Weltschmerz

Lange dachte ich, dass ich psychisch stabil bin. Ich hab schon einiges ausgehalten und die Erfahrung gemacht, dass es auch wieder besser wurde.

Ich war deprimiert, frustriert, traurig, enttäuscht, fassungslos, sprachlos, empört und manchmal auch alles zusammen.

Mir zog es den Boden unter den Füßen weg und ich fing wieder von ganz vorne an.

Meine Patienten leiden überwiegend an Schizophrenien.

Ich konnte mich schon immer gut in sie reinfühlen und noch nie habe ich sie so gut verstanden wie jetzt in dieser Zeit.

Das Leben jetzt fühlt sich an, als ob ich in einer schrecklichen Psychose gefangen bin.

Ich höre überall diese Stimmen, die auf mich einreden, mich bevormunden wollen, bestimmen wollen, was für mich am besten ist.

Ich darf mit meinem Sohn nicht schwimmen gehen, wir können an einem Regentag nicht einfach ins Kino.

Wenn er seine Trinkflasche in der Turnhalle vergessen hat und ich ihn begleite, mache ich plötzlich etwas Verbotenes.

Vor kurzem fand dort noch unsere Sportgruppe statt, bei der wir als Team so viel Spass hatten.

Es ist nicht gelöst mit:

„Ist doch nur ein Pieks, stell dich nicht an!“

„Mach es doch einfach, der Impfstoff ist sicher!“

„Gib dir nen Ruck, dann bist du frei!“

Freiheit ist nicht an Bedingungen geknüpft, Freiheit ist mein Grundrecht. Ausser ich bin ein Schwerverbrecher.

Ich bin verzweifelt. Und angstgetrieben. Und ich bin so, so traurig.

Ich habe Alpträume von meinem ertrinkenden Kind, weil ich Sorge habe, dass er sein frisch erlerntes Schwimmen wieder verlernen wird ohne Übung.

Ich google, wo es möglich ist einfach mit ihm schwimmen zu gehen, nur einen Nachmittag. Ich stelle fest: nirgends.

Das Leben macht mir keinen Spass mehr. Ich lebe es, weil ich in der Hoffnung lebe, dass das alles mal wieder zu uns zurück kommt.

Wir sind zu Hause, malen viel, hören Musik, basteln und sind kreativ.

Noch nie war mir Harmonie und Ruhe so wichtig. Im Innen und im Aussen.

Und noch nie hab ich so oft an meine Jungs appelliert, dass Zusammenhalt jetzt wichtiger ist als je zuvor.

Wir sind gesund, wir haben nahezu alles, was man so braucht, um zu leben.

Und doch fühlt es sich so schwer an.

Die Welt drückt mich so fest runter.

Ich habe Weltschmerz.

Schon lange habe ich nicht mehr so viel geweint. Aus dem Nichts. Einfach so, weil es über mich kam.

Von Anfang an war ich stark für die Kinder. All das hat natürlich etwas mit uns gemacht, aber nichts, was wir nicht wieder hinbekommen hätten.

Heute überwiegt nicht mehr die Hoffnung bei mir.

Ich habe Weltschmerz.

Ich habe Angst vor Krieg und frage mich, wie ich meine Kinder beschützen kann.

Ich habe Angst davor, was nach der Ausgrenzung kommt.

Werden wir dann mit Mistgabeln verfolgt?

Verbrannt? In Lager gesteckt? Was kommt als Nächstes?

Denkt ihr nie darüber nach, wie all die Kriege wohl irgendwann ganz am Anfang begonnen haben? Ich glaube genau so!

Ich bin alleinerziehende Mama. Ich habe Angst.

Ich habe Angst vor Corona. Ja. Keiner weiss vorher, wie sein Körper reagiert.

Ja, ich habe Angst vor der Impfung.

Vor den Nebenwirkungen. Was ist, wenn es mich trifft? Was wird aus meinen Kindern?

