Es reicht!

Woche 6.

Können wir das alles jetzt bitte endlich beenden?!?

Ja, es war manchmal richtig toll.

Ja, wir haben festgestellt, dass wir gar nicht sooo viel vermissen.

Ja, es ist toll, dass wir ein bisschen gespart haben, weil wir weder ins Schwimmbad, noch ins Kino konnten.

Ja, wir haben viele neue Orte erkundet, die wir sonst vielleicht nie besucht hätten und ich liebe das.

Ja, dadurch ist zwischen dem Papa der Jungs und mir Waffenstillstand. Wir haben hier 6 Tage am Stück und einige Wochenenden in Harmonie verbracht, wenn ich arbeiten musste und er die Kinder gehütet hat.

Ja, es gab Erfolgserlebnisse und tolle Momente.

Ja, ja, ja…

ICH HABE ES KAPIERT!

Danke für diese Lektion.

Woche 1 und 2 brauchte ich zum Verstehen und Begreifen, was hier grad passiert.

In Woche 3 und 4 hab ich mich recht wohl gefühlt. Alles war geklärt, alle sind in der neuen Situation angekommen. Die Jungs sind in der Notbetreuung gut aufgehoben und sind danach ausgeglichener.

Ich hatte viele freie Tage und Urlaub, das Wetter war fantastisch und wir haben tolle Ausflüge gemacht.

In Woche 5 habe ich den Stapel neue Schulaufgaben abgeholt und mich gefreut, dass diesmal vorgegeben war, was an welchem Tag zu erledigen ist. Das hilft!

Bei der ersten Flut an Schulaufgaben waren wir einfach nur erschlagen und man konnte so gar nicht einschätzen, wie viel man täglich erledigen muss, um einigermaßen hinzukommen.

Wieder habe ich meinem Schulkind ein neues Thema in Mathe beigebracht, obwohl ich es nicht als meine Aufgabe empfinde.

Weder kann ich gut erklären, noch habe ich Geduld dafür. Aber gut, er kann jetzt das Einmaleins mit grossen Zahlen.

In Woche 5 kippte bei uns die Stimmung, ich erhob drohend den Zeigefinger, redete durch die Zähne, meine Halsschlagader bebte im Takt meiner Schreie.

Alles in mir schreit:

Ich. Will. Jetzt. Nicht. Mehr!

Ich kam an den Punkt, an dem ich nicht mehr geschrien habe, sondern geweint habe. Vor Wut, vor Erschöpfung und vor Traurigkeit.

Mein Sohn testet seine Grenzen wie nie zuvor und ich frage mich, ob man mit 9 schon in der Pubertät sein kann, oder das noch nichts im Vergleich dazu ist.

Hätte mir vor dieser Zeit jemand gesagt, dass ich es 6 Wochen und wahrscheinlich noch viele mehr ohne eine kleine Pause und Auszeit schaffe, ich hätte es nicht für möglich gehalten.

Ich überlege, was das kleinere Übel ist:

Meine Arbeitstage? Frühes Aufstehen, Stress, Zeitdruck, dröhnender Kopf und Gehetze. Dafür aber 10 Minuten Autofahrt. ALLEINE! Arbeitskollegen, also erwachsenen Menschen!

Vesper und Rucksäcke für die Kinder vorbereiten und sie in der Notbetreuung zurücklassen.

Meine freien Tage? Ausschlafen…bis ca. 7 Uhr, bevor ich Tippel Tippel höre und es bei mir an der Tür klopft.

Meine Kinder in den Garten schicken können, wenn es mir zu viel wird.

Im Haushalt was schaffen. Wenn auch nichts zu Ende, weil immer irgendwas ist und immer jemand irgendwas will. Oder irgendwas macht. Oder eben nicht macht, was er soll.

Ich bin durch nach Woche 5. Sie hat mir alles abverlangt und ich liege unbewaffnet am Boden.

