Weihnachten als Alleinerziehende

Fünf Weihnachten liegen seit der Trennung hinter mir und ganz schön viele Erfahrungsschätze.

Das 1. Fest war katastrophal und sehr tränenreich. Frisch getrennt, das erste in der neuen Wohnung, ohne Geld und ohne Job. Jedes der Geschenke damals konnte ich mir gar nicht leisten.

Der Tannenbaum von Amazon kostete 25 Euro und auch der war eigentlich nicht drin.

Der Papa holte meine Jungs, damals 5 und 1 Jahr alt, am 25.12 ab und ließ mein gebrochenes Herz zurück.

Ich fühlte mich klein und auch erbärmlich. Ich war leer und nur ein Häufchen Elend. Ich dachte, ich hätte nichts zu geben und fühlte mich unzulänglich.

Die weiteren Weihnachten hatte ich mehrfach Zirkuskarten für Heiligabend, der Papa und ich trafen uns dann dort.

Das war das Maximum an Familie, was wir unseren Kindern für wenige Stunden schenken konnten.  Danach ging man wieder getrennte Wege.

Ich überlegte mir neue Traditionen und was mir wichtig war. Was wollte ich meinen Kindern hinterlassen? An was sollten sie denken, wenn sie Erwachsen sind und zurückdenken?

Das schwerste Unterfangen war immer:

Wie kommen die Geschenke unter den Baum?

Beide Kinder glaubten noch an das „Weihnachtswunder“ und ich tat alles dafür, es für sie zu erhalten.

Zwei Jahre in Folge hatte ich mit einem Nachbarn abgesprochen, dass er den befüllten, vorbereiteten Jutesack vom Dachboden vor unserer Tür abstellt, während wir drei ausser Haus waren.

Im 2. Jahr hatte der „Nikolaus“ die Karten für diesen kleinen Dorfzirkus in den Stiefel gesteckt. Nur ein paar Hunde und jede Menge menschliche Kunststückchen der Artisten, ein Clown.

Als wir eintrafen, sagte man uns, dass die Vorstellung nur bei 20 Teilnehmern stattfinden könne. Es waren gerade mal 9 da, drei davon waren wir. Die Vorstellung fiel tatsächlich aus und auch die traurigen Kindergesichter änderten daran nichts.

Es war mehr als frustrierend, ich hatte Sorge, ob der Nachbar schnell gehandelt hat, denn eigentlich sollten wir gute zwei Stunden ausser Haus sein. Die Kinder waren dort nicht mehr zu halten, gingen auf nichts ein, was ich ihnen anbot. Den Nikolaus fanden sie auch noch doof uns so ein Geschenk zu machen, das er gar nicht halten kann.

Ich kochte, was die Kinder sich wünschten. Nachdem wir auf jeden Fall draussen waren, konnte ich ja nicht zeitgleich Essen vorbereiten. Meistens waren die Kinder von der frischen Luft hungrig und es musste schnell gehen.

Mal gab es Frikadellen und Kartoffelbrei, mal Rotkohl mit Hähnchen und Knödeln, mal nur Fischstäbchen auf Wunsch, weil es eben das Lieblingsessen war in dem Jahr.

Seit zwei Jahren gibt es Raclette.  Das kann man wunderbar vorbereiten und es ist doch nicht Alltäglich.

Einmal planten der Papa der Kinder und ich ins Disneyland zu fahren über die Feiertage. Bevor wir buchten, krachte es ordentlich und ich machte einen Rückzieher. Ich kam mir blöd vor, überhaupt daran gedacht zu haben. Ich bin sicher, dass die Idee nur aufkam, weil ich es mir alleine nicht zutraute.

Ein anderes Mal planten wir Heiligabend zusammen zu verbringen, wegen der Kinder. Jedoch gab es auch damals wieder Streit und ich nahm mein Angebot zurück.

Ich schätze, ich wollte nicht alleine sein. Keine Ahnung.

Auf dieses Weihnachten freue ich mich so richtig! So sehr wie noch nie!

Ich bin mir sowas von genug, fühle mich absolut nicht alleine und mache mir keinen Druck, der mich nur enttäuschen kann.

Ich habe die Kinder gefragt, wie sie sich das perfekte Fest vorstellen und ich habe Ideen gesammelt.

Ich habe alle Erwartungen an mich runtergeschraubt. Kein „ich muss“.

Wir verbringen Weihnachten alleine und es wird eine ganz besondere Zeit.

Von heute an sind es noch 11 Tage, die besten Plätzchen haben wir schon verputzt.

Die Fensterbilder habe ich auf die nicht geputzten Fenster geklebt, da ich zum Fensterputzen weder Zeit, noch Geduld hatte.

Meinen Kindern sind die Sterne am Fenster wichtig, weil wir die große Fensterfront immer schön schmücken.

Daran werden sie sich erinnern, nicht aber, ob die Fenster Fingerabdrücke hatten.

Wir haben immer noch den Amazontannenbaum für 25 Euro von damals. Wir alle lieben ihn und es kommt nicht auf den Preis an.

Wichtiger ist es, dass die Kinder ihn schmücken, wir laut Weihnachtslieder dabei hören. All die selbergemachten Dekosachen aus dem Kindergarten und der Schule werden als Andenken und Anerkennung an den Baum gehängt.

Und so wie sie es machen, so darf es bleiben. Ich korrigiere es nicht, auch wenn es etwas einseitig behangen ist.

Es ist gut, wie es ist. Und ich bin gut wie ich bin. Und genug. Das habe ich kapiert.

Ich bin die Mama, ich habe die Macht es zu etwas Bezauberndem zu machen. Nicht durch Materielles, sondern durch einen ganz besonderen Zauber. Und mit Liebe. Ich nehme mir Zeit. Mehr ist nicht nötig.

Dieses Jahr bleiben wir bis mittags im Schlafanzug. Wir  lassen es langsam angehen. Keine Hektik, kein Stress.

Ich habe knapp 600 Fotos von allein diesem Jahr nachgemacht. Die schauen wir uns an und lassen Revue passieren.

Hätte ich die Bilder nicht angeschaut und mich erinnert, hätte ich gesagt, dass 2021 ein maximal mittelmäßiges Jahr war.

Allerdings stellte ich mithilfe der Fotos fest: es war ein tolles Jahr. Auf jeden Fall nicht schlechter als alle anderen. Es ist viel passiert, mal wieder.

Vieles hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm und längst vergessen.

Wir werden Bleigießen machen. Die Kinder sind seit Jahren an Silvester bei Papa, weil ich da arbeite.

Vom Bleigießen schwärmen sie und wer sagt, dass man das nur an Silvester machen kann?

Wir werden das ganze Wohnzimmer in eine Höhle verwandeln und dafür werden wir alle Decken verwenden, die im Haus sind.

Sie lieben Höhlen bauen und diesmal habe ich sogar das passende Geschenk dazu. Deshalb wird es super.

Wir werden uns mit Taschenlampen und Stirnlampen dort verkriechen und Bücher lesen.

Und wir räumen es nicht auf, zumindest nicht an dem Tag. Es darf so bleiben und es wird mich nicht ärgern.

Wir werden natürlich rausgehen, ich weiss auch schon wohin.

Ich werde nochmal zurück müssen, weil ich etwas vergessen habe, oder vorgebe vergessen zu haben.

