
Gestern hatte ich ein interessantes Telefonat mit der Beistandschaft.
Ich kenne die Dame seit Jahren, unsere Beziehung ist ein Auf und Ab.
Ich hatte bereits in der Vergangenheit lautstarke Diskussionen mit ihr auf den Fluren des Jugendamtes. Damals zahlte mein Ex- Mann von heut auf morgen keinen Unterhalt und ich stellte es nur zufällig fest, als ich ganz nebenbei meinen Kontostand checkte.
Natürlich musste ich dann Unterhaltsvorschuss beantragen und sie sagte mir, dass es aufgrund von Urlauben zu Verzögerungen kommen werde.
Ich fragte, wie ich 2 Monate klar kommen solle mit hunderten von Euro weniger und wie ich das meinem Vermieter erklären soll. „Ja, haben Sie keine Reserven“, fragte sie damals mit einer Selbstverständlichkeit, dass ich kaum ruhig bleiben konnte.
Zum Glück hatte ich damals tatsächlich Reserven aufgrund unseres Hausverkaufes. Was wäre aber wenn nicht? Und sind meine Reserven dafür da, seine fehlende Einsicht finanziell zu kompensieren? Ich war ausser mir!
„Bis jetzt war er ja recht zuverlässig und zeigt guten Willen, wir müssen behutsam rangehen, sonst macht er ganz dicht!“
Aha! Verständnis für ihn aufbringen- beim besten Willen schaffte ich das nicht so wie sie.
Gestern fing das Telefonat ganz harmlos an. Ich hatte vor Monaten eine Neuberechnung der Unterhaltssummen beantragt und es läuft schleppend, da Unterlagen nicht eingereicht werden. Aber ok, kenne ich nicht anders.
Wir unterhielten uns über die neue Düsseldorfer Tabelle für ’23 und sie erzählte mitleidig, dass kein Tag vergehe, an dem nicht ein verzweifelter Vater sich melde.
„Die wollen sich jetzt reihenweise umbringen, weil sie nicht wissen, wie sie das zahlen sollen“.
Mir gingen die Zahlen von Unterhaltsprellern durch den Kopf und wieviele Mütter deswegen jeden Tag um ihre Existenz kämpfen.
Ich erinnerte sie an dem neuen Selbstbehalt von 1370 Euro. Ganze 210 Euro mehr als zuvor.
„Das ist ja viel zu wenig!“
Ach, echt? Wer achtet bei den Müttern darauf, dass ein Selbstbehalt von 1370 Euro bleibt? Viele haben so viel nämlich nicht übrig. Und müssen von dem auch die Kinder durchbringen.
Der Selbstbehalt steigt ab ’23 sogar auf 1650 Euro, sollte die Wohnung teurer als 520 warm kosten. Wow!
„Was bringt das den Vätern, wenn die über 800 Euro Miete zahlen müssen? Das ist ein Witz!“
Ich versuchte es vorsichtig und inzwischen wirklich eingeschüchtert :

„Najaaaa, vielleicht kann man dann eben nicht alleine in einer 3 Zimmer- Wohnung leben und muss in eine 1 oder 2 Zimmerwohnung ziehen?!“
( So wie in unserem Fall! Er: 3 Zimmer für sich alleine. Ich: 3 Zimmer für mich und die 2 Kinder. Ich ohne Schlafzimmer)
Sie fand, dass man das nicht erwarten könne. Wenn die Kinder zu den Umgängen kämen, müssten die ja auch irgendwo schlafen und bräuchten ein Zimmer.
Oder, wenn der Papa im homeoffice arbeite, dann brauche er ja auch ein Büro. Wenn einer in einer 4 Zimmer Wohnung leben würde, dann sage sie auch:
„Muss das denn sein? Vielleicht tut es auch eine kleinere Wohnung!“
Ich dachte an die Alleinerziehenden in meiner Gruppe. Teilweise mit homeoffice. Das Büro ist dann gleichzeitig auch das Wohnzimmer. Danach kräht kein Hahn!
Ich kenne Alleinerziehende, die mit 2 Kindern in einer Zwei-Zimmer- Wohnung leben. Sie selber schlafen im Wohnzimmer, die Kinder teilen sich das andere Zimmer. Da kommt keiner auf sie zu und sagt:
„Das geht doch so nicht. Bitte! Sie brauchen echt mehr Platz!“
Ich legte auf und war irritiert. Nachdenklich. Fühlte mich klein. Undankbar. Geldgeil. Materiell. Als Schmarotzer. Falsch.
Ich fühlte mich wie damals in und nach einer toxischen Beziehung.

































