. Erst mal. Bis man weiss, wie es weitergeht.

Das Klima wurde kühler. Die beliebteste Kollegin war ich weiss Gott nicht, das spürte ich deutlich.

Weiterhin erschwerend hinzu kam, dass ich jetzt regelmäßig die einzige Fachkraft im Dienst war und in 5 Stunden erledigen sollte, was andere in 7h machten.

Immer öfter gab man mir das Gefühl, ein „Problemfall“ zu sein und sagte mir auch ins Gesicht:

„Das einzige Problem ist, dass wir dich nicht kündigen können.“

Ich, die sonntags immer einen Frühdienst braucht. Weil ich die Kinder nicht 21.45 Uhr ins Bett bringen kann, wenn am nächsten Tag Schule ist und 6 Uhr der Wecker klingelt.

Ich setzte mich selber sehr unter Druck, dachte ich muss mir doppelt Mühe geben und noch schneller, noch besser arbeiten, noch mehr Zugeständnisse machen, damit ich es mir „verdiene“ und gesehen werde.

Meine Psychologin, mit der es hin und wieder Gespräche zu dem Thema Arbeit gab, sagte einmal:

„Petra, wenn etwas zu dir kommt, dann hast du es dir bereits längst verdient. Du musst dafür nichts mehr tun!“

Es hat lang gedauert, bis ihre Worte fruchteten.

Ich habe nie gefehlt, ausser meine Kinder waren mal krank. Immer war ich voll da und hab immer mein Bestes gegeben.

Immer öfter wurden die Augen verdreht, wenn ich etwas sagte, machte ich einen Fehler, wurde er mir sofort unter die Nase gerieben und gern über mehrere Schichten hinweggetragen. Gerne auch ins öffentliche Übergabebuch geschrieben. „Petra: Müll war nicht geleert!“

Es kursierten wilde Gerüchte über mich, die sich wie ein Lauffeuer verbreiteten. Einige Kollegen fanden wohl ausserdem, dass mir mit 5 h Arbeitszeit überhaupt keine Pause zustehe und fanden meine hinterlegten 15 Minuten ungerecht.

Gerne wurde ich ignoriert, nicht beachtet, es wurde nicht mit mir geredet. Je nach Konstellation war es mal besser, mal schlechter. Pause wurde gerne ohne mich gemacht, davor frühstückten wir alle zusammen. Ich hörte sie lachen, alle waren versammelt und ich hatte noch mehrere Pflegen vor mir.

Mir helfen, das gab es schon länger nicht mehr. Schließlich war ich die, die erst 7.30 Uhr kommt und schon 12.30 Uhr geht.

Immer wieder wurde über meinen Sport geschimpft, den ich privat treibe und davon hin und wieder ein Bild im Status hinterlege.

Am Wochenende nicht einspringen können und dann das!

Dass ich meine Kinder aber so gut wie immer mit dabei habe auf dem Sportplatz, interessierte niemanden, schließlich sah man auf dem Bild nur mich.

Es machte keinen Spass zur Arbeit zu gehen. Dort zu sein noch viel weniger.

Ich hatte wenig Freunde dort, diese allerdings konnten nicht länger wegschauen. Einer davon platzte bei einer dieser Teamsitzungen der Kragen:

„Hier sitzt eine Mutter, die einfach nur arbeiten will. Geld verdienen für sich und ihre Kinder. Es wäre um Einiges einfacher zum Amt zu rennen und daheim zu bleiben, weiss Gott leichter, als hier zu arbeiten. Will wirklich auch nur einer von euch mit ihr tauschen? Also ich stell mir das unheimlich hart vor und ich finde sie verdient grossen Respekt. Ich bin nicht neidisch, ganz ehrlich!“

Wow. Das werde ich nie vergessen.

Das Thema Mobbing kam zur Sprache. Manche Kollegen verdrehten wieder die Augen. Immer ging es gefühlt um mich und meine Probleme. Es nervte viele. Mich am allermeisten.

Ich wollte nie im Mittelpunkt stehen, aber sie machten mich dazu.

Mein Puffer bis 13 Uhr wurde regelmäßig ausgereizt und Überstunden hatte ich mehr als genug. Ich hetzte ZUR Arbeit und nach der Arbeit hetzte ich ZUM Kindergarten und zur Schule, kam oft auf den letzten Drücker.

Nach 3 Jahren dort bin ich gewachsen und habe mich weiterentwickelt.

Corona machte es schwer und niemals schaffte ich in meiner Arbeitszeit die Aufgaben, die jetzt aber von mir erwartet wurden.

Es reichte!

Jetzt war meine Grenze erreicht.

Ich schrieb nach einer dieser furchtbaren Schichten einen Brandbrief an die oberste Leitung.

Es ging jetzt nicht mehr nur um mich. Es wurde für Bewohner gefährlich. Sie konnten nicht mehr ausreichend von mir versorgt werden und ich konnte nicht mehr garantieren, dass mir nicht ein furchtbarer Fehler passiert, der Stress, enormen Druck und Zeitnot verschuldet war.

Am nächsten Tag hatte ich ein Gespräch mit 4 Leitungen. Ich war gut vorbereitet und meine Argumente waren gut. Ich kann in 5 Stunden nicht die gleiche Arbeit machen wie andere in 7 Stunden. Das ging einfach nicht mehr für mich, auch nicht als Ausnahme.

Ich weiss nicht, ob es emphatisch sein sollte, als meine private Situation als grosse Herausforderung hingestellt wurde und dass es ja auf die Psyche gehen würde. Mit meiner Psyche gab es keinerlei Probleme sagte ich, denn ich kenne meine Grenzen und mache sehr viel für mich zum Ausgleich.

Wenn ich meine besprochenen Arbeitszeiten einhalten könne und nicht in jedem Dienst mein Puffer von 30 Min überschreiten muss, habe ich auch keinen Stress und bekomme alles sehr gut hin sagte ich.

Immer wieder sagte ich, dass sich bei mir nichts geändert hat, ich bin da. Ich kann nichts für Langzeitkranke und nichts für Personalmangel. Ich bin da!

Ich fühlte mich absolut nicht mehr wohl, nicht gewahrtschätzt und nur noch maximal geduldet. Ich wusste, egal wieviel ich hier gebe, niemals wird es genug sein.

Ich forderte 2 feste Tage in der Woche, dann aber bis 14 Uhr. Also längere Schicht für mich und mehr Zeit, alles zu erledigen.

Der grosse Sohn lief da schon alleine von der Schule heim und den Kleinen meldete ich an den beiden Tagen dementsprechend im Kindergarten an.

Es wurde dadurch entspannter für mich.

Ich hatte nur noch einen Gedanken:

Ich muss hier weg!

Dass etwas nicht gut läuft, merkte ich immer, wenn ich einem Außenstehenden mal davon erzählte und diejenigen mich nur verwirrt anstarrten.

„Aber du bist doch auch ein Mensch, das geht doch nicht!“

Eine Bewerbung, ein Bewerbungsgespräch und ein Probearbeiten später sitze ich überglücklich auf der Couch. Der neue Vertrag ist unterschrieben. Keine Pflege mehr! Keine Dienstkleidung mehr!

Sie freuen sich sehr auf mich und ich mich noch mehr! Ich bin sicher, dass es gut wird, denn schlechter kann es gar nicht werden.

Als ich die Kündigung abgegeben habe, kribbelte es bei mir.

Es kam für Viele sehr überraschend. Ich bin doch die unflexible Alleinerziehende mit den kleinen Kindern! Wie kann das sein?!?

Eine Kollegin rief mich an und sagte, sie kann das alles gar nicht glauben. Sie hätte immer gern mit mir gearbeitet, auch wenn wir nicht immer gleicher Meinung waren. Sie bewundert mich für meinen Mut und wünschte, sie hätte ein paar meiner Charaktereigenschaften.

Zum Abschied hörte ich schöne Worte von Bewohnern und Angehörigen. Dass ich immer so freundlich war, sie mich gern gehabt hätten, ich so hilfsbereit wäre und dass ich sehr fehlen werde. Sie überreichten mir Geschenke. Für mich und meine Kinder.

Eine Kollegin sagte am letzten Tag, dass sie gern mit mir gearbeitet hätte und viel von mir gelernt. Vieles hätte einfach nur mit Neid zu tun gehabt, dass ich mit kleinen Kindern arbeiten kann.

Das tat weh, denn wie gemein ist das? Wie gemein können Frauen untereinander sein? In einem sozialen Beruf soviel Hass und böses Blut. Es macht mich sprachlos.

Was ich gelernt habe?

Dass diese 3 1/2 Jahre dort nicht umsonst waren. Ich habe auch Gutes hinterlassen. Ich war für einige Vorbild. Ich habe viel über meinen Selbstwert gelernt und meine Grenzen. Gelernt, für mich einzustehen. Hinzustehen, nicht alles über mich ergehen zu lassen.