Ich entscheide nach Bauchgefühl. Ich weiss, dass die Impfung sich für mich nicht gut anfühlt.

Ich wünschte die Ungerechtigkeiten, die Pharmaindustrie, das Chaos in der Politik, die Lügen und die Widersprüche würden mich trotzdem vertrauen lassen. Aber ich kann es nicht.

Also schütze ich uns, solange und so gut es geht. Wir sind in unserem Schneckenhaus.

Ich kenne Menschen, die anders denken wie ich und mich sein lassen, wie ich bin. Ich darf selber entscheiden und sie machen mir weder ein schlechtes Gewissen, noch appellieren sie an meine Solidarität für die Gemeinschaft.

Ich habe nicht das Gefühl, dass ich noch mehr geben muss, als ich es bereits tue. Ich denke es reicht.

Ich habe Freunde, die zwar geimpft sind, aber mein Leiden verstehen und teilen. Auch sie sehen und haben den Weltschmerz. Sie hätten alle Freiheiten, nutzen sie aber nicht, weil sie Ausgrenzung nicht unterstützen wollen.

Sie weinen mit mir und haben auch Angst davor was kommt.

Um mich herum sind Geimpfte, die froh sind alle Freiheiten zu haben. Hauptsache sie können in vollen Zügen geniessen, konsumieren und das gute Leben feiern, ohne sich um andere Gedanken zu machen.

Jeder kann doch schließlich frei sein, es ist doch so einfach!

Für mich ist es nur eine Illusion. Ein Weglaufen. Es gibt keine Sicherheit und das Leben ist ein Risiko.

Was interessiert sie die Welt da draussen? Ihnen geht es doch gut, sie sind doch frei.

Ich habe Geimpfte um mich, die ängstlich sind, weil es auch nach der 3. Impfung immer noch keine Sicherheit gibt. Was müssen Sie denn noch tun, um endlich, endlich sicher zu sein?

Heute zog es mich an einen bestimmten Ort. Warum wusste ich zunächst noch nicht. Ich dachte es sei die Stille, die mich ruft.

Und als ich weinend da stand und meine Kerze anzündete, spürte ich, dass ich diese Art Schmerz in mir noch nie zuvor hatte.

Nicht Verlassensängste, Trennungsschmerz, alte Wunden oder Frust über die Arbeitsstelle.

Nicht burnout, das man irgendwie schon wieder in den Griff bekommt.

Weltschmerz.

Ich frage mich, wie wir da jemals wieder rausfinden sollen. Wie wir das noch zu einem guten Ende bringen können.

Wie wir das hinter uns lassen können und wieder zusammenfinden.

Ich bin gesund. Immer noch. Scheinbar mache ich seit einer Weile vieles richtig und noch dazu hatten wir sicher auch viel Glück.

Mein Sohn sagte gestern, er wünschte, ich hätte Corona, aber so, dass es mir gut damit geht. Er würde so gern mal wieder auf den Indoorspielplatz.

Mein Zwuckel fand heute in meiner Handtasche die Kinokarten vom letzten Besuch.

„Oh, Mama, können wir mal wieder ins Kino? Bitte, bitte!“

Ich vertröste. Und hoffe, dass wir das bald wieder mal können.

Wenn das Schulkind mit Maske wegen Schnupfen keine Luft bekommt und der Lehrer das Ermahnen so leid ist.

„Maske ÜBER die Nase!“ Wenn Mitschüler lachen und die Freunde sagen, dass man sehr wohl gut Luft bekommt. Wenn der Lehrer droht, dass er „Alle meine Entchen“

auf der Triangel spielen muss, sollte er nochmal die Maske runtermachen.

Wo sind wir angekommen? Was ist mit den Menschen los?

Wo ist Mitgefühl, Nächstenliebe und Verständnis?

Ich suche den Frieden in der Welt und spüre nur ihren Schmerz.

Nie will ich müde werden gegen Unrecht zu kämpfen und für Freiheit aufzustehen. Für alle!

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