Der grosse Bruder wird den Kleinen ablenken, denn er ist mein Komplize. Er hat das Erwachsenengeheimnis durchschaut.

Auch in seiner größten Wut hat er es nie verraten. Wir gönnen es dem Zwerg, solange es geht. Lange wird es nicht mehr dauern.

Wir machen Raclette, spielen mit den Geschenken, ziehen die Couch aus und schauen Filme. Sicher wieder „Kevin allein zu Haus“ und sicher wieder auch „Der Grinch“.

„Der Polarexpress“, ein Muss in der Weihnachtszeit, haben wir schon vor Wochen gesehen. Er ist mein Filmhiglight.

Wir werden alle drei auf der Couch schlafen, vielleicht sogar mit laufendem Fernseher, einfach jeder, wann er müde ist.

Wir kuscheln uns aneinander und dieses warme Gefühl wird sich einstellen:

„Ahhhh, Weihnachten!“

Weltschmerz

Lange dachte ich, dass ich psychisch stabil bin. Ich hab schon einiges ausgehalten und die Erfahrung gemacht, dass es auch wieder besser wurde.

Ich war deprimiert, frustriert, traurig, enttäuscht, fassungslos, sprachlos, empört und manchmal auch alles zusammen.

Mir zog es den Boden unter den Füßen weg und ich fing wieder von ganz vorne an.

Meine Patienten leiden überwiegend an Schizophrenien.

Ich konnte mich schon immer gut in sie reinfühlen und noch nie habe ich sie so gut verstanden wie jetzt in dieser Zeit.

Das Leben jetzt fühlt sich an, als ob ich in einer schrecklichen Psychose gefangen bin.

Ich höre überall diese Stimmen, die auf mich einreden, mich bevormunden wollen, bestimmen wollen, was für mich am besten ist.

Ich darf mit meinem Sohn nicht schwimmen gehen, wir können an einem Regentag nicht einfach ins Kino.

Wenn er seine Trinkflasche in der Turnhalle vergessen hat und ich ihn begleite, mache ich plötzlich etwas Verbotenes.

Vor kurzem fand dort noch unsere Sportgruppe statt, bei der wir als Team so viel Spass hatten.

Es ist nicht gelöst mit:

„Ist doch nur ein Pieks, stell dich nicht an!“

„Mach es doch einfach, der Impfstoff ist sicher!“

„Gib dir nen Ruck, dann bist du frei!“

Freiheit ist nicht an Bedingungen geknüpft, Freiheit ist mein Grundrecht. Ausser ich bin ein Schwerverbrecher.

Ich bin verzweifelt. Und angstgetrieben. Und ich bin so, so traurig.

Ich habe Alpträume von meinem ertrinkenden Kind, weil ich Sorge habe, dass er sein frisch erlerntes Schwimmen wieder verlernen wird ohne Übung.

Ich google, wo es möglich ist einfach mit ihm schwimmen zu gehen, nur einen Nachmittag. Ich stelle fest: nirgends.

Das Leben macht mir keinen Spass mehr. Ich lebe es, weil ich in der Hoffnung lebe, dass das alles mal wieder zu uns zurück kommt.

Wir sind zu Hause, malen viel, hören Musik, basteln und sind kreativ.

Noch nie war mir Harmonie und Ruhe so wichtig. Im Innen und im Aussen.

Und noch nie hab ich so oft an meine Jungs appelliert, dass Zusammenhalt jetzt wichtiger ist als je zuvor.

Wir sind gesund, wir haben nahezu alles, was man so braucht, um zu leben.

Und doch fühlt es sich so schwer an.

Die Welt drückt mich so fest runter.

Ich habe Weltschmerz.

Schon lange habe ich nicht mehr so viel geweint. Aus dem Nichts. Einfach so, weil es über mich kam.

Von Anfang an war ich stark für die Kinder. All das hat natürlich etwas mit uns gemacht, aber nichts, was wir nicht wieder hinbekommen hätten.

Heute überwiegt nicht mehr die Hoffnung bei mir.

Ich habe Weltschmerz.

Ich habe Angst vor Krieg und frage mich, wie ich meine Kinder beschützen kann.

Ich habe Angst davor, was nach der Ausgrenzung kommt.

Werden wir dann mit Mistgabeln verfolgt?

Verbrannt? In Lager gesteckt? Was kommt als Nächstes?

Denkt ihr nie darüber nach, wie all die Kriege wohl irgendwann ganz am Anfang begonnen haben? Ich glaube genau so!

Ich bin alleinerziehende Mama. Ich habe Angst.

Ich habe Angst vor Corona. Ja. Keiner weiss vorher, wie sein Körper reagiert.

Ja, ich habe Angst vor der Impfung.

Vor den Nebenwirkungen. Was ist, wenn es mich trifft? Was wird aus meinen Kindern?

Ich entscheide nach Bauchgefühl. Ich weiss, dass die Impfung sich für mich nicht gut anfühlt.

Ich wünschte die Ungerechtigkeiten, die Pharmaindustrie, das Chaos in der Politik, die Lügen und die Widersprüche würden mich trotzdem vertrauen lassen. Aber ich kann es nicht.

Also schütze ich uns, solange und so gut es geht. Wir sind in unserem Schneckenhaus.

Ich kenne Menschen, die anders denken wie ich und mich sein lassen, wie ich bin. Ich darf selber entscheiden und sie machen mir weder ein schlechtes Gewissen, noch appellieren sie an meine Solidarität für die Gemeinschaft.

Ich habe nicht das Gefühl, dass ich noch mehr geben muss, als ich es bereits tue. Ich denke es reicht.

Ich habe Freunde, die zwar geimpft sind, aber mein Leiden verstehen und teilen. Auch sie sehen und haben den Weltschmerz. Sie hätten alle Freiheiten, nutzen sie aber nicht, weil sie Ausgrenzung nicht unterstützen wollen.

Sie weinen mit mir und haben auch Angst davor was kommt.

Um mich herum sind Geimpfte, die froh sind alle Freiheiten zu haben. Hauptsache sie können in vollen Zügen geniessen, konsumieren und das gute Leben feiern, ohne sich um andere Gedanken zu machen.

Jeder kann doch schließlich frei sein, es ist doch so einfach!

Für mich ist es nur eine Illusion. Ein Weglaufen. Es gibt keine Sicherheit und das Leben ist ein Risiko.

Was interessiert sie die Welt da draussen? Ihnen geht es doch gut, sie sind doch frei.

Ich habe Geimpfte um mich, die ängstlich sind, weil es auch nach der 3. Impfung immer noch keine Sicherheit gibt. Was müssen Sie denn noch tun, um endlich, endlich sicher zu sein?

Heute zog es mich an einen bestimmten Ort. Warum wusste ich zunächst noch nicht. Ich dachte es sei die Stille, die mich ruft.

Und als ich weinend da stand und meine Kerze anzündete, spürte ich, dass ich diese Art Schmerz in mir noch nie zuvor hatte.

Nicht Verlassensängste, Trennungsschmerz, alte Wunden oder Frust über die Arbeitsstelle.

Nicht burnout, das man irgendwie schon wieder in den Griff bekommt.

Weltschmerz.

Ich frage mich, wie wir da jemals wieder rausfinden sollen. Wie wir das noch zu einem guten Ende bringen können.

Wie wir das hinter uns lassen können und wieder zusammenfinden.

Ich bin gesund. Immer noch. Scheinbar mache ich seit einer Weile vieles richtig und noch dazu hatten wir sicher auch viel Glück.