Ich habe so viele Kohlenhydrate gegessen, dass mir meine Arbeitshosen nicht mehr passen. Ohne hätte ich es nicht geschafft.

Meine Kinder haben gemerkt, dass ich es leid bin zu verhandeln und zu diskutieren. Meine Ansagen werden deutlicher, ich konsequenter und die Grenzen klarer. Mit mir treibt man es jetzt besser nicht zu bunt, denn dafür hab ich keine Energie mehr.

Abends bleib ich nicht wie sonst ewig noch bei ihnen liegen und wir philosophieren über die Ereignisse des Tages. Jetzt verbringen wir notgedrungen so viel Zeit zusammen, dass ich auf dem Laufenden bin und der Austausch über Tag stattfindet.

Auf Sport hatte ich lange weder Lust, noch Energie übrig. Das machte ich sonst an meinen freien Tagen, wenn die Kinder im Kindergarten und in der Schule waren.

Das war meine Zeit! Da habe ich aufgetankt. Da ging es nur um mich.

Da habe ich Haushalt Haushalt sein lassen und habe mich gut um mich selbst gekümmert.

Jetzt wollen die Kinder so viel von mir, das für mich selbst nichts mehr übrig bleibt. Weder Zeit, noch Energie und Kraft.

Ich bildete mir gestern vor dem Spiegel ein, ich hätte ein graues Haar bei mir entdeckt. Es wundert mich nicht. Höchstens, dass es nur eins war.

Jetzt, in Woche 6 rennen wir alle mit Mundschutz rum, in mir rebelliert alles.

Ich fühle mich unwohl damit, stehe absolut nicht dahinter und es ist mehr als befremdlich.

Ich bin wütend. Denn ich werde zu etwas gezwungen, das ich nicht will.

Der erste Einkauf damit ist geschafft und es macht mir bereits vor dem Laden mehr als schlechte Laune.

Nein, für mich ist es kein modisches Accessoire und ich habe mir nicht wunderschönen Stoff dafür ausgesucht.

Lieber möchte ich böse Wörter darauf schreiben.

Mein Blick hat sich in Woche 6 verfinstert. Ich kann es nicht mehr geniessen, so sehr ich mich anstrenge.

Die Luft ist raus.

Ich will wieder völlig selbstbestimmt leben. Vielleicht mit weniger Terminen. Weniger hin-und hergefahre. Mehr Besinnung auf das Wesentliche. Aber jetzt ernsthaft, ich will mein Leben zurück.

Ich ertrage die Kämpfe meiner Kinder nicht mehr, denn auch sie brauchen dringend eine Pause voneinander.

Ich will alleine sein! Ein paar Stunden! Immer wieder! Um Dinge zu tun, die nur mit mir zu tun haben.

Einfach kurz in den Laden springen und ein paar Kleinigkeiten holen. Ohne Wagen, so wie davor. Alles in meinen Armen stapeln und mich darüber ärgern, dass ich es mal wieder falsch eingeschätzt habe.

Ich will nach Hause kommen und keinen vorfinden, weil Nachmittagschule ist. Nicht reden, keine Fragen beantworten. Nicht diskutieren, nicht kochen, nicht hinterherräumen.

Ich will, dass mein Sohn sich nach der Schule an seinen Schreibtisch setzt und zügig seine Hausaufgaben macht, weil er weiss, er hat 15 Uhr Training.

Letztes Jahr 2 Wochen weiter hab ich die ersten Runden im Freibad gedreht. Dazu wird es jetzt nicht kommen.

Ich will auf den Sportplatz morgens um 8 und zehn Uhr guten Gewissens auf der Couch sitzen. Nach Sport, Frühstück und Dusche.

Ich will Termine und Telefonate ohne die Anwesenheit von lauten Kindern wahrnehmen können.

Mir graut es vor den nächsten Tagen, weil es viel regnen soll. Das hilft mir nicht wirklich. Danke für nichts lieber Wettergott.

Kann einer bitte machen, dass das aufhört! Ich mag nicht mehr!

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