
Fünf Weihnachten liegen seit der Trennung hinter mir und ganz schön viele Erfahrungsschätze.
Das 1. Fest war katastrophal und sehr tränenreich. Frisch getrennt, das erste in der neuen Wohnung, ohne Geld und ohne Job. Jedes der Geschenke damals konnte ich mir gar nicht leisten.
Der Tannenbaum von Amazon kostete 25 Euro und auch der war eigentlich nicht drin.
Der Papa holte meine Jungs, damals 5 und 1 Jahr alt, am 25.12 ab und ließ mein gebrochenes Herz zurück.
Ich fühlte mich klein und auch erbärmlich. Ich war leer und nur ein Häufchen Elend. Ich dachte, ich hätte nichts zu geben und fühlte mich unzulänglich.
Die weiteren Weihnachten hatte ich mehrfach Zirkuskarten für Heiligabend, der Papa und ich trafen uns dann dort.
Das war das Maximum an Familie, was wir unseren Kindern für wenige Stunden schenken konnten. Danach ging man wieder getrennte Wege.
Ich überlegte mir neue Traditionen und was mir wichtig war. Was wollte ich meinen Kindern hinterlassen? An was sollten sie denken, wenn sie Erwachsen sind und zurückdenken?
Das schwerste Unterfangen war immer:
Wie kommen die Geschenke unter den Baum?
Beide Kinder glaubten noch an das „Weihnachtswunder“ und ich tat alles dafür, es für sie zu erhalten.
Zwei Jahre in Folge hatte ich mit einem Nachbarn abgesprochen, dass er den befüllten, vorbereiteten Jutesack vom Dachboden vor unserer Tür abstellt, während wir drei ausser Haus waren.
Im 2. Jahr hatte der „Nikolaus“ die Karten für diesen kleinen Dorfzirkus in den Stiefel gesteckt. Nur ein paar Hunde und jede Menge menschliche Kunststückchen der Artisten, ein Clown.
Als wir eintrafen, sagte man uns, dass die Vorstellung nur bei 20 Teilnehmern stattfinden könne. Es waren gerade mal 9 da, drei davon waren wir. Die Vorstellung fiel tatsächlich aus und auch die traurigen Kindergesichter änderten daran nichts.
Es war mehr als frustrierend, ich hatte Sorge, ob der Nachbar schnell gehandelt hat, denn eigentlich sollten wir gute zwei Stunden ausser Haus sein. Die Kinder waren dort nicht mehr zu halten, gingen auf nichts ein, was ich ihnen anbot. Den Nikolaus fanden sie auch noch doof uns so ein Geschenk zu machen, das er gar nicht halten kann.
Ich kochte, was die Kinder sich wünschten. Nachdem wir auf jeden Fall draussen waren, konnte ich ja nicht zeitgleich Essen vorbereiten. Meistens waren die Kinder von der frischen Luft hungrig und es musste schnell gehen.
Mal gab es Frikadellen und Kartoffelbrei, mal Rotkohl mit Hähnchen und Knödeln, mal nur Fischstäbchen auf Wunsch, weil es eben das Lieblingsessen war in dem Jahr.
Seit zwei Jahren gibt es Raclette. Das kann man wunderbar vorbereiten und es ist doch nicht Alltäglich.
Einmal planten der Papa der Kinder und ich ins Disneyland zu fahren über die Feiertage. Bevor wir buchten, krachte es ordentlich und ich machte einen Rückzieher. Ich kam mir blöd vor, überhaupt daran gedacht zu haben. Ich bin sicher, dass die Idee nur aufkam, weil ich es mir alleine nicht zutraute.
Ein anderes Mal planten wir Heiligabend zusammen zu verbringen, wegen der Kinder. Jedoch gab es auch damals wieder Streit und ich nahm mein Angebot zurück.
Ich schätze, ich wollte nicht alleine sein. Keine Ahnung.
Auf dieses Weihnachten freue ich mich so richtig! So sehr wie noch nie!
Ich bin mir sowas von genug, fühle mich absolut nicht alleine und mache mir keinen Druck, der mich nur enttäuschen kann.
Ich habe die Kinder gefragt, wie sie sich das perfekte Fest vorstellen und ich habe Ideen gesammelt.
