Heute Morgen bin ich nach über neun Stunden gutem, erholsamen Schlaf aufgewacht.
Ich setzte mich mit meinem Kaffee auf den Balkon und schaute mir die Natur um mich herum an.
Zum ersten Mal seit Wochen war ein vermisster Gedanke wieder da und er war sowas von echt:
ICH BIN GLÜCKLICH!

Das ist nicht selbstverständlich, denn noch letzte Woche legte ich meinen Kopf tottraurig auf den Arbeitstisch und sagte zu meinem Kollegen:
„Mein Leben ist ein Scherbenhaufen“.
Von jetzt auf Nachher war nichts mehr so wie es war.
Motorschaden. Kein Auto mehr. Komplette Überforderung.
Auto abmelden- mit dem Bus.
Auto ausräumen fahren- mit dem Bus. Termine- alles mit dem Bus.
Ich konnte gleich das Gute im Schlechten sehen: Sohn 1 fährt eh mit dem Bus zur Schule. Er hat eh Sportverbot wegen dem Knie und kann nicht ins Fussballtraining.
Sohn 2 muss jetzt zur Schule laufen. Und auch wieder den steilen Berg zurück. Egal wie schwer der Ranzen ist, egal wie sehr die Beine vom Fußballspielen schmerzen.
Er wechselt die Jugend und hat jetzt seit wenigen Wochen bei uns im Ort sein Fussballtraining. Alles gut.
Ich habe mir für den Juli eine Deutschland- Card besorgt und mit der netten Dame sofort die Kündigung zum 1.8 eingereicht, weil ganz klar ist, dass ich dann wieder ein Auto haben werde.
Ich muss 2 Wochen am Stück arbeiten ( ausser das Wochenende), da meine Kollegin im Urlaub ist. Mit meinen 50 % arbeite ich nie von Montag bis Freitag durch. Allein das ist ungewohnt und ein riesen Berg an sich.
Jetzt aber müssen wir früher aufstehen, uns früher richten, früher aus dem Haus und ich komme erst viel später als sonst nach Hause.
Beide Kinder müssen sich jetzt viel mehr merken, bekommen mehr Infos zum Ablauf des Tages und haben mehr Verantwortung.
Die erste Woche ist geschafft. Ich war so traurig um die ganze Zeit, die ich an Haltestellen und im Bus verbringe und die mir daheim fehlt.
Ich war fix und fertig, es war so viel anstrengender als sonst.
Das alles ist nur möglich, weil ich mich auf diese begrenzte Zeit eingestellt habe. Weil die Absprachen klar sind und meine Kinder groß.
Es geht nur, weil es kurz vor den Sommerferien ist, alle Noten feststehen und nicht mehr für Arbeiten gelernt werden muss.
Meine Freundin fuhr mit mir zum Einkaufen und ich habe den Kühlschrank bis oben hin gefüllt.
Wie bitte gehen Menschen ohne Auto Tiefkühlkost kaufen?
Die ersten Tage liefen nicht so gut. Sohn 2 musste ich den Wc- Gang verbieten, um meinen Bus zur Arbeit rechtzeitig zu schaffen:
“ Es geht jetzt einfach nicht, du musst in der Betreuung gehen, tut mir leid!“
2 Tage lang war die Stimmung morgens mies und er war sauer auf mich beim Abschied. Dann hatten wir eine Familienkonferenz, weil mich dieses Gefühl den ganzen Tag begleitete.
Wir gingen alle Möglichkeiten durch, um es uns allen für diese begrenzte Zeit so angenehm wie möglich zu machen. Unter anderem schlug ich vor, die Kleider für den nachsten Tag bereits am Abend anzuziehen.
Jedes Mittel war mir recht, aber bitte, bitte, es muss Harmonie her!
Wir fanden Lösungen für uns und gewöhnten uns an unseren neuen Ablauf.
Im Bus waren immer die gleichen zwei Männer, die sich auf dem Arbeitsweg ihr Leid klagten, sich gegenseitig bemitleideten und den Feierabend morgens schon herbeisehnten.

Ich war so dankbar, denn trotz der Umstände gehe ich jeden Tag so gerne zur Arbeit und freue mich sehr auf mein tolles Team. Dort treffe ich auf gute Gesprächspartner, viel Lachen und noch mehr Verständnis.
Ab Donnerstag rutschte der junge Mann, neben dem immer noch ein Sitzplatz frei ist, für mich zur Seite und lächelte mich an.
Mein Sohn machte seine Hausaufgaben alleine zu Hause, ohne Aufforderung und Hilfe.
Wie ausgemacht, rief er mich jeden Mittag vom Festnetz aus an, um mir zu sagen, dass er jetzt daheim sei und mich lieb hat.
Es lief!
Dieses Wochenende war Balsam für die Seele. Ich hab mich so sehr auf Zeit mit meinen Jungs gefreut.
Wir haben tolle Dinge unternommen- mit dem Bus. Sohn 2 liebt das Busfahren und Stop drücken. Er hatte jahrelang nicht die Gelegenheit dazu. Er findet es besser als Autofahren.
Heute stand in seinem Glückskeks:

Ich hab den Spruch so gefühlt. Es wird eine wertvolle Erinnerung für ihn und landet definitiv in der Kategorie:
“ Weisst du noch damals, als unser Auto Schrott war…“
Die zweite Arbeitswoche wird ein Klacks. Keine Hausaufgaben mehr, weniger Verantwortung. Ich bin ganz ruhig im Inneren und voller Vorfreude.
Gestern habe ich unsere Zugfahrkarten zur Mutter- Kind- Kur gekauft. Und auf einmal kribbelte es, die Vorfreude kommt.
Wir fahren mit zwei verschiedenen ICE’s und haben Sitzplätze im Handy/ Großraumbereich. Zug gefahren sind wir drei schon öfter- jedoch tatsächlich noch nie mit dem ICE. Wie sehr ich mich freue!
Ja, ich spüre unendliches Glück und freue mich über ein paar neue Erfahrungen, die zu schönen Erinnerungen werden.