Quarantäne mit Kindern als Alleinerziehende

Hätte man mich in den letzten 2 Jahren nach meinen schlimmsten Horrorszenarien gefragt, Quarantäne wäre in meiner Aufzählung mit dabei gewesen.

Jetzt haben wir es hinter uns. Mein grosser  Sohn hat es mit nach Hause gebracht und mein Alptraum wurde somit Wirklichkeit.

Ich war 8 Tage mit meinen 2 fitten Kindern in Quarantäne und hätte es keinen weiteren Tag ausgehalten.

Nach all dem Homeschooling, der Ausgabgsbeschränkung, den gesperrten Spielplätzen und all dem, war das jetzt der größte Kraftakt.

Am 1. Tag hatte ich Fieber. Mein Sohn brachte mir meine 2 Liter Flasche voll gefüllt und ermahnte mich zum Trinken.

Schon Wochen vorher gab es klare Absprachen, was zu tun ist, sollte Corona uns auch aufsuchen und es mir schlecht gehen.

Dass ich jeden Tag meine riesen Flasche einmal leeren muss, daran schien er sich zu erinnern.

Mir wurden die Zinktabletten ans Bett gebracht, Wasser für die Wärmflasche gekocht, meine Temperatur wurde mit dem Stirnthermometer regelmäßig gemessen und beide verhielten sich ganz leise und unauffällig.

Was genau sie gegessen haben weiss ich nicht, nur, dass ich nicht in der Lage war, etwas zu kochen. Ich schätze sie haben sich Toastbrot mit Nutella gemacht und haufenweise Süßigkeiten gegessen.

Der Zwerg kam oft zum Kuscheln, schaute besorgt und sagte:

„Mama, ich will nicht, dass du stirbst!“

Am 2. Tag war das Fieber weg und egal wie mies ich mich fühlte, ich musste ja zum PCR- Test zum Arzt fahren.

Meine Kinder sind zum Glück groß genug, um alleine zu bleiben. Sonst hätte ich sie auch noch mitnehmen müssen.

Ich hab keine Ahnung, wie ich dort angekommen bin, es war ein bisschen in Trance. Ich war 20 Minuten vor dem Termin dort, warum auch immer. Ich bin im Sitzen eingeschlafen.

Meine Kinder stellten also fest, dass es mir wohl besser geht und ich es wohl auch überlebe, also wurde nicht mehr so viel Rücksicht genommen.

Die Schlacht zum Thema Medien begann und endete erst am letzten Tag.

Ich war zu schwach zum Diskutieren und das haben sie voll ausgenutzt. 

Alles wurde liegen gelassen, Teller und Messer nicht weggeräumt, leere Verpackungen blieben auf dem Tisch liegen.

Da ich kaum eine Stimme hatte, konnte ich diese auch nicht erheben und ich wurde nicht so ernst genommen.

Wenn ich eine Ansprache dazu hielt, wurden auch mal genervt die Augen verdreht und wenn ich darum bat die Spülmaschine auszuräumen, stritten sie sich darüber, wer jetzt eine Tasse mehr weggeräumt hat und beide knallten in ihrem Zimmer die Tür hinter sich zu.

Das Papa-Wochenende fiel natürlich aus und ich konnte nicht durchatmen. Ich spürte: Das wird anstrengend!

In meiner Phantasie sah ich meine Kinder stundenlang fröhlich basteln und war ganz fasziniert davon, auf was für kreative Ideen sie kamen, um sich zu beschäftigen.

Meine Phantasie hatte rein gar nichts mit der Realität zu tun!

Bei unserer 1. Familienkonferenz machte ich den Vorschlag, dass jeder sich 1h am Tag ins Zimmer zurückzieht und sich was für sich überlegt. Nach dem Stunde treffen wir uns wieder und jeder muss den anderen zeigen, was er gemacht hat: jonglieren, einen Zaubertrick, was Gebautes aus Lego usw.

„Nö! Kein Bock!“

Sie wollten nicht kreativ sein, ihren Kopf nicht anstrengen.

Sie wollten nur 2 Dinge: Essen und Medien!

Ich ermahnte sie, dass wir uns das Essen einteilen müssen, da wir nicht einkaufen gehen können. Wenn die Süßigkeiten leer sind, sind sie leer. Und ist die Milch leer, gibt es keinen Kaba mehr.

Das sahen sie ein.

