Voller Liebe

Der Tag endet damit, dass ein 4 jähriger kleiner Bub vor mir steht und mit leidiger Stimme fragt: „Gehen wir schlafen, Mama?“

Und hier liege ich. Hellwach und mit knurrendem Magen. Aber überglücklich.

Heute war einer dieser tollen Tage, an dem ich alles weglächeln konnte und Zorn in Kinderlachen verwandeln.

An diesen Tagen ist schlechte Laune anderer nicht ansteckend, Gesagtes wird nicht auf die Goldwaage gelegt und selbst das Anstrengende ist so überhaupt nicht kräftezehrend.

Erhobenen Hauptes schreitet man durch den Tag und das Leben ist einfach nur schön.

Fremden schenkt man ein freundliches Lächeln, weil man gar nicht anders kann.

LÄCHLE UND DIE WELT LÄCHELT ZURÜCK!

An Tagen wie heute schaue ich meine Kinder noch genauer an, höre noch besser hin, drücke noch etwas länger und noch fester.

War ich vor wenigen Tagen doch noch so traurig und wütend über unsere Situation. Verfluchte ich alles und war die Ungeduld in Person.

Heute konnte mich nichts aus der Ruhe bringen.

Nicht, als der Zwerg immer wieder Gras über meinen Kopf rieseln ließ.

Nicht, als er auf meinen Rücken sprang, als ich mitten in meiner Sporteinheit war.

Nicht, als er wütend wurde, schrie und fluchte, weil ich nur zwei Dinge vom Garten nach oben getragen habe und er ganze drei.

“ Du hast fast nichts gemacht!“

„Immer muss ich mehr machen! Alles muss ich machen!“

Nicht, als er mich fragte, ob sein Bruder mehr Geld auf dem Konto habe und für Erklärungen, dass der ja auch 4 Jahre länger sparen konnte, nicht zugänglich war. Er forderte von mir die restliche Summe, um gleich viel zu haben. Jetzt sofort!

„Das ist unfair! Warum hat er mehr als ich?!“

Der Grosse drängelte, ich solle eeeendlich mit ins Trampolin kommen. Er erinnerte mich im Minutentakt, dass ich es versprochen habe. Ich kann es heute überhören und meine Sache beenden, bevor ich mithüpfe.

Der Ärgermeister bringt seinen kleinen Bruder auf die Palme, nicht aber mich. Er schafft es mit wenigen Worten und der Zwerg schreit mal wieder in allen Oktaven.

Heute ärgert es mich nicht und ich beiße nicht meine Zähne zusammen, weil ich mich so zusammenreißen muss. Heute sehe ich ihm in die Augen, sage herausfordernd: „Lauf“ und zähle bis 2. Dann liefern wir uns eine wilde Verfolgungsjagd, bei der ich niemals als Gewinner rausgehe.

Ich wirble ihn umher und geniesse sein lautes Lachen.

Heute gibt es keinen Kummer, kein Grübeln und keinen Groll.

Nur uns. Meine unperfekte perfekte Familie. Mich, die Mutter, die ich so immer sein will.

Meine Kinder, die die Zeit mit mir geniessen. Die Aufmerksamkeit, das Gesehenwerden. Meine Umarmungen und meine Küsse.

Ein perfekter Tag geht zu Ende und mein Herz lacht.

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