Umgänge, oder: Ich bin dann mal weg…

Die Umgänge sind bei uns fester Bestandteil.

In der Regel alle 14 Tage werden die Taschen gepackt und das Nötigste zum Anziehen rausgesucht.

Die Kinder freuen sich drauf und meistens sagt der Grosse:

„Mann, irgendwie kam mir das diesmal voll lang vor“.

Ja, es ist auch lang.

Eine kleine Pause von den Kindern tut hin und wieder gut, aber sie regelmäßig 12 Tage nicht sehen-

undenkbar!

Wenn es klingelt, springen beide auf und streiten, wer die Tür zuerst öffnet.

Sie springen ihm in die Arme und oft fragt er:

“ Sag mal, bist du gewachsen? Du kommst mir grad so gross vor!“

Was hier die Woche über los war, weswegen Türen geknallt wurden und Tränen geflossen sind, bekommt er nicht mit.

Welche Bücher wir lesen, mit welchen Freunden sie sich treffen, über was wir vor dem Einschlafen so reden und was die Kinder bewegt-

er hat keine Ahnung!

Was in der Schule los war, für was für Arbeiten gelernt wurde, um was es im letzten Alptraum ging, der uns danach lange wachhielt-

er kann es nicht erahnen.

Manchmal wirkt er angespannt und gestresst, wenn er sie abholt, so wie heute, nachdem es eine Vollsperrung auf der Autobahn gab.

Dann denk ich:

Geniess es doch mal und mach nicht so einen Stress! Sie konnten dich nicht erwarten!

Er war lange zuverlässig, da hatten wir schon ganz andere Zeiten.

Ich war gerade in der Frühschicht, schaute kurz auf mein Handy. Eine Nachricht von ihm und eigentlich wusste ich, dass ich mich gleich ärgern werde.

Ich wusste, ich sollte es jetzt besser nicht lesen, weil mein Puls steigt.

“ Das eine Wochenende kann ich nicht.“

Immerhin bat er mir zwei Alternativen als Ersatz an und das allein ist schon ungewöhnlich. Das ist neu.

Immerhin. Nett eigentlich. Kann ja mal vorkommen“, ging mir durch den Kopf.

“ Und vom 1. bis 20. 8 bin ich nicht da!“

Aha. Er ist also nicht da.

Die Kinder aber sind da.

So einfach ist das also? Er ist nicht da.

Ja, und jetzt?

Was wäre, wenn ich ihm schreiben würde:

nächste Woche bin ich von Montag bis Freitag nicht da.

Sicher würde sein Puls auch steigen und sein Verantwortungsgefühl wäre alarmiert.

Sicher würde er NICHT schreiben:

Ich regel das. Bring mir die Jungs vorbei, ich finde eine Lösung. Ich nehme mir frei, oder Urlaub, damit ich die beiden betreuen kann. Ich bringe sie zuverlässig in Kindergarten, Schule, zum Sport und schmiere ihre Pausenbrote.

Sicher wäre er etwas irritiert nach so einer Nachricht von mir und würde schreiben:

Ja und jetzt? Was hat das mit mir zu tun? Wenn DU nicht da bist, musst DU ja auch eine Lösung finden!

Er ist nicht da. Einfach nicht da. Nicht da sein ist wohl so einfach wie es zu schreiben:

ICH BIN NICHT DA!

Natürlich bin ich jetzt am Zug. Ich stelle ihm sicher nicht die Kinder vor der Tür ab und denke:

Dein Problem!

Vielleicht mache ich das mal, wenn die Kinder älter sind. Dann traue ich mich das vielleicht.

Diskutieren? Zwecklos!

Auf den Putz hauen? Energieverschwendung.

Traurig und wütend sein, dass es so einfach ist? Oh ja.

Wer die Kinder betreut an meinem Arbeitswochenende, wenn die Kinder eigentlich bei ihm sind, ihm egal.

Denn:

er ist nicht da.

Für mich bedeutet das 6 Wochen am Stück Mama sein.

24/7 -twenty-four-seven

Puh! Ich hab Respekt davor.

Wenigstens sind Ferien und es gibt keine Hausaufgaben. Vielleicht wird es gut. Vielleicht machen wir uns einfach eine gute Zeit!

Schade für die Kinder. Es wird ihnen lang vorkommen.

Ich werde es auffangen ( müssen).

Schade für ihn, denn wenn er sie wiedersieht, werden sie ihm wieder ein ganzes Stück grösser vorkommen.

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