Lockdown ( light ) als Alleinerziehende 👩‍👦‍👦

Lockdown light- das ist nicht erst seit diesem Jahr für mich bittere Realität.

Uns fehlt es an nichts. Viel verändert hat sich nicht. So, wie es für Viele da draußen neu ist, so ist es für mich schon seit Jahren.

Meine Kinder sind jetzt schon 9 und 5 Jahre alt, ich habe mir mehr Freiheiten erkämpft und Vieles ist um so viel leichter geworden.

Immer öfter fühle ich mich frei und es tut gut zum Beispiel alleine einkaufen gehen zu können.

Diese 10 Minuten alleine im Auto, etwas in Ruhe machen zu können, von Anfang bis zum Ende. Das ist Gold wert!

Das war nicht immer so.

Gut erinnere ich mich noch daran, wie ich die schwere Tüte mit Lebensmitteln in der einen Hand und das Kleinkind auf dem anderen Arm die Treppen hoch schleppte. Später dann konnte das Kleinkind mir wenigstens schreiend hinterherlaufen. Oder sich bockig vor die Tür setzen.

Das lief regelmässig so ab. Immer. Ohne Ausnahme. Denn es gab keinen Papa zu Hause, bei dem ich die Kinder lassen konnte.

Wenn ich zum Blutspenden wollte, saß mein Kleinkind währenddessen auf meinem Bauch und das ältere Kleinkind schaute fasziniert dabei zu.

Hatte ich eine Pflichtfortbildung, die meiner Arbeitszeit abwich und die Betreuungszeit in Kindergarten und Schule sprengte, waren beide mit dabei.

Erste Hilfe und was tun, wenn es brennt…es fĂĽhlte sich nie schlecht an sie dahin mitzunehmen. Daraus haben sie viel gelernt und fĂĽr sich mitgenommen. Sie durften Kopfverbände anlegen, machten Bekanntschaft mit dem Defribilator,  und durften echtes Feuer mit dem Feuerlöscher löschen.

Der Arbeitgeber und die Kollegen mussten es so akzeptieren. Denn daheim wartete kein Papa, der frĂĽher Feierabend machte und bei den Kindern blieb.

Wenn ich ein Rezept abholen musste, oder einen Termin beim Arzt hatte, die Kinder mussten mit, keine Frage.

Abends mit einer Freundin essen gehen, oder Cocktails trinken, das gab es nicht wirklich in meinem Leben nach der Trennung.

Ich habe es auch nicht vermisst, das muss ich ehrlich sagen. Das „Können“ jedoch habe ich schon vermisst. Die Illusion: „Wenn ich aber wollte, dann könnte ich…“

Selbst wenn die Kinder am Wochenende bei Papa waren und ich nach der Arbeit als Krankenschwester frei war.

Ich war mĂĽde und erledigt. Ich arbeitete auf, was im Haushalt so unter der Woche liegen blieb.

Ich wollte nicht reden, auch wenn es so nötig gewesen wäre.

Ich war zu erschöpft, um mich frisch zu machen, die Haare zu frisieren und aus dem Haus zu gehen.

Ich genoss die Ruhe in der Wohnung, alles nacheinander erledigen zu können. Nach der Frühschicht ein Nickerchen zu machen. Morgens nur mich selber richten zu müssen.

Keinen Streit schlichten, das Wort Mama nicht zu hören. Kein Mittagessen kochen zu müssen und mir vielleicht nur eine Dönerbox unterwegs zu holen, oder einen Joghurt zu essen.

Mich abends ins Bett zu legen, ohne zwei Kindern vorlesen zu mĂĽssen und dabei selber fast einzuschlafen.

Sport machen zu können. Vielleicht ein bisschen Yoga. Podcast zu hören ohne Unterbrechungen. Einen Spaziergang. Allein im Freibad meine Bahnen schwimmen. Manchmal hatte ich dafür 2-3 h Zeit zwischen Feierabend und bevor die Kinder von Papa zurückgebracht wurden.

Freiheit pur.

Ich bin die, die ganz aufgeregt ist, wenn ich 18 Uhr zum Elternabend in die Schule darf. DafĂĽr schminke ich mich dann sogar.

Es fĂĽhlt sich gut an, nur unter Erwachsenen zu sein.

Ohne Kind auf dem Schoss. Und ohne Kind im Auto. Daheim anzurufen, zu hören, dass meine Jungs klar kommen und es auch geniessen können.

Manchmal stelle ich mich zu den anderes Mamas dazu und rede noch ein paar Minuten. Ihre Kinder sind dann bei Papa oder Oma.

