
Mental load in einer Parnerschaft/ Ehe und mental load als Alleinerziehende. Ich kenne beides.
Mental load also.
Jeder kennt es, jeder muss damit umgehen, täglich. Manchmal klappt es gut und man kann sich auf die Schulter klopfen, wieviel man wieder geschafft hat. Yes!
Und dann gibt es die Tage, die sich so unendlich lang anfühlen. Wann ist dieser Tag endlich vorbei? Ich kann nicht mehr. Ich will nur noch Ruhe haben, die Kinder im Bett und schlafen. Bevor morgen alles von vorne beginnt. Uff!
Ebenso gibt es Tage, die viel mehr Stunden haben müssten und man sich fragt, wie man all das bloß abarbeiten soll/ kann? Es ist zu viel zu tun, alles ist wichtig. Aber der Tag hat nur 24 h und ich fühle mich allein beim Gedanken daran erschöpft.

Es ist doch überwiegend so, dass der Mann Vollzeit arbeitet, die Frau in Teilzeit. Und genau deshalb kümmert sie sich um „Alles“!
Weil, wie ich es auch schon oft genug gehört habe:
„Du bist ja schliesslich auch mittags wieder daheim!“
Was so viele Frauen frustriert ist, dass der Partner nicht mitdenkt und die anfallenden Tätigkeiten schlichtweg nicht sieht. Es anders bewertet, oder es als Aufgabe der Frau sieht, oder aber es ihm einfach nicht wichtig, vielleicht sogar egal ist.
Frauen wollen Männer die mitdenken und Verantwortung übernehmen!
Frauen wollen keinen Mann, der sie im Haushalt unterstützt und ihnen unter die Arme greift. Nein!
Der Mann lebt auch in diesem Haushalt und hat ebenso seinen Anteil an Dreck, Wäsche, schmutzigem Geschirr usw. Er hilft nicht der Frau! Es ist nicht IHRE Aufgabe.
Bei Vielen ist das noch nicht angekommen und ja, verschreit mich als Emanze.
Emanze- als wäre das was Schlechtes. Als heisse das kontra Mann.
Nein! Es heisst pro Entwicklung und pro „die Zeiten ändern sich“.
Pro „meine Zeit ist nicht weniger wertvoll wie deine“ und „ich habe es auch verdient, mich mal auf die Couch zu setzen“.
Es ist pro „ich kenne meinen Wert“ und pro „ich bin viel mehr als nur das“.
Es ist pro Wertschätzung und Eigenverantwortung. Es ist pro „bist du ein teamplayer oder nicht?“
Es ist pro „respektierst du mich?“
Was ich meinen Kindern seit Jahren schon predige:
„Ich bin hier keine bezahlte Putzfrau und jeder packt mit an. Wir alle machen Dreck, also müssen auch wir alle ihn beseitigen. Du bist Teil dieser Familie und dieses Haushaltes, also bring dich ein. Wenn jeder sein Zeug wegräumt und alles dahin zurückstellt, wo er es herhat, haben wir viel mehr Zeit zusammen und können was spielen.“
Ich habe zwei Jungs und den Satz mit der bezahlten Putzfrau sage ich wirklich oft.
Manchmal singe ich auch einfach gut gelaunt „I ain’t your mama, noooooo-o-o-oooo. I ain’t your mama, no!“
Wobei das „mama“ in diesem Fall natürlich für Putzfrau steht. Ich bin ihre Mama und verwöhne sie auch gerne mal. Wer nicht!?!
Mein Exmann hat das Lied gehasst, als es damals neu rauskam und im Radio hoch und runter gespielt wurde. Ich habe es von Anfang an geliebt. Ratet mal wieso? 🙂
In jedem Alter kann man helfen. Der 9 Jährige muss oft den Müll rausbringen. Wenn er dafür beide Hände braucht, nimmt er den Zwerg mit, der ihm alle Türen öffnet auf dem Weg zum Mülleimer.
Jeder muss seine Tasse, sein Glas, sein Besteck und seinen Teller aufräumen. Und zwar IN die Spülmaschine und nicht irgendwo auf die Ablage stellen. Beim 5 jährigen klappt das oft besser, als bei dem Grossen.
Dafür liebt genau der es, Spiegel zu putzen und Staub zu wischen. Er putzt regelmässig seinen Schreibtisch und saugt ab und zu sein Zimmer.
Wer den Sand aus den Schuhen mitten in den Flur kippt, darf gleich den Staubsauger holen und es beseitigen.
Wer malen und basteln will, muss auch die Schnipsel vom Boden wegräumen und die Stifte zurück in die Kiste räumen.
Wer etwas verschüttet, muss es auch aufwischen. Wer daneben pinkelt, muss es selber wegmachen.
Manches machen sie sehr gerne und ich muss es nur einmal sagen. Und manches ist zäh.
„Ich will aber nicht… du sollst das machen…das war ich aber gar nicht…ich hab das nicht allein gemacht…das ist unfair…immer muss ich…warum muss immer ich…ich muss viel mehr als der andere…“
Manchmal bin ich zu lasch und sollte viel mehr darauf bestehen. Und manchmal geht es mir ums Prinzip und ich bestehe drauf, obwohl die Diskussion mich viel mehr Energie kostet, als die Tat an sich.
Frauen sind frustriert von dem Mann, der nicht sieht, dass der Wäschekorb voll ist. Nicht sieht, dass die Kinder gebadet gehören. Nicht sieht, dass die Betten bezogen werden müssen. Nicht sieht, dass das Kind Brote für den Kindergarten braucht.
Nicht sieht, dass die Fuss- und Fingernägel vom Nachwuchs geschnitten gehören.
Nicht sieht, dass die Spülmaschine fertig ist und geleert werden muss. Angestellt ist sie schnell.
Nicht sieht, dass der Tisch voller Krümel ist und abgewischt gehört. Dass der Mülleimer voll ist. Dass der Wäschekorb mit der gefalteten Wäsche schon tagelang rumsteht.
Nicht sieht, dass die Waschbecken dreckig sind und das WC mal wieder geputzt gehört.
Nicht sieht, dass die Milch sich zum Ende neigt und kein Brot mehr im Haus ist.
Nicht sieht, dass die Kinder dringend an die frische Luft müssen, dass durchgelüftet werden sollte.
Nicht sieht, dass der Kühlschrank leer ist und die Staubschicht immer höher wird.
Die Schränke gehören ausgemistet, die Kinder sind aus ihren Kleidern rausgewachsen.
Die Fenster und Spiegel müssten geputzt werden, in der Schule stehen Arbeiten an, für die das Kind lernen sollte. Die Hausaufgaben müssen korrigiert werden, das 1×1 geübt, das Gedicht auswendig gelernt.
Wenn das Kind krank ist? Wer bleibt zu Hause? Wer geht mit ihm zum Arzt? Zur Apotheke. Wer denkt an die pünktliche und regelmässige Einnahme der Medizin?
Wer räumt die Ablage auf und sortiert in Ordner? Wer erledigt Telefonate mit Versicherungen, Stromanbietern, Vermietern?
Wer geht zum Elternabend? Wer informiert sich über weiterführende Schulen und geht zu den Infotagen?
Wer macht Friseurtermine aus und begleitet die Kinder? Wer packt den Rucksack für Unternehmungen?
Wer bringt die Pfandflaschen weg und wer bringt das Glas zum Container?
Wer denkt an den Elternbeitrag im Kindergarten? Daran, dass wieder gefütterte Matschhosen und Gummistiefel nötig sind?
Wer denkt daran, das Essen in der Mensa zu bestellen, das Kind pünktlich zum Training zu fahren und auch wieder abzuholen?
Wer denkt daran, dass die Batterien am Spielzeug ausgetauscht werden müssen und wer besorgt die neue Glühbirne?
Wer schreibt die Einkaufsliste und sortiert verfallene Lebensmittel aus?
Wer ändert den Dauerauftrag, wenn die Miete erhöht wurde?
Wer packt mit dem Kind den Ranzen für den nächsten Tag und erinnert ans Spitzen der Stifte?
Wer kümmert sich darum, dass das Auto zum TÜV kommt, Winterreifen bekommt und dringend gesaugt und gewaschen werden muss?
Wer denkt daran, den Wasserkocher zu entkalken und die fettige Pfanne vom Vortag abzuspülen?