Ich habe alle Erwartungen an mich runtergeschraubt. Kein „ich muss“.
Wir verbringen Weihnachten alleine und es wird eine ganz besondere Zeit.
Von heute an sind es noch 11 Tage, die besten Plätzchen haben wir schon verputzt.
Die Fensterbilder habe ich auf die nicht geputzten Fenster geklebt, da ich zum Fensterputzen weder Zeit, noch Geduld hatte.
Meinen Kindern sind die Sterne am Fenster wichtig, weil wir die große Fensterfront immer schön schmücken.
Daran werden sie sich erinnern, nicht aber, ob die Fenster Fingerabdrücke hatten.
Wir haben immer noch den Amazontannenbaum für 25 Euro von damals. Wir alle lieben ihn und es kommt nicht auf den Preis an.
Wichtiger ist es, dass die Kinder ihn schmücken, wir laut Weihnachtslieder dabei hören. All die selbergemachten Dekosachen aus dem Kindergarten und der Schule werden als Andenken und Anerkennung an den Baum gehängt.
Und so wie sie es machen, so darf es bleiben. Ich korrigiere es nicht, auch wenn es etwas einseitig behangen ist.
Es ist gut, wie es ist. Und ich bin gut wie ich bin. Und genug. Das habe ich kapiert.
Ich bin die Mama, ich habe die Macht es zu etwas Bezauberndem zu machen. Nicht durch Materielles, sondern durch einen ganz besonderen Zauber. Und mit Liebe. Ich nehme mir Zeit. Mehr ist nicht nötig.
Dieses Jahr bleiben wir bis mittags im Schlafanzug. Wir lassen es langsam angehen. Keine Hektik, kein Stress.
Ich habe knapp 600 Fotos von allein diesem Jahr nachgemacht. Die schauen wir uns an und lassen Revue passieren.
Hätte ich die Bilder nicht angeschaut und mich erinnert, hätte ich gesagt, dass 2021 ein maximal mittelmäßiges Jahr war.
Allerdings stellte ich mithilfe der Fotos fest: es war ein tolles Jahr. Auf jeden Fall nicht schlechter als alle anderen. Es ist viel passiert, mal wieder.
Vieles hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm und längst vergessen.
Wir werden Bleigießen machen. Die Kinder sind seit Jahren an Silvester bei Papa, weil ich da arbeite.
Vom Bleigießen schwärmen sie und wer sagt, dass man das nur an Silvester machen kann?
Wir werden das ganze Wohnzimmer in eine Höhle verwandeln und dafür werden wir alle Decken verwenden, die im Haus sind.
Sie lieben Höhlen bauen und diesmal habe ich sogar das passende Geschenk dazu. Deshalb wird es super.
Wir werden uns mit Taschenlampen und Stirnlampen dort verkriechen und Bücher lesen.
Und wir räumen es nicht auf, zumindest nicht an dem Tag. Es darf so bleiben und es wird mich nicht ärgern.
Wir werden natürlich rausgehen, ich weiss auch schon wohin.
Ich werde nochmal zurück müssen, weil ich etwas vergessen habe, oder vorgebe vergessen zu haben.
Der grosse Bruder wird den Kleinen ablenken, denn er ist mein Komplize. Er hat das Erwachsenengeheimnis durchschaut.
Auch in seiner größten Wut hat er es nie verraten. Wir gönnen es dem Zwerg, solange es geht. Lange wird es nicht mehr dauern.
Wir machen Raclette, spielen mit den Geschenken, ziehen die Couch aus und schauen Filme. Sicher wieder „Kevin allein zu Haus“ und sicher wieder auch „Der Grinch“.
„Der Polarexpress“, ein Muss in der Weihnachtszeit, haben wir schon vor Wochen gesehen. Er ist mein Filmhiglight.
Wir werden alle drei auf der Couch schlafen, vielleicht sogar mit laufendem Fernseher, einfach jeder, wann er müde ist.
Wir kuscheln uns aneinander und dieses warme Gefühl wird sich einstellen:
„Ahhhh, Weihnachten!“





















