Gebrochenes Herz

Ich bin ein Mensch mit vielen Emotionen und wie ein lieber Mensch mal treffend sagte:

“ Dich kann man lesen wie ein Buch. Aber mit sooooo grossen Buchstaben!“

Ich kann niemanden was vormachen. Bin ich wütend, wirst du mir das ansehen.

Bin ich enttäuscht, wirst du es in meinem Blick deuten können.

Ich bin kein guter Schauspieler und deshalb auch oft viel zu ehrlich.

Ich kann schlichtweg ganz schlecht lügen, deshalb lasse ich es, gerate lieber in Erklärungsnot und unangenehme Situationen.

Es gibt eine Sache, mit der ich nicht gut umgehen kann.

Ich komme klar mit Wut und Frust, dem Alleinsein und alldem.

Wenn aber mein Kind traurig ist, so richtig, richtig traurig, dann quält es mich.

Heute war so ein Tag.

Ich habe heute frei. Soweit so gut.

Einen Tag in der Woche habe ich meinem Kind den Kindergarten erkämpft, obwohl ich eben nicht arbeite.

Damals dachte ich noch, dass ich uns Allen damit einen Gefallen tuhe.

Mein Sohn geht sehr gerne in den Kindergarten. Ich kann mich nicht an Tränen beim Abschied erinnern.

Er mag seine Erzieherinnen und Erzieher, die Spielsachen und das Toben im Gartenbereich.

Noch mehr mag er aber die Kinder.

Zwei davon bedeuten ihm alles und deren Namen fallen bei uns daheim fast täglich.

Als die Email mit der neuen Gruppeneinteilung kam, gab es grosse Freude, weil der besagte beste Freund mit auf der Liste stand. Juhu.

Auf der anderen Seite grosse Trauer, denn die liebste Freundin, mit der er sonst immer zusammen ist, war in einer anderen Gruppe eingeteilt.

Heute, an meinem freien Tag also, als wir glücklich aufwachten und er durch das Kindergartentor hüpfte, war die Welt noch in Ordnung.

Der Grosse und ich machten unsere Fahrräder klar. Die Strecke war besprochen und er braucht mich auch so sehr mal für sich alleine.

Er erzählte mir dabei mehrmals, wie gut ihm das tut und …

„Weisst du Mama? Das hab ich mir schon lang mal gewünscht.“

Nur er und ich. Ohne kleinen Bruder.

Wir traten in die Pedale, um noch schneller den Berg runter zu düsen und jubelten dabei erleichtert.

Mittags parkte ich vor dem Kindergartentor. Mein Sohn fiel mir von Weitem schon auf. Lustlos und mit gesenktem Kopf fuhr er mit einem Fahrzeug im Garten auf und ab. Im Schneckentempo.

Üblicherweise werde ich überschwänglich begrüßt und mit einem strahlenden Lachen in Empfang genommen. Mindestens aber pfeiffend und vergnügt zum Auto begleitet.

Heute war etwas anders als sonst.

Die Erzieherin sagte mir, wo die Laune herkam. Die beste Freundin war auch mit im Garten. Da sie aber in der anderen Gruppe ist und sie untereinander keinen Kontakt haben sollen, saß die Besagte ebenso traurig im Sandkasten.

Sie saß dort allein, ebenso mit gesenktem Kopf und schaufelte lustlos Sand, den sie langsam runterrieseln ließ.

Zwischen ihr und meinem Sohn:

Rotes Absperrband.

Das ist dein Tanzbereich, das ist mein Tanzbereich.

Zig Male gehört bei „Dirty dancing“ und jetzt traurige Realität.

Der andere gute Freund ist übrigens gar nicht wie erwartet in der gleichen Gruppe, sondern darf aus bestimmten Gründen gar nicht in den Kindergarten.

Zwei Tiefschläge an einem Tag.

Ich verstehe mein Kind und leide still mit. Alleine muss er sich gefühlt haben.

Heute war kein guter Tag. Im Auto kam die Wut. Er schrie und tobte. Jede Kleinigkeit und jedes falsche Wort ließen ihn erneut hochkochen. Ich hatte ihn bereits gedrückt und er erwiderte meine Umarmung nicht.

Er wolle nicht reden und wir, also sein Bruder und ich, sollten auch nicht reden befahl er uns.

Auf dem Spielplatz später wollte er im heißen Auto sitzen bleiben und nicht aussteigen.

Denn schon wieder waren von ihm keine Freunde da, sondern mal wieder nur die seines Bruders.

Er hing an mir, nachdem ich ihn schreiend und gegen seinen Willen zu mir auf die Decke setzte. Er wollte nicht spielen. Nur kuscheln. Ohne reden.

Nach ca.1 h wurde alles besser. Er lachte das erste Mal wieder und war fröhlich.

Nichts hat mich heute glücklicher gemacht, als ihn beim Fange spielen zu beobachten und dabei sein lautes, ausgelassenes Lachen und die Freudenschreie zu hören.

Ich bin hin und hergerissen.

Wertvolle Zeit mit dem Grossen alleine…wunderbar.

An meinem nächsten freien Tag werden wir aber lieber wieder zu Hause im Garten toben. Zusammen.

Ohne Absperrband. Vielleicht sogar MIT Freunden. Und auf jeden Fall glücklicher.

💙

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