Die Elternschule- der Film

Es wurde viel über diesen Film diskutiert, der 2018 erstmals ausgestrahlt wurde.

Ich habe die Meinungen dazu ein ganze Weile verfolgt, konnte mich aber nicht dazu motivieren, ihn mir anzuschauen.

Ich habe den Trailer dazu gesehen und allein der löste seltsame Gefühle in mir aus.

Am Freitag habe ich es getan, ich habe ihn mir angeschaut. Von Anfang bis zum Ende, obwohl ich bereits die ersten 20 Minuten schwer zu kämpfen hatte.

Alles in mir schrie: „Nein! Das kann nicht richtig sein!“

Es geht um Eltern, die aus unterschiedlichen Gründen völlig verzweifelt sind und Hilfe in dieser besagten Klinik suchen, mit Sitz in Gelsenkirchen.

Oft geht es um das Thema Schlafen, Essen oder Wutausbrüche.

Der Film ist eindrucksvoll. Das muss man ihm lassen. Bezeichnend. Mir zumindest gehen einige Szenen nicht aus dem Kopf und einige Bilder werde ich nicht mehr los.

Was mich seither verfolgt und sprachlos macht, sind die Schwestern in der Klinik. Ihre kalten Gesichtszüge. Kein Lächeln, kein freundliches Wort. Keine Wärme.

Es geht nur um Gehorsam, Strenge, Regeln und mit aller Macht diesen kleinen Wesen etwas aufzudrängen. Auf welche Art auch immer.

Da ist dieser kahle, kalte Raum. Er ist ganz weiss gestrichen und auf dem Boden sind Matten ausgelegt. Einige Schwestern sitzen mit einigen Kindern dort auf den Matten.

Es wird nicht geredet, nichts erklärt, kein Blickkontakt hergestellt.

Von den Kindern wird scheinbar erwartet, dass sie still und brav dort sitzen. Nicht reden, nicht zappeln und vor allem keine unnötigen Fragen stellen.

Ein Junge fängt an, an die Wand oder Heizung zu klopfen. Sein Arm wird gestoppt und festgehalten. Abgelegt. Immer wieder. Ohne ein Wort.

Ein anderes Mädchen beginnt, mit ihren Fingernägeln auf der Matte zu kratzen. Auch ihr Arm wird so oft und so lange festgehalten, bis auch sie verstanden hat, dass dieses Verhalten nicht erwünscht ist. Kommuniziert wird es nicht.

Irgendwann ist die Zeit abgelaufen, wie die eine Schwester in dem Film sagt. Alle dürfen aufstehen und den Raum verlassen.

Das eine Mädchen hat Fragen. Warum das alles? Sie erhält auch nach mehrmaligem Wiederholen ihrer Frage keine Antwort dazu.

Thema Essen. Die Mutter DARF nicht dabei sein bei den Mahlzeiten. Sie wird erst später in das alles integriert, wenn das Kind „funktioniert“.

Eine Schwester nimmt das Kind auf den Schoss. Nicht unbedingt liebevoll. Ohne Reden. Dem Kind wird ein überdimensional grosses Tuch vorgehängt, das mehr an „liebevolles“ Fesseln erinnert, als an einen Latz.

Das Kind wird ziemlich fest gepackt, nach hinten geneigt und dann soll es essen. Wenn es nicht reibungslos funktioniert, wird der kleine Körper des widerspenstigen Kindes auch schon mal zwischen die Knie der Schwester geklemmt.

Als der Junge anfängt sich zu wehren, setzt die etwa 110 kg schwere Schwester sich mit ihm auf den Boden. Wortlos schlingt sie ihre massiven Oberschenkel um ihn herum, um ihn von seinem Winden abzuhalten.

Dieser Moment hat mir mein Herz gebrochen.

Ich kann mich gut erinnern, dass mein großer Sohn eine Weile nicht mal von der Oma mit dem Löffel gefüttert werden wollte. Es war eine Phase.

Jetzt sitzt da diese völlig fremde Frau, die das Kind vorher noch nie gesehen hat. Mir ist sie auch nicht sympatisch und von ihr erwarte ich echt mehr. Mir würde in dieser Situation auch der Appettit vergehen.

Der Gedanke, das mein Kind anstelle des kleinen Jungen sein könnte, er zerreißt mich.

Später im Film darf die Mutter dann im gleichen Raum sein, wenn die Mahlzeit stattfindet. Sie muss weit entfernt auf einem Stuhl sitzen und ein Buch lesen. Darf nicht einschreiten, nicht reagieren, keinen Kontakt zum Kind herstellen.

Und danach ja nicht loben. Denn Essen ist etwas Normales, für das man nicht gelobt werden muss. Genauso wenig wie für das Atmen, sagt der Arzt.

Es gibt ab dem 1. Tag in der Klinik Schlaftraining. Das Kind wird in einem Gitterbett in einen Raum geschoben, der völlig abgedunkelt ist und wird dann alleine gelassen.

Es muss ab sofort alleine einschlafen können und wenn nicht, das eben lernen. Die Mutter muss sich am Abend verabschieden und darf nachts nicht nach ihrem Kind schauen.

Ja, genau DARF nicht.

Das übernehmen die Schwestern. Teilweise durch Videoüberwachung.

Bei der Übergabe wird über eine Mutter hergezogen, die sich in der einen Nacht zu ihrem Kind ans Bett geschlichen hat, um sich vom Wohlbefinden dessen zu vergewissern. Sie wird belächelt und als schwach und inkonsequent bezeichnet.