Mein Sohn sagte gestern, er wünschte, ich hätte Corona, aber so, dass es mir gut damit geht. Er würde so gern mal wieder auf den Indoorspielplatz.

Mein Zwuckel fand heute in meiner Handtasche die Kinokarten vom letzten Besuch.

„Oh, Mama, können wir mal wieder ins Kino? Bitte, bitte!“

Ich vertröste. Und hoffe, dass wir das bald wieder mal können.

Wenn das Schulkind mit Maske wegen Schnupfen keine Luft bekommt und der Lehrer das Ermahnen so leid ist.

„Maske ÜBER die Nase!“ Wenn Mitschüler lachen und die Freunde sagen, dass man sehr wohl gut Luft bekommt. Wenn der Lehrer droht, dass er „Alle meine Entchen“

auf der Triangel spielen muss, sollte er nochmal die Maske runtermachen.

Wo sind wir angekommen? Was ist mit den Menschen los?

Wo ist Mitgefühl, Nächstenliebe und Verständnis?

Ich suche den Frieden in der Welt und spüre nur ihren Schmerz.

Nie will ich müde werden gegen Unrecht zu kämpfen und für Freiheit aufzustehen. Für alle!

Geschwisterrivalität

Meine Jungs sind 10 und 6 Jahre alt.

Ich selber bin Einzelkind und bin mir manchmal unsicher, ob ihr Geschwisterstreit noch im Rahmen ist.

Als Mutter tut es mir weh zu sehen, wie sie sich treten und sich Zähne fletschend böse Wörter an den Kopf werfen.

Sie sind durch die Trennung 2016 nahezu immer zusammen. Bis vor einem Jahr war der Zwuckel noch Kindergartenkind. Er hatte weniger Ferien und der Grosse war stundenweise auch alleine zu Hause, was er so genossen hat.

Mein Großer hat jetzt nur „Ruhe“ vor dem Bruder, wenn er in der Schule, im Training, oder mal bei einem Freund ist.

Unter der Woche sind sie bei mir zusammen. Steht das Papawochenende an, sind sie dort zusammen. Wir können uns nicht aufteilen nach dem Motto:

„Wenn du darauf keine Lust hast, dann gehst du heut einfach mit Papa mit.“

Der Zwuckel ist jetzt in der 1. Klasse und braucht natürlich viel Unterstützung beim Lesen üben und den Hausaufgaben. Und auch sonst holt er sich seine Aufmerksamkeit im Alltag. Auch wenn es nur ist, dass er sich morgens nicht anziehen will und auch nicht anziehen lässt, obwohl wir pünktlich das Haus verlassen müssen.

Der Große findet es oft ungerecht, dass ich bei ihm nicht so hart durchgreife. Er findet ihn verwöhnt und übernimmt dann gerne mal die „Bestrafung“, die er für nötig hält, weil er so frustriert darüber ist.

Ich tuhe mein Bestes, damit ich beiden nur annähernd gerecht werde und schaffe es nicht.

Ich versuche zu erklären, dass meine Erwartungen an einen 10 jährigen natürlich andere sind als an einen 6 jährigen. Dass der Zwuckel noch so viele Lektionen lernen muss, wo er schon viel weiter ist.

Dass er nichts draus lernt, wenn man es an ihn „prügeln“ wird. Ja, es ist viel anstrengender das gleiche immer und immer wieder zu erklären und ihm verständlich zu machen, aber nur darin sehe ich eine Chance.

Ich erkläre, dass er uns als Eltern ganze 4 Jahre für sich alleine hatte. Weit länger, als die meisten anderen Kinder. Dass sein kleiner Bruder uns als Eltern nie ganz für sich hatte, sondern ab Tag 1 teilen musste.

Bei der Trennung war er erst 10 Monate alt und ja, da ging einiges verloren.

Mit ihm war ich die meiste Zeit allein, hatte so grosse Verantwortung, musste nebenbei noch irgendwie Geld verdienen und ja, vielleicht ist es auch ein Stück schlechtes Gewissen.

Ich habe ihn mir genauso sehr gewünscht wie den Grossen, hatte aber nicht so viel Zeit und Ruhe, mich mit ihm in gleichem Maße zu beschäftigen. Die Situation war eine ganz andere.

Ich versuche verständlich zu machen, dass ich sehr wohl sehe, wenn der Zwuckel provoziert und ihn zur Weißglut treibt. Dass mein Ansatz aber ein anderer ist, als ihn zu „züchtigen“. Dass ihn das frustriert verstehe ich sogar ein bisschen.

Meine liebe Freundin beobachtete mit mir den letzten Geschwisterstreit. Sie fand es spannend zu beobachten und sagte, die Augen des Grossen seien die ganze Zeit auf mich gerichtet gewesen, während er den Bruder ärgerte, der schreiend hinter ihm her lief. Er selber habe aber entspannt gelächelt.

„Ich glaub er braucht dich gerade sehr!“

Der Satz traf mich. Ich wollte mich verteidigen, erklären, wie herausfordernd sein Verhalten ist.

Ich dachte nach. Wann bekommt er ungeteilte Aufmerksamkeit? Zu selten!

Nachdem ich den kleinen Bruder ins Bett gebracht hatte, zog ich sein Bett wortlos aus. Er schien irritiert und meinte, dass er doch allein drin schlafe und das nicht nötig sei.

Dann verstand er meinen Blick und deutete mein Lächeln richtig.

Er sprang mir in die Arme und sagte:

„Das hab ich mir schon immer gewünscht. Das war schon lange mein Traum. Ich freu mich so. Danke!“

Wir philosophierten, lachten, redeten stundenlang. Ich hörte zu. Er öffnete sich.

Er wünschte, dass ich seinen Rücken kraule und schlief dabei ein.

Ich habe ihm versprochen ihm mehr Zeit einzuräumen und ihn zu SEHEN.

Er geniesst natürlich auch die Tabletzeit, wenn ich dem Zwuckel seine Gute Nacht Geschichte vorlese. Aber letztendlich ist es nicht genau das was er wirklich braucht.

Wir haben uns drauf geeinigt, dass ein Sprichwort sehr gut zu ihm passt.

Er lächelte und sagte:

„Kann sein!“

Wahre Glücksmomente

Das Alleinerziehend sein fühlt sich manchmal so einsam an.

So oft bin ich überfordert und denke mir:

„Goooott, warum muss ich das nur alles alleine machen?!“

Die letzten Tage waren anstrengend und wie Urlaub fühlten sie sich wirklich nicht an. Aber ja, ich habe Urlaub.

Fast habe ich es vergessen, denn der Wecker klingelt trotzdem 6 Uhr. Da ist keiner, der sagt:

„Bleib liegen Schatz, ich mach das mit den Kindern!“

Heute kuschelten wir uns auf die Couch und wer tiefe Demut empfinden will, schaut „Into the Wild“, so wie wir es heute getan haben.

Es ist lange her, ich hatte so Vieles vergessen!

Der Film ist eine wahre Geschichte. Keine Hollywood-Explosionen, keine Verfolgungsjagden und keine Schießerei.

Es geht nur um einen jungen Mann, der alles hinter sich lässt und die Freiheit sucht. Nicht in einem gutbezahlten Job, nicht in anderen Menschen, nicht in Geld und nicht in Dingen.

Es war schön erinnert zu werden!

