
Letztens las ich einen Beitrag einer Mama, die unsicher war, ob sie 50% im neuen Job schaffen würde, denn sie hatte sich auf 40% beworben.
Mir sprangen die Kommentare sofort ins Gesicht, von wegen 50% sei ja nichts. Eine schrieb, sie arbeite 75% und alles sei easy. Die andere arbeitete 100% bei 3 Kindern und fand es gut machbar, es komme nur drauf an, wie man sich strukturiert.
80% mit 2 Kindern, alles gar kein Problem.
„50% ist ja nichts, denk an deine Rente später!“
„50% sind ja gerade mal 20 Stunden die Woche, also 4 pro Tag. Das lässt sich doch super mit den Betreuungszeiten abdecken.“
Ich hatte gerade nen Höllenmonat hinter mir, war gerade mal 2 Wochen im neuen Job. Alles war aufregend, wir mussten uns alle neu drauf einstellen, denn ich arbeite jetzt geregelt. Nur noch von Mo- Do. 50%.
Und ich kämpfte sowas von. Alles andere als easy. Fühlt sich so gar nicht leicht und geschmeidig an. Und ich empfinde mich als seeeehr strukturiert.
Da brauchte es liebe Worte von der lieben Freundin, die alles wieder zurechtrückte.
Neuer Job, keine Umgangswochenenden, keine Entlastung durch Familie. Kein homeoffice. Kein Bürojob, sondern was soziales. Mit viel Gerenne und Verantwortung. Und nein, nicht 4 Stunden am Tag. Sondern 7 plus 40 Minuten Fahrzeit pro Tag.
50% können so, so, so unterschiedlich sein.
Trigger!
Weil alte Glaubenssätze hochkommen.
Wieder dieses: „Du bist nicht gut genug“.

Je nachdem, wie du die Welt gerade siehst, dich fühlst und was in deinem Leben gerade so los ist.
Letztens sagte mir meine Freundin, dass sie sich manchmal von mir getriggert fühlt, wenn sie sieht, was ich mit meinen Jungs alles unternehme und wieviel Zeit ich mit ihnen verbringe.
Das war für mich irgendwie unfassbar und ich musste lange darüber nachdenken. Sie ist für mich ein Supermensch. Was sie alles gleichzeitig hinbekommt, ich würde das nicht schaffen glaube ich.
Wenn sie mir erzählt, dass sie so gerne mit ihren Kindern eine wilde Nerf- Schlacht veranstaltet, halte ich kurz die Luft an.
Wow! Das würden meine Kinder feiern. Ich stelle es mir so lustig vor. Laut und mit viel Lachen, danach erschöpft auf die Couch plumpen lassen.
Ich hab das noch nie gemacht und habe auch keinerlei Lust drauf.
Wir beide können tolle Mamas sein, keine besser als die andere.
Mich triggert die 1-2 in der Mathearbeit, die ich im Status einer Bekannten sehe, wenn mein Sohn „nur“ ne 3-4 hat.
Was sagt das aus? Mach ich meinen Job als Mama deswegen schlechter? Ist mein Kind deswegen weniger liebenswert? Sicher nicht.
Soll sie aufhören Noten zu posten? Es ist MEIN Problem! Ich muss damit umgehen lernen. Raus aus dem Mangel und sich deswegen schlecht fühlen.
Ich will nicht neidisch sein. Es ist so ein ekelhaftes Gefühl, wenn es aufkommt.
Wenn mein Kind auch ne gute Note hat, stört es mich ja nicht. Dieses Vergleichen ist so anstrengend. Denn keine Mama möchte ihr Kind gegen ein anderes eintauschen.
Mein Sohn wurde letztens gefragt, ob er jetzt vereinsmäßig etwas anderes macht, seit er erst mit Kunstturnen, dann Fussball aufgehört hat.
„Naja, ich bin im Karate angemeldet, aber da geh ich eigentlich auch nicht wirklich hin.“
Mitleidiger Blick seines Gegenübers.
Ich konnte innerlich schmunzeln. Ich hatte nicht das Bedürfnis hinzuzufügen, dass er seit Monaten mehr Sport als je zuvor macht. Zwar nicht im Verein, sondern nur ganz für sich allein im Zimmer. Ich könnte nicht stolzer auf ihn sein. Eine unserer Gemeinsamkeiten: Gespräche über Gewichte und Übungen, Muskelgruppen und all das. Er interessiert sich für das Thema Ernährung und was es braucht für ein gesundes Leben.
Ich sehe, wie ihn das entspannter durch den Tag trägt. Ist er gereizt und wütend, knallt er vielleicht die Tür zu, ja. Aber dann höre ich laute Musik und seine App, die von 5 runterzählt.
Nach dem festgestellten Vitamin D Mangel, als er nur geschlafen hat und nichts sonst…ich freue mich.
Unser Deal war eigentlich nur:
Entweder mittwochs zum Karate, oder hier zu Hause was machen. Ganz ohne Sport, nein! Was sich daraus entwickelt hat, Wahnsinn!
Keine Mama ist besser oder schlechter als die andere, sondern genau die richtige für ihr Kind.
Ich glaube ganz fest daran, daß jedes Kind sich seine Familie und die ihm damit aufgetragene Lernaufgabe selbst aussucht.
Es geht einzig und allein um eigene Werte und was einem wichtig ist. Wir haben alle unterschiedliche Werte und Ansprüche an uns selbst. Je nachdem, was uns selbst mit auf den Weg gegeben wurde.
Ich weiss, dass ich für jeden Trigger dankbar bin. Nicht in dem Moment des ekligen Gefühles, aber dann später. Wenn ich rausgefunden habe, wieso und warum mich das so trifft. Wo be- trifft es mich?
Immer wieder spannend, was da so hochkommt und verarbeitet werden will.