Überhaupt sei der Kontakt zu ihrem 7 jährigen Mädchen zu eng, weil sie immer wieder Hand in Hand über den Flur gehen würden.

Es wird besprochen, dass man beim Wiederholen des unerwünschten Verhaltens beide darauf aufmerksam machen wird, dass sie das lassen sollen.

Ich denke an die erste Zeit mit meinem ersten Sohn zurück, den ich mir so sehr gewünscht habe.

Über 3 Monate schlief er nachts nicht nur neben mir, sondern in meinem Arm. Ich wollte ihn nie loslassen und immer bei mir haben. Wenn ich mich umgedreht habe, legte ich ihn auf meine andere Seite und in den anderen Arm.

Wie schön war es und wie gut hat es sich für mich angefühlt. Ich möchte keine Minute davon missen und beim 2. Sohn habe ich es genauso gehandhabt.

Beide wollten nie, oder ungern in ihrem Gitterbett schlafen. Und wenn, dann nicht lang.

Beide habe ich in meinem Arm gewiegt und habe Schlaflieder gesungen, oder gesummt. Dabei beobachtete ich ihre zarten Gesichter und versuchte mir alles einzuprägen.

Eins der schönsten Gefühle am Mamasein ist für mich schon immer gewesen, wenn ich meinem Kind über den Kopf, oder die Wange strich und es dabei entspannt die Augen schloss.

Es muss schön sein, sich so geliebt zu fühlen, dachte ich dabei immer.

Ich bin absolut für klare Regeln, für Konsequenzen und oft auch eine kurze Leine.

Ich erziehe nicht antiautoritär und ich gebe diesem Film recht, wenn es darum geht:

Wenn es der Mama gut geht, geht es auch dem Kind gut.

NICHT

Wenn es dem Kind gutgeht, geht es allen anderen auch gut.

Da war diese eine Mama. Ihr Kind hat Neurodermitis und wenn er wütend war, oder nicht bekam was er wollte, kratzte er sich auf. Teilweise blutig.

Damit das nicht passiert, wurden ihm immer all seine Wünsche erfüllt. Er soll sich ja nicht aufregen und sich blutig kratzen müssen.

Sicher ist das auch nicht gut, das hat selbst diese verzweifelte Mutter verstanden. Sie hat aus Liebe gehandelt. Bis es eben nicht mehr ging. Sie hat nur noch geweint, lag im Bett und kam nicht mehr hoch. Sie hatte keine Freude mehr und alles drehte sich um dieses Kind. Er machte die Regeln.

Manche Ansätze fand ich gut, tatsächlich. Mir gefiel, als der Arzt mit dem Mädchen spazieren ging und sie motivierte mit ihm an der Hand zu joggen. Sie weinte irgendwann und hatte Seitenstechen.

Ja, manchmal muss man sich ganz schön anstrengen im Leben und nicht alles läuft einem zu. Da muss man durch. Und dann kann man stolz auf sich sein.

Vor Wut hatte sie unterwegs ihre Mütze auf dem Weg liegen gelassen und selbstverständlich wollte sie deswegen nicht zurück. Sie kaufe sich einfach eine Neue trotzte sie.

Der Arzt liess das so nicht zu und fand die richtigen Worte. Zusammen gingen sie zurück, um die Mütze zu holen.

Das war eine der sehr wenigen Szenen, die ich befürworte.

Ansonsten erinnerte mich alles sehr an die Erziehungsmethoden im Nationalsozialismus. Bloß nicht zu eng, bloß keine enge Bindung, das Kind muss gehorchen, ansonsten wird es bestraft. Am besten durch körperliche Züchtigung. Es muss nicht verstehen, warum und wieso.

Es muss einzig und allein machen, was von ihm verlangt wird.

In „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ von Johanna Haarer (1900 bis 1988) heisst es sogar:

Ja. Genau an diese Zeit erinnert mich dieser Film.

Seither wurde so viel geforscht und es gab so viele Studien. Ich verstehe diesen Film in der heutigen Zeit nicht. Er hinterlässt seltsame Gefühle in mir, aber sicher keine guten.

Die wahre Tragödie ist, dass es eben kein Film ist, nicht nur. Sondern dass er echt ist.

Es gibt viele verschiedene Erziehungsstile. Jeder handelt letztendlich rein instinktiv und von seinem Bauchgefühl geleitet.

Dazu noch gaaaaaanz viel eigene Erfahrung und wie man selber „erzogen“ wurde.

Niemand auf der Welt ist eine perfekte Mama. Man lernt dazu. Nicht immer trifft man gute Entscheidungen. Nicht immer trifft man den richtigen Ton und findet die richtigen Worte.

Vieles mache ich falsch, oft verfluche ich gewisse Situationen, in denen ich nicht handelte wie mein Verstand mir riet.

Es gibt Tage, an denen ich 7.05 Uhr morgens weinend zur Arbeit fahre, weil nichts funktioniert hat, ich unter Druck war und die Kinder unkooperativ. Diese Verabschiedungen im Kindergarten, wenn das Kind keinen Kuss will und sich beleidigt wegdreht.

Wenn die Wut nachlässt und das schlechte Gewissen kommt. Ich denke jeder kennt das.

Das sind die Tage, an denen ich mittags etwas schneller fahre, um sie abzuholen. Tage, an denen ich es nicht abwarten kann, mich zu entschuldigen, sie zu drücken und zu fragen:

„Vertragen wir uns wieder?“

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