Wann mein Leben begann

Ich bin 39 Jahre alt.

Es dauerte jedoch sehr lange, bis ich anfing zu leben.

Mit meiner Freundin philosophierte ich vor einigen Tagen genau darüber:

„Wann begann dein Leben?“

Ich sagte zunächst, dass es begann, als mein erster Sohn zur Welt kam.

Vielleicht, weil seine Geburt so gewaltig war an Emotionen und Liebe, dass sie all die Jahre davor in den Schatten stellte.

Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl nicht zu leben, aber was sehe ich im Rückblick?

Ich war jung, ungebunden, lebte in der Großstadt. Ich schlenderte durch die Kaufhäuser, gab mein Geld für Kleidung, Schuhe und Handtaschen aus.

Ich sehe ein junges Mädchen, oberflächlich und unsicher, vielleicht ein bisschen arrogant.

Mit den Kindern wurde ich auf jeden Fall weicher.  Da war diese grosse Sehnsucht und mit zwei gesunden Kindern war sie gestillt.

Ich war verheiratet, wir bauten ein Haus. Ist das LEBEN? Und wenn ja, wie fühlt es sich an?

Ist es LEBEN, wenn man alles hat und trotzdem unglücklich ist?

Ist es LEBEN, wenn es sich nach Stillstand anfühlt?

Ist es LEBEN, wenn man neidisch zu anderen schaut und sich vergleicht?

Ist es LEBEN, wenn man so gerne reinpassen will und immer wieder an seine Grenzen stößt?

Ist es LEBEN, wenn man sich selbst immer wieder erinnern muss, dass man einen Traum lebt?

Es war einer- allerdings nicht meiner.

Meine Kinder haben viel verändert. Um mich herum, aber auch in mir drin.

Ich war bereit, alles hinter mir zu lassen, alles herzugeben, auf alles zu verzichten. Alles was ich brauchte waren meine Kinder, das war mir schnell klar.

Das ist es, was MEIN Leben ist. Die Liebe zu meinen Jungs. Nicht für das, was sie tun und sagen, sondern einfach wegen ihres Seins. Für sie Zeit haben, sie behüten, für sie stark sein und kämpfen, egal, wie oft ich hinfalle.

Die ersten Jahre nach der Trennung waren die schlimmsten meines gesamten bisherigen Lebens.

Sie lehrten mich jedoch auch, was LEBEN für mich bedeutet und um was es wirklich geht.

Mein Weg ist seit wenigen Jahren so klar wie noch nie zuvor.

Ich habe mir versprochen, dass ich nie wieder irgendwo bleibe, wo ich nicht willkommen bin, oder unglücklich. Egal, ob es eine Beziehung ist, eine Freundschaft oder ein Arbeitgeber.

Ich will LEBEN! Und ich LEBE!

Das heisst, dass ich mit allen Sinnen genieße.

Ich genieße es frei und ungebunden zu sein. Bis es dunkel ist draußen bleiben zu können, weil zu Hause keiner wartet.

Wir müssen nicht heim, weil der Papa von der Arbeit kommt, oder ich kochen muss. Ich muss einfach gar nichts.

Wir können tun und lassen was wir wollen. Bleiben wo wir wollen, mit wem wir wollen und so lange wir wollen.

Das geniesse ich gerade so sehr!

Ich spare nichts auf.

Nicht einen Haufen Geld, damit ich meine Rente geniessen kann, oder eine Weltreise anstrebe. Wer weiss, was bis dahin ist?

Ich will JETZT leben. Und ich beginne nicht damit, wenn ein bestimmter Zeitpunkt in der Zukunft eingetreten ist.

Ich spare an keinen Unternehmungen, Ausflügen, Fahrradtouren oder Sonstigem. Wenn wir Lust drauf haben, wird es gemacht, ob es nun Dienstag, oder Samstag ist.

Ich spare nicht an sozialen Kontakten, weder an meinen, noch an denen meiner Kinder.

Freunde treffen ist wichtig. Es macht glücklich und füllt alle Speicher auf. Die richtigen müssen es nur sein!

Ich liebe es mit meinen Kindern, Freunden und auch mit mir selbst gute Zeit zu verbringen. Nicht irgendwann, bald und wir müssten mal.

Ich bin glücklich. Ich brauche nicht viel dazu. Was ich brauche erfülle ich mir.

Jetzt lebe ich mein Traumleben.

Von Aussen sieht es vielleicht nicht so aus. Im Inneren fühlt es sich aber so an. Früher war es umgekehrt.

Ohne die Trennung wäre ich nie die geworden, die ich heute bin.

Mein Leben begann nach der Trennung! So sehe ich das heute.

Ich bin demütig. Mein Leben hat so viel Tiefgang bekommen, dass ich die oberflächliche Großstadttussi nur noch mitleidig belächle. Sie wusste es nicht besser und sie freut sich mit mir. Viel anfangen mit mir könnte sie womöglich nicht, würde mich „verrückt“ nennen, womöglich „bekloppt“.

Leben ist, sich glücklich zu fühlen.

Sich Träume zu erfüllen und immer wieder neu zu träumen. Das Gegenteil von Stillstand, denn Stillstand ist Resignation.

Zu lieben! Mein Herz war noch nie so voller Liebe. Und je mehr ich davon verschenke, umso mehr wird es.

Ich ziehe wundervolle Menschen in mein Leben und ich bin so reich.

An Lebenserfahrung und purem Glück.

Ich finde immer mehr raus, was mich ausmacht und wer ich tief im Inneren bin.

Ich kann mich immer besser verstehen und auch leiden. Ich komme gut mit mir aus.

Wenn ich heute von einer tödlichen Krankheit erfahren würde und eine Woche zu leben hätte…DAS ist für mich LEBEN.

Nicht den Haushalt vorziehen, sondern kuscheln mit meinen Jungs.

Zeit verbringen mit den Menschen, die man liebt. So viel wie möglich.

Erinnerungen schaffen.

Nichts unausgesprochen lassen.

Nichts bereuen müssen, vor allem nicht bereuen, etwas nicht getan zu haben.

Nur so viel arbeiten, dass man genug Zeit für die wirklich wichtigen Dinge hat. Arbeit ist wichtig, aber nicht mein Platz 1.

Die Menschen, die ich liebe, denen sage und zeige ich es. Ich warte nicht damit und schiebe es nicht auf.

LEBEN heisst für mich fühlen. Im Reinen sein. In einer Woche tot sein zu können- rein theoretisch. Nichts bereuen, oder ausgelassen haben. Sondern denken:

Zum Glück hab ich jeden Moment GELEBT!

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