Erinnert an das, um was es WIRKLICH geht!

Mein großer Sohn hat Fussballtraining.

Wäre ich nicht allein mit allem, wäre ich beim Zwuckel daheim geblieben, oder wäre eben der Fahrer gewesen.

Der Zwerg war schon im Schlafanzug und ich beschloss, dass ich ihn nicht alleine lassen will.

Es musste schnell gehen, also wickelte ich ihn nur in unsere dicke Kuscheldecke ein und trug ihn auf dem Arm zum Auto.

Auf der Decke steht in großen Buchstaben:

La vie est belle. Das Leben ist schön!

Er hatte nicht mal Schuhe an und hatte keine Hände, um sich an mir festzuhalten.

Er lachte fröhlich und küsste mich freudig. Es war dunkel und auf dem Rückweg beobachteten wir den Mond.

Ich stand mit ihm auf dem Arm da und wir schauten zum Himmel.

Wir waren glücklich über unser Abenteuer. Und über uns.

Was haben wir für ein Glück!

Alleinerziehend sein ist oft hart, ja.

Und dann kommen diese Momente und ich bin nicht bereit sie mit jemandem zu teilen.

Danke für die Erinnerung Leben!

Nimm mir alles Materielle, aber im Herzen kann ich immer noch DIESE Glücksmomente fühlen.

Das sind die Momente, an die wir uns erinnern und die uns glücklich machen.

Die Momente, die das Leben lebenswert machen.

Ich brauche nicht viel!

Das Leid der Trennungskinder

Hoch die Hände, Wochenende!

Wo andere Familien durchatmen und es langsam angehen lassen, wird bei uns nochmal richtig Gas gegeben.

Das Papa- Wochenende steht an. Es beginnt Freitag Nachmittag und geht bis Sonntag Abend.

Fussballtraining am Samstag Morgen geht eben nur alle zwei Wochen.

Tischtennistraining am Freitag Abend ebenso.

Jetzt hab ich auch noch zwei Schulkinder seit September und dadurch wird es nicht besser.

Genau heute gibt es sehr viele Hausaufgaben. Mehr als sonst.

Wahrscheinlich denkt die Lehrerin sich:

„Es ist ja Wochenende und das Kind kann es sich ja aufteilen!“

Bei uns gibt es die klare Regel, dass zu Papa keine Hausaufgaben mitgenommen werden.

Maximal den Text fürs nächste Gedicht, oder Vokabeln zum Durchlesen.

Alleine das Bisschen findet aber dort nicht statt.

Erstens, weil die Kinder ihren Papa und jetzt Halbbruder nur alle 14 Tage sehen und sich dann darauf konzentrieren wollen. Verstehe ich total!

Und auch, weil die Priorität meines Exmannes nicht gerade darauf liegt. Er ist raus und weiss gar nicht, was wir unter der Woche stemmen.

Ich schätze es ist ihm gerade recht, dass er damit nichts zu tun hat und will es auch so.

Ich soll mich kümmern. So gesagt hat er es nicht.

Es ärgert mich, heute besonders.

Kleiner Sohn kam nach der Schule nach Hause und das Alles schlaucht ihn noch sehr.

So sehr, dass er oft nach der Schule einschläft, weil er so k.o ist.

Wir essen zusammen Mittag und er fängt mit den Hausaufgaben an. Er atmet tief und legt den Kopf auf dem Tisch ab.

Er ist müde, es strengt ihn an, das sehe ich.

Die Zahlen werden immer unleserlicher, aus der 6 wird eher eine Null und er fragt nach einer Pause, kaum hat er begonnen.

Er will lieber raus gehen. Schnappt sich den Ball und weg ist er. Und kommt nicht wieder. Ich höre ihn mit der Nachbarin vor dem Haus lachen.

Was mach ich denn jetzt nur?

Ich spüre den Druck auch.

Hausaufgaben müssen schließlich gemacht werden. Was er nicht schafft, holt ihn sicher am Montag ein.

Er klingelt, will aber nur kurz trinken.

Rein kommen will er auf keinen Fall.

„Weil ich mach grad was!“

Ich frage ihn, wie er es mit den Hausaufgaben machen will. Zu Papa mitnehmen? Jetzt schnell machen?

„Ich schwöre dir, dass ich es am Sonntag Abend mache!“

Ich habe keinen Einfluss auf die nächsten 2 Tage, weiss nie, wie er drauf ist, wenn er wieder kommt.

Hat er im Auto geschlafen und ist kaputt? Ist er gut gelaunt, oder lief etwas nicht, wie es sein sollte.

Ich muss abwarten. Und vertrauen.

Ich weiss, er gibt sich Mühe und wird es am Sonntag angehen. Ob er alles schafft? Wer weiss…

Ich spüre den Druck. Und es tut mir leid für meine Kinder.

Mit dem großen Sohn kann ich ganz anders verhandeln. Wir haben die ganze Woche bereits auf den Vokabeltest am Dienstag hingearbeitet, so dass er sich ein freies Papawochenende leisten kann.

Bei ihm weiss ich, dass ich Sonntag Abend auch noch was mit ihm anfangen kann, er kennt das Ganze ja und steckt es gut weg.

Er hat zum Glück sehr wenig Hausaufgaben bis jetzt und geniesst die 5. Klasse. Bis zu seinem Hobby 14.45 Uhr war er längst fertig mit Allem.

Ich bin neidisch.

Auf alle Eltern, die zu Hause durchatmen, den Ranzen beiseite stellen können und denken:

„Morgen ist auch noch ein Tag!“

Im Mangel

Tage wie heute passieren nicht sehr oft, aber es gibt sie.

Diese Tage, die sich ziehen wie Kaugummi und nicht enden wollen.

Tage, an denen nichts funktioniert, wie es soll und wie ich geplant hatte.

Da meine Kinder die Hälfte der Wochenenden bei ihrem Papa verbringen, ist die Erwartung immer groß.

Jedes Mal schreit alles in mir: „Qualitytime!“

Endlich in den Tag hinein leben, keine Pläne haben, jeder macht einfach was er will und wozu man unter der Woche nicht kommt.

Ich zum Beispiel sah uns heute im Wald, es zog mich so in die Stille.

In meiner Phantasie sah ich die Kinder vergnügt vor mir laufen, wie sie Spass hatten beim Stöcke sammeln, Moos fühlen und Tiere beobachten.

In der Realität wollten meine Kinder alles andere als in den Wald. Mein Plan B und C wurde auch zerschmettert.

Manchmal träume ich davon, wie ich mit meinem Kaffee und Laptop am Küchentisch sitze und an meinem Buch schreibe.

Die Kinder spielen Lego zusammen, ich höre nur ihr Lachen.

Heute funktionierte gar nichts. Wie oft an unseren Wochenenden.

Ich schätze wir sind nicht gut in diesem:

„Wir leben einfach in den Tag hinein Ding.“

Meine Kinder machten das Gegenteil von dem was sie sollten, hörten nicht, nahmen mich nicht ernst, schalteten auf Durchzug und lachten mir dabei noch ins Gesicht.

DIESE Tage.

Es war kein schönes Miteinander, sie kämpften, sie gingen mit Bleistiften aufeinander los, es wurde gebrüllt und Türen zugeschlagen.

Diese Tage, wenn man dabei zuschauen muss und nicht mehr dazwischen gehen kann und will.