Sie waren zufrieden mit der Quarantäne, glaubten nicht, dass sie jemals damit hadern würden.

Wenn es mir sonst zu wild, zu laut, zu chaotisch wird, zwinge ich sie raus in den Garten. Meist wollen sie genau das nicht, versprechen mir dann hoch und heilig, dass sie damit aufhören und tun es genau nach einer Minute wieder. Darauf falle ich schon lange nicht mehr rein und bin rigoros.

Der Große lachte und sagte, das sei das beste an der Quarantäne.

„Du kannst uns nicht mehr rausschmeißen! Wir dürfen nämlich gar nicht raus!“ Sie triumphierten.

Ich kam mir mit jedem weiteren Tag vor wie Aschenputtel: waschen, putzen, essen kochen. Nur auf den Ball durfte ich nicht.

Ich war traurig, überfordert, furchtbar genervt und sauer über unsere Situation.

Und soooooo gelangweilt! Kein Erwachsener weit und breit! Nur die Kinder und ich, Tag und Nacht, über mehrere Tage!

Der Zwerg genoss das Spielen mit seinen Superhelden und Legos. Er baute sich Landschaften im Wohnzimmer auf und schlüpfte in verschiedene Rollen. Er schien es zu genießen, dass er dafür Zeit hat und nicht rausgerissen wird, weil er in die Schule muss, oder zu einem Termin.

Auf Hausaufgaben hatte er keine Lust, so gar nicht. Ich konnte ihn verstehen. Der Bruder malte für ihn „extra hässlich“ an, ich schrieb die Zahl hin, aber er musste dafür rechnen. Ach, was haben wir uns nicht alles einfallen lassen, um diese Blätterflut in den Griff zu bekommen!

Es waren nicht nur die Hausaufgabenblätter, sondern auch die Blätter, die im Unterricht bearbeitet wurden. Mittags lag alles im Briefkasten, seine Motivation war allerdings im Keller.

Wir haben einige Blätter nicht geschafft und ignoriert. Er hat mir viel vorgelesen und wir haben viel gerechnet. Nur auf Schreiben hatte er keine Lust, legte den Stift hin und sagte: „Ich geh jetzt wieder spielen!“

Der Große machte seine Hausaufgaben ganz ohne Aufforderung mit dem auch an Corona erkrankten Klassenkameraden per Videotelefonie. Das klappte erstaunlich gut und da war ich positiv überrascht.

Jedoch ist er derjenige, der frische Luft am Nötigsten gebraucht hätte. Er wurde richtig albern und brachte mich dazu innerlich die Augen zu verdrehen.

Einmal haben wir beide den Ohrwurm vom Hochzeitstanz gehabt, warum auch immer. Wir sind durch die ganze Wohnung getanzt, während wir beide diese Melodie gebrummt haben und sind lachend auf dem Bett liegen geblieben.

So fühlt es sich wohl an, wenn man allmählich den Verstand verliert, dachte ich.

2 Tage vor Ablauf der Quarantäne schien draußen die Sonne so verlockend. Ich beschloß, dass wir es wagen und ganz weit hoch in die Weinberge zu gehen. Dort, wo keiner ist.

Nur einmal tief durchatmen, ein bisschen laufen und dann wieder schnell heim.

Der Zwerg hatte schon seine Schuhe an und bestand aber darauf, dass wir nur in den Garten gehen. Genau das wollte ich nicht, denn es ist ja nicht allein unser Garten. Ich ließ mich breitschlagen. Hauptsache frische Luft und ein paar Sonnenstrahlen.

Er hüpfte fröhlich und ausgelassen im Trampolin und mein Herz lachte.

Der Große wollte nicht mit. Er wollte nicht „erwischt“ werden, denn wir durften offiziell doch gar nicht raus. In diesem Fall waren ihm dann Regeln plötzlich doch wichtig.

Am nächsten und letzten Tag unserer Quarantäne wurde er mutiger und ging etwas vorsichtig mit raus. Auf dem Weg zum Trampolin sagte er:

„Du hast Recht, die frische Luft tut echt richtig gut!“

Ich habe mich freigetestet und hätte es keinen weiteren Tag ausgehalten, ohne furchtbar unglücklich zu sein.

Ich wollte auch nicht die Küche putzen, die Fenster nicht und auch sonst nichts. Ich wollte raus! Ich wollte mich bewegen! Ich wollte die Sonne spüren!

Und vor allem wollte ich eins:

Erwachsenengespräche!

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