Grenzen zu setzen! Bis hierher und nicht weiter!

Ich lasse mich nicht mehr reduzieren auf das Alleinerziehendsein und meine Teilzeit. Ich bin so viel mehr als das und bringe so viele Qualitäten mit. Dem Richtigen wird das auffallen, er wird es schätzen und es wird mir Flügel verleihen.

Nie wieder werde ich zulassen, dass mein Privatleben und das Berufliche sich so vermischen.

Aber ich verzeihe mir auch selbst, denn das war damals meine Situation. Was bringt es, wenn man selber die Zuverlässigkeit in Person ist, aber andere eben nicht, auf die man angewiesen ist?!?

Jetzt bin ich weiter und gehe meinen Weg.

Zum Abschied erhielt ich einen 15 Euro Gutschein zum Eis essen mit meinen Kindern. Keine Karte, keine Blumen. Nichts Persönliches.

Ich gebe zu, ich war traurig darüber. Fassungslos. Immer wieder sage ich mir:

Das sagt mehr etwas über sie aus, nicht über dich.

Ich freue mich auf alles was kommt!

Was ich mir geschworen habe?

Niemals werde ich irgendwo bleiben, wo ich so dermaßen unglücklich und nicht gewollt bin. Egal ob es eine Beziehung ist, oder eben eine Arbeit.

Ich finde mich nicht besonders mutig, wieder von vorne anzufangen. Mit Probezeit und all dem. Ich war es mir mehr als schuldig. Ich nenne es nicht Mut, ich nenne es Eigenverantwortung. Selbstfürsorge. Selbstwert und Selbstliebe.

Tiefe Löcher- und wie ich mich da raushole

Wir alle wissen, wie schnell es gehen kann: gerade ist noch alles gut und dann bäääm, geht alles nur noch schief.

Eins kommt zum Anderen, immer mehr kommt dazu und zieht dich richtig runter. Vor allem deine eigenen Gedanken.

Als wäre das nicht genug, gibt es Stress und Stunk bei der Arbeit, die Kinder tanzen einem gefühlt auf der Nase rum, man gerät in Streit mit einem geliebten Menschen, oder, oder, oder.

Vielleicht sind es diese Tage, an denen du schon aufstehst und denkst: bääh! Alles blöd! Scheiss Tag!

Es gibt Tage, da finde ich mich selber unausstehlich und kann nicht aus meiner Haut. Ich kann nicht lächeln und meine Mitmenschen bekommen es zu spüren. 

Dann entschuldige ich mich und sage, dass ich mich heute selber so gar nicht leiden kann und es nichts mit ihnen zu tun hat.

Manchmal sind es aber auch grosse Dinge, die einen überwältigen und einem die Luft zum Atmen nehmen.

Vor nicht allzu langer Zeit war ich genau in dieser Situation. Das „warum“ spielt dabei erst mal keine entscheidende Rolle.

Ich lag nachts wach und „es“ liess mir keine Ruhe. Normalerweise schlafe ich wie ein Baby. Unabhängig davon, dass es ein echt dummer Spruch ist, denn meine Babys waren beide sehr schlechte Schläfer.

Ich hatte diese Alpträume, die mich wie Dämonen heimsuchten und verfolgten.

Diesen einen Traum werde ich wohl nie mehr los:

Mein Sohn fiel neben mir in ein metertiefes, voll gefülltes Plumpsklo.

Ich hörte ihn unter der Kacke schwimmen und den Ausgang suchen, aber es dauerte und dauerte und er kam einfach nicht wieder hoch.

Was mich an dem Traum beruhigt,  ist, dass ich bis zum Aufwachen seine Schwimmbewegungen in der Gülle hörte. Es gab nicht diesen Moment, in dem er auftauchte, aber auch nicht den, dass ich davon ausgehen musste, er ist tot.

Ich war nervös. Innerlich so angespannt und konnte nicht klar denken. Alles lief wild durcheinander.

Überall Trigger.

Angst. Überforderung. Schuld. Wut. Traurigkeit. Verzweiflung.

Es war so, dass ich tatsächlich besorgt um mich war. Es ging schon tagelang so, dass ich dieses elende Gefühl mit mir rumschleppte und mich ebenso durch den Tag.

Als alleinerziehende Mama gibt es immer so viel zu tun, da braucht man power, um das alles bewältigen zu können. 

Ich kenne es nicht von mir, dass mich egal was, so derart umhaut. Und schon gar nicht längere Zeit.

Ich konnte es für mich so annehmen.

„Ich habe allen Grund dafür, mich so zu fühlen.“

Und doch muss ich ins Machen kommen.

Meine Rettung war, dass es Wochenende war und meine Jungs zum Papa sind. Ich war also alleine und musste mich nur um mich selbst kümmern. Und damit hatte ich mehr als genug zu tun.

Was habe ich also getan?

Mindset.

„Ok, ok. Keine Panik! Gaaaaaanz ruhig! Besinne dich!

Du warst schon öfter in deinem Leben an einem dieser Punkte und es ging immer vorbei! Es bleibt nicht für immer so.“

Das finde ich immer schon mal gut, dass man sich das vor Augen hält:

„Das ist jetzt deine Situation, aber es bleibt nicht so!“

Ich frage mich, womit ich persönlich gute Erfahrungen gemacht habe. Was tut mir gut? Was gibt mir Kraft?

Wofür brenne ich und wie bekomme ich meine Power zurück?

Was mir definitiv NICHT helfen wird, um mich besser zu fühlen ist, wenn ich mit fettigen Haar im Bett liegen bleibe und mich mit ungesundem Fraß vollstopfe.  Filme schaue, oder mich die ganze Zeit mit Instagram beschäftige, wo mir gespiegelt wird, dass ALLE anderen glücklich sind- nur ich nicht.

Dann warte ich bis es Abend ist und freue mich, dass wieder ein Tag rum ist.

NEIN!

Ich wachte an diesem Samstag Morgen auf und wusste:

Heute bin ich gut zu mir!

Ich bin Krankenschwester. Von „sich kümmern“ verstehe ich was. So oft kümmert man sich um andere, warum nicht um sich selbst?

Was kann ich tun, um mich da wieder rauszuholen?

Ich ging duschen und pflegte mich.

Dann kochte ich mir einen Liter Tee und setzte mir als Ziel, heute 3 Liter Flüssigkeit zu mir zu nehmen.

Ob ihr es glaubt, oder nicht!?! Wenn ich meine Trinkmenge von mindestens 2 Litern am Tag nicht schaffe, weiss ich, dass etwas mit mir nicht stimmt!

Dann schnappte ich mir meine Matte und hab bei Youtube ein Morgen-Yoga-Video ausgesucht und auch wenn es nur 10 Minuten an diesem Tag waren, danach fühlte ich mich gut.

Ich kochte gesund und naschte nicht zwischendurch.

Ich legte mich auf die Couch und hörte Podcast. Das ist mein Ding. Da gibt es so tolle Menschen, die zu dir sprechen und es trifft sowas von ins Schwarze.

Einer meiner Beflügler ist in letzter Zeit immer wieder Veit Lindau und sein Podcast „Seelengevögelt“.

„Seelenrave“, wer es richtig tief mag.

„SEOM“…immer wieder gut, egal wie oft gehört. 

Ich holte mir meine ganz persönliche Dosis neuen Mut.

Wenn es mir so richtig schlecht geht, weiss ich, dass kein Gespräch mit einer Freundin helfen wird. Nichts, egal was sie sagen würde, kann mir dieses ekelige Gefühl nehmen.

Da muss ich alleine durch!

Es war auf jeden Fall ein schöner Tag und die Sonne strahlte. Das macht dann auch alles etwas mehr erträglich.

Am späten Mittag beschloss ich raus zu gehen. Nicht weil ich Lust dazu hatte, gar nicht.

Aber weil ich aus Erfahrung weiss, dass ich 2 Dinge benötige für meinen Seelenfrieden:

Natur und Bewegung.

Ich wusste genau, wo ich hinwollte und dieser Ort zog mich magisch an.

Da war ich schon mehrere Male, wenn ich nordic walken war. Ich muss nur 70 m laufen, einen Miniberg hoch und schon bin ich ganz oben in den Weinbergen.

Erstmal ist der Berg anstrengend und ich atme schneller. Dann bleibe ich oben kurz stehen und geniesse den Ausblick.

Ruhe! Nur grün und keine Menschenseele. In meinem Rucksack habe ich 2 Flaschen Wasser, denn es ist sehr heiss. Sonst nichts.

Ich laufe und laufe. An Obstbäumen vorbei. Ich beisse hier mal in einen Apfel und bleibe da mal bei den Zwetschgen stehen.

Ich beobachte Schmetterlinge und freue mich über die Grashüpfer und Grillen, die bei jedem meiner Schritte durchs hohe Gras weghüpfen.