Hatten wir nicht erst vor zwei Wochen eine Familienkonferenz deswegen? Ist denn wirklich nichts hängen geblieben?

Ich bin es so leid und ich kann nicht mehr.

Diese Tage, an denen ich einfach gar nichts im Griff habe, am wenigsten mich selber.

Diese Tage, an denen mir nicht nach Schreien zumute ist, sondern meine Stimme überschlägt und ich merke…

Ich bin im Mangel! Ich bin so im Mangel.

Ich gehe in mich. Lasse die Woche Revue passieren, sie verlangte mir Einiges ab:

Fortbildung, Elternabend, stressige Schichten, Hausaufgaben, Kochen, Grosseinkauf, Teambesprechung, Arzttermine, Telefonate, Vokabeln lernen.

Ich habe nur funktioniert.

Es war nichts dabei, das Spaß macht. Nichts, das nur für mich war!

Ich bin so müde. So erschöpft. So schwach und klein und müde und traurig und wütend und hilflos und so allein.

Es überwältigt mich.

Ich muss alleine sein und da keiner mich begleiten will, gehe ich in meine geliebten Weinberge. Ich will laufen. Und nicht reden. Nicht diskutieren und nicht verhandeln.

Die Luft tut gut und ich spüre, wie nötig es ist.

Ich mache meine Kopfhörer in die Ohren und eine Meditation an.

„Du bist nicht allein“, sagt die Stimme.

„Schau in den Kreis, wir sind Viele. Und wir alle lächeln Dir zu! Erinnere Dich, du machst es so, so gut!“

Ich weiss, dass meine Kinder nicht Schuld sind, das Leben nicht gemein, der Tag nicht umsonst. Und ich nicht alleine.

Ich bin nur im Mangel und darf besser auf mich achten.

Mein Energiehaushalt ist erschöpft und es war zu wenig dabei, das den Akku lädt.

Es geht vorbei…

Ich habe jetzt zwei Schulkinder, einer ist in der 5. Klasse, einer in der ersten.

Dass der Große eine immer längere Leine braucht, merke ich schon eine ganze Weile.

Ich hab mich immer damit getröstet, dass ich ja noch meinen Zwuckel habe. Er braucht mich noch so sehr und verbringt seine Zeit am liebsten mit mir.

Jedoch ist er jetzt auch schon groß und die Leine muss auch schon wieder etwas länger werden.

Man sagte mir: „Es wird leichter, deine Kinder werden größer!“

Und ich fragte: „Wann!?!“

Damals, als ich mich halb 5 morgens im Bad für die Arbeit richtete und mein Kleinkind im Schlafsack auf der Waschmaschine saß.

Heute, wenn ich ihn wecke und er nicht aufstehen will, weiß ich:

Es ging vorbei!

Damals, als ich auf dem Spielplatz kein Wort mit anderen Erwachsenen reden konnte, weil es aus einer Ecke immer rief: „Maaaama!“

Beim Klettern unterstützen, die Hand reichen beim Balancieren, einen Schubser auf der Schaukel, den Sand aus den Schuhen leeren.

Heute sitze ich nur da, genieße die Sonne im Gesicht und kann meinen eigenen Gedanken nachgehen.

Ich beobachte meine Kinder, wie sie mit ihren Freunden toben. Wie sie klettern, balancieren, von der Schaukel springen und ihre Schuhe selber ausleeren.

Es ging vorbei!

Mein großer Sohn ist zwar sportlich, hasste es aber so sehr, wenn er MAL von der Schule nach Hause laufen musste.

Wenn ich arbeiten war, ging es. Schlimmer war es, wenn ich zu Hause war. Zum Beispiel, wenn der Bruder krank war, oder ich Termine hatte und mich einfach nicht mehr ins Auto setzen wollte.

Wie oft haben wir deswegen gestritten und wie oft hat er geweint vor Wut!

Der Ranzen war schwer, der Berg nervt, keiner muss in seine Richtung laufen und überhaupt!

Jetzt fährt er Bus und muss direkt vor seiner alten Schule in den Bus steigen.

Wieder und immer noch der gleiche doofe Weg.

Letzte Woche hatte ich frei und er hatte wirklich schwer zu schleppen. Ich sagte, dass ich ihn heute ja auch ausnahmsweise mal fahren könne.

Seine Antwort überraschte mich sehr.

„Das musst du nicht. Ich fahr lieber mit dem Bus!“

Alles geht vorbei.

Manchmal ist über Nacht alles plötzlich anders.

Wenn ich ihn abends ins Bett gebracht habe, dauerte unser Ritual immer ewig. Sein Bruder schlief meist nach zwei Mal über das Köpfchen streicheln ein.

Bei ihm war ich oft bis zu einer Stunde drin.

Da wollte er dann erzählen und zeigen, ein bisschen Rücken kraulen, ein bisschen Fußmassage, noch eine Turnübung vorführen.

Egal, wann ich raus gehen wollte, es war nie genug!

„Nur noch eine Seite lesen!“

„Nur noch eine Minute!“ Und dann noch eine.

Beim Abschied klammerte er sich an mich und wollte mich nicht gehen lassen. Es war oft einfach nur anstrengend und kräftezehrend.

Ich führte die gelbe Karte ein, die er IMMER ausreizte.

Nach dem Gute Nacht sagen, darf man nicht mehr rauskommen zu Mama. Jeder hat eine gelbe Karte. Dann ist aber wirklich gut!

Jeden Abend klopfte er an die Tür! „Ich weiss, ich krieg jetzt ne gelbe Karte, aber…!“

Dann streckte er die Arme aus, stellte sich wortlos vor mich und wollte noch einen Drücker. Erst danach konnte er schlafen.

Seit wenigen Wochen fordert er seine gelbe Karte nicht mehr ein.

Es geht vorbei.

Wir reden, manchmal muss ich bei Instagram noch was für ihn suchen. Oder wir schauen zusammen Youtube Videos von irgendwelchen Comedians.

Er erzählt mir irgendwas von einem neuen Brawler, den er in seinem Spiel gezogen hat.

Dann drücken wir uns und sagen uns Gute Nacht.

Er kommt nicht mehr raus.

Als mir das auffiel, hatte ich das dringende Bedürftnis nochmal bei ihm zu klopfen.

Ich breitete die Arme aus und stellte mich wortlos vor ihn.

Ja, es geht vorbei. Das Anstrengende und auch das Schöne!

Manchmal schleichend, oft auch ganz plötzlich und überraschend.

Es ist schön, so große Kinder zu haben und zu sehen, wie selbständig sie schon sind. Denn das ist ja auch mein Ziel.

Ab und an hilft eine Umarmung und ein bisschen Kuscheln dabei, es leichter anzunehmen und sich darüber zu freuen.

Afghanistan

#WhereIsMyName

Ich bin eine Frau!

Schon allein deshalb kommt man an dem Thema nicht vorbei.

Ich habe mich in den letzten Tagen sehr damit auseinandergesetzt, aber auch schon früher.

Ich habe immer wieder gelesen, was die Frauen sich dort erkämpft haben. Freiheiten, die für uns hier schon so selbstverständlich sind.

Afghanistan ist gar nicht sooo weit weg. Und doch schien es eine andere Welt zu sein.

Heute ist es mir näher als je zuvor.

Politisch halte ich mich zurück mit meiner Meinung.

Was wäre, wenn…

Man hätte doch…

Wie kann es sein, dass…

Warum hat man…

Warum hat man nicht…

Heute denke ich an die Frauen dort.

