Mein grosser Sohn ist 10 und gestern hat es bei uns geknallt.
Wir sind noch nicht so ganz in den Ferien angekommen und haben verschiedene Meinungen darüber, wie Ferien ablaufen.
Er will abhängen. Sich nicht viel bewegen, viel am Tablet spielen. Am liebsten jeden Tag mindestens einen Freund treffen und bis tief in die Nacht wach sein.
Bei mir gibt es viele Freiheiten, aber bei seinen Wünschen gehe ich nicht mit.
Meine Freiheiten sind :
Schnapp dir dein Rad und fahr los, verabrede dich draußen mit einem Freund, lies ein Buch, oder Comics. Lern was Neues, mach Puzzle, löse Rätsel, zeichne und male, schreib einen Brief, geh in die Bücherei, skate, spring im Trampolin, geh in den Garten und beobachte die Natur, fahr Inliner. Lieg auf der Wiese rum und beobachte Wolken.
Es herrschte Redebedarf.

Es fühlt sich an, als lebe er nur von Tabletzeit zu Tabletzeit und ich bin so genervt davon.
Von der Frage „Wann?“ „Wie lange?“
Wo ist mein Turnerkind geblieben? Das, das immer in Bewegung ist und nicht still sitzen kann.
Das, das sein Reck und den Barren vermisst, wenn Sommerpause ist.
Wir unternehmen viel und sind viel draußen. Aber sobald wir zu Hause sind, dreht sich alles nur um Medienzeit und die Diskussion darum.
Jetzt ist es besonders schwer, denn viele bekommen jetzt ihr erstes Handy zur weiterführenden Schule und haben das angekündigt. Meiner nicht, ich bin dagegen. Noch habe ich nicht das Gefühl, dass er bereit dafür ist.
Mir graut es vor NOCH MEHR Diskussion.
Heute waren wir nur zu zweit, der kleine Bruder war im Kindergarten.
Ich zwang ihn mit mir raus zu gehen. Er wollte nicht und wenn, dann auf keinen Fall in die Weinberge, sondern ins Städtle.
Ich brauchte Ruhe, wenig Reize, keine Menschen, kein Sitzen auf einem Spielplatz.

Er bestand darauf, seinen Roller mitzunehmen und dass wir nicht so viele Berge laufen.
Ich atmete tief ein und aus, erhöhte das Tempo.
Er war sauer. Ich war sauer. Immer diese endlosen Diskussionen! Es nervt mich so. Andererseits wäre ich auch äußerst besorgt, sollte es nicht so sein.
Stur, immer mit dem Kopf durch die Wand, immer seinen Willen durchsetzen- von wem hat er das bloß?!?
Es dauerte eine Weile und ich lief wortlos und schnellen Schrittes. Er rollte bockig einige Meter hinter mir her. Heute hielt ich das gut aus.
Irgendwann hörte ich sein:
“ Weisst du Mama…?“
Oh, seine Wut scheint weniger zu werden, jetzt ist er zugänglich, das spürte ich.
Wir kamen ins Gespräch, die Sätze waren kurz. Es wurde lauter. Wir waren ernst. Er schrie mir seine Meinung dazu entgegen. Und ich ihm meine.
Wir erfuhren viel übereinander, das wir noch nicht wussten. Ich ahnte nicht, dass gewisse Dinge bei ihm SO ankamen.
Er hatte keine Ahnung, warum die Sitution für mich so unerträglich war.
Er ließ alles raus und es flossen Tränen. Manches war neu für mich. Ich konnte ihn jetzt besser verstehen. Wusste wieder, was in ihm vorging.
Was ihn beschäftigt, was ihn besorgt, was ihn verletzt.
Wir kamen uns wieder näher.
Ich durfte ihn auf dem Roller anschieben. Er genoss es nichts tun zu müssen und den Gegenwind.
Ich spürte grosse Erleichterung. Wir lagen zusammen in der Nestschaukel und redeten. Wir stellten fest, dass wir uns vermissen. Dass wir genau sowas brauchen. Nur er und ich. Nicht zu Hause, sondern aktiv.
Er lächelte und sagte:
„Irgendwie tat unsere Besprechung richtig gut!“
Reden hilft. Immer!

Wunderbar!😊 Und vielleicht ein Blick in unsere Zukunft? Noch ist der Große ja halb so alt und es kann für ihn (meist) nicht Bewegung genug sein. Aber Medien sind auch schon ein Thema.
Wie schön, dass du dir für deinen Großen diese exklusive Zeit genommen hast! Ja, unsere Jungs geben sich manchmal ganz schön rau, wild oder auch verschlossen, aber eigentlich ist diese Art der Nähe für sie soo wichtig.
Lieben Gruß und wirklich schöne Ferien euch! Sarah
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Ach Sarah. Dankeschön! Das Thema kam irgendwie über Nacht in der 4. Klasse. Seither dreht sich unser Leben plötzlich um „Brawler“, Clash of clans und Youtuber. Ich überlege ständig, ob es das Alter alleine war, daß die Veränderung brachte. Oder war es doch Corona, das ihn monatelang vom Training an seinen Geräten fernhielt und ihm Zeit für diese neue Welt bescherte.
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