Ich schaue mich um und denke:

Wie schön ist es hier!

Ich gehe immer weiter. Ziel habe ich keins. Ich habe alle Zeit der Welt und alles dabei was ich brauche. Was mich erfüllt, finde ich auf dem Weg.

Interessant, wie die Gedanken mit jedem Schritt positiver und positiver werden.

Der Kopf ist frei und plötzlich weiss ich: das bekomme ich hin! Warum auch nicht? Habe ich doch schon so Vieles geschafft!

Die Vögel zwitschern und ich habe keine Ahnung wo ich bin, denn hier war ich noch nie zuvor. Aber hier ist es schön und nur das zählt. 

Ich breite meine Arme aus und schließe beim Gehen die Augen. Ahhhhhhh. Schön!

Letztendlich war ich an dem Tag fast 20 km unterwegs. Meine Füsse taten weh, ich war nassgeschwitzt und k.o.

Aber soooo glücklich! Trotz Allem!

Am nächsten Tag machte ich es fast genauso: gesund essen, viel Ruhe, ausreichend Trinken, 20 Min Yoga, Podcast, Musik und früh schlafen gehen.

Als meine Jungs Sonntag Abend zurückkamen, ging es mir schon wieder sehr viel besser und ich konnte mich auch um sie wieder besser kümmern.

Aber erst musste ich meinen eigenen Tank auffüllen, um etwas abgeben zu können.

Kennt ihr die Geschichte mit dem Flugzeug?

Nur, wenn ich mir selber zuerst die Sauerstoffmaske anlege, kann ich andere retten!

Was mich wirklich, wirklich glücklich macht

Die ganze Woche habe ich so richtig mit den Kindern genossen, weil sie seit heute eine Woche bei Papa sind.

Ich gebe zu, es dauert ein, zwei Tage, bis das Liebeskummergefühl ganz verschwindet, obwohl ich die Zeit sehr geniessen kann.

Wir haben gekocht, Sandburgen gebaut, ich hab beide im Sand vergraben, wir haben Musik gehört und haben wild getanzt, wir haben gemalt, waren morgens um 8 schon im Garten. Wir haben seit langer Zeit mal wieder zusammen Sport gemacht, Körbe geworfen. Beide haben mich in der Nestschaukel liegend so schnell angeschuckt, dass ich kaum Luft bekam vor Lachen.

Es verging kaum ein Tag, an dem der Zwerg nicht in meinem Arm irgendwo draußen eingeschlafen ist. Wir haben Einschlafmeditation für Kinder gehört, viel geredet und gelacht.

Der Zwerg badete in jedem Brunnen im Umkreis von 10 km und wegen seiner Freude darüber, blieben Menschen stehen und schauten ihm schmunzelnd dabei zu.

Das ist es was mich glücklich macht!

Das ist für mich das, was mein Leben so lebenswert macht.

Wenn ich auf dem Sterbebett liege, kann ich mir sicher Einiges vorwerfen. Aber nicht, dass ich nicht genug qualitative Zeit für meine Kinder hatte.

Vieles nach der Trennung vor 4 Jahren war unsicher. Was ich jedoch immer wusste: ich will Zeit für die Kinder haben! Das ist mir wichtig!

Wenn sie den Papa schon durch die Situation…nicht verloren haben, aber viel weniger sehen…dann will ich meinen Teil dazu beitragen, dass sie von Liebe umgeben sind. Dass sie gesehen werden und man ihnen zuhört.

Genau deshalb arbeite ich „nur“ 50 % als Krankenschwester. Damit ich noch gute 50% für zu Hause habe.

Klar könnte ich mehr arbeiten und meine Jungs in der Zeit in Nachmittagsbetreuung und Kindergarten anmelden. Dann müsste ich mich nicht um Hausaufgaben streiten und kümmern, weil alles im besten Fall schon erledigt wäre, wenn ich sie am Nachmittag abhole.

Vielleicht noch zusätzlich eine Tagesmutter, um NOCH mehr Stunden machen zu können.

Will ich das?

Niemals! Mir persönlich würde es das Herz brechen und mir würde Vieles in unserem Alltag fehlen.

Ich sitze gern nach der Arbeit mit Ihnen auf Spielplätzen rum und beobachte, wie sie mit den Freunden spielen. Das erfüllt mich!

Es macht mich glücklich an meinen freien Tagen zu sagen:

„Morgen können wir bis um sieben schlafen!“

Und dann habe ich sogar etwas Zeit für mich selbst. Für Sport zb.

Nichts würde ich daran ändern, wie es jetzt ist. Genauso ist es für uns gut.

Letzte Woche war mein 9 jähriger das 1. Mal ganz alleine zu Hause als ich arbeiten war. Die ganze Woche versuchte ich ihn zu überreden, dass er doch lieber in die Ferienbetreuung geht, aber er wollte so gern alleine daheim bleiben. Ich soll ihm einfach was kochen, das er sich in der Mikro warm machen kann, mehr brauche er nicht.

Ich war sehr aufgeregt und war nicht überzeugt, denn immerhin reden wir von mehr als 7 Stunden.

Weil ich sonst viel Zeit mit ihnen zu Hause verbringe, hat es ihn so glücklich gemacht, mal ganz, ganz alleine zu sein. Das Fernsehprogramm selber zu bestimmen. Einfach mittags auf der Couch einzuschlafen.

Er fand ich bin ne „supercoole“ Mama, dass ich ihn gelassen habe. Und ja, ich habe es ihm gegönnt. Zugetraut sowieso.

Es ist und bleibt etwas Besonderes.

Ich will nicht mehr arbeiten. Nicht, solange sie noch so klein sind und mich auch gerne noch um sich haben wollen. Mich regelrecht brauchen.

Niemals würde ich mich für mehr Geld entscheiden, statt Zeit mit meinem Kindern und auch für mich selbst.

Die Arbeit ist wichtig, keine Frage. Ich bin froh, dass ich morgens dafür gerne aufstehe und für mich den richtigen Beruf gewählt habe. Jedoch ist es „nur“ eine Arbeit. Wenn es nicht diese ist, wäre es eine andere.

Was aber nicht ersetzbar ist, das sind meine Kinder.

Immer wieder sonntags!

„Hey! Heute ist wieder einer der verdammten Tage, die ich kaum ertrage…“ sangen die Fantas in den 90ern und ich heute im Kopf auch einige Male.

Damals ging es um eine nicht erwiderte Liebe, jedoch haben wir gemeinsam, dass uns der Tag fast um den Verstand brachte.

Es ist Sonntag.

Wieder ein Sonntag, auf den ich mich freute und ihn mir am Abend davor so toll vorgestellt hatte. Pustekuchen!

Als ich mit meinem Kaffee auf dem Balkon saß, war die Welt bereits nicht mehr in Ordnung und der Haussegen hing schief.

Es war grad mal halb 8 und die Jungs hatten sich schon weh getan. Mit Worten, aber auch mit Fäusten.

Ich atmete die kühle Luft und schloss die Augen.

Dabei hoffte ich, dass das Geschrei von alleine aufhört und sie es ohne mein Zutun hinbekommen.

Halb 9 waren wir bereits im Garten, weil es drinnen ausartete.

Frische Luft hilft oft Wunder und zumindest für mich ist draußen alles etwas erträglicher.

Auch im Trampolin gab es nur Streit und Kampf. Tränen, Erpressen, Beleidigen, Beschimpfen.

Ich sah dem Grossen an, wie wütend er war und wie er durch die Zähne redete. So gern würde er dem kleinen Bruder eins mitgeben. So, dass es richtig weh tut und ohne schlechtes Gewissen danach.

Der Zwerg schrie wegen Allem und Nichts.

Einfach nichts passte ihm und er wollte seinen Kopf durchsetzen.

Letztendlich fingen sie an an mir zu kleben und genau das konnte ich gerade so gar nicht leiden.

Ich wollte weg! Weit, weit weg!

Schon wieder war ich enttäuscht von meiner eigenen Wunschvorstellung, was diesen heutigen Tag betrifft.

Also gut, vielleicht kann ein Lieblingsessen noch alles retten dachte ich optimistisch.

Beide wollten helfen und ich wollte genau heute so gar nicht ihre Gesellschaft in der Küche, aber das sagt man ja dann nicht.

Das Messer war nicht das richtige, der Hocker nicht hoch genug, eigentlich wollte jeder genau die Aufgabe des anderen, aber einfach tauschen ging auch nicht, weil „…jetzt hat er schon damit angefangen, dann will ich das jetzt auch nicht mehr!“

„Mann Mama“ hier und Mecker da.

Geschrei, Kampf und nicht hören. Vorm Herd rumhüpfen, auf dem das Öl gerade in der Pfanne heiss wird.

Beim Essen ging es weiter mit: „Ich mag das nicht“ und „Irgendwie schmeckt das heut anders!“

Am Nachmittag hatten sie mich soweit.