An die Kinder.

An das Leid.

An die Enttäuschung. So viele Jahre haben Aktivistinnen für die Freiheit ALLER Frauen und Mädchen gekämpft.

Ihr Leben dafür aufs Spiel gesetzt und auch geopfert.

Sie wurden ausgepeitscht im besten Fall.

Gesteinigt und ihnen die Haut abgezogen im schlimmsten Fall.

Ihnen war das alles bewusst und doch wussten Sie auch:

Hier geht es nicht nur um mich! All die Anderen sind mir das wert!

In einem Land, in dem den Frauen endlich nicht mehr die Finger abgeschnitten wurden, weil sie roten Nagellack trugen.

In die Luft gesprengt werden, weil sie als Mädchen in der Schule sitzen.

Frauen arbeiteten in Büros und Agenturen- welch ein Schritt!

Was für ein langer, blutiger Kampf.

Gestern hatten wir bei der Arbeit eine Besprechung und saßen zusammen, um einem Klienten den Weg zu seiner Ausbildung zu ermöglichen.

Ich schaute mich um, dachte an die Bilder der letzten Tage aus Afghanistan und schämte mich ein bisschen.

Dafür, wie gut es mir geht. Dafür, dass ich hier im Warmen sitze. Auch ich habe meine Sorgen und Ängste, jedoch ohne akute Angst um mein Leben.

Ich sehe auf den Bildern und Videos der Flucht überwiegend Männer.

Warum ist das so frage ich mich? Und wo sind die Frauen und Kinder?

Ist es immer noch so, dass ein Frauenleben nichts wert ist?

Liegt es daran, dass man dort nicht wirklich aus Liebe heiratet und der andere einem in so einer Situation einfach nicht so wichtig ist, wenn es um das eigene Leben geht?

Liegt es daran, dass MAL WIEDER die Frauen kämpfen uns sich opfern?

Vielleicht auch, weil es ja sonst keiner tut und sie es seit Jahrzehnten nicht anders kennen?

Es beschäftigt mich, die Fragen lassen mich nicht los.

Wenn Afghanistan jetzt wieder am gleichen Punkt wie vor 20 Jahren ist, war dann alles umsonst?

War die ganze Mühe es nicht wert, die vielen Menschenleben, die es kostete?

War alles vergeblich, wenn jetzt die Frauengesichter auf den Werbeanzeigen der Stadt übermalt werden?

Wieder haben sie kein Gesicht! Sind ungesehen. Tauchen ab. Müssen sich verstecken unter ihrem Niqab.

Oder sterben.

Dürfen keinen Schritt aus dem Haus machen, so ganz ohne Mann neben sich.

Ich möchte mir nicht anmaßen nachempfinden zu können, wenn der Aufruf der Taliban kommt, alle Mädchen ab 15 Jahren an sie rauszugeben.

Ich wusste zum Beispiel lange nicht, dass Frauen keinen Namen auf ihren Dokumenten stehen haben. Nicht mal auf ihrem Grabstein durfte ihr Name bis 2020 stehen. Sie waren nur: Tochter von und dann der Name des Vaters.

Dann Frau von und dann der Name des Gatten.

Später dann Mutter von und der Name des Sohnes!

Frauen hatten erreicht, dass jetzt auch zB. der Name der Mutter dazugeschrieben werden durfte.

Frauen in Afghanistan, es war nicht alles umsonst. Denn ich hier in Deutschland, in meiner Besprechung und in Sicherheit. Ich habe euch gesehen!

Schwimmkurs

Seit ich Kinder habe, macht das Element Wasser Angst.

Viele meiner Alpträume hatten damit zu tun, dass eins meiner Kinder nicht mehr auf der Wasseroberfläche zu sehen war.

Der Grosse lernte mit 4  3/4 im Thailandurlaub schwimmen.

Damals war er bereits im Geräteturnen und ich schiebe es auf seine unglaubliche Körperspannung, Kraft und Koordination, die das in dem Alter zuließ.

Unser Zwerg ist im Juni 6 geworden und vor 2 Wochen konnte er keine 2 Schwimmzüge ohne Hilfsmittel schaffen.

Ein ganzes Jahr lang hat er aufgrund von Corona kein Wasser gesehen, das höher als bis zu seinem Knie ging. Sein Schwimmkurs, zu dem er damals angemeldet war, fiel aufgrund der Schliessungen aus.

Mit mir wollte er überhaupt nicht üben, als es dann wieder ging.

Wir waren diesen Sommer häufig schwimmen, hauptsächlich wegen ihm. Er sprang aber lieber im Babybecken herum und tobte mit seinen Freunden.

Sein Bruder schämte sich wegen der Schwimmflügel und war fassungslos, dass man mit 6 immer noch nicht schwimmen kann.

Spontan entschied ich mich für ein Ferienangebot: in 2 Wochen zehn mal 60 min pro Tag. Wir hatten nichts Bestimmtes vor, am Nachmittag konnte ich trotz Arbeit die Uhrzeit gut schaffen.

Wer weiss, was im September wieder ist, wie es aufgrund von Corona läuft und das dann nach der Schule, die sicher eindrucksvoll genug wird.

Jetzt oder nie!

Jeden Tag Schwimmkurs, nichts vergessen können bis zum nächsten Mal, einmal richtig durchziehen.

Einen Tag vor dem Kurs waren wir mit seinem besten Freund im Hallenbad verabredet. Dieser kann bereits schwimmen und tauchen. Nach einigen Stunden war es meinem Sohn wohl peinlich und er hatte genug:

„Mama, mach mir die Schwimmflügel ab, ich schwimm jetzt so!“

Er war bereit!

Mit ein bisschen Ansporn vom Freund und ein paar hilfreichen Tipps schaffte er voll motiviert aus dem Nichts vier Züge. Dann zehn. Dann vierzehn. Nicht sauber, ohne besondere Technik. Er kam irgendwie an den Beckenrand ohne unterzugehen und wir alle freuten uns mit ihm.

Der Schwimmkurs begann, es war Montag.

Wir trafen uns 16 Uhr und ich weiss, dass Neues ihm zu Beginn Angst macht.

Er war völlig erschlagen von den ganzen Eindrücken. Unbekannte Kinder, unbekannte Eltern, unbekannte Schwimmhalle und Schwimmlehrer.

Wir Eltern mussten uns nach der Umkleide von den Kindern trennen, in die Dusche ging es mit den Schwimmlehrern.

Mein Sohn hasst duschen. Vor allem duschen mit Kopf. Es ist noch nicht lange her, dass er währenddessen nicht mehr schreit und sich an mir festkrallt, oder breitbeinig am Wannenrand abstösst.

Ich wusste, es ist eine grosse Herausforderung für ihn, lächelte aber und war positiv. Ich glaubte an ihn. Und schließlich wächst man an seinen Herausforderungen. Manchmal geht es mit Fremden ja auch viel besser als mit der Mama.

Der grosse Bruder und ich gingen so lang in die Stadt und er war sich sicher:

„Er wird heute untergehen!“

Er hat ihm bereits einmal das Leben gerettet, als im Kretaurlaub ein Mädchen hinter ihm auf einer Luftmatratze rutschte und er unter diese geriet.

