Papa VS. Mama?

Team oder nicht-Team, das ist hier die Frage?

Wenn ein Part „besser“ ist, ist dann dadurch der andere automatisch „schlechter“?

Ist es gut, so unterschiedlich zu erziehen, oder eher nicht förderlich?

Sollte man es nicht eher so sehen, dass man sich im besten Fall gegenseitig ergänzt?

In unserem Fall wird das jedenfalls immer mehr genauso. Es fällt mir immer leichter, es genau als dieses zu sehen: sich ergänzen. 

Keiner ist besser als der andere, keiner wird mehr geliebt und man muss sich auch nicht zwischen uns entscheiden.

Zu Beginn war der Gedanke für mich ein wahrgewordener Alptraum:

Ich den Alltag, quasi den Tag mit ALL seinem Stress, den er mit sich bringt.

Und er? Natürlich die Lorbeeren. Qualitytime. Das Ausschlafen, kein Zeitdruck, keine Termine, keine Verpflichtungen.

Einfach tun, worauf man Lust hat und in den Tag hineinleben. Herrlich!

Ich habe gekocht vor Wut und war soooo neidisch. Wie ungerecht!

Gepaart mit den Emotionen kurz nach der Trennung und dem Gefühlschaos, eine hoch explosive Mischung.

Ich war ein Wrack. Am Boden. Völlig erschöpft vom irgendwie funktionieren und den schlaflosen Nächten.

Gezeichnet vom vielen Weinen.

Einerseits wollte und musste ich die Kinder um mich haben, weil alles andere mir so grosse Angst machte. Ich wollte sie immer bei mir haben.

Andererseits hatte ich weder Geduld, noch die Nerven mich „gut“ um sie zu kümmern. Ich hatte so viele Sorgen und es gab so viel zu erledigen.

Ich erinnere mich an das Gefühl, als recht bald diese neue Frau an seiner Seite war und der Sohn schwärmte:

„Weisst du, wenn sie kocht, spielt Papa mit uns Fussball!“

Ach wie toll! Ganz toll! So toll, dass ich mich übergeben könnte vor Zorn und Missgunst.

Am Anfang fühle es sich noch gar nicht an wie jetzt. Es war eine zaghafte Entwicklung.

Ich wollte „besser“ sein als er, tollere Dinge unternehmen. Allerdings konnte ich mir das gar nicht leisten und dieses Konkurrenzdenken war mehr als anstrengend und kräftezehrend.

Ach, es war alles so gar nicht so wie ich wollte.

Ich verfluchte die Situation und ihn noch mehr.

Die Kinder gingen freitags alle 14 Tage zu ihm und kamen am Sonntag völlig wesensverändert zurück.

Rotzfrech, provokant, gereizt und zum Teil aggressiv. Fordernd und bestimmend.

Bis Mittwoch war das Zusammenleben mit ihnen die Hölle, dann erkannte ich meine Kinder allmählich wieder.

Ich konnte einfach nicht mit meinem, inzwischen Exmann reden und er nicht mit mir. Alles wurde auf die Goldwaage gelegt und viel zu oft fehlinterpretiert. Dem anderen wurde Boshaftigkeit unterstellt und kein gutes Haar am anderen gelassen.

Heute hat sich alles eingespielt und mein Blut kocht nicht mehr gleich hoch, wo früher kein Halten war.

Heute muss ich nicht mehr alles bemerken und bemängeln, weil Harmonie mir wichtiger ist und mich glücklicher macht als Recht zu haben.

Heute sehe ich uns mehr als Team und so vermittle ich es auch den Kindern.

Papa ist Burger King und ich bin Gemüsesticks mit Kräuterquarkdip.

Papa ist „bleibt halt wach, bis ihr müde seid“ und ich bin „nein, für heute reicht es, ab ins Bett!“

Papa ist Nintendo Switch, Super Mario und Handy.

Ich bin „Finger weg von meinem Handy“. Weder besitzen wir ne Konsole, noch ein Tablet.

Hier gibt es Disney+ und auch mal YouTube, mehr ist nicht zu holen.

Papa ist das totale Chaos und alles liegt rum. Ich bin „räum erst deine Sachen auf, wenn du das nächste anfängst“.

Papa ist „ach ja, dann schlafen wir halt alle auf der Couch ein und mit Fernseher“. Ich bin „nein, kommt nicht in Frage. Jeder schläft in seinem Bett.“

Wo ich früher noch so eifersüchtig war, geniesse ich es heute einfach nur. Ich darf ich sein und er darf er sein.

Die Kinder haben beides. Alle 14 Tage sind sie im Schlaraffenland, dazwischen geht es etwas ernster und geregelter zu. Perfekt!

Inzwischen können die Jungs auch genau einschätzen wo sie was dürfen und halten sich dran.

Die Umstellung macht ihnen keine Mühe mehr. Wenn sie zurückkommen, sind sie exakt die Kinder, die ich Freitags verabschiedet und geknutscht habe.

Meist können wir ganz friedlich miteinander reden und es wird immer entspannter, jetzt wo die Fronten klar sind, die Emotionen weg und jeder sein eigenes Leben lebt.

Wenn Spannungen in der Luft liegen, kenne ich die Vorboten und lenke ein. Nicht, weil es mich nicht ärgert. Sondern weil ich es für die Kinder nicht mehr soweit kommen lassen will.