Als es nicht besser wurde und immer ein neuer Grund zum Streiten gefunden wurde, platzte ich.

Nachdem ich meine Anweisungen rausgebrüllt hatte, dass ich die Wohnung in dem ordentlichen Zustand vom Morgen vorfinden möchte, wenn ich wiederkomme, schlug ICH dann mal ausnahmsweise die Tür hinter mir zu.

Wenn ich dran gedacht hätte, ich hätte auch noch gestampft vor Wut. So!

Ich setzte mich ins Auto, hatte mein Sportzeug schon auf dem Beifahrersitz, da ich dachte, ich gehe zum Sportplatz.

Als ich aber so kurz dasaß und es so schön still war, entschied ich mich gegen Sport und für eine Runde Heulen. Ich heulte und heulte und versank in Selbstmitleid.

Jetzt wäre ein Moment, da hätte ich gern jemanden, der das für mich klärt. Jemand, der der Buhmann ist.

Es ist Sonntag. Sonntags will sich nie jemand treffen und ich frage auch niemanden mehr. Ich habe kapiert: Sonntags muss ich alleine da durch.

„Wir können uns ja vielleicht morgen treffen.“

Sonntag. Nicht gerade mein Lieblingstag. Obwohl ich es mir immer wieder fest vornehme.

Ich konnte nicht lange so dasitzen, auch wenn ich wollte.

Das Telefon klingelte und auch das schlechte Gewissen, dass ich meine Kinder nicht in so einer Situation zurücklassen kann.

Lächeln konnte ich noch nicht. Und wütend war ich auch noch, das merkte ich daran, dass ich eben nicht lächeln konnte.

Ich bat meine Jungs mir eine Stunde Zeit zu geben und sie gingen alleine in den Garten.

Nach nicht mal 20 min klingelte es das erste Mal an der Tür.

Nur kurz Entschuldigung sagen und Blumen in die Hand drücken.

Mit Wurzel und Dackelblick.

Das zweite mal Klingeln war, um mir von der Eidechse draußen zu erzählen.

Das dritte Mal, um zu fragen:

„Wie lang noch?“

Das vierte Mal um zu sagen:

„Ich hab dich NICHT NICHT lieb!“

Doppelte Verneinung heisst nämlich, dass ich geliebt werde.

Trotz allem. Ich schäme mich und frage mich ernsthaft, wer sich kindischer verhalten hat, die Kinder oder ich.

Ich brauchte Bewegung, schnappte mir meine Schlüssel und ging zu ihnen runter.

Es war bereits Abend und ich wollte sie so richtig müde machen, damit sie früh ins Bett können.

Ich lief los und als der Zwerg feststellte, dass ich nicht nur in den Garten will, sondern laufen, fing er an zu schreien. Ich lief langsam, aber bestimmt weiter. Beide hinter mir her, beide mürrisch und einer schreiend.

Der Zwerg war richtig sauer und beschimpfte mich, stellte sich mir in den Weg, schrie mich an. Als mich das nicht beeindruckte, schrie er nur noch hysterisch, dass ihm seine Beine weh tun und er eine Pause braucht.

Da waren wir gerade 70 m von Zuhause weg.

Der Berg war geschafft, jetzt waren wir mitten in den Weinbergen und an den Häusern vorbei.

Der Grosse versuchte ihn abzulenken und einzulenken, womit er alles noch viel schlimmer machte.

Ich weiss, er tat es für mich, weil er gemerkt hat, dass es mir nicht gut geht. Jedoch erklärte ich ihm, dass sein Bruder wütend sein darf. Die Wut muss raus, irgendwo hin, damit es besser werden kann.

Als eine Pfütze kam, kündigte ich an, dass ich da reinspringen werde und man besser Abstand von mir hält.

PATSCH!

Bis zum Po spritzte das Pfützenwasser und ich wunderte mich, WIE gut das tat.

Der Grosse wollte auch unbedingt und der Zwerg schrie, weil er nass wurde.

Ab Kilometer 3 konnte er dann wohl selber sein Geschrei nicht mehr hören und gab mir zwar wütend, aber immerhin versöhnlich die Hand.

Wir warfen Steine den Berg runter. Ich forderte sie auf, ihre ganze Wut mitzuschleudern und ja, sie waren wütend.

Dann haben wir alle drei geschrien. So richtig alles gegeben. Weit und breit war kein Mensch zu sehen.

Ich brachte sie zu dem Plätzchen, das mir zuletzt gute Laune machte, weil es dort einfach zu schön ist, um miese Laune zu empfinden.

Jeder hatte einen Stock und sie haben Baseball mit faulen Äpfeln vom Boden gespielt. Ui, da hat sich ganz schön was entladen.

Wir haben Grillen beobachtet und gelacht. Als es anfing zu dämmern, wollte keiner zurück.

Auf dem Rückweg war es bereits viel später als ich wollte und wir haben noch auf fiese Schimpfwörter Reime gesucht.

Sie haben gesungen, gepfiffen, Abkürzungen genommen, geklettert, erforscht und einige Äpfel gegessen, die akkurat vorher mit dem Taschenmesser geteilt wurden.

Die Laune war fantastisch und von Ärger keine Spur mehr.

„Sooo schlecht war der Tag ja gar nicht“, denke ich und weiss, dass heute Mittag niemand diesen Satz zu mir hätte sagen sollen.

Ich bin froh, dass der Zwerg morgen wieder in den Kindergarten kann.

Und noch mehr darüber, dass dieser Tag doch noch so ausgegangen ist.

Ende gut, alles gut und morgen fangen wir wieder neu an.

Dankbarkeit

Der Donnerstag steht ganz im Sinne der Dankbarkeit.

Ich bin dankbar für die Zeit mit meinen Kindern. So sehr wie noch nie!

Vor Corona war ich oft genervt davon, so fremdgesteuer zu sein. Zählte die Tage, bis wieder Papa-Wochenende war und ich durchatmen kann.

Ich sehnte mich so sehr nach Zeit alleine, ohne die Kinder, dass der Beginn von Corona mein wahrgewordener Alptraum war. Notbetreuung, wenn ich arbeite, ja. Ansonsten non stop Kinderprogramm, rund um die Uhr. Ohne kurze Verschnaufpause, ohne meinen geliebten Outdoorsport, ohne Schule und ohne Kindergarten.

Heute, schau an, was das mit mir gemacht hat! Oft erkenne ich mich selber nicht wieder und muss über mich selber lachen.

Ich vermisse meine Jungs- so oft!

Ist das nicht irre und total verrückt? Wie konnte das nur geschehen?

Als sie das erste Mal beide wieder in die Einrichtung durften, war ich 8 km walken. Es tat soooo gut, diese Freiheit!

Auf dem Weg zurück kam das erste Mal dieser Gedanke auf:

„Ach, jetzt könnten sie eigentlich auch schon wieder heim kommen.“

Wenn jetzt Papa-Wochenende ist, kam schon mal der Gedanke auf:

„Wenn er sie diesmal nicht holt, ist es eigentlich auch nicht schlimm.“

Donnerstags ist mein kleiner Sohn auch am Nachmittag im Kindergarten angemeldet, weil der Grosse da normalerweise Nachmittagsschule hat.

Donnerstag war immer mein Lieblingstag. Nach der Arbeit mal nicht schnell in den Kindergarten hetzen. Zeit für mich. Oder für Termine, Haushalt, Einkaufen. Aber eben nicht mit zwei Kindern im Schlepptau.

Nach Corona: ich hole meinen Sohn grundsätzlich schon mittags ab, weil ich ihn um mich haben will. Weil ich das Gefühl habe, dass nichts wichtiger ist als die Zeit mit ihm.

Heute lag ich auf der Couch. Und glaubt mir, das ist etwas ganz Besonderes.

In den letzten Jahren bin ich nicht oft einfach mal so auf der Couch gelegen. Es gab immer was zu tun, oder jemand wollte was von mir, sobald ich mich kurz gesetzt hatte.

Auf jeden Fall lag ich so rum und schaute meinen Jungs beim Lego bauen zu. Ich schaute sie genau an. Ihre Mimik, ihre Gestik, ihr Blick. Ich wollte all das nie wieder vergessen.

Die Leute hatten recht. Die, die immer gesagt haben:

„Deine Kinder werden größer, es wird leichter!“

Damals schien das alles noch so weit entfernt und ich konnte es nicht erwarten.

Jetzt ist es passiert.  Sie sind schon so gross und brauchen mich bei vielen Dingen immer weniger.

Heute lagen wir zu dritt im Bett, ich in der Mitte und der Grosse zählte mir auf, warum er EIGENTLICH jetzt sogar besser schlafen kann, wenn ich rausgehe.

9 Jahre Schlafbegleitung bis auf wenige Ausnahmen, in denen es mal einfach so in einer guten Phase geklappt hat. Er war ein so schlechter Schläfer und wollte nie alleine sein.