Er hatte Schwimmflügel an und es war im Babybecken. Ich war gerade an der Liege angekommen, um mir mein durch Sonnencreme brennendes Auge abzuwischen, als ich das Schreien hörte:

„Beeene!“ Er zog ihn unter der Matratze hervor und wir alle standen noch lange unter Schock.

In dieser Nacht wachte der Grosse schreiend aus seinem Alptraum auf und schrie den schlafenden Bruder an:

„Mann, Bene, ich dachte du bist tot!“

Ja, wir haben Angst um ihn. Und ja, es wird Zeit, dass er schwimmen lernt.

Die erste Stunde war vorbei und ich holte ihn nach dem Duschen ab. Zunächst sah ich ihn nicht, vor mir waren andere Mamas und vor ihm andere Kinder. 

Er schrie in der Umkleidekabine:

„Ich will da nie, nie, nie mehr hin!“

Was war passiert?

Sie sollten alle am Beckenrand stehen und ins Tiefe springen. Ohne Schwimmhilfe. Als Nichtschwimmer. „Mit Kopf unter!“

Er habe gesagt, dass er das nicht will und die eine Schwimmlehrerin habe gesagt, dass er aber müsse.

„Ich dachte ich komm nicht mehr hoch“, schrie er empört und betonte mehrfach, dass er da nicht mehr hin will.

Ausserdem habe er mich nicht gesehen und dachte, ich sei nicht zum Sbholen da. Er habe sogar ein bisschen geweint.

Sein Bruder zog die Augenbrauen hoch und sah mich besorgt und ratlos an. Ich lächelte zuversichtlich. Gut ging es mir jedoch auch nicht damit.

Ich grübelte hin und her, was für ihn und uns das Beste sei.

Ihn abmelden, dann kann sie den Platz noch vergeben. Schwimmen lernen soll ja nicht durch Zwang passieren, sondern auch ein bisschen Spass machen.

Jedoch fühlte es sich nicht gut an. Ihn mit diesem Gefühl zurückzulassen. Das Ziel war ja schwimmen lernen und mit der Abmeldung würden wir uns von dem Ziel entfernen.

Ich fragte die Schwimmlehrerin um Rat. Was war richtig? Sie hatte Erfahrung.

Sie riet mir dringend davon ab und erzählte aus ihrer Erfahrung.

Es würde nicht mehr vorkommen, sie rede mit der Kollegin, die an dem Tag 15 Minuten übernommen hatte, da sie die nächste neue Gruppe in Empfang nahm.

Sie hatte keine Ahnung, was in dieser Zeit im Wasser gemacht wurde.

Sie selber lasse erst nach dem 5. Mal vom Beckenrand springen und kommuniziere immer, dass das für das „Seepferdchen“ nötig sei. Wer das aber nicht will, dem reiche sie die Hände so, dass er nicht ganz untergeht.

Der zweite Tag. Morgens erwähnte ich nebenbei den Schwimmkurs. Geschrei. Ich erzählte ihm, dass ich mit der Schwimmlehrerin telefoniert hatte und er nicht mehr vom Rand springen MUSS.

„Ich hab dir schon mal gesagt, dass ich da nicht mehr hinwill!“ Ich durfte nicht mehr darüber reden sagte er.

Nach meiner Arbeit ging ich zunächst heim, aß etwas und stimmte mich seelisch darauf ein.

Ich holte ihn so vom Kindergarten ab, dass wir noch ausreichend Zeit hatten, aber so, dass wir direkt zum Schwimmkurs fuhren.

„Was machen wir heute?“

Ich erinnerte ihn ganz selbstverständlich an seinen Kurs heute.

Ich versprach, die erste Mama zu sein, die ihn abholt und mich durchboxe, so, dass er mich gleich sieht, wenn er aus der Dusche kommt.

Nichts half. Nichts konnte ihn beruhigen. Er war ausser sich. Jammerte. Weinte. Schrie.

Er schnallte sich immerhin an und redete ab da kein Wort mehr mit mir.

Dort angekommen, wollte er nicht aussteigen. Ich bot ihm an, ihn huckepack zu tragen. Das war ihm peinlich.

Wenn ich die Autotür öffnete, rutschte er schnell lachend auf die andere Seite.

Nach drei Mal wollte ich dieses Spiel nicht mehr mitmachen.

Die anderen Mamas gingen bereits mit ihren Kindern rein und ich sagte, dass ich jetzt vorgehe. Und mir wünsche, dass er gleich nachkommt.

Er kam, was ich nicht erwartet hatte. Er weinte und kämpfte mit sich. Er tat mir so leid. Aber ich konnte das so nicht stehen lassen. Ich hatte mit der Schwimmlehrerin vereinbart, dass ich am Anfang ruhig mit rein dürfe. Das war mein Joker, half aber nicht.

Er wollte nicht in die Umkleide. Die Schwimmlehrerin kam zu ihm, sagte, dass heut nicht getaucht wird und er heute nur bei ihr in der Gruppe sei.

Er wendete sich immer wieder ab von ihr, verschränkte seine Arme bockig.

Ich war angespannt und schnappte ihn dann einfach. Er trat nach mir, weinte, schien verzweifelt.

Er riß am Mundschutz und verrutschte ihn über meine Augen.

Ich versuchte mit letzter Kraft ruhig ein Spiel draus zu machen und sagte, dass ich ihn dann eben blind umziehen und tastete mich an ihm entlang.

„Das Spiel ist blöd! Es reicht jetzt aber!“

Und ich erhob auch verzweifelt meine Simme:

„Und mir reicht es jetzt auch!“

Dann nahm ich ihn in den Arm und sagte:

„Wir schaffen das zusammen!“

Er liess sich umziehen und ging in die Dusche. Es ging ihm nicht gut damit. Wir trafen uns auf der anderen Seite und er saß ganz verloren wartend neben den anderen Kindern.

Ja, ich war die einzige Mama die da saß und mir war es so heiss!

Sobald er einen Fuss im Wassee hatte, strahlte er nur noch, sah immer wieder lächelnd zu mir und winkte fröhlich.

Das war es, was er von mir brauchte. Sicherheit.

Ein bekanntes Gesicht in all dem Fremden und Neuen. Es machte mich glücklich, dass ich das für ihn sein konnte. Nach ca 15 min verabschiedete ich mich bei ihm. Ich sagte ich schmelze gleich wie Olaf und müsse sofort hier raus.

Ich war die erste Mama beim Abholen und er kam mir gleich lachend in den Arm gesprungen.

Die Schwimmlehrerin habe gesagt:

„Schau mal, deine Mama schwitzt wie ein Schwein!“ Dann hätten sie gelacht und der Damm war gebrochen.

Ich war so erleichtert, dass es so ausging. So froh, dass er fröhlich war. So glücklich, dass ich den Kampf auf mich genommen habe und es durchgesetzt habe.

Morgen ist seine letzte Stunde und er freut sich drauf.

Ob er sein Seepferdchen schafft, ist mir nicht wichtig.

Vorgestern durften wir 5 min zuschauen und ich sah, wie mein Sohn ins Tiefe sprang und ganz alleine zum nächsten Beckenrand schwamm. Er war so stolz! Und ich noch stolzer. Ich konnte es nicht fassen.

Wieder mal viel gelernt. Fürs Leben!

Kinder allein zu Hause

Als mein Ex-Mann mir mitteilte, dass er ein paar Wochen ausfällt, weil er weg sei, war mein Dienstplan für August längst fest.

Mein Arbeitswochenende stand ebenso fest. Es ist immer das Wochenende, wenn die Jungs beim Papa sind.