Wenn ich nach Hause fahre, wundere ich mich über die Schönheit des Sternenhimmels und mir fällt auf, wie selten ich ihn sehe.

Habe ich unter der Woche freie Tage, muss ich trotzdem IMMER 6 Uhr aufstehen und die Kinder fertig machen. Da ist keiner, der das auch nur manchmal kompensiert.

Mein persönlicher Alptraum war es jeden Abend zwei kleine Kinder ins Bett bringen zu müssen. Jeden Abend! Immer beide.

Nachts immer aufstehen zu mĂĽssen. Egal ob Alptraum, „Ich kann nicht schlafen“, Zahnschmerzen, Nasenbluten, Halsweh oder sonstiges. Immer!

Am Anfang waren sie eher sporadisch bei Papa. Unregelmäßig. Spontan. Oft nur der Grosse über Nacht. Da habe ich dann gearbeitet, bin eingesprungen, um Stunden zu sammeln, damit es unter der Woche mit den Kindern etwas entspannter sein kann.

Jetzt darf man ab 20 Uhr also nicht mehr raus? Das ist nicht neu fĂĽr mich. 

Seit Jahren ist das mein Leben und macht mir schon lange keine Angst mehr.

Ich war nie der Typ, der sich einen Babysitter bestellte, um abends ausgehen zu können.

Erstens, weil mir diese Art der Aktivität nicht wichtig genug war.

Zweitens, weil so ein Abend Geld kostet und dann noch den Babysitter bezahlen? Puh. Nein.

Drittens, weil ich Freunde habe, mit denen ich mich zum FrĂĽhstĂĽck verabrede, zum Spaziergang im Wald, zum Sport machen, wenn die Kinder im Kindergarten oder der Schule sind.

Viertens, weil ich meine Kinder ungern in fremde Hände gebe und stattdessen lieber in den sauren Apfel beisse.

Aber sicher nicht, um abends auszugehen. Dieses Verbot lässt mich also bisher total kalt.

Restaurants, Cafés, Clubs, Bars, alles zu. Betrifft mich nicht, war nie Teil meines Lebens in den letzten Jahren. Schon gar nicht in der Kombination mit NACH 20 UHR.

Sicher, ich vermisse die Schwimmbäder schmerzlich.

Dass mein 5 1/2 jähriger bisher noch nicht schwimmen kann, weil er schlichtweg nicht üben kann, das ist schlimm.

Andererseits erinnere ich mich auch daran, dass ich im Winter nicht gern mit den Kindern schwimmen war. Denn danach war einer von beiden meist krank und ich habe es bereut.

Abgesehen davon, dass es meist sauanstrengend ist mit 2 Kindern alleine schwimmen zu gehen. Sie duschen ja nicht allein, trocknen sich nicht alleine ab, oder ziehen sich nicht an.

Dazu kommt noch:

„Ich muss kacka.“

„Ich hab Hunger!“

„Gehen wir dahin?“ Und: „Können wir das?“

Vermisse ich es wirklich? Vielleicht die Illusion davon und das „…wenn ich aber wollte, dann könnte ich.“

Meine Kinder vermissen den Indoorspielplatz. Das haben wir wirklich gerne gemacht bei Dauerregen und im Winter.

Vermisse ich es wirklich?

Oft ärgerte ich mich über die überteuerten Preise und darüber, dass es viel zu kalt dort war. Die Kinder waren ausgetobt, ich langweilte mich zu Tode, wenn nicht gerade jemand uns begleitete.

Am Ende schlief der Zwerg die 40 Minuten Heimweg durch und ich ärgerte mich nochmal.

Vielleicht ist das alles der Grund dafĂĽr, dass es sich diesmal nicht so schlimm fĂĽr mich anfĂĽhlt.

Ich arbeite normal weiter, die Kinder gehen dann in die Notbetreuung. Ich spüre keine Einschränkungen. Nichts, das mir wirklich, wirklich fehlt.

Alle sind gesund, wir sind viel zusammen, verbringen Zeit in der Natur, wir können uns mit Freunden treffen, mit der Familie, wenn auch mit minimalen Einschränkungen.

Weihnachten lief bei uns wie geplant ab und on top gab es bei der Oma sogar viel Schnee.

Das Geld, das wir jetzt sparen, kommt in die Urlaubskasse, denn das nächste Abenteuer kommt, da bin ich sicher.

Einsamkeit ist nichts Neues. Da bin ich schon lange durchgegangen.

Zeit alleine habe ich lieben gelernt. Sie macht mir Freude und keine Angst mehr.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ă„ndern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ă„ndern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ă„ndern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ă„ndern )

Verbinde mit %s