Er wollte meine Hand, gekrault werden, oder später dann Fussmassage. Aber auf keinen Fall, dass ich rausgehe!

Tja, hier stehen wir nun. Jetzt ist es so, dass ich frage:

„DARF ich noch ein bisschen bleiben?“

Ich gebe zu, ich muss mich noch etwas daran gewöhnen.

Die besten Gespräche hatten wir immer vor dem Einschlafen. Dann, wenn der kleine Bruder längst beim Vorlesen eingeschlafen war.

Da erfuhr ich dann alles aus seinem Seelenleben. Was für ihn ein guter und was ein schlechter Freund war zum Beispiel.

Über was er gelacht hat, wen er verteidigt hat, oder wer sich für ihn eingesetzt hat.

Welche Mädchen er gut findet und welche doof.

Was er als ungerecht empfand und warum er heute zu XY besonders nett war.

Warum er sich geärgert hat und welche Eigenschaften er an seinen Freunden so mag.

Ich erfuhr über seine Ziele und wie er sich sein weiteres Leben so vorstellt.

Eine Umarmung, ein „Schlaf schön“ und rausgehen schien da noch so weit entfernt.

Ich freute mich umso mehr, als der Grosse aus der Badewanne rief:

„Mama, weißt du was wir schon ganz lang nicht mehr gemacht haben?

Ich liebe dich, weil…“

Dieses Spiel entstand aus der Not.

Im Wechsel sagen wir: Ich liebe dich, weil… und sagen einem anderen Familienmitglied den Grund dafür.

Wir haben das oft gemacht, wenn ich zu müde war, um mich zu bewegen und nur reden noch ging.

Auch gern gewählt an Tagen, an denen wenig Liebe spürbar war und es drunter und drüber ging.

Also spielten wir: ich liebe dich, weil…

Es ist herrlich, was die Kinder manchmal da so aufzählen. Und es zeigt mir, dass auch für sie nichts selbstverständlich ist, obwohl ich das oft denke.

Das tut gut! Wir alle strahlen. Vor allem der Zwerg. Er ist gut weggekommen und vom grossen Bruder hören, warum er einen so liebt, tut ihm unheimlich gut.

Ich merke, dass sie gross geworden sind, weil sie nicht mehr auf meine Tricks reinfallen.

Wenn ich zum Beispiel ernst alle zusammentrommle, fällt der Grosse nicht mehr drauf rein.

Gelangweilt sagt er:

„Ich weiß was jetzt kommt! Ich hab euch lieb, bla bla bla!“

Ihm kann ich nichts mehr vormachen. Oft fragt er mich, ob ich es wirklich ernst meine, oder das nur wieder so ein „Erwachsenentrick“ sei. Wie das, dass Mamas Kinder ins Bett bringen, dann sagen, dass sie nur kurz Wäsche machen oder sowas und dann wieder kommen. Und wenn sie wiederkommen ist das Kind eingeschlafen. Jahrelang hat es immer mal wieder geklappt.

Wenn der Zwerg mir sein Legoauto und das seines Bruders vor sie Nase hebt und wissen will, welches ich cooler finde…dann sage ich immer leise, dass ich seins cooler finde. Erstens, weil er sich so sehr freut, sich immer große Mühe gibt und zweitens, weil ich weiß, dass der Grosse eh weiß, dass seines klar cooler ist mit 4 Jahren Altersunterschied.

„Fall da nicht drauf rein, das ist wieder so ein Erwachsenentrick. Wenn du sie fragst, welches cooler ist, sagt sie deins. Wenn ich sie frage, sagt sie meins. „

Ich werfe ihm einen giftigen, belustigten Blick zu und der Zwerg grinst zufrieden, als ich das vehement abstreite.

Wenn ich mich mit der 80 jährigen Frau aus der Nachbarschaft unterhalte und sie mal wieder anerkennt, dass alleinerziehend sein alles andere als leicht ist, dann lächle ich.

Oft war genau dieser Satz Anlass dazu mein Herz auszuschütten. Wie ungerecht die Welt ist, WIE schwer es wirklich ist, wie schlimm, nichts gerecht zu werden.

Jetzt bin ich eher stolz auf das, was hinter mir liegt. Wie ich diese schweren Jahre gemeistert habe und dass es jetzt ein bisschen einfacher wird.

Ja. Sie sind gross geworden. Und ich bin dankbar dafür, dass ich Teil des Ganzen bin.

Karma

Ich glaube fest daran, dass das Leben ein Boomerang ist. Was man gibt, kommt auf unerwartete Weise zurück.

Wenn mir etwas Gutes wiederfährt, oder jemand mir etwas Gutes tut, dann liegt es daran, dass ich es schlichtweg verdient habe.

Wenn ich etwas Gutes für jemanden tuhe, erwarte ich also nicht unmittelbar, dass derjenige sich revanchiert.

Es kann über Umwege, von wo ganz anders und viel später zu mir kommen, das Glück.

Ich tuhe nichts Gutes und erwarte unmittelbar, dass derjenige dafür gefälligst auch mir einen Gefallen tut.

Ich habe keine Erwartungen, ich mache es nur, weil ich es machen will.

Ich bin nicht enttäuscht, wenn es ausgenutzt wird, oder nichts zurück  kommt. Denn es ist nie umsonst.

So fuhr ich zum Beispiel gestern nach der Arbeit Richtung Notbetreuung und freute mich so richtig auf die Kinder.

Ich dachte:

Hab ich ein Glück! Ich habe zwei kerngesunde, aufgeweckte Kinder, welch ein Segen.

Nicht alles ist perfekt, sicher.

Meine Ehe ist zerbrochen und doch können wir wieder miteinander lachen und freuen uns nächste Woche aufs Legoland zusammen.

Unser neu gebautes Haus ist verkauft. Doch hier sitzen wir in unserer Mietswohnung, die wir inzwischen lieben gelernt haben.

Dazu gehört ein Garten, der 10 mal so gross ist wie der davor. Wir haben hier dank unseren wundervollen, kinderfreundlichen und grossherzigen Vermietern mehrere Schafe, die sich sogar küssen lassen. Wir haben Hühner und bekommen regelmäßig frische Eier, die einfach besser schmecken, als die aus dem Laden.

Hier steht unser Trampolin, Schaukeln und ne Rutsche.

Die Aussicht ist atemberaubend und wir haben hier abends Fledermäuse und im Winter Igel, die sich im Stroh verstecken. Immer wieder entdecken wir Nattern und Eidechsen.

Jeder Tag im Garten ist ein neues Abenteuer. Oft sitze ich einfach nur am Zaun bei den Schafen und streichle sie. Wenn ich mich umschaue und meine Kinder lachen höre, dann denke ich:

Was haben wir für ein unglaubliches Glück! Wie schön, dass meine Kinder so aufwachsen können.

Seit diesem Jahr haben wir neue Nachbarn und endlich gibt es noch andere Kinder im Haus. Die zwei Mädchen sind im gleichen Alter wie meine Jungs.

Wie oft toben sie zusammen im Trampolin, oder füttern die Tiere. Beobachten, matschen, lernen voneinander.

Auch wenn es mal Streit gibt, denke ich immer wieder:

Was haben wir für ein unglaubliches Glück! So eine Kindheit kann man sich nur wünschen.

Die andere Nachbarin hat einen furchtbar süßen, lieben Hund. Auch wenn ich Hunde nicht besonders mag und ein Kindheitstrauma nicht überwunden habe, mag ich diesen sehr.

Oft spielen die Kinder mit ihm im Garten und oft sagt mein Sohn, wie gern er einen Hund hätte. 

Wir selber haben zwar keinen, aber der von der Nachbarin besucht uns in der Wohnung und wir können mit ihm Gassi gehen.

Meine Kinder strahlen und sind ganz aufgeregt.

Wieder denke ich: was haben wir nur für ein Glück!

Vom Trampolin aus entdeckt mein Sohn oft Schulfreunde, die mit dem Fahrrad am Haus vorbeifahren.

Dann rennt er schnell hoch und freut sich. Oft sind in unserer Sackgasse mehr als 5 Kinder, die Fahrrad fahren, Roller, Inliner, Skateboard oder einfach nur die Strasse mit Malkreide verschönern. 

Wir haben nicht alles, aber was wir haben ist großartig und mehr, als ich jemals geglaubt habe besitzen zu dürfen.

Ich bin nicht neidisch auf andere, die mehr haben. Was wir haben ist für mich unbezahlbar.

Danke Karma! Danke, dass der Boomerang immer wieder zurückkommt.

Ich liebe mein und unser Leben!

Papa VS. Mama?

Team oder nicht-Team, das ist hier die Frage?

Wenn ein Part „besser“ ist, ist dann dadurch der andere automatisch „schlechter“?

Ist es gut, so unterschiedlich zu erziehen, oder eher nicht förderlich?