Was also tun?

Beide flehten mich an, dass sie alleine daheim bleiben dürfen.

Sie hatten keinerlei Bedenken und der Grosse (10) erzählte dem Zwerg (6) wie cool es alleine zu Hause sei.

Ich war nicht so überzeugt, jedoch wollte ich es wagen und ihnen gönnen.

Wenn ich einkaufen gehe und sie keine Lust haben mitzugeben, dann sind sie auch alleine daheim und geniessen das sehr.

Das hier war aber eine ganz andere Hausnummer, schließlich verlasse ich kurz nach 6 Uhr morgens das Haus und komme 14.30 Uhr zurück.

Am Freitag Abend backte ich Pfannkuchen, die sie sich mittags dann warm machen sollten.

Viel geschlafen habe ich nicht in der Nacht. Immer die gleichen Horrorszenarien gingen mir durch den Kopf: unser sehr hoher Balkon, Schnittwunden, weil einer auf die Idee kommt Gemüse zu schnippeln und der Wasserkocher.

Am Samstag war der Grosse mit mir zusammen wach, machte es sich schon mal auf der Couch gemütlich und lächelte erwartungsvoll.

Ich gab ihm letzte Instruktionen, verbot alles was mit dem Wasserkocher, dem Balkon und scharfen Messern zu tun hat.

Ich zerriss heimlich meinen Zettel auf den Pfannkuchen, auf dem stand, dass die Alufolie nicht mit in die Mikrowelle darf.  Genau das war Teil seiner Aufzählung, als er alles runterratterte und mir bewies, dass er  echt gross geworden ist.

Also gut, ich schaute mich um, hoffte, dass alles gut geht.

Ich war nervös bei der Arbeit, lenkte mich ab.

Das erste Mal rief ich gegen 9 Uhr daheim an. Ja, kleiner Bruder ist jetzt wach, alles gut.

Später rief er mich an, weil er fragen wollte, ob sie einen Film ab 12 anschauen dürfen.

Halb eins, eine Stunde vor unserer Übergabe, klang er etwas verzweifelt und überfordert:

„Mama, das wird mir jetzt langsam doch ein bisschen zu viel mit dem. Er hört einfach null. Macht sich einfach nen zweiten Kaba und wenn ich was sag, macht er es einfach trotzdem.“

Ich bitte ihn darum, den Hörer weiterzugeben, jedoch will Zwerg nicht reden. Er bockt. Ich versuche zu beruhigen und zu beschwichtigen, bin froh, dass ich bald gehen kann.

Ich spüre, dass es Zeit wird und als die Kollegin vom Spätdienst kommt, nehme ich eine halbe Minusstunde und gehe.

Daheim angekommen, küsse ich erst mal beide und bin erleichtert, dass sie einfach nur auf der Couch sitzen und fernsehen. Ich bitte darum, dass alle Medien ausgemacht werden.

Beide sind noch im Schlafanzug. Ich fordere sie auf sich anzuziehen, Zähne zu putzen, sich zu waschen.

Durchatmen.

Auf dem Boden in der Küche finde ich einen Klecks Nutella, den Zwerg wohl nicht aufwischen wollte und mache das. Ich räume Geschirr in die Spülmaschine und freue mich über den halben Pfannkuchen, den sie nicht geschafft haben. Ich habe Hunger.

Beide sind aufgedreht und voller Energie. Es regnet.  Ich bin müde. Ich will nicht rausgehen, obwohl ich weiss, es wäre nötig. Den Tag bekommen wir rum denke ich und versuche ganz ruhig zu bleiben.

Der Grosse hat so Lust auf Käsekuchen und verspricht, alles gaaaanz allein zu machen. Ja, das tat er. Ich musste nur die Küche aufräumen. Das zweite Mal.

Währenddessen schlug ich vor, dass sie mit Wasserfarben malen können. Ich hasse zwar das Chaos auf dem Tisch und die Sauerei danach, konnte aber einfach mit meinem Kaffee ruhig sitzen und zuschauen.

Danach ein bisschen Karten spielen und alte Fotos rauskramen.

Der Tag war lang, ich war kaputt. Müde, erschöpft.

Ich kochte noch für heute vor: Reis mit Hähnchen. Den Reis wollten beide abends schon essen und somit blieb nur wenig übrig.

Aber satte Kinder schlafen lang und gut dachte ich.

Vorm Einschlafen redete ich noch mit dem Grossen, sagte ihm, dass es egal ist, ob der Zwerg ein oder zwei Kaba trinkt. Dass es nicht seine Schuld ist, wenn er nicht auf ihn hört und Quatsch macht.

Dass ich ja weiss, wie stur er sein kann und wie verantwortungsbewusst er im Gegensatz dazu ist. Er soll es ihm durchgehen lassen und wenn ich mittags da bin, kläre ich es mit ihm.

Als ich heute das Haus verließ, schliefen beide noch.

Erst gegen 11 Uhr rief ich an. Heute sei alles viel besser. Ich war erleichtert und beruhigte ihn damit, dass der Zwerg das ja auch erst lernen muss. Es war Premiere und er hatte ja keine Ahnung, wie das so läuft, wenn man so lang alleine ist.

Dann kam wieder ein Anruf.

„Mama, ich ruf jetzt X an. Nicht, dass du dir Sorgen machst, falls du anrufst und ich geh nicht ran!“

Ich liebe ihn und dass er so gut mitdenkt. Er ist so eine grosse Hilfe. Ein toller Bruder und noch tollerer Sohn.

Kurz vor Feierabend dann der letzte Anruf. Der Zwerg hat den ganzen Kaba verschüttet und er glaubt, dass wir den Küchenteppich wegschmeißen müssen. Sie hätten mit 5 verschiedenen Putzmitteln geschrubbt und es werde immer schlimmer statt besser. Ich beruhigte.

Ich gab Gas, wollte nur noch heim.

Wir waren zum Schwimmen verabredet mit Freunden und wir freuten uns sehr.

Als ich zur Tür reinkam und beide erleichtert drückte, sagte der Grosse:

„Geh lieber nicht in die Küche!“

Er war überrascht, dass ich sagte, es sei mir heute egal. Sie sollen sich fertigmachen zum Schwimmen, denn ich wollte mich so richtig mit ihnen austoben.

Der Fleck, ja, er ist gross. Und ganz schön braun.

Ich sah aber die vielen, vielen Tücher im Müll und ahnte, wie bemüht sie waren, ihn zu beseitigen.

Der Käsekuchen war verputzt. Nur Krümel wiesen darauf hin, dass es ihn jemals gab.

Ich schaue in die Schüsseln und sehe, dass Reis und Hähnchen unberührt sind.

„Habt ihr keinen Reis gegessen?“

„Was für Reis?“

Warum stand ich eigentlich abends noch müde in der Küche und habe vorgekocht? Heute war mir alles egal.

Beide waren gesund, ohne Verletzungen, kein Kampf, keine Tränen.

Die Anspannung ließ nur langsam nach. Es war kein tolles Gefühl. Und ein absoluter Notfall.

Wieder ein höheres Level im Spiel des Lebens.

Wieder ein weiterer Schritt in Richtung Selbstständigkeit.

Ich bin unheimlich stolz und sehr erleichtert, dass es im äußersten Notfall möglich wäre und zu wissen, dass das worst case ein Kabafleck im Teppich ist.