„Jammern“ ausdrücklich erlaubt!

Ich bin coronamüde. So, so müde.

Ich kann durchaus mein Glück sehen und klar erkennen:

Keine Kurzarbeit, keine Geldeinbußen.

Ich darf arbeiten gehen, weg von zu Hause und weg von den Kindern.

Schlimmer geht immer und mein persönlicher Alptraum wäre homeoffice mit meinen wilden Kerlen, die im Hintergrund kämpfen und die Türen schlagen. Hilfe!

Sie sind 5 und 9 Jahre alt und noch immer kann ich nicht länger als 5 min in Ruhe telefonieren. Genau dann müssen sie etwas sehr Wichtiges fragen, etwas essen, oder

…kämpfen. Davon bin ich übrigens auch müde.

Ich versuche mich auf das Positive zu fokussieren, wie:

Wir alle sind gesund und das alles, blablabla.

Es ist wichtig, DAS Wichtigste, keine Frage. Aber ist das genug? Wir leben im Mangel. Jeder von uns spürt es, jeder hat einen anderen Mangel und es wechselt täglich.

So wie meine Stimmung.

Gestern überschlug sich noch meine Stimme bei der Ansage, die Kinder sollen sich endlich Anziehen zum Rausgehen.

„Mama weinst du?“

Ja. Nur kurz. Und nicht wegen euch, dachte ich.

Es ist die Lautstärke. Das Chaos, die Unordnung, die Wäscheberge, das Kochen. Das keinem gerecht werden.

Inzwischen weiss ich, es ist nichts von Dauer. Ein Anruf, ein Gespräch, eine gute Nachricht, ein netter Besuch und schon ist alles wieder gut.

Heute strahlen wir um die Wette, sind entspannt und alles klappt.

Wer weiss, was morgen kommt?

Ich schätze das nennt sich LEBEN.

Ich renne von Zimmer zu Zimmer. In dem einen bespreche ich die Matheaufgaben und kontrollieren Ergebnisse, verbessere die Rechtschreibung, motiviere, tröste, solidarisiere mich:

„Ja, es ist wirklich viel, das stimmt. Es wird aber nur weniger, wenn du beginnst.“

Wenn 10 Ergebnisse der gleichen Rechenart richtig sind, warum muss man trotzdem noch 20 weitere Aufgaben lösen? Und wenn 10 Ergebnisse falsch sind, motivieren mich dann die 20 weiteren Aufgaben?

In dem anderen Zimmer lobe ich, dass er so schön spielt und den Bruder nicht stört. Kurz knuddeln, dann in die Küche, bevor es aus dem ersten Zimmer schon wieder schreit:

„Hä? Ich check das nicht. Maaaaaama!“

Ich bin keine Lehrerin. Mein Leben geht hier normal weiter und ich habe nicht mehr Stunden geschenkt bekommen. Ich muss immer noch den Haushalt machen, arbeiten, waschen, kochen und all das.

Immer noch denke ich:

„Das ist verdammt nochmal nicht meine Aufgabe!“

Mir fehlen meine freien Tage. Die, wenn der eine Sohn im Kindergarten ist und der andere in der Schule.

Ich denke an die Zeit zurück, als ich ein paar Stunden ICH sein konnte.

Als ich nicht reden musste. Jetzt bin ich entweder Krankenschwester, oder ich bin Mutter. Wann kann ich endlich wieder mal ganz nur ICH sein? Ich fehle mir.

Meine Kinder können nichts dafür und natürlich bemühe ich mich, dass der Kopf weiter arbeitet, auch im Lockdown.

Lesen, Einmaleins nebenbei wiederholen.

Mit dem Vorschüler die Wochentage, die Monate, Jahreszeiten, ein bisschen zählen üben und Buchstaben schreiben.

Manchmal klappt es gut und ich bleibe ruhig.

Manchmal werde ich laut, muss den Raum verlassen. Tränen fließen, das Tagebuch wird aus dem Regal geholt.

Ich hoffe, dass mein Sohn auch an den guten Tagen mal was reinschreibt und nicht nur, wenn er mich auf den Mond wünscht.

Ich denke ich komme trotzdem recht gut klar.

Warum ist das wohl so? Heute habe ich darüber nachgedacht und die Antwort gefunden.

Als Alleinerziehende bin ich es gewöhnt, dass meine Kinder um mich herum sind. Ständig, überwiegend.

Deshalb trifft mich das in diesem Fall vielleicht nicht ganz so hart. Immer verantwortlich sein- das kenne ich zu gut.

Alle Aufgaben mit dem Schulkind zu machen…war nie anders.

Die ganzen Einschränkungen, das ist nicht neu für mich. Ich konnte vorher schon nicht überall hin und mich lustig treffen, mit wem und wann ich will.

Es gab vorher schon viel, bei dem ich sagen musste:

„Geht leider nicht!“

Was mir in letzter Zeit auffällt, dass andere Mütter sich bei mir entschuldigen, wenn sie davon erzählen, dass ihnen alles zu viel wird.

„Ach, wem erzähl ich das denn. Und dabei hab ich noch einen Mann, der mich unterstützt!“

„Ich rede hier von meinem Stress, entschuldige bitte. Wie geht es wohl dir?“

Jeder hat ein Recht darauf traurig zu sein, wütend, entmutigt und ratlos.

Jeder darf mal alles stehen und liegen lassen, keine Lust mehr haben.

Jeder darf fluchen, schreien, weinen, toben.

Jeder darf alles sein und alles fühlen und ich verstehe alles so gut. Nie würde ich all dieses Empfinden anderen absprechen, nur weil ich es in manchen Dingen schwerer habe allein.

Aber in manchen eben auch leichter.

Keiner sollte sich für aufkommende Gefühle in diesen Zeiten entschuldigen. Alles ist erlaubt.

I feel you. ❤

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s