Sollte man es nicht eher so sehen, dass man sich im besten Fall gegenseitig ergänzt?

In unserem Fall wird das jedenfalls immer mehr genauso. Es fällt mir immer leichter, es genau als dieses zu sehen: sich ergänzen. 

Keiner ist besser als der andere, keiner wird mehr geliebt und man muss sich auch nicht zwischen uns entscheiden.

Zu Beginn war der Gedanke für mich ein wahrgewordener Alptraum:

Ich den Alltag, quasi den Tag mit ALL seinem Stress, den er mit sich bringt.

Und er? Natürlich die Lorbeeren. Qualitytime. Das Ausschlafen, kein Zeitdruck, keine Termine, keine Verpflichtungen.

Einfach tun, worauf man Lust hat und in den Tag hineinleben. Herrlich!

Ich habe gekocht vor Wut und war soooo neidisch. Wie ungerecht!

Gepaart mit den Emotionen kurz nach der Trennung und dem Gefühlschaos, eine hoch explosive Mischung.

Ich war ein Wrack. Am Boden. Völlig erschöpft vom irgendwie funktionieren und den schlaflosen Nächten.

Gezeichnet vom vielen Weinen.

Einerseits wollte und musste ich die Kinder um mich haben, weil alles andere mir so grosse Angst machte. Ich wollte sie immer bei mir haben.

Andererseits hatte ich weder Geduld, noch die Nerven mich „gut“ um sie zu kümmern. Ich hatte so viele Sorgen und es gab so viel zu erledigen.

Ich erinnere mich an das Gefühl, als recht bald diese neue Frau an seiner Seite war und der Sohn schwärmte:

„Weisst du, wenn sie kocht, spielt Papa mit uns Fussball!“

Ach wie toll! Ganz toll! So toll, dass ich mich übergeben könnte vor Zorn und Missgunst.

Am Anfang fühle es sich noch gar nicht an wie jetzt. Es war eine zaghafte Entwicklung.

Ich wollte „besser“ sein als er, tollere Dinge unternehmen. Allerdings konnte ich mir das gar nicht leisten und dieses Konkurrenzdenken war mehr als anstrengend und kräftezehrend.

Ach, es war alles so gar nicht so wie ich wollte.

Ich verfluchte die Situation und ihn noch mehr.

Die Kinder gingen freitags alle 14 Tage zu ihm und kamen am Sonntag völlig wesensverändert zurück.

Rotzfrech, provokant, gereizt und zum Teil aggressiv. Fordernd und bestimmend.

Bis Mittwoch war das Zusammenleben mit ihnen die Hölle, dann erkannte ich meine Kinder allmählich wieder.

Ich konnte einfach nicht mit meinem, inzwischen Exmann reden und er nicht mit mir. Alles wurde auf die Goldwaage gelegt und viel zu oft fehlinterpretiert. Dem anderen wurde Boshaftigkeit unterstellt und kein gutes Haar am anderen gelassen.

Heute hat sich alles eingespielt und mein Blut kocht nicht mehr gleich hoch, wo früher kein Halten war.

Heute muss ich nicht mehr alles bemerken und bemängeln, weil Harmonie mir wichtiger ist und mich glücklicher macht als Recht zu haben.

Heute sehe ich uns mehr als Team und so vermittle ich es auch den Kindern.

Papa ist Burger King und ich bin Gemüsesticks mit Kräuterquarkdip.

Papa ist „bleibt halt wach, bis ihr müde seid“ und ich bin „nein, für heute reicht es, ab ins Bett!“

Papa ist Nintendo Switch, Super Mario und Handy.

Ich bin „Finger weg von meinem Handy“. Weder besitzen wir ne Konsole, noch ein Tablet.

Hier gibt es Disney+ und auch mal YouTube, mehr ist nicht zu holen.

Papa ist das totale Chaos und alles liegt rum. Ich bin „räum erst deine Sachen auf, wenn du das nächste anfängst“.

Papa ist „ach ja, dann schlafen wir halt alle auf der Couch ein und mit Fernseher“. Ich bin „nein, kommt nicht in Frage. Jeder schläft in seinem Bett.“

Wo ich früher noch so eifersüchtig war, geniesse ich es heute einfach nur. Ich darf ich sein und er darf er sein.

Die Kinder haben beides. Alle 14 Tage sind sie im Schlaraffenland, dazwischen geht es etwas ernster und geregelter zu. Perfekt!

Inzwischen können die Jungs auch genau einschätzen wo sie was dürfen und halten sich dran.

Die Umstellung macht ihnen keine Mühe mehr. Wenn sie zurückkommen, sind sie exakt die Kinder, die ich Freitags verabschiedet und geknutscht habe.

Meist können wir ganz friedlich miteinander reden und es wird immer entspannter, jetzt wo die Fronten klar sind, die Emotionen weg und jeder sein eigenes Leben lebt.

Wenn Spannungen in der Luft liegen, kenne ich die Vorboten und lenke ein. Nicht, weil es mich nicht ärgert. Sondern weil ich es für die Kinder nicht mehr soweit kommen lassen will.

Weil ich die Kinder so sehr liebe, will ich sie nie wieder in Situationen von früher bringen, die sie so sehr verletzt haben und ihnen Angst eingejagt.

Wenn ich heute meckere, dann wirklich gut dosiert und in angemessenem Ton. Neutral und dann, wenn ich nicht auf dem Zenit meines Ärgers bin.

Und gewiss nicht kurz vorm Papa Wochenende, sondern so, dass er auch genug Zeit hat es zu verdauen.

Selbst wenn er dann noch mürrisch, gekränkt, oder stinksauer ist und ich das sehr wohl sofort bemerke, öffne ich mit einem Lächeln die Tür, begrüße ihn angemessen freundlich und die Kinder bekommen nichts mit.

Am Anfang habe ich nur die schlechten Seiten an ihm gesehen und mich auf diese fokussiert. Immer schön drauf auf die Schwächen, schön draufrumtanzen. Soll ja schließlich weh tun!

Egal wie schlecht ich ihn gemacht habe, ich stand dadurch nie besser da, das habe ich verstanden.

Er muss es nicht machen wie ich und er muss nicht können, was ich kann.

Ich liebe Ordnung und ihn stört Chaos nicht, das werde ich niemals ändern können.

Ich bin ein Planer und mein Tag ist gut strukturiert. Deshalb macht mir der Alltag mit den Kindern weniger Stress, er würde es alleine nicht packen.

Warum ergänzen wir uns also nicht einfach und jeder tut das, was er am besten kann?

Dass der höchste Berg auf dem Mars ist- weiss der Sohn von Papa.

Ebenso alles über Planeten, unser Sonnensystem, Sternbilder und Schwarze Löcher. Ich habe keine Ahnung!

Von mir lernen sie viel über den Körper, Organe, Bakterien, Krankheitsbilder, was gesundes und ungesundes Essen ist. Dass Saft nicht gleich Saft ist und wo versteckter Zucker drin ist, den man dort nicht vermutet.

Im letzten Urlaub hat mein Sohn die Animateurin bei einer Partie Schach zum Staunen gebracht. Von Papa gelernt! Ich hab kein Interesse und keine Ahnung.

Mit ihm hat unser Sohn Schwimmen gelernt. Der Zwerg mit mir Fahrrad.

Wir machen zusammen Sport und sind viel in der Natur.

Bei Papa wird gezockt. In der Schule kann er also mitreden und ist nicht ganz aussen vor.

Papa schläft auch einfach mal ein, wenn ihn der Schlaf packt.

Ich könnte niemals ein Auge zumachen, wenn eins der Kinder noch wach ist.

Als mein Sohn vor ein paar Tagen bei seinem Freund war, spielte dessen Papa mit ihnen Poker. Er kam so glücklich nach Hause und freute sich so sehr, weil er die Regeln ja schon von Papa kannte.

Er hat viel mehr Geduld, wo ich schon längst ausflippe.

Dafür ertrage ich gewisse Dinge viel einfacher und verstehe nicht, wie er sich darüber nur so aufregen kann.

Manchmal beneide ich ihn um seine Leichtigkeit. Noch nie ist eins der Kinder dadurch verhungert, oder verdurstet, auch wenn er die Trinkflasche nicht dabei hatte.

Wenn ich alles Mögliche einpacke und er das gleiche mit leeren Händen macht und mir beweist, dass es auch so geht.

Meine Kinder gehen gerne zu Papa. Vielleicht WEIL er eben ist, wie er ist.

Sie kommen auch gern wieder zu mir zurück, obwohl es hier klare Regeln gibt und ich strenger bin.

Es war ein weiter Weg. Was am Anfang unvorstellbar war, ist jetzt Realität. Ich habe lange daran gearbeitet, an MIR gearbeitet, dass es so werden kann, wie es jetzt ist.

Ich bin zufrieden so, es ist ein gesundes Maß und genau das wollte ich für unsere Kinder.