Wer tauscht die Handtücher aus, wenn es Zeit wird? Wer putzt die Wanne?
Es ist so, so viel, woran man denken muss. Und meist, sagen wir doch wie es ist, meist denkt eben die Frau.
Wenn es zu viel wird, macht das verbittert und wütend. Der Mann hat dann das Gefühl, er befindet sich auf einem Minenfeld und um ihn herum explodiert es, knallt und tut.

Er fragt dann genervt:
„Was ist denn jetzt schon wieder los?“
Oder er sagt Dinge wie:
„Dir kann man gar nichts recht machen!“ Oder auch: „Lass deine schlechte Laune nicht an mir raus!“
Er versteht nicht, dass er Teil des Problems ist. Dabei reicht es schon, wenn er Samstag morgens sagt:
„Ich fahr kurz in den Baumarkt“, während man selber noch nicht mal Zähne geputzt und 2 Kinder an sich kleben hat.
Er versteht die Welt nicht mehr, denn er war ja heut schon beim Bäcker und hat Brötchen für alle geholt.
Sie hat aber den Tisch gedeckt und wieder abgeräumt. Den Kindern ihre Brezeln beschmiert, den Tisch abgewischt und die Krümel unter dem Tisch zusammengefegt. Das alles ist der Grund dafür, dass sie weder geduscht ist, noch gekämmt, oder Zähne geputzt hat.
Sie wünscht sich zu hören:
„Ich gehe in den Baumarkt und nehme beide Kinder mit. Wir lassen uns Zeit und du kannst dich in Ruhe fertig machen. Danach können wir alle zusammen…“
Warum ist das so schwer?
Richtig, weil es viel aufwendiger mit Kindern ist und man nicht in Ruhe alles anschauen kann. Weil es manchmal einfach schön ist, allein im Auto zu fahren. Ohne Gemaule, ohne Kinder anschnallen zu müssen.
Wenn wir sagen, wir wollen putzen und aufräumen, bringt es nicht viel, wenn ihr nur mit dem grossen Kind eine Fahrradtour macht und das Krabbelkind da lasst.
Das alles ist mental load.

Ich kenne viele Mütter, die behaupten sie fühlen sich wie eine Alleinerziehende, obwohl sie es gar nicht sind.
Denen möchte ich sagen:
Oooohhh, ihr habt ja keine Ahnung!
Aber ich verstehe ihren Frust. Es ist manchmal schlimmer, zwar jemanden an seiner Seite zu haben, aber sich trotzdem so verlassen und allein zu fühlen.
Verrät mir einer, wo es diese kleine Insel mit Männern gibt, die nicht ins Klischee passen? Das weiss ich nämlich nicht.
Was ich für mich aber weiss:
Das will ich so nicht mehr. Ich bin gerne Frau und ich mache Vieles davon sehr gerne. Aber nicht immer und nicht, wenn es selbstverständlich ist und von mir erwartet wird.