Weil ich die Kinder so sehr liebe, will ich sie nie wieder in Situationen von früher bringen, die sie so sehr verletzt haben und ihnen Angst eingejagt.

Wenn ich heute meckere, dann wirklich gut dosiert und in angemessenem Ton. Neutral und dann, wenn ich nicht auf dem Zenit meines Ärgers bin.

Und gewiss nicht kurz vorm Papa Wochenende, sondern so, dass er auch genug Zeit hat es zu verdauen.

Selbst wenn er dann noch mürrisch, gekränkt, oder stinksauer ist und ich das sehr wohl sofort bemerke, öffne ich mit einem Lächeln die Tür, begrüße ihn angemessen freundlich und die Kinder bekommen nichts mit.

Am Anfang habe ich nur die schlechten Seiten an ihm gesehen und mich auf diese fokussiert. Immer schön drauf auf die Schwächen, schön draufrumtanzen. Soll ja schließlich weh tun!

Egal wie schlecht ich ihn gemacht habe, ich stand dadurch nie besser da, das habe ich verstanden.

Er muss es nicht machen wie ich und er muss nicht können, was ich kann.

Ich liebe Ordnung und ihn stört Chaos nicht, das werde ich niemals ändern können.

Ich bin ein Planer und mein Tag ist gut strukturiert. Deshalb macht mir der Alltag mit den Kindern weniger Stress, er würde es alleine nicht packen.

Warum ergänzen wir uns also nicht einfach und jeder tut das, was er am besten kann?

Dass der höchste Berg auf dem Mars ist- weiss der Sohn von Papa.

Ebenso alles über Planeten, unser Sonnensystem, Sternbilder und Schwarze Löcher. Ich habe keine Ahnung!

Von mir lernen sie viel über den Körper, Organe, Bakterien, Krankheitsbilder, was gesundes und ungesundes Essen ist. Dass Saft nicht gleich Saft ist und wo versteckter Zucker drin ist, den man dort nicht vermutet.

Im letzten Urlaub hat mein Sohn die Animateurin bei einer Partie Schach zum Staunen gebracht. Von Papa gelernt! Ich hab kein Interesse und keine Ahnung.

Mit ihm hat unser Sohn Schwimmen gelernt. Der Zwerg mit mir Fahrrad.

Wir machen zusammen Sport und sind viel in der Natur.

Bei Papa wird gezockt. In der Schule kann er also mitreden und ist nicht ganz aussen vor.

Papa schläft auch einfach mal ein, wenn ihn der Schlaf packt.

Ich könnte niemals ein Auge zumachen, wenn eins der Kinder noch wach ist.

Als mein Sohn vor ein paar Tagen bei seinem Freund war, spielte dessen Papa mit ihnen Poker. Er kam so glücklich nach Hause und freute sich so sehr, weil er die Regeln ja schon von Papa kannte.

Er hat viel mehr Geduld, wo ich schon längst ausflippe.

Dafür ertrage ich gewisse Dinge viel einfacher und verstehe nicht, wie er sich darüber nur so aufregen kann.

Manchmal beneide ich ihn um seine Leichtigkeit. Noch nie ist eins der Kinder dadurch verhungert, oder verdurstet, auch wenn er die Trinkflasche nicht dabei hatte.

Wenn ich alles Mögliche einpacke und er das gleiche mit leeren Händen macht und mir beweist, dass es auch so geht.

Meine Kinder gehen gerne zu Papa. Vielleicht WEIL er eben ist, wie er ist.

Sie kommen auch gern wieder zu mir zurück, obwohl es hier klare Regeln gibt und ich strenger bin.

Es war ein weiter Weg. Was am Anfang unvorstellbar war, ist jetzt Realität. Ich habe lange daran gearbeitet, an MIR gearbeitet, dass es so werden kann, wie es jetzt ist.

Ich bin zufrieden so, es ist ein gesundes Maß und genau das wollte ich für unsere Kinder.

Wir essen mal was zusammen und schreiben uns, wenn zum Beispiel was Lustiges passiert ist und auch mal unabhängig von den Kindern.

Wir unternehmen mal was zu viert und dass er bei den Kindergeburtstagen nicht dabei ist und mich unterstützt, nehme ich ihm nicht mehr übel.

Vor allem nicht, seit ich aufgehört habe bockig zu sein und gemerkt habe, dass ich ihn dazu gar nicht brauche. Es ist einfach nicht sein Ding! Meins dafür absolut!

Kinder lieben nicht den mehr, der mehr Geschenke schenkt, oder teurere. Seit ich das verstanden habe, bin ich mir meiner selbst genug.

Wenn mein Sohn vorm Einschlafen mit verstellter Stimme sagt:

„Papa lieb ich mehr als dich, weil da darf ich auch Handy und nicht nur Fernseh“, dann küsse ich ihn belustigt und liebevoll auf die Stirn und kann es so stehen lassen.

Das Leben ist schön! Geschieden sein ist schön, denn ich muss mich über seine Macken und Marotten nicht mehr aufregen.

Dass meine Kinder ihren Papa haben ist mehr als schön! Wie wäre es nur anders?

Alles ist gut so wie es ist. Kein Mensch läuft einem zufällig über den Weg. Ich habe ihn ausgesucht und somit regelrecht gesucht. Mit ihm diese Erfahrung.

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