Wir essen mal was zusammen und schreiben uns, wenn zum Beispiel was Lustiges passiert ist und auch mal unabhängig von den Kindern.

Wir unternehmen mal was zu viert und dass er bei den Kindergeburtstagen nicht dabei ist und mich unterstützt, nehme ich ihm nicht mehr übel.

Vor allem nicht, seit ich aufgehört habe bockig zu sein und gemerkt habe, dass ich ihn dazu gar nicht brauche. Es ist einfach nicht sein Ding! Meins dafür absolut!

Kinder lieben nicht den mehr, der mehr Geschenke schenkt, oder teurere. Seit ich das verstanden habe, bin ich mir meiner selbst genug.

Wenn mein Sohn vorm Einschlafen mit verstellter Stimme sagt:

„Papa lieb ich mehr als dich, weil da darf ich auch Handy und nicht nur Fernseh“, dann küsse ich ihn belustigt und liebevoll auf die Stirn und kann es so stehen lassen.

Das Leben ist schön! Geschieden sein ist schön, denn ich muss mich über seine Macken und Marotten nicht mehr aufregen.

Dass meine Kinder ihren Papa haben ist mehr als schön! Wie wäre es nur anders?

Alles ist gut so wie es ist. Kein Mensch läuft einem zufällig über den Weg. Ich habe ihn ausgesucht und somit regelrecht gesucht. Mit ihm diese Erfahrung.

Wann sollte man in einer Beziehung gehen?

Meinen Ex-Mann kannte ich seit der 5. Klasse und bereits zu Schulzeiten mochte ich ihn sehr. Er war gebildet, sehr sportlich, ein bisschen erwachsener wie alle anderen Jungs in seinem Alter. Er war gross und ich mochte sein volles, schwarzes Haar.

Ich liebte seinen Humor und noch mehr die tiefsinnigen Gespräche. 

Als wir uns viel später ineinander verliebten, hatten wir (scheinbar) die gleichen Ziele im Leben. Vielleicht liess meine rosarote Brille aber auch nicht zu, genauer hinzuschauen.

Vielleicht war ich zu verliebt, um zu sehen, dass ich das alles doch viel mehr wollte als er.

Vielleicht wünschte er es sich auch nur, weil er „Familie“ so gar nicht kannte. Somit wusste er auch nicht, wie viel man investieren muss und dass er dazu auf Dauer gar nicht bereit war.

Als wir erfuhren, dass es ein Junge wird- er hat geweint vor Freude.

Er wollte alles dafür tun, damit wir glücklich sind. Vielleicht meinte er damals aber auch schon mehr sich selbst.

Die Jahre zogen ins Land, wir heirateten und bauten ein Haus.

Wie man das eben so macht. So wird es einem vorgelebt. Das muss man haben, um glücklich zu sein.

Das Bauchgefühl hatte ich zu dem Zeitpunkt schon einige Male ignoriert und ich wollte ja auch nichts mehr, als glücklich zu sein.

So sehr man sein Kind auch liebt, der Alltag ist ein ganz anderer als zuvor.

Die schlaflosen Nächte, keine familiäre Unterstützung in der Nähe, fehlende Zeit als Paar.

Wenn wir die dann mal hatten, ja, dann wussten wir wieder, warum man sich ineinander verliebt hatte.

Tiefe Gespräche, die nicht durch Kindergeschrei unterbrochen wurden.

Lachen. Sich nah sein.

Doch der Alltag holt einen schnell ein, wenn beide arbeiten, Rechnungen gezahlt werden müssen und diese Zeit nicht da ist.

Wenn man ständig organisieren und planen muss, damit der Spagat zwischen Arbeitswelt und Privatleben gelingt.

Wenn die Schmetterlinge im Bauch etwas ruhiger werden, man einfach nur funktioniert und sich immer wieder dieser Gedanke einschleicht:

„Hatte ich mir das so vorgestellt?“

Klar, die Liebe zum gemeinsamen Kind verbindet auch unheimlich, rettet aber keine Ehe.

Wir als Paar…

Es gab immer öfter Streit. Immer länger wurden die Zeiten, in denen wir nicht miteinander redeten. Immer kürzer die harmonischen Abstände.

Wenn wir redeten, gab es wieder Streit. So drehte sich das Karussel und wir konnten nicht abspringen.

Wann ist das alles denn passiert? Früher war es doch immer möglich eine Lösung zu finden. Kompromisse zu finden. Auf den anderen zuzugehen. Nachzugeben. Zu reden und auch zu verzeihen.

Also, Bauchgefühl wieder übergangen, alle Zweifel ignoriert  und Kind Nr. 2 war unterwegs.

Das hatte ich mir so sehr gewünscht, vielleicht wieder etwas mehr als er.

Schließlich sagten doch alle, dass die ersten 10 Jahre im Haus die schwersten sind, bevor es leichter wird.

Die Kinder werden grösser, tröstete ich mich selbst.

In einer Ehe gibt es nun mal Höhen und Tiefen, sagte ich mir und das geht doch jedem so. Streit gibt es doch überall mal, das ist normal.

Die Ehe ist für immer, ein Leben lang, das hatte ich geschworen und wollte es halten.

Auch wenn er sich immer mehr raushielt, aussen vor war, nicht mehr bereit war zu investieren. Aus gemeinsamen Plänen wurden seine Pläne und ich fühlte mich so allein.

Ich hatte das Gefühl, dass ich mit allem alleine dastand und das alles schaffte ich niemals. Zwei Kinder, arbeiten, das Haus.

Aufräumen, hinterherräumen, einkaufen, kochen und dabei lächeln. Glücklich sein. Und wenn nicht, dann zumindest so tun.

Immer mehr war ich ein Schatten meiner selbst, immer mehr entfernte ich mich von dem, was mich ausmachte.

Immer öfter ging er über meine Grenzen hinweg und ich wunderte mich, dass ich es zuließ. So kannte ich mich nicht.

War ich doch immer taff und machte meinen Mund auf. Mein Gerechtigkeitssinn ist sehr stark ausgeprägt. Aber vielleicht auch nur, wenn es um andere geht und nicht um mich selbst.

Ich war jetzt eine verheiratete Frau, uns verbanden 2 Kinder und ein Schwur. Wir hatten ein Haus gebaut und waren hoch verschuldet.

Früher hatte ich schlaflose Nächte, wenn ich 200 Euro im Minus war.

Wie sollte ich aus dieser „Sache“ nur jemals wieder rauskommen?

Ich war verzweifelt, wurde den Gedanken nicht los, dass das alles ein grosser Fehler war und zum ersten Mal teilte ich es meiner engsten Freundin mit.

Monatelang redeten wir offen darüber, dass in mir alles tot ist.

Dass er zu weit gegangen ist. ZU weit und das ZU oft. Immer, wenn ich ihm verziehen hatte, ging er noch ein Stückchen weiter als zuvor.

Heute, mit Abstand betrachtet und als geschiedene Frau behaupte ich, dass die wenigsten Ehen wirklich glücklich sind.

Es ist viel mehr ein:

Man hat sich arrangiert.

Man macht viel getrennt voneinander, damit man sich nicht auf den Keks geht und nicht eingestehen muss, dass man sich irgendwann verloren hat.

Viele denken, dass sie glücklich sind, weil sie nicht ahnen, oder wahrhaben wollen, was er, oder auch sie hinterm Rücken so treibt.

Wenn Paare gemeinsam am Tisch sitzen, Paradebeispiel im Urlaub. Wenn ich sie beobachte, nachdem ihre Kinder längst den Tisch verlassen haben.

Sie haben sich schlichtweg nichts zu erzählen. Sie stochern in ihrem Teller herum und es ist still geworden.

Wenn ich mich umschaue, dann sind wohl wenige wirklich glücklich. Was daheim hinter verschlossener Tür so abläuft, davon kann man nur maximal ahnen.

Unsere Ehe endete nicht bei diesem Knall, der der ausschlaggebende Punkt war.

Unsere Ehe endete bereits lange zuvor und jeden weiteren Tag zerbrach unsere Welt ein bisschen mehr.

Zu lange habe ich festgehalten an dem, was schon lange nicht mehr war.

Vor Jahren erzählte mir eine Freundin von ihrer Beziehung. Streit gebe es sicher hin und wieder, aber noch wirklich nie sei einer von beiden an dem Punkt gewesen, sich trennen zu wollen.

Ich bin heute noch neidisch darauf, dass sie den Satz sagen konnte und sicherlich heute noch genauso sagen würde. Ich gönne es ihr und allen anderen, die so empfinden von ganzem Herzen.

Bei uns war es nicht dieses:

„Wir haben uns auseinandergelebt!“

Das wäre mir sicher zu wenig gewesen, um zu gehen.

Es brauchte viel, bis meine Grenze erreicht war. Ich hatte mir und uns viel zugemutet. Es hatte inzwischen Einfluss auf die Kinder. An dem Punkt bin ich wach geworden.

