Afghanistan

#WhereIsMyName

Ich bin eine Frau!

Schon allein deshalb kommt man an dem Thema nicht vorbei.

Ich habe mich in den letzten Tagen sehr damit auseinandergesetzt, aber auch schon früher.

Ich habe immer wieder gelesen, was die Frauen sich dort erkämpft haben. Freiheiten, die für uns hier schon so selbstverständlich sind.

Afghanistan ist gar nicht sooo weit weg. Und doch schien es eine andere Welt zu sein.

Heute ist es mir näher als je zuvor.

Politisch halte ich mich zurück mit meiner Meinung.

Was wäre, wenn…

Man hätte doch…

Wie kann es sein, dass…

Warum hat man…

Warum hat man nicht…

Heute denke ich an die Frauen dort.

An die Kinder.

An das Leid.

An die Enttäuschung. So viele Jahre haben Aktivistinnen für die Freiheit ALLER Frauen und Mädchen gekämpft.

Ihr Leben dafür aufs Spiel gesetzt und auch geopfert.

Sie wurden ausgepeitscht im besten Fall.

Gesteinigt und ihnen die Haut abgezogen im schlimmsten Fall.

Ihnen war das alles bewusst und doch wussten Sie auch:

Hier geht es nicht nur um mich! All die Anderen sind mir das wert!

In einem Land, in dem den Frauen endlich nicht mehr die Finger abgeschnitten wurden, weil sie roten Nagellack trugen.

In die Luft gesprengt werden, weil sie als Mädchen in der Schule sitzen.

Frauen arbeiteten in Büros und Agenturen- welch ein Schritt!

Was für ein langer, blutiger Kampf.

Gestern hatten wir bei der Arbeit eine Besprechung und saßen zusammen, um einem Klienten den Weg zu seiner Ausbildung zu ermöglichen.

Ich schaute mich um, dachte an die Bilder der letzten Tage aus Afghanistan und schämte mich ein bisschen.

Dafür, wie gut es mir geht. Dafür, dass ich hier im Warmen sitze. Auch ich habe meine Sorgen und Ängste, jedoch ohne akute Angst um mein Leben.

Ich sehe auf den Bildern und Videos der Flucht überwiegend Männer.

Warum ist das so frage ich mich? Und wo sind die Frauen und Kinder?

Ist es immer noch so, dass ein Frauenleben nichts wert ist?

Liegt es daran, dass man dort nicht wirklich aus Liebe heiratet und der andere einem in so einer Situation einfach nicht so wichtig ist, wenn es um das eigene Leben geht?

Liegt es daran, dass MAL WIEDER die Frauen kämpfen uns sich opfern?

Vielleicht auch, weil es ja sonst keiner tut und sie es seit Jahrzehnten nicht anders kennen?

Es beschäftigt mich, die Fragen lassen mich nicht los.

Wenn Afghanistan jetzt wieder am gleichen Punkt wie vor 20 Jahren ist, war dann alles umsonst?

War die ganze Mühe es nicht wert, die vielen Menschenleben, die es kostete?

War alles vergeblich, wenn jetzt die Frauengesichter auf den Werbeanzeigen der Stadt übermalt werden?

Wieder haben sie kein Gesicht! Sind ungesehen. Tauchen ab. Müssen sich verstecken unter ihrem Niqab.

Oder sterben.

Dürfen keinen Schritt aus dem Haus machen, so ganz ohne Mann neben sich.

Ich möchte mir nicht anmaßen nachempfinden zu können, wenn der Aufruf der Taliban kommt, alle Mädchen ab 15 Jahren an sie rauszugeben.

Ich wusste zum Beispiel lange nicht, dass Frauen keinen Namen auf ihren Dokumenten stehen haben. Nicht mal auf ihrem Grabstein durfte ihr Name bis 2020 stehen. Sie waren nur: Tochter von und dann der Name des Vaters.

Dann Frau von und dann der Name des Gatten.

Später dann Mutter von und der Name des Sohnes!

Frauen hatten erreicht, dass jetzt auch zB. der Name der Mutter dazugeschrieben werden durfte.

Frauen in Afghanistan, es war nicht alles umsonst. Denn ich hier in Deutschland, in meiner Besprechung und in Sicherheit. Ich habe euch gesehen!

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