
Seit heute sind wir nach drei Wochen Mutter- Kund- Kur zurück.
Ich war beim Abschied etwas emotional, da es aufgrund dem Alter der Kinder unsere letzte Kur gewesen sein wird.
Insgesamt war es unsere Dritte und ich bin so stolz auf mich, dass ich es alle 4 Jahre in Anspruch genommen habe.
Die Erste als Nervenbündel und am Boden zerstört. Frisch getrennt und alleinerziehend mit zwei Kleinkindern. Ich wollte einfach weg und brauchte Abstand.
Ich hab dort geweint und hatte eine tolle Psychologin, die mich gut aufgefangen hat.
Dort hörte ich zum ersten Mal von der Beistandschaft, nachdem ich feststellte, dass mein Konto aufgrund fehlenden Unterhaltes im Minus war.
Die Zweite am gleichen Ort vier Jahre später, war so wichtig für mich.
Ich erinnerte mich, wie schlecht es mir damals ging und wie weit ich gekommen war.
Ich hatte eine Wohnung, ein Auto, einen Job, meine Kinder bei mir und alles zum Thema Kindesunterhalt lief inzwischen.

Ich weiss, dass ich mich gut fühlte, viel Sport gemacht hab und fast euphorisch war.
Damals erzählte ich der Psychologin dort, was ich alles unternehmen möchte und sehen. Sie zog die Augenbrauen hoch und ermahnte mich, nicht zu viel zu machen, ich sei zur Erholung da.
Ich fuhr damals mit dem Gefühl hin, dass ich eine furchtbare Mama sei, die letzten Jahre nagten an mir.
Dort stellte ich fest, dass ich mich gut um meine Jungs gekümmert habe, auch an meinen schlechtesten Tagen, als es nur Spaghetti mit Pesto gab.
Ich hatte MICH wiedergefunden. Neu entdeckt. Die Frau, nicht nur die Mutter.
Ich hatte an mir gearbeitet und stellte erste Erfolge fest.
Jetzt, bei der Dritten, war ich bereit für einen neuen Ort.
Aber auch diesmal ging es wieder in den Schwarzwald. Mit zwei richtig großen Jungs im Alter von 13 und 9 Jahren.
Beide hatten gar keine Lust auf die Kur und die dortige Betreuung.
Der Große sagte eines Tages im Auto zu mir:
„Mann Mama, wir brauchen das doch gar nicht, du hast doch alles voll gut im Griff und kriegst alles gut hin!“
Ich lachte müde, war erleichtert über seine Ansicht, wohlwissend, dass DER Teil auch stimmt. Jedoch verlangt es mir einiges ab und es ist auf meine Kosten. Ich war so müde und energielos- ich spürte es war mehr als nötig.
Die Arbeit als Krankenschwester, so sehr ich sie auch liebe!
Zwei Schulkinder und die Organisation drum herum, ich bin absolut in der Verantwortung.
Ein Kind mit Neurodiversität und der Kampf rund um den Nachteilsausgleich, Gespräche mit der Klassenlehrerin und die Info darüber, wo ich welche Hilfe bekomme, was ihm zusteht.
Ein Motorschaden und ein kleiner Geschmack drauf, wie unser Leben auf dem Land ohne Auto sein wird. Puh!
Auch diesmal war die Kur mehr als nötig.

Ich genoss es so sehr wie noch nie, mich an den gemachten Tisch zu setzten und einfach alles stehen lassen zu können.
Kein Einkauf, kein Kochen, kein schmutziges Geschirr.
Den Kindern hab ich klipp und klar gesagt, dass sie selbstverständlich dort in die Betreuung gehen werden, weil es hier um MICH geht, nur um mich.
Ich müsse wieder Energie für unseren Alltag tanken, damit ich alle Aufgaben weiterhin schaffe.
Schon länger spürte ich mein Herzrasen- vor allem in Ruhe. Eine Weile hatte ich das Gefühl, es ist mein Ende.
Alles wurde abgeklärt und mein Herz ist absolut ok. Es ist der Stress. Die Psyche. Die wahnsinnige Belastung über lange Zeit.
Mein Nacken/ Schulterbereich war total verspannt und meine rechte Schulter schmerzte seit vielen Tagen. Es zog vom Nacken bis ins Schulterblatt und ich fühlte mich dadurch sehr eingeschränkt.
Dort nahm ich an fast allen angebotenen Aktivitäten teil, weil ich genau spürte, was mein Körper brauchte:
Wirbelsäulengymnastik, Beckenbodengymnastik, Wassergymnastik, Bewegungstherapie und Walking.
Ich hörte mir alles an zum Thema Stressbewältigung, Selbstfürsorge, Achtsamkeit und stellte fest, dass ich das bereits verinnerlicht habe.
Ich kann sehr gut für mich selber sorgen.
Nur manchmal kommt die Welle und bricht über mir, so dass das nicht mehr reicht.
Dort waren diesmal so viele Alleinerziehende, ganz am Anfang wie ich damals. Sie fragten sich noch, was SIE falsch gemacht haben, dass er so ist und ich dachte:
„Vor dir liegt noch ein weiter Weg!“
Andere haderten damit, dass sie jahrelang sein Verhalten nie hinterfragt hatten und sich heftige Vorwürfe für ihre Naivität und Blindheit machten.
Ich war eine von ihnen. Nur Jahre weiter. Ich habe die Gewissheit, dass ich vieles richtig gemacht habe und wir ein tolles Team sind, meine Jungs und ich.
Wichtig dafür ist allerdings, dass es MIR gut geht. Ich kann nur geben, wenn ich genug habe. Mein Tank ist voll. Ich habe neue Ziele und freue mich auf alles was kommt.

Ich bin stolz auf mich und meine Selbstfürsorge. Darauf, dass ich mich oft zur Priorität mache, ohne mich egoistisch zu fühlen.
Ich höre auf mein Bauchgefühl und habe klare Grenzen.
Gepaart mit purer Lebensfreude und bedingungsloser Liebe bin ich unaufhaltsam.