Nie vergesse ich dieses Gefühl von damals, als ich nachts die Koffer packte. Voller Angst und Panik, was jetzt werden soll. Was das mit mir macht und was mit den Kindern.

Ich hörte den Knall der zerplatzen Seifenblase, die für mein Leben stand.

So weit gekommen, so viel erreicht und erarbeitet. Und doch alles vergeblich.

Fast alles. Das Haus ist verkauft, wir können uns inzwischen immer öfter wieder in die Augen schauen und ich habe es überwunden.

Mit jedem weiteren Jahr, das verstreicht, hat das Leben von damals immer weniger mit mir selbst zu tun.

Es gehören immer zwei dazu. Unsere Ehe zerbrach nicht nur daran, wie er war, sondern auch daran, wie ich war.

Menschen entwickeln sich im Laufe der Jahre. Im besten Fall in die gleiche Richtung, im schlimmsten in entgegengesetzte.

Wichtig finde ich dabei, dass man es sich eingesteht. Dass man es nicht als persönlichen Versagen sieht.

Dass man niemanden über die anfangs besprochenen Grenzen lässt, die einem heilig sind und alles an dir ausmachen.

Dass man nicht den Kindern vorlebt, dass DAS Liebe ist. Nein, das wollte ich nicht.

Es ist wichtig sich zu hinterfragen, ob man das alles genauso will, ohne sich selbst anzulügen.

Ohne Rücksicht auf die Nachbarn zu nehmen und darauf, was die Leute sagen.

Scham, Angst und Resignation sind schlechte Wegbegleiter und oft dachte ich bei mir:

„Du bist zu jung, um so unglücklich zu sein!“

Es ist DANN Zeit zu gehen, wenn dich das alles nicht mehr zurückhält. Wenn du nicht mehr daran denkst, dass so doch alles bequemer ist.

Es ist DANN Zeit zu gehen, wenn nur noch einer bereit ist zu kämpfen. Alleine schaffst du das nicht!

Es ist DANN Zeit zu gehen, wenn die Sorge, wie es weitergeht dich nicht mehr kümmert.

Dann, wenn ein …

„Wie soll das nur werden?!?“

…weicht in ein:

„Irgendwie geht es schon weiter!“

Was bleibt sind die gemeinsamen Kinder, für die sich all das gelohnt hat auf sich zu nehmen und die uns immer miteinander verbinden. Zwingen, irgendwie klarzukommen, es immer wieder zu versuchen, zu verzeihen und nicht nur an sich selbst du denken.

Es ist nie genug!

Seit meiner Trennung vor 4 Jahren wird mir immer wieder diese eine Sache gespiegelt:

DU BIST NICHT GENUG!

Ich habe mich oft zerrissen gefühlt und jeder will doch „gut genug“ sein. Dazugehören. Mithalten. Frei sein. Flexibel sein. Geachtet werden und geschätzt.

Also bin ich regelmässig über meine eigenen Grenzen gegangen, habe ertragen und geduldet.

Hingenommen, was nicht zu ändern war:

DU BIST NICHT GENUG!

Dieser Gedanke war lange unerträglich für mich und immer hatte ich das Gefühl doppelt so hart kämpfen zu müssen, NOCH mehr Einsatz zu zeigen, noch schneller zu werden und noch mehr tun zu müssen.

Immer wieder fühlte ich mich erschöpft und war frustriert, denn ich machte doch und machte…und doch:

DU BIST NICHT GENUG!

Eines Tages telefonierte ich mit einer Freundin und was sie sagte war so simpel. Es lag auf der Hand und doch änderte es alles.

Sie fragte, warum ich so dagegen ankämpfe, nicht genug zu sein. Ich solle aufhören damit.

“ Ja, egal was du machst und wieviel du davon machst, du wirst nichts gerecht. Nimm es doch hin! „

ICH BIN NICHT GENUG!

Plötzlich fühlte sich dieser Satz gar nicht mehr so schlimm an, dass ich immer und wieder dagegen ankämpfen wollte.

Ja, ich war frisch getrennt und stand mit allem alleine da.

Ja, meine Kinder waren noch sehr klein und brauchten mich sehr.

Ja, ich ging arbeiten und hatte viel zu oft viel zu wenig Schlaf, weil ich nachts mehrmals geweckt wurde.

Ja, ich bin nicht genug. Nicht genug Mama, nicht genug Krankenschwester und schon gar nicht genug ich selbst.

Nichts werde ich gerecht und das wird die nächsten Jahre so bleiben.

Ich bin nicht genug, aber hey, es ist okay.

Das anzunehmen war ein sehr langer Weg, es hat mich viele schlaflose Nächte gekostet und ebenso viele Tränen.

Heute kann ich es ganz leicht und mit einem Schulterzucken über meine Lippen bringen.

Ich definiere mich nicht mehr darüber und es tut nicht mehr weh.

Deshalb bin ich trotzdem eine tolle Mama, wenn auch nicht perfekt. Die Tatsache, wie meine Kinder sich entwickeln, wie selbständig, empatisch und offen sie sind, gibt mir Recht.

Früh habe ich gelernt, mich nicht über Materielles zu definieren. Nie hatte ich ein teures Auto, selten konnte ich mir Markenkleidung leisten, nicht jedes Jahr war ich im Urlaub, schon gar nicht mehrmals. Nie hatte ich das angesagteste Handy und als Teeny nie einen Computer.

Was mich ausmacht bin ich, nur ich, mein Wesen. Mich gibt es nur einmal, niemand ist wie ich und das macht mich unschlagbar.

Heute habe ich einen Herzensmensch getroffen und wir haben gerätselt, wann unser Freundschaft tiefer wurde, denn Kollegen waren wir schon einige Jahre.

Es war ein Moment, als ich ganz schwach und unten war, der uns näher zusammenrücken liess.

Ich erinnere mich nur noch vage, aber es muss ziemlich genau 4 Jahre her sein, als sie mit dem Fahrrad an mir vorbeifuhr und anhielt.

Mir war das gar nicht recht, ich wollte niemanden sehen und schon gar nicht reden.

Ich schob den Buggy mit dem Zwerg drin, der 10 Monate alt war. Der Grosse war 5 und fuhr Fahrrad, glaube ich. Es dauerte nicht lang und es sprudelte aus mir heraus. Alles!

Dass wir getrennt sind, er nicht mehr bei uns wohnt und ich nicht weiss wie es weiter geht. Dass ich es zu Hause im Haus nicht ertrage und es mich rauszieht. Nur raus, nur laufen, nur frische Luft und nicht denken.

Sie erinnert sich daran, dass ich schrecklich geweint habe, als ich ihr Auszüge erzählte. Und dass ich mich mehrmals entschuldigte, dass ich sie mit meinen Problemen belastet hatte.

Für mich ist diese Zeit sehr verschwommen. Im Nachhinein fragt man sich immer, wie man das alles nur geschafft hat. Was mir geholfen hat war, dass ich diese tollen kleinen Jungs hatte.

Ich musste jeden Tag früh aufstehen und konnte mich nicht unter der Bettdecke verkriechen. Jeden Tag gab es was zu lachen, auch wenn ich dabei geweint habe. Wir haben morgens das Haus verlassen und sind erst abends wieder zurück. Es hat so viel Kraft gekostet und doch tat es so gut.

Ich musste Essen kochen, ich habe Bücher vorgelesen, mit Baby auf dem Arm getanzt, ich habe vorgesungen und in den Schlaf gewiegt. Oft habe ich mich an meine Kinder gekuschelt und sie ganz fest gedrückt. Im Nachhinein bin ich sicher, dass ich die Umarmung viel mehr gebraucht habe als sie.

Wir haben viel miteinander geredet und sind als Team zusammengerückt. Weil alles war wie es war, bin ich auch wie ich bin. Wenn ich auf die letzten 4 Jahre zurückblicke, dann haben die Leute recht gehabt:

„Es wird leichter, deine Kinder werden grösser.“

Die Zeit heilt nicht alle Wunden, aber sie macht Vieles erträglicher.

Irgendwann schliefen die Kinder durch, irgendwann konnte auch das Baby reden und laufen.

Irgendwann wachte er nicht mehr morgens halb 5 auf, bevor überhaupt mein Wecker zur Arbeit klingelte. Irgendwann lief der Grosse von der Schule nach Hause und begann schon mal mit seinen Hausaufgaben, bis ich kam.

Irgendwann konnte ich sie zusammen und alleine in den Garten schicken, damit ich durchatmen konnte, wenn mir alles zu viel war.

Ich liebe mein neues Leben, das absolut nicht mein Plan war. Ich tuhe mein Bestes, jeden Tag. Allein diese Tatsache lässt mich mit einem Schulterzucken leicht und locker sagen:

Ich bin nicht genug. Aber ich bin gut